Literaturgefluester

2016-09-03

Ein langes Jahr

Weiter geht es mit Buch drei des Longlistenlesen und mit Eva Schmidt und „Jung und Jung“.

Die 1952 in Lustenau geborene Autorin habe ich mit ihrem im Frühjahr erschienen Episodenroman „Ein langes Jahr“ auch schon in der „Alten Schmiede“ gehört, so daß ich, als sie das Buch im Juli bei den O-Tönen vorstellte, gar nicht hingegangen und stattdessen schon früher nach Harland gefahren bin.

Jetzt steht es auf der Longlist und ich habe es wieder PDF gelesen, was gar nicht so leicht war, denn in den achtunddreißig Episoden wimmelt es von Personen, die manchmal in der Ich-, manchmal in der Namesperspektive erzählen.

Es geht um ein Jahr, obwohl mir die Episoden eigentlich auch nicht sehr chronologisch erschienen und, um eine kleine Stadt an einem See, Bregenz vielleicht oder ziemlich sicher, genannt wird es nicht und wieder interessant, schon der zweite von den drei LL-Romanen, die ich bisher gelesen habe, der mit Vorarberg zu tun hat, was sicher Zufall, aber interessant ist.

Es gibt ein Hochhaus und einige Reihenhäuser und Hunde spielen eine große Rolle und wieder interessant, daß ich jetzt auch nicht viel mehr oder anderes schreiben werde, als schon in meinem Lesungsbericht stand, denn eine wirkliche Handlung gibt es nicht, die Episoden werden, zugegeben in einer wahrscheinlich schöneren Sprache, als ich sie habe, aneinandergereiht und es wird von dem Leben und den Nöten der kleineren oder auch größeren Leute erzählt.

Ich glaube, ich habe das auch einmal so gemacht, aber dann damit aufgehört, als man mir sagte, da passiert ja nichts und ein Roman muß einen Plot und eine Handlung haben. Tröstlich, daß man damit trotzdem auf die Longlist kommen kann und es ist auch ein Stil, der mir eigentlich sehr liegt.

Die Episoden also und, wie soll ich das nacherzählen und versuchen, das Ganze in eine Handlung zu fassen?

Um Hunde geht es also, um einen mexikanischen, der schon längst eingeschläftert wurde, der hat einem Tom gehört und dann gibt es einen Benjamin, der gerne einen haben will, seine Mutter erlaubt es aber nicht. Der hat einen Freund aus reichen Haus, der will ihm einen kaufen und bei sich wohnen lassen. Ben kann ja dann mit ihm spazieren gehen, aber der ist zu stolz dazu. So ist es eine gute Fügung, daß der alte Herr Augustini, dem ein Hemingway genannter oder davon abgekürzter Hund, zugelaufen ist, ins Altersheim muß und ihn nicht mehr so gut versorgen kann. So kann er aushelfen und mit ihm spazieren gehen und eine Malerin namens Karin, die einen Hund besitzt, gibt es auch.

Die ist sehr krank, das wird nicht näher ausgeführt, sie erhängt sich aber, besorgt sich vorher eine Leiter, borgt sich vom Nachbarn eine Bohrmaschine aus, die Freundin Johanna, eine Krankenschwester, soll dann für den Hund und das Begräbnis sorgen.

Bens Mutter geht zuerst eine Beziehung mit Joachims Vater, der Direktor ist, ein, das passt dann aber nicht, so zieht sie zu dem Typen im fünften Stock und Ben hat seine Freunin Ayshe bei einem Radunfall auch verloren.

Ein paar Sandler gibt es noch oder einen, einen Dealer und einen Mann, der einen Brief an einen nie gekannten Sohn schreibt und gegenseitige Beobachtungen vom Hochhaus hinunter in die Reihenhäuser und wieder hinauf, gibt es auch.

Verwirrend, ja ein bißchen schon, aber so ist das Leben, das ja auch in Episoden verläuft und meistens nicht so viel Spekuläres passiert, aber eigentlich und genau genommen ist das, was da geschildert wurde, ohnehin schon spekulär genug, nur nicht so konstruiert, wie es der Herr Platzgumer macht.

Totzdem hat das Buch wahrscheinlich gute Chancen, wurde es, wie ich zu bemerken glaube, doch im Vorfeld sehr gelobt und Eva Schmidt ist wahrscheinlich eine sehr gründliche Schriftstellerin, die jetzt länger nichts geschrieben hat, vorher aber schon beim alten „Residenz-Verlag“ verlegte, so daß ich sehr gespannt bin, wie es dem Buch auf der Longlist gehen wird und, ob es auch auf die österreichische LL kommt, es ist jedenfalls, wie ich auch irgendwo gelesen habe, ein sehr interesssantes Experiment.

Werbeanzeigen

2016-03-31

Lesart mit Episodenroman

Mit dem „Lesart Autorenprojekt“ ist es gleich weiter und vom Keller in den Schmiedenraum gegangen, denn heute stellte Angelika Reitzer ein neues und ein ein wenig älteres Buch vor. Auf beiden steht Roman geschrieben, es geht aber um Episoden. Angelika Reitzer nannte es, glaube ich, auch Ensemble und stellte die 1952 aus Vorarlberg geborene Eva Schmidt vor, die wie sie erklärte, seit den Neunzigerjahren keinen Roman mehr geschrieben hat.

Der Name Eva Schmidt erscheint mir bekannt, ich bringe sie mit dem alten „Residenz-Verlag“ in Verbindung, ihr neues Buch, wo Roman darauf steht und vieleicht keiner ist, ist auch bei „Jung und Jung“ erschienen.

„Ein langes Jahr“ heißt es und darum scheint es auch zu gehen.

Im Programm steht etwas von einem Jungen, der keinen Hund haben darf und einen alten Mann, der sich einen kauft und die beiden kommen zusammen.

Es scheint in dem Jahr und in dem Buch aber auch, um viel anderes zu gehen, das in einer kleinen Stadt mit einem Hochhaus und Reihenhäusern angesiedelt ist.

Eva Schmidt las ein paar Kapitel vor, die, wie sie sagte, vielleicht gar nicht so viel miteinander zu tun haben und wieder interessant im Vergleich zu gestern, wo es ja auch um den Jahreszyklus zu gehen schien, es gibt die Ich- und die Er- oder Sie- Perspektive und Episode reiht sich an Episode, während die Stadtbewohner am Balkon stehen und die darunter liegenden Reihenhäuser beobachten, wo ein Ehepaar Oswald wohnt und ein junger Strizzi scheint sich in Abwesendheit des Bewohners in eine Wohnung zu schleichen, Fernsehserien zu sehen und Bier zu trinken, das habe ich vor längerer Zeit schon bei Michael Köhlmeier gelesen und der kommt ja auch aus Vorarberg.

Es geht um einen Obdachlosen namens Wolfgang, den die Ich-Erzählerin manchmal mit Geld unterstützt und ihm Arbeit anbietet, die er aber nicht annimmt, um ein Kind das einen Unfall hat und die Erzählerin daran erinnert, das ihr Kind auch gestorben ist, obwohl sie eigentlich ihr ganzes Leben mit ihm lebte, um einen Jungen, der die ausgezogene Mutter besucht und in die Wohnung zurückbringt und dann kam Sandra Gugic mit ihren „Astronauten“ vor einem Jahr erschienen und ich habe die 1976 in Wien geborene Autorin serbischer Eltern, nicht nur in der „Gesellschaft“ daraus lesen gehört, sondern das Buch auch ganz oben am Harlander Lesestapel liegen und  habe die Autorin auch in den ersten oder zweiten Textvorstellungen mit Angelika Reitzer, die damals noch einen klingenden Namen hatten und die ich ein bißchen zu sammeln cersuchte, gehört.

Sandra Gugic, die ja einmal bei den „Exil-Preisen“ gewonnen hat, dann sowohl am „Institut für Sprachkunst“, als auch am Leipziger Literaturinstitut studierte, den Open Mike gewonnen hat und ich sie auch im MUSA hörte, lebt, jetzt in Wien und in Berlin und ihr Buch handelt von sechs jungen älteren oder jüngeren Menschen, ich glaube, in einem Sommer in einer Stadt wie Berlin, Darko, Zeno, Mara, Alen, Niko und Alex und diesmal fiel mir besonders die moderne Sprache der Autorin auf, die inzwsichen auch schon bald zu den Vierzigjährigen zählt.

Interessant, interessant und noch ein bißchen Literatur rundherum, so habe ich Armin Baumgartner, der ja einmal das Literaturprogramm im „Litte stage“ organiserte beim Hingehen vor der Kärtnerstraße getroffen, im „Morawa“ durch den ich wieder durchgegangen bin, wurde schon alles für die Lesung von Andrea Maria Dusls neuen Buch „So geht Wien“ vorbereitet und die Autorin zu ihrem Bücherstapel geführt und der Nobelpreisträger von 2002, Imre Kertesz, ist heute morgen sechsundachtzigjährig gestorben.

Bloggen auf WordPress.com.