Literaturgefluester

2021-11-06

Lachen und Sterben

Buch fünf des öst Bps ist wieder eine Essay- oder Textsortensammlung, ja das ist beim österreichischen Buchpreis möglich, zumindest ist Franz Schuh 2017 schon mit seinem „Fortuna.Aus dem Magazin des Glücks“ auf der Longlist ,gestanden und ich habe als ich 2005 bei dem Literaturwettbewerb in der Pannaschgasse einen „Thalia Gutschein“ gewonnen habe, mir sein „Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche“ ausgesucht, das ich zugegeben, nicht verstanden habe. Denn der 1947 Geborene, der Philosophie, Geschichte und Germanistik studierte, ist in seinem Denken sehr theoretisch und springt in seinen Essays leider vom hundertsten ins tausendsten, was es mir, die ich ja immer die Struktur und den Inhalt suche, sehr schwer macht.

Dabei kenne ich ihn schon sehr lange und von seiner literarischen Seite, war der doch vor meiner Zeit 1976-1980 Generalsekretär der GAV, hat da „Wespennest“ mitbegründet und ich habe ihn auch bei den verschiedenen Vorträgen gehört. In „Ex Libris“ hatte er eine Kolumnse und jetzt ein Buch über „Lachen und Sterben“ geschrieben.

Zuerst habe ich, als ich die Liste gesehen habe, „Uje!“, gedacht, dann, als ich im Auszug aus dem Leseprobenbüchlein, das Wort „Corona“ und „Risikopatient“ gelesen habe, gedacht, das ist vielleicht ein Corona-Buch dann könnte man es ja auch für ein Buch passend zu Allerseelen halten.

Als ich aber, um mich auf meine Besprechung vorzubereiten, bei „Wikipedia“ nachgesehen habe, habe ich den Satz „Seit 2020 verbringt Franz Schuh krankheitsbedingt viel Zeit in Krankenhäusern als „Pflegefall“, sehr interessant gefunden, und das Buch von dem ich bis dahin ein Viertel gelesen hatte, besser verstanden, denn es beginnt mit dem Gedicht:

„In diesem Winter und in dem Winter davor habe ich kein einziges Mal meinen Wintermantel getragen. /Das war vielleicht ein Glück! Denn ich bin wieder einmal dicker geworden, dicker, als ich damals war, in dem Jahr, in dem ich den Mantel kaufte. /Vielleicht hätte er mir nicht mehr gepasst, obwohl ich jeden Mantel größer kaufe, als gerade angemessen wäre. „In weiser Voraussicht“, wie man sagt./ Die Frage ist in diesem Frühling ohnedies überholt. Es kursiert die Nachricht, dass manche leute zur „Risikogruppe“ gehören. Die muss man entweder schützen oder ihrem Schicksal überlassen.“

Und da war ich schon mal hingerissen und dann kam die Anekdote vom „Tod in Wien“ wo aus einem Auto, das eine Leiche vom Krankenhaus auf den Friedhof bringen soll, hinausgefallen ist und dann noch ein Gedicht, das vom Tod handelt und die Erklärung, daß es schon vor Corona geschrieben wurde. Dann kommen Essays, die vom Wiener Schmäh, von Canetti und Karl Kraus handeln, den Schuh für sein größtes Idol hält, dann geht es zu Sebastian Kurz, das Buch ist im Frühling erschienen, enthält also nicht die letzten Ereignisse, zu Wolfgang Schüßel, also wieder vom Hundersten zum Tausendsten und ich dachte wieder, wie soll ich das zusammenfassen, habe nachgegoogelt und bin auf ein Gespräch zwischen Armin Thurnher und Franz Schuh im „Kreisky-Forum“ gekommen, wo er über die Entstehung des Buches erzählte, das offenbar im Krankenhaus oder danach entstanden ist und wo er sich ähnlich oder auch ganz anders, als Peter Paul Wiplinger mit seiner Krankheit und sich in dem Gespräch auch darüber lustig machte, daß man jetzt, wenn man genesen ist, sogar in ein Restaurant darf, während Nietzsche etwas anderes darunter verstanden hat.

Es gibt die Fragmente der Eitelkeit und die der Einsamkeit und in diesen kommt Franz Schuh zur Eigenverantwortlichkeit, wobei er sowohl den Philosophhen Max Stirner als auch die Philosophin Liz Hirn zitiert und mitten im Corona-Thema ist. Er zitiert den Unterschied zwischen allein und einsam und weist darauf hin, daß man allein geboren wird und auch alleine stirbt.Und dann gibt es noch aus der Stifterschen Erzählung den „Hagestolz“, als Paradetypus für den einsamen Mann.

Es gibt ein Gedicht, das sich mit dem „Tod des Vaters“ beschäftigt und den Versuch über den Radioliebling Heinz Conrad, dessen Radiosendung sich bei Franz Schuh sehr eingeprägt hat.

Ein zweites Idol scheint Franz Schuh in dem 1986 verstorbenen Schauspieler und Kabarettisten Helmut Qualtinger zu haben, der mit Carl März den „Herrn Karl“ geschrieben hat, diesem österreichischen Typen ist auch ein ausführliches Kapitel gewidmet. Qualtinger den Schuh für sehr österreichisch hält, hat aber auch „Mein Kampf“ vorgetragen, „Der Papa wird schon richten“. gesungen und hat glaube ich. als Schauspieler in einen Krimi gespielt, den ich einmal gesehen habe. Er war darüber hinaus noch, glaube ich, ein begnadeter Stimmenimitator, der manche Poltiiker, wie ich gehört habe, sehr verwirrte.

Franz Schuh kommt indessen zur Schauspielkunst und meint, daß auch der Autor oder Philosoph in der Verwandlung zur Kunst kommt. Das soll auch Friederike Mayröcker so gesagt haben. Sie hat einen Einfall, dann transformiert sie ihn und so wird Kunst daraus.

Jetzt habe ich das Kapitel über den Kabarettisten Lukas Resetarits, der im gleichen Jahr, wie Schuh geboren ist und mit fünf Jahren vom burgendländischen Ort Stinaz, wo kroatisch gesprochen wurde, nach Wien Favoriten gekommen ist, vergessen und Der Arzt Georg Ringswandl, der aus diesem Beruf ausgestiegen ist, um Kabarettist zu werden, wird auch erwähnt.

Der Tod kommt, wie schon der Titel sagt immer wieder vor und auch das Lachen, der Witz, der Humor und die politische oder unpolitische Korrectnessen, wird nach dem Schmäh noch in einem eigenen Kapitel erwähnt und das Thema Corona scheint den Intensivpatienten auch sehr beschäftigt zu haben, obwohl er da wahrscheinlich nicht so kritisch, wie ich ist, setzt er sich, manchmal auch sehr humorvoll, damit auseinander und am Schluß gibt es noch ein Drama das bezeichnenderweise „Todesengel“ heißt. Lesetheater wird es genannt und setzt sich sowohl mit der Covid-Situation als auch mit den „Todesengeln von Lainz“ in den Achtizgern auseinander, wo damals, die Stationsgehilfen wie sie damals noch hießen und über die Pflegehelfer heute politsch korrekter zu Pfegeassistenten wurden, ihre Überforderung in „Mundpflege“ ausdrücken und Franz Schuh hat, wie man liest, das Covidjahr 2020, das er größtenteils im Spital und in Pflelgestationen verbrachte, sehr beschäftigt und so ist das Buch eine, wie ich finde sehr gelungene Mischung zwischen persönlicher Betroffenheit und intellektuellen Spitzfindigkeiten.

Am Schluß wird noch erwähnt, daß einige Artikel, wie beispielweise, die über Heinz Conrad oder Helmut Qualtinger schon früher geschrieben und erschienen sind und ebenfalls am Schluß ist sich Fran Schuh nicht sicher, ob Freud recht hat, wenn er den Witz an das Unbewußte bindet.

Der hat ihn, glaube ich, als Abwehrmechanismus bezeichnet, mit dem ich, die ich ja nicht so viel lustig findei, am Anfang meines Studiums und vielleicht immer noch Schwierigkeiten habe, jetzt aber damit umgehen kann.

Ein interessantes Buch also, das ,das Covid und Spitalsjahr des Franz Schuh sowohl persönlich als auch höchst intellektuell beschreibt, also lesen, lesen, kann ich nur empfehlen. Schade, daß es nicht auf die Shortlist gekommen ist und was die und die restlichen noch nicht gelesenen österreichischen Buchpreisbücher betrifft, bin ich gespannt.

2021-01-09

Drei Fliegen

Filed under: Bücher,Uncategorized — jancak @ 00:55
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Jetzt kommt die ideale Buchbegleitung zum neuen Romanschreibjahr, nämlich Nico Bleutges „Drei Fliegen – über Gedichte.“

„In seinen Essays und Skizzen taucht Bleutge in die Sprachwelten anderer Dichter und Dichterinnen ein und bringt dabei zugleich Gedanken über das eigene Schreiben an die Oberfläche“, steht auf einem beigelegten Zettel des bei C.H. Becks erschienenen Bandes und ich habe den 1972 in München geboren Nico Bleutge 2012 in Wien kennengelernt, als der Erich Fried-Preis bekommen hat und da hat seine Dankesrede den Titel „Drei Fliegen“ gehabt, die wahrscheinlich im „Standard“ aber auch in den „Akzenten“ 2014, herausgekommen sind. Jetzt ist es der Titel des Buches über Gedichte, das aus Essays und Skizzen in sechs Kapitel besteht und die erfolglose Schreiberin, die sich wieder zum wiederholten Male in einem Schreiblernkurs versucht in die schöne Sprache einführt, könnte man so sagen.

Ich schreibe ja keine Gedichte, keine wirklichen und ankerannten jedenfalls, denn ind den „Wiener Verhältnissen“, ist eines vorhanden, ein Corona-Gedicht habe ich heuer an das Literaturcafe geschickt, eines über Weihnachten 2000 ist in der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft zu dieser Zeit entstanden und in meinem zweiten Corona-Buch das demnächst erscheinen wird, gibt es angeregt von Doris Kloimstein auch immer wieder ein paar Gedichtzeilen, aber jetzt mit Nico Bleutge, den ich inzwischen öfter in Wien gesehen habe, in die schöne Sprache eintauchen und herauszufinden, was er über das Schreiben denkt und wie er sich sprachlich damitauseinandersetzt.

Das beginnt schon im ersten Kapitel mit dem Wort „Muschelkalk“ das ihm am Flughafen Tempelhof, den er dann erforschte, begegnete.

Die „Drei Fliegen“ sind dann auch in dem Kapitel erhalten. Er liest die Fried-Werkausgbe, tut sich schwer dabei, beobachtet dabei eine Fliege und kommt dann zu dem Buben, der sie auf dem Pingpongtisch aufspießt. Er hat als Kind auch Fliegen beobachtet, aber nicht getötet und eine Fliegengeschichte von Robert Musil gibt es auch dabei.

Im zweiten Kapitel beginnt Bleutge mit den Erinnerungen beziehungsweise mit einem Bild von sich als kleinen Buben, das sein Vater einmal von ihm mit der Kulisse von Venedig nach einem Italienurlaub malte. Dann bleibts in der Vergangenheit und es geht an die Erinnerungen an die Großmutter, an ihren Balkon, Lift und ihr Stiegenhaus und “ Das Treppenhaus“, schreibt Lutz Seiler einmal, gehört zu den magischen Orten der Kindheit.“

Das kann ich so zwar nicht bestätigen, aber Nico Bleutge nimmt immer wieder Bezug zu seinen Schriftstellerkollegen auf. Dann gehts zu den Träumen beziehungsweise zum Schlaf, denn das hat er als Kind nicht wollen, die Mutter hat ihm da immer ein Liedchen vorgesungen und das führt zu dem „Bucklichen Männchen und zu Walter Benjamin beziehungsweise zu Joseph von Eichendorff, der sich auch darauf bezogen hat.

Dawzischen werden noch zwei Gedichte analysiert, nämlich die „Dunklen Augen von Marcel Beyer und das des schwedischen Dichters Gunnar Ekelöf „Klima“, den Nico Bleutge sehr zu verehren scheint.gehe

Um drei Fliegen geht es im dritten Kapitel, wo es unter anderen um die Sprache der Tiere geht, noch einmal. Her handelt es um ein Bild des niederländischen Malers Jaques de Gehyn, das Nico Beutge in einer Ausstellung entdeckt und den Text 2019 geschrieben hat.

Im vierten Kapitel gehen wir zuerst zu der 1959 geborenen Barbara Köhler und durch deren Bücher, dann folgt die Büchner-Preisträgerin Elke Erb, sehr ausführlich beschäftigt sich Nico Bleutge mit dem „Alphabet“ der 1935 geborenen und 2009 verstorbenen dänischen Autorin Inger Christensen und kommt dann zu Zsuzsanna Ghase von der ich schon einiges gehört und gelesen habe.

Der 1835 in Warmbronn geborene Christian Wagner ist 1895 „auf eine kleine Reise nach Italien“ aufgebrochen und berauschte sich dort in einem Wirtshaus am Klang der italienischen Sprache und war froh darüber, daß er den „Klatsch“ um den es dort wahrscheinlich ging, nicht verstanden hat. In einem weiteren Kapitel beschäftigt sich Bleutge sehr ausführlich mit den Wiederholungen.

Ein wichtiges Element des Gedichts, so lesen manche Dichter, wie etwa Reiner Kunze, ihre Gedichte oft zweimal. Im Wiegenlied gibt es Wiederholungen, die die Kinder beruhigt einschlafen lassen und Ernst Jandl hat seine Mutter früh verloren. Das war wahrscheinlich plus seiner Kriegserfahrungen sein Trauma, das zu seiner speziellen Sprache führte. Bleutge erwähnt ein altes Fotos. Jandls Vater hat seine Familie künstlerisch fotografiert, was zu Jandls Familienfoto“ führte.

„der vater hält sich gerade/ die mutter hält sich gerade, der sohn hält sich gerade/die tochter hält sich gerade“ und interessant finde ich dabei daß es in Jandls Familie fünf Söhne und zwei Töchter gibt.

Die Fliegen kommen im fünften Kapitel ein drittes Mal vor, da murmelt Bleutge „im zimmer, drin ich schlafe“ und bezieht sich auf Rilkes „Herbstfliegen“ im „Malte Laurids Brigge“, den ich nicht gelsen habe und noch einmal auf Jandl.

Dann kommt ein prosaischer text über seine ambivalente Beziehung zu den Großeltern, den Bleutge mit einem Roman von Wolfgang de Bruyn verknüpft. Ja das gibt es in einem Essayband über Gedichte auch. Der unbekannte Dichter Wilhelm Klemm, der 1881 in Leipzig geboren wurde, wird erwähnt und Thomas King, der obwohl, das Kapitel so beginnt, glaube ich, kein Romantiker ist, aber wie Bleutge betont keine Wasserglaslesungen mag.

Ein interessantes Buch aus dem die, deren Sprchw ja immer sehr bemängelt wird „Sie schimpfen sich Dichterin?“, tue ich nicht, nur schreibende Frau und das bin und tue ich auch, sehr viel lernen kann. die Achtsamkeit bezüglich Sprache etwa oder erfahren kann, wie Sprachkünstler zu ihren Gedichten kommen. Einige der Texte wurden extra für das Buch geschrieben, andere sind, wie schon der erste Fliegen-Text Laudatios oder Dankreden. So hat er etwa eine Laudatio für Zsuszanna ghase gehalten oder eine Dankrede zum Eichendorff-Preis, für Barbara Köhler hat er eine Laudatio gehalten und den „Christian Wagner-Preis“ hat er auch bekommen.

2019-12-11

Dirk Stermanns Sprache und Brigitte Schwens-Harrants Essays

Im „Doml“ hat es noch die letzten Kekse von der gestrigen Weihnachtsfeier gegeben und die gute Schokolade, die die Vortragende aus Kroatien mitgebracht hat, für die SPÖ-Weihnachtsfeier wurde auch eifrig hergerichtet und umgeräumt und ich habe mich mit Stephan Teichgräber wieder in die Gefilde von Dirk Stermanns „Hammer“ begeben, was ein tolles Buch ist, was ich dem Kabrettisten gar nicht zugetraut habe. Ein tolles Buch mit einer tollen weitschweifigen Sprache, so daß man mit den Googlen gar nicht nachkommt.

Da waren ja erst die Berufe, der „Kotzenmacher“, der „Gubernialrat“, die „Wehenmutter“, etc, die sich Stermann wohl aus alten Archiven zusammenklaubte, dann ging es zu der Frage, ob „Das Kind zeriß ihr die Eingeweide“, eine Metapher ist?  ich denke eher, das sind die Gefühle einer Gebärenden, bis  hin zu den vielen Glocken, die es in St. Stephan gibt.

Ein tolles Buch und Stephan Teichgräber hat auch sehr viel gegooglet und die Zusammenhänge hergestellt, das ich mir nach dem ich die Lesung bei der „Buch Wien“ hörte von Annas Geburtsgutschein bei Thalia in St. Pölten gekauft habe, aber höchstwahrscheinlich erst im Jäjnner lesen werde, wenn ich mit meine 2019 Rezensionsexemplaren fertig bin und dann ist es über den Umweg des „Wortschatzes“, wo ich zuerst die „Anna“ hineinlegte und beim Rückweg tolle alte „bb-DDR“-Ausgaben gefunden habe, in die „Gesellschaft für Literatur“ gegangen, wo der dritte Essayband vorgestellt wurde, den die 1967 geborene Feuilletonchefin der Furche und Literaturkritikerin Brigitte Schwens-Harrant gemeinsam mit Jörg Seip bei „Klever“ herausgebracht hat „Mind the gap. Sieben Fährten über das Verfertigen von Identitäten“ und das ist bestimmt ein spannenden Buch, obwohl mir lange nicht klar war, worum es dabei eigentlich geht?

Um die Identität ganz klar, das was man ist, aber eigentlich ist dabei um Ausgrenzung, Abschotten, Rassismus, etcetera gegeangen und „Mind the gap!“, was ich zuerst auch nicht verstanden habe, ist das was, man in der U- Bahn täglich hören kann, „Achtung, da ist eine Spalte!“

Wir haben eine Identität, aber offenbar können wir die nur haben, wenn wir die anderen nicht dazu lassen, so habe ich die „Sieben Fährten“ und die Diskussion darüber verstanden, ist es doch um die Frage ob man mit Rechten reden soll?, gegangen.

ich denke, ja natürlich und habe es auch lange genug mit dem Uli versucht, bis er seine Kommentare geschlossen hat, herausgekommen ist aber nur ein Beschimpft worden sein und, um die Handke-Debatte, derzeit gerade besonders aktuell, weil der Nobelpreis, gestern an ihn vergeben wurde.

Der wurde in dem Buch noch nicht erwähnt, hat aber offenbar die Gemüter erregt und ehemalige Freunde zu Feinden gemacht, was ich nicht verstehe, aber schon sehr irritiert über die Diskussion im Literaturcafe, wo Malte Bremer ihm eine „Schlaftablette“ nannte, war, sowie über Sasa Stanisic Reaktion bei der „Buchpreis-Verleihung“.

Aber, ich denke, es ist wahrscheinlich doch der Neid „Was der kriegt den preis, der ist doch….?“

Die Greta Thunberg-Beschimpfung, die man bei den rechten Videos hören kann, wurde nicht erwähnt, eher der Rassismus und da ist es in dem Buch zumindestens bei den Stellen die Brigitte Schwens-Harrant vorgelesen hat, eher, um die amerikanische Literatur Toni Morrisson, zum Beispiel und C T. Boyles „America“ gegangen. Die sieben Fährten  sind „Liebe, Gender, Stadt,Hybride, Othering, Religion und Gast“ und in jedem Kapitel kann man sich anhand der Literaturbeispiele abarbeiten und seine <meinung bilden und ich bin nach wie vor nicht ganz sicher, ob Identität wirklich etwas mit Ausgrenzung zu tun hat?

Zumindest nach meiner Definition nicht, aber natürlich grenzt man ständig jemanden aus, schon wenn man eine „Buchpreisliste“ rangreiht tut man das oder mit dem berühmten Satz „Eigenverlag wollen wir nicht! Da kannst du nicht bei uns lesen!“

Aber das ist ein  anderes Kapitel und das „Miteinander statt Gegeneinander!“, ist vielleicht ein Weg hinaus.

Zuhören, Empathie und Wertschätzung! Dann kann man Peter Handke den „Nobelpreis“ gönnen und braucht nicht seiner politischen Meinung sein, aber natürlich ist sehr viel Haß in der Welt, was ich nach wie vor sehr schade finde, weil ich ja eigentlich sehr harmoniebedürftig bin.

2016-11-14

Zwischen Schreiben und Lesen

Am neunundzwanzigsten und dreißigsten Oktober fand im „Odeon“ eine „Enquette zur Literaturvermittlung“ statt, wo die Literaturhäuser, die „Alte Schmiede“ und die „Gesellschaft für Literatur“ sich mit diesen Thema auseinandersetzten.

Dazu wurden auch eine Reihe, Margot Schreiner würde sie wahrscheinlich „Mittelschichtautoren“ nennen, eingeladen, für eine Anthologie, die von Robert Huez vom Literaturhaus Wien, Edith Bernhofer vom Klagenfurter Literaturinstitut und Thomas Friedmann vom Salzburger Literaturhaus herausgegeben wurde, Texte zu schreiben.

Bei „Klever“ erschien dann die diesbezügliche Anthologie „Zwischen Schreiben und Lesen – Über Situation, Herausforderungen und Möglichkeiten von Literatur und Literaturvermittlung in Österreich, die drei Bereich enthält.

Im ersten „Literaturbetrieb. Gesellschaft.Politik“, begann die 1953 in Linz geborene und heurige „Wildganspreisträgerin“ Margit Schreiner mit ihren Essay „Aspekte zeitgenössischer Literatur und ihre Gesellschaftlichen Bedingungen“ in dem sie sich mit dem Roman auseinandersetzt.

Das der in der Krise sei, war ihr Statement, was ich, die ich mich jetzt ja gerade mit den Debuts und dem Buchpreislesen auseinandersetzte und noch setze nicht so ganz verstanden habe, denn es gibt ja jede Menge solcher und Margit Schreiner merkt auch genau an, daß die immer dicker und dicker werden. Ja, natürlich, der von Clemens J. Setz umfaßte schon über tausend Seiten. Margit Schreiner unterscheidet auch noch zwischen Kleinverdiener, den sogenannten Mittelschachitautoren, zu denen sie sich wohl selber zählt und den Bestsellerautoren, da wird Charlotte Roches „Schoßgebete“ als Beispiel genannt.

Gerhard Ruiss folgt mit einem Einblick in die Österreichische Literatur-Verlags-und Flörderlandschaft“, die IG-Autoren haben sich 1971 gedründet, die GAV 1973, „Manuskripte“ und „Wespennest“ waren damals die führenden Literaturzeitschifrten, eine Reihe kleiner gab es auch noch, wie man vor kurzem im Literaturhaus sehen konnte, das Literaturhaus wurde 1991 eröffnet, die „Alte Schmiede 1975“.

Dann folgte der doppelte Longlist- und einfache Shortlist Kanditat Reinhard Kaiser Mühlecker und führt als Beispiel,  die städtische Bibliothek in Stockholm an, deren Speicher geschlossen war, als er sich dort ein Buch ausleihen wollte, während Marlene Streeruwitz die politische, Stockholm wieder als postitives Beispiel an Fortschrittlichkeit nennt, während in Österreich ja 2000 die blau schwarze Regierung Einzug hielt, die Autoren gespalten oder zu Unternehmern machte, Widerstandsleseungen hat es damals auch gegeben und die berühmten Donnerstagsdemonstrationen.

Theresa Präauer, die ich als Illustratorin von Wolf Haas Kinderbuch kennenlernte, die aber jetzt auch schon drei Romane geschrieben hat, beim „Bachmannpreis“ gelesen hat und mit „Oh Schimmi“ derzeit an erster Stelle der ORF Bestenliste steht, hat als Thema für ihren Essay, die Lesungen gewählt und meint, sie hätte schon tausend beigewohnt, weil sie als Studentin eine Zeitlang hinter der Bar eines Literaturhauses gestanden hätte.

Das gilt auch für mich, da stehe ich zwar vor der Bar, beziehungsweise dem Tisch, an dem im Literaturhaus der Wein ausgeschenkt wird. Bei tausend Lesungen war ich aber höchstwahrscheinlich auch schon, gehe auch sehr gerne hin und habe eigentlich auch nichts gegen die vielgeschmähte Wasserglaslesung und Teresa Präauer, kann man noch anmerken ist auch eine Meisterin des Vortrags, bezeihungsweise der Performance, die man bei ihren „Oh Schimmi-Lesungen“ merken kann.

Der zweite Teil des Buch befaßt sich mit dem Bereich „Bildung.Schule.Literaturvermittlung“ und da setzte sich, der 1955 geborene Ludwig Laher mit der Zentralmatura auseinander und bedauert, daß man in Zukunft in der Schule keine Literatur mehr vermittelt bekommt und das Gymnasium verlassen kann, ohne einen Roman gelesen zu haben.

Seinen Aufsatz aus dem „Standard“, wo sich eine fiktive Schülerin dagegen wehrt, Altenhelferinnen Arno Geigers „Der alte König in seinem Exil“ an Hand eines Textausschnittes empfehlen zu können, ist auch abgedruckt. Hier kann ich wieder nur einwenden, daß das Buch ein „Memoir“ und kein Roman ist und ich denke, daß wir alle ja von Lesetips zehren sollen, die uns den Kauf eines Buches schmackhaft machen wollen, zumindest werden sie im Netz sehr empfohlen und auch sonst sehrverbreitet.

Der 1972 in Brünn geborene Michael Stavaric beschreibt in „Identität, Initiation und (literarische Heimat) seine Erfahrungen bei Schullesungen und gibt dazu Beispiele aus seinen Kindergedichten.

Dann geht es zum „Autorenleben“ . Hier gibt die 1957 in Bozen geborene Erika Wimmer in „Maskenspiele. Die Dichterin, die Alte und ihr Biograph“, ein sehr beeindruckendes Beispiel einer literarischen Beziehung.

Der Biograph Jakob rast einer hundertjährigen Dichterin, der Text ist Rita Levi-Montalcini gewidmet, nach, um ihre Biografie zu schreiben und muß sich dabei allerlei Schrullen und Einschränkungen gefallen lassen, während, die Dichterin mit den Literaturvermittlern, den Lektoren, den Veranstaltern, den Redakteuren ringt, die ihren Gedichtband ebenfalls allerei Einschränkungen aussetzen und ihn  schlußendlich doch nicht besprechen, verlegen, vorstellen.

Dazu fällt mir die „Dora Faust“ ein, in die ich ja auch meine Absage und Bewerbungsschreiben hineinverarbeitet habe.

Der 1965 in Dornbirn geborene Wolfgang Bleier, ein mir bisher unbekannter Autor, beschreibt sein Autorenleben sehr poetisch und Martin Prinz, der mit der „Letzten Prinzessin“ von „Jung und Jung“ zu „Suhrkamp“ gewandert ist, ein „glücklicher“ Autor also, sitzt zu Zeiten der Präsidentschaftswahlen und deren Wiederholungen im Cafe Floriani und versucht seine Auftragsarbeit für die Literaturvermittlungsanthologie zu schreiben, dazwischen muß er in zwei Tagen seine Fahnen durchgehen, macht Beobachtungen, etcetera.

Dann gibts noch einen Text des 1982 geborenen Bernhard Strobels in dem Buch, der sich mit den drei „Lebenslügen der Dichter“:

  1. Literatur verändert die Welt
  2. Die Dichter schreiben für die Nachwelt
  3. Es gibt eine Weltliteratur

beschäftigt.

Ein sehr interessantes Buch, das einige sehr interessante Aspekte des Literaturbetriebs aufzeichnet, bedauert, daß es keine Leser mehr gibt, die Subventionen eingespart werden und das alles auf mehr oder weniger literarisch anspruchlsvolle Art und Weise beschreibt.

Die experimentelle Literatur kommt dabei vor, die Genres, wie Krimis, Si Fis, Romantiks, also das, was die Leser vielleicht auch und verstärkt lesen wollen, wird dabei ausgespart, aber für die hat sich in den letzten Jahren noch eine anderer Art von Literaturbetrieb eröffnet, der in diesem Essayband eher ausgespart ist.

Karla Paul bei ihrem „Pup `n` Pub“ aber sehr wohl erwähnte, als sie meinte, daß die wahren Bloger zwischen zwölf und sechzehn sind und genau darüber twittern, instagramen und vielleicht nicht mehr facebooken, weil sie dieses schon längst verlassen haben.

Und Anika Bühnemann, die ja recht erfolgreichen einen Blog namens „Vom Schreiben leben“ betreibt, hat mir einmal gemailt, daß sich die Autoren, die das wollen, nicht um den Literaturbetrieb scheren, sondern Marketingkurse besuchen, ihr Cover und ihr Lektorat selbst bezahlen, danach ihre Marke aufbauen un beim bösen „Amazon“ ihre Bücher dann mehr oder weniger gut verkaufen und bei allem bleibt für mich dann auch noch die Rolle des Lesers, übrig der vielleicht bei solchen Diskussionen, Veranstaltungen, Publikationen oft ein wenig übersehen wird und auch hier keinen Beitrag geschrieben hat, der angeblich nur acht oder neun Bücher im Jahr liest, aber einer jährlichen Überproduktion von siebzigtausend, wie man hört oder noch mehr Neuerscheinungen, ausgesetzt ist.

Ja, das Lesen ist schön, würde ich, die das ja sehr intensiv und auch gerne jenseits über jeden Genrerand betreibe, zum Schluß meinen, das Schreiben auch und es ist auch schön, daß es Institutionen, wie die „Alte Schmiede“, das Literaturhaus, „Die Gesellschaft für Literatur“, etcerera gibt und das man diese zumindestens in Wien immer noch ohne Eintritt zu bezahlen, besuchen kann.

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