Literaturgefluester

2020-12-09

das alles hier, jetzt.

Jetzt kommt das Siegerbuch des Schweizer-Buchpreises und das vierte, das ich schon von der Shortlist, die ja nur aus fünf Büchern besteht, gelesen habe. Anna Sterns sehr experimenteller und sprachfreudiger Roman, den ich, meine Leser wissen es, die geringsten Chancen auf den Preis gegeben hätte, aber damals am achten November habe ich ja nur den „Halbbart“ und „Aus der Zuckerfabrik“ gelesen, weil sie auch auf der deutschen Longlist standen und von der 1990 in Rorschach geborenen und in Zürich lebenden kurzhaarigen jungen Frau habe ich 2018 das erste Mal gehört, als sie in Klagenfurt gelesen hat, da wurde ihr Text gar nicht so besonders von der Jury goutiert und dann stand sie auf einmal auf der Shortlist und hat einen Preis gewonnen, was vor allem Wolfgang Tischer sehr empörte, der darauf Transparenz bei der Shortlistlfestlegung forderte, was inzwischen auch geschieht und bei „das alles hier, jetzt.“ , wo wieder alles kleingeschrieben ist, was, glaube ich, Wolfgang Tischer auch sehr ärgert, ich bin das von den österreichischen Experimentellen eher gewohnt, geht es um die Trauerarbeit und das ist schon mal ein interessantes Thema. Da ist eine oder ein ananke früh gestorben und Anna Stern betonte auch bei Lesung aus dem Züricher- Literaturhaus, die man sich als Video ansehen kann, daß sie die Geschlechterpronomen er und sie in das du ausgehen lassen wollte, etwas was jetzt sehr modern ist, ich aber auch nicht so ganz nachvollziehen kann, beziehungsweise macht es das Lesen schwer und das hat mich und wahrscheinlich auch andere Leser im ersten Teil sehr verfolgt, denn das gibt es zwei Textteile, eine fett und eine dünn gedruckt und auf der fetten Seite bewältigt ein oder eine ichor, die Trauer und auf der anderen Seite geht es in die Jugenderlebnisse. Anna Stern sagte im Gespräch bei der Lesung, daß sie die Namen erfunden hat, indem sie die Buchstaben aneinanderreihte, wieder um eine Zuordnung zu erschweren ananke und ichor stammen aber aus der griechischen Mythologie, die beiden Textteile hat sie, weil bei ihr auch eine Person jung gestorben ist, in ihrem Notizbuch aufnotiert, also wieder sehr konstruiert, was das Verständnis erschwert, obwohl es bei „Lovely Book“ den Tip gibt, das Ganze laut zu lesen, damit man es besser versteht.

Anna Stern war dann die viele Trauer selbst zu viel und so beschloß sie am Ende der Geschichte ein wenig konkreter zu werden, so sitzen das erzählede du, vienna, eden und cato betrunken in einer Bar und schmieden den Plan einen adenauer, das ist offenbar das alte Auto, das am Cover zu sehen ist, auszuborgen und damit zum Gab zu fahren. anankes Urne auszugraben und sie im Meer zu versenken.

Das habe ich wieder sehr spannend, originell und ungewöhnlich empfunden und denke Anna Stern ist vielleicht doch nicht so streng experimentell, wie sie es vorgibt und ein interessantes Buch ist es allemal.

Also Gratulation zum Preis und ich bin gespannt, was ich von der jungen Frau, die auch eine Dissertation über Antbiotikaresistenz schreibt, noch so hören oder lesen werde.

2020-09-07

Wiederauferstehung des literarischen Sonntags

Armin Baumgartner

Armin Baumgartner

Jörg Piringer

Jörg Piringer

Der literarische Sonntag war eine von Armin Baumgartner inititierte Veranstaltung, die es von 1999 bis 2004 im Little Stage, einem Lokal in der Rampersdorffergasse gegeben hat.

Das Lesetheater hatte dort bald seine Veranstaltungenu und so hatte ich 2000 wahrscheinlich dort meine lesetheaterveranstaltung, wo sechs Leute, glaube ich, Texte von mir gelesen haben.

Brunis „Golem Now“ wurde dort aufgeführt, wir waren dann noch bei einigen Veranstaltungen. Das Lokal hat auch seinen Leseraum erweitert, Bodgan Bogdanovic hat sein Buch vorgestellt, Armin Baumgartner,glaube ich, Jonke interpretiert und als ich ihm dann fragte, ob ich wieder lesen kann, hatte ich, glaube ich, schon einen Termin, aber den literarischen Sonntag gab es dann nicht mehr und heute, wo ich ja fast verzweifelt, nein so arg ist es nicht, aber doch mit ein bißchen Wehmut nach Veranstaltungen suche, die ich ohne Maske besuchen kann, um nicht zur Gänze vom Literarturbetrieb, der mir ja doch sehr wichtig und ein Teil meines bisherigen lebens war, wegzukommen, hat der Alfred mir ein Mail geschickt, denn Armin Baumgartner hat auf Facebook bekanntgegeben, daß es am Sonntag um zwanzig Uhr eine kleine Auferstehung dees literarischen Sonntag mit einer Plakataussteillungen und Lesungen von ihm, Rudolf Kraus, Jörg Piringer und den mir bisher eher unbekannten Bruno Pisek geben würde und ich kann meinen Lesern eine weitere literarische Veranstaltung bekanntgeben, die ich besucht habe, denn Maske und Registrierungsapp beziehungsweise personalisierte Zählkarten, woran meine „Alten Schmiede“ Besuche scheitern werden, brauchte es hier nicht, Armin Baumgartner betonte aber, daß er das Reload absichtlich nicht sehr bekanntgegeben hat, um eine Massenveranstaltung zu verhindern.

Das war es dann auch nicht, sondern viel Platz im Lesezimmer, ich glaube mich zu erinnern, daß es dort, als ich das letzte Mal da war, Bänke gegeben hat.

Bruno Pisek

Bruno Pisek

Armin Baumgartner. Rudolf Kraus

Armin Baumgartner. Rudolf Kraus

Jetzt gab es Tische, Beppo Baerl war da und noch einige andere mir unbekannte personen und Jörg Piringer der experimentelle digitale Performer, der heuer beim „Bachmnnpreis“ gelesen hat, begann dann auch mit einem Text, der „Ich möchte ein Buch schreiben“ hieß und sich immer wieder mit diesem Anfangssatz wiederholte und er bekannte dann, daß nicht er, sondern, die Maschine, den Text geschrieben hat, was natürlich Urheberfragen oder, die wieviel muß man seinen Text selber schreiben, um noch als Literatur zu gelten aufwies, die aber nicht thematisiert wurden.

Der 1962 geborene im Bereich Kunst und Medien vielseitig schaffender Bruno Pisek, wie es bei „Google“ so schön heißt, stieß dann in die selbe Kerbe oder auch nicht, denn er brachte keinen Computer auf das Podium, sondern ein großes Buch und einige Leselampen, seine Texte, die er wahrscheinlich selbst geschrieben hat, waren aber ähnlich experimentell und am Schluß trat der 1968 in neunkrichen geborene Armin Baumgartner, der inzwischen GAV- Mitglied ist und schon einige Preise bekommen hat, gemeinsam mit dem 1961 geborenen ehemaligen Bibliothekar Rudolf K2raus als Duo auf, denn sie hatte zu bestimmten Themen wie „Nacht“, „Macht etcetera,je einen Text geschrieben.

Es gibt also trotz Corona und gelber Ampelwelle abseits der üblichen Literaturpfade trotzdem Veranstaltungen und die sind wahrscheinlich gar nicht so wenige, denn es drängt die Künstler wahrscheinlich sich zu äußern und zu verdienen und so bin ich gespannt, wie es im „Literaturgefluster“ weitergeht mit der maskenlosen Literatur und zu lesen habe ich inzwischen auch sehr viel und komme nach wie vor damit ja nur eher langsam voran.

2020-02-03

Zsuzsanna Gahse mal zwei

Die 1946 in Budapest geborene, 1956 nach Wien emigrierte und in Müllheim in der Schweiz lebende Zsuzsanna Gahse, die als Übersetzerin tätig war oder ist, schon dreißig Bücher geschrieben hat und die ich auch schon mal in der „Alten Schmiede“ hörte, hat zwei neue Bücher herausgegeben.

Den Prosatext „Schon bald“ der in der „Edition Korrespondenzen“ erschienen ist, in dem es um das Ausräumen einer drei Zimmerwohnung geht, die dann in ein Theater umgewandelt wird und die bei „Sonderzahl“  unter den Namen „Andererseits“ erschienene  Stefan Zweig-Poetik- Vorlesung, die sie in Salzburg gehalten hat und die wurden heute in der „AS“ vorgestellt.

Cornelius Hell moderierte und schrieb dann während der Lesung eifrig mit, was Zsuszanna Ghase etwas zu irritieren schien, den sie blickte ihn mehrmals an und erzählte dann von einem verstorbenen ungarischen Schriftsteller der auf einer Budapester Book Fair gelesen hat und dieselben synchronen Armbewegungen, wie sein Übersetzer machte, was sie an Cornelius Hell erinnerte und ich habe schon beim Hingehen, wo ich die Autorin noch einen Augenblick mit Zsusza Bank verwechselt habe, ja ich weiß, ich bin ein bißchen legasthen und bringe manchmal etwas durcheinander, gedacht, daß es wahrscheinlich wieder ein experimenteller Abend wird und das war es dann auch, war doch Bodo Hell anwesend, Herbert J. Wimmer , Christa Gürtler und Linda Christanell hat sich wieder neben mich gesetzt und ich habe in Anschluß lange mit ihr diskutiert, weil sie als bildende Künstlerin und wahrscheinlich ebenfalls experimentelle Autorin, einen anderen Zugang, als ich hatte, die ich ja wußte, was mich erwartete und so auch begierig zuhörte, als Zsuszanna Ghase bei ihren Vorlesungsteilen von den musikalischen Autoren Thomas Bernhard etcetera vortrug und dann im Gespräch mit Cornelius Hell, die Frage beantwortete, wer die unmusikalischen Autoren seien?

Da habe ich mir schon gedacht, daß das wohl die Erzählenden sein müßen, die, die nach einem Plot, einer Handlung und einen Spannungsbogen suchten und Zsuzsanna Gahse bestätigte, das dann auch und meinte, daß sie mit solchen, die sehr ernst wären und nur erzählen würden nicht viel anfangen könne, meinte aber, daß sie auch erzähle und erwähnte in ihrer Vorlesung auch ihre Wohnungsausräumerzählung, in der das sechs oder sieben Personen machen, die alle sprechende Namen haben und sie an György Tabori, oder György Ligetti beziehungsweise Nathalie Sarraunte erinnerte oder an sie denken ließ, ein paar Namen hat sie auch erfunden, darunter eine Grit, wegen des Klanges, da habe ich aber an die Gerstl gedacht, weil die ja auch mit diesen Namen arbeitet und eine Vorlage zu ihrem Prosatext ist auch ein 1960 erschienener Roman eines Franzosen, der sich gegen die Konsumgesellschaft wendet und zwei Soziologiestudenten schildert, die ihr Studium aufgeben, weil sie sich schöne Dinge kaufen und auch eine Wohnung einrichten wollen.

Interessant, interessant, die experimentelle Literatur und auch das Gespräch mit Linda Christanell, die mich dann fragte, ob ich etwas von Literatur verstünde?

Ich denke schon, habe ich ihr geantwortet, beschäftige ich mich ja schon über vierzig Jahren damit.

2019-04-29

Wieder ins Literaturhaus

Ich bin ja jetzt wegen meines Unfalls und der sich daraus ergebenden Veranstaltungspause seit Anfang März nicht mehr im Literaturhaus gewesen und habe heute, nach dem der Gips jetzt eine knappe Woche herunten ist, langsam wieder mit den Veranstaltungen angefangen.

Das heißt bei „Literatur und Wein“ bin ich schon vor Ostern gewesen und vorigen Dienstag mit dem Alfred in der Hofburg beim „Bruno Kriesky-Preis“, da sind wir mit dem Taxi hingefahren.

Am Freitag bei „Rund um die Burg“ versuchte ich es dann schon mit der Straßenbahn und heute bin ich überhaupt schon sehr viel herumgehumpelt.

In der Früh zum „Penny“ zum Milch, Eier und Nivea-Creme einkaufen, da ich ja meinen Fuß gut eincremen soll, dann habe ich für den Alfred einen bestellten Besen in der Reinprechtsdorferstraße  abgeholt, obwohl ich am Donnerstag, wo er zugestellt werden sollte, den ganzen Tag in Wohnung und Praxis gewesen bin und dann mit Bus und Straßenbahn ins Literaturhaus gefahren zu einer multimedialen Veranstaltung, wie Barbara Zwiefelhofer in ihrer Einleitung betonte, nämlich experimentelle Poesie pur, organisiert von Jörg Piringer, der dazu den orginellen Titel „XYZ“ ausgesucht hat und in seiner Einleitung etwas von den „drei Achsen im kartesischen Koordinatensystem, die einen multidimensionalen Möglichkeitsraum aufspannen“, erzählte und dazu .aufzeichnungssysteme, die früher glaube elfriede.aufzeichnungssysteme geheißen haben, Patricia Brooks, Thomas Havlik, Judith Nika Pfeifer und Günter Vallaster eingeladen hat.

Die experimentelle Szene pur könnte man sagen und verstanden, was die drei Achsen des kartesischen Koordinationssystem sind, habe ich auch nicht so richtig, noch dazu, wo die eingeladenen Autoren auch einen sehr unterschiedlichen Zugang dazu hatte.

Jörg Piringer hat sich selber auf die Leinwand projeziert und dazu seine Texte gelesen und Patricia Brooks, die ja auch, glaube ich, realistischere Romane schreibt, hat etwas von den Dimensionen erzählt, dazu ihre Gedichte gelesen und sie zusätzlich noch auf die Leinwand projeziert.

x Aufzeichnungssysteme war nicht anwesend, hatte aber einen Film, wo sie im blauen Anzug Stücke aus einem Tümpel fischte und dazu stöhnte und fluchte und Günter Vallaster projezierte zuerst eine Dose und las dazu etwas aus einem „Büchsentext“, um schließlich einen Roman in Kurzform „Axel liebt Elsa“, in etwa, vorzutragen.

Judith Nika Pfeifer hat sich eine Kamera auf ihr Skateboard geschnallt, lief damit in einem Park herum und rezitierte dazu ihre Gedichte, während Thomas Havlik auf die Projektion und Leinwand verzichte. Er schnappte sich ein Mikrophon und tanzte zu seinen Texten beziehungsweise zur Musikbegleitung wild durch den Raum.

Sehr interessant wieder in den Literaturbetrieb zurückzukommen und diesen gleich mit einer wilden Performance der experimentellen Literaturszene zu beginnen und in den Bücherschrank hatte wahrscheinlich der Verlag fünf brandneue Bücher von Christian Mähr hineingestellt, die zwar nicht zur experimentellen Literatur gehören, aber von mir nachdem ich mir ein Exemplar genommen habe, heiß weiterempfohlen wurden.

2019-04-25

Coming of Karlo

Während ich seit meinem Sturz vor sechs Wochen vom Abgang der Rudolfshöhe dreißig Bücher, die Krankenhausgeschenke, die Frühjahrsneuerscheinungen,  die Debuts,das Politische und das das noch vom Frauentag stammte, gelesen habe, habe ich mich vom Gründonnerstag bis Ostermontagmorgen mit den sechshundertzwanzig Seiten von Lisa Kränzlers Erwachsenwerden-Roman „Coming of <Karlo“, im „Verbrecher-Verlag“, erschienen, der ja für das kleine feine oder auch dickere Poetische, steht, herumgeschlagen,  dabei öfter gestöhnt und an Arno Schmdt und die Erfahrungen gedacht, die ich mit seinem „KAFF Mare Krisium“ machte.

Dabei ist es laut Buchtext ja ganz einfach, denn da wird, zwar zuerst, was ich noch immer nicht ganz verstanden habe, etwas von „toxischer Männlichkeit“ geschrieben, aber dann hinzugefügt „daß der „siebzehnjähjrige Karlo herausfindet, daß sein Vater nicht sein Vater ist. Zudem plagt ihn eine Fußballverletzung, obwohl sie verheilt sein soll. Dann lernt Karlo Gwen kennen. Sie ist direkt, stark, faszinierend – er verliebt sich in sie und sie in ihn. Er ist unbeschreiblich glücklich. Doch hat sie auch was mit einem anderen? Karlo ist verzeiweifelt, Karlo ist vor Eifersucht rasend, Karlo zieht sich in den Wald zurück. Schließlich kommt es zu einer Konfrontation, die in einer Katastrophe endet..“

Klingt eigentlich ganz einfach und hat man, vor allem wenn man sich für Debuts und die Befindlichkeit junger Literaturtalente interessiert, auch schon öfter gelesen.

In diesem Fall aber, wenn die 1983 in Ravensburg geborene Autorin Lisa Kränzler, die ich durch das „Bachmannlesen“ kennenlernte, die auch noch bildende Künstlerin ist, ist es das aber nicht, sondern ganz im Gegenteil.

Nach diesen Einleitungssätzen würde man sich schon einmal wundern, wieso die Autorin dafür, das das doch ganz einfach scheint, sechshundertzwanzig Seiten braucht und liest man dann noch weiter, daß Lisa Kränzler bei einem Interwiev erzählt, daß es es als „Die Summe ihrer Existenz und alles was sie ist, betrachtet.“

„Rund sechs Jahre habe sie daran gearbeitet, ihr Leben investiert, Schreibblockaden ausgehalten und teilweise den „Zustand vollkommenen Wahnsinns“ erreicht.“

Das habe ich erst später gelesen, zuerst nach der Buchbeschreibung und der Frage, wozu dafür sechshundert Seiten, das Buch aufgemacht und gemerkt, das wird jetzt schwer, denn diese Coming of Age Geschichte ist sehr sachlich und daher auch sehr unverständlich geschrieben.

We ein Sachbuch ist sie aufgezogen mit  „1, 2, 2.1 bis zu 76“ auf Seite sechshundertneun mit Fußnoten, Erklärungen und auch experimentellen Telen, wo es schwarze Seiten, Groß und Kleinbuchstaben und Wörter, die mit Buchstaben gemischt sind und so ist mir das Lesen gar nicht so leicht gefallen und ich habe auch sehr lange dazu gebraucht.

Ich bin ja, wie meine Leser wissen, keine Buchabbrecherin, sondern lese mich durch alles durch und wenn ich es nicht mehr verstehe, dann überlese ich es, bis ich an das Ende komme und so oder einen Eindruck habe, über den ich dann berichten kann.

Ich ziehe aber auch gerne „Amazon“ und das, was ich sonst noch an Rezensionen finden kann, zu Rate, wurde aber hier enttäuscht, denn obwohl das Buch schon am einundzwanzigsten März erschienen ist, gibt es noch keine Rezensionen bei „Amazon“ was eigentlich auch nicht verwundert, denn die Durchschnittsleser und die, die etwas Spannends zur Unterhaltung wollen, tun sich wahrscheilich nicht mehr so einfach sechshundertSeiten Sprachexeperiment an, denn das kann man dann bei einer „Spiegel Online Rezension“, der einzigen, die ich bis jetzt gefunden habe, lesen:

„Krank vor Liebe. Mit „Coming of Karlo“ hat Lisa Kränzler einen Roman über das Erwachsenwerden geschrieben, der Fragen nach Männlichkeit auf den Kopf stellt – und in seiner intensiven Sprachwut seinesgleichen sucht.“

Weiter unten steht noch „Nach einer Abfuhr von Gwen verschanzt er sich am See. Hier wird sein Leiden für den Leser so unerträglich, wie unlesbar. Als Karlo alle Sicherungen durchknallen, sind seine Gedanken nur noch Scherben, hinausgeschrieen in Majuskeln, Passagen, die klingen, wie ein rassant geschnittener Film, in dem grelle Stroboskopblitze und wummernde Beats in Ohren und Augen schmerzen. Auch Lisa Kränzlers Wörterrausch ist bisweilen eine Zumutung fürs Hirn, Zumutung, Qual. So wie das echte Leben eben auch.“

Ob das echte Leben oder das was, die Leserin, der Leser zur Unterhaltung, nach einem stressigen Arbeitstag zur Entspannung haben will, aus seitenlang englischen und deutschen Großbuchstaben, wo manches schwarzgeschrieben und auch durchgestrichen ist, es Pfeile und auch andere Anmerkungen oder Textpassagen wie „MEIN GEWÄSSER – FALLEN MEIN GESETZ- GALLEN  MEINE GELIEBTE- FALLEN“, besteht, wage ich, die Vielleserin , der eigentlich nichts Geschriebenes mehr fremd ist zu beweifeln.

Die werden knurren und das Buch, das auf der diesmonatlichen ORF-Bestenliste von Dagmar Kaindl von der Zeitschrift „Buchkultur“ empfohlen wurde, wahrscheinlich weglegen und wenn es dann im August womögich auf der Longlist des dBps steht, werden wahrscheinlich sowohl die Blogger als auch die Buchhändler stöhnen, weil unlesbar und daher auch verkäuflich, während die Kritiker von der hohen Qualität schwärmen und Preise vorschlagen werden.

So weit so what und nicht neu und auch nicht unbekannt, der Widerspruch zwischen dem Lesen und dem Schreiben und damit man mich nicht mißversteht, ich habe bei dem Konvolut, das wie „Spiegel-Online“ weiter schreibt, aus „Mythologie, Bibelbezügen, Homer und Camus-Zitaten, sowie Disneyfilmen und Kopfpornos“ besteht durchaus auch Interessantes und Verständliches gefunden, obwohl ich zwischendurch auch ein bißchen gestöhnt und  überflogen habe, denn dieser Siebzehnjährige, der nach einer Fußballverletzung sein Bein nicht mehr bewegen kann, daher auf Krücken durch das Buch humpelt, aber dabei durchaus seine Mitschülerinnen durchvögelt, macht es der Leserin nicht leicht, denn die Psychologin stellt sich einen fußballspielenden Siebzehnjährigen eigenlich nicht als Camus- und Homer Leser vor.

Es wird aber auch eine Lateinstunde beschrieben, wo Mel oder Melanie, die vor Gewen an der Reihe war, wie weiland das Gretschen an der Margarite zupft „Liebt er mich oder liebt er mich nicht?“, wissen will und Gewen wird als Unterschichtkind, Tochter eines Sporttrainers beschrieben, der zwischen seiner Beratungsstunden an Proteinriegeln nascht. Als  es zwischen Karlo und Gewn zu einer Rauferei kommt, wo sie ihn nach einer Ohrfeige mit einem Kugelschreiber in die Brust sticht, werden, beide Elternteile  in die Sprechstunde zum Lateinlehrer bestellt.

Die Beiden verlieben sich unsterblich, wie weiland Romeo und Julia. Gwen ist ihrem Karlo, der vorher entdeckt hat, daß sein Vater nicht sein Vater ist, so daß es in dem Buch auch für mich eher unverständliche Frank und Ilsa Szenen, das sind die Eltern oder nicht Eltern, gibt und die Mutter Ilsa ist Alkoholierin, was ich wieder für realistscher halten würde, auch nicht treu. Sie geht mit einem Russen, der ihr dafür Drogen gibt, die sie an jüngere Schüler verdealt. Er betrügt sie auch mit einem Mädchen, das auch noch einen mißverständlichen Namen hat.

Dann kommt es aber zu dem schon erwähnten Zusammensturz. Im Buchtext steht etwas von einem „Wald in dem es zu einer Konfrontation oder Katastrophe kommt“, die beiden tummeln sich aber eher, soweit ich es und „Spiegel online“ verstanden habe, in einem See, gehen darin fast unter. Karlo rettet aber Gwen, was in einem Krankenhaus und wieder in unverständliche Passagen, die, wie aus einem erste Hilfebuch klingen, endet und ich habe ein sprachlich sehr interessantes Buch gelesen, das wie schon erwähnt, womöglich zur Longlist des dBps und den entsprechenden Leser- und Buchhändlerprotesten führen wird, das ich nicht ganzverstanden habe, weil ich mir natürlich nicht, wie Lisa Kränzler zum Schreiben, sechs Jjahre, sondern nur vier Tage Zeit zum Lesen genommen habe, dafür aber auch nicht in den Wahnsinn getrieben wurde, sondern nur denke: „So ist es eben mit der Literatur! Das, was die Kritker loben, wird oft unverständlich sein und aus Worträuschen bestehen, was aber wenn es Lisa Kränzler Erkenntnis brachte, nichts macht. Die Leser können sich ja aussuchen, was sie lesen und was eher nicht und da ich ja auf alles, was geschrieben wird, neugierig bin, habe ich mich mit interesse durch das Buch gelesen, obwohl ich eine Coming of- Geschichte wahrscheinlich oder sicher anders geschrieben hätte, dafür aber auch nicht auf eine Buchpreisliste oder andere Preisnähe komme und mir am Schluß noch dar Satz eines Teilnehmers einer Schreibwerkstatt, die ich bei der Gewerkschaft ca 2000 besucht habe, einfällt, der mir sagte „Ich schreibe zu verständlich, als daß es als Literarisch gilt, was ich eigentlich, wenn ich es so recht betrachte, sehr schade finde.

2019-02-13

Das Leben der Elemente

Unter diesem Motto fand heute offensichtlich eine Veranstaltung des „Fröhlichen Wohnzimmers“ beziehungsweise Ilse Kilic in der „Gesellschaft für Literatur“ statt.

Eine Crossover Veranstaltung, denn Benjamin, der sohn der Rizys, ein Student der Verfahrenstechnik und Musiker, der auch schon Fotoausstellungen im Amerlinghaus veranstaltet hatm hielt einen Vortrag über das „Periodensystem der Elemente“, da habe ich nicht sehr viel verstanden, habe ich ja nicht Chemie studiert und interessiere mich auch nicht besonders dafür, auch von anschließenden Konzert „Aus dem Perdiodensystem“ der Helmhart-Brüder, die dazu Buchstaben auf der Leinwand auf und abtanzen ließen nicht so viel, dafür wurde es schon konkreter bei dem Text den Ilse Kilic und Melamar für eine Anthologie gemeinsam geschrieben haben, denn der hieß „Elemente“ und es ging, um einen Bücherwurm, dem sie seine Bibliothek gestohlen haben, so daß er sich nicht mehr durch die Bücher fressen und dafür die Bekanntschaft mit den Autorinnen Melamar und Ise Kilic machen konnte.

Das erinnert ein bißchen an Vladimir Sorokins „Manaraga“, war aber äußerst spannend und auch Michaela Hinterleitner auch eine bemüht fröhlichlich „Wohnzimmerfrau“, brachte mit auszügen aus ihrem „Im Element des Wassers“ interessantes in die Zuhörerrunde, die aus so ziemlich der “ Fröhlichen Wohnzimmerrunde“ bestand.

Fritz Widhalm, Jopa Joatkin, aber auch die Ruth, die Rizys und Waltraud Haas, etcetera und nachher gab es das Element des Wassers, wie Ursula Ebel die moderierte, fröhlich sagte, zu verkosten aber auch Wein und knabberein.

Ich führte interessante Gespräche mit einem Besucher und einer Besucherin und habe wieder einmal einen netten literarischen Abend erlebt.

2017-12-18

Anleitungen und Abschweifungen

Das letzte Mal in diesem Jahr ein Besuch in der „Alten Schmiede“, ja 2017 geht langsam zu Ende, wir haben eine neue Regierung und Alexander van der Bellen hat sie selbstverständlich angelobt, was hätte er sonst tun sollen?

Und in der „Alten Schmiede“ traten, moderiert von Markus Köhle zwei experimentelle Sprachkritikerinnen auf, die ich, die realistische und offenbar auch unverständliche Contentschreiberin, dort schon öfter hörte.

Liesl Ujvary, die 1939  in Bratislava geborene grand Dame der experimentellen Literatur, wie ich sie ein wenig respektlos nennen möchte und Anne Cotten, „1982 usw“ geborenen, wie der Eintrag in ihrem neuen Buch, bzw. „Schmied-e Programm“ lautet, ich ergänze  USA Iowa und erinnere mich an ihren Auftritt im Literaturhaus, als sie dort den „Priessnitz-Preis“ bekommen hat und sich in einer Kiste verstecken wollte.

Ja, sie ist origienell und erfolgreich, zeichnet manchmal, wenn sie als Publikum in der „Schmiede“ sitzt, in ein Büchlein, hat mich einmal angesprochen, als ich sehr niedergeschlagen von einer Veranstaltung oder Fest nach Hause gegangen bin und hat seit 2011 einige Aufenthalte in Japan, deshalb trägt ihr neues Buch auch einen sehr unverständlichen Namen, über den Markus Köhle bei der Moderation einige Male stolperte „JIKIKETSUGAKI tsurezuregusa“, ich hoffe, ich habe das jetzt nicht falsch geschrieben.

Dafür ist  der Titel von Liesl Ujvary bei „Klever“ neu herausgegeben Buch, das erstmal 1977 im „Rhombus-Verlag“ erschienen ist, viel leichter zu merken, heißt er doch schlicht und einfach „sicher & gut“, Texte der letzten vierzig Jahre der Sprachkünstlerin, die nach ihrer Lesung noch ein Video dazu zeigte, wo die Satzfragmente musikuntermalt an der Wand vorbeischwebten und auf Markus Köhles Frage, womit sich die Sprachkunstmeisterin jetzt beschäftigt, wies sie auf Ingeborg Bachmann hin, deren Gedicht sie umgeschrieben hötte und „die Welt“ ergänzte Markus Köhle noch, war in den siebziger Jahren ganz anders, man hat geraucht und gesoffen und das ist in „sicher & gut“, auch zu erkennen.

„Das wird es immer geben Wein, Kaseren, Computer“, im Original sind die Sätze immer aus und untereinandergeschrieben.

„Das war immer schon da“ und so weiter und so fort und interessant dazu ist vielleicht auch Anne Cotten hat das Nachwort  geschrieben und dann  aus ihrem Buch gelesen, das nicht nur in oder von Japan handelt, obwohl es auch japanische Schriftzeichen darin gibt und Anne Cotten auch versuchte die Sprache zu erlernen.

Ein Prosatext handelt aber von Irland im Nebel, eines der vorgelesenen Gedichte wurde in Sarajevo geschrieben, ja Anne Cotten ist eine global vernetzte Frau und hat, glaube ich, schon wieder ein neues Buch und aus diesem hat sie auch ein Gedicht vorgetragen.

2017-11-20

Ritter-Abend

Jetzt war ich schon länger nicht mehr in der „Alten Schmiede“, denn vermehrt Klienten, die nur am Abend können, so daß ich es dann bis neunzehn Uhr nicht dorthin schaffe, dann waren die letzten Wochen wegen es Nanomarathon und der Buch-Wien ja sehr hektisch, zwar gab es bei letzterer die „Lesefestwoche“ und da auch ein Programm ion der „AS“, aber ich bin heuer wegen Geburtstagsfest, Geburtstagsessen,   Buchpreisvergabe und  Poet-Night nicht zu den Abendveranstaltungen gekommen und heute, wo es wieder etwas gemütlicher wird, wollte ich auch eigentlich ins Literaturhaus gehen, da hatte ich mir das „En espanon per favour“, eingetragen, habe dann aber gesehen in der „AS“, gabs einen Verlagsabend.

„Verlage im  Blickpunkt“ heißt die Reihe und da wurde wieder einmal der „Ritter-Verlag“ vorgestellt und das ist, wie meine Leser vielleicht wissen, ein ehrwürdiger experimenteller Klagenfurter Verlag, eine ästhetisch schöne Reihe, wo ich auch einige Bände zu Hause, aber meist noch nicht gelesen habe, wie ich öfter schreibe und mir das auch immer vornehme, aber ich bin halt keine Experimentelle, obwohl es mich zu den Veranstaltungen zieht. Da bin ich  sehr geduldig und schaue auch gern,e wie ich immer schreibe, über den Tellerrand.

So war ich auch bei einigen Veranstaltungen und auch  bei dem 2010 wie Paul Pechmann, der Lektor in seiner Einleitung erwähnte.

Den habe ich übrigens als ich zur „Alten Schmiede“ ging an mir vorbeigehen gesehen und mir gedacht „Uje!“, denn da ist mir eingefallen ich war ja auch an einem Abend in der „Gesellschaft für Literatur“ wo ein „Ritter Buch“ von Günter Eichberger vorgestellt wurde und wir warteten und warteten , denn der Verleger steckte im Stau und, um halb acht hatte ich Günter Eichberger, glaube ich, so weit, daß er sich bei Manfred Müller oder so erkundigt hätte und diesmal stand auch Günter Eichberger und noch zwei andere Autoren auf demProgramm und die „Alte Schmiede“ war gut gefüllt von dem an der experimentellen Literatur interessierten Publikum.

Gerhard Jaschke, Ilse Klilc, die ja eine „Ritter Autorin“ ist und schon sehr viele Bücher trotz des fröhlichen Wohnzimmers dort herausgegeben hat und der Assistent, der einleitende, erwähnte auch Klagenfurt und die „Ritter Galerie“, die es dort gibt und lobte, daß der Verlag kein erzählender sein.

Nun ja, nun ja, da scheiden sich die Geister, ich bin eine erzählende realistische Autorin, habe mich gerade sehr bemüht in meinem „Nanowrimo“ den ich gerade schreibe, etwas Spannung hineinzubringen, obwohl ich mir von Annika Bühnemann ihre Heldenreisetips nicht zuschicken habe lassen, habe aber am letzten Wochenende die Videos von Jurenka Jurk zur Ausbildung zum Romanautor gehört und ich habe mich auch mit der Shortlist des Debutpreisses  befaßt, die ja auch meistens erzählende Jungautoren umfasst, es gibt aber auch die Sprachkünstler und die halten sich  meistens für etwas Besseres und ich glaube ihnen ja auch, daß sie das sind, hatte aber meine Schwierigkeiten mit dem Zuhören, weil ich beim Lesen ja, seit ich blogge immer darauf achte, den Inhalt nacherzählen zu können und wenn das nicht geht,weil die schönen Worte keinen solchen haben, tue ich mir halt schwer, umso mehr, wenn ich merke, daß es den Leute ringsum gefällt. Mir gefällt es ja auch, aber um was geht es eigentlich?

Nun ja, nun ja, das hat Paul Pechmann in seiner Einleitung schon sehr genau erklärt, in dem er die Geschichte des „Ritter Verlages“nacherzählte, auf die Veranstaltung von 2010  und auf Ise Kilics , die „Welt als schöne Kunst“ betrachtet hinwies und darauf, daß sich der heutige Abend mit der Herbstproduktion des Verlags beschäftigen würde.

Er zählte aber alle Autoren des Verlages auf, der erste war Franz Schuh mit seinem „Stadtrat“ und da tut es mir noch heute leid, daß ich das Buch nicht gelesen habe, glaube aber, daß es eher erzählend ist, Franzobel ist, wie Franz Schuh vom Verlag abgesprungen und zu einem größeren gegangen.

Ilse Kilic ist aber, trotz des fröhlichen Wohnzimmers, eine treue Autorin und bis 2007 war auch Ralph Klever Lektor, der hat dann, als er den „Klever Verlag“ tgründete, viele der Autoren mitgenommen, einige sind aber geblieben und der erste, der sein brandfrisches Buch  vorstellte, war der 1980 in Bruck an der Mur geborene, Rhomas Antonic mit „Flackernde Felsbilder über Nachvögel“, das ist ein schöner Titel und Paul Pechmann hat das, glaube ich, auch sehr genau erklärt. Gegangen ist es dann sehr viel über die Liebe, die auch manchmal in Haß ausartet und über ein Donald Duck Restaurant in einem Einkaufszentrum in dem die Angestellten lauter Engel sind. Ein sehr schönes und beeindruckendes Bild, wie ich finde.

Dann kamen die „aufzeichensysteme, die nicht mehr elfriede heißen, weil sich die Autorin von ihrem ich abgewandet hat, wie Paul Pechmann auch  erklärte. Die habe ich schon ein paarmal im Literaturhaus gehört und das neue Buch besteht aus lauter Zweitzeiler auch sehr schöne Worte ohne Plot und Handlung, wie ich finde, aber das habe ich ja jetzt schon erwähnt und der 1959 in der Steiermark geborene Günter Eichberger befaßte sich in seinem neuen Buch mit dem Hirn, dafür ließ er,glaube ich, auch seine Hirnströme messen und Hirnforschung ist ja auch sehr modern. Aber ist sie auch literarisch?

Aber die Worte waren schön und die Leute haben sehr gelacht bei dem Bild, daß sich Günter Eichberger ind die Nase eines Königs ziehen ließ, dann selbst zum König wurde und damit auch nicht glücklich war.

Das ist die Abwandlung eines Märchens glaube ich und ich stellte mir wieder mal die Frage, wer kauft und liest so theoretische Bücher?

Ich habe das noch nicht geschafft, aber der Büchertisch war bevölkert und der „Ritter-Verlag“ hatauch ein neues Design, obwohl mir das ältere, wo ich ja mehrere Bücher habe,  besser gefallen hat.

2017-10-22

Val di Non

Die österreichische Literatur hat den Ruf sehr experimentell zu sein und wenn man, wie ich regelmäßig in die „Alte Schmiede“ geht und vielleicht auch“Manuskripte“ und „Kolik“ liest, kommt auch, als realistisch schreibende Autorin, nicht um sie herum.

Ich lästere manchmal darüber, laße mich aber, glaube ich,  gern verführen und hinein- oder hinüberziehen und das Interessante am österreichischen Buchpreis ist, glaube ich, im Gegensatz zum deutschen, der sich ja auf den Roman beschränkt (und da sehr oft und sehr viel von den sprachgewaltigen Männern in der Midlifekrise auf ihren Listen hat), daß er sich auch mit der experimentellen Literatur beschäftigt  und bisher immer ein oder zwei  dieser „Minderheitenbücher“ nominierte  und so machte ich im vorigen Jahr in Peter Waterhouse „Auswandernden“ einem wirklich schönen und auch graphisch gestalteten Buch, eine  Entdeckung , die sonst wahrscheinlich an mir vorbeigegangen wäre.

Bei Oswald Egger, dem zweiten Experimentellen auf der heurigen Liste, ist das nicht ganz so, denn der 1963 geborenen Südtiroler, war mir nicht  unbekannt.

Bin ich doch 2003 auf ihn gestoßen, als er in Neuberg an der Mürz beim „Ernst Jandl-Preis“ las und in der „Alten Schmiede“ habe ich ihn gehört, als er dort,  „Die ganze Zeit“ vorstellte und im Vorjahr im Literaturhaus, als er den damailigen Preisträger der Literaturhäuser Ulf Stolterfoht bei seiner Tour durch diese, vorstellte.

Jetzt ist er auf der Longlist des öst Bp und „Val di non“, eine Mischung zwischen Prosa und gedichtartigen Texten mit vielen Zeichnungen ist ein wahrlich schönes Bilderbuch.

Ich habe es als PDF gelesen, was den Lesegenuß wahrscheinlich  erschwerte, ist es doch ohnehin nicht leicht, sich in die Bild- und Sprachwelt Oswald Eggers einzulassen und das Ganze dann noch auf einer Seite in eigene Worte zu fassen.

„In Oswald Eggers Val di Non wird man fabelhaft wandern oder einfach nur spazieren gehen“, schreibt „Suhrkamp“ in seinem Klappentext und Paul Jandl, der in der Zürcher Zeitung“ eine Rezension geschrieben hat und ein Egger Spezialist zu sein scheint, meint: „Val di non ist ein raffiniertes Verneinungsbuch, ein topographischen Experminent mit dem Sehen. Beim Durchwandern einer Landschaft zieht es uns in die Gesteinsmassive der Wörter und in eine  literarischeBotanik, die wirklicher sein kann und detailgetreuer, als die Wirklichkeit selbst.

Es ist das Sütdtiroler Nontal bei Lana, das im Buch durchstreift wird und das in einem Akt des Durchstreifens und der schreibenden Neuschöpfung zu irrealer Größe wächst.“

Das ist sehr wortgewaltig ausdrückt. Wenn man in das Buch hineinsieht, kommt man zuerst zu einem Zitat: „Ich singe, also bin ich, singe ich“, dann zu einer Geschichte von einer zweiköpfigen und fünffüßigen Eidechse, die auf der Aaler Alm elf Monate gelebt hat.

Das ist ein halbseitiger Prosatext, der  von einer Zeichnung, dem „Nonstaler Störungsbündel“ abegelöst wird.

So geht es durch die zweihundert Seiten.

Es kommt ein Prosatext, der sich oft, nicht immer, auf das Nontal beieht „Die Bergformen sind hier schiere, und wellig geschwungen mit einzelnen größeren Kuppeln“, beispielsweise.

Es kommen aber auch Pinien und Löwen vor, die die Realistin in mir, nicht im Nonntal zu finden glaubt und immer wird  es abgelöst von einem kurzen gedichtartigen Text, der sich oft mit der Tierwelt beschäftigt, mit dem Nonntal noch weniger zu tun hat und öfter für mich  nicht nachzuvollziehen war:

„Wie ein Hengst

der ein Elsternherz

verzehrt hat

mich verängstigt!“  oder

 

„Daß Bienen, die

der Frost oft

herabfallen ließ

Drohnen sind, stimmt?

Die von kleinen oder auch größeren meistens kopfüßerartigen Zeichnungen umgeben oder gefolgt  werden, die öfter auch eine ganze Seite ausmachen, bis dann wieder ein Landschaftstext in einer einer sehr komplizierten Sprache mit vielen Wortschöfungen, die das Lesen nicht sehr einfach machen, folgt.

Einer Bloggerin,  eine Germanistikstudentin, die das Buch zu meinem Erstaunen, auch schon besprochen hat, hat diese Textform wie sie schreibt „zunehmend verwirrend und anstrengend“, gefunden.

Da bin ich schon abgebrühter , habe mich aber auch eher rasch durch das Buch geblättert,  damit ein paar schöne Stunden verbracht und mich vielleicht nicht richtig in den Text eingelassen.

Ich habe das Lesen trotzdem genoßen, vielleicht nicht mit derselben Begeisterung, wie bei Peter Waterhouses Buch.

Dazu waren mir die Texte wohl zu abstrakt und zu verschieden in ihrer Sprachform. Wenn man aber ein paar Stunden in eine schöne Sprach- und Zeichenwelt hineinkippen will, vielleicht auch, um sich von der Alltagsrealistik, die  einen umgibt, zu erholen,  ist das wirklich schöne Longlistenbilderbuch zu empfehlen.

Da das zweite Experiment auf der Liste nicht zu mir gekommen ist und ich nur die Ausstellung von Brigitte Falkners „Strategien zur Wirtsfindung“ im Literaturhaus gesehen habe, kann ich die beiden Bücher nicht vergleichen, glaube aber fast, daß ich mir eher Oswald Egger auf die Shortlist gewünscht hätte und bin gespannt, was ich von Oswald Egger noch lesen oder hören werde.

Einen kleinen Einblick in das Buch gibt es auch hier.

2017-05-22

Eine Roman genannte Textcollage

Heute bin ich, was mir ja nicht sehr oft passiert, zu einem mir völlig unbekannten Autor zu einer mir völlig unbekannten Buchpräsentation in die „Alte Schmiede“ gegangen. Gut, Markus Köhle moderierte, das war ein Anhaltspunkt und eine andere Alternative hat es auch nicht gegeben.

Aber gut, ich bin ja neugierig und der „Verbrecher-Verlag“ in dem Markus Binders „Teilzeitrevue“ erschienen ist, war mir auch von der Anke Stelling und dem dBp-Preislesen 2015 ein Begriff und war auch beim „Indie-Bookday“ beim „Lhotzkys Literaturbuffet“, wo übrigens auch Markus Köhle anwesend war, präsent.

Daß der 1963 in Enns geborene Autor und Musiker, den meisten durch das Sängerduo Attwenger ein Begriff ist, hat dann Markus Köhle in seiner Einleitung erklärt und dazu gefügt, daß der Sänger-Musiker schon 2005 im „Verbrecher-Verlag“ ein Prosa-Debut namens „Testsiegerstraße“ hatte.

„Teilzeitrevue“ ist eine Fälschung oder Täuschung erklärte Markus Köhle noch und hielt das Buch hoch, um das Cover zu präsentieren.

Roman hat es der Autor genannt, Markus Köhle hat, glaube ich, gesagt, daß man die 550 Textbestandteile aus denen es bestehen würde, auch so bezeichnen könnte und es gibt auch einen Handlungsbogen, nämlich ein Paar, eine Sie und ein Er, beide nicht nähbe benannt und beschrieben, weil das wie der Autor erklärte, nicht so wichtig wäre, fliegen von Mexiko nach Europa und die fünfhunderfünfzig Textbestandteile, die aus Songtexten, Gedichte, Dialogen, etcetera bestehen, spielen sich in sechsunddreißig Stunden ab.

Markus Binder hat schon zweimal in Wien aus dem Buch gelesen und ein Kritiker hat, glaube ich, gesagt, was ich auch schon einmal zu hören bekommen habe, daß die Protagonisten zu passiv wären.

Dem hat Markus Binder widersprochen, denn die zwei reisen ja von Mexiko nach Europa, verbringen eine Nacht in verschiedenen Lokalen, fahren mit dem Zug, etecerta, also eigentlich passiert, sehr viel an Fragmenten, Täuschungen Beobachtungen, Wahrnehmungen, aber nichts, was einer linearen Handlung oder einem Plot entsprechen würde.

Es ist also eher eine konstruierte Textfläche und um das Ganze noch spannender oder mulitmedialer zu machen, gibt es dazu noch Songs und Videos, die man sich auch, gratis, wie der Autor betonte, im Internet abrufen könne.

Drei davon hat er gesungen und dazu die Videos gezeigt, einer heißt  „Ich kaufe nichts“ und man sieht dazu Märkte in Odessa, Modawien und noch an einem Ort, den ich nicht ausschreiben kann, denn Markus Binders Textcollage ist auch sehr konsumkritiksch.

Dazu gibt es einen Text von Markus Köhle im Programm: „Markus Binder hat ein Ohr für den Sound der Zeit. So eigenwillig wie seine musikalische Arbeit ist auch seine literarische. Ja in Teilzeitrevue gibt es einen Er und eine Sie, die erfreulich gesellschaftskritisch und geräuschsenibel sind. Ja es gibt auch ein Handlungsgerüst: es wird gereist, er wird getanzt, es wird geliebt, es wird konsumiert, nein Konsum kritisiert. Aber vor allem wird beobachtet.“

Das sagt eigentlich schon alles und zuerst hat es, wie schon beschrieben, eine Einführung von Markus Köhle, die eigentlich auch schon ein Gespräch mit dem Autor war, gegeben. Dann hat der durch sein Buch geführt, Textstellen vorgelesen, gesungen, die Filme gezeigt und sich selbst dazu immer wieder kommentiert:

„Diese Stelle gefällt mir auch sehr gut“, beispielsweise oder „Das habe ich nicht ganz verstanden!“ und ich habe wieder einmal eine sehr spannende Variante des zeitgenössischen Schreibens erlebt und glaube sogar, daß ich ähnlich beschreibend begonnen habe, dann bin ich erzählender geworden.

Markus Binder ist, wie er sagte, bei den Fragmenten geblieben und das finde ich sehr schön, daß die Gegenwartsliteratur so vielfältig und verschieden ist und denke, daß sie das auch soll und habe jetzt ein Buch und einen Autor kennengelernt, die sonst vielleicht an mir vorbeigegangen wären.

Das heißt es kann sein, daß ich das Duo Attwenger schon einmal im Literaturhaus oder bei einer anderen Veranstaltung gehört habe.

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