Literaturgefluester

2020-04-07

Belmonte

Filed under: Bücher — jancak @ 00:37
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In Zeiten, wo wir gebannt nach Italien schauen und Kanzler Kurz immer sagen hören, daß er nicht solche Zustände haben will, wo die Ärzte wählen müssen, wen sie behandeln wollen und sich die Verwandten nicht von ihren Toten verabschieden können, ein deutsch-italinischer Familienroman „Belmone“, der von einer deutschen Bestsellerautorin geschrieben worden, die denNamen Antonia Riepp, als Pseudonym wählte und von „Piper“ wohl als Frühlingsereignis präsentiert worden wäre, wäre nicht Corona dazwischengekommen.

Als ich von unseren Winterurlaub mit der Ruth zurückgekommen bin, habe ich das Buch im Postfach liegen gehabt, ein unverlangt zugeschicktes Exemplar, und auch nicht unbedingt mein Lesegeschmack, obwohl ich mich ja, wie ich immer schreibe, nicht nur quer durch den literarischen Gemüsegarten lese, sondern ganz gern auch Krimis und CickLits lese und, wie ich, als meinen „unwürdigen Literaurgeschmack“, zugeben muß, sehr gern und viel Courths-Mahler gelesen habe.

Jetzt ist es aber moderner, spielt es doch in der Gegenwart oder doch nicht so ganz, es beginnt im Jahr 1944, als die beiden Freundinnen Marta und Teresa, die in dem fiktiven Örtchen Belmonte in der Provinz Marken wohnen, ihren Partisanenfreunden Essen bringen, Teresa ist in einen Cesare verliebt, Teresa in einen Salvadore und am Rückweg von deutschen Soldaten vergewaltigt werden.

Für Marta geht das „gut“ aus, sie kann ihren Salvatore heiraten, hegt aber für den Rest ihres Lebens einen Haß gegen die Deutschen und ihr Geheimnis gibt sie auch nicht kund. Teresa wird dagegen schwanger, will das Kind abtreiben, es gelingt ihr nicht und ihr Vater schlägt sie zuerst halb tot,  später verheiratet er sie gegen einen Weinberg, an den kriegsversehrten einarmigen Ettore und als die kleine Franca geboren wird, wird ihr  im Dorf „Bastard“ nachgerufen.

Die stirbt nun im Allgäu, in dem Städtchen Kempten und hinterläßt ihrer Enkeltochter Simona ein Haus in Belmonte. Die ist Landschaftsgärtnerin und hat gar nicht gewußt, daß die Nonna, bei der sie eigentlich aufgewachsen ist, dort ein Häuschen hatte. Daß sie die Enkelin einer italienischen Gastarbeiterin ist, wußte sie schon und Italienisch hat ihr die Nonna auch beigebracht.

Simona, die sich gerade in einer Krise befindet, beziehungsweise ihren Job verloren hat und mit ihrem Freund Sebastian auch nicht so glücklich ist, fährt hin und nach und nach bekommt die Viergenerationen Familiengeschichte heraus und die ist recht kompliziert, denn es war immer eine in den falschen verliebt und  konnte nicht so glücklich werden.

Teresa ist jedenfalls, als Franca sechs war, verschwunden und man wußte nicht so recht, wurde sie von ihrem Ehemann erschlagen oder ist sie mit ihrem Liebhaber durchgebrannt. Franca wurde von Marta und Salvatore aufgezogen und hatte auch ein recht eigenartiges Verhältnis zu deren Sohn Federico. Als sie neunzehn war, ging sie mit Salvatore nach Deutschland, wurde Näherin, später Änderungsschneiderin und heiratete einen Tobias Mälzer und zu ihrer Tochter Marina, die recht schwierig war, hatte sie immer ein sehr distanziertes Verhältnis. Die brach mit Achtzehn mit ihren Hippiefreunden auf Europareise auf und versetzte mit ihren Kumpanen ganz Belmonte in Aufregung. Sie kam auch schwanger zurück und die Großmutter zog dann die kleine Simona auf, die lange nicht wußte, wer ihr Vater war?

Jetzt in Belmonte soll sie es nach und nach erfahren und wird vielleicht auch in eine Liebschaft verwickelt, beziehungsweise muß sie sich entscheiden, ob sie in Belmonte bleiben, dort einen Gemüseladen aufziehen oder zurück nach Deutschland zu ihren Sebastian will?

Sie entscheidet sich für Letztes, werde ich gleich spoilern, sonst aber nicht mehr sehr viel erzählen über diesen Unterhaltungsroman, der die Unterdrückung der italienischen Frauen zeigt und der durch die Corona- Krise wohl nicht so unbefangen gelesen werden wird, wie er wohl gedacht war.

Ja richtig, eines habe ich noch vergessen, ein Erdbeben hat es 1997 in Markenauch gegeben, das wahrscheinlich das Dörfchen Castiglioni di Arcevica, das wie Antonia Riepp uind in ihren Nachwort und Danksagung verrät, das Vorbild für Belmonte war, in Mitleidenschaft zog.

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