Literaturgefluester

2021-07-15

Die Obstdiebin

Filed under: Bücher — jancak @ 10:53
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Weiter gehts mit den Harlander Backlistbüchern, sprich denen, die ich mir von dem Geburtstagsgutschein der Anna 2019 besorgte, nämlich Peter Handkes, des damaligen Nobelpreisträgers Peter Handke und der 1942 in Griffen geborene, gehört wohl zu den umstrittensten Schriftsteller, wie auch die Nobelpreisdiskussion im Literaturcafe deutlich zeigte.

Eine Schlaftablette, ein Langweiler, wie das dort diskutiert wurde und der O -Ton der dortigen Kommentierer war, daß man ihn, auch wenn er den Nobelpreis bekommen hat, nicht lesen müße. Muß man natürlich nicht, aber dann hat man keine Ahnung von seinem Schreiben und interessant ist es sicherlich sich in die Langsamkeit und das Flanieren des sicherlich umstrittenen Schriftsteller, der wahrscheinlich auch ein schwieriger Mensch ist, einzulassen. Ich habe Peter Handke von dem ich in der Schule, ich habe 1973 maturiert schon ein bißchen was gehört, aber damals habe ich Thomas Mann und Hermann Hesse gelesen, mir aber, glaube ich, auch den „Hausierer“ gekauft. Das „Wunschlose Unglück“ zuerst abgelehnt, weil für experimentell gehalten, dann als ich es gelesen habe war ich erstaunt, wie realsistisch es war.

Ein Buch über den jungen Handke habe ich gelesen, war auch auf einigen Diskussionsveranstaltungen und die „Fahrt im Einbaum“ wo es um die Jugolsawiendebatte ging. Da wurde Handke für sein Eintreten für die Serben ja sehr angegriffen und beschimpft, was mich besonders störte, als das auch Sascha Stanic anläßlich seiner Buchpreis-Rede tat. Er hat da als bosnischer Flüchtling wohl eine andere Sicht darauf, aber das Leben ist vielseitig und es hätte sicherlich auch gereicht,“Da habe oder will ich nichts dazu sagen!“, dadazu sagen oder sich einfach für den Preis zu bedanken und sich zu freuen.

Ich habe mich über den Nobelpreis gefreut, war über die Hatz, die Handke da entgegen schlug überrascht und befremdet und nun hinein an einem Sommerfrischenwochenende in die“ Obstdiebin“. Was erwartet mich da? Habe ich wohl gedacht und zuerst auf die über fünfhundertfünfig dünn bedruckten Seiten geschaut. Im Beschreibungstext steht etwas von Roman oder Geschichte, das zweitere ist ein O- Ton Handkes, der seine „Einfache Fahrt ins Landesinnere“, als das „Letzte Epos“ bezeichnet und da verläßt er die Niemandsbucht. Das ist der Titel eines anderes Handke Werks, das ich nicht gelesen habe, um sich auf die Suche nach einer Obstdiebin zu machen. Ein Bienenstich den er sich zuzog, als er mit nackten Füßen durch das Gras ging, hat ihn dazu veranlaßt, so daß er das Buch, das noch auf seinen Tisch lag, liegen ließ und los maschierte. Das Ganze ist in einem durchgeschrieben undeinDauermonolog. Es gibt Absätze, aber keine Kapitelüberschriften und schon gar nicht einzelne Teile, nur eine wahrscheinlich vom Verlag angefügte Kapittel oder Iinhaltsangabe, die“Der Gare-Saint-Lazare bis hin zu „Einer Festrede“ lautet, damit man sich wahrscheinlich in den fünfhundert Seiten Labyrinth doch nicht so sehr veriirrt. Für die, die also einen Plot, eine Handlung mit dem entsprechenden Spannungsbögen wollen, werden sich vielleicht enttäuscht abwenden und „Da passiert ja nichts!“, schreien.

Irrtum, es passiert eigentlich sehr viel. Man muß aber wahrscheinlich geduldig sein und einen langen Atem haben um Peter Handke auf seiner Reise durch Frankreich zu folgen. Denn es sind eigentlich ganz banale Dinge, die ihm da auf seiner Suche nach der Obstdiebin passieren. So fallen ihm, als er über den Markt stolpert, er ist durch seinen Stich da auch etwas behindert, die Kanalsationsplatten auf, die da am Boden verlegt werden, um das Kabelfernsehen, die Telefonnetze, das Gas, etcetera zu verlegen. Vorher hat er sich über das Auto des Therapeuten, der täglich seinen Nachbarn pflegen kommt, gewundert. Dann trifft er die Clochards beim Bahnhof, grüßt sie, trinkt mit ihnen ein Schlückchen Wein und dann bei einem Buffet, um den Rauchgeschmack aus dem Mund zu bekommen noch ein Glas Wein. Er wünscht sich für seine Reise nach Paris Segenwünsche, gibt den dortigen Clochard nochmals Geld, wird als er das beim Zweiten verweigert, von diesen wüst beschimpft. Das sind dann die Segen, dann will sich der ältere Mann, die jungen Frauen im Zug ansehen und blickt in Kopftücher und Verschleierungen. Sieht dann die Doppelgängerin der Obstdiebin, die als der Zug an der Provinzgrenze kontrolliert wird, die Kontrolleure wüst beschimpft.

Ein schöner Handke-Satz ist der von denFrauen im Zug, die sich nach dem Aufwachen schminken, obwohl sie ans Meer und nichts ins Landesinnere fahren. Dann geht es schon zur Obstdiebin und wir erfahren ab etwa Seite hundertzwanzig etwas mehr von ihr und was es mit ihr auf sich hat. Da ist auch interessant, daß Handke schreibt, daß er keine Kriminalgeschichte schreiben will, weil er die als nicht Plotschriftsteller natürlich haßt. Die Obstdiebin ist eine junge Frau heißt Alexia oder auch nicht, war in Russland, will Russisch lernen, hat einen russischen Vater und eine verschollene Mutter, aber auch das stimmt wahrscheinlich nicht so ganz. Sie wird als Streunerin und Herumtrampende beschrieben, obwohl sie mal hier mal dort als Kellnerin, Zimmermädchen oder auf Flußfischmärkten gearbeitet hat. Es wird beschrieben, wie sie zur Obstdiebin wurde. Der Vater hat sie dazu, wie zu einer Mission oder Berufung, die sie hätte, dahingetrieben. Mit Ausnahmen von Trauben und Nüßen klaut sie immer nur einzelne Früchte, wie beispielsweise Birnen, die sie dann oft gar nicht ißt. Handke verfolgt sie auf ihrer Reise und da sieht sie an der Oise chinesische Flußfahrer bei deren Anblick sie beschließt das Obstdiebstum aufzugeben.

Sie flüchtet dann von Handke in einer einfachen Sprache erzählt, nach Cergy, telefoniert mit ihrem Bruder, nimmt ein Abendessen ein, landet dann in Courdimanche und nimmt dort an einer Totenwache teil. In dieser Außensicht geht es mit dem auktorialen Erzählen auf der Suche nach der Mutter, die Bankfrau ist, weiter. Der Krieg wird erwähnt, findet die Obstdiebin doch einen Napf aus Aluminium, der von einem Soldaten stammen könnte, „versteinert, wie ein Stock“ dabei, wieder so eine eine schöne Handke Wendung und die Frage der Schuld wird thematisiert.

Die Obstdiebin Alexia wandert dann durch die Au und begegnet verschiedene Tiere dabei, so kreuzt ein Hund, ein Rabe, ein Wal, ein Goldfasan und auch eine vermißte Katze ihren Weg und dann der Pizzabote Valter, der ihr das Gepäck trägt, Mühlenbrot für sie beaorgt und dann mit ihr Essen geht.

Im Cafe l´ Universe bekommen sie dann die Geschiche von dem Selbstmörder Zdenek erzählt und ein alter Mann hält eine Hymne auf Haselnüße. Sie gehen in eine kurdische Kebabbude, dort trifft Alexia eine Schulfreundin, die sie dann mit Valter verläßt, um weiter an der Grenze zwischen der Ile de France und der Picardie in einen Dschugel geraten, wo sie auch das Kätzchen wiedertreffen, das dann von seinem Besitzer abgholt wird.

Wir treffen auf eine alternde Lehrerin die im Sommer, die Geschichte spielt in derSommerhitze einen Kriminalroman schreiben will und Alexia und Valter ziehen dann in derAuberge deDieppe ab, wo si esich nacch einem Tanzabend trennen und einen Traum von der Muttter gibt es auch.

Nach einigen Hin- und her, geht es dann an die Baustelle, wo der Bruder Lehrling ist., Sie gehen auf ein Fußballspiel und am Schluß gibt es noch ein Familienfest und ich habe eine Woche lang einen sehr spannenden Text des „Deutschreibenden in der französischen Niemandsbucht“, wie auf Seite 525 steht, gelesen und bin etwas erstaunt, wie scheinbar einfach Handke es sich da macht, wenn ich so schreiben würde, würde es sicher heißen, da passiert ja nichts! Da ist keine Spannung, Handlung drinnen und außerdem ist es oft surreal und schwankt von einem Thema zum anderen. Einmal sind wir im Krieg, dann wieder im Dschungel und Uli aufgepaßt, der Nobelpreisträger gendert ebenfalls nicht, sondern schreibt von „weiblichen Maurern, Dachdeckern, Elektrikern, Zmmerleuten“, die Sprache ist sehr schön und irgendwo habe ich gelesen, daß das ein sehr ungewöhnlicher Handke ist. Das kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht so viel von ihm gelesen habe, habe das Lesen aber sehr genoßen und nein, liebes Literaturcafe, eingeschlafen bin ich dabei nicht!

2021-05-27

Therese und Isabelle

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Der „Aufbau-Verlag“ hat nicht nur Tove Ditlevson autobigorafische Trilogie herausgegeben, sondern hat jetzt auchdie von 1907 bis1972 gelebt habende Violette Leduc wiederentdeckt, die in den Fünfziger-und sechzigerjahren auch eine von Simone de Beauvoir ermuntert, skandalumwitterte Autobiografie geschrieben hat.

Therese und Isabelle ist der erste Teil eines Romans, den sie in den Fünfzigerjahren bei „Gallimard“ herausgeben wollte, die Geschichte einer Liebe zweier siebzehn-und achtzehnjährige Klosterschülerinnen ,der Mittelteil ist der Liebe zu einer Lehrerin in einer aufregenden Taxifahrt gewidmet, wie ich dem Nachwort entnehme und im Teil geht es um eine Abrreibung, damals auch verboten, so daß das Ganze nur zensuriert oder gar nicht erscheinen konnte.

Inzwischen ist aber Violette Leducs Leben, die bevor sie zu schreiben angefangen hat, Verlagssekretärin war, verfilmt worden und jetzt hat, wie ich ebenfalls dem Nachwort der „Geschichte einer Zensur“ entnehme, von „Aufbau“, das erste Mal unzensiert, auf Deutsch wahrscheinlich, herausgekommen und ich bin, wie meine Leser wahrscheinlich wissen, was die Sexualität betrifft, etwas verklemmt, obwohl ich schon sehr viel, auch erotische Romane gelesen habe und durchaus offen gegenüber jede Art von Lebe bin.

Hundertsechzig Seiten erotische Szenen zwischen zwei Schülerinnen zu lesen, habe ich als eher langweilig empfunden. Ein Anderer mag sich vielleicht daran begeilen, was wohl auch nicht sehr gut ist. Den Sex eher selber machen, denke ich da, statt in Skandalen zu ersticken oder sich zu begeilen und wenn man jung ist, muß man sich natürlich sexuell orientieren.

Muß man mit Siebzehn in ein Internat, weil die Mutter wieder heiratet und der Stiefvater eine vielleicht nicht will, führt das wahrscheinlich zu Einsamkeit und dann vielleicht auch zu der „verbotenen“ Liebe, die von verklemmten Nonnen oder Aufseherinnen mißtrauisch überwacht wird.

Ja das Zölibat ist schuld, daß sich viele Prieser an Kinder vergriffen oder Kinder von ihren Köchinnen bekommen. Eine Siebzehnjährige braucht aber viel Liebe, um ihre ersten Erfahrungen, egal ob zu männlichen oder weiblichen Partnern zu machen oder sich in ihren Körpern wohl zu fühlen und dafür wahrscheinlich auch eine stabile Famile.

Wie sich der Lockdown auf die heutigen Siebzehnjährigen auswirkt und welche Störungen er auslöst, wird man erst später herausfinden und hier geht es darum, daß Therese offenbar in das Internat kommt, ihre Schuhe putzt und sich dabei über die selbstbewußteMusterschülerin Isabelle ärgert. Die zieht sie dann in ihre Koje, der Schlafsaal ist offenbar durch Vorhänge von einander getrennt und irgendwo schläft auch eine Aufseherin. Also muß man leise sein, damit einem nicht die anderen Schülerinnen hören.

Violette Leduc schildert das alles sehr offen und auch sehr erotisch. Vor Liebe bricht Therese dann auch einmal zusammen oder tut nur so und so muß Isabelle sie in die Stadt zum Arzt bringen. Sie gehen aber in ein Stundenhotel und mieten sich dort ein Zimmer. Schwören sich, ins Internat zurückgekommen, daß sie sich nie verlasen werden.

„Meine Mutter holte mich ab. Ich sah Isabelle nie wieder“, lauten dann die letzten Sätze, die gleich darunter stehen.

Nun ja, nun ja, könnte ich schreiben, ein interessantes Buch. Violett Leduc war auch in einem Internat, entnehme ich „Wikipedia“ und hat wohl das oder etwas Ähnliches in den berühmten Zwanziger bis Dreißigerjahre erlebt, in den Fünfzigerjahren darüber geschrieben und ich füge, nachdem vielleicht alle über die starke Sprache und die literarische Neuentdeckung schwärmen,“Was für ein Temperemt, was für ein Stil“, hat Simone de Beauvoir darüber geschrieben, noch an, daß ich in den Siebzigerjahren oder so, Simone de Beauvoir aber auch viel Hedwig Courths-Mahler, die ich immer noch für sehr gut halte, gelesen und da gab es einen Roman, wo ein Mann seine Frau vor oder nach der Hochzeit verläßt und auf Weltreise geht. Denn er hat einen Brief zugesteckt bekommen, wo die Frau einem Fritz heiße Liebesschwüre schickte, wo wohl auch etwas von „Wir werden uns nie verlassen!“, steht.

Die Frau reist ihm nach Hongkong oder so nach und gerät dabei ahnungslos und naiv in verschiedene Gefahren. So lauern ihr beispielsweise Mädchenhändler auf, die das junge weiße Blutverkaufen wollen. Am Schluß klärt sich alles auf und es gibt ein Happyend, denn der Fritz war natürlich eine Friederike und das Ganze eine harmlose Internatsfreundschaft.

Damals habe ich das kommentarlos hingenommen. Heute würde ich wohl auch an etwas anderes denken, habe ich inzwischen ja einige Romane über die wilden Zwanzigerjahre, die in Berlin und auch woanders gelesen und in diesem Sinn würde ich auch meinen, daß es sich lohnen würde, kommentiert und vielleicht etwas ausgedünnt, Hedwig Courts-Mahler wieder zu entdecken.

Und muß ich wieder schreiben, ein Roman, wie drunter steht, ist das Buch natürlich nicht, sonder wohl eher ein Memoir, aber dieser Ausdruck war Violett Leduc wahrscheinlich nicht bekannt.

2021-02-03

Die Rezepte meines Vaters

Filed under: Bücher — jancak @ 00:41
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Jetzt kommt das erste Buch des französischen Gastrokritikers Jacky Durand und es ist ein interessantes Debut, eine Vater-Sohn Geschichte in drei Teilengegliedert, die ob autobiografisch oder nicht, über den Autor ist im netz nicht sehr viel zu erfahren, einige Familiengeheimnisse eingebaut hat und aufdeckt, aber eigentlich sind die Stellen über das Kochen, die in das Buch eingebaut sind, die stärken des Romans. Die Stellen, wo Julien, der Erzähler über das <kochen schreibt, nicht der Rezeptteil am Schluß, die fand ich eigentlich banal. Es war auch nicht so ganz leicht in das Buch hineinzukommen und einiges an der Handlung, erschien mir auch nicht ganz logisch.

Da ist Julien, der Ich-Erzähler, dessen Vater zu Beginn des Buches im Sterben liegt, der Monsieur Henri genannt, ein Arbeiterkind, der auch im Algerien kämpfte, führte ein kleines, aber auch berühmtes Restaurant, in dem er von früh bis spät stand, dessen Finger weil öfter ins heiße Öl gegriffen, lauter Narben besteht.

Julien hat das Restaurant inzwischen übernommen und resumiert nun über sein Leben, in dem er mit dem Vater in der Du-Form kommuniziert. Über seine Kindheit, wo der Vater seine schöne Mutter, eine Französischlehrerin nicht in das Restaurant ließ, während der Sohn immer kochen und dem Vater helfen wollte.

Eines Tages ist die Mutter verschwunden, der Vater scheint verstört und das Kochbuch, wo die Mutter die Rezepte des Vaters aufschrieb, will er ins Feuer werfen, als der Sohn verkündet, daß er nicht studieren, sondern Koch werden will. Was er nicht darf, denn er soll ja aufsteigen, Ingenieur werden, mit dem Kopfberuf zu etwas bringen. Schließlich erfährt man, daß Helene gar nicht seine Mutter war, sondern die bei der Geburt verstorben ist und Julien wird in eine technische Schule gesteckt, die ihm gar nicht liegt, weil ihm da die Begabung feht.

Vvorher gab es noch zwei berührende Stellen, nämlich die, wo er in der Grundschule einen Aufsatz schreiben und vorlesen soll. Er liest das Kochrezept von Mousse au Chocolat aus dem Kochbuch vor und bekommt von der Lehrerin dafür einen Tadel, den er er vom Vater unterschreiben lassen soll und dann die, wo er die Ferien in einem Lager verbringt und dort für alle kocht.

Nach dem Abitur, für das er mit einem Freund der Familie lernt, zieht er in die Stadt, wo er erfahren hat, daß Helene dort inzwischen lebt, VictorHugo ist auch dort geboren und beginnt eigentlich überraschend Literaturwissenschaften zu studieren. Daneben verdingt er sich als Koch, nimmt schließlich, als bei Vater der Krebs diagnostiziert wird, doch Kontakt mit Helene auf, vorher hat er es nicht geschafft und ist immer wieder aus den den Telefonzellen geflüchtet, die ihm am Schluß auch das Kochbuch wiedergibt.

Ein interessantes Buch, wie schon geschrieben, mit einigen Unlogigkeiten und Widersprüchen und, wie ebenfalls beschrieben, schönen Stellen über das Kochen fand ich sehr berührend.

2021-01-31

ich hasse männer

Filed under: Bücher — jancak @ 00:28
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In Zeiten, wie diesen, wo man sehr aufpassen muß, daß die Null-Covid Befürchworter nicht die ganze Wirtschaft zusammenhauen, ein bißchen Feminismus oder ein provokantens Buch mit einem provokanten Titel „ich hasse männer“ der französischen Aktivistin und Bloggerin Pauline Harmange. Ein ähnliches Buch, das vielleicht schon von diesen inspiriert war, habe ich ja schon im Vorjahr zum Beginn der Corona-Krise gelesen und es wahrscheinlich wichtig in Zeiten, wie diesen der Gewalt gegen Frauen auf den Feminismus ja ein wenig vergessen wird, die jungen Frauen sich vielleicht wieder an die vermeintlich starke Schulter anlehnen wollen und lieber ihren Doktor heiraten, als ihn selber machen wollen, an den Feminsmus zu erinnern.

Ich bin ja in den Siebzigerjahren fast wie von selber in den Feminismus hineingekommen, obwohl ich nicht wirklich in der AUF war, habe aber da die Ruth kennengelernt und die Hilde Schmölzer durch die schreibenden Frauen und ich bin ja auch eine Feministin und eine linke Frau und auch eine, die immer noch der Meinung ist, daß ein Mann kein Feminist sein kann, auch wenn er sehr freundlich ist und die Frauen unterstützt will. Aber die brauchen vielleicht nicht nur Unterstützung, was vielleicht schon wieder abhängigkeit bringen kann und die Französin Pauline Harmange ist auch dieser Meinung, obwohl ihr Ausdruck, wie vielleicht der, der Lydia Heider für mich zu stark ist, denn ich hasse nicht alle männer, sondern sette mich gegen Unterdückung ein und denke daß ich in meiner Sprache lieber höflich und vorsichtig bin.

Aber in vielen hat die Französin recht und thematisiert Punkte, die durchaus noch zu bearbeiten sind. Pauline Harmange ist auch mit einem netten Mann verheiratet, wie sie schreibt. Sie nennt ihn Typen und sie besteht auch darauf, ihre starke Sprache zu verteidigen und meint man muß nicht sagen „Ich bin zwar Feministin, meine das aber nicht so ernst!“, um sich dann augenzwinkernd zu entschzuldigen. Und ich denke wieder, man soll die Männer auf schlechtes Verhalten hinweisen. Dann brauche ich sie nicht zu hassen und natürlich wurde den Mädchen beigebracht nie zu widersprechen und ihre Wut nicht zu äußern, während man den Buben, und das sind, Achtung, meistens die Mütter, beibringt, zurückzuschlagen, wenn sie angegriffen werden.

Die Mädchen sollen, dürfen das aber nicht und da führt Pauline Harmange auch ein persönliches Beispiel an und die Wut in der Stimme braucht man wahrscheinlich auch, um sich durchzusetzen und gehört zu werden. Denn flüstert man seine Meinung heraus, wird man oft überhört und spannend auch, die Tatsache, Männer bewerben sich oft für etwas, was sie nicht wirklich können und denken „Schauen wir einmal!“, während die Frauen erst hingehen, wenn sie wirklich sicher sind, daß sie alles können und dann machen die Männer Karriere und die Frauen bleiben über und waschen die Socken.

In einige Kapitel ist das kleine lila Büchlein gegliedert. Am Ende gibt es einen ausführlichen Literaturteil, wo man vieles nachlesen und sich weiterbilden kann und spannend auch die These, daß eine starke Frau ruhig „mittelmäßig“ wie ein Mann sein kann und sie lobt die Frauenbünde, das heißt die Strickgruppen, Mütterrunden, Tupperware-Parties, wo sich die Frauen zusammenschließen und ihre Schwesternschaft ausprobieren können.

Die Burschenschaften, die heute warhscheinlich zu recht verpönt sind, haben das ja auch so gemacht und dadurch ihre Kader geschmiedet und ihre Beziehungen aufgebaut , die sie für ihre Karriere und Buberlpartien brauchen.

Also lesen und sich von den provokanten Formulieren nicht abschrecken lassen. Dann braucht man die Männer nicht hassen. Soll das auch nicht tun. Kann ruhig in einer heterogenen Beziehung leben und braucht sich dafür nicht entschuldigen. Ich tue das auch und bin sehr damit zufrieden. Also laut seine Meinung äußern und seine Wut vielleicht etwas gedämpft und höflich äußern. Widersprechen, sich nichts gefallen und sich nicht unterdrücken lassen. Sich vielleicht auch in Selbstverteidigung üben, damit man sich eventuellen Vergewaltigern nicht hilflos ausliefern muß.

Feminismus ist wichtig und in Zeiten, wo der nächste Frauentag naht, dieses Buch sehr zu empfehlen. Man kann es auch zum Valentintag verschenken und ist auch denen zu empfehlen, die vielleicht nicht so viel gendern wollen.

2019-06-24

Französische Comics statt Markus Köhle

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:30
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Heute hatte ich wieder eine sechs Uhr Stunde und  anschließend zwei Optionen, entweder ins Literaturhaus, wo Lewis Trondheim und Brigitte Findakly ihre zwei Comics „Das verrückte Unkraut“ und „Mohnblumen aus dem Irak“ vorstellten oder in die „AS“, wo Markus Köhle und Claudia Rohrauer ihr gemeinsamen bei „Sonderzahl“ erschienes Buch vorstellten.

Klingt beides interessant und beides irgendwie nicht, denn ich bin ja eigentlich keine Comic-Leserin und für die experimentelle Literatur interessiere ich mich auch nicht so besonders, habe mich aber aus dem Bauch entschieden ins Literaturhaus zu fahren, obwohl ich nicht ganz sicher war, ob es dort nicht sehr voll sein würde, wie das bei den Comic- Präsentationen ja seltsamerweise öfter ist und ich dann würde stehen müssen, weil ich ja zu spät kommen würde.

Zu spät bin ich gekommen, einen Platz in der zweiten Reihe habe ich aber trotzdem gefunden und die französische Übersetzerin Isolde Schmitt hat gerade auf eine Frage von Thomas Ballhausen geantwortet, daß der französische Comiczeichner zuerst Strichmännchen mit offenen Mündern gezeichnet hat, um das Metier zu erlernen und es dann mit Zeichnungen ohne Text versucht hat.

Lewis Trondheim  entnahm ich dem Programm gehört zu den bekanntesten französischen Comiczeichnern, der in Instagram jeden Tag eine Zeichnung aus seinem berühmten „Herr Hase Album“ stellte und das „Verrückte Unkraut“ ist der neueste Band der Serie und seine Frau Brigitte Findakly wurde im Irak von einer französischen Mutter und einem irakischen Vater geborren, ist Coloristin und hat ein Buch über ihre Kindheit mit ihrem Mann zeichnen wollen.

Die Bilder aus den Comics liefen im Hintergrund während die beiden Zeichner zuerst Thomas Ballhausen und dann die Fragen aus dem Publikum beantwortete und nachher gab es, um den Büchertisch eine lange Schlange, denn bei Comics Vernastaltungen das habe ich schon bei den „Fried Symposien“, wo es ja eigene Comic Abende gibt, gehen die Bücher, wie die warmen Semmeln weg und der Zeichner sitzt vorn an einem Tisch und signiert jedes Buch mit einer eigenen Zeichnung, während es beim Getränketisch gar keinen Andfrang gab, obwohl man da den Wein nicht zahlen mußte.

Auch sehr interessant, die Leute mit ihren Büchertaschen abziehen zu sehen, gekannt habe ich kaum jemanden aus dem Publikum und, als ich nachher in den „Wortschatz“ schaute und gerade dachte „Nicht viel Besonderes drin!“, stieß ich auf Evely Schlags brandneues „Yemen Cafe“, was ja vielleicht zum Thema ganz passend ist und ich auch, wenn ich mich nicht ihre,  bei der Präsentation in der „AS“ war.

2017-11-18

Als der Teufel aus dem Badezimmer kam

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Jetzt kommt ein Buch vom Frankfurt-Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse, das mir „Ullstein“ freundlicherweise schickte und eines das mich überraschenderweise sehr an mein eigenes Schreiben und meine Thematik erinnerte, von der ich ja immer höre, daß das niemanden interessiere und man so nicht schreiben kann.

Aber Frankreichs Literatur ist anders, habe ich bei meinem Buchmessen-Surfing erfahren und greift in einer globalisierten Gesellschaft mit Flüchtlingskrisen, Terroranschlägen und prekären Lebensbedingungen heiße Eisen an und so hat die 1979 in Montpellier geborene Sophie Divry einen Arbeitslosenroman, beziehungsweise einen über Armut sowie über das Leben unter prekären Lebensbedingungen geschrieben und wollte damit, wie sie in dem auf schwarzen Seiten abgedruckten “ Bewerbungsbrief an die Schriftstellerresidenz reine Erfindung“, schreibt, „definitiv Spaß machen“, was auch durch eine „Typographie in Bewegung“ ausgedrückt wird.

So gibt es im Buch immer wieder graphische Elemente. Seiten auf denen beispielsweise schön verteilt nur das Wort „überall“ mit einem Zitat von Robert Pignet: „Stimmen überall. Nicht genug Ohren, nicht genug Liebe.“ steht und da ist Sophiem eine etwa vierzigjährige entlassene Journalistin, die zu Beginn des Buches von den dreihundert Euro, die sie gerade noch auf ihren Konto hat, zweihundertsechzig an ihren Stromanbieter zahlen muß.

So bleiben ihr gerade noch vierzig Euro bis Ende des Monats wo die Grundsicherung kommt, zum Leben über. So geht sie in den Supermarkt, kauft Nudeln, wartet auf einen Auftrag, beziehungsweise auf die schon erwähnte Unterstützung, die aber nicht kommt, denn sie hat vergessen,  die paar Euro, die sie im letzten Monat verdiente, was sie durfte, anzugeben, weil die Honorarbescheinigung noch nicht eingetroffen ist.

Die Betreuerin vom Arbeitsamt oder, wie das in Frankreich heißt, ist sehr freundlich und erklärt der „Madame“, daß sie ihr nicht helfen kann und sie nur nach ihren Vorschriften handelt und der Versuch, das Geld vom kommunalen Sozialhilfeverein hereinzubekommen, scheitert an dem Berg von Formularen, die man dafür ausfüllen muß und so beginnt Sophie ihre Bücher und andere entbehrliche Habseligkeiten zu verkaufen und bekommt ein paar Euro dafür.

Sophie gibt aber nicht nach. Sie will einen Roman über ihre Situation und das „Leben der Armen“, wie sie das nennt, schreiben. Kommunziert auch mit ihrer Mutter, die ihr gute Ratschläge gibt und mit ihrem Freund Hector, der in seine Nachbarin Belinda verliebt ist und dafür einen Pakt mit dem Teufel eingeht, der heißt „Lorchus“ und sucht auch Sophie auf, beziehungwweise tritt er, wie schon der Buchtrittel verrät, aus ihrem Badezimmer.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Ein Vierter sollte,  wie die schwarzen Seiten verraten, auch noch geschrieben werden und im Zweiten fährt Sophie heim zu ihrer Mutter, die in  Montepellier in einem Schloß lebt, da kann sie sich endlich wieder einmal sattessen und der Mutter im Garten und beim Marmeladeeinkochen helfen und im Dritten geht sie dann auf Arbeitssuche. Heuert, schwarz wahrscheinlich, als Kellnerin bei „Jules & Juilette“ an und macht da für fünfzig Euro pro Abend, wahrscheinlich die Erfahrung, die auch Eva Rossmann in ihrem Buch „Mahlzeit“ beschreibt, wechselt nachdem der Wirt sich nicht mehr bei ihr meldet, die Lokale, landet schließlich in einem Weinbistro und ärgert sich da, daß die Gäste, das an einem Abend mit Spitzenweinen versaufen, was sie in drei Monaten verdient und, als der Bruder des Gastromomen auftaucht, der auch eine Arbeit sucht, wird der schwarze Tellerwäscher entlassen und Sophie an den  Geschirrspüler verbannt. Der Bruder stellt ihr nach, macht ihr sexuelle Anträge, so daß sie sich nur imt einem Faustschlag retten und der Bratpfanne wehren kann. Mit der geht sie dann zur Polizei, die ihr rät, angesicht dieses Tatgegenstandes auf eine Anzeige zu verzichten. Sophie ist den Job los und beschließt „aus dem Rennen auszuscheiden“.

Ein spannendes Buch über die sozialen Zustände dieser Welt, Themen die mir, wie beschrieben, sehr zusagen und beschäftigen und ein paar Bücher über die prekären Arbeitsund andere Verhältnisse, haben wir in Österreich auch.

2015-05-25

Eine Art Liebe

Filed under: Bücher — jancak @ 00:38
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Weiter geht es mit dem deutschen Lesen und der Liebe, obwohl es in dem 2011 erschienenen Roman, der 1967 in Frankfurt am Main geborenen Katharina Hacker, die 2006 mit den „Habenichtsen“ den dBp bekommen hat, um etwas ganz anderes geht, ist er doch Saul Friedländer gewidmet und soll, wie im Nachwort steht, sein Leben nacherzählen, obwohl er nichts mit seiner Biografie zu tun hat und ein wenig über die Kunst des Schreibens und wie das so mit Autobiografien so ist, geht es in dem Buch, einer Art Dreiecksgeschichte, zwischen der Studentin Sophie, die genau wie Katharina Hacker, drei Jahre in Jerusalem Hebräisch studiert und dort Moshe oder Moses bzw. Maurice Fein oder Jean Marie Ferrir kennenlernt, der mit einem Trapistenmönch befreundet war, der auf seltsame Weis, in einem Berliner Nachtclub ums Leben kam.

Kompliziert genug? Katharina Hacker macht die leider an sich einfache Geschichte, des 1930 in Berlin geborenen Moses, der mit seinem Vater, Theodor, einem Rechtsanwalt und seiner Mutter Ruth, einer Sängerin, Ende der Dreißigerjahre nach Paris emigrieren muß, noch ein bißchen undurchsichtiger, in dem sie nicht linear erzählt, sondern von vorne nach hinten hüpft, die Perspektiven wechselt, einmal erzählt die Studentin, die in dem Buch auch noch ihre Beziehungen wechselt, einmal Moshe selbst, dann gibt es  noch Notizzetteln von ihm und am Anfang des Buches schenkt Moshe ihr  Jeans Geschichte, mit dem Auftrag sie aufzuschreiben, der letzte Satz auf Seite 265 lautet, dann auch auf Sophies Frage, ob die Geschichte, so wie er es sich vorgestellt hätte, geworden wäre „Ich habe mir nichts vorgestellt!“, antwortete Moshe. „Es ist deine Geschichte, ich habe sie dir geschenkt!“

Und so können wir also zwischen Phantasie und Wahrheit, Fiktion und Realität wählen und um Schuld und Sühne und wer der Hüter seines Bruder ist und ob ein halbwüchsiger Junge Schuld am Tod eines jüdischen Ehepaars ist, nur weil er seinem kollaborierenden Vater verrät, daß der wahre Name seines Freundes Moses Fein und nicht Jean Marie ist? Denn das war der Einfall des Paters Gerard, den kleinen Moses taufen zu lassen und in ein Kloster zu stecken, während die Eltern versuchen sollten von Frankreich, das inzwischen von den Deutschen besetzt wurde, in die Schweiz zu flüchten.

Die bösen Schweizer lieferten die beiden an die Nazis aus, Ehepaare mit Kindern haben sie durchgelassen, hätten die beiden, den kleinen, der inzwischen Jesuit werden will, während es seinen Freund Jean in das Schweigekloster der Trapisten zieht, also doch nur mitgenommen. Aber wieder schön der Reihe nach, weil meine Leser ja manchmal mit meinen Schachtelsätzen Schwierigkeiten haben, obwohl ich ja eigentlich ohnehin eher linear erzähle.

Da ist also die Ich-Erzählerin, von der man später ihren Namen Sophie erfährt, die in Jerusalem studiert und dort über den Umweg eines Buchhändlers, den Rechtsanwalt Moshe Fein kennenlernt, der 1939, glaube ich, mit seinen Eltern nach Frankreich emigrierte. Der Vater ist herzkrank. So überredet ihn Pater Gerard, das Kind, das er bisher selber unterrichtet hat, in eine Klosterschule zu stecken, in der ersten wird er Maurice gerufen, in der zweiten, nahe der Schweizer Grenze, als die Eltern dorthin flohen, wird er getauft und muß seinen schönen Namen hergeben. Er beginnt zu weinen, der um ein Jahr ältere Jean, der eigentlich in eine Nazi-Schule sollte, aber wegen seiner frommen Mutter doch in das Kloster durfte, tröstet ihn damit, daß er seinen Namen Jean-Marie haben darf.

Ob es eine erotische Beziehung zwischen den beiden Jugendlichen gibt, weiß ich nicht, wenn, wird sie nur angedeutet. Die Geschichte beginnt ja Ende der Neunzigerjahre, als Jean schon gestorben ist, Moshe, dessen Frau, die seltsamerweise Ruth, wie seine Mutter heißt, durch einen Unfall ums Leben kam, verwitwet,  hat inzwischen eine Freundin und zu Sophie, der er sehr ruppig begegnet, empfindet er auch „eine Art Liebe“.

Sie soll also Jeans Geschichte aufschreiben. Auf den ersten ein- bis zweihundert Seiten, tut sie es aber mit der  Moses, Moshes oder Maurice, der, als der Krieg 1945 endet, eigentlich auch Trapist oder Jeusit werden will. Pater Gerard und auch Jean versuchen das zu verhindern, in dem sie jüdische Verwandte, die in Paris leben aufsuchen, Moses wandelt sich dann auch zum Zionisten, während Jean in das Schweigekloster eintritt und emigiriert nach Israel.

Jean will eigentlich Einsiedler werden, der Abt verhindert das aber, so beginnt er zu reisen, nach irgdeneinem Konzil, sind die Ordensregeln nicht mehr so streng, über die Melancholie zu schreiben und auch Moshe, dessen Hochzeit er noch verweigerte, zu treffen. So zum Beispiel in Venedig, wo er in einer Kirche das Kain und Abel Gemäde sieht und man nach und nach herausbekommt, welche Schuld, den Mönch quält, so daß er mit sechzig Jahren, das Kloster verläßt, Moshe einen Brief schreibt, daß er nicht an Gott glaubt und nach Berlin verschwindet, wo er in schäbigen Hotelzimmern wohnt, in einem Nachtklub arbeitet und dort schließlich wie der Abel erschlagen wird.

Bei Moshe wurde inzwischen ein Hirntumor entdeckt, er reist seinem Freund trotzdem nach, beziehungsweise trifft er Anfangs des neuen Jahrtausends, Sophie die sich wieder mit ihren früheren Freund Sebastian befreundet hat, in Berlin und weigert sich, ihre Geschichte zu lesen.

Ganz schön kompliziert, aber doch sehr poetisch und nachdenkenswert über die Schuld und Sühne und Lebensläufe der Neunzehnhundertdreißig geborenen Kinder, die plötzlich ihre Familien verloren, ihre Religion und Identitäten wechseln mußten, aber auch über Sinn und Unsinn des Mönchtums, des Zölibats und der Schweigegelübde und den Schwierigkeiten dieses Lebens überhaupt, kann man sinnieren und ich habe nach dem „Vorleser“, der den Holocaust von einer anderen Seite her erzählt, wieder ein interessantes Buch über ein unrühmliches Stück der deutschen Vergangenheit gelesen, wo ich noch anmerken will, daß ich etwas Ähnliches, Ende des vorigen Jahrhundert mit den „Wiener Verhältnissen“ meinem ersten selbstgemachten Buch, das ich als Reaktion auf einen Roman von Ruth Aspöck, geschrieben habe.

Ein an sich linear erzählter Roman, mit einem Vorwort über den Literaturbetrieb, dann reist die Protagonistin Hanna nach dem Tod ihres Vaters und einem Buch, das sie in dessen Nachlaß gefunden hat, nach New York. um dort in einem jüdischen Altersheim Gespräche mit dem fast hundertjährigen Jakob Mandelbaum zu führen, der sich auch schuldig am Tod seiner Eltern und seines Bruders in Theresienstadt bzw. Auschwitz fühlt.

Diana Vogt, der ich das Manuskript dann schickte, hat mir in einem Brief geschrieben, daß sie es für keinen Roman hält, was ich ganz ehrlich, immer noch nicht verstehe und sie nicht wüßte, wer sich dafür interessiere und wem sie es anbieten könne?

So ist es mein erstes selbstgemachtes Buch geworden, das mir der Alfred damals zum Geburtstag schenkte, das die Freiheitsstatue am Cover hat und das inzwischen längst vergriffen ist. Nur meine Belegexemplare habe ich noch in Harland und in der Krongasse stehen.

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