Literaturgefluester

2018-11-04

Vor hundert Jahren

Das Jahr 2018 ist ja ein geschichtsträchtiges. Da gab es den März 1938 mit dem Anschluß Österreichs, die 1968 Studentenrevolte, die im Mai von Paris ausgegangen ist und im November geht es ganz zurück, denn da ging ja der erste Weltkrieg zu Ende, die Monarchie ist zusammenbebrochen,  die erste österreichische Rebublik hat sich gegründet. Und ich habe das alles fleißig mitgelesen.

Im Rathaus gab es zum März 1938 eine große Ausstellung mit vielfältigen Begleitveranstaltungen, „Wagenbach“ hat mir etwas über den Mai 1968 geschickt und im Herbst ist Stephan Teichgräber von der „Dokumentationsstelle der mittel-und osteuropäischen Literatur“ dahergekommen und hat mich wieder zu einem Workshop eingeladen.

„Literatur zur Revolution“ und ich habe zuerst an die französische, die blutig grausam war, gedacht und gar nicht mitbekommen, daß es  auch 1918 eine Revolution gegeben hat, Stephan Teichgräber hat da ja an Döblin mit seinem „November 1918“ gedacht und an Alexej Tolstoi, aber mir ist da schon der Franz Theodor Csokor eingefallen, dessen „3. November 1918“, ich einmal im Burgtheater gesehen habe und ich es als ein sehr fades Stück betrachtet habe, denn was gehen mich Ja die Offiziere an, die in einem Lazarett den Niedergang der Monarchie erlebten?

Im Oktober hat es dann im Rahmen der Bibliothekstage auch noch eine sehr schöne Veranstaltung zum historischen Krimi zur Republiksgründung gegeben und  am Montag ist mir dann noch eine Einladung von der „Edition Tarantl“ in die <hände gefallen, die ein Buch zum „November 1918“ in der österreichischen Literatur herausgegeben hat, das am Donnerstag in der Buchhandlung und Cafe „Libreria Utopia“ vorgestellt wird.

Da ist zwar die „Buch Wien“ und der Andre Kurkow in der „Gesellschaft“ und Michal Hvorvecky im Literaturhaus, aber ich habe das alles am letzten Mittwoch in die Spengergasse besprochen und mir auch  den Franz Theodor Csokor Band mit drei Stücken, worunter eines der „Dritte November“ ist, herausgesucht, das ich mir einmal von den Lesetürmen der „Literatur im März“ mitgebracht habe und da habe ich dann auch gesehen, daß am Samstag den 3. November, punktgenau in der Arnea Bar in der Margaretenstraße das Stück vom Lesetheater mit Ottwald John, Christa Kern, Manuel Gierisch, Claudius Kölz und und aufgeführt wird und da hatte ich dann natürlich meine Abendveranstaltung, um mein Geschichtsbewußtsein abzurunden.

Mit fast Fünfundsechzig und einem intensiven Leseleben verstehe ich natürlich jetzt viel mehr davon als damals mit Fünfzehn, wo das Stück wahrscheinlich zum fünfzigsten Jahrestag im Burgtheater aufgeführt wurde und das „Theater der Jugend“ die Kinder hinschickte. Denn damals habe ich gedacht, eine Handvoll Offiziere schwafelt sich dahin und man kann noch immer kritisieren, daß es nur eine einzige Frauenfigur, wie im „Professor Bernhardi“, nämlich die Schwester Christina gibt, aber die hat es in sich und ansonsten hat Franz Theordor Csochor eher ein Randgeschehen beschrieben.

Eine Handvoll Offiziere aus allen Nationen, verbringen den November 1918 in einem Lazarett in den Kärntner Karawanken, sind eingeschneit und erleben hautnah mit, wie die Monarchie zerfällt und sie, einer erschießt sich, weil er das nicht aushält und die anderen mehr oder weniger glücklich in ihre Nationalstaaten zurückgehen.

Ein sehr aktuellen Stück in Zeiten wie diesen,wurde mehrmals erwähnt, mein Geschichtsbewußtsein ist aufgefrischt und jetzt muß ich noch das „Schönbrunner Finale“ lesen und schauen, ob vielleicht auch das „Tarantl-Buch“ zu mir kommt, denn da steht ja auf dem Einladungsblatt: „Die wissenschaftlich historisch-politische Literatur zur Ursache des Ende der Jahrhundertlangen Habsburgertyrannei in Europa und der Aufrufung der ersten Republik in Österreich ist relativ gut aufgearbeitet, doch wer weiß, welche Romane, Gedichte und  Dramen zu diesem elementaren Wendepunkt der Geschichte des Landes von AutorInnen verfaßt wurden? Da fällt ja jedem und jeder immer nur  Franz Theodor Csokors „Dritter November 1918″ an.“ – Nun denn ich bin gespannt und es ist sicherlich sehr spannend die Entwicklung des letzten Jahrhunderts vom Zusammenbruch der Monarchie, dem dritten Reich, dem Aufbruch von 1968 dem angeblich oder tatsächlichen Scheitern des Sozialismus bis hin zun Neoliberalismus und den rechtsradikalen Entwicklungen, die wir ja gerade in Europa erleben und wo wir wahrscheinlich sehr aufpassen sollten, damit wir nicht demnächst wieder eine Götterdämmerung erleben, wenn wir das als Einzelne überhaupt können.

Eine spannende und gut gespielte Lesetheateraufführung von der ich es nur ein wenig schade finde, daß die Männerrollen auch von einigen Frauen gelesen wurde, was mich persönlich etwas störte.

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