Literaturgefluester

2020-09-27

1929 – Frauen im Jahr Babylon

Filed under: Bücher — jancak @ 00:11
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Die Neunzehnhundertzwanzigerjahre waren ja sehr aufbruchsbereit und brachten viel revolutionre fortschrittliche Veränderungen, bis es einige Jahre später zum Rückschritt und zum Zusammenbruch kam, was sich neben dem Bubikopf und anderen, in der Literatur ausdrückte.

Da war ich ja einmal, als das noch ging, bei einem diesbezüglichen Vortrag von Evelyne Polt-Heinzl in der Wien-Bibliothek, habe auch schon einiges von Vicki Baum, etcetera gelesen und vor kurzem ein Mail bekommen, daß „ebersbach & simon“ fünf Bücher herausgebracht hat, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

Zwei habe ich schon bekommen und beginne mit dem der 1961 geborenen Germanistin Unda Hörner „1929 Frauen im Jahr Babylon“. Sie hat, glaube ich, schon eines über „1919“ herausgebracht, wo sie Monat für Monat in die damals wichtige Frauenwelt einführt und dabei mit Erika Mann beginnt, die mit ihrem Bruder Klaus im Oktober 1927 ein halbes jahr auf Amerika-Fahrt gegangen ist, dort Vorträge, etcetera hielt und nun ein Reisebuch darüber schreiben will und ihre Scheidung von Gustav Gründgens ist gerade auch erfolgt. Die Geschwister sind von dem fortschrittlichen Amerika begeistert, empören sich über die Rassenunterschiede, die dort herrschen und Erika Mann möchte auch nach ihrem Vorbild der Auto begeisterten Clärenore Stinnes, die gerade mit einem Fotografen und zwei Technikern von Argeninien nach Chile fährt, den Pilotenschein machen, während Marlene Dietrich im Tonfilm sich zu „Ich küße ihre Hand Madame!“, zeigt und der Roman „Im Westen nichts Neues“ erschienen ist.

Im Februar soll dann der berühmte Alexander Platz umgestaltet werden, da spielt das Architekten und Designerpaar Peter Behrens und Else Oppler-Legband eine Rolle und aus Amerika kommt Luise Brooks angereist, um in G. W. Papst „Lulu“ eine sehr laszive Rolle zu spiele, während Vicki Baum im Hotel Excelsior putzt, um dort ihre Recherchen für die „Menschen im Hotel“ zu machen.

Die „Stud. chem. Helene Willfüer“ ist schon erschienen, Vicki Baum hat der Harfe abgesagt und sitzt jetzt in der „Ullsstein-Redaktion“ und die Verlegerin Edith Jacobsohn hat im März in Erich Kästner einen Kinderbuchautor gefunden und der schreibt im Cafe Josty seinen „Emil und die Detektive“.

Brecht führt seine „Dreigroschenoper“ mit Lotte Lenya auf, die auch vorher in den „Pionieren in Ingoldstadt“ von Marieluise Fleißer auf und heiratet Helene Weigel, obwohl er viele Freundinnen hat. Die Fotografin Lotte Jakobi fotografiert die Berliner Prominzenz und Lotte Lenya möchte in die kommunistische Partei eintreten.

Am ersten Mai 1929 kam es in den Berliner Arbeiterbezirken zu heftigen Ausschreitungen, während Lotte Jakobi die Bauhausmöbel fotografiert. Später kauft sie sich eine Leica, während der Rundfunk und der Tonfilm die Welt eroberten und die schon erwähnten Stars ihre Rollen spielen.

Im Sommer geht es aufs Land oder an Nord- bzw. Ostsee, Thomas Mann entdeckt sein Häuschen in Nidden, bei dem ich schon war. Gerhard Hauptmann logiert, glaube ich in Hiddensee. Behrens gewinnt die Ausschreibung am Alexanderplatz, wo seine Frau mitarbeitete und um die übersehenen Frauen an der Seite der großen Männer, die unbemerkt einen großen Teil der Arbeit machen, geht es auch.

Joachim Ringelnatz und Kurt Tucholsky dichten, Cläirenore Stinnes kommt von ihrer Weltreise zurück, wo ihr Ford sein Museum vom Traum des freien Mannes, wo jeder sein eigenes Haus, Auto und Urlaub hat und nicht mehr denken muß, zeigte und sie vom Präsidenten Hoover empfangen wurde und macht auch einen Film daraus und im August findet in Nürnberg im fränkischen Saal der vierte Reichsparteitag der NSDAP statt.

Im September geht es in Theater, da wird Friedrich Wolfs „Cyankali“aufgegeführt und Josef von Sternheim sucht für den „Blauen Engel“, die „Professor Unrat“ Verfilmung, die Darstellerin der Hauptrolle, die er schließlich in Marlene Dietrich findet.

Im Oktober kommt der Börsenkrach in den USA und in Berlin gibt es die Angst, daß das Alexanderplatz-Projekt nicht fertig werden kann. Dafür erscheint aber Döblins berühmter Roman und mit diesen und dem „Emil“ oder den „Menschen im Hotel“ kann man sich ein genaues Bild Deutschland Ende Neunzehnhundertzwanzig machen.

Im November bringt die kleine Elisabeth Mann ihrem Vater ein Telegramm, das aus Stockholm kommt. Die Geschwister Mann wollen wieder auf Reisen gehen und es gibt Ausstellungen über die modernen Frauen.

Aber die Abtreibungen sollen verboten werden. Die Nazis werden durch die unzufriedenen Arbeiter an die Macht gebracht, die die Frauen wieder an den Herd zurückbringen wollen und so sind wir in dem Buch durch ds Jahr1929 gekommen, haben nicht nur von den berühmten Frauen, sondern vom aktuellen Zeitgeschehen gehört.

Unda Hörner schreibt vielleicht schon an einem Buch über 1939. Seien wir gespannt und das dritte Buch aus der Neunzehnzwanziger-Reihe ist auch schon zu mir gekommen.

2020-01-03

Filmreife Cartoons

Filed under: Bücher — jancak @ 00:26
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Mit dem „Holzbaum-Verlag“ und den Film ins neue Jahr, soll man da ja ins Kino gehen und der „Holzbaum-Verlag“ war, 2012 ist das gewesen , der erste der mir seine Bücher zur Rezension anbot.

So ist das „Literaturgeflüster“ auch ein wenig komisch geworden und ich habe mir die „Therapeutischen Cartoons“, „Cartoons mit Hunden“, „Katzen“ „Fußball“, „Kunst“ und „Wien“, etcetera gegeben, bin mit dem Verlag oder seinen Kooperationen auch durch Wien marschiert, habe gefrühstückt und noch vieles mehr, die Rezensionsexemplare und das „Buchpreislesen“ hat dann zugenommen, so hat es im letzten Jahr nur einmal Cartons gegeben.

im Herbst hat mich dann wieder die „Holzbaum-Sehnsucht“ gepackt, so daß sich  so einiges angesammelt hat, was ich im neuen Jahr besprechen will, was ja auch sehr gut passt, da Ironie und Humor in Zeiten, wie diesen, ja sicherlich besonders wichtig sind.

Zuerst aber ins Kino und zu den „Filmreichen Cartoons“, die auch in der Ausstellung im „Holzbaum-Shop“ im MQ zu sehen waren oder sind und durch die ich auch während des „Buchquartiers“ gegangen bin.

Und so sehen wir die „Titanic“ auf dem blauen Titelbild, das titelgebende Paar steht an der Rampe. Sie sagt „Ich kriege für den Film eine halbe Million weniger als du!“ Er kontert „Ich bin der König der Welt!!!“

Ja, so ist das Leben, nicht nur im Film, würde ich vermuten.

„Die besten Witzezeichner des deutschen Sprachraums haben sich mit dem Thema Film auseinandergesetzt – das Ergebnis ist eine wunderbar komische Cartoonsammlung, in der Filmklassiker von Casablanca über Fight Club bis Pulp Fiction durch den sprichwörtlichen Kakao gezogen werden“, steht am Buchrücken und hier das Best off:

„Du bringst eigene Getränke ins Kino“, fragen also, die mit den Colabechern entsetzt die Kuh.

„Naschferatu“ greift nach der Keksdose und im trauten Wohnzimmer fragt der Kreuzwort rätselnde Mann, die Frau vor dem Bildschirm nach der „Schönsten Paarbeschäftigung? Der zweite Buchstabe ist ein W, der letzte ein X?“

„Netflix!“, ist natürlich die Antwort. Was hätten Sie gedacht?

Elisabeth Semrat führt uns wieder in die Realität des Lebens.

„Ich bin Schauspieler!“, sagt der junge Mann zu der Schönen an der Bar. „Interessant, wo kellnern Sie?“, fragt sie zurück.

Dann gibt es noch etwas über den Schauspielerischen Zweitberuf etwas weiter hinten.

Man kann an der Bar aber auch „Wie finden Sie den neuen James Bond?“ fragen. „Mich hats gerührt, nicht geschüttelt!“, antwortet hier die Schöne.

Der „Bergdoktor“, läßt den Vesuv natürlich in sein Sprechzimmer kommen und durch eine Burka sieht man alles „Cinemascope“, wie Holga Rosen meint.

„Goethe für kids“, gibts natürlich auch und wieder ein bißchen depressive realistisch, denn da wartet „Hartmut seit fünfundzwanzig Jahren vergeblich auf einen Anruf aus Hollywood“.

Ja, so soll es auch manchen Literaturen gehen, die sind dann zwar mehr auf Stockholm fixiert.

Jean le Fleur, der ja auf der letzten „Buchquartier“ den „Cartoon-Preis“ gewonnen hat, läßt das „Arschloch“ zur Rolle eines seines eines anderen Leben machen und von ihm ist auch der zweite Schauspielerwitz.

„Ich bin eigentlich auch Kellner. Aber ich schlag mich zur Zeit mit Schauspielerjobs durch“

„Sie habrn die Rolle!“, jubelt die Kassiererin an der Supermarktkasse und hat damit die „Klorollen“ gemeint.

Dann gehts zu den Graphiken, denn das ist ja auch eine bewährte „Holzbaum-Qualität“ und hier wird der „Österreichische Heimatfilm“  und die der „Rosamunde Pilcher“auseinandergenommen.

Zu den Filmplakaten geht es auch. Da gibt es die „Kalb Fiction“, die „Molkerei auf der Bounty“, „Vom Rinde verschmäht“, alles von Klaus Puth gezeichnet und Mario Lars läßt eine Frau „Und weshalb sollen wir unseren Sohn Oscar nennen?“, fragen und Meikel Neid läßt eine Frau ihrer Freundin „Ich habe vor zehn Jahren einen Oscar bekommen. Dann Lola, Cesar und dann noch die Zwillinge!“, erklären. Also wieder ganz schön depressiv, das Filmgeschäft aus der Cartoonsicht, wo am Ko die „Haupt- und die Nebenrollen“ und der entsprechenden Größe aufgereiht sind.

Michi Brezel hat die schon erwähnte „Cover Titanic-Zeichnung“ gezeichnet und  von Nicolas Mahler, dem Meister der Cartoons und Graphic Novels gibt es auch was, wie ich gleich spoilern möchte.

Oliver Ottisch, mit dem meine Cartoon-Rezensionen ja einmal angefangen haben, hat auch etwas beigegtrgen „In drei Tagen bist du Kot“, heißen ja die Horrorfilme für Brötchen“ und „Schilling  & Blum“ läßt eineMutter ihren Sprößling „Na, wie wars im Kino?“ fragen. „Wie you tube, nur länger“, lautet die Antwort im modernen Leben.

Uwe Krumbiege. verrät uns wo James Bond begraben liegt.

„Sie haben was verwechselt Mister Bond. Das ist ein Schweißerpass. Also die <linzen zum Löten1“, lautet sein zweiter Cartoon.

Und so sind wir durch das Buch gewandert. Die Kurzbiografien der Künstlerinnen sind am Ende auch zum Lesen und das Buch kann ich noch verraten, hat auch den „Österreichischen Cartoonpreis“ bekommen.

2016-06-20

Vor der Morgenröte

Jetzt habe ich auch den Film, „Ein sensibles Portrait des Schriftstellers Stefan Zweigs in seinen Jahren im Exil“, wie im Programmheft steht, gesehen, in dem Josef Hader die Hauptrolle spielt, womit ich meinen Stefan Zweig Schwerpunkt abschließen kann.

Das heißt das Literaturcafe, das wie viele Blogs Werbung für den Film machte, der seit zweiten Juni in den Kinos zu sehen ist, verlost noch drei Biografien von von Ulrich Weinzierl „Stefan Zweigs brennendes Geheimnis“, womit dieser, glaube ich, nachweist, daß Zweig ein Homosexueller und ein Exhibionist war. Aus dem Film und seiner Autobiografie geht das aber nicht hervor und ich habe mich zufälligerweise in den letzten Monaten auch sehr viel mit Zweig beschäftigt und ihn bezüglich meines „Nicht Berühren oder Notizen zur Romanentstehung“, womit ich ja im Februar ziemlich planlos begonnen habe, quer durch sein Werk gelesen, womit ich jetzt zumindest die Frage beantworten kann, ob er ein großer Schriftsteller war?

Er war es, glaube ich und und wird in diesem Episodenfim, der in fünf Bildern und einem Epilog, die letzten Jahre ab dem PEN-Kongreß in Argentinien  sehr schön und aufwendig, aber wahrscheinlich, wenn man nur das übliche Mittelschulwissen und nicht sehr viel gelesen hat, nicht sehr verständlich ist, auch bewiesen.

Ich bin ja in der Wattgasse in einem wie ich immer sage, sozialistischen Arbeiterhaushalt mit einem Bücherschrank im Wohnzimmer, der später, als meine um elf Jahre ältere Schwester Ursula, das Zimmer  bekam, in das Schlafzimmer wechselte, aufgewachsen und in dem gab es cirka dreihundert vorwiegend Büchergilde Gutenberg Ausgaben und da von Stefan Zweig die Biografie Marie Antoinette“ und „Die Welt von gestern“

„Marie Antoinette“ habe ich, glaube ich, noch in der Hauptschule oder in den ersten Jahren der Straßergasse, wo ich mich sehr für Geschichte und da speziell für Napoleon interessierte, aber von Stefan Zweig sicher keine Ahnung hatte, gelesen und „Die Welt von Gestern“, glaube ich, als Studentin. Die hat mich tief beeindruckt, sehr viel  Ahnung über das, was das beschrieben wird, hatte ich aber trotz meines geschichtlichen Interesses, glaube ich, nicht und auch keine über Stefan Zweig.

Dann habe ich wahrscheinlich im Fernsehen einige Verfilmungen seiner Novellen gesehen und viel später im Bücherschrank die „Schachnovelle“ gefunden, das war vor ein paar Jahren, so besonders hat mir die, glaube ich, nicht gefallen und später bin ich immer öfter auf die Behauptungen gestoßen, daß Stefan Zweig kein großer Dichter, sondern nur ein Biografienschreiber war.

Das stimmt, glaube ich, nicht, die frühen Novellen sind sehr beeindruckend und die „Autobiografie“, die er mit der „Schachnovelle“ und seiner Hommage über „Brasilien“ in seinem Exil geschrieben hat.

Die Biografien wahrscheinlich nicht so sehr, würde ich sagen und ich bin wieder auf Stefan Zweig gestoßen, als ich mich im März oder April, in meiner Schreibblockade für ihn zu interessieren begann, weil ich da ja die Idee hatte, mit Figuren aus Romanen zu arbeiten, die schließlich zu Schriftstellern wurden, zu Stefan Zweig, Heimito von Doderer und Anne Frank.

Das heißt die „Arte Dokumentation“, die auch auf die Gehiemnisse und Widersprüchlichkeiten in seinem Leben hinweisen, habe ich da schon gesehen und das erste Buch, das ich für meinen Schwerpunkt gelesen habe, „Ungeduld des Herzens“, auch kurz nach der Emigration geschrieben und vor dem ersten Weltkrieg spielend, gibt, glaube ich, auch sehr genau Auskunft über das angebliche Zauerdliche und Unentschlossene, das auch im Film eine Rolle spielt.

Und der war für mich zumindestens sehr verwirrend, beginnt er doch, ich glaube, bei einem Empfang auf diesen PEN-Kongreß mit einem großen Bankett, wo man zuerst die Dienstmädchen und die Kellner sieht und dann wird minutenlang Französisch, Spanisch oder Portugiesisch mit deutschen Untertiteln geredet und ich dachte schon, ich bin im falschen Film.

Aber natürlich es ist eine moderne Produktion und wir leben ja in Krisenszeiten, wenn auch in anderen und das drückt die Verloren- und die Entwurzeltheit auch sehr stark aus.

Dann geht es nach New York und man trifft plötzlich auf die andere Frau Zweig mit ihren Kindern, hört eine Menge Namen, die man vielleicht auch nicht als allgemein bekannt voraussetzen kann und Zitate, daß sich der ganze Kurfürstendam jetzt in New York befindet, etcetera.

Dann geht es nach Brasilien zum sechzigsten Geburtstag, wo Zweig einen Hund geschenkt bekommen hat und im Epilog nimmt die Polizei das Protokoll auf, man sieht, die Leichen im Bett durch einen Spiegel, das Dienstmädchen betet und Herr Federn wird, glaube ich, gebeten den deutschen Abschiedsbrief vorzulesen.

Sehr anspruchsvoll und sensibel, für den Film wurde aber, glaube ich, auch viel Werbung gemacht. Wolfgang Tischler empfiehlt, wenn man nicht alles parat hat, vorher nachzugooglen und natürlich zu lesen.

Das empfehle ich auch. Mit „Brasilien“ würde ich nicht beginnen. Mit den Biografien wahrscheinlich auch nicht, der Roman, die Novellen und vor allen die Autobiografie würde ich aber sehr empfehlen und nun werde ich mich ja noch den Sommer über mit dem Korrigieren beschäftigen, bevor man bei mir nachlesen kann, wie das mit Stefan Zweig, Anne Frank und Heimito von Doderer im Himmel, auf der Wolke sieben, beziehungsweise mit dem Theaterstück das Zarah Bashrami über die beiden Dichter, die sich am 12. Februar 1934 im Cafe Central treffen, geschrieben hat, ist.

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