Literaturgefluester

2019-04-01

Die bessere Geschichte

Nach den Frauentagssachbüchern geht es gleich weiter mit den Frühjahrsneuerscheinungen und Anselm Nefts Roman, der im Vorjahr in Klagenfurt gelesen hat, passt irgendwie auch zum Thema, obwohl er als Internatsroman gehandelt wird und als eine Mischung zwischen „Zögling Törless“ und „Humbert Humbert“.

Das ist Tilman Weber, der Erzähler, der seine Mutter früh durch Selbstmord verloren hat. Die Beziehung zu seinem Vater ist  auch nicht so ohne. Als er dreizehn ist und der Vater eine neue Freundin hat, wird er in ein Internat, das heißt, eine freie Schule, ein Vorzeigebild der Reformpädagogik, das die Wielands an der Ostsee gründeten, abgeschoben.

Dort ist alles schick und modern. Es leben immer einige Schüler mit zwei Lehrern in einer Familie zusammen und man brauchte keine Regeln einhalten, hat keine Noten, sondern spielt das Leben eben nach, begibt sich in die Antike, stellt Fragen, etcetera und das Ziel der Pädagogen ist es, aus den Schülern das herauszuholen, was in ihnen steckt.

So weit wird das Wesen einer freien Schule, die ja auch die Anna ungefähr zur gleichen Zeit, wie dieser Tilman sie besuchte, sehr gut erzählt und ich habe in den Neunzigerjahren auch einen Roman über eine freie Schule geschrieben, der es aber nie bis zur Veröffentlichung brachte, weil ich ja erst 2000 selber zu publizieren begann.

Der Roman des 1973 in Bonn geborenen Anselm Neft gehet aber noch viel weiter. Er wird von jenem Tilman, der ein Poe-Fan ist, etwas langatmig erzählt und birgt viele Facetten.

Da ist zuerst einmal dire dreizehnjährige Ella, eine Schülerin, in die der Dreizehnjährige sich gleich verliebt. Er wird nach einigen Aufnahmsprüfungen auch in die Famalie von Salvador und Valerie Wieland aufgenommen und dort herrschen besondere Regeln.

Es gibt auch einen Mediationskeller in dem besondere erotische Spiele gespielt werden. Den Kindern werden auch Wein und Drogen angeboten und alles läuft äußerst freiwillig und nach Wunsch ab. So nimmt Valerie Wieland, den Dreizehnjährigen mit ins Ferienhäuschen und dann in ihr Bett, später steigt noch Salvador dazu und der Junge, der ja nur in Ella verliebt ist, scheint nicht zu begreifen, was da vor sich geht.

Als es aber in der Schule zu einer Anschuldigung kommt und die Sache im Plenum, was es auch in der freien Schule Hofmühlgasse gab, verteidigt er seine Lehrer. Ella verläßt die Schule und so endet der erste Teil.

Das heißt, eigentlich endet er mit dem Tod von Tilmans Vater, der die Schule dann mit Sechszehn verläßt, Abitur in einer öffentlichen Schule macht und später, der zweite Teil spielt siebenundzwanzig Jahre später, ein berühmter Schriftsteller geworden ist, der sich aber und das ist wahrscheinlich das Interessante an dem Roman, denn Internatsromane gibt es ja schon einige und in diesen wurde auch sehr viel hineingepackt, zu jungen Mädchen oder Kindfrauen hingezogen fühlt.

Das erklärt Anselm Neft auch wissenschaftlich, beziehungsweise führt er Beispiele von berühmten Personen an, die sich auch zu Kindern hingezogen fühlten.

Jetzt kommt er wieder in Kontakt mit Ella, denn die will die Wielands  anzeigen und die Mißbrauchsgeschichte aufrollen. Anselm wehrt ab, geht aber zum Begräbnis einer ehemaligen Schülerin, die sich umgebracht hat. Da treffen sich dann die ehemaligen Schüler  und Tilman schwingt hin und weg, als er erfährt, daß Ella eine dreizehnhährige tochter hat, in die er sich sogleich verliebt.

Als ich so ungefähr beim ersten Teil war, habe ich einen Radiobericht über den Roman gehört, wo einer sagte, daß das das beste Buch dieser Saison sei.

Da habe ich noch den Kopf geschüttelt und gedacht, o nein, denn da wird alles, was es nur geht, die verstorbene Mutter war auch noch eine Nixe und das Wasser spielt auch eine symbolische Rolle, in das Buch hiningepackt.

Das trotz der Neunzigerjahre in denen es spielt, seltsam altmodisch klingt. Im zweiten Teil ändert sich das dann. Tilmans Begeheren zu der jungen Lucia  klang dann sehr spannend und nicht so sehr abgelutscht. Darüber läßt sich auch viel nachdenken und diskutieren, obwohl das Buch gegen Ende  wieder abflacht, denn Tilmann, der Lucia seine Liebe gesteht, sie  auch in ein Hotelhzimmer führt, geht nicht zum Äußersten, sondern verläßt Mutter und Tochter, mit der ersteren hat er auch eine Liebesbeziehung, wie der Humbert Humbert, um ins Ausland zu gehen.

Er bekommt dann noch als Rache des Schicksals oder als Selbstbestrafung, eine Autoimmunerkrankung nämlich MS und das Buch endet vielleicht wieder etwas maralinsauer.

Trotzdem ist es aber, das kann ich nicht leugnen sehr interessant und es ist auch eine spannende Verbindung vom Mißbrauch zu der Pädophilie zu kommen, obwohl das in der Praxis natürlich nicht eins zu eins gleichzusetzen ist und die Literatur natürlich davon lebt, zu überhöhen und zu übertreiben, ist es  ein spannendes Buch, das ich gelesen habe, obwohl ich gar nicht so genau weiß, was jetzt mit der „Besseren Geschichte“ gemeint ist und, wie sie zu verstehen ist.

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2017-02-18

Eine kurze Chronik des allmählichen Verschwindens

Jetzt kommt wieder eine Neuerscheinung auf die mich „Wagenbach“ aufmerksam machte, das jetzt im sogenannten „Eidechsenmonat“ steht und mir kurz darauf das Debut der 1988 geborenen Juliana Kalnay, die in Hamburg  geboren wurde, in Hildesheim studierte und auch in Malaga lebte, schickte und das seltsamerweise eine Fortführung des Oldies „Das Hochhaus“ sein könnte, das ich vor kurzem gelesen habe oder auch nicht.

Ingeborg Drewitz hat in ihrem in den Siebzigerjahren geschriebenen, sozialkritischen Roman, auf die Isolation und Einsamkeit in Hochhäuser hinweisen wollen, Juliana Kalnay tut das, glaube ich, auch, allerdings auf eine surrealistische Art. Irgendwo steht, glaube ich, etwas von magischen Realismus oder man könnte daran denken und ich bin jetzt gespannt, ob ich das Buch vielleicht auf der Nominiertenliste des nächsten dBp oder Debutpreises finde.

Originell finde ich es allemal, vielleicht ähnlich, wie das Buch der Nele Pollatschek vom Vorjahr, das allerdings auf den letzten Seiten durch seine gehäuften Todesfälle, die dann plötzlich auftraten, entglitt.

Hier bleibt, glaube ich, der neue originelle, frische Ton, obwohl, das schreibe ich jetzt auch gleich dazu, das Buch wahrscheinlich nicht leicht zu lesen ist und es ist auch optisch kreativ gestaltet, besteht es doch aus Dialogen, fast leeren Seiten oder solchen, wo im unteren Drittel ein paar Zeilen stehen.

Es gibt immer wieder Überschriften wie „Die Kinder im Haus“, „3. Stock, links: Blütezeit“, beispielsweise und dann gibt es eine Ich-Erzählerin, die ebenfalls durch die Wände sehen kann und alles, was im „Haus Nummer 29“, passiert, dokumentiert, aufzählt und beschreibt und in dem Haus Nummer 29 passieren viele sehr Ungewöhnlichkeiten.

Da gibt es zum Beispiel Rita, die älteste, die immer schon in diesem Haus lebte, alles weiß, weil sie am Balkon mit einem Spiegel sitzt, dabei strickt und trotzdem alles sehen kann.

Es gibt Maia, die sich immer in Löchern versteckt und  eines Tags verschwindet. Es gibt das Ehepaar Lina und Don und Don verwandelt sich eines Tages in einen Baum, der fortan auf Linas Balkon steht, sie streichelt ihn, schmiegt sich an ihn und kocht Marmelade aus den seinen Früchten. Es gibt auch Besucher, die in das Haus, in diese Wohnung pilgern, um sich den Baum anzusehen.

Es gibt Kinder, die barfuß durch das Haus schleichen, mit dem Feuer spielen, beziehungsweise Schnecken und auch anderes, in Grillpfannen verbrennen und stolz auf die Blasen an ihren Fingern sind.

Es gibt einen Mann, der im Lift wohnt und oben im vierten Stock seine Spiegeleier brät, zum Baden geht er zu einem Hausbewohner. Einmal versucht er es in einer anderen Wohnung und sieht dort im Bidet ein seltsamens Lebewesen.

Es gibt eine Schwester, die ihren Bruder im Kasten versteckt und mit Keksen, die in Manteltaschen stecken ernährt. Es gibt eine geheimnisvolle Wohnung, dessen Bewohner immer verschwinden und Kinder, die im Bett liegen und durch Löcher in der Wand das Geschehen beobachten und eines Tages, als sie ausziehen sollen, aus dem Fenster stürzen.

Es gibt Ronda, die mit einem Aqarium im Bett schläft und morgens mit toten Fischen auf ihrem Körper aufwacht, die sie dann in Blumentöpfen vergräbt, in denen sie Katzenminze anpflanzt.

Es gibt und und und.., eine ganze Reihenfolge sonderbarer Vorfälle, die nicht sein können und die es auch nicht geben kann, werden in einer poetisch schönen Sprache erzählt. Zusammenhänge und Handlung gibt es, glaube ich, keine, also sehr schwer nachzuerzählen oder zu spoilern.

Es gibt aber schon Dinge, die man erzählen kann. So stirbt Rita beispielsweise und kurz danach bricht in dem Haus, in dem schon vorher immer wieder Bewohner verschwunden sind, deshalb auch der Titel, ein Feuer aus und die Ich- Erzählerin erinnert sich viel später, als sie schon längst woanders wohn an diese Ereignisse, beziehungsweise schaut sie sich Fotos zur Erinnerung an.

Ein interessantes Debut einer jungen Autorin, von der ich schon sehr gespannt bin, was ich von ihr noch hören werde, vielleicht wird sie zum Bachmannlesen eingeladen, gewinnt den „Aspektepreis“, etcetera und weil ich immer gerne auf vergleichbares verweise, mit dem ähnlich lautetend Buch von Richard Schuberth ist das Buch nicht zu vergleichen, eher schon mit Simone Hirths Debut obwohl die „“Kurze Chronik des allmählichen Verschwindens“, poetischer ist und gut, als Metapher für die Einsamkeit in den Hochhaussilos, wo man seine Nachbarn nicht kennt und nicht weiß, was in den Neben- Unter- oder Oberwohnungen passiert, zu gebrauchen.

Und da, denke ich, vergraben sich die Leute nicht in Löchern, braten wahrscheinlich auch keine Schnecken, verwandeln sich nicht in Bäume oder schauen durch geheimnisvolle Löcher, mißbrauchen vielleicht aber ihre Kinder, schlagen ihre Frauen, ritzen oder schneiden sich und hängen sich auf und wir haben keine Ahnung, bekommen es nicht mit und wollen es vielleicht auch gar nicht wissen.

2017-02-17

Mein schlimmster schönster Sommer

Im „Aufbau-Verlag“ ist gerade als Spitzentitel ein Roman der 1970 geborenen Unternehmensberaterin Stefanie Gregg erschienen, die jetzt nur noch fürs Schreiben in der Nähe von Münschen lebt und die Inhaltsangabe war eine, die mich sofort faszinierte.

Geht es da ja auch um eine Unternehmensberaterin namens Isabell, die vom Krankenhaus mit einer Krebsdiagnose, eine Männerfaust im Bauch, kommt, sich einen gelben Campingbus kauft und damit für vierzehn Tage  in die Provence fahren wird.

Das erscheint mir doch bekannt, habe ich doch in „Und Trotzdem“ etwas ähnliches mit dem Rad ans schwarze Meer beschrieben und in „Im Namen des Vaters“ geht es um die Behandlungsverweigerin und Campingbusse mit denen pensionierte oder auch betrogene Frauen um die Welt oder nach Kroatien fahren, gibt es bei mir auch.

Meine Romane interessieren aber niemanden, sind angeblich schlecht geschrieben, also der Meisterin mit der Startauflage von zwanzigtausend Exemplaren über die Schulter gucken und das Themas ist ja auch sehr interessant, werden Krebsdiagnosen ja täglich gestellt und was macht man dann, Chemo, Strahlentherapie, Operationen oder fährt man ihm davon und verschwindet der dann auch wirklich, wenn man das tut?

Das Buch ist rassant und flott geschrieben, verblüfft aber immer wieder durch Zickzackwendungen, die vielleicht auch die Ratlosigkeit in einer solchen Extremsituation ausdrücken.

Zuerst spielt Isabell, die jetzt vierzehn Tage Urlaub hat, wie ihr der freundliche Arzt emfiehlt, bevor es unter das Messer geht, mit  der Kirsche, dem Tennisball, dem Taubenei in ihrem Körper, dann fährt sie im Taxi davon und sieht auf einmal einen gelben Campingbus auf der Straße stehen, zu verkaufen steht darauf, sie steigt aus, ruft an, ein Typ mit Rasterlocken meldet sich und will 2800 Euro haben, sie gibt ihm zweitausend für vierzehn Tage und will gleich einsteigen.

Er muß aber zuerst nach Freilassing, die Urne seiner Mutter abholen, also fährt er bis dahin mit. Isaell hinterläßt ihrem Freund Georg ebenfalls ein Unternehmenberater, das sind die die Leute entlassen und dabei viel Geld verdienen, so daß sie immer in schwarzen Kostümen oder Hosenanzügen herumlaufen, eine Nachricht auf dem Handy und dieses auf den Tisch und sie fahren los.

Daß sie in die Provence will, weil sie dort einmal eine Seiltänzerin gesehen hat, fällt ihr noch ein und daß „Der Himmel über Berlin“ ihr Lieblingsfilm ist, also das was man vielleicht klischeehaft nach einer solchen Diagnose macht.

Es kommt aber anders, denn Rasso, das ist der Rastertyp will zuerst die zweitausend Mark bei einer Bank einlegen, richtig einen Hund namens Streuner haben sie inzwischen auch gefunden und aus der Bank kommt plötzlich ein Bankräuber gesprungen und flieht über die Dächer davon.

Die pflichtbewußte Isabell will eine Zeugenaussage machen, aber Rasso, der verhinderte Musiker, hat zufällig fünf Kilo Haschisch im Auto liegen und rast damit und mit ihr davon.

Sie besteht darauf das Zeug im Wald zu verbrennen und als sie danach zum Auto zurückkommen, liegt plötzlich die Tasche mit den erbeuteten Geldscheinen darin und ein seltsamer Guru taucht auch noch auf und nimmt im Bus Platz, weil er die beiden für seine Götter hält.

In diesem Moment habe ich gewußt, was in dem Buch anders, als bei meinen depressiven Frauen, wo angeblich nichts passiert, ist und, daß Stefanie Gregg ihr spannendes Handwerk erlernte oder kann, war einen Moment versucht es wegzulegen oder habe jedenfalls „Uje!“, gedacht.

Es geht aber rassant und genauso unlogisch weiter und das kann ich gleich verraten, in die Provence zu den Lavendelfeldern kommt Isabell nie und es kommen auch immer wieder Zwischenkapitel vor, die von dem eigentlich sympathischen Georg, den Isabell sofort vergessen hat, erzählen, wie er dasteht mit dem Handy und der Angst, daß er nichts von seiner Freundin weiß, denn es ruft noch der diensttuende Arzt an und erzählt und das ist vielleicht die Wendung und das Unerwartete daran, denn meine Helga Schwarz wird ja vielleicht am schwarzen Meer gesund, die Veronika stirbt und Isabell hat nicht nur eine Männerfaust im Bauch sondern auch einen Tumor im Kopf und sollte sofort operiert werden.

Und während Isabell ihren schlimmsten schönsten Sommer erlebt, sich dabei in ihren Traummann verliebt, es ist nicht Rasso, der Hippie, plagen sie immer wieder Schmerzen und die Polizei ist ihnen, beziehungsweise dem verschwundenen Geld, auch auf der Spur.

Im Epilog ist es dann noch einmal unlogisch, denn jetzt ist es ein Jahr später und Rasso, der inzwischen zu seiner Caro zurückgefunden hat und im Begriff ist, als Musier Karriere zu machen, wird zu einem Notar nach München bestellt, um dort noch einmal sehr viel Geld zu bekommen.

Wie die Geschichte mit dem Bankraub ausgegangen ist und woher Isabell auf einmal soviel Geld zum Vererben hatte und was sie nach ihrer Verhaftung machte, erfährt man aber nicht.

Trotzdem spannend und rasant zu lesen, obwohl ich anmerken möchte, daß wenn man seinem Krebs davonfährt mit Sicherheit nicht soviel auf einmal passiert und, daß die Taschen mit den Millionen auch nicht so herumfliegen und sich der Bankräuber in echt wahrscheinlich auch, um sein Geld gekümmert und die beiden verfolgt hätte, aber der kommt ja dann nie wieder vor.

Interessant vielleicht auch zu überlegen, wie das Buch auf Menschen, die wirklich von dieserDiagnose betroffen sind und es zwischen ihrer Chemotherapie, Operationen und Strahlenbehandlungen lesen, wirkt.

Vielleicht kann da die Absurdität und die rasante Handlung helfen mit dem eigenen  Alltag und dessen Schwierigkeiten besser fertig zu werden und ich nehme mir für mein Schreiben mit, zwar bei der Realistik zu bleiben, aber meine Szenen vielleicht auch etwas bunter auszuarbeiten, zuviel Slapstick wird es bei höchstwahrscheinlich aber trotzdem nicht geben.

Und zwei Hinweise auf andere Bücher mit Krebsgeschichten gibt es hier.

2016-03-17

Wir kommen

„Marja ist nicht tot. Wenn Marja gestorben wäre, hätte sie mir doch davor Bescheid gesagt. Solche Dinge haben wir immer abgesprochen.“

So beginnt der Debutroman einer Vierundzwanzigjährigen, von der Joachim Lottmann am Buchrücken schreibt „Endlich eine neue Stimme in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“.

„Amazon“ sieht das vielleicht ein bißchen anders,  denn da gibts sowohl fünf, als auch ein Stern-Rezensionen, die mit den fünf sind zwar in der Mehrzahl, aber „Heiliger Moses, wie  belanglos ist dieser Text!“ oder „wie öde und schlecht Trash Literatur sein kann, beweist Ronja von Rönne mit diesen Buch unerbittlich“, schreiben die Ein Stern Befürworter und ich habe mich, ich gestehe es, auf dieses Buch sehr gefreut, denn ich habe ja etwas über für Debutromane von sehr jungen Frauen, die bald schon meine Enkeltöchter sein könnten und verfolge, den Werdegang, der jungen Berlinerin, seit sie im vorigen Jahr für das Bachmannlesen eingeladen wurde.

Da habe ich dann auf ihren Blog zuerst etwas, wie man am Schnellsten sein Haustier umbringt, gelesen und dann, daß sie den Feminismus hasse und er sie anekeln würde.

Das Erstere hat außer mir, glaube ich, niemanden aufgeregt, das Zweitere hat  einen Shitstorm angeregt und beim Bachmannlesen ist sie nicht gut weggekommen. Popliteratur wurde er genannt und das man, was da so  von der jungen Frau mit dem braven blauen Kleid mit weißen Kragen vor sich hingeschnoddrert wurde, längst schon gehört hat.

Mir hat der Text aber gefallen und nachdem ich dann noch irgenwie in die „Aufbau-Bloggerkartei“ geraten bin, habe ich das Buch, jetzt lesen können, auf das sich Tobias Nazemi glaube ich auch schon sehr freute, hat er doch zwei Monate vor Erscheinen auf ihren Blogtext, „So ist Schreiben“ hingewiesen und ihr auch den dritten seiner „Leserbriefe“ gewidmet.

Jetzt bin ich gespannt, wie es ihm, ich glaube, einem Fünzigjährigen, der sich in dem Brief  als „Altherren-Groupie“ bezeichnete, gefallen hat und ich bin, glaube ich, zweigeteilt. Das heißt, auf der ersten Hälfte sehr begeistert, später ist dann das Streichholz, das auf dem gelb blauen Cover zu sehen ist, irgendwie erloschen und irgendwo bei den Rezensionen habe ich auch gelesen, daß die Geschichte keinen Plot hat.

Da war ich noch auf der ersten Hälfte und hätte dem nicht zugestimmt, obwohl ich mir auch da, ähnlich wie Tobias Nazemi, bei Valerie Fritsch, schon sehr viele, wenn auch nicht unbedingt schöne, aber doch in ihrer lapidaren Grausamkeit und Härte höchst beeindruckende Sätze angestrichen habe.

Der oben zitierte Buchanfang gehört dazu und dann hat die Verhaltenstherapeutin, die sich wahrscheinlich schon seit Ronja von Rönne auf der Welt ist mit Panikatacken beschäftigt, kurz geglaubt, die jetzt wirklich begriffen zu haben. „Und plötzlich wurde ich nachts von einer Panik geweckt, die nichts mit der Anbgst zu tun hat, die man von Klausuren kennt, einer Panik, die mir jedesmal das Gefühl gibt, gleich zu ersticken, nur dass das Ersticken nie eintritt, die Angst davor aber stundenlang anhält, bis man schließlich mit einer Plastiktüte nachhelfen will.“

Das ist es, was mich wahrscheinlich auch begeistert, dieser, wie Lottmann es nennt „schnoddriger Ton“, wo ich mir aber nur nicht sicher war, ob der jetzt authentisch mit der Autorin ist, denn das würde ich ihr nicht wünschen, das sie das Leben so erlebt, wie sie es beschreibt. Wenn er aber, was ihr zu wünschen wäre,  erfunden wäre, wären die Leser verarscht worden und das ist es wahrscheinlich auch, was gegen sie polemisiert und die junge Frau kämpft trotzig schnoddrig gegen die Geister an, die sie selbst herbeigerufen hat, damit sie mit dreiundzwanzig in Klagenfurt lesen kann und mit vierundzwanzig bei „Aufbau“ erscheint…

Aber das muß man auch erst können und Ronja von Rönne kann es so zu schreiben, daß einem die Luft wegbleibt, ob der Grausamkeit dieses Lebens, auch wenn ich sie bei einigen Plattheiten erwischte, die ihr bestimmt nicht selber eingefallen sind, wie das  Kind, das nie redet und dann plötzlich fragt, wieso kein Zucker im Kakao wäre und der erstaunten Menge, wieso es das jetzt plötzlich täte, antwortet, das der bisher immer vorhanden war!

Das ist ein Witz, den ich in der Stottererberatung manchmal erzähle. Ronja von Rönne legt ihn in anderen Worten der kleinen Emma-Lou in den Mund, aber schön der Reihe nach, um auch hier zu spoilern.

Da ist Nora, vielleicht so alt, wie die Autorin, ich würde sie mir älter vorstellen, sie ist Regisseurin in irgendeiner Fersehedokushow, wo sie mit dicken Frauen oder so, einkaufen gehen soll, aber jetzt sucht sie Maja, ihre Freundin aus den Kindertagen, an deren Tod sie nicht glauben kann. Vielleicht bekommt sie deshalb, die Panikattacken und geht aus diesen Grund zum Therapeuten. Der fährt aber bald auf Urlaub und drückt ihr daher ein blau gelbes Heft mit einem brennenden Streichholz, genau wie das Cover des Buches, auf diese Idee muß man erst kommen, in die Hand und sagt, sie soll alles aufschreiben (damit er sich die weitere Therapie erspart).

Sie tut das auch und so können wir jetzt „Wir kommen“ lesen und uns darüber streiten, ob es  einen oder fünf Sterne verdient, beziehungsweise vielleicht gar mittelmäßig ist?

Nora lebt jedenfalls in einer Vierergemeinschaft oder sie hat mit Karl gelebt, dann ist aber Leonie mit ihrer schweigsamen Tochter Emma-Lou dahergekommen,  Karl ist mir ihr im Schlafzimmer verschwunden und hat Nora vielleicht vorher noch zugerufen, daß sie das locker sehen soll. Auch da habe ich wahrscheinlich einen bedeutungsschweren Satz notiert und an den Partnertausch der wilden Siebzigerjahre, als Ronja von Rönne noch nicht auf der Welt war und an die Mühl-Kommune gedacht.

Es taucht aber auch ein Jonas auf und mit dem freundet Nora sich dann an, obwohl der gar nicht so viel von ihr zu halten scheint und sich seltsamerweise mehr, um die schweigsame Fünfjährige kümmert.

Leonie ist Ernährungsberaterin, die ihren Kopf schon mal an Wände schlägt, Jonas Graphiker, Karl Sachbuchautor, der eine Sekte gründen will. Er hat aber auch ein Haus am Meer und dorthin fahren nun die vier. Karl schlägt vor, daß alle ihre Handys und Laptops in eine Mülltüte schmeißen sollen, behält aber den seinen, Jonas dreht deshalb durch und verläßt  mit Enmma-Lou die Villa und Nora tut das auch mit Karls Auto und fährt in das Dorf, in dem sie mit Maja aufgewachsen ist und erinnert sich an ihre Kindertage, wo sich die beiden Mädchen vor Kaufhhofparkplätzen herumtrieben, beziehungsweise auf den Autodächern der einkaufenden Frauen herumsprangen und wenn die sich beschwerten und die Polizei holten, fing Maja zu kreischen an und wimmerte „Die Frau da, die Frau da, hat uns bedroht, wir haben uns nicht hinuntergetraut. Sie hat gesagt, sie will uns streicheln, und wir sollen mit ihr mitfahren und ob wir  Kaubonbons wollen!“

Maja, die Tochter einer Alkoholikerin, während Nora eher aus einer „stinknormalen“ Familie zu stammen scheint, tut das auch bei Männern so, wenn, die sich weigern, ihr das was sie begehrt, zu kaufen und Ronja von Rönne hat uns wieder einmal  demonstriert, wie mächtig Kinder sind und wie sehr die kleinen Lolitas, die Erwachsenen quälen können, die aber natürlich höchstwahrscheinlich auch überfordert sind.

Es gibt auch eine Schildkröte, um die sich Nora kümmern soll und sie mit in das Strandhaus schleppt und tagelang nicht bemerkt, daß sie schon gestorben ist. Erst Jonas, der sich mit der kleinen Emma-Lou, die, wir wir allmählich begreifen, nicht von ihm mißbraucht wird, sondern seine Tochter ist, die falsche Idylle verlassen will, macht sie darauf aufmerksam und so fährt Nora noch einmal mit Karls Auto weg und setzt sich  mit einem Becher Kafee in eine Autobahngaststädte, um zu schreiben und zu schreiben und vielleicht doch zu kapieren, daß Maja sich nicht mehr melden wird und ihre Kindheit vorüber ist…

Richtig, Plot, das habe ich im zweiten Teil begriffen, gibt es wahrscheinlich keinen und auch nichts, was wir von der Jeunesse dore, des frühen einundzwanzigsten Jahrhunderts nicht schon gehört hätten, aber Ronja von Rönne, das hat sich bestätigt, kann schreiben.

Sie kann sich wahrscheinlich auch sehr inszenieren. Es bleibt nur zu hoffen, daß sie nicht wirklich, ein Streichholz ist, das an zwei Enden brennt und ich bin mir jetzt nicht sicher, ob das eine Metapher aus ihrem Buch oder aus dem von Emily Waltons über Scott Fitzgeralds Sommer 1926 an der Cote d` Azur ist, wo auch wilde Strandparties gefeiert wurden und die Überforderung, wenn auch anders, genauso stark war.

Zu hoffen, bleibt auch, daß die junge Frau damit im Herbst auf die LL kommt, denn dann hätte ich ein Buch weniger zu lesen…

2016-03-04

Nach dem Sturm

Filed under: Bücher — jancak @ 00:52
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Die 1963 in der SU geborene Nellja Veremej, die seit 1994 in Berlin lebt und 2013 mit ihren Debutroman „Berlin liegt im Osten“ auf der LL gestanden ist, der vom heutigen Alexanderplatz, alten Frauen und Altenhelferinnen erzählt ist mit ihrem zweitenbei „Jung und Jung“ erschienenen Roman „Nach dem Sturm“, sowohl in die Gegenwart, als auch in die Vergangenheit gegangen, erzählt von einem alternden Mann, ist man das mit sechzig heute wirklich schon, einer wahrscheinlich fiktiven Stadt am Mittelmeer und vorallem, genau wie Jan Böttcher in seiner Frühljahrsneuerscheinung von den entwurzelten Generationen aus aller Herren Länder, die sich dort niedergelassen haben und nach den Zeiten des erzwungenen Sozialismus  ihr schönes oder auch nicht so schönes neoliberales Leben leben.

Es ist ein stiller, leiser Roman, die Kathastrophen werden nur angedeutet, umschifft, beziehungsweise, wie auch der Klappentext lobt, in schöner Sprachen und eindrucksvollen Bildern erzählt.

Beginnen tut es tief in der Vergangenheit im siebzehnten Jahrhundert, wo der Hirtenjunge Damir in die Stadt Gradow kommt, wo sich die Flüchtlinge auf der Festung niederlassen dürfen und ihr neues Leben und ihren Aufschwung beginnen.

Richtig von den Flüchtlingen, die das letzte halbe Jahr die Festung Europa so zahlreich stürmen, wird auch erzählt , das tote Flüchtlingskind wird angeschwemmt, während der sechzigjänhre Ivo, der ein Restaurant neben dem Museum auf der Festung  hat, von seiner Frau längst entfremdet in der Bibliothek schläft, einen scheuen Blick auf die junge Praktikantin oder Mitarbeiterin Mira wirft, die dort in der Früh ihren Kaffee trinkt und alles umformen und reformieren will.

Ivo ist der Sohn, einer Mutter die Prag verlassen mußte, als dort die Nazis kamen, sie lernt Dragasch, einen Bauernsohn kennen, der es in Gradow bald zum Universitätsprofessor bringt und seinem Sohn nun eine riesige Bibliothek vermacht, die, weil ja sozialistisch und nicht mehr aktuell, niemand mehr haben will und Ivo hat sich auch längst seinen Kindern, Boris und Ana, die beide in Deutschland studierten, entfremdet.

Boris ist zurückgekommen, um Geschäftsmann zu werden, residiert nun in einen Glaspalast und läßt in seinen Waren Zettelschen mit angeblichen Hilferufen der ausgebeuteten Zwangsarbeiterinnen in der dritten Welt verstecken., Ana verweigert sich im Museum zu arbeiten und widmet sich stattdessen lieber Flüchtlingskindern und die Erben der Leute, die von den Kommunisten vertrieben wurden, melden sich auch bei Ivo und wollen ihre Wohnung zurück.

Dazwischen werden immer wieder Kaptiel beziehungsweise Geschichten aus der Vergangenheit eingeschoben, die Mira im Museum, zeigen will.

So wird die Türkenbelagerung lebendig und der Verrückte bekommt eine Stimme, der sich all dem widersetzen und eine seltsame Kirche errichten lassen will.

In der Stadt gibt eine eine Bruno Schulz Straße und ein geschlossenes Antiquariat in dem man die „Zimtläden“ bewundern kann. Überflüßig zu erwähnen, daß es in dem Gässchen mit den teueren Geschäften, wo Boris und seine Mutter Milly, eine verhinderte Opernsängerin einkaufen, nach Zimt riecht.

So geht es rund um und wir lernen auch hier ein anderes Europa kennen und die Menschen bekommen Gesichter, die uns vielleicht bisher nur aus der Zeitung oder als Gastarbeiter, beziehungsweise Emigranten bekannt waren.

Im Buch gibt einen Plan von der fiktiven Stadt und am Cover ist auch ihre Ansicht abgebildet, die das Buch seltsam altmodisch wirken läßt.

Wo sind die Zeiten der schönen alten „Residenz“ und frühen „Jung und Jung“ Covers mit ihrem einzigartigen Design könnte man fragen und wenn man mehr von Nellja Veremej und ihrer Frühjahrsneuerscheinung wissen will, am 27. 4. stellt sie ihn mit Angelika Reitzer in der „Alten Schmiede“ vor.In Rauris habe ich gerade ergooglet, wird sie auch daraus lesen.

2016-02-24

Israelische und palästinesische Spannungsfelder und Konflikte

Norbert Gstrein hat einen neuen Roman geschrieben „In der freien Welt“, der gerade erst erschienen ist und der heute Morgen im Morgenjournal vorgestellt und wahrscheinlich angekündigt wurde, daß daraus am Abend in der „Alten Schmiede“ gelesen wird. Das habe ich zwar ein wenig verschlafen, mir aber gedacht, daß ich früher hingehen soll, weil vielleicht viele Leute kommen werden. War aber nicht so, ein Platz in der ersten Reihe war jedenfalls noch frei und Kurt Neumann leitete, das neue Buch dann lange und umständlich ein.

Daß es um den israelisch palästinenischen Konflikt, beziehungsweise die Kriege dort, geht, habe ich schon im Morgenjournal mitbekommen und auch gewußt, daß der 1961 in Tirol geborene Norbert Gstrein, bekannt für seine provokanten Themen, beziehungsweise Spannungsfelder ist, so hat er auch über den Jugoslawienkrieg geschreiben und wurde, glaube ich „Beim Handwerk des Tötens“ angegriffen, daß man so nicht über den Krieg schreiben darf, hat über das Haus „Suhrkamp“ einen Schlüßelroman geschreiben, den ich mit Vergnügen gelesen habe, seine ersten beiden Bücher waren, glaube ich, experimentell und bei „Selbstportrait mit einer Toten“ geht es, glaube ich, um den Wiener Literaturbetrieb, mit „Eine Ahnung vom Anfang“ ist er auf LL von 2013 gestanden und den „Wildganspreis“ hat er auch bekommen.

Ich habe einiges von ihm gelesen, die „Englischen Jahre“, wo ich auch einmal bei einer Lesung im Literaturhaus war, stehen auf meiner Leseliste und jetzt also der israelisch-palästinensiche Konflikt.

So ganz habe ich bei der Einleitung von Kurt Neumann nicht ganz verstanden, worum es in dem Buch geht, er erzählte jedenfalls von einem amerikanischen Schriftsteller namens John, der Jack gerufen wird, der, Sohn einer jüdischen Mutter, um etwas Nützliches zu tun, nach Israel zuerst in den Kibuz und dann in die Army geht, danach in Amerika verkommt, trinkt, im Untergrund lebt und einen anderen österreichischen Schriftsteller namens Hugo kennenlernt.

Ein Festival in Gmunden gibt es auch und Hugo schreibt einen Schlüßelroman. Der eine hat dem anderen eine Freundin weggekommen, deshalb sind sie Freunde geworden, sagte Kurt Neumann. Da kannte ich mich schon nicht mehr recht aus, daß John bei einem Attentat ums Leben kam und Hugo über ihm schreiben wird, hat er auch erwähnt und noch hinzugefügt, daß er jetzt auf etwas vergessen hätte, da hat ihm das Publikum unterbrochen und gesagt, daß sie das selber lesen wollen.

Ja, ja, das Spoilern, was ich ja auch so gern betreibe, gilt als  inzwischen als Unart und „Amazon“ streicht, glaube ich, solche Kritiken hinaus, Kurt Neumann hat sich aber nicht unterbrechen lassen, weil Norbert Gstrein aus dem zweiten oder dritten Kapitel seines Buches lesen wollte, das aus drei Kapiteln und einen Epilog besteht und dann würde man es nicht mehr verstehen.

Norbert Gstrein hat dann auch ziemlich hinten mit einer Stelle, wo John, dem Hugo sagt, daß er alles über ihm, aber ein gutes Buch schreiben soll, denn was hat er davon, wenn er ein Held ist und das Buch ist schlecht und sich dann etwas nach vorn und wieder zurück gelesen.

Eine Stelle, wo Hugo in Amerika in eine Buchhandlung kommt und einen Nachruf auf den toten Freund halten soll und da von einem nackten drogensüchtigen Mädchen erzählt, das er gerettet hat und das  später die jüngste Physik Profesorin von Tel Aviv wird und dann noch eine Stelle, wo Hugo nach Israel fliegt und im Flugzeug von einer pensionierten Lehrerin angesprochen wird, die ihm erzählt, daß sie leider keine Jüdin wäre, aber gern und oft nach Isreal fliegt, worauf er ihr erzählt, daß er ein Eisverkäufer wäre, der den Israelis besondere Sorten andrehen will.

Nachher hätte es laut Programm eine Gespräch zwischen Norbert Gstrein und Kurt Neumann geben sollen, der war aber vielleicht  beleidigt, jedenfalls hat er das Wort an das Publikum weiter gegeben und seltsamerweise haben sich mehrere Damen, darunter Evely Holloway gemeldet den Autor angegrifen, warum die Frauen bei ihm so schlecht wegkämen und warum er meint, daß die jungen Leute glauben, alle Juden umarmen zu müßen, um die Schuld ihrer Väter und Großväter gutzumachen, worüber sich Gstrein, glaube ich, lustig machte.

Auch, daß sich John für seine Schwäche schämt und stark sein will, um sich zu wehren, wurde kritisiert, was mir aber ebenso logisch, wie Norbert Gestrein erscheint, der mit den Angriffen erstaunlich locker umzugehen wußte, da habe ich bei Daniel Kehlmann ja schon einmal etwas anderes erlebt und auf die Frage, wieviel er für das Buch recherchierte, erzählte, daß er einen Schriftsteller und einen Journalisten als Berater gehabt hätte, die in dem Buch auch vorkämen und, daß er nicht unbedingt von dem israel palästinensichen Konflikt schreiben hätte wolle, sondern daß sich das im Lauf des Schreibens so ergeben hätte.

Er las dann noch ein Stück, nämlich von einer Literaturveranstalterin in Bad Ischl, die unbedingt Philip Roth zu ihren Lesungen einladen will, der aber ablehnte, weil er nicht in Deutschland oder Österreich lesen beziehungsweise von ihr umarmt werden will.

Ein spannender Roman und eine  interessante Lesung, denke ich, die ich bezüglich Norbert Gstrein bisher vielleicht ein wenig skeptisch war, spannend auch, ob ich das Buch einmal finden werde und ob es auf die neue LL kommt, aber ich habe ja noch die „Englischen Jahre“ und auch einiges andere zu lesen.

Das Buch passt auch sehr gut zu der gestrigen Veranstaltung, denn ich interessiere mich ja sehr für den Holocaust und die Zeitgeschichte, obwohl ich keine Schuldgefühle habe und eigentlich nicht so viel umarmen will.

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