Literaturgefluester

2020-01-15

Weltuntergänge und Wiedergeburten

Nadine KEGELE, Ekaterina HEIDER, Vladimir VERTLIB

Nadine KEGELE, Ekaterina HEIDER, Vladimir VERTLIB

Der 1966 in Leningrad geborene und seit 1971 in Wien lebende Vladimir Vertlib von dem ich schon einige Bücher gelesen habe und der, glaube ich, auch im Redeaktionsteam der „Zwischenwelt“ ist, scheint im Repulikanischen Club eine literarische Reihe zu veranstalten, bei der ich einmal war, als dort das Institut für Sprachkunst, wo er, glaube ich, auch Lektor ist, vorgestellt wurde.

Jetzt stellte er unter dem spannenden Titel „Weltuntergänge und Widergeburten“ die Texte von Nadine Kegele und Ekaterina Heider vor, die in der „Zwischenwelt“ erschienen ist und der der Vortragssaal war sehr voll  und es war auch eine musikalische Lesung, denn Nadine Kegele, die ich, glaube ich, einmal bei einer Volksstimmefestlesung kennengelernt habe und deren literarischen Aufstieg ich seither auch verfolge, hatte ihre Gitarre mit und sang zwischen ihren und Ekatharina Heiders Texten selbstkombinierte und getextete Lieder.

DasErste bezog sich auf ihr letzten Buch „Und essen werden wir die Katze“ und ich habe von der 1980 in Bludenz geborenen fast alle ihrer Bücher, außer den „Annaliedern“ gelesen, aber nach der musikalischen Einlage kam ein Ausschnitt beziehungwweise ein Monolog aus einem Theater Stück, das Nadine Kegele über eine Vorarlberger Tänzerin, die 1942 im KZ Ravensbrück umgekommen ist, geschrieben hat.

Auch darüber gab es ein langes Lied und dann kam die 1990 in Irkutz geborene Ekatharina Heider, deren bei der „Edition Exil“ erschienenes Debut ich gelesen habe, die auch an der Sprachkunst studierte und die jetzt Ausschnitte aus ihrem zweiten Roman las, an dem sie gerade arbeitet.

Da geht es um eine junge aufmüpfige Russin, die unter ihrem Migrantenschicksal leidet, beziehungwweise in diesem ihre Pubertät und ihre erste Lieben erlebt.

Renate Welsh, die im Publikum war, war begeistert, es entspannte sich auch eine lange Diskussion über Sinn und Unsinn der Deutschklassen, die ich eigentlich, entgegen der politischen Meinung, wenn sie nur richtig gemacht sind, für gut und richtig halte, denn es hat ja niemand etwas davon, wenn er sich plötzlich in einer Klasse befindet und den Unterricht nicht folgen kann, weil er die Sprache nicht versteht.

Nachher gab es Wein,  Knabbereien und Gespräche und ich habe mich lange mit Angelika Mayrose unterhalten, die ich von der „Poet Night“ kenne.

2019-10-22

Literarische und journalistische Gestaltung des Themas Transit

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:08
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„Transit“ ist ein 1948 auf Deutsch erschienener Roman, der berühmten DDR-Schriftstellerin Anna Seghers und er ist auch der Titel, der von Lydia Mischkulnig und Christa Zöchling gestalteten Reihe „Gesellschaftsräume  der Literatur“, wo die Beiden, die Literaturwissenschaftlerin und Herausgeberin der literarischen Beilage der „Furche“ Brigitte Schwens-Harrant eingeladen haben, mit ihr über drei Bücher zu sprechen, die die Perspektive von flüchtenden Frauen schildern.

Marie NDiayes „Drei starke Frauen“, Jean-Marie le Clezios „Wüste“ und Shumona Sinhars „Erschlagt die Armen“

Die ersten beiden Bücher, der in Frankreich lebendenen Autoren, habe ich gelesen, der Roman der 1973 in Kalkutta geborenen  Shumona Sinha war mir dagegen unbekannt.

Die 1963 in Klagenfurt geborenen Veza Canetti-Preisträgerin Lydia Mischkulnig von der ich ihren Erstling „Halbes Leben“, „Hollywood im Winter“ und „Schwestern der Angst“ gelesen haben, begann mit dem Buch der  1967 geborenen Marie NDiaye und erwähnte da besonders die dritte Geschichte, die der jungen Frau, die von ihren Verwandten nach Europa geschickt wird, sich dafür prostuiueren muß und offenbar dort nicht ankommt.

Die 1959 geborene „Profil-Journalistin“ Christa Zöchling hatte dagegen mit dem Nobelpreisträger von 2008 Jean-Marie Gustave le Clezio und seinem Roman größere Schwierigkeiten, weil sie die Erlebnisse der Heldin Lalla in Marseille und ihre Rückkehr in die Wüste, als zu kitschig oder von einem Mann beschrieben gefunden hat.

Das dritte Buch, der mit bisher unbekannten Inderin, die in Paris als Dolmetscherin für Asylwerber gearbeitet hat, ist besonders interessant, weil er sich mit der Frage der Glaubwürdigkeit der Geschichten, die die Leute erzählen müßen, um Asyl zu erhalten, weil Armut allein ja nicht als Flüchtlingsgrund zählt, erfaßt, ein vor allem in Zeiten, wie diesen sehr heikles Thema, da die Rechten in ihren Blogs und Videos sich ja  darin überbieten, die Gewalttaten der Flüchtlinge, die sie für keine solchen halten aufzuzählen und sich von ihnen ausgenütz fühlen.

In Anschluß an die Diskussion, der drei Bücher kam die Gegenüberstellung eines Textes, der Schriftstellerin Lydia Mischkulnig, die sie für eine Kolumne in der „Furche“ geschrieben hat,  wo es um vier afghanische Lehrilinge geht, die Angst hatten von der schwarz-blauen Regierung und den Maßnahmen von Minister Kickl abgeschoben zu werden.

Christa Zöchling hat darüber einen journalistischen Text im „Profil“ erföfnet und daran wurde diskutiert, was der Unterschied zwischen einer Reportage und einem literarischen Text ist.

Der journalistische Text muß wahrhaftig sein, die Fiktion kann erfunden werden, lautet wahrscheinlich die naive Antwort. So einfach ist es wohl nicht und wenn man von den experimentellen Texten absieht, würde ich dabei gar keinen so besonderen Unterschied sehen, die ich mich ja auch mit dem Thema Flüchtlinge beschftigt habe und darüber sogar eine Trilogie geschrieben hat.

Im Literaturhaus hat es vor einigen Jahren auch einen eigenen Abend zum Thema Flucht und Migration gegeben, der sich von den üblichen literarischen Abenden insofern unterschieden hat, daß es ein paar Organistatoren und eine Kiste Bücher gegeben hat und das Publikum aufgefordert wurde, aus diesen oder auch aus eigenen zu lesen.

In der Lesekiste werden wohl Bücher aus der Exilbibliothek gelegen sein, also beispielsweise Anna Seghers „Transit“, die Leute, die sich zum Lesen meldeten, haben aber ihre eigenen Texte die sich mit der Fluchtgeschichte nach 2015 beschäftigt haben, so habe auch ich eine der Fatma Challaki-Szenen aus den „Sommerereginissen“ gelesen und morgen wird es im Metro Kino mit einem Film von Christian Petzold über Anna Seghners „Transit“ weitergehen.

Das werde ich aber versäumen, da gleichzeitig die Debutpreislesung des österreichischen Buchpreises in der Arbeiterkammer Bibliothek ist, ich habe aber „Transit“ schon vor einigen Jahren gelesen, weil mich das Thema Flucht und Migration, sowohl was den zweiten Weltkrieg, als auch der gegenwärtigen Flüchtlingskrise und ihren Folgen ja sehr interessiert.

2016-11-16

Ein Abend zum Thema Flucht und Migration

Filed under: Lesung,Veranstaltungen — jancak @ 23:50
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Heute Abend wieder Entscheidungsschwierigkeiten. In der „Wien-Bibliothek“ gab es ein Fest beziehungsweise eine Buchpublikation zum zehnjährigen Bestehen und im Literaturhaus „Willkommen und Abschied – Ein Abend zum Thema  Flucht und Migration“ mit Maxi Obexer, Carlos Peter Reinelt und Eva Rossmann, also auch sehr spannend, denn ich interessiere mich ja sehr für die gesellschaftliche Situation und habe zum Thema „Flucht und Migration“ auch schon einiges geschrieben.

Dann habe ich mir noch eher zufällig, den Programmtext durchgesehen und  gelesen, daß da alle Besucher aufgerufen wurden, vorbereitete literarische, aber auch eigene Texte zu diesem Tehma vorzulesen, bevor darüber diskutiert werden würde.

Und das ist ja etwas Neues, eine offene vielleicht auch pädagogische Initiative, in dem Literaturhaus, in dem ich ja von 2003 bis 2009 den „Tag der Freiheit des Wortes“ organisierte und auch sonst öfter gelesen habe, bis mich Silvia Bartl wegen Programmumstrukturierung, vielleicht auch wegen meiner „selbstgemachten Bücher“, die ja leider immer noch nicht als literarisch gelten, nicht mehr lesen ließ.

Aber bei diesem Thema war es anders, da hat mich Barbara Zwiefelhofer sogar extra gefragt, ob ich lesen will und mich auf eine Liste eingetragen und es war auch sonst ein bißchen anders, denn die Stuhlreihen entfernt oder hinten angestellt, vorne standen Tische mit Sesseln.

So habe ich mich hinten hingesetzt und, ja ich wollte lesen und auch was Eigenes, denn ich hatte nach dem ich den Text eher zufällig gelesen habe, mir den zweiten Teil meiner Flüchtlingstrilogie mit der Fatma Challaki Szene, die ich schon öfter gelesen habe, eingesteckt, ansonsten hätte ich die „Nika, Weihnachtsfrau“ mitgehabt und da kommt die Fatma Challaki zwar auch vor, aber vielleicht nicht so gut zum Thema zu lesen, wie Szene vier aus den „Prekären Verhältnissen“.

Barbara Zwiegelhofer hat eingeleitet und erklärt, daß die Idee zu der Veranstaltung von einer Bulgarin gekommen wäre und die „Exil-Bibliothek“ Texte vorbereitet und zum Lesen zur Verfügung gestellt hat.

Ursula Seeber, die in Pension gegangene Leiterin der Exil-Bibliothek, war auch da und die Initiatorin, deren Name, glaube ich, im Programm fehlt, hat gleich einen Text von Hanna Arendt zum Thema „Flucht“ gelesen.

Da ging es um die jüdischen Migranten, die in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts Deutschland oder Österreich verlassen mußten. Solche Texte waren wahrscheinlich auch vorbereitet und Barbara Zwieelhofer hat ein Gedicht von Nelly Sachs gelesen.

Dann kam schon Hans Kanitschar, ein Psychologenkollege, der, glaube ich, in dem Haus, wo sich das Literaturhaus befindet wohnt, der auch schreibt und sich manchmal bei „Poetry-Slams“ beteiligt.

Der hatte einen Text, der sich auf die Situation im vorigen Jahr am Westbahnhof bezog, „Denn spätestens seit dem August 2015 bestimmen die Themen Flucht und Migration unser Leben in Europa“, steht ja auch im Literaturhausbeschreibungstext und ich bin ja auch im vorigen August zu der Demonstration für Menschlichkeit gegangen und war auch ein paar Wochen später am Heldenplatz auf einem Fest.

„Die ereignisreichen Sommererlebnisse vier prekärer Literaturstudentinnen“ habe ich schon ein paar Monate früher geschrieben und danach daraus die vierte Szene gelesen.

Dann kam Carlos Peter Reinelt, der einen Text über die Ereignisse in Parndorf geschrieben hat, wo ein LKW mit 71 erstickten Flüchlingen im vorgen Sommer gefunden wurde.

Der Text „Willkommen und Abschied“ ist bei „Wallstein“ erschienen und er hat den „Rauriser Förderungspreis“ damit gewonnen, ist es ja  ein starker Text, wie da ein fiktiver syrischer Flüchtling in dem Bus erstickt, der von dem Autor auch noch exzellent vorgetragen wurde.

Dann kam schon, weil offenbar niemand die vorbereiteten Texte der Exil-Bibliothek lesen wollte, die von Eva Rossmann, die inzwischen mit Susanne Scholl eine Anthologie zum Thema „Flucht“ herausgegeben hat, moderierte Diskussion zwischen Carlos Peter Reinelt und Maxi Obexer, die ein Theaterstück zu diesem Thema „Illegale Helfer“ im Schauspielhaus Salzburg urauführte.

Eine interessante Diskussion, die allerdings mit der Frage endete, ob man in die Köpfe rechter Populisten hineinschauen und sie verstehen soll, wie der junge sehr engagierte Mann meinte?

Theoretisch ja, würde ich meinen, nur sind, wie ich dem Buch der Caroline Emcke und der Diskussion mit meinem Kritiker Uli entnahm, die inzwischen so geschult, einen zu beschimpfen und aufs Eis zu führen, daß es schon enormer rhetorischer Kräfte bedarf, um dabei erfolgreich zu sein und wenn wir in Österreich demnächst einen freiheitlichen Bundespräsidenten oder vielleicht auch Bundeskanzler bekommen, nur weil die Leute unzufrieden sind und Angst vor den vielen Flüchtlingen haben, fände ich das nicht sehr gut und es hilft wahrscheinlich auch nicht sehr, über den  kommenden amerikanischen Präsidenten zu lachen, da der ja sehr sehr mächtig ist.

Die Disussion ging also hitzig hin und her und wurde dann von Eva Rossmann beendet, weil es da ja keine Läsung gibt und ich habe also wieder, im Rahmen eines möglicherweise pädagogischen Projektes, unbezahlt im Literaturhaus lesen dürfen, während, wie der engagierte junge Mann in der Dieskussion ja bedauerte, die Podiumsteilnehmer ein gutes Honorar für den politisch oder literarischen Diskurs bekommen hätten und er auch bedauerte, in Rauris viertausend Euro Preisgeld bekommen zu haben, während die Flüchtlinge leer ausgehen.

Wenn ihm das stört, kann er das Geld ja den Flüchtlingsorganisationen spenden und ich lese ja sehr gern und kann mir das wegen meines Brotberufes und der Pension, die ich beziehe, auch leisten.

In der „Gesellschaft für Literatur“, die mich wegen meiner selbstgemachten Bücher,  auch nicht lesen läßt, habe ich das im „Rahmen des Dichterfaschings“ zweimal ebenfalls getan und es gibt auch in Deutschland einige Initiativen, die sich literarisch mit der Flüchtlingsfrage auseinandersetzen, Bücher von jungen Migranten, die inzwischen in deutscher Sprache schreiben, Anthologien, wie die von Eva Rossmann und Susanne Scholl herausgegebene und es gibt natürlich auch meine selbstgemachte Flüchtlingstrilogie für die ich von einer Zuhörerin sogar gelobt wurde.

Aber natürlich ist es schade, daß ich nur im Rahmen einer „Publikumslesung“ im Literaturhaus lesen darf und sonst wahrscheinlich nicht, wie meine Bücher ja aus diesem Grund auf keinen Short-und Longlists stehen, weil das Selbstgemachte ja davon meistens noch immer ausgenommen ist, obwohl sich mein Text, glaube ich, gar nicht so sehr von dem jungen „Rausiser-Förderungspreisträger“ unterschied.

Das heißt doch natürlich, rhetorisch hat er ihn wahrscheinlich besser vorgetragen.

Jetzt habe ich noch vergessen, daß ich aus den „Prekären Sommerereignissen“ auch im Sommer bei Bernadette Zeilingers Konzert im Amerlinghaus gelesen habe und das auch im Jänner in Salzburg tun werde, wer also dort in der Nähe wohnt und ein Stückchen daraus hören will, empfehle ich sehr herzlich ins „Afro-Asiatische-Institut“ zu kommen, denn im Literaturhaus, nein, da kann man ja nicht mit „selbstgemachten Büchern“ lesen, wie wir schon wissen.

 

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