Literaturgefluester

2015-08-18

Willi auf ein Wort

Nach der „Absurden Menschheit“ wird es, bevor es an das Longlistenlesen geht, noch einmal schwierig, denn jetzt ist Band  4, 5, 6, der Williologie „Willi auf ein Wort- eine Retourkutsche“, selbstgemachtes aus dem Loma-Verlag, des lieben Rudi Lasselsberger an der Reihe und ich habe mir mit „Willi auf Kur“ und „Willi, wo bist du?“, ja schon ein bißchen schwer getan.

Das steigert sich nun, denn der 1965 geborene GAV-Kollege, experimentelle Autor und zeitweiliger Leser und Kommentator des Literaturgeflüsters, macht es mit seinem schrägen Humor, seinem Hang zur Selbstdarstellung und Performance einer nicht leicht und so geht die Retourkutsche im dritten weißen Willi Bändchen im rasanten Monologstil voran.

Jetzt ist zwar nichts mehr handgeschrieben, bis auf die Zeichnungen und Illustrationen, die es zwischendurch immer gibt, trotzdem ist das Lesen nicht einfach, denn man könnte sagen, das Wort des Willis, ist ein wahrer Monolog, ein Wortrausch in dem Sinn, daß es auf den hundert Seiten ohne Innezuhalten vorwärts geht und das bezieht sich auch auf die Satzzeichen und Abteilungen, die gibt es in dem Buch nicht, auf die nimmt der Rudi keine Rücksicht und so wird da über die Zeilen geschrieben und ich dachte nur meine Leser finden meine Sprache manchmal unverständlich.

Da wird von Hochdeutsch in den Dialekt geschwankt und wieder zurück und der Willi, der liebe Bub des Rudi Lasselsberger, der seinen Weg vornehmlich durch den fünften Wiener Gemeindebezirk von der „Bunten Kuh“ ins „Little Stage“ beispielsweise macht, hier manchmal der Friederike Mayröcker in der Zentagasse begegnet oder auch der Wiener Gruppe, H. C. Artmann zum Beispiel, wobei der sich wieder zwischen den Zeilen verliert, schwankt vom hundertsten ins tausendsten, da wird von der Politik, schwarz blau und auch vom Alfred Gusenbauer erzählt und dann wieder vom Winnetou und den Fernseh oder Filmaufnahmen deselben, während die Vroni, die Kellnerin in der „Bunten Kuh“, das Bier auszappt und der Rudi oder der Willi seine Sprachspielereien betreibt:

„Aber ist er deshalb ein  Schoshone? Oder ein Appatsche?, Kommantsche? Oder was  sonst auch immer? Was ist mein Bub? Sollen wir auch wer fra die Vera fragen? Wer?  was? wen? wie? Identität? 6 Sinn? Egal? Weiß nicht? Auf jeden Fall: Danke , ja, danke Mama“ Dankee ja?“

Man sieht vielleicht schon, es ist nicht leicht mit der Retourkutsche, der realistischen Schreiberin und Leserin wird es vom lieben Rudi so gar nicht gemacht.

Obwohl es ein Nachwort gibt:

„Ja jetzt in Ruhe die Brillen absetzen, den Tequila, köstlich mit Zitrone und Salz, nach wie vor, ja und das Notizbuch ein Randerl weglegen, ja auch den schwarzen Stift, der Gestalt am anderen Ende der Theke zuprosten. Willi, mein Bub, öffne das Gatter, laß die wilden Pferde los. Ja, und da kommt auch schon Fury, der schwarze Hengst, er hat dich gehört.“

Dann gibts noch ein Inhaltsverzeichnis, einen Lebenslauf mit der Werkangabe, das heißt den  „loma Bänden“, die bis 2012 erschienen sind.

Was es dann von Rudi Lasselsberger gibt, außer den „Krankenstand“, den ich Ende des letzten Jahres gelesen habe und wie weit er mit seiner „Williologie“ schon gekommen ist, weiß ich eigentlicht nicht so genau, hier reißt meine Information ab, hat er mir ja einmal einen ganzen Schwung seiner Bände gegeben, die ich nach und nach auf meiner Leseliste auflese, so daß ich gar nicht sagen könnte, was mir in seinem Werk außer „Franz in Linz“ noch alles fehlt.

Anfang des Sommers habe ich jedenfall mit ihm im „Lesegarten“ gelesen und da hat er auch gesungen und im „El Speta“, das in dem Buch auch erwähnt wird, habe ich mit ihm gelesen, beim Volksstimmefest, der Poet Night, auf meinen Geburtstagsfest und und, denn es gibt ja offenbar zwischen  dem experimentellen Performator, der schon Mal auf der Toilette seine Gstanzerln singt oder Mozartkugeln durch die Gegend schmeißt und der realistisch schreibenden Autorin Berührungen, nicht nur, daß wir beide in der GAV-Mitglied sind und unsere Bücher beide selbst verlegen wahrscheinlich.

Jedenfalls habe ich den Rudi, glaube ich 1987 in Linz kennengelernt, als er damals im Jägermayerhof Stadtschreiber wurde und treffe ihn gelegentlich in der „Alten Schmiede“, bei den GAV-Veranstaltungen und gelegentlich schreibt er mir auch einen Kommentar oder übergibt mir seine Bücher, so daß ich zumindest teilweise, wie ich mir einzubilden glaube, eine Rudi-Spezialistin bin.

 

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2015-05-04

Reden vom Schreiben

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:12
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Das Literaturmuseum das zur Nationalbiblitohek gehört und das vor zwei Wochen mit einem freien Wochenende eröffnet wurde, war ja während seiner Entstehung sehr umstritten.

Die IG Autoren haben sich, glaube ich, mit der Befürchtung dagegen gewandt, daß dann die Gelder, die den Autoren zu Gute kommen sollen, dorthin fließen könnten, die Organisatoren haben sich das, glaube ich wieder, zu Herzen genommen und hat die GAV eingeladen, dort eine Veranstaltungsreihe zu machen.

„Reden vom Schreiben – Autorinnen und Autoren im Gespräch“, vielleicht hat Bernhard Fetz, der Direktor, auch deshalb eingeladen, weil sich die GAV 1973 in Abgrenzung vom konservativen PEN abgespaltet hat und damals alle wichtigen Autoren, wie breispielsweise Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, Marie Theres Kerschbaumer, etc, ihre Mitglieder waren.

Bei der letzten GV wurde jedenfalls heftig darüber diskutiert und jetzt werden vier Veranstaltungen stattfinden, wo jeweils ein schon arivierter GAV-Autor mit einem, einer jüngeren unter der Leitung von Renata Schmidkunz und Klaus Nüchtern diskutieren und die erste Veranstaltung fand heute zwischen Robert Schindel und Anna Weidenholzer statt.

Da könnte man natürlich fragen, warum wurden keine anderen Autoren, als die und Marie Therese Kerschbaumer, Clemens Berger, Sabine Gruber, Thomas Havlik, Josef Winkler , bzw. Sophie Reyer eingeladen, den Wohnzimmerkreis beispielsweise oder Ruth Aspöck, Peter  Campa, Thomas Northoff und und ich, ich wäre ja vielleicht auch eine interessante Kanditatin, spielt es aber nicht, weil dann vielleicht  nicht so viele Leute kommen, besonders viele waren heute aber auch nicht da, aber einige Autoren, wie Sabine Gruber, Marie Therese Kerschbaumer, Gustav Ernst, Petra Ganglbauer die derzeitige GAv-Präsidentin und ich natürlich, aber ich gehe zu vielen Veranstaltungen  und Bernhard Fetz, der mich nicht zu kennen scheint, hat bei der Aufzählung auch auf mich sowie auf Gustav Ernst vergessen, der letzte wurde dann korrigiert und Renate Schmidkunz, wie Bernhard Fetz in der Einleitung erzählte, hat viel beim Fernsehen gearbeitet und moderiert jetzt die Sendereihe „Im Gespräch“.

Bei Ruth Aspöcks Buchpräsentation in der Hauptbücherei hat sie auch moderiert und sie stellte als erstes die beiden Autoren vor, Robert Schindel  1944 geboren und seit 1986, glaube ich, freier Autor, Anna Weidenholzer 1984 geboren und seit 2010 freie Autorin, erzählte dann etwas von den Lebensläufen der beiden, Robert Schindel, der Sohn jüdischer Kommunisten, in der Studentenbewegung sehr aktiv und sehr berühmt geworden durch seinen Roman „Gebürtig“, Leiter von verschiedenen Literaturwerkstätten, wie die Leondinger Akademie und Mitbegründer des Hochschullehrgangs Sprachkunst, Anna Weidenholzer, in Linz geboren, die nach dem Studium als Journalistin arbeitete, hat dort auch Kurse belegt, dann hat sie einige Preise gewonnen, der Erzählband, nicht Roman, „Der Platz des Hundes“ ist 2010 erschienen, „Der Winter tut den Fischen gut“, 2012, dafür war sie für den Leipziger Belletriktik Preis nominiert, Priessnitz Preis 2013, Stadt Wien Stipendium und und und.

Ich verfolge ja Anna Weidenholzers literarische Karriere schon von ihren ersten Veröffentlichungen in der „Wortlaut-Anthologie“ und den legendären „Textvorstellungen“ von Angelika Reitzer. Sie hatte auch ihre Auftritte im Literaturhaus und hat jetzt kürzlich bei fünfzig Jahre Dokumentationsstelle für neue Literatur gelesen und Schreibgespräche dieser Art sind mir auch nicht ganz unbekannt, so interviewt Julia Danielcyk ihre Stipendiaten ja auch immer sehr genau und Renatea Schmidkunz wollte es ebenfalls sehr gründlich wissen, fragte nach den Schreiborten und ob mit der Hand geschrieben wird, beziehungsweise, wie der Computer das Schreibverhalten beeinflußt?

Robert Schindel schreibt im Cafe Zartl am Vormittag, Anna Weidenholzer tut das wahrscheinlich in ihrer Wohnung und setzt sich dazu Kopfhörer auf.

Die beiden waren auch schon einmal gemeinsam in Peking auf einem Schriftstellerkongreß und haben sich dort viel über Literatur unterhalten, ob sie zu Lesungen ihrer Kollegen gehen wurden sie gefragt? Robert Schindel tut das, glaube ich, ziemlich regelmäßig, zumindest sehe ich ihn da öfter, er erwähnte die Kollegin Elfriede Gerstl, die das sehr oft tat, so viel schafft er nicht, würde es aber gern.

Er interessiert sich auch für die jungen Autoren, deshalb auch die Gründung der verschiedenen Schreibwerkstädten und als er jung war, war er sehr politisiert und wollte eigentlich nicht in bürgerlichen Verlagen wie „Suhrkamp“ verlegen, das ist ihm dann aber doch passiert und jetzt lobte er das hervorragende österreichische Stipendiumswesen, von dem man sich eine gewisse Sicherheit erwarten kann.

Das betrifft nun auch nicht alle, ich habe beispielsweise nie eines bekommen, aber ich habe einen Brotberuf und wahrscheinlich auch ein verkehrtes Bild vom Literaturbetrieb, gehe ich ja sehr oft zu Lesungen und blogge über Literatur, wahrscheinlich um mich „in“ zu fühlen, das hat mir ja einmal Hans Raimund vorgeworfen, ist aber nicht ganz so falsch.

Dann kamen auch kurze Textproben, zwei Gedichte aus Robert Schindels im August erscheinenden neuen Lyrik- Band und von Anna Weidenholzer eine schon veröffentlichte Geschichte.

Linz ist für sie wichtig, hat sie noch erwähnt, für Robert Schindel ist das Wien und das trifft, füge ich  hinzu, auch auf mein eigenes Schreiben zu.

Wien ist da sicherlich mein literarischer Ort, obwohl ich inzwischen nicht mehr im Cafehaus schreibe. In meiner Studentenzeit habe ich es getan, da habe ich auch mit der Hand vorgeschrieben, inzwischen schreibe ich direkt in den Computer, seit ich mich das erste Mal am „Nanowrimo“ beteiligt habe.

Anna Weidenholzer und Robert Schindel scheinen beide eine Mischform zu verwenden und scheinen sich, obwohl das Alter und das Geschlecht verschieden ist, in ihrem Schreiben auch nicht unähnlich zu sein.

Robert Schindel ist ein sehr politischer Autor, Anna Weidenholzer schreibt eher realistisch, die Unterschiede sind wahrscheinlich schon, daß bei den in den Neunzehnachtziger Jahren geborenen, eine gewiße Politisierung fehlt, das war auch eine Frage von Renate Schmidkunz.

Dann war es aus, Bernhard Fetz bedankte sich bei allen und ein Herr aus dem Publikum beschwerte sich, daß er nicht mitdiskutieren konnte.

„Wir haben uns entschloßen, das nicht zu tun!“, erklärte Renate Schmidkunz hölich, vielleicht hat sie bei Ruth Aspöck Veranstaltung in der Haptbücherei diesbezüglich schlechte Erfahrung gemacht, da dort die Diskutantenrelativ scharfe Fragen stellten.

Die nächste Veranstaltung wird am 20. Mai zwischen Marie Therese Kerschbaumer und Clemens Berger stattfinden und das wird sicherlich sehr spannend sein, ist ja Clemens Berger, wie ich im MUSA hören konnte, einer der sich dem Literaturbetrieb entzieht und Marie Therese Kerschbaumer ist, glaube ich, auch eine scharfe Diskutantin, aber da werden wir in Deutschland auf Radreise  sein und ich kann gleich verraten, daß ich heute auch eine Einladung bekommen habe, darf ich nämlich am 8. Oktober, bei einer Ernst Hinterberger-Geburtstagslesung  im Cafe Industrie wo er sehr viel geschrieben hat, ein Stückchen aus seinen „Kleinen Leuten“ lesen.

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