Literaturgefluester

2019-09-13

Es wird Zeit

Filed under: Bücher — jancak @ 00:28
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Bevor es doch an das Buchpreislesen geht, da sind schon alle Bücher da, aber bisher erst ein Einziges gelesen, jetzt noch ein Frauenroman von Ildiko von Kürthy.

Ich habe, die ich ja manchmal auch Chicklits und Krimis lesen von der 1968 Geborenen schon einige Bücher gelesen und sie haben mir, glaube ich, nicht so besonders gefallen. Hier ist es anders, aber auch ein bißchen ambivalent.

Geht es doch, um die Bewältigung einer Midlifekrise einer Frau, um die Fünfzig mit drei Söhnen, einen Zahnarzt, als Gatten mit einer Ehe, wo nicht mehr viel läuft, in einem Vorort von Hamburg, wo sie all das macht, was die Mittelschichtfrauen halt so machen, die Kinder zur Schule bringen, dort im Elternverein oder sonstwo helfen, halbtagstätig ist, kocht, putzt, bügelt, mit der Putzfrau verhandeltund mit ständig schlechten Gewissen wegen des Übergewichts doch noch ein bißchen Nutella aus dem Glas nascht.

Das ist Judith Rogge und deren Mutter ist gestorben und nun muß sie zur Beerdigung der Urne und zum Verkauf des elterlichen Hauses in das Dorf, wo sie aufgewachsen ist und das ist keine gute Idee, hat sie dort doch ein großes Geheimnis, das sie die letzten zwanzig Jahre sehr belastet hat.

Das wird nun nach und nach und manchmal durchaus sehr langatmig und so geschrieben, als käme es aus einem Ratgeberbuch aufgeklärt, manche Szenen sind wieder sehr lustig und am Schluß ist alles gut und die Mittelschichtfrau geht glücklich in ihr neues Leben hinein?

Doch nicht so ganz, denn vor zwanzig Jahren, hatte Judith eine beste Freundin und die hatte einen Freund mit dem sie in die Anwaltskanzlei ihres Vater einsteigen wollte, aber der macht zuerst noch eine Reise, kommt von dort nicht mehr zurück und Judith plagt das schlechte Gewissen, hat sie sich doch in Michael verliebt und ist nun schwanger.

Kopflos verläßt sie die Freundin und das elterliche Haus, zieht nach Hamburg, heiratet Joachim, bekommt drei Söhne und nun steht sie am Friedhof des elterlichen Dorfes, um das künftige Grab ihrer Mutter zu besichtigen und fällt dort fast hinein, als Anne sie entdeckt.

So was hatten wir schon ein oder zweimal in der Literatur und es geht auch gleich weiter, denn der der dasHaus kaufen will, ist eine andere Jugendliebe, ich glaube, der, der sie mit Vierzehn oder Fünzehn entjungfert hat und auch ihr Meerschweinchen ermordete, also ein Arsch.

Das ist er noch immer, verheiratet und das Haus will er auch zu Spekulationszwecken, aber Judith verliebt sich in ihm und hält nun während es zu verunglückten Treffen kommt und die Urne doch nicht so schnell, wie gedacht beerdigt werden kann, schier endlose Mologe über das glücklose Leben einer Mittelschichtfrau und dem fluch des Älterwerdens.

Dabei ist das Leben der anderen noch viel schlimmer. Anne hat nämlich Krebs im letzen Stadium. Die Freudinnen versöhnen sich wieder, Judith begleitet sie zu den Behandlungen, beschließt das Haus doch nicht zu verkaufen, sondern mit ihren Freunden in einer Art Altershippiekommune glücklich zusammen zu leben.

Sie erfährt, daß Michael nicht gestorben, sondern nur ausgestiegen und das Kind auch nicht von ihm ist, trennt sich glücklich von ihrem Joachim, der sich mit einer Seljacht statt mit einer Frau fortan vergnügen will und alles wird gut, bis, daß Anne doch stirbt und das den anderen irgendwann auch nicht erspart bleiben wird.

Ein vergnüglicher Roman über die Midlifekrise könnte man so sagen und ich denke, daß er wahrscheinlich hauptsächlich von Frauem, um die fünfzig oder noch älter, wie ich beispielsweise, gelesen werden wird und frage mich, wie das Buch auf sie wirkt?

Ich habe mich ja schon in meiner Jugend mit der Mildlifekrise beschäftigt und als ich noch nicht viel davon verstanden habe, eine Dissertation darüber geschrieben und als ich am vorigen Donnerstag das Buch gerade angefangen hatte, und zum Salten-Symposium ins Rathaus ging, meine Straßergassenfreundin auf der Straße getroffen, die mir von ihrem Krebs und der sechsten Chemotherapie erzählte, die sie erwartete.

So wird es wahrscheinlich auch den anderen Frauen gehen, das Übergewicht ist da, die Ehe im Heimer und das Buch gibt manchmal sehr lustig, beispielsweise die Stelle, wo der achtzehnjährige Sohn mehrmals anruft, weil er nicht weiß, wie man eine Waschmaschine betätigen muß, sich die Mutter gerade in einem Schweigekloster befindet, manchmal sehr langatmig gute Ratschläge, wie man das Leben bewältigen kann, die wahrscheinlich auch mehr oder weniger gut wirken werden.

So bin ich gespannt, wie das Buch von den Lesern aufgenommen wird  und kann auch noch spoilern, daß sich Ildiko von Kürthy derzeit auf Lesereise befindet, war doch dem Buch ein Flyer beigelegt, auf dem man die genauen Termine von September 2019 bis Juni 2020 finden kann.

2015-06-14

Alles nur k (ein) Mann

Filed under: Bücher — jancak @ 00:55
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Jetzt kommt ein Chick Lit und ein E-Book und in Richtung „Deutsches Lesen“ geht es auch ein Stückchen weiter, denn Martina Gercke und Katja Gschneidt, die beiden Autorinnen, kommen aus Hamburg, bzw. Frankfurt und von Martina Gercke habe ich über Wolfgang Tischers Literaturcafe gehört. Da gab es ja einmal ein Interview bezüglich ihres Erfolges mit „Holunderküsschen“, an erster Stelle des Kindle Direkt Publishing und Verkaufszahlen in schwindender Höhe, wo ich ja immer ein bißchen skeptisch bin, dann kam die Plagiatsmeldung, ich habe die Angelegenheit verfolgt und darüber geschrieben, vor zwei Jahren, als ich gerade in die Sommerfrische aufbrach, hat sich Martina Gercke bei mir gemeldet und mir „Glücksstern mit Schwips“ als E-Book geschickt.

Denn sie hat sich von den Empörungswellen nicht unterkriegen lassen, „Champagnerküsschen“ und „Hollunderküsschen“ von den Fremdstellen bereinigt und wieder bei „Amazon“ angeboten, dann ein Buch allein geschrieben und danach angekündigt, sie würde sich mit einer anderen Autorin zusammentun.

So ist „Alles nur k(ein) Mann entstanden und da gab es eine Blogtour, wo man das Buch gewinnen konnte, wenn man einen Lösungssatz erstellte und ich habe es, obwohl die Aktion wahrscheinlich für jüngere Frauen und Mädchen war und ich dazu noch ein Säckchen Goodies, wie schnecklige Lesezeichen, Armbändchen, etc bekommen habe, also etwas für das Enkelkind, das ich nicht habe.

Ich bin aber sehr neugierig, lese auch gerne ChickLits, obwohl man da aufpassen muß, manche sind aus der Idee geboren, sie müssen lustig sein, um die Leserin zu unterhalten, wirklich ein bißchen blöd und vor allem kommen die Heldinnen mit einer Katastrophe nach der anderen, so dabei weg.

Ein bißchen ist das auch bei diesem Buch, das mir aber, ich schreibe es gleich, gut gefallen hat, warhscheinlich sogar besser als „Glücksstern mit Schwips“, aber vielleicht kommt mir das auch nur so vor, weil der Eindruck ja frischer ist.

Da gibt es also Greta und Marie, eine achtundzwanzig, die andere neunundzwanzig, Buchhändlerin und Ärztin vom Beruf und die leben in einer WG mit Lisa. Aber die geht nach München, als Lektorin, so suchen die beiden Mädels eine neue Mitbewohnerin, geben im Inserat aber nicht an, daß sie nur eine Frau wollen, weil das ist ja eh selbstverständlich.

So melden sich auch Männer, aber die sind nicht richtig, weil die wollen gleich einen Dreier und die Frauen sind das auch nicht, weil rassistisch oder noch nicht so gefestigt und so entscheiden sie sich für Tim, denn der ist schwul und das ist ja keine Gefahr für die Frauenehre.

So weit ist oder wird es klischeehaft, denn die Mädels sagen zu of, „Er ist schul, wie die Friseure“, obwohl er umwerfend und sehr männlich aussieht, aber gut kochen kann, damit kocht er die Mädels ein und als er beim Antrittsbesuch erscheint, öffnet sich bei einer gleich zufällig der Bademantel, das sind die ChickLit-Szenen die ich nicht mag, denn so blöd sind Assistenzärztinnen und Buchhändlerinnen nicht.

Tim zieht also ein, läßt beim Einzug ein Handbuch für Journalisten fallen und den Mädels fällt ein, sie wissen nicht, was für einen Beruf ihr Schwuli hat, der sagt es ihnen später. Er ist Foodstylist, offenbar sind das die Schwulen so und nimmt Marie in sein Studio mit, Greta besucht das dann später und trifft nur seinen Freund Leon, den Fotografen, der Greta eigentlich etwas sagen will, aber sie weiß ja schon, schwul ist Tim nicht, denn er hat sie in ein Restaurant eingeladen und da kam es zu einem Kuß.

Bei Marie macht er es genauso und geht mit ihr ins Bett bzw. in die Badewanne und verbietet ihr Greta davon zu erzählen, denn beide Mädels haben sich in ihm verliebt und haben nun Schuldgefühle, daß sie das der anderen nicht erzählen dürfen.

Lisa kommt auf Besuch und bringt Zeitschriften aus dem Flugzeug mit, darunter ein Männermagazin, mit einem Artikel „Wie ich als schwuler Mann zwei Frauen verführte!“, Autor ist Tim und es kommt zu einem großen Eklatat zwischen den Mädels. Lisa muß trösten und vermitteln. Sie schmeißen Tim hinaus, Greta verschwindet, Lisa bleibt allein zurück und geht nicht in das italienische Restaurant, zu dessen Besuch Tim sie per Handy aufgefordert hat. Er wird jeden Tag dort warten, bis sie kommt und er alles aufklären kann.

Greta bekommt inzwischen ein Mail von Leon, er ist in Afrika. Sie fliegt, weil ihr nichts anderes einfällt, auch dorthin. Da gibt es, es gibt ja einige sehr interessante Suzenen, eine im Flugzeug, neben Greta sitzt ein Mann mit Flugangst, redet vom Abstürzen, während der Flieger durch ein Gewitter fliegt. Eine schöne blonde Stewardesse rauscht vorbei und bittet sich anzuschnallen und ich mußte an Martina Gercke denken, die ja vom Beruf Purserin ist und groß und blond.

Greta trifft in Windhoek in einem Biergarten Leon und verliebt sich in ihm bzw. wird von ihm geküßt und Marie betrinkt sich einmal, eine von Martina Gerckes Schwächen scheint ja der viele Sekt und Prosecco zu sein, den ihre Mädels immer trinken. So kommen die Eltern vorbei, räumen auf und schicken Marie zum Friseur, denn eine Veränderung muß her. So bekommt man eine unglückliche Liebe aus dem Herzen, das habe ich vor mehr als dreißig Jahren auch einmal gemacht, Guido serviert ihr Sekt und schneidet, er ist offenbar ein schwuler Figaro mit großen Händen, ihr die Haare ab und als sich Marie mit der neuen Frisur sieht, ist sie bereit, zum Italiener zu gehen und auch Greta vom Flughafen abzuholen, die ihre Rückkehr ankündigt.

So weit das happy end und ein interessanter Roman mit interessanten Szenen. So gibt es zum Beispiel einen Oberarzt Obermeier und Obermarsch, der Marie immer in den OP verdammt, wenn sie eigentlich schon nach Hause will und die Mutter ruft an und sagt „Wann wirst du endlich Oberärztin? Dein Bruder hat ja auch schon zwei Jahre nach Ende seines Studiums eine Firma übernommen?“

Und Szenen übers Lesen gibt es auch bzw. Diskussionen zwischen den beiden Buchhändlerinnen Sabrina und Greta, die sich das „Bücherreich“ den kleinen lieben Laden um die Ecke, wo man die Bücher riechen, schmecken, tasten, fühlen oder was auch immer kann, die von der E-Book Bedrohung reden und das ist interessant, denn Martina Gercke und Katja Gschneidt sind ja E-Book Autorinnen.

Interessant ist auch die Schreibweise, das gemeisame Schreiben eines Buches, sowieso schon einmal und die Beiden dürften sich das, wenn ich richtig verstanden habe, so geteilt haben, daß es in den einzelnen Kapiteln immer die Sichtweisen von Greta und von Marie gibt.

Sehr interessant, die Beiden haben inzwischen  noch ein gemeinsames Buch geschrieben und Martina Gercke noch ein oder zwei andere allein und von Katja Gschneidt habe ich vor kurzem im Zuge meines Lesens für die „Bibliophilin“ oder „Selmas Kopftuch“, „Gefangen in Deutschland“ gelesen, ihren Bestseller, mit dem sie offenbar berühmt geworden ist, den als Printform, denn er lag im „Wortschatz“.

Bei „Amazon“ hält sich die Begeisterung der Leserinnen übrigens ins Grenzen, sie meinen, es wäre ein sehr leichtes Buch und sehr vorraussehbar.

Da bin ich mir nicht einmal so sicher, denn als ich merkte, daß es der tolle Tim, der natürlich, die Szene beherrscht und seine Mädels öfter zum Rotwerden bringt, mit Beiden treibt, war ich eine Zeitlang ratlos und wußte nicht, wie das jetzt weitergehen könnte?

Der Kunstgriff mit dem Leon kam dann ziemlich bald und dann verlief es auch in vorausschaubaren Bahnen und löste sich gnädig auf und noch etwas bemängeln, die „Amazon Leserinnen“.

Die vielen Fehler im Buch, da ist mir zwar aufgefallen, daß die Sabrina einmal an Schnupfen leidet und dann ist es ein geschwollener Knöchel, warum Greta in den Laden muß und zumindest in meiner E-Book Version, stimmten die Abteilungen öfter nicht, so daß da ein R oder ein O eines Wortes auf der nächsten Zeile stand, wo es nicht hingehörte.

Die bemängelte S Schreibung ist mir nicht aufgefallen, weil ich die ja selber nicht so beherrsche und mir das eigentlich auch egal ist.

Martina Gercke, deren Facebookseite, ich öfter lese, dürfte aber ein Lektorat benützen und eine literarische Agentur hat sie auch.

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