Literaturgefluester

2020-11-13

Die Bagage

Buch sieben des österreichischen Buchpreises der ja inzwischen an Xaver Bayers Geschichtenband vergeben wurde und das vierte Shortlistbuch Monika Helfers, der Frau von Michael Köhlmaier, die 1947 in Vorarlberg geboren wurde „Die Bagage“, das im Frühlichg erschienen ist, sehr und postiv beschrieben wurde und von dem ich eigentlich dachte, daß es den Öst gewinnen könnte, weil ich es ja mit den bekannten Namen habe, mein zweiter Tip war der Bayer und ich muß sagen, es ist ein wirklich gutes Buch.

Bei der Familiengeschichte, der Monika Helfer von der ich auch „Schau mich an wenn ich mit dir rede“ gelesen habe, weil es auf der deutschen Buchpreisliste stand, bin ich mir nicht so sicher oder sagen wir einmal, es ist kein Roman, obwohl das natürlich wieder draufsteht.

Es ist ein Memoir oder eine Framiliengeschichte. Eine Familiengeschichte natürlich, wo Monika Helfer ganz offen von ihrer Großmutter Maria, der schönen, erzählt, die mit einem Josef verheiratet war, der1914 in den großen Krieg mußte. Der Postadjunk brachte die Einberufung. Der Bürgermeister war der Freund. Der mußte dem Josef versprochen auf den die Frau gut aufzupassen. Vier Kinder waren schon da und die Maria, die schöne Frau, wie mehrmals betont wurde, geht mit dem Bürgermeister auf einen Kirtag. Dort lernt sie den deutschen Georg aus Hannover mit den roten Haaren, kennen und, daß die kleine Grete, Monika Helfers Mutter, 1915, glaube ich, wie meine Mutter Rosa, von ihm ist oder sein könnte, ist das Familiengeheimnis, das gleich von Anfang an gespoilert wird und Bagage heißt das Buch, weil so ja die armen Leute genannt werden und das Buch ist auch Monika Helfers „Bagage“ gewidmet.

Der Vater hat dann, als er vom Krieg zurückkam, nie mit der kleinen Margarethe gesprochen. Es sind aber noch zwei weitere Kinder geboren worden, bevor Maria gestorben ist. Monika Helfers Mutter ist auch jung gestorben. Sie ist dann mit ihren Schwestern bei der Tante Kathe aufgewachsen und ist, wie sie am Schluß des Buches schreibt nun selbst eine alte Frau, die einige Kinder hat, die noch alle leben.

Alle bis auf Paula Köhlmeier, die sehr jung einen Unfall hatte und sonst wahrscheinlich eine inzwischen sehr bekannte Dichterin wäre. Ihr Buch „Maramba“ habe ich im Schrank gefunden und Monika Helfer hat meine Rezension darüber gelesen.

„Ich bin die Mama von Paula!“, hat sie geschrieben und dieser Satz „Ich bin die Mama von-„, kommt auch in dem Buch vor. Wie einige sehr schöne Monika Helfer Sätze, so sagte die Großmutter immer zu der Tochter, wenn sie sie mahnen wollte „Schau mir tief ins Augeninnere!“

Eine schöne Formulierungund, daß der Lorenz der zweitälteste Sohn, glaube ich, immer „Nach der Schreibe“ sprach, wurde auch erwähnt und Monika Helfer hat noch, sollte ich hinzufügen, das Buch in zwei Perspektiven geschrieben.

Die Erste vom Leben der Maria während des ersten Weltkriegs und danach, der Bürgermeister der den Speck und den Käse bringt, will auch einmal mit Maria vögeln, wenn sie es schon mit dem Georg tat.

Sie lehnt das ab und läßt sich von dem Sohn Lorenz sogar mit einem Gewehr bewachen. Der Pfarrer kommt, als sie schon schwanger ist und montiert das Kreuz von dem Haus ab und der Bürgermeister erzählt dem Josef als der vom Krieg zurückkommt, das Kind ist von ihm und dazwischen erzählt Monika Helfer von ihrer Tante Kathe, ihrer Tochter Paula und so weiter und so fort.

Eine berührende Geschichte natürlich. Im „Wikipedia“ habe ich gelesen, daß Familiengeschichten Monika Helfers Sepzialität ist und eine berühmte Dichterin und berühmte Dichtersgattin, die viele Preise bekommen hat und hoch gelobt wurde, den Öst nicht und da denke ich inzwischen nach den sieben gelesenen Büchern, der Bayer war doch die bessere Wahl aber ich könnte mich noch irren, denn die Karin Peschka, das fünfte Shortlistbuch habe ich noch nicht gelesen.

2020-11-03

Inniger Schiffbruch

Jetzt kommt Buch neunzehn des dBps „Inniger Schffbruch“ des Buchpreisträgers von 2015, dem 1955 in Wiesbaden geborenen Frank Witzel, von dem ich schon in einem Kommentar geschrieben habe, daß man in ihm, glaube ich, sehr gut den Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Schreiben feststellen kann und es ist auch ein Paradebeispiel für den Midlifekriseroman eines älteren berühmten Schriftstellers, weil ja 1955 geboren, sich mit der Geschichte Deutschland, der Geschichte seiner Familie und natürlich auch mit seiner Biografie auseinandersetzend und während die Ärztin Melitta Breznik, die letzten Tagen ihrer Mutter, die sie pflegte, mit ihren körperlichen Gebrechen schildert, geht es Franz Witztel sehr kompliziert und wie schon der Titel ausdrückt mit verschiedenen Metaphern an.

Seine Eltern sind gestorben, zuerst die Mutter, dann der Vater und es beginnt mit einem Traum von einem Rhinozeros oder Nilpferd, das man auch auf dem Cover sieht, dann geht er zu seiner Therapeutin und das ist vielleicht wieder etwas untypisch und erzählt ihm von der Trauerarbeit die er jetzt leisten will, die ist damit unzufireden und er wirft es ihr vor und dann geht es mit vielen Tiermethphern und noch mehr Träumen durch seine Lebensgeschichte und das Aufbruchsdeutschland der Neunzehnhundertsechzigerjahre, interessant, daß Eva Sichelschmidt und Stefanie Grengg etwas Ähnliches in ihren letzten Büchern versucht haben. Der Vater, ein Organist, Komponist und Geiger soll auf der Visitenkarte stehen, die ihm der Sohn viel später zu einem seiner Geburtstage schenkt, war ein Sammler und hat sein Leben akribisch in vier Tagebüchern aufgeschrieben, so daß der Sohn sehr viel zu ordnen und zu sichten hat.

Die Mutter aus dem heutigen Polen kommend, hat dagegen viel weniger hinterlassen und der Sohn macht sich nun daran, die Familiengehemnisse zu ergründen, was zwangsläufig zu der Frage führt, ob ein Schriftsteller das überhaupt kann und wieder interessant, die Art und Weise, wie Frank Witzel, das beschreibt und überlegt, ob man ein Buch über die Eltern mit einem Traum von einem Rhinozerus beginnen und mit einem erhängten Eichhörchen enden lassen kann und das hat sich auch nicht genau an dem Tag erhängt, wie es der Schriftsteller in seinem Buch beschreibt.

„Darf man das?“, fragt Frank Witzel und fügt hinzu, daß es der Leser ohnehin nicht merken würde und ich füge einige Rezensionen an, die sich darüber empörten, daß Witzel sie mit seinem Buch mit seiner Vergangheit belästigt, was sie nicht interessieren würde.

Es geht auch um die Frage oder die Selbstzweifel, ob Witzel jetzt ein guter Schriftsteller ist und für den Vater war es, wie schon geschrieben, daß seine große Karriere nicht klappte, später wurde er dement, kam mit der Mutter in ein Seniorenheit und Witzel geht Kapitel für Kapitel, die Stationen seines Lebens anhand der Aufzeichnungen und der Bücher, die er gelesen hat, durch.

Er hat einen jüngeren Bruder, als der geboren wurde, gab es eine Katze, die Mutter gab sie weg, weil es Geschichten gibt, daß sich Katzen auf Säuglinge legen und diese dadurch ersticken. Später fand Witzel eine tote Katze auf der Straße. Im mütterlichen Nachlaß gab es das berühmte Buch „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“, das ich auch im Nachlaß meiner Mutter oder schon früher fand. Meine Mutter hatte, da meine Schwester1942 geborene noch das Originale, später hieß es dann „Die Mutter“ und das berüchtigte „deutsche“ wurde weggelassen. Ein solches hatte Witzels Mutter für ihre in den Fünfzigerjahren geborenen Kinder, der Vater hatte ein Buch wo den Jungen damals die Sexualität schlecht erklärt wurde und Witzel, der intellektuelle hat gelesen und gelesen und zieht seine Lektüre nun in seinem dritten Roman über die Vergangenheitsbewältigung, der zweite ist mir entgangen, ein.

Da ist einmal das „Kind“ von Thomas Bernhard, dann Ingeborg Bachmanns Kriegstagebücher, Adorno war schon früher dran, Imre Kertesz kommt vor und und alles was einem so in den letzten Jahrzehnten durch die Hände kam und in seine Erinnerungen einbeziehen kann.

Ist das Thema ja sehr interessant, so daß es nicht nur Witzel, sondern wie erwähnt auch andere Autoren beschäftigt, die darüber schreiben und die Vergangenheit erobern wollen, was natürlich wie Witzel es in seinem Titel benennt, ein Scheitern bleibt und die Innigkeit beschreibt die Gefühle, die, was ich interessant fand, auch durchaus ein Intellektueller haben kann, auch wenn er sich mit Philosophen statt, wie es Melitta Breznik tat, mit dem Bluthockdruck, den Stützstrümpfen und den Fieberkurven beschäftigt.

Mir hat das Buch trotz seiner manchmal etwas kompliziertheit und seiner Distanz mit der es wohl geschrieben ist, glaube ich, fast besser gefallen, als „Der manisch depressive Teenager im Sommer 1969“, obwohl das Thema und die Herangehensweise durchaus nichts so neu ist.

Witzel ist das, glaube ich, doch gelungen, obwohl das Buch, wie ebenfalls schon beschrieben in der Buchpreisliste, im Gegensatz zu 2015 ziemlich unbemerkt geblieben ist, jetzt bin ich trotzdem fast mit der Liste durch und bevor ich zum heurigen Siegerbuch und meinem letzten „Buchpreisbuch“ komme, gehe ich zur österreichischen Liste, denn da habe ich ja noch sehr viel hinunterzulesen und bin gespannt, wie das jetzt mit der Preisverleihung am neunten November wird, da es da ja dann schon das Ausgangsverbot ab acht Uhr gibt, da wird es dann wahrscheinlich keinen Livestream geben, den Namen wird man aber wohl schon erfahren.

2020-09-02

Ein Tag wird kommen

Jetzt kommt das „Wagenbach-Quart- und Ö1-Buch des Monats, der 1988 in Rom geborenen Giulia Caminito „Ein Tag wird kommen“, die damit eine italienische Familiengeschichte und die Geschichte ihres Urgroßvaters des Anarchisten Nicola Ugolini geschrieben hat und das von Ö1 und anderen Rezensenten sehr gelobt wird, Anna Jeller hat es auch in ihrem Schaufenster und das mit den texten des Neoverismo wie Pavese, Silone oder Moravia verglichen wird.

Ich muß gestehen, ich habe mich mit dem Lesen etwas schwer getan und denke, daß die zweiunddreißigjährige sicher eine eigene manchmal etwas pathetische Sprache hat, die von der 1952 in Linz geborenen Barbara Kleiner ins Deutsche übersetzt wurde.

Schwierig ist es auch, daß die Geschichte des Dorfes Serra de Conti in den Marken und der Bäckerfamilie Ceresa nicht chronologisch erzählt wird.

Es geht jedenfalls um den Anfang des vorigen Jahrhunderts bis hin zum ersten Weltkrieg, die spanische Grippe komme vor und wird von den Rezensenten als bezug zur Gegenwart und dem Corona-Virus auch lobend erwähnt.

Es geht um zwei Brüder Lupo und Nicola, die eigentlich keine richtigen Brüder sind, aber das ist ein Geheimnis, das sich erst nach und nach entschlüßelt und es geht auch um ein Kloster, das eine aus dem Sudan entführte schwarze Nonne zur Äbtisstin hat, die, wie Giulia Caminito, in ihrem Nachwort erzählt, es genau, wie den anarchistischen Urgroßvater wirklich gegeben hat.

Die beiden Brüder sind sehr verscheiden, der kleine Nicola schwach und ungeschickt und scheint eigentlich nur für den Beruf des Priesters geeignet. Eine Parallele, die man mit den „Halbbart“ ziehen kann, obwohl dieses Buch ja in der Schweiz und im vierzehnten Jahrhundert spielt.

Der Bruder Lupo, der Anarchist, beschützt ihn, hält ihn auch von der Arbeit ab und als der erste Weltkrieg kommt und Lupo in den Krieg ziehen soll, zwingt er den Bruder ihn ins Bein zu schießen, damit er nicht eingezogen wird.

Es gibt auch einen Cane genannten zahmen Wolf, der unter dem Bett der Brüder lebt, der wird von einer Schlange gebissen und als Lupo ihn begräbt und danach zurückkommt, ist Nicola verschwunden, er wurde in den Krieg geschickt und, als er zurückkommt, ist er ein Mann und die Brüder wandern dann nach Amerika aus.

Es gibt aber noch den Priester Don Agostino und die Schwester namens Nella, die von ihm, wieder eine Parallele zum „Halbbart“ von ihm vergewaltigt wird. Sie geht dann ins Kloster zu Suor Klara, wird später selber Äbtisstin, vorher wird der Mutter Violante, die ein totes Kind zur Welt bringt, aber Nellas Sohn Lupo unterschoben, man sieht Giulia Caminito erzählt ihre Familengeschichte höchst dramatisch und die rote Woche die „Sentimana Rosso“ gibt es auch, den Aufstieg Mussolinis und den Faschismus, der dann auf die harte Zeit nach dem ersten Weltkrieg folgt.

Am Cover des Buches ist ein Wolf zu sehen und es ist sicher interessant diese italienische Familiengeschichte, die, wie in der Beschreibung steht, von „Schuld, Anarchie und Wiederstand“ handelt, zu lesen und Caminitos schöne Sprache „einfach, stark, vollkommen“ wird dabei auch sehr gelobt.

2020-06-01

Wovon Schwalben träumen

Jetzt kommt ein Buch von meiner Backlistleseliste, das der Alfred kaufte, als Daniela Meisel es bei den „Wilden Worten“ vorstellte.

Das weiß ich auch nach der Lektüre noch nicht wirklich, das Buch erzählt aber womöglich, die Geschichte der Großmutter der 1977 in Horn geborenen Daniela Meisel, die Biologin ist und schon weitere Romane und Kinderbücher geschrieben hat und die ich bei der Veranstaltung zum Frauentag im Literaturhaus hörte, der letzte Veranstaltung, bei der ich vor Ausbruch des Lockdowns bezüglich der Corona-Krise war.

Erzählt wird die Geschichte jedenfalls von einer Enkeltochter, die glaube ich, ebenfalls schreibt, Biologin ist und ein Verhältnis zu einem Fritz, dem Institutsvorstand oder Professor hat und aus einer guten Familie kommt und sie jetzt nicht recht weiß, ob sie ihn heiraten soll oder nicht.

Die Großmutter ist in einem Dorfgasthaus aufgewachsen, das in Horn sein könnte, Name wird nicht genannt, im Anhag steht aber unter der verwendeten Literatur, die „Geschichte des Horner Friedhofes“.

Freda ist ein uneheliches Kind, die Mutter eigentlich eine recht modebewußte Frau, schupft mit der Großmutter und dem Großvater, den „Jägerwirten“ und kocht dort Erdäpfelgulasch. Der Vater ist ein Grafensohn und Freda wird als „Bankert“ gehäselt.

Es kommt aber doch zu einer Hochzeit, der Vater ist offenbar der „Dirketor“ des Dorfpostamtes und hat ein Pantscherl mit einer der Angestellten dort. Mit der zieht er nach Wien, bekommt ein Kind von ihr, die Ehe wird geschieden, Freda noch mehr gehänselt und freundet sich mit Benjamin, dem Sohn des jüdischen Krämers an.

Das Ganze spielt in den Neunzehnhundertdreißigerjahren, der Anschluß kommt, Benjamin verschwindet. Dann kommt der Krieg, ein Paul erscheint, zieht in den Krieg wird später von Freda, die die Enkeltochter als fortschrittliche Frau schildert, geheiratet.

Broschen und Ketterln finden sich im Nachlaß der Großmutter und ein Ticket nach Aygpten kurz vor ihrem Tod ausgestellt und Freda beschließt dorthin zu fliegen, da sie das mit ihrem Fritz, der nur Dienstreisen mag, nicht könnte.

Nichts wirklich Neues, aber wohl ein Erinnerungsbuch von Daniela Meisel, wiede ein Buch, das das Leben der kleinen Leute im Krieg sehr poetisch und metaphernreich schildert.

2020-01-30

Ewig her und gar nicht wahr

Filed under: Bücher — jancak @ 00:05
Tags: , , ,

Jetzt kommt eine Neuerscheinung, das erste Debut, das ich 2020 lese und von dem ich schon raten kann, wie es ihm bezüglich des Bloggerdebutpreises 2020 gehen wird.

„Wagenbach“ hat mir das Quartbuch von Marina Frenck geschickt und die 1986 in Moldawien geborene und seit 1993 in Deutschland lebende, die auch Schauspielerin und Musikerin ist, ist eine neue frische Stimme im Literaturbetrieb und hat, könnte man so sagen mit einem rotzig frechen Ton, einer starken Poetik und vielen Wendungen und chronologischen Hin- und Herverläufen ihre Familiengeschichte erzählt oder die von Kira Libermann, einer Zeichenleherin, die Kunst studierte,  aber doch nicht so viel ausstellt, wie sie möchte oder man soll, die den dreijährigen Karlchen hat, den sie von seinen Großmuttern Lena und Susanna erzählt und die mit ihrem Freund Marc einem Journalisten doch nicht so zufrieden ist.

Sie zweifelt viel und stellt sich auch viel vor und dann geht es immer wieder in die Vergangenheit und an die verschiedensten Orte ihrer Familiengeschichte zurück, denn da gab es ja den Großvater Aaron, der als zehnjähriger aus Moldawien nach Ukbekistan flüchten und seinen Hund zurücklassen mußte, die Großmutter Sara deren Zehen und, ich glaube, auch ein Finger, während der Flucht abgefroren sind, die Eltern Lena und Wenja, die mit der kleinen Kira Chisinau verließen, um nach Europa zu kommen, immer wieder geht es nach vor und zurück, es geht zum Badeurlaub ans schwarze Meer,  die kleine Kira steht da mit einem Gummikrokodil und die Mutter trägt einen Bikini mit amerikanischen Sternenmuster trägt und Kira, die eifersüchtige, mit Marc unzufriedener, drückt auch ihre Zigaretten an ihrem Körper aus, um sich selbst zu spüren, sie stellt sich ihren Tod vor, unterzieht sich einer Operation, weil sie ein Magengeschwür hat und geht dann doch mit ihrem Karlchen als er fünfzehn ist, Drachensteigen, damit er auch eine Pubertät erlebt.

Alter Wein in neuen frischen Schläuchen, könnte man sagen, habe ich doch erst vor kurzem Alexander Osangs Familiengeschichte gelesen, Sasha Mariana Salzmann hat die ihre 2017 geschrieben  und Katja Petrowskaja hat mit „Vielleicht Esther“ 3013 beim „Bachmannpreis“ gewonnen.

Die Familiengeschichte ist für den Außenstehenden vielleicht nicht so aufregend, die Sprache war aber schön poetisch, die immer wieder überraschende Wendungen und Sätze enthält: „Mama und Papa brauchen die ganze Zeit für ihre Angst“, während es im alten Auto von Maldawien nach Deutschland geht, wäre ein solcher.

„Ein Mensch der nach sich selbst sucht, verwandelt sich in eine Autobahn“, ein anderer, über den man nachdenken kann.

Diese Sätze lassen aufhorchen, während mich die Handlung mit ihren schnellen Wandlungen und Zeitsprüngen, schließlich treffen alle, auch Marc mit seinen Eltern in einem „Irgendwo und einem Irgendwann in einem Frachtwaggon“ zusammen, bevor es wieder in das „Berlin von heute“ und auf den OP-Tsch geht, etwas verwirrte und ich nicht sicher bin, ob ich das Ganze, von denen ich viele Teile auch schon in anderen Büchern gelesen habe,  richtig mitbekommen habe.

Und den Titel füge ich, hinzu, der auch irgendwo in dem Buch vorkommt, empfinde ich als sehr schön, erfrischend neu und originell.

2019-12-25

Balg

Buch fünf der Schweizer Buchpreisliste, das Schweizer Buchpreislesen ist zu Ende und nach den großen Katastrophen und der Weltuntergangsstimmung, die Sibylle Berg von England ausgehend über ganz Europa ausbreitete, erzählt die 1981 am Bodensee aufgewachsene Tabea Steiner, die offenbar Lehrerin ist oder war vom kleinen Unglück in einer Familie, die sich auch zu einer großen Katastrphhe ausbreiten kann.

Balg ist die Bezeichnung eines unerzogenes Kindes und Timon ist ein solches, ein verhaltensauffälliges Kind, das durch die Unfähigkeit der Erwachsenen in die Verhaltensstörung hineingetrieben wurde.

Die Jugendämter können wohl wahre Lieder davon singen, aber das Wort Jugendamt kommt in dem Buch höchstens einmal vor, während die Kindergärtnerinnen den kleinen Timon weil er die anderen Kinder gebissen hat, in ein Extrazimmer sperren und die Schulleiterin, die Eltern in die schule holen und den Jungen von der Schule ausschließen, weil er die Lehrerin bestohlen hat und dabei hat alles so schön angefangen.

Chris und Antonia sind aufs Land gezogen, damit ihr Junge es einmal besser hat und in einer schönen Umgebung aufwächst. Antonia kommt von dort her, ihre Mutter lebt hier und kann sich, was ja auch sehr gut ist, gleich um ihn kümmern, wenn Antonia arbeiten geht.

Dann beginnt es gleich passend am Weihnachtsabend, Timon krabbelt zum Christbaum, schluckt irgendwas, Chris beschuldigt Antonia, die sich betrinkt, obwohl sie ja noch stillt. Dann verläßt Chris sie, zieht in die stadt, Antonia muß zu arbeiten beginnen, die Großmutter ist auch überfordert und die Kindergärtnerinnen schimpfen, weil Timon die anderen beißt.

Dabei gibt es einen Lichtblick im Dorf, Valentin, der war mal Lehrer, jetzt ist er Postbote, denn da ist einmal etwas ganz Schlimmes passiert, man weiß nicht genau was, ahnt, daß es umMißbrauch geht, daß Valentin zu lang geschwiegen hat und daß Antoina jetzt stinksauer auf ihn ist und seine Frau und seine Tochter haben ihn deshalb auch verlassen. Der alte Valentin ist es aber, der sich um Timon kümmert, er schafft sich auch Hase für ihn an und kauft ihm Süßigkeiten, als Antonia davon erfährt, droht sie mit der Polizei und verbietet Timon zu ihm zu gehen.

Dann schickt die Großmutter Timon auf einen Bauernhof, wo es ihm gefällt, Antonia holt ihn von dort weg und das Kätzchen das er gerne will, darf er auch nicht haben.

Antonia findet einen neuen Freund, der den Jungen nicht leiden kann, der Vater zu dem kontakt besteht und der eine neue Familie hat, kauf ihm ein Fahrrad, Antonia verkauft es und kauft sich dafür einen Mantel, den er zerschneidet, dann rückt er aus, verstckt sich in einer alten Käserei, Valentin gibt ihm Essen und läßt ihn bei sich duschen, während  Antonias Freund, dem sie sein Verschwinden verschweigt, auch nicht zur Polizei geht, sondern nur seine Hadybewegungen verfolgt, sein Zimmer bezieht und ihn zur Großmutter schickt.

Man sieht, es passiert viel in dem Buch, alles machen alles falsch, es ist sehr beeindruckend, das Elend in den Familien zu verfolgen, obwohl manches wieder etwas unlogisch und übertrieben scheint, kennt man solche Geschichten der Sprachlosigkeit, der Mißverständnisse, der Überforderungen, die zu Verhaltensstörungen und Traumatisierungen führen.

„Atemlos erzählt Tabea Steiner von einer grausamen Kindheit: ein verzweifelt zärtliches Buch über die Liebe und die Sprachlosigkeit“, hat Dana Grigorcea auf den Buchrücken geschrieben und man sieht wie vielfältig und unterschiedlich die heurige Buchpreisliste war, die einen auch zum Nachdenken bringen läßt.

Ein Debut kann ich noch verraten, ist es auch gewesen, obwohl es nicht auf die Bloggerdebutshortlist gekommen ist.

Und hier gehts zum Adventkalender und zum 25. Türchchen der „Nika, Weihnachtsfrau“.

2019-10-20

Hier sind Löwen

Buch vierzehn des dBps Katerina Poladjans „Hier sind Löwen“, schließt sich eigentlich ziemlich nahtlos an Alexander Osangs „Das Leben der Elena Silber“, an, wurde die Autorin, die armenische Wurzeln hat und schon beim „Bachmannpreis“ gelesen hat doch 1971 in Moskau geboren und sie hat auch einen Familienroman, in dem es um Wurzeln und die Herkunft ihrer Familie geht, geschrieben.

Die Buchrestauratiorin Helen oder Helena Mazavian, Tochter der Künstlerin Sara, die sie ohne ihrem deutschen Vater allein aufgezogen hat und sie als Kind dadurch verstörte, daß sie ihre Puppen und Stofftiere zerschnitt und neben die Fotos toter armenischer Kinder performiertte, reist nach Jerewan, um dort eine bestimmte Art der armenischen Buchbindekunst zu erlernen.

Sie solle eine Bibel restaurieren und findet in ihr einen bestimmten Satz.

„Hrant will nicht aufwachen!“

Das veranlaßt sie nach ihrer eigenen Familie zu forschen, um herauszufinden, wie das mit ihrer Großmutter war.

Das bleibt aber vage und unbestimmt, weil sie eigentlich keine Informationen dazu bekommt und auch keine wirklichen Spuren findet.

Sie, die in Deutschland ihren Freund zurückgelassen hat, nimmt in Jerewan eine Beziehung zum Sohn der Chefin des Archivs auf, einem Soldaten, der im Laufe des Romans stirbt und die fiktive Geschichte von zwei Kindern, denen die Bibel gehört haben könnte und die mit ihnen während des Völkermordes zu flüchten versuchten und die Helenes Vorfahren sein könnten, wird auch immer wieder eingestreut.

Eine ähnliche vage Geschichte, wie die von Alexander Oslang, die aber doch ein wenig einführt in die armenische Geschichte, die Suche nach den Wurzeln ihrer Familie, die aber auch Helen nicht wirklich findet, wie sie auch ein wenig vage, widersprüchig und undefiniert geschildert wird, die aber doch einen interessanten Einblick und die Motivation geben kann, sich weiter mit der Geschichte der Armenier zu befassen und da habe ich ja erst heute einen Roman darüber im Bücherschrank gefunden, den ich mir aus genau diesem Grund mitgenommen habe und ein Sachbuch über den Völkermord in Armenien habe ich auch einmal zum Geburtstag bekommen.

2019-07-06

Flugschnee

Filed under: Bücher — jancak @ 00:51
Tags: , , ,

Jetzt kommt das letzte Buch der 2017 dBp-Leseliste, womit ich, wie auch 2015m alle deutschen Buchpreisbücher gelesen habe, 2016 fehlt mir, glaube ich, ein und zwei vom Vorjahr, obwohl mir eines davon noch versprochen wurde, wie es 2019 wird, wird man sehen, ob ich da ein fünftes Buchpreisbloggen mache und wenn wieviele Bücher es werden?

Dieses Buch zwanzig der deutschen 2017 Liste habe ich nicht vom Verlag sondern vom lieben Otto bekommen, als wir ihn zu unseren Jahresanfangsfest, um die große von der Angela und vom Josef bekommene Weinflasche zu leeren, eingeladen haben.

Ein Longlistenbuch, der 1962 in Schwanenstadt geborenen und in München lebenden Birgit Müller-Wieland, deren Namen, ich wahrscheinlich von der GAV kenne und die in großen Verlagen einige Bücher hat.

Bei „Otto Müller“ ist das Buch erschienen und es besticht, dem würde ich mich anschließen, durch eine schöne Sprache, die Schnee- und Steinmetaphern und behandelt eine Familiengeschichte, deren Geheimnisse wieder Mal das gesamte Jahrhundert umfassen und in der es nichts gibt, was in ihr nicht vorkommt.

In zwei Strängen wird erzählt. Die Ich-Erzählerin Lucy, die nach dem Verzehr von Drogenpilzen, fast einen Haussturz hinter sich und ein Schädeltrauma abbekommen hat, die mit ihrem verschwundenen Bruder Simon spricht. Im Dezember passiert das in Berlin, wo sie mit Lisa und Samir in einer WG wohnt und dabei an das denkt, was zwanzig Jahre vorher in Hamburg zu Weihnachten in dem Haus der Großeltern passierte, das sie mit ihren Eltern und dem Bruder immer besuchte.

Der zweite Strang passiert dann in dieser Zeit in Hamburg und da wird abwechselnd von Arnold und Vera, das sind die Eltern und  Helene und Lorenz das sind die Großeltern erzählt.

Eine Urgroßmutter namens Johanna gibt es auch, aber die hat den Krieg nicht überlebt, ist sie doch statt in den Luftschutzkeller wieder nach oben gelaufen, um das Strickzeug zu holen, um die Socken ihres Sohnes weiter zu stricken oder in den Tod, weil sie nicht weiterleben wollte?

Man weiß das nicht so genau, wie auch alles andere, was da in dieser Familie, die von der Großmutterseite von Adeligen abstammt und alle angesehe Berufe haben, passierte, erst nach und nach klar wird.

Vera, die Mutter aus Österreich stammend, ist Bildhauerin von da kommen die Steinmetaphern und hat ohne Arnold zu informieren, das dritte Kind abgetrieben. Arnold, der Vater ist Historiker, Professor an der Uni. Aber er hat Jahre lang auf seine Ganztagsstelle warten müßen, weil ihm immer wieder andere, darunter auch Frauen wegen der Quote oder weil sie ein Techtlmechtl mit den Vorgesetzten hatten, vorgezogen wurde.

Der Großvater Lorenz war Arzt. Die Großmutter Helene war, glaube ich, Lehrerin, wurde aber von einer Demenz erfaßt und die ganze Familie delegiert sich an den zwei gleichen Büchern.

„Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss und eines von einer Karin Boye und ja richtig ein größeres Geheimnis, ein Kind das von einem anderen Vater ist und der Gehörtne, das viel besser, als die Mutter weiß, gibt es auch noch und einen Großonkel, der den eigen Vater an die Gestapo denunizierte und dann im Krieg gefallen ist.

Also etwas, das man schon in vielen Varianten gelesen hat, also nicht wirklich neu ist, aber offenbar so schön geschrieben, das Birgit Müller- Wieland damit auf die Longlist des dBps kam. So experimentell, wie ich es mir eigentlich vorstellte, ist das Buch eigentlich nicht und die beiden Handlungsstränge, so gibt es beispielsweise Anspielungen, das der verschwundene Simon, ein Opfer oder Täter der IS geworden sein könnte und einen Flüchtling in der WG gibt es auch, sind eigentlich recht zusammenhanglos  aneinandergereiht, enthalten aber andeutungsweise wirklich alles, was im letzten Jahrhundert geschehen ist.

Und dazu fällt mir eine Anekdote ein, die eigentlich gar nichts mit dem Buch zu tun hat, die ich aber letzte Woche beim Bücherschrank in der  Josefstädterstraße erlebte. Ich hatte mir dort einige  Bücher herausgenommen und wollte sie, auf der Bank, die es in der Nähe gab und auf der eine Frau saß, einräumen.

„Was gefunden?“, fragte sie und ich gab die Frage zurück.

Sie schüttelte den Kopf, sagte etwas von Sachbüchern und, daß sie keine Romane lesen würde.

„Warum?“, wollte ich wissen.

„Weil ich das alles selbst erlebe!“, antwortete sie mir und war erstaunt, denn so unternehmungslustig sah sie eigentlich nicht aus und ich erlebe ja auch nur einen Bruchbruchteil von dem, was in den Bücher steht, damit sie spannend  genug und Buchpreiswürdig scheinen.

2018-09-08

Sechs Koffer

Buch fünf der heurigen LL des dBp ist Maxim Billers „Sechs Koffer“ und der 1960 in Prag geborene, der seit 1970 in Deutschland lebt, ist wohl seit seinem Roman „Esra“, der irgendwie verboten wurde, bekannt und dann wurde er für die „Literarische Quartett -Nachfolge“ offenbar als MMR-Schimpfer engagiert, was er, wie manche meinen, sehr schwungvoll tat, ich aber auch unerträglich fand, weil ich keine so Schimpferin bin.

Den Erzählband „Wenn ich einmal reich und tot bin“, habe ich im Schrank gefunden, auf meine heurige Leseliste gesetzt, werde aber wohl nicht dazu kommen, die Neuerscheinungen haben Vorrang und das Buch, das, glaube ich, im September erscheinen sollte, wurde vom Verlag vorgezogen, weil es schon vorher im Quartett, wo er jetzt nicht mehr ist, besprochen wurde.

Vorher war, glaube ich, die LL-Verkündung und ab da habe ich schon sehr viel über es gelesen und gehört, noch bevor ich es im Briefkasten hatte.

In Zürich und in Bern lag es in den Buchhandlungen auf und die Booktuberinnen, die die LL besprachen, sagten einhellig, daß sie Biller nicht „leiden“ können, weil er zu negativ, beziehungsweise zu jüdisch sei.

Das Letztere ist wahrscheinlich so zu verstehen, daß die jungen Leute, die schon in der Schule davon gelernt haben, nicht immer über den Krieg lesen wollen und auch meinen, das wäre ein Kriterium auf die LL zu kommen, darüber zu schreiben.

Nun ist Maxim Biller sicherlich ein Selbstdarsteller. Das wurde auch im „Quartett“ so besprochen und das Buch ist, denke ich, eher eine Novelle oder eine Erzählung, als ein Roman mit seinen knapp zweihundert Seiten und es scheint, um die Familie Biller zu gehen, die von der UDSSR ja zuerst die die CSSR,  später nach Deutschland flüchtetet und der Großvater wurde 1960, in Maxim Billers Geburtsjahr in Moskau hingerichtet und einer von der Familie, die vier Söhne, die Schwägerin Natalia oder vielleicht auch die Mutter sollen dafür verantwortlich sein, weil ihn den Behörden denuniziiert.

Das ist die Auslagangslange und nun wird nicht, wie ich schon gelesen habe, in diesen sechs Perspektiven, die je einen Koffer haben, erzählt, sondern Biller erzählt und das geht ungefähr so, daß er weiß, was seine Mutter oder seine Schwester etcetera denken und was sie tun, wenn sie beispielsweise alleine im Bett liegen.

Ein omnipotenter auktorialer Erzähler also und das scheint auch  zu der Rolle, die Biller im Literaturbetrieb zu spielen scheint, zu passen.

Maxim erzählt also das Buch. Das heißt, er beginnt in den  Sechzigerjahren, als die Familie noch in Prag wohnte, der Vater „Schwejk“ übersetzte und dabei fluchte und klein Maxim den Vater fragte, ob Onkel Dima den Tate umgebracht hat?

Der, der Bruder des Vaters, wird gerade aus dem Gefängnis entlassen, worin er wegen versuchter Republikflucht für einige Jahre eingebuchtet war.

Dann gibt es noch Tante Natalia, Dimas Frau, aber auch die vorige Geliebte des Vaters, die ist Filmregisseurin und von ihr geht das Gerücht, sie hätte sich durch sämtliche Betten sämtlicher Regisseure und auch Funktionäre geschlafen.

Sie verfügt auch über Dimas Geheimakte, beziehungsweise findet die, der schon größere Maxim bei dem Onkel, als der, den Fünfzehnjährigen, da ist er schon geschieden, in seine Wohnung in Zürich eingeladen hat. In Zürich lebt auch Onkel Lev, der vierte Bruder, glaube ich, in Argentinien oder Brasilien und Lev weigert sich mit den Brüdern zu reden und so geht es in dem Büchlein dahin.

Ein jeder hätte ein Motiv gehabt, den Taten an den Staat zu verraten, der glaube ich, in einem Devisenschmuggel verwickelt war. Am Ende weiß man nicht wirklich was, aber Maxims Schwester Jelena, die in London wohnt, ist es schließlich, die ein Buch über diese Familiengeschichte geschrieben hat und  im letzten Kapitel nach Hamburg reist, wo die Familie inzwischen wohnt, um ein Interview zu geben.

Da wird sie auch gefragt, wer ist es gewesen, wer hat den Opa verraten? Und „Meine Schwester sagte lange nichts, die Moderatorin schluckte laut und unsicher, und schließlich sagte Jelena „Das geht niemanden etwas an. Das verstehen Sie doch, oder?“

„Nein, das verstehe ich eigentlich nicht“, sagte die Moderatorin höflich und plötzlich sehr streng, und dann erzählte ihr Jelena, wie es wirklich gewesen war.“

So endet das Buch und Spoilergegner, aufgepasst, ich habe nichts verraten, wer und wie es war, obwohl im literarischen Quartett von Sasha Mariana Salzmann, die im Vorjahr mit ihrem Debut, das mir nicht so gut gefallen hat, auf der Shortlist stand,  glaube ich, die Seitenzahl verraten wurde, wo man das nachlesen kann.

Denn das Buch ist an dieser Stelle aus und ich denke, dem guten Maxim ist hier ein wirklicher Streich der Selbstdarstellung, alles und auch gleichzeitig nichts auszuplaudern und sich dabei trefflich in den Mittelpunkt zu stellen, gelungen.

Auf dem ersten Blick ist man davon beeindruckt, auf dem zweiten fängt man vielleicht an sich zu fragen, was interessiert mich dieses Familiengeschichte und was wird hier wirklich erzählt?

Über den Krieg und den Holocaust, wie die jungen Blogger und You-Tuber befürchten, nicht viel, eher die Geschichte einer entwurzelten Familie, die ihre Geheimnisse nicht hergegeben will. Braucht sie auch nicht wirklich, denn ich habe nichts davon zu wissen, ob das jetzt Natalia, Dima oder jemand anders war und wieviel Maxim Biller bei seiner Familiengeschichte erfunden hat?

Die sechs Koffer im Titel sind wohl eine Anspielung auf die Heimatlosgkeit der Juden und, daß die sie immer bereithalten müßen, um auf der Flucht zu sein. Sasha Mariana Salzmann meinte, daß ihr die Koffermetapher in den jüdischen Geschichten auf die Nerven gehe und sie sie für abgedroschen hält.

Um Koffer geht es in dem Buch auch gar nicht, obwohl die Familie viel herumreist und von Moskau nach Prag von dort nach Hamburg, Zürich oder Montreal kommt und eigentlich würde man nur einen Koffer, nämlich den des allwissenden Übererzählers brauchen, aber der lebt, glaube ich, inzwischen in Berlin und geht immer in die „Kronenhalle“ zum Mittag-oder Abendessen, wenn er nach Zürich kommt.

2018-01-21

Unschuld

Die die meinen Blog aufmerksam verfolgen, wundern sich wahrscheinlich, daß jetzt fast eine Woche keine Buchbesprechung mehr erschienen ist, obwohl ich durchschnittlich drei Bücher in der Woche lese, aber Jonathan Franzens 2015 erschienener Roman hat über achthundet Seiten und da brauchte ich eben länger und ich habe ihn auch jetzt erst gelesen, obwohl ich das Buch schon 2015 vom Karl zu meinem Geburtstag bekommen habe. Das liegt an meiner elendslangen Leseliste und noch einmal interessant, als ich im Jänner 2016 oder so zum „Wortschatz“ gegangen bin, lag das Buch darin, ich habe mich kurz geärgert und hoffe jetzt, daß es einen interessierten Leser gefunden hat, obwohl wenn man bei „Amazon“ nachschaut, hat der Roman auch viele Einsternrezensonen, was mich, die ich zum Zeitpunkt des Nachschauens, das erste Kaptiel gelesen hatte, wunderte. Später nicht mehr, jetzt würde ich mich den Meinungen von der platten Handlung, etcetera, die dort vertreten sind, anschließen aber schön der Reihe nach.

Der 1959 geborene amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen, der, glaube ich, auch Deutsch spricht und in Berlin studierte, wurde mit seinem Weltbestseller „Die Korrekturen“ schlagartig berühmt. Das Buch habe ich gelesen und mich gewundert, daß dort ein Elch beschrieben wurde der dann als typisch österreichisch ausgewiesen wurde.

Karl Markus Gauss hat das in einem Essay beschrieben und das ist wahrscheinlich auch typisch für die Franzensche Literatur, obwohl Annika Bühnemann auf ihrem Twitter Account, ein Zitat von ihm hat, daß der oder die, die einen Computer benützt, keine guten Schriftsteller sein kann, vielleicht eine späte Erkenntnis, der falschen Zuordnung wegen.

In der „Unsichtbaren Frau“, an der ich ja gerade  korrigiere, kommt eine Lesung im österreischischen Kulturkinstitut von New York vor, die Jonathan Franzen gemeinsam mit Daniel Kehlmann macht.

Unschuld heißt auf Englisch Puritiy, so heißt das Buch im Orignal und so heißt auch die Heldin oder eine davon. Puritiy Tyler, Pip genannt,  gehört das erste Kapitel und das ist sehr faszinierend, es gehört ihr auch ein großer Teil des Klappentextes.

Pip ist also drei- und vierundzwanzig und hat viele Probleme, so weiß sie zum Beispiel weder ihr korrektes Geburtsdatum, noch wer ihr Vater ist.

„Wie geht das Erste?“, habe ich eine Zeitlang gedacht. Aber die Mutter, die Pip „Miezchen“ nennt, hat alle ihre Spuren verwischt und eine falsche Identität angenommen und erzählt der Tochter auf die Frage nach dem Vater eine Geschichte, die man schon in einem Roman nachlesen kann.

Pip ist also drei oder vierundzwanhzig, lebt in einem besetzen Haus mit einem Mann in den sie verliebt ist, obwohl er verheiratet ist, einem Behinderten und einem Schizophrenen in einer Kammer, hat studiert und von daher Schulden und arbeitet in einer Umweltschutzfirma am Telefon mit einem Chef der ihr Schwierigkeiten macht.

Das steht so ungefähr im Klappentext und der erste Teil hat einige sehr packende Szenen. So nimmt Pip zum Beispiel einen Mann, den sie immer in einer Cafeteria trifft mit in das Haus. Kommt, als sie schon beim Ausziehen sind darauf, daß sie keine Präservative hat, hetzt hinunte,r um die aus dem Badezimmer zu holen, kommt dabei an der Küche vorbei, in der Annagret, ein deutscher Gast sitzt und die holt sie herein und bedrängt sie einen Fragebogen auszufüllen, um sich in Boliven, als Praktikantin bei einem Whistleblower namens Andreas Wolf zu bewerben und ködert sie, die keine rechte Lust dazu hat, damit, daß sie da auch herausfinden könnte, wer ihr Vater ist. Damit geht natürlich das Date zu flöten und als ihrer Mutter, die sehr gesundheitsbewußt ist, zu ihren „Nicht Geburtstag“ einen selbstgebackenen veganen Kuchen bringen will, fällt ihr der am Klo des Busbahnhofs hinunter, so daß es nichts wird mit dem Geschenk und weil die Mutter ihr noch immer nicht sagen will, we rihr Vater ist, startet sie los nach Südamerika.

Das habe ich sehr spannend und frisch erzählt gefunden und das sind ungefähr die ersten hundert Seiten. Dann wird es schwieriger. Denn dann werden noch einige andere Personen und Schicksale in das Buch verwoben, etwas, was ich bei meinen Texte auch mache, aber meine Bücher sind ja nie so lang.

So geht es im nächsten Teil in die DDR. Andreas Wolf kommt ja von dort und Markus Wolf, der DDR Staatssicherheitschef, ist angeblich sein Onkel. Etwas was ich sehr interessant finde, wie man das macht, in seine Texte real lebende bekannte Persönlichkeiten zu verweben, denn Alfred hat mir ja gesagt, ich könnte meinen Alfons in der „Unsichtbaten Frau“ nicht Tratschke nennen, weil man da an H. C. Strache denken könnte, der ist aber ein Sachse und der neue österreichische Vizekanzler kommt in dem Buch auch vor und ein Minister Basti Quasti, da hat mir der Alfred auch abgeraten, aber der ist ja inzwischen Bundeskanzler und wenn man ein Weltbestsellerautor ist kann man wahrscheinlich alles, weil einem ein Rechtsanwaltsbüro berät und wenn man seine fünzig Bücher selber macht, kann man das wahrscheinlich auch, weil sie ohnehin niemand liest.

Es geht also in die DDR der fünfziger und sechzigerjahre bishin zur Wende und da würde ich, obwohl ich das nicht mache, auch eine Einsternbewertung geben, denn die DDR war vermutlich alles, aber keine erotische sexbesessene Diktatur, wie sie Franzen darstellt, wahrscheinlich eher das Gegenteil.

Andreas Wolf war jedenfalls der Sohn von hohen Funktionären, die Mutter Englischprofessorin, der Vater Mitglied des Politbüro und so einen Roman habe ich auch einmal gelesen, wo einer seine glückliche Jugendsch schildert, weil der Vater ihn im Sommer mit tausend Mark zurückläßt, während er in die Schweiz fährt.

Andreas Wolf ist aber nicht glücklich, sondern wird von der Mutter mißbraucht, dann schreibt er irgendwelche erotische Gedichte, wird darauf von der Partei verstoßen und lebt fortan als Jugendhelfer im Keller einer Kirche, wo seine Aufgabe  besteht, gefährdete Mädchen zu vögleln. Ich glaube nicht, daß das so war und da kommt eines Tages ein schönes Mädchen namens Annagret, man sieht die Verbindung, sagt, ihr Stiefvater ist ein Stasispitzel, ihre Mutter drogensüchtig, er hat sie sexuell belästigt, beziehungsweise dazu erpresst und sie kann ihn nicht anzeigen, weil sonst die Mutter ins Gefännis kommt, worauf er gleich beschließt, ihn umzubringen.

So ein Unsinn würde ich nochmals sagen. Später wird dann erklärt, er hätte aus Notwehr gehandelt, was nachvollziehbarer wäre. Annagret hilft ihm dabei.  Er begräbt die Leiche im Garten in der Datsche seiner Eltern, die er nicht sehen darf und als er vorher dort war, um ein anderes Mädchen zu vögeln, das, das nicht in der Kirche wollte, kam gleich die Polizei und hat ihn verscheucht. Jetzt kann er den Stiefvater aber gefahrlos  vergraben, obwohl er sich dabei sehr tolpatschig anstellt.

Dann leben beide einige Jahre in der Angst erwischt zu werden. Annagrets Mutter kommt auch ins Gefängnis. Die Stasi läßt aber beide in Ruhe und als es zur Wende kommt, nimmt er Kontakt zu seinem Vater auf, um sich seinen Stasiakt zu besorgen. Der läßt noch einmal seine Verbindungen spielen und er geht in die berühmte Normannenstraße und als der Offizier, die Akte zurückhaben will, stehen schon die Demonstranten vor der Tür, Andreas schlägt sich auf ihre Seite, kommt ins Fernsehen und wird als Dissident berühmt.

Er trifft dann noch einen amerikanischen Journalisten, den er von dem Mord erzählt und weil seine Eltern die Datsche verkaufen wollen und dort gegraben werden soll, hilft ihm Tom Aberant,  die Leiche zu holen und in einem Wald zu vergraben.

Pip ist in Bolivien und mit Andrea,s der weiter alle Frauen vögelt in einem Hotelzimmer. Dort kommt es aber zu Schwierigkeiten und so schickt er sie mit einer Spionagesoftwehr zu Tom Aberant in die USA. Er darf, weil ein berühmter Whistleblower geworden, nicht mehr dorthin und der ist, erfahren wird dann, wahrscheinlich nach ein paar weiteren hundert Seiten, Pips Vater.

Die Mutter heißt in Wahrheit Annabel und ist eine sehr neurotische Erbin, Tom wollte auch nie ein Kind, und lebt jetzt mit einer anderen Journalistin, die auch ein Kind von ihm wollte und mit einem gelähmgten Schriftsteller verheiratet ist. Die beiden nehmen Pip bei sich auf. Die Journalistin ist eifersüchtig  und Andreas auch hoch neurotisch und lebt in der Angst Andreas könnte ihn verraten. Er hat Pip also eingeschleust und zu Tom Aberant geschickt.

Der kommt dann nach Bolivien, sagt Andreas soll ihm in Ruhe lassen und der Tochter nicht sagen, daß er ihr Vater ist, sonst geht er zur Polizei. Andreas schickt die Nachricht aber an Pip und stürzt sich dann vor Toms Augen in den Abgrund und im letzten Kapitel, wo sich der Rahmen schließt, beginnt mir die Geschichte wieder zu gefallen, so daß ich meinen Vorrezenzenten zustimme, daß das Buch gewinnen würde, wenn man es auf zweihundert Seiten kürzt.

Pip nimmt nämlich energisch ihr Leben in die Hand, holt sich die ihr zuständigen Millionen, hilft dem schoizophrenen Mitbewohner, sein Haus, das ihm die Banken gestohlen haben, zurückzubekommen. Freundetsich auch mit Jason, das ist der, mit dem sie  zu Beginn nicht vögeln konnte, wieder an und versucht auch ihre Eltern zusammenzubringen, was, wie ich noch spoilern möchte, natürlich nicht gelingt.

Denn googlet man über Jonathan Franzen nach,  bekommt man zu lesen, daß er ein Spezialist für kaputte Beziehungen ist, beziehungweise immer solche in seinen Romanen beschreibt und ich merke noch an, daß noch zwei Bücher nämlich „Anleitung zum Einsamsein“ und den Debutroman „Die 27 Stadt“ auf meiner heurigen Leseliste habe. Mal sehen, ob ich dazukomme sie zu lesen.

Nächste Seite »

Erstelle kostenlos eine Website oder ein Blog auf WordPress.com.