Literaturgefluester

2022-06-06

Im Auge der Pflanzen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:59
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Das zweite Buch aus dem Überraschungspäckchen des Gastlandes Portugal auf der nicht stattgefundenen letzten Leipziger-Buchmesse, stammt von der 1982 in Luanda geborenen Djaimilia Pereira de Almeida, die schon mehrere Literaturpreise gewonnen hat und es führt uns in einen verwunschen Garten, zu einem alten Piraten mit einer Augenklappe, der in seinem Leben schon viele Grausamkeiten begangen hat, ein kleines holländisches Mädchen ,das ihn vorher pflegte mit verbundenen Augen an einen Baum gebundenen zurückgelassen und viele Schwarze, Nege steht auch zweimal in dem von Barbara Mesquita übersetzen Buch ermordet hat. Jetzt ist er alt, hat einen Bart und pflegt, manchmal vom Pfarrer besucht, der ihm zum Beichten überreden will, den Garten. Die Kinder weichen ihn zuerst aus, nennen ihn einen Teufel und fürchten sich vor der Vogelscheuche, die er ihnen im Garten aufgestellt hat. Später besuchen sie ihn, um die Fledermäuse zu sehen und der alte Celestino wird auch vom Schatten der Vergangenheit besucht, eine alte Schwarze mit einem bunten Glockenrock taucht auf und das kleine holländische Mädchen mit den roten Zöpfen oder ist es der Tod ,der viel Zeit für ihn hat und ihn langsam zum Sterben bringen will?

In einer sehr schnöen metaphernreichen poetischen Sprache wird das in hundertfünfundzwanzig Seiten erzählt. Roman steht auf dem im „Unionsverlag“ erschienenen Büchlein, das auch Pflanzen im Cover hat, ich würde es wieder Novelle nennen. Gibt es ja Seiten, die aus kurzen Abschnitten bestehen und ich habe mir, ähnlich wie bei Valerie Fritsch wieder viel angestrichen und hätte noch viel mehr der schönen Sätze gefunden, die wahrscheinlich auch von der Übersetzerin stammen.

„Gesegnete Nacht. Er erwachte zu Hause, wiederhergestellt, nach einem erfüllten Leben. – Im Halbdunkel gemahnte die Gestalt der Möbel an Gespenster.“ Seite 11

„Die Toten des Hauses gaben ihm die Erlaubnis, wach zu werden.“ Seite 13

„Vielleicht möchte er beichten. Meine Tante Aurora hat mir erzählt, dass er behauptet, er habe sechs Kindern die Zunge herausgeschnitten. Wie es scheint, trinkt er Blut und hat sie Seele dem Teufel verkauft. Die Mutter war auch kein guter Mensch, flüsterte der Küster“, Seite 28

„Der Wahnsinn ist das gnadenreichste aller Heilmittel.“ Seite 30

„Ich überlegte ihn zu töten, aber ich war zu erschöpft vom Warten.“ Seite 33

„Diese Nacht Blut und Licht. Kleine Mäuse in der Jackentasche. Eine Amsel ist unter die Tanne gefallen.“ Seite 41

„Im Weinstock habe ich ein Problem entdeckt. Tee mit Padre Alfredo. Widerwärtiges Organ.“ Seite 42

„Wissen Sie, Herr Pfarrer, Gott ist wie ein Aprikosenkern, wie Zyanid, Schimmel, giftiges Sekret. Haben Sie je eine Bittermandel gekostet?“ Seite 54

„Wäre ich Bäcker, ich vergiftete einen ganzen Ofen voller Brot. Aber was soll ich diesen Seelen sagen. Sie kommen nach Hause und sind weniger als Wasser. Blut und Lcht. Grosse Hitze.“ Seite 71

„Gegen acht Uhr abends erklärten die Fledermausmütter den Flugunterricht für beendet.“ Seite 74

„Wenn er das Leben damit begonnen hatte, Seemann zu spielen, kopfüber von der Pontonbrücke zu springen, so beendete er es damit, den Gärtner zu spielen.“ Seite 80

„Kommt her, Kinder, her zu mir, der ich Kehlen durchgeschnitten habe und den Schlaf der Gerechten schlafe. Wollt ihr wissen, wen ich alles getötet habe? Ich habe Affen und Pferde getötet. Schlangen, Wespen, einen Elefanten.“ Seite 93- 94

„Und so schloss der Kapitän Freundschaft mit dem Tod, ohne zu wissen, ohne zu ahnen, dass er ihn rief.“ Seite 106

„Mein kleiner Pirat, brachte er halb scherzhaft zwischen den Zähnen hervor. Die Worte hatten etwas Begehrliches. Unter seinen Händen gingen alle Pflanzen ein.“ Seite 125

Das war ein poetischer Rundgang durch das Buch, das mir sicherlich entgangen wäre, hätte mir Buchkontakt nicht das Überraschungspakt zugesandt, beziehungwweise mich zum Infogespräch eingeladen und natürlich kann man darüber philosophieren, wie gewaltsam unser Leben und die Menschen sind und eigentlich auch ein bisschen pervers, das in wunderschöne Sprache zu verpacken.

2022-06-05

„In Amerika“, sagte Jonathan

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Während Katja Gasser und Benedikt Föger sich auf den Gastland Österreich Auftritt in Leipzig nächstes Jahr konzentrieren und Frankfurt wahrscheinlich auf das Gastland Spanien, gehe ich noch einmal zum Gastland Portugal zurck, denn da bin ich zwar nicht in Leipzig gewesen und die Messe hat überhaupt nicht stattgefunden, ich habe aber zwei Pressekonferenzen beziehungsweise Infoveranstaltungen gezoomt und da war das erste das, wo den Buchhändlern, die neben den Bloggern eingeladen waren, ein Goodiepaket versprochen wurde. Ich bin aber keine Buchhändlerin, also wieder nichts, habe ich gedacht. Dann ist das Päckchen mit einer schönen schwarzen Leinentaschen, einen kleinen Block, ein paar Karten und Lesezeichen und zwei Büchern doch zu mir gekommen und das erste habe ich gelesen und muß sagen, es war sehr interessant, ästhesich schön gestaltet und auch sehr ungewöhnlich und so steht auch am Buchrücken „Tavares hat kein Recht, im Alter von 35 Jahren so gut zu schreiben. Man möchte ihn schlagen“, unterzeichnet von Nobelpreisträger Jose Saramago geschrieben, das wurde, glaube ich, auch bei der Bloggersession so erwähnt und inzwischen ist der 1970 in Luanda, Angola, alle portugiesischen Autoren, die ich jetzt lese, scheinen von dort zu kommen, auch ein bißchen älter geworden und es ist, das Buch ist bei „kupido travelouge“ erschienen, daher ein Reisebuch, aber ein sehr ungewöhnlich, denn da ist der Erzähler mit einem Jonathan und einem, wie es heißt „naiven Portrait Kafkas“ nach Amerika gereist und hat es dort an den verschiedenen Orten fotografiert.

Am Klappentext wird natürlich das „Amerika“ Buch Kafkas, das inzwischen, glaube ich „Der Verschollene“ heißt, erwähnt. Im Text, der aus vielen kleinen Sequenzen, alle mit Ort und Datumsangabe versehen, findet man nicht viel davon und die meisten der Sequenzen beginnen mit dem titelgebenden Satz „..sagte Jonathan“ und so geht es durch Kaliforinien, zum Grand Canyon, nach South Dakota bis nach Florida und wir finden immer wieder das Portrait. Mal wird es in einem Walmart ausgesetzt, mal auf einen Sessel, mal in einem Helm fotografiert, „Projekt Kafka“ genannt und interessant ist die Geschichte, wo Jonathan sich in L.A befindet und dort aufgefordert wird, sich seiner Prothesen zu entledigen. So schnallt er zuerst ein Bein ab, dann das andere, dann ein Ohr und die Nase und als er beim Herz angekommen ist, wird er nicht mehr in die Studios hineingelassen. Das erinnert an Kafka könnte man sagen.

Tagebucheintragungen gibt es immer wieder auch und dann die „Spielarten von Bosheiten – durch elektrischen Strom – mit Schlaginstrumenten (akustische Bosheit) – mit Nahrung – mit heißen Gegenständen – mit eiskalten Gegenständen“ und so weiter und so fort.

In „Idaho“ geht es ins Kino. „Stell dir Kafka im Kino vor, sagte Jonathan. Kafka mit der Karte in der Hand, wie er im Saal einen Platz sucht. Reihe D, Platz 17. Kafka bittet um Entschuldigung, weil Leute aufstehen müssen, die bereits in derselben Reihe Platz genommen haben. Rücksichtsvoller Kafka.“

Im „Yellowstone Nationalpark“, in dem ich auch schon mal war, sind wir ja 1989 mit der damals kleinen Anna auch fünf Wochen dort gewesen und sowohl in New York, als auch in L. A, San Francisco, beim Grand Canyon, etcetera gewesen, wird Jonathan, wie das auch bei uns so war, vor den Bären gewarnt und der Ranger macht dann auch, als Jjonathan keinen getroffen hat, „einen Scherz, den er mit allen Kindern macht.“

Und am „Flughafen von Rapid City“, von wo nach Florida geflogen wird“, sagt ein Kind, während es den eben gekauften, verpackten Kuchen herzeigt: Oma, Oma schau auf das Verfallsdatum. Das ist morgen. „Dann iss schnell“, antwortet die Großmutter. Das fand ich lustig. Es ist sechs Uhr abends, das Kind muss schnell essen. Nach Mitternacht ist die Zeit abgelaufen. Jonathan lacht. „iss schnell, iss schnell“, sagt er.“

Ein interessantes, ungewöhnlichrs Reisebuch, kein wirklicher Führer, eher ein Stück Kunst mit originellen Aufnahmen und ich kann mich erinnern, daß ich 1989, als ich dort war, auch Tagebuch geschrieben habe. So künstlerisch ist es natürlich nicht geworden, denn ich schreibe nicht so so gut, wie Goncalo M. Tavares, obwohl ich damals schon sechsunddreißig war .

„Eine Entdeckungsreise der Gegenwart, nach Amerika, in die USA. Mit im Gepäck, ein naiv gemaltes Portrait von Franz Kafka“, steht noch am Buchrücken. Ich kann noch anmerken, daß ich einmal Wolfgang Koeppens „Amerikafahrt“, der ungefähr die gleiche Route, wie wir damals unternommen hat, in einer Abverkaufskiste fand.

2022-03-20

Leipzig liest trotzdem

Das ist jetzt die vierte Leipziger Buchmesse , die nicht vor Ort sondern irgendwie digital stattfindet. 2019 hatte ich einen Gips und habe vom Schlafzimmer aus gestreamt, 2020 hatten wir schon Corona, obwohl ich da wie im Vorjahr schon akkreditiert war und mir einige Termine ausgemacht habe.

Im Vorjahr sollte die Messe im Mai stattfinden, weil es da wärmer war und mehr im Freien stattfinden hätte können, dann fand es aber doch nur digital statt und heuer haben uns die Hundertmarks gefragt, ob wir kommen?

„Mit Maske und Gs nicht, habe ich geantwortet und dann kam schon die Mitteilung, weil soviele Verlage absagten, keine Messe. Dann scheint es aber doch etwas zu geben und eine Portugal Veranstaltun habe ich mir auch schon vor ein paar Wochen angehört.

Da ist das versprochene Überraschungspaket nicht gekommen, aber ich bin ja nur Bloggerin und keine Buchhändlerin und Literaturtest hat mich noch einmal zu einem Portugal Nachmittag eingeladen, wo die Autoren Isabela Figueiredo, Michael Kegler, der portugiesischer Übersetzer ist, Yara Nakahanda Monteiro und Alfonso Reis Cabral und ihre Bücher auf Englisch vorgestellt wurden, weil Portugal ist ja das Gastland oder sollte es schon im Vorjahr oder im Vorvorjahr sein, denn ich dachte, irgendwann ist auch Österreich dran. Da wird es morgen eine Pressekonferenz geben und damit geht es jetzt schon los, während wir ja sonst erst Mittwoch früh losgefahren sind.

Michael Kegler erzählte dann etwas über die portugiesische Literatur, daß es eine Minderheitssprache ist, aber in Brasilien und Angola spricht man es, glaube ich, auch, daß die Portugiesen große Leser wären und die portugiesischen Autoren auf diese Art und Weise ihr Publikum finden.

Die 1963 geeborene Isabela Figueiredo, die als eine der bekanntesten Gegenwartsstimme Portugal gilt, stellte dann ihren Roman „Die Dicke“ vor, wo es um ein dickes Mädchen und ihre Probleme geht.

Michael Kegler, der in Wien lebt oder lebte und schon in der „Alten Schmiede“ seine Übersetzungsarbeiten mit <ilija Trojanov vorstellte, sprach dann glaube ich ,von dem 1970 in Angola geborenen Goncalo M. Tavares, seinen Roman „Matteo hat keine Arbeit mehr“ und andere Bücher, die in der „Edition Korrespondenzen“ erschienen ist.

Dann kam die ebenfalls in Angola geborenen Yara Nakahanda Monteiro mit ihrem bei „Haymon“ erschienen Roman „Schwerkraft der Tränen“.

Als Letzter kam dann der 1990 in Lissabon geborene Alfonso Reis Cabral und sein bei „Hanser“ erschienes Buch „Aber wir lieben dich

Dann blieb noch etwas Zeit mich in den „Diogenes Talk“ zu streamen, wo Joachim B. Schmidt seinen Roman „Tell“ vorstellen wird, denn ich kann mich erinnern, daß ich 2019 und 2020 mit Susanne Bühler, je ein Treffen ausgemacht habe, das ist dann ins Wasser gefallen. Jetzt gibt es die „Diogenes Talks“ und das Herbstprogramm wurde am Donnerstag auch schon vorgestellt. Das begann um acht, also sich nach dem österreichischen Alternativprogramm umsehen, da gab es im Literaturhaus Anna Bahr und Magdalena Schrefel und in der „Gesellschaft“ überhaupt was Tolles, denn die feiern ihr sechzigjähriges Jubiläum, da war ich vor zehn Jahren wahrscheinlich schon im Radio Kulturhaus, wo die Größen, der österreichischen Literatur auftraten und sich dann im Hintergrund zum Buffet zurückzogen, während das allgemeine Publikum sich ein Glas Wein kaufen durfte, aber ich bin ja auch Autorin, für die „Gesellschaft“ aber offenbar nicht gut genug oder nur für die Faschingsfeste geeignet, wo man einmal verkleidet lesen durfte und im Anschluß Krapfen bekam.

Jetzt ging es durch die „Gesellschaftsgeschichte“, die ja von Wolfgang Kraus gegründet wurde, Hans Haider erzählte, als ich in den Stream kam, gerade die sechzigjährige Gesellschaftsgeschichte, da gab es ja vor sechzig Jahren die Ostblockautoren, die von der „Gesellschaft“ sehr gefördert wurden.

Marianne Gruber mit der ich ja in der „Buben dürfen weinen“- Anthologie einen Text hatte, war da lange die Präsidentin und sie trat bei den Faschingsfesten auch mit einer roten Dompteurjacke auf, während die anderen, wie ich ohne Verkleidung lesen wollten.

Dann kam Helmuth J. Niederle, der jetzige Pen-Präsident mit dem ich einmal in einer Jury war. Jetzt ist Manfred Müller der Leiter und Ursula Ebel die Interviewerin und die Geschichte der „Gesellschaft für Literatur“ halte ich, obwohl sie mich ja nicht wirklich oder nur als Zuschauerin betrifft, für sehr interessant, obwohl sie nichts mit Leipzig und wahrscheinlich auch nicht mit dem Österreichschwerpunkt dort zu tun hat.

Der 1981in Island lebende Schweizer Autor Joachim B. Schmidt hat sich in seinem „Tell“ an den Schweizer Nationalhelden mit den Apfel vergriffen, der auch am Cover zu sehen ist und dann wirds weiter mit Preisverleihungen und Pressekonferenzen gehen.

Dann kam Raul Blahacek der früher der Literaturreferent der Stadt Wien war, wo ich in den Achtzigerjahren tapfer meine Texte hinschickte, um ein Stipe,ndium zu bekommen war und berichtete über seine Erfahrungen beispielsweise über einen Dankesbrief, den er an Friederike Mayröcker oder sie an ihn geschrieben hat. Der schon erwähnte Helmuth Niederle war dann der nächste,der seine „Gesellschaftserlebnisse“ berichtete.

Am Mittwoch wurde dann in der Nikolaikirche, wo ja einmal die berühmten Montagsdemonstrationen stattfanden, der „Preis zur europäischen Verständigung“ an Karl Markus Gauß vergeben, den ich vor kurzem in der „Alten Schmiede“ hörte, was wieder sehr feierlich von sich ging.

Zuerst kamen die Festreden der Börsevorstände und Politiker, die sich alle über den Krieg in der Ukraine empörten und bedauerten, daß sie die russischen Autoren bestimmt nicht boykottieren würden. Es wurde auch die Absage der Messe bedauert, die ja eigentlich stattfinden hätte können, aber von den Großverlagen boykottiert wurde und alle freuten sich auf die LBM 2023, die dann hoffentlich mit dem Auftritt Österreich in gewohnter Normalität und mit mir vor Ort stattfinden wird.

Daniela Strigl ,hielt die Laudatio, die sie mit die „Sieben Sachen des Wanderers“ betitelte, denn das Buch für das KMG wie sie ihn nannte, den Preis bekam heißt „Die unaufhörliche Wanderung“ und betonte dabei, daß Karl Markus Gauß eigentlich gar nicht so ein Wanderer ist. Aber die sieben Zwetschken, wie man in Österreich so sagt, bestehen aus „Neugier“, „Trittsicherheit“, „leichtes Gepäck“, „festes Schuhwerk“, „Kompaß“ und „Kondition“ bestehen. Eines davon habe ich jetzt vergessen oder nicht mitbekommen, weil der Stream kurz unterbrochen war.

Ansonsten konnte ich und das kann ich mir nicht verkneifen aufzuschreiben, beobachten wie KMG an seiner Maske rückte. Sie am Schluß überhaupt nicht mehr aufsetzte und zwischendurch auch Daniela Strigl nach ihrer Laudatio umarmte und seine Rede erklärte er dann, hat er in Zeiten, wie diesen dreimal geschrieben. Zuerst wollte er über seine Reisen schreiben. Dann kam die Meldung, die Buchmesse findet nicht statt und er erwähnte, die drei Großkonzernisten, die er im Fernsehen beobachtete, die das mit säuerlicher Miene eines Synchronschwimmers dem Publikum beibringen wollten und am Schluß kam der Krieg und den betonte er, kann er nicht erklären.

Wies aber ebenfalls darauf hin, daß er die russischen Autoren nicht boykottieren, sondern im nächsten Jahr mit ihnen, den verlorenen Krieg ihres Despoten feiern will und erwähnte auch die ukrainischen Literaturverbände, die forderten alle Russen zu boykottieren. Was wäre passiert, fragte er, wenn man das vor achtzig Jahren pauschal mit allen deutschsprachigen Autoren gemacht hätte? Wo wären da Irmgard Keun, Stefan Zweig, Thomas Mann, Anna Seghers und ihre Sicht auf die Welt geblieben? Es gab eine Gesangseinlage und dann ein Orgelstück und Mittwoch, um zwölf ein Presseauftritt zum Gastland Österreich im nächsten Jahr.

Am Donnerstag ging es dann am blauen Sofa, das von irgendeiner Halle gestreamt wurde mit einer potugiesischen Stunde weiter und um zwölf gab es den Presseauftritt zum Gastland Österreich in der Schaubühne Lindenfels mit Oliver Zille, dem Messedirektor, Andrea Mayer der Kunststaatssekretärin, Katja Gasser, die das inhaltliche Konzept erstellte und Benedikt Föger vom Hauptverband. Oliver Zille lobte das Österreich Cafe auf der Messe, wo es den besten Cafe gab, jetzt natürlich nicht und Andrea Mayer setzte fort, daß sie die Neugier des Lesepublikums auf die österreichische Literatur wecken will.

Benedikt Föger stellte dann die mittelständige österreichische Verlagsstuktur, es gibt ja keine Großkonzerne, vor.

Dann kam Katja Gasser mit der Programmpräsentation, stellte eine Plakataktion vor und zitierte Jury Andruchowiystch, den ukrainische Autor, der „Mut und Entschloßenheit statt Tränen“ forderte. Auf den Plakaten „Mea ois wia mia“, werden Elfriede Jelinek, Tanja Malajartschuk, Thomas Stangl, etcetera zu sehen sein und am Abend geht es in der „Schaubühne“ schon mit einer „Wilden Nacht der österreichischen Literatur“ los, aber da werde ich mir die „Wien-Reihe“ in der „Alten Schmiede“ geben.

Im März 2023 gibt es dann ein Leuchtturmprojekt des Literaturmuseums mit einer Sonderschau der österreichischen Publikationen der letzten fünfzig Jahre geben, das Burgtheater wird sich präsentieren und eine Sonderschau von Maria Lassnigs Werke wird es auch gehen, sowie österreichische Literaturverfilmungen, da sich Österreich, wie Andrea Mayer ergänzte, als modernes Kunstland präsentieren will.

Auf dem Sofa präsentierte inzwischen der Schauspieler Rainald Grebe sein Buch über seine Krankheit und sein Leben „Rheinland Grapefruit“, während Thorsten Jantschek mit Wolfgang Ullrich über „Die Kunst nach dem Ende ihrer Autonomie“ diskutierte und der 1959 in Berlin geborene Torsten Schulz präsentierte seinen bei „Klett -Cotta“ erschienen Roman „Öl und Bienen“.

„Best of Sofa“ gab es auch, da wurde 2013 Sven Regner präsentiert, Herta Müller, Martin zum Nobelpreis, der glaube ich 2009 erfolgte, gratuliert, Martin Walser stritt mit der Moderatorin über die Düsternis bei „Messners Momente“, Carolin Ehmke etc.,so daß man gleich sein literarischen Wissen aufpolieren konnte.

Dann kam Katja Gasser live auf das Sofa und stellte Daniel Wisser Katja vor, der in „Der erfundenen Frau“ von einer Frau Ilse las, die mit einem Hund bei Louis Vuitton eine Tasche kaufen wollte.Katja Gasser fragte dann nach dem österreichischen Humor und Daniel Wisser antwortete, daß er Schwierigkeiten mit dem österreichischen Quotenlabel hätte.

Wiebke Porombka stellte dann Gregor Sanders Buch „Lenin auf Schalke“ vor.

Dann ging ich in die Glashalle, wo der Messedriektor am Podium stand und eine Brandrede gegen den Krieg hielt und dann die heurige Jury zur Verleihung des heurigen Preises der Buchmesse vorstellte.

Insa Wilke ist da die Vorsitzende und stellte die restliche Jury vor und dann ging es durch die fünfzehn Bücher, beginnend mit der Kategorie Übersetzung, von der ich ja noch nichts gelesen habe, nur das dicke Finnische „Im Saal von Alastalo“ übersetzt von Stefan Moster und dann Cecile Wajsbrot „Nevermore“ übersetzt von Anne Weber, eine Übersetzerin übersetzt eine Übersetzerin, die Virginia Woolf übersetzt und Überraschung das Buch hat gewonnen. Ich freue mich auf das Lesen, was noch etwas dauern wird und dann kam die Sachbuchreihe, da habe ich die „Fußreise des Fluchtwegs“ von Christiane Hoffmanns Vater und dann noch die Essays und Reden von Uljana Wolf, die ein Sachbuch über das Übersetzen von Lyrik geschrieben hat, was auch zu mir gekommen ist und sich offenbar auch mit dem Thema Übersetzen beschäftigt und noch einmal Überraschung auch dieses Buch, das sehr ästhetisch aussieht ,hat gewonnen, da kann man nur auf die Belletristik gespannt sein.

Da habe ich ja den Darth gelesen, weil er auf der deutschen Longlist stand, den Tomer Gardi muß ich noch lesen, das Buch der Heike Geißler täte ich gern, wie ich ja auch gerne das Buch über Hannah Ahrendt lesen würde. Dann stehen noch Katarina Poladjan und Emine Sevgi Özdamar auf der Liste.

Da habe ich mir gestern einen Podcast über die fünf Bücher angehört, interessant, daß vier der Autoren in Kagenfurt gelesen haben und spannend jetzt welches Buch passt zu den Übersetzungsbüchern, natürlich das, wo ein israelischer Autor die deutsche Sprache neu erfindet und auch das halbe Buch übersetzen ließ und von der Verteilung zwei Frauen und ein Mann passt es auch. Man sieht alles geht, um die Übersetzung, in Zeiten, wie diesen wahrscheinlich besonders wichtig und spannend auch, daß ich alle drei Bücher lesen kann.

Dann gings zurück aufs blauen Sofa, wo Jan Weiler aus seinem „Markisenmann“ las, wo eine wohlstandverwahrloste Tochter einen Sommer lang zu ihrem ihr unbekannten Vater muß, der davon lebt alte DDR-Markisen zu verkaufen.

Guy Helmingers neues Buch heißt „Lärm“ und das von Hilmar Klute, den ich ja schon zweifach gelesen habe „Die schweigsamen Affen der Dinge“, das glaube ich zu mir kommen sollte und wo es auch um einen schwierigen beziehungsweise abwesenden Vater geht.

Das wars dann eine Stunde machen und dann zur Wien-Reihe in die „Alte Schmiede“, während es am Freitag am Sofa mit Katja Gasser weiterging, die die 1992 in Graz geborene und in Berlin lebende Marie Gamilscheg, deren Debut ich gelesen habe, interviewte. Ihr neuer Roman heißt „Aufruhr von Meerestieres“ und scheint von einer Meereswalnuß und einer Biologin namens Louise, die eine unverläßliche Erzählerin ist, zu handeln.

Dann kam der Sozialsenator von Neukölln Falko Liecke auf die Bühne, der ein Buch über den „Brennpunkt Deutschland“ geschrieben hat, das die sozialen Probleme von Neukölln aufzeigt und der dabei sehr radikale Ansichten, wie Wegnahmen von Kindern, etcetera, hatte dann kam der 1981 geborene Philosoph Daniel Pascal Zorn, der ein Buch über „Die Krise des Absoluten“ geschrieben hat.

Die türkischstämmige 1986 in Karlsruhe geborene Fatma Aydemir präsentierte anschließend ihren zweiten Roman „Dschinns“, wo sie mit dem Moderator diskutierte ob es sich dabei um einen Familien oder einen Migrationsroman handeln würde, der um die Familiengeheimnisse einer kurdischen Familie handelt.

Dann kam die 1974 in Hamburg geborene Lucy Fricke, die mit ihren Roman „Töchter“ einen großen Erfolg hatte und sich jetzt mit „Der Diplomatin“ nach Montevideo begibt.

Dann kam die 1980 geborene Schauspielerin und Künsterin, die sich sehr mit katholischen Motiven, wie einer „Päpstinnengalerie“ oder einen „Katholikenbus“ beschäftigt und die einen Roman über ein dreizehnjähriges eßgestörtes Mädchen geschrieben hat, das über ihre Probleme nicht sprechen kann. Interessant, interessant und dann kam wieder Katja Gasser mit Karl Markus Gauß, um ihn zu seinem letzten Buch aber auch über die Ukraine zu befragen.

Den Nobelpreisträger Abdulrazak Gurnah und seinen „Fremden Gestaden“, habe ich dann versäumt, weil ich mir eingebildet habe, im Garten aufzuräumen, um mich demnächst hinauszusetzen.So bin ich erst wieder zu dem 1962 geborenen Spiegel-Autor Dirk Kurbjuweit, von dem ich wahrscheinlich, das Afghanistan-Buch habe und wenn ich mich nicht irre, auch schon in Klagenfurt gelesen hat, gekommen, als dessen „Ausflug“ besprochen wurde. Das macht eine Klassengemeinschaft jedes Jahr. Sie mieten sich ein Boot und fahren dann ein paar Tage lang in der Gegend herum. Nur einer davon ist ein Schwarzer und sie fahren durch eine sehr abgelegene Gegend. Eine No go area, wie die Politjournaisten sagen würden. So werden sie gejagt, haben keinen Handyempfang und tun dann wahrscheinlich das, was auch in dem Dorf geschehen ist, das einmal von einer alten Dame besucht wurde.

„Wow!“, habe ich gedacht.

Ich würde mich nicht trauen, das zu schreiben, weil da alle „So darf man nicht schreiben!“, schreien könnten. Dirk Kurbjuweit aber schon und die Luxemburgerin Julia Holbe hat ein Buch über eine Paartherapeutin geschrieben, die darauf kommt, daß sie von ihrem Mann betrogen wird und ein neues Leben beginnt. Das Problem ist, daß sie ja Spezialistin für Paarbeziehungen ist. Alles davon versteht. Nur bei sich selbst hat sie es nicht bemerkt und das ist etwas, was ich manchmal bei mir befürchte, daß ich den Balken im eigenen Auge nicht sehe, obwohl ich ja über die Problemen der anderen so gut Bescheid weiß und der Kulturwissenschaftler Philipp Felsch hat in einem Buch beschrieben „Wie Nietzsche aus der Kälte kam.“

Dann kamen noch einige politische Bücher, der Historiker Michael Wildt erklärte in der „Zerborstenen Zeit“, die Geschichte um den zweiten Weltkrieg und die Sachbuchpreisnominierte Christine Hoffmann, deren „Alles was wir nicht erinnern- zu Fuß auf dem Fluchtweg meines Vaters“, auf meiner Leseliste steht. Von da wurde ich dann abrupt zu OE24 zurückgerufen, denn um sechs gab es da eine Pressekonferenz, wo der Gesundheitsminister, der gerade vierzehn Tage im Amt ist, wieder die Maskenpflicht einführen mußte. Ab Mittwoch, um die Verordnung verfassungsmäßig richtig hinzubekommen. Wozu denke ich wieder? Wenn jemand Angst hat, setzt er sich eine Maske auf und wenn nicht riskiert er, daß er eine Grippe bekommt und das Gesundheitssystem aufzurüsten, wär sicher viel viel besser, als die vielen Massentests, aber die werden bestimmt wieder eingeführt, da bin ich sicher. Da machen die Medien schon genügend Druck, daß wir aber so nie zur Normalität zurückkommen, wurde leider wieder mal bestätigt und um dann zurück zum Krimispeeddating, wo Andreas Brandhorst sein „Bitcoin-Komplott“, Romy Fölck ihr „Nelbelopfer“ und Ralph Langroth sein „Ein Präsident verschwindet“, ein Buch das ich demnächst lesen werde und wo es um eine wahre Geschichte, nämlich den nach Reupublickgrünung in den Osten entführten Politiker Otto John geht, vorstellten. Das wars dann, glaube ich, obwohl es in Leipzig ja noch eine „Popup-Messe“ und viele Veranstaltungen gibt. Da muß man aber, glaube ich, vor Ort sein. Also mal sehen, was ich noch von der nicht stattfindenden Messe mitbekomme und bis dahin war es wieder interessant.

Lesestoff habe ich, wie man sieht genug, die Buchpreisbücher, den „Rowohlt-Krimi“ und dann noch einen Haufen anderer Bücher und literarische Programme gibts in Wien auch und so werde ich mich demnächst ins Literaturhaus streamen.

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