Literaturgefluester

2019-07-06

Flugschnee

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Jetzt kommt das letzte Buch der 2017 dBp-Leseliste, womit ich, wie auch 2015m alle deutschen Buchpreisbücher gelesen habe, 2016 fehlt mir, glaube ich, ein und zwei vom Vorjahr, obwohl mir eines davon noch versprochen wurde, wie es 2019 wird, wird man sehen, ob ich da ein fünftes Buchpreisbloggen mache und wenn wieviele Bücher es werden?

Dieses Buch zwanzig der deutschen 2017 Liste habe ich nicht vom Verlag sondern vom lieben Otto bekommen, als wir ihn zu unseren Jahresanfangsfest, um die große von der Angela und vom Josef bekommene Weinflasche zu leeren, eingeladen haben.

Ein Longlistenbuch, der 1962 in Schwanenstadt geborenen und in München lebenden Birgit Müller-Wieland, deren Namen, ich wahrscheinlich von der GAV kenne und die in großen Verlagen einige Bücher hat.

Bei „Otto Müller“ ist das Buch erschienen und es besticht, dem würde ich mich anschließen, durch eine schöne Sprache, die Schnee- und Steinmetaphern und behandelt eine Familiengeschichte, deren Geheimnisse wieder Mal das gesamte Jahrhundert umfassen und in der es nichts gibt, was in ihr nicht vorkommt.

In zwei Strängen wird erzählt. Die Ich-Erzählerin Lucy, die nach dem Verzehr von Drogenpilzen, fast einen Haussturz hinter sich und ein Schädeltrauma abbekommen hat, die mit ihrem verschwundenen Bruder Simon spricht. Im Dezember passiert das in Berlin, wo sie mit Lisa und Samir in einer WG wohnt und dabei an das denkt, was zwanzig Jahre vorher in Hamburg zu Weihnachten in dem Haus der Großeltern passierte, das sie mit ihren Eltern und dem Bruder immer besuchte.

Der zweite Strang passiert dann in dieser Zeit in Hamburg und da wird abwechselnd von Arnold und Vera, das sind die Eltern und  Helene und Lorenz das sind die Großeltern erzählt.

Eine Urgroßmutter namens Johanna gibt es auch, aber die hat den Krieg nicht überlebt, ist sie doch statt in den Luftschutzkeller wieder nach oben gelaufen, um das Strickzeug zu holen, um die Socken ihres Sohnes weiter zu stricken oder in den Tod, weil sie nicht weiterleben wollte?

Man weiß das nicht so genau, wie auch alles andere, was da in dieser Familie, die von der Großmutterseite von Adeligen abstammt und alle angesehe Berufe haben, passierte, erst nach und nach klar wird.

Vera, die Mutter aus Österreich stammend, ist Bildhauerin von da kommen die Steinmetaphern und hat ohne Arnold zu informieren, das dritte Kind abgetrieben. Arnold, der Vater ist Historiker, Professor an der Uni. Aber er hat Jahre lang auf seine Ganztagsstelle warten müßen, weil ihm immer wieder andere, darunter auch Frauen wegen der Quote oder weil sie ein Techtlmechtl mit den Vorgesetzten hatten, vorgezogen wurde.

Der Großvater Lorenz war Arzt. Die Großmutter Helene war, glaube ich, Lehrerin, wurde aber von einer Demenz erfaßt und die ganze Familie delegiert sich an den zwei gleichen Büchern.

„Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss und eines von einer Karin Boye und ja richtig ein größeres Geheimnis, ein Kind das von einem anderen Vater ist und der Gehörtne, das viel besser, als die Mutter weiß, gibt es auch noch und einen Großonkel, der den eigen Vater an die Gestapo denunizierte und dann im Krieg gefallen ist.

Also etwas, das man schon in vielen Varianten gelesen hat, also nicht wirklich neu ist, aber offenbar so schön geschrieben, das Birgit Müller- Wieland damit auf die Longlist des dBps kam. So experimentell, wie ich es mir eigentlich vorstellte, ist das Buch eigentlich nicht und die beiden Handlungsstränge, so gibt es beispielsweise Anspielungen, das der verschwundene Simon, ein Opfer oder Täter der IS geworden sein könnte und einen Flüchtling in der WG gibt es auch, sind eigentlich recht zusammenhanglos  aneinandergereiht, enthalten aber andeutungsweise wirklich alles, was im letzten Jahrhundert geschehen ist.

Und dazu fällt mir eine Anekdote ein, die eigentlich gar nichts mit dem Buch zu tun hat, die ich aber letzte Woche beim Bücherschrank in der  Josefstädterstraße erlebte. Ich hatte mir dort einige  Bücher herausgenommen und wollte sie, auf der Bank, die es in der Nähe gab und auf der eine Frau saß, einräumen.

„Was gefunden?“, fragte sie und ich gab die Frage zurück.

Sie schüttelte den Kopf, sagte etwas von Sachbüchern und, daß sie keine Romane lesen würde.

„Warum?“, wollte ich wissen.

„Weil ich das alles selbst erlebe!“, antwortete sie mir und war erstaunt, denn so unternehmungslustig sah sie eigentlich nicht aus und ich erlebe ja auch nur einen Bruchbruchteil von dem, was in den Bücher steht, damit sie spannend  genug und Buchpreiswürdig scheinen.

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2018-09-08

Sechs Koffer

Buch fünf der heurigen LL des dBp ist Maxim Billers „Sechs Koffer“ und der 1960 in Prag geborene, der seit 1970 in Deutschland lebt, ist wohl seit seinem Roman „Esra“, der irgendwie verboten wurde, bekannt und dann wurde er für die „Literarische Quartett -Nachfolge“ offenbar als MMR-Schimpfer engagiert, was er, wie manche meinen, sehr schwungvoll tat, ich aber auch unerträglich fand, weil ich keine so Schimpferin bin.

Den Erzählband „Wenn ich einmal reich und tot bin“, habe ich im Schrank gefunden, auf meine heurige Leseliste gesetzt, werde aber wohl nicht dazu kommen, die Neuerscheinungen haben Vorrang und das Buch, das, glaube ich, im September erscheinen sollte, wurde vom Verlag vorgezogen, weil es schon vorher im Quartett, wo er jetzt nicht mehr ist, besprochen wurde.

Vorher war, glaube ich, die LL-Verkündung und ab da habe ich schon sehr viel über es gelesen und gehört, noch bevor ich es im Briefkasten hatte.

In Zürich und in Bern lag es in den Buchhandlungen auf und die Booktuberinnen, die die LL besprachen, sagten einhellig, daß sie Biller nicht „leiden“ können, weil er zu negativ, beziehungsweise zu jüdisch sei.

Das Letztere ist wahrscheinlich so zu verstehen, daß die jungen Leute, die schon in der Schule davon gelernt haben, nicht immer über den Krieg lesen wollen und auch meinen, das wäre ein Kriterium auf die LL zu kommen, darüber zu schreiben.

Nun ist Maxim Biller sicherlich ein Selbstdarsteller. Das wurde auch im „Quartett“ so besprochen und das Buch ist, denke ich, eher eine Novelle oder eine Erzählung, als ein Roman mit seinen knapp zweihundert Seiten und es scheint, um die Familie Biller zu gehen, die von der UDSSR ja zuerst die die CSSR,  später nach Deutschland flüchtetet und der Großvater wurde 1960, in Maxim Billers Geburtsjahr in Moskau hingerichtet und einer von der Familie, die vier Söhne, die Schwägerin Natalia oder vielleicht auch die Mutter sollen dafür verantwortlich sein, weil ihn den Behörden denuniziiert.

Das ist die Auslagangslange und nun wird nicht, wie ich schon gelesen habe, in diesen sechs Perspektiven, die je einen Koffer haben, erzählt, sondern Biller erzählt und das geht ungefähr so, daß er weiß, was seine Mutter oder seine Schwester etcetera denken und was sie tun, wenn sie beispielsweise alleine im Bett liegen.

Ein omnipotenter auktorialer Erzähler also und das scheint auch  zu der Rolle, die Biller im Literaturbetrieb zu spielen scheint, zu passen.

Maxim erzählt also das Buch. Das heißt, er beginnt in den  Sechzigerjahren, als die Familie noch in Prag wohnte, der Vater „Schwejk“ übersetzte und dabei fluchte und klein Maxim den Vater fragte, ob Onkel Dima den Tate umgebracht hat?

Der, der Bruder des Vaters, wird gerade aus dem Gefängnis entlassen, worin er wegen versuchter Republikflucht für einige Jahre eingebuchtet war.

Dann gibt es noch Tante Natalia, Dimas Frau, aber auch die vorige Geliebte des Vaters, die ist Filmregisseurin und von ihr geht das Gerücht, sie hätte sich durch sämtliche Betten sämtlicher Regisseure und auch Funktionäre geschlafen.

Sie verfügt auch über Dimas Geheimakte, beziehungsweise findet die, der schon größere Maxim bei dem Onkel, als der, den Fünfzehnjährigen, da ist er schon geschieden, in seine Wohnung in Zürich eingeladen hat. In Zürich lebt auch Onkel Lev, der vierte Bruder, glaube ich, in Argentinien oder Brasilien und Lev weigert sich mit den Brüdern zu reden und so geht es in dem Büchlein dahin.

Ein jeder hätte ein Motiv gehabt, den Taten an den Staat zu verraten, der glaube ich, in einem Devisenschmuggel verwickelt war. Am Ende weiß man nicht wirklich was, aber Maxims Schwester Jelena, die in London wohnt, ist es schließlich, die ein Buch über diese Familiengeschichte geschrieben hat und  im letzten Kapitel nach Hamburg reist, wo die Familie inzwischen wohnt, um ein Interview zu geben.

Da wird sie auch gefragt, wer ist es gewesen, wer hat den Opa verraten? Und „Meine Schwester sagte lange nichts, die Moderatorin schluckte laut und unsicher, und schließlich sagte Jelena „Das geht niemanden etwas an. Das verstehen Sie doch, oder?“

„Nein, das verstehe ich eigentlich nicht“, sagte die Moderatorin höflich und plötzlich sehr streng, und dann erzählte ihr Jelena, wie es wirklich gewesen war.“

So endet das Buch und Spoilergegner, aufgepasst, ich habe nichts verraten, wer und wie es war, obwohl im literarischen Quartett von Sasha Mariana Salzmann, die im Vorjahr mit ihrem Debut, das mir nicht so gut gefallen hat, auf der Shortlist stand,  glaube ich, die Seitenzahl verraten wurde, wo man das nachlesen kann.

Denn das Buch ist an dieser Stelle aus und ich denke, dem guten Maxim ist hier ein wirklicher Streich der Selbstdarstellung, alles und auch gleichzeitig nichts auszuplaudern und sich dabei trefflich in den Mittelpunkt zu stellen, gelungen.

Auf dem ersten Blick ist man davon beeindruckt, auf dem zweiten fängt man vielleicht an sich zu fragen, was interessiert mich dieses Familiengeschichte und was wird hier wirklich erzählt?

Über den Krieg und den Holocaust, wie die jungen Blogger und You-Tuber befürchten, nicht viel, eher die Geschichte einer entwurzelten Familie, die ihre Geheimnisse nicht hergegeben will. Braucht sie auch nicht wirklich, denn ich habe nichts davon zu wissen, ob das jetzt Natalia, Dima oder jemand anders war und wieviel Maxim Biller bei seiner Familiengeschichte erfunden hat?

Die sechs Koffer im Titel sind wohl eine Anspielung auf die Heimatlosgkeit der Juden und, daß die sie immer bereithalten müßen, um auf der Flucht zu sein. Sasha Mariana Salzmann meinte, daß ihr die Koffermetapher in den jüdischen Geschichten auf die Nerven gehe und sie sie für abgedroschen hält.

Um Koffer geht es in dem Buch auch gar nicht, obwohl die Familie viel herumreist und von Moskau nach Prag von dort nach Hamburg, Zürich oder Montreal kommt und eigentlich würde man nur einen Koffer, nämlich den des allwissenden Übererzählers brauchen, aber der lebt, glaube ich, inzwischen in Berlin und geht immer in die „Kronenhalle“ zum Mittag-oder Abendessen, wenn er nach Zürich kommt.

2018-01-21

Unschuld

Die die meinen Blog aufmerksam verfolgen, wundern sich wahrscheinlich, daß jetzt fast eine Woche keine Buchbesprechung mehr erschienen ist, obwohl ich durchschnittlich drei Bücher in der Woche lese, aber Jonathan Franzens 2015 erschienener Roman hat über achthundet Seiten und da brauchte ich eben länger und ich habe ihn auch jetzt erst gelesen, obwohl ich das Buch schon 2015 vom Karl zu meinem Geburtstag bekommen habe. Das liegt an meiner elendslangen Leseliste und noch einmal interessant, als ich im Jänner 2016 oder so zum „Wortschatz“ gegangen bin, lag das Buch darin, ich habe mich kurz geärgert und hoffe jetzt, daß es einen interessierten Leser gefunden hat, obwohl wenn man bei „Amazon“ nachschaut, hat der Roman auch viele Einsternrezensonen, was mich, die ich zum Zeitpunkt des Nachschauens, das erste Kaptiel gelesen hatte, wunderte. Später nicht mehr, jetzt würde ich mich den Meinungen von der platten Handlung, etcetera, die dort vertreten sind, anschließen aber schön der Reihe nach.

Der 1959 geborene amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen, der, glaube ich, auch Deutsch spricht und in Berlin studierte, wurde mit seinem Weltbestseller „Die Korrekturen“ schlagartig berühmt. Das Buch habe ich gelesen und mich gewundert, daß dort ein Elch beschrieben wurde der dann als typisch österreichisch ausgewiesen wurde.

Karl Markus Gauss hat das in einem Essay beschrieben und das ist wahrscheinlich auch typisch für die Franzensche Literatur, obwohl Annika Bühnemann auf ihrem Twitter Account, ein Zitat von ihm hat, daß der oder die, die einen Computer benützt, keine guten Schriftsteller sein kann, vielleicht eine späte Erkenntnis, der falschen Zuordnung wegen.

In der „Unsichtbaren Frau“, an der ich ja gerade  korrigiere, kommt eine Lesung im österreischischen Kulturkinstitut von New York vor, die Jonathan Franzen gemeinsam mit Daniel Kehlmann macht.

Unschuld heißt auf Englisch Puritiy, so heißt das Buch im Orignal und so heißt auch die Heldin oder eine davon. Puritiy Tyler, Pip genannt,  gehört das erste Kapitel und das ist sehr faszinierend, es gehört ihr auch ein großer Teil des Klappentextes.

Pip ist also drei- und vierundzwanzig und hat viele Probleme, so weiß sie zum Beispiel weder ihr korrektes Geburtsdatum, noch wer ihr Vater ist.

„Wie geht das Erste?“, habe ich eine Zeitlang gedacht. Aber die Mutter, die Pip „Miezchen“ nennt, hat alle ihre Spuren verwischt und eine falsche Identität angenommen und erzählt der Tochter auf die Frage nach dem Vater eine Geschichte, die man schon in einem Roman nachlesen kann.

Pip ist also drei oder vierundzwanhzig, lebt in einem besetzen Haus mit einem Mann in den sie verliebt ist, obwohl er verheiratet ist, einem Behinderten und einem Schizophrenen in einer Kammer, hat studiert und von daher Schulden und arbeitet in einer Umweltschutzfirma am Telefon mit einem Chef der ihr Schwierigkeiten macht.

Das steht so ungefähr im Klappentext und der erste Teil hat einige sehr packende Szenen. So nimmt Pip zum Beispiel einen Mann, den sie immer in einer Cafeteria trifft mit in das Haus. Kommt, als sie schon beim Ausziehen sind darauf, daß sie keine Präservative hat, hetzt hinunte,r um die aus dem Badezimmer zu holen, kommt dabei an der Küche vorbei, in der Annagret, ein deutscher Gast sitzt und die holt sie herein und bedrängt sie einen Fragebogen auszufüllen, um sich in Boliven, als Praktikantin bei einem Whistleblower namens Andreas Wolf zu bewerben und ködert sie, die keine rechte Lust dazu hat, damit, daß sie da auch herausfinden könnte, wer ihr Vater ist. Damit geht natürlich das Date zu flöten und als ihrer Mutter, die sehr gesundheitsbewußt ist, zu ihren „Nicht Geburtstag“ einen selbstgebackenen veganen Kuchen bringen will, fällt ihr der am Klo des Busbahnhofs hinunter, so daß es nichts wird mit dem Geschenk und weil die Mutter ihr noch immer nicht sagen will, we rihr Vater ist, startet sie los nach Südamerika.

Das habe ich sehr spannend und frisch erzählt gefunden und das sind ungefähr die ersten hundert Seiten. Dann wird es schwieriger. Denn dann werden noch einige andere Personen und Schicksale in das Buch verwoben, etwas, was ich bei meinen Texte auch mache, aber meine Bücher sind ja nie so lang.

So geht es im nächsten Teil in die DDR. Andreas Wolf kommt ja von dort und Markus Wolf, der DDR Staatssicherheitschef, ist angeblich sein Onkel. Etwas was ich sehr interessant finde, wie man das macht, in seine Texte real lebende bekannte Persönlichkeiten zu verweben, denn Alfred hat mir ja gesagt, ich könnte meinen Alfons in der „Unsichtbaten Frau“ nicht Tratschke nennen, weil man da an H. C. Strache denken könnte, der ist aber ein Sachse und der neue österreichische Vizekanzler kommt in dem Buch auch vor und ein Minister Basti Quasti, da hat mir der Alfred auch abgeraten, aber der ist ja inzwischen Bundeskanzler und wenn man ein Weltbestsellerautor ist kann man wahrscheinlich alles, weil einem ein Rechtsanwaltsbüro berät und wenn man seine fünzig Bücher selber macht, kann man das wahrscheinlich auch, weil sie ohnehin niemand liest.

Es geht also in die DDR der fünfziger und sechzigerjahre bishin zur Wende und da würde ich, obwohl ich das nicht mache, auch eine Einsternbewertung geben, denn die DDR war vermutlich alles, aber keine erotische sexbesessene Diktatur, wie sie Franzen darstellt, wahrscheinlich eher das Gegenteil.

Andreas Wolf war jedenfalls der Sohn von hohen Funktionären, die Mutter Englischprofessorin, der Vater Mitglied des Politbüro und so einen Roman habe ich auch einmal gelesen, wo einer seine glückliche Jugendsch schildert, weil der Vater ihn im Sommer mit tausend Mark zurückläßt, während er in die Schweiz fährt.

Andreas Wolf ist aber nicht glücklich, sondern wird von der Mutter mißbraucht, dann schreibt er irgendwelche erotische Gedichte, wird darauf von der Partei verstoßen und lebt fortan als Jugendhelfer im Keller einer Kirche, wo seine Aufgabe  besteht, gefährdete Mädchen zu vögleln. Ich glaube nicht, daß das so war und da kommt eines Tages ein schönes Mädchen namens Annagret, man sieht die Verbindung, sagt, ihr Stiefvater ist ein Stasispitzel, ihre Mutter drogensüchtig, er hat sie sexuell belästigt, beziehungsweise dazu erpresst und sie kann ihn nicht anzeigen, weil sonst die Mutter ins Gefännis kommt, worauf er gleich beschließt, ihn umzubringen.

So ein Unsinn würde ich nochmals sagen. Später wird dann erklärt, er hätte aus Notwehr gehandelt, was nachvollziehbarer wäre. Annagret hilft ihm dabei.  Er begräbt die Leiche im Garten in der Datsche seiner Eltern, die er nicht sehen darf und als er vorher dort war, um ein anderes Mädchen zu vögeln, das, das nicht in der Kirche wollte, kam gleich die Polizei und hat ihn verscheucht. Jetzt kann er den Stiefvater aber gefahrlos  vergraben, obwohl er sich dabei sehr tolpatschig anstellt.

Dann leben beide einige Jahre in der Angst erwischt zu werden. Annagrets Mutter kommt auch ins Gefängnis. Die Stasi läßt aber beide in Ruhe und als es zur Wende kommt, nimmt er Kontakt zu seinem Vater auf, um sich seinen Stasiakt zu besorgen. Der läßt noch einmal seine Verbindungen spielen und er geht in die berühmte Normannenstraße und als der Offizier, die Akte zurückhaben will, stehen schon die Demonstranten vor der Tür, Andreas schlägt sich auf ihre Seite, kommt ins Fernsehen und wird als Dissident berühmt.

Er trifft dann noch einen amerikanischen Journalisten, den er von dem Mord erzählt und weil seine Eltern die Datsche verkaufen wollen und dort gegraben werden soll, hilft ihm Tom Aberant,  die Leiche zu holen und in einem Wald zu vergraben.

Pip ist in Bolivien und mit Andrea,s der weiter alle Frauen vögelt in einem Hotelzimmer. Dort kommt es aber zu Schwierigkeiten und so schickt er sie mit einer Spionagesoftwehr zu Tom Aberant in die USA. Er darf, weil ein berühmter Whistleblower geworden, nicht mehr dorthin und der ist, erfahren wird dann, wahrscheinlich nach ein paar weiteren hundert Seiten, Pips Vater.

Die Mutter heißt in Wahrheit Annabel und ist eine sehr neurotische Erbin, Tom wollte auch nie ein Kind, und lebt jetzt mit einer anderen Journalistin, die auch ein Kind von ihm wollte und mit einem gelähmgten Schriftsteller verheiratet ist. Die beiden nehmen Pip bei sich auf. Die Journalistin ist eifersüchtig  und Andreas auch hoch neurotisch und lebt in der Angst Andreas könnte ihn verraten. Er hat Pip also eingeschleust und zu Tom Aberant geschickt.

Der kommt dann nach Bolivien, sagt Andreas soll ihm in Ruhe lassen und der Tochter nicht sagen, daß er ihr Vater ist, sonst geht er zur Polizei. Andreas schickt die Nachricht aber an Pip und stürzt sich dann vor Toms Augen in den Abgrund und im letzten Kapitel, wo sich der Rahmen schließt, beginnt mir die Geschichte wieder zu gefallen, so daß ich meinen Vorrezenzenten zustimme, daß das Buch gewinnen würde, wenn man es auf zweihundert Seiten kürzt.

Pip nimmt nämlich energisch ihr Leben in die Hand, holt sich die ihr zuständigen Millionen, hilft dem schoizophrenen Mitbewohner, sein Haus, das ihm die Banken gestohlen haben, zurückzubekommen. Freundetsich auch mit Jason, das ist der, mit dem sie  zu Beginn nicht vögeln konnte, wieder an und versucht auch ihre Eltern zusammenzubringen, was, wie ich noch spoilern möchte, natürlich nicht gelingt.

Denn googlet man über Jonathan Franzen nach,  bekommt man zu lesen, daß er ein Spezialist für kaputte Beziehungen ist, beziehungweise immer solche in seinen Romanen beschreibt und ich merke noch an, daß noch zwei Bücher nämlich „Anleitung zum Einsamsein“ und den Debutroman „Die 27 Stadt“ auf meiner heurigen Leseliste habe. Mal sehen, ob ich dazukomme sie zu lesen.

2017-07-28

Der Edelsteingarten

Ein rot goldenes orientalisches Gewand, kein Kopf, aber zwei Arme, der eine von dem Stoff bedeckt der andere halbfrei, ziert das Cover von Susanne Ayoubs, 2016 bei „Langenmüller“ erschienenen Roman oder ist es ein Memoir, beziehungsweise ein Personal Essay, denn die irakische Politik, der Fünfzigerjahre spielt da neben der Familiengeschichte, „inspiriert nach dem Schicksal ihrer Eltern“ steht am Büchrücken, den ich beim Bücherquiz der letzten „Buch Wien“ gewonnen habe.

Und die 1956 in Bagdad geborene Sussanne Ayoub kenne ich schon lange und habe sie, glaube ich, in den Neunzigerjahren in der Szene Margareten kennengelernt, dann ist sie mit dem nach einem echten Kriminalfall geschriebenen Roman „Engelsgift“ bekannt geworden, hat noch ein paar Kriminalromane geschrieben, bevor sie sich nach dem Irakkrieg mit Bagdad und dem Schicksal ihrer Eltern beschäftigt hat.

Ein Film ist daraus entstanden und jetzt der Roman,  aus beiden habe ich schon Lesungen gehört und das Buch beginnt mit einer Schilderung der Revolution, da wird  der Präsident der einst den König stürzte, selbst ermordet und seine Hinrichtung öffentlich im Fensehen gezeigt und der trägt denselben Namen wieYounis Lauras Ehemann, obwohl er nicht mit ihm verwandt ist.

Dann geht es nach Wien zurück zum Weihnachtsabend 1955, wo die fünfundzwanzigjährige Laura unglücklich ist. Sie hat sich für das Fest ein schönes Kleid schneidern lassen, die Eltern aber streiten und der noch nicht so lange beendete Krieg hat auch seine Traumen hinterlassen.

Da kommt Stepha,n der Vater, der in einem Hotel als Portier arbeitet mit drei Gästen zurück. Drei Brüder aus dem Irak, die sonst nicht wüßten, wie sie das Fest verbringen könnten und Laura verliebt sich in Younis, folgt ihm sehr schnell nach Bagdad, denn 1956 wird dort schon die Tochter Jenny geboren, obwohl das Land mit seinen vielen Revolutionen und Umstürzen sehr fremd ist und der Ehemann, vordergründig ein Kosmopolit, der sich nach Amerika sehnt, ist das auch, denn er spricht nicht sehr viel, liebt Laura zwar, verlangt von ihr aber Anpassung an die Sitten, weil er sich sonst in seiner Ehre gekränkt fühlt. So darf sie nicht alleine aus dem Haus, nicht mit Männern sprechen, aber auch nicht ihre Freundinnen treffen, deutsche oder englische Frauen, die mit Irakern verheiratet sind und sich in der Fremde im englischen Club treffen.

Er ist aber scbon jverheiratet und hat das Laura nicht gesagt, geht als er krank ist zu einer Heilerin statt zum amerikanischen Arzt und vor allem spricht er mit Laula nicht über Politik, obwohl er sich des Nachts mit seinen Brüdern und Freunden zu Verschwörungen am Dach trifft und da auch sehr viel trinkt.

Aber Laura hat auch ihre Geheimnis, so läßt sie sich nach der Geburt eine Spirale einsetzen, obwohl younis, was er auch für seine Ehre braucht unbedingt, einen Spohn von ihr will. Sie geht auch in den Club, flirtet dort mit den englischen Gästen und fliegt  nach einigen Jahren, obwohl sie Bagdad und vielleicht sogar Younis sehr liebt, nach Wien auf Besuch, kommt aber  zurück, doch das Ehepaar entfremdet sich immer mehr.

Eine junge Verwandte taucht auf und Lauras Schneiderin gibt ihr die Adresse eines Kurden, an den sie sich wenden kann, wenn sie in Not ist.

Es kommt noch einmal zu einer Revolution, in die Yonnis verwickelt ist, der sich inzwischen mit der jungen Verwandten verheiratet hat und Laura mit Jenny in eine andere Wohnung schickt.

So fliegt sie mit der sechjährigen Jenny nach Wien, beginnt in einem Büro zu arbeiten, wohnt in Mariahilf in einer Zimmer – Küche Wohnung und vier Jahre später bekommt sie ein Telegramm, Yonnis kommt, der inzwischen drei Kinder hat, die er aber mit seiner Frau zurückgelassen hat, mit einem Koffer voll Geld nach Wien und will mit Laura ein neues Leben anfangen. Was aber nicht gelingt, denn er ist ja in die neuerliche Revolution verwickelt, so erzählt die weinende Jenny, die sich am Klo versteckt hat, der nach Hause kommenden Laura von den Männern, die den Baba geschlagen und abgeholt haben und in der Zeitung liest man  von dem Unfall bei dem er ums Leben gekommen ist.

Eine bitter süße Liebesgeschichte, die von den Schönheiten und auch den Grausamkeiten, die es in Bagdad gegeben hat erzählt.

Die Feinde der Revolution wurden viergeteilt, an Autos festgebunden, aufgehängt, es gab aber auch die süßesten Datteln, den schönsten Soff, den kostbarsten Schmuck und jetzt ist überhaupt wieder alles anders und die Politik und die Revolutionen haben sich gewendet und das Land ist vielleicht nicht mehr so schön und kostbar, wie es einmal war.

Daher ist es bestimmt interessant mit Susanne Ayoub, die inzwischen Kontakt mit dem im Irak lebenden Teil ihrer Familie aufgenommen hat, in das Bagdad der Fünfziger- und Sechzigerjahre einzutauchen und vielleicht mit dem zu vergleichen, was man heute von der Stadt und der Politik hört und weiß.

Bei „Amazon“ kann man Kritiken lesen, die sich darüber beklagen, daß man sowohl über die Liebesgeschichte, als auch über die Politik in den Buch nicht  viel erfährtund das stimmt ein bißchen.

Younis antworet Laura ja nicht auf ihre Fragen und erklärt ihr auch nicht recht, warum es an seiner Ehre rührt, wenn sie mit einem Stoffhändler spricht oder ihre Freundin Annemarie zu sich eindlädt.

Ich denke aber, so kann es Laura oder Susanne Ayoubs Mutter vielleicht wirklich ergangen sein, als sie jung und unerfahren mit ihren Kriegserfahrungen nach Bagdad gekommen ist, dort über den Reichtum aber auch über die Sitten staunte und weil ihr niemand auf ihre Fragen antwortete, wohl auch ihre Zeit brauchte, um alles zu begreifen und sich an das fremde unruhige Land zu gewöhnen, beziehungsweise herauszufinden, was sie wirklich will.

2016-10-31

Und was hat das mit mir zu tun?

Nach einem Ausflug in das Nachkriegs-Berlin und zu einer Wiederentdeckung aus dem „Aufbau-Verlag“ geht es gleich thematisch mit dem österreichischen Buchpreis, beziehungsweise den Debuts weiter, obwohl ich bei Buch eins, das ich jetzt gelesen habe, schon die Frage hörte, was hat ein Schweizer mit dem öst BP zu tun?

Denn das ist ja der 1973 geborene Sacha Batthyany, der in Zürich und Madrid Soziologie studierte und mit seinem Debut auch auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises steht, der Verlag ist ein deutscher, nämlich „Kiepenhheuer & Witsch“, dem ich gleich herzlich für das Rezensionsexemplar danke, bleibt nur noch der Ort des Geschehens, nämlich „Rechnitz“ und das liegt im Burgenland, das nach dem Krieg zu Österreich gekommen ist.

Das Buch ist ein Rezensionsexemplar, obwohl es der Alfred, der bei der dortigen Präsentation am blauen Sofa war, es in Leipzig kaufte, er hat es aber an einen Kollegen verschenkt, der beklagte, daß die Jungen nichts mehr von den damaligen Geschehnissen wissen.

Und da ist ist ja genau das Buch dafür, es ist wieder kein Roman, aber das ist für den öst Bp, glaube ich, auch keine Bedingung, sondern „Die Geschichte meiner Familie“, also ein Memoir und das ist an dem Buch auch sehr  zu loben, beziehungsweise habe ich, als sehr geglückt gefunden, daß hier die Autobiografie perfekt mit der Fiktion vermengt wird. Dazu vielleicht noch später.

Jetzt erst einmal hinein in das Geschehen, da ist also der in der Schweiz aufgewachsene Erzähler, der Sohn einer ehemaligen ungarischen Adelsfamilie, die nach 1956 Ungarn verlassen hat und sich zuerst in Deutschland, dann in der Schweiz niederließ, die Batthyanies, ein Graf Batthyani, schreibt der Autor auch, kommt jährlich in der weihnachtlichen Wiederholung der Sissy-Filme vor. Der tanzt da mit der Romy Schneider und macht ihr den Hof, darauf wird er regelmäßig angesprochen, aber einmal kommt eine Redakteurin zu ihm, er arbeitet bei der NZZ knallt ihm eine Zeitung hin und sagt „Was hast du denn für eine Familie?“

Es ist ein Bericht über das Massaker von Rechnitz, Elfriede Jelinek hat darüber, glaube ich, auch ein Stück geschrieben, da gab es in dem Schloß der Grafen Battyhany, 1945 ein großes Fest, wo sich die Nazi-Größen trafen, die Großtante Margit war die Hausherrin und hielt Hof und aufeinmal kam ein Anruf, daß da hundterachtzig Juden wären, die erschoßen werden müßten.

Die NS-Größen marschierten los und taten ihre Plicht, bevor sie weitertanzten und die Tante war darin verwickelt, hat selbst mitgeschossen oder zumindestens davon gewußt.

Der Rest der Familie nicht, so trifft es  den jungen Schweizer, der daraufhin nachzuforschen beginnt und Maxim Biller, der vom literarischen Quartett, der mit seinen nicht sehr qualifizierten Äußerungen Thomas Melle vielleicht um den dBp brachte, stellte die Frage  „Und was hat das mit dir zu tun?“

Das ist die Ausgangslage des Buches und, um die Antwort gleich vorweg zu nehmen, die Frage, ob die Gräfin, die mit der spitzen Zungen, eine reiche Erbin, die den verarmten Teil der Familie, dem der Autor angehört, mehrmals im Jahr zum Essen einlud, geschossen hat, eine Nazinin war, etcetera, wird nicht beantwortet.

Das konnte heute siebzig Jahre später wohl auch nicht mehr aufgeklärt werden. Sacha Battyany forschte aber in seiner Familie, nahm auch eine Psychoanalyse auf und stieß auf ein Tagebuch seiner Großmutter Maritta, deren Mann Feri zehn Jahre in  russischer Kriegsgefangenschaft, sprich in den berühmten Gulags war, so fährt er mit seinem Vater auch nach Sibirien und zu Beginn des Buches nach Argentinien, denn dort lebt jetzt hochbetagt, Agnes, die jüdische Tochter des Gemischtwarenhändler, der neben dem Schloß, in dem Sachas Großmutter aufwuchs, seinen Laden hatte.

Dieses Tagebuch, wohl ein fiktives, weil in ihm immer die Erlebnisse Marittas mit denen von Agnes verglichen werden und die Großmutter über Margit gar nicht so viel schreiben konnte, nimmt einen weiten Teil des Buches ein.

Agnes, 1944 in Budapest eine Schule besuchte, wird, als dort die Nazis einmarschierten, mit ihrem Bruder verhaftet und nach Auschwitz deportiert.

Maritta leidet inzwischen unter ihrem autoritären Vater und schreibt in ihrem Tagebuch von den Mandels, das sind Agnes Eltern, die als Zwangsarbeiter in dem Schloß waren und von einem jungen Soldaten erschoßen wurden.

Maritta war dabei und macht sich Zeit ihres Lebens Vorwürfe, daß sie nicht eingegriffen hat, aber wahrscheinlich wäre das der jungen Frau um die zwanzig, schon verheiratet, mit dem zweiten Kind schwanger, der Mann eingerückt, nach der damaligen Stellung der Frau bei einem autortären Vater ohnehin nicht gelungen.

Als nach dem Krieg, die Kommunsiten kamen wird sie enteignet und kann mit ihrem Kind in einem kleinen Forsthaus wohnen, als ihr Mann zehn Jahre später aus Russland zurückkommt, emigriert sie  mit Magits Hilfe, während Agnes Auschwitz überlebt, nach Argentinien auswandert und der Meinung ist, ihre Eltern hätten Selbstmord begangen.

Das ist die Geschichte der Familie mit der sich wohl alle deutschen und österreichischen Kinder oder Enkel auseinandersetzen müßen, Anna Mitgutsch die auch auf der öst Shortlist steht hat es mit ihrer „Annäherung“ auch getan und Doron Rabinovici in einem seiner früheren Romane, so ist das hier Beschriebene wohl nicht wirklich neu.

Der Unterschied ist vielleicht, die prominente Familie und natürlich ist es wichtig sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen, schon um die Frage zu bewantworten, was machen wir, wenn so etwas wieder passiert?

Sacha Batthyany stellt sie sich auf der Coach und kommt zu dem Schluß, daß er nicht könnte, Juden zu verstecken. Ich gebe zu bedenken, daß er das eigentlich nicht weiß, wie er auf Herausforderungen, die noch auf ihn zukommen, regagieren wird und in Zeiten, wie diesen ist wahrscheinlich auch viel präsanter zu wissen, wie man reagiert, wenn beispielsweise, der Sohn oder die Tochter mit einem syrischen Flüchtling auf einem zukommt, der ein Versteck braucht, weil er sonst abgeschoben wird oder was mache ich, wenn ich auf der Straße sehe, daß Anhänger der Pegida-Bewegung einer muslimischen Frau ein Kopftuch hinunterreißen oder einen Afrikaner zusammenschlagen?

Deshalb finde ich es sehr wichtig, daß viele Leute das Buch lesen, um zu überlegen, was man selber gegen den Rechtspopulismus, der heute herrscht tun kann,  so daß es nie mehr so weit kommt.

Spannend finde ich, wie schon geschrieben, die Aufarbeitung, es geht ja ganz eindeutig, wie schon am Cover zu sehen, um die Geschichte der Familie des Autors, um die Gräfin Margit Battyani-Thyssen, um seine Großmutter, den Vater, etcetera und dann wird ganz ofen wieder sehr viel dazu gefunden, sich nämlich eine Identität, des jungen SS Mannes, der die Mandels erschoßen hat,  ausgedacht und ihm den Namen Böhme, weil so die Schweier Nachbarn heißen gegeben.

Agnes hat ein Buch über ihre Vergangnheit geschrieben, die Großmutter ein Tagebuch, daß der Vater nach ihrem Tod eigentlich zereißen sollte, was er nicht tat, sondern dem Sohn übergab, der damit seine Vergangenheit aufarbeitete und damit so erfolgreich wurde, daß er sowohl auf die Schwiezer, als auch den öst Buchpreisliste kam.

Ob er den Debutpreis gewinnen wird, ist angesichts der beiden Konkurreten, dem Roman über die prekären Bedingungen einer jungen Germanistin und den über die Mißhandlungen einer jungen Kurdin oder Türkin, schwer zu sagen und wäre für mich auch nicht zu entscheiden, weil man ja bekanntlich Äpfel mit Birnen nicht vergleichen kann.

Die beiden anderen Bücher habe ich auch noch nicht gelesen, nur bei den Ö-Tönen und zuletzt beim „Alpha“, wo ich ganz sicher war, daß Katharina Winkler ihn gewinnen wird, ein Stückchen daraus gehört, aber wie schon gesagt, diese spannende Entscheidung muß ich nicht treffen und, um die Ausgangsfrage zu beantworten:

Natürlich ist man nicht Schuld, an dem was zwanzig dreißig oder fünzig Jahre vor seiner Geburt geschah, aber es gut zu wissen, wie man heute reagieren könnte, um nachher nicht lebenslang Schuldgefühle zu haben, denn die Zeiten sind ja nicht rosig und wenn wir nicht sehr aufpassen, steuern wir vielleicht schon auf die nächste Katastrophe zu.

2016-08-15

Ohio

Jetzt kommt wieder etwas von meiner Leseliste, ein Buch, der 1964 in Lorrach geborenen, Schweizer Autorin Ruth Schweikert, von der ich schon „Augen zu“ gelesen habe und die mit ihrem letzten Buch, glaube ich, auf der Schweizer Buchpreisliste stand und in Göttweig habe ich sie auch daraus lesen gehört.

„Ohio“ habe ich um einen Euro in einem der „MM-Märkte“, wahrscheinlich bei „Buchlandung“ oder dessen Nachfolger gekauft, ich kann mich nicht mehr daran erinnern.

Das Pickerl liegt aber im Buch, das Egon Amman, dem Leiter des „Amman-Verlags“ gewidmet ist, der mir ja, glaube ich, einmal einen langen Brief bezüglich meiner „Hierarchien“ schickte, die ich bei ihm eingereicht habe und es führt zu der Frage zurück, was ein anspruchsvolles Buch ist, die Tobias Nazemi ja, wahrscheinlich im Vorfeld des Buchpreisbloggens auf seinem Blog gestellt hat, beziehungsweise zu meinen „Berührungen“ oder der Behauptung, die mich immer etwas nervt, das ein gutes Buch berühren müsse!

Denn „berührt“ ich gebe es zu, hat mich das Buch, ohne jetzt einen Verriß zu schreiben, nicht.

Ich halte es im Gegensatz wieder für eines dieser gut gemachten literarisch anspruchsvollen Bücher, in guten Deutsch, mit schöner Sprache, mit literarischen Anspielungen und einem Allerweltsthema.

Eine Familiengeschichte, wo habe ich das vor kurzem schon gelesen, daß die Großeltern nach Amerika ausgewandert sind und der Vater Bauer war? Bei Richard Wagners „Habseligkeiten“ glaube ich und das steht ja kurz über „Ohio“ auf meiner Leseliste, mit der ich wegen der vielen Neuerscheinungen und anderer Ablenkungen nur langsam weiterkomme.

Außerdem ist der Titel verwirrend, denn mit Ohio hat das Buch überhaupt nichts zu tun, nur daß die Großeltern des Protagonisten, dorthin einmal auswandern wollten, es dann aber doch nicht taten.

Es beginnt stattdessen in einem Hotelzimmer in Südafrika, da beugt sich der Schweizer Arzt, italienischer Abstammung, Andreas über seine schlafende Frau Marete, mit der er neun Jahre zusammen war und zwei Kinder hat, bevor er das Zimmer verläßt, um in den Selbstmord zu gehen.

Das ist der Beginn und daran rankt sich, chronologisch nicht zusammenhängend, die Geschichte des Paares und deren Familie.

Marete, wie Andreas und ihre Autorin in den Sechzigerjahren geboren, wurde in Südafrika gerfunden und von der Finderin adoptiert, nachdem ihr eigenes Kind gestorben ist.

Andreas Großeltern, die im Engadin, glaube ich, in einem Hotel gearbeitet haben, wollten nach Ohio auswandern, haben es nicht getan, sondern den Sohn Michele geboren, der Almut geheiratet hat, die mit ihren Eltern von Polen in die Schweiz gekommen ist und dort als Kindermädchen gearbeitet hat.

Um die ranken sich viele schöne Geschichten, Michele, eigentlich homosexuall, der eigentlich Tänzer werden wollte, viel fotografierte, am liebsten Menschen mit geschlossenen Augen, aber Rezeptionist in diesem Hotel war, ist inzwischen, die Geschichte spielt 2001 nach dem Einsturz der Twintowers und endet 2005, als Merete ihr drittes Kind von ihrerm Liebhaber Peter, mit dem sie Andreas betrogen hat, gebiert.

Michele, der an einem leichten Alzeheimer leidet, ist inzwischen an einem Schlaganfall gestorben und das war in einer Zeit, in der Marete, Andreas nach Durban schickte, damit er gesund werden konnte, denn Jonathan, der altkluge ältere Sohn, hatte einen Radunfall, den Andreas verschuldete.

Es ist nichts passiert, er ist nicht daran gestorben, sondern wieder gesund geworden. Es hat aber Andreas krank gemacht, so daß er bei seinem Freund Dominik, dem Psychiater anrief und sich für einen Freund, der eine Tochter verloren haben soll, Psychopharmaaka verschreiben ließ und an dem Tod, der Freundin des Freundes ist er auch schuld, denn sie starb bei einer Gletscherüberkehrung die sie mit Andreas und Marete machte, während der Freund krank im Hotel lag, was vielleicht den Selbstmord erklärt.

Es gibt noch eine behinderte Schwester Andreas, deren Hamster immer Amore heißen und das sind lauter schöne Bilder, die durch das Buch führen, das ich eigentlich nicht Roman nennen würde und die so abgehoben sind, daß sie mit den gewöhnlichen Wald-und Wiesen leben, die die Leser des Buches haben werden, wahrscheinlich nicht zu vergleichen will.

Ich weiß, gute anspruchsvolle Literatur muß abgehoben und ungewöhnlich sein und mit meiner Wald und Wiesendepression oder der, der der alleinerziehenden Mutter, die beim „Billa“ arbeitet und wahrscheinlich nie in Durban gewesen war, nicht zu vegleichen, damit sie interessiert, denn man will ja das Schöne, Ungewöhnliche und nicht das eigene Elend lesen, das hat mir ja schon ein wahrscheinlich Obdachloser in der  „Augustin Schreibwerkstatt“ gesagt, als ich mit meiner „Sophie Hungers“ dahergekommen bin.

Ich frage mich aber, was mir das Lesen dieser vielen schönen Bilder und der zusammengewürfelten Familiengeschichte bringt, die ja gar nicht so ungewöhnlich ist, sonst hätte ich ja ähnliches nicht erst vor kurzem bei Richard Wagner gelesen?

Ich bin eine Vielleserin mit dem Anspruch möglichst alles zu lesen, um am Schluß zu wissen, was die anderen besser können und Egon Amann hat mir vor mehr als dreißig Jahren zu erklären versucht, was meine „Hierarchien“ von der guten Literatur unterscheidet.

Damals habe ich es, glaube ich, nicht verstanden. Heute weiß ich, daß sie abgehoben und in einer sprachlich schönen perfekten Sprache sein muß.

Die Handlung behauptet Tobia Nazemi weiter, wäre ihm egal. Mir eigentlich nicht und so frage ich mich wieder, ohne zu verreißen, was ich von dieser Mittelschichtgeschichte mit vielen literarischen Anspielungen, A. L. Kennedy, Pessoa und noch andere kommen vor, der Holocaust wird erwähnt, die Homosexualit, etc, habe und was sie mir für mein Leben bringt?

Ich habe diese abgehobene Familiengeschichte mit Verlaub gesagt, ein wenig langweilig gefunden, aber meine ganze Konzentration gebraucht, um den Inhalt zu erfassen und kann nun sagen, ich habe wahrscheinlich ein Stück gute, anspruchsvolle Literatur gelesen. Weiß jetzt noch ein bißchen genauer, was darunter zu verstehen ist und was die Verlage und die Literaturkritiker dafür halten.

Ob das Buch sehr viele begeisterte Leser findet, weiß ich nicht, wäre da auch ein wenig skeptisch. Aber ich glaube, ja, die Leute lesen ohnehin nicht sehr viel und wenn dann eher Sachbücher, Krimis, Chicklits und, daß ich das 2005 erschienene Buch, vor ein paar Jahren, um einen Euro kaufen konnte, spricht ja auch für meine These.

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