Literaturgefluester

2019-12-11

Dirk Stermanns Sprache und Brigitte Schwens-Harrants Essays

Im „Doml“ hat es noch die letzten Kekse von der gestrigen Weihnachtsfeier gegeben und die gute Schokolade, die die Vortragende aus Kroatien mitgebracht hat, für die SPÖ-Weihnachtsfeier wurde auch eifrig hergerichtet und umgeräumt und ich habe mich mit Stephan Teichgräber wieder in die Gefilde von Dirk Stermanns „Hammer“ begeben, was ein tolles Buch ist, was ich dem Kabrettisten gar nicht zugetraut habe. Ein tolles Buch mit einer tollen weitschweifigen Sprache, so daß man mit den Googlen gar nicht nachkommt.

Da waren ja erst die Berufe, der „Kotzenmacher“, der „Gubernialrat“, die „Wehenmutter“, etc, die sich Stermann wohl aus alten Archiven zusammenklaubte, dann ging es zu der Frage, ob „Das Kind zeriß ihr die Eingeweide“, eine Metapher ist?  ich denke eher, das sind die Gefühle einer Gebärenden, bis  hin zu den vielen Glocken, die es in St. Stephan gibt.

Ein tolles Buch und Stephan Teichgräber hat auch sehr viel gegooglet und die Zusammenhänge hergestellt, das ich mir nach dem ich die Lesung bei der „Buch Wien“ hörte von Annas Geburtsgutschein bei Thalia in St. Pölten gekauft habe, aber höchstwahrscheinlich erst im Jäjnner lesen werde, wenn ich mit meine 2019 Rezensionsexemplaren fertig bin und dann ist es über den Umweg des „Wortschatzes“, wo ich zuerst die „Anna“ hineinlegte und beim Rückweg tolle alte „bb-DDR“-Ausgaben gefunden habe, in die „Gesellschaft für Literatur“ gegangen, wo der dritte Essayband vorgestellt wurde, den die 1967 geborene Feuilletonchefin der Furche und Literaturkritikerin Brigitte Schwens-Harrant gemeinsam mit Jörg Seip bei „Klever“ herausgebracht hat „Mind the gap. Sieben Fährten über das Verfertigen von Identitäten“ und das ist bestimmt ein spannenden Buch, obwohl mir lange nicht klar war, worum es dabei eigentlich geht?

Um die Identität ganz klar, das was man ist, aber eigentlich ist dabei um Ausgrenzung, Abschotten, Rassismus, etcetera gegeangen und „Mind the gap!“, was ich zuerst auch nicht verstanden habe, ist das was, man in der U- Bahn täglich hören kann, „Achtung, da ist eine Spalte!“

Wir haben eine Identität, aber offenbar können wir die nur haben, wenn wir die anderen nicht dazu lassen, so habe ich die „Sieben Fährten“ und die Diskussion darüber verstanden, ist es doch um die Frage ob man mit Rechten reden soll?, gegangen.

ich denke, ja natürlich und habe es auch lange genug mit dem Uli versucht, bis er seine Kommentare geschlossen hat, herausgekommen ist aber nur ein Beschimpft worden sein und, um die Handke-Debatte, derzeit gerade besonders aktuell, weil der Nobelpreis, gestern an ihn vergeben wurde.

Der wurde in dem Buch noch nicht erwähnt, hat aber offenbar die Gemüter erregt und ehemalige Freunde zu Feinden gemacht, was ich nicht verstehe, aber schon sehr irritiert über die Diskussion im Literaturcafe, wo Malte Bremer ihm eine „Schlaftablette“ nannte, war, sowie über Sasa Stanisic Reaktion bei der „Buchpreis-Verleihung“.

Aber, ich denke, es ist wahrscheinlich doch der Neid „Was der kriegt den preis, der ist doch….?“

Die Greta Thunberg-Beschimpfung, die man bei den rechten Videos hören kann, wurde nicht erwähnt, eher der Rassismus und da ist es in dem Buch zumindestens bei den Stellen die Brigitte Schwens-Harrant vorgelesen hat, eher, um die amerikanische Literatur Toni Morrisson, zum Beispiel und C T. Boyles „America“ gegangen. Die sieben Fährten  sind „Liebe, Gender, Stadt,Hybride, Othering, Religion und Gast“ und in jedem Kapitel kann man sich anhand der Literaturbeispiele abarbeiten und seine <meinung bilden und ich bin nach wie vor nicht ganz sicher, ob Identität wirklich etwas mit Ausgrenzung zu tun hat?

Zumindest nach meiner Definition nicht, aber natürlich grenzt man ständig jemanden aus, schon wenn man eine „Buchpreisliste“ rangreiht tut man das oder mit dem berühmten Satz „Eigenverlag wollen wir nicht! Da kannst du nicht bei uns lesen!“

Aber das ist ein  anderes Kapitel und das „Miteinander statt Gegeneinander!“, ist vielleicht ein Weg hinaus.

Zuhören, Empathie und Wertschätzung! Dann kann man Peter Handke den „Nobelpreis“ gönnen und braucht nicht seiner politischen Meinung sein, aber natürlich ist sehr viel Haß in der Welt, was ich nach wie vor sehr schade finde, weil ich ja eigentlich sehr harmoniebedürftig bin.

2019-12-06

Vom Theaterworkshop zur Exilpreisverleihung

Seit langem wieder einmal zur Gegenwartsdramatik ins „Doml“, waren die letzten Freitage doch immer etwas los, Basel, Fried-Tage, Harland, etcetera, fallen mir da ein, dabei bin ich in den letzten Wochen öfter in einem Theater gewesen, wenn auch nicht zu einem Stück.

Wurde doch sowohl der österreichische als auch der „Schweizer Buchpreis“ in einem Theater vergeben, die „Literatur im Herbst“ fand im „Odeon- Theater“ statt und im Schauspielhaus war ich auch zum utopischen Raum beziehungsweise zum roten Wien, aber in keiner Auffühung.

Das war nur Stephan Teichgräber bei den „Vögeln“ im Akademietheater während es diesen Freitag über den Umweg über Bratislave nach Brünn ging. Denn von Bratislava mußte ein bekanntes Kabarettistenpaar nach dem Prager Frühling nach Brünn überseideln und in Brünn gibt es eine Reihe von Theatern.

Die „Neue Szene“ das Brünner Stadttheater und dann noch eines das auf tscheisch „Divadlo Husa no Provazu“ heißt, wo heute  und in den nächsten Tagen, die „Lehmann Brüder“ von Stefano Massini aufgeführt werden, sowie ein Stück das „Mein Svejk“ heißt und dann noch eines, das „Nachricht von einem Wunder“, heißt, wo es um den Pfarrer Josef Toufar geht, dem am elften Dezember 1949 tatsächlich ein solches in der Kirche passierte, worauf er  Schwierigkeiten mit der Staatssicherheit bekam.

Sehr spannend und verlockend hinzufahren, aber Stephan Teichgräber muß  noch den Vortrag für das „Philosphische Forum“ am Dienstag übersetzen und ich bin zur „Exil-Preisveihung“ vergangen, die diesmal zum ersten Mal im Literaturhaus vergeben wurde.

Den von Christa Stippinger initierten Preis für in deutsch geschriebene Texte von Autoren mit nicht deutscher Erstsprache, gibt es seit 1997 und zuerst wurde der Preis im Amerlinghaus vergeben. Da ist es wahrscheinlich zu voll geworden, weil es ja verschiedene Preise und auch solche für Schulklassen gibt. so fand er die letzten Jahre auf der „Buch-Wien“ statt. Dort war dann viel Öffentlichkeit, aber auch viel Zeitdruck, denn man mußte in einer Stunde fertig sein, das buffet, das es früher vom Amerlingbeisl gegeben hat, fehlte auch, beziehungsweise wurde das dann schon im Literaturhaus nachgeholt und jetzt zum ersten Mal ganz im Literaturhaus, wo es auch sehr gut passte, weil ja dort schon immer „Exilpreis-Lesungen“ stattfanden.

Die entsprechende Anthologie, die ja jedes Jahr mit den Preistexten herausgegeben wird, habe ich mir schon auf der „Buch-Wien“ geholt. Jessica Beer hat wieder moderiert,  die Musikeinlagen wurden vom Ferry Janoska Ensemblegespielt und die erste Lesung erfolgte von einer Schulklasse aus Linz, die sich das Thema „Kann Sprache Heimat sein?“ gewählt haben, was ich sehr spannend fand, weil man da sehr gut hören konnte, wie das ist, wenn man außer Deutsch und Englisch auch noch Türkisch oder Tschetschenisch spricht, was ja eine tolle Sache ist.

Dann kam die Lesung von Sayed Habib Khawadi einem offensichtlichen Afghanen, der fünf Minuten aus einem Roman las, wo es um Straßenkinder in Afghanistan geht, die schon fleißig arbeiten müßen, um ihre Familie zu erhalten, obwohl Kinderarbeit auch dort verboten ist.

Katharina Braschel erzählte von ihrer Oma, die immer sehr sparsam mit ihren Marmeladegläsern war, weil sie als Kind mit dem Pferdewagen im Winter flüchten hat müssen und dabei sehr hungrig war.

Dann folgte die Lesung der Hauptpreisträgerin Vlatka Frketic, die die Erlebnisse eines Gastarbeiterkindes schilderte, das immer die beste sein muße, nie wie die anderen auf Urlaub, sondern immer nur nach Hause fahren mußte und sich wunderte, daß es auf den Geburtstagsfesten der österreichischen Kinder nur Würstchen mit Kartoffelsalat und eine Torte gab, während sich bei ihrem Geburtstag die Tische vor all dem Gebratenen und den Spanferkel bogen.

Danach wurden die Preise vergeben, Fotos gemacht, nochmals Musik gespielt und Buffet und Gespräche hat es  auch gegeben und ich habe beziehungsweise werde ich demnächst zwei Debuts lesen, die von ehemaligen Preisträgern stammten. Waren doch sowohl Marco Dinic, der auf der österreichischen Debutliste stand, als auch Ana Marwan, deren „Kreis des Weberknechtrs“ auf der Bloggerdebutpreisliste steht, darunter.

Ansonsten zählen Dimitri Dinev, Sandra Gugic, Julija Rabinowich, Susanne Gregor, Cornelia Travnicek, Cornelia Hülmbauer, Ljuba Arnautovic Seher Cakir, die diesmal mit Anton Thuswaldner und Thomas Perle in der Jury war, mit vielen anderen zu den ehemaligen Preisträgern.

2019-10-02

Gegenwartsliteratur und Gegenwartsdramatik des Centropes

Filed under: Büchergeschichten,Workshop — jancak @ 21:00
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Während meine Freundin Ruth in ihrer Pension Theologie studiert, pilgere ich seit einigen Jahren regelmäßig am Mittwochnachmittag in die Dokumentationsstelle für Ost- und mitteleuropäische Literatur, um gemeinsam mit Stephan-Immanuel Teichgräber Textlinguistik zu betreiben.

Die utopische, die revolutionäre und die Partisanenliteratur haben wir da schon untersucht, so daß ich im letzten Semester zwei Teile von Alexej Tolstois „Leidenweg“ gelesen habe. Das „Engelchen“ von Ladislav Mnacko vor zwei Jahren und mir auch George Orwells „1984“ wieder vorgenommen habe.

Diesmal soll es wieder in die Gegenwart gehen und, wie im ersten Jahr aktuelleres untersucht werden. 2017 hat Stephan Tteichgräber die Literatur seines Centropes Festival dafür vorgesehen.

Diesmal hat er mir und meiner überlangen Leseliste, wo ja im Sinne meines dreifachen BuchpreisLesens dreißig Bücher auf mich warten, die teilweise auch dem Mitteleuopa zuzuzählen sind und da habe ich auch einiges anzubieten, denn die österreichische Gegenwartsliteratur ist ja sehr reichhaltig und in den letzten Monaten sind so einige Neuerscheinungen auf mich zugekommen, die auf oder auch nicht auf den Buchpreislisten stehen, so daß ich mich eigentlich rühmen kann, in der Gegenwartsliteratur gut eingelesen zu sein.

Kunststück, beschäftige ich mich ja schon sehr lange und auch sehr intensiv damit und es sind wahrscheinlich nicht einmal die Verlagsvorschauen, die ich gar nicht so viel und so intensiv lesen, die mich auf den Geschmack bringen.

Es ist auch die Leseauslese der „Gesellschaft“, die ich inzwischen ja ziemlich regelmäßig besuche, wo Katja Gasser und Cornelius Hell zweimal im Jahr Buchtips geben und bei der vorigen Weihnachtsauslese, hatte ich schon zwei Bücher auf meiner Liste stehen, die ich dann in den Weihnachtsferien oder zu Beginn des neuen Jahres abgelesen habe.

Im Juni waren es zwei Bücher, die mich interessierten und die ich mir bestellt und inzwischen gelesen habe,  Gerhard Fritschs „Tagebücher“ und „Zwei Jahre Nacht“ von Damir Ovcina.  Andras Forgachs „Akte geschlossen“ hätte mich auch sehr interessiert, meiner übrlangen Leseliste wegen habe ich mir das Bestellen vergriffen.

Ich werde aber immer wieder an das Buch erinnert, das ja öfter auf den ORF- Bestenliste steht und da zum Centrope außer einem Teil Österreichs, auch die Slowakei, Ungarn und die Tschechei gehören, habe ich das Buch Stephan Teichgräber vorgeschlagen und dann natürlich, was die tschechische Literatur betrifft, die ja heuer das Gastland in Leipzig war, betrifft Jaroslav Rudis und Radka Denemarkova.

Vom Erstern habe ich „Winterbergs letzte Reise“ in Harland auf dem Bücherstapel liegen. Radka Denemarkova hat beim letzten „Centrope- Festival“ gelesen und ich habe sie im Vorjahr in der „Gesellschaft“ gehört und mir da „Ein herrlicher Flecken Erde“ gekauft, das ich auch noch lesen muß.

Das wären meine Vorschläge an Stephan Teichgräber, der mich auch gleich mit einem ganzen Stapel Bücher, die zum Teil an mir vorbeigegangen wären, empfangen hat und dann natürlich das, was auf den drei Buchpreislisten steht. Da passt natürlich nicht alles, aber einiges schon und durch mein Buchpreis- beziehungsweise Neuerscheinungslesen bin ich ja auf einige  interessante Bücher daraufgekommen, die es seit Herbst gibt.

Gertraud Klemms  „Hippocampus“ beispielsweise und natürlich Marlene Streeruwitz „Flammenwand“ und mit diesen Büchern kann man natürlich herrlich Karen Köhlers „Miroloi“ vergleichen, beziehungsweise analysieren, das heißt natürlich nicht, denn Karen Köhler zählt nicht zum Centrope.

Robert Prossers „Gemma Habibi“ bliebe dann noch über und dazu passt dann das Fußballbuch des Tonio Schachinger, um die männlichen Aspekte der Gegenwrtsliteratur zu beleuchten und was, die Frauen und das Centrope betrifft, habten wir noch Susanne Gregor, die ja in Zilina geboren wurde und deren „Letztes rotes Jahr“ im Monent das Ö1- Buch des Monats ist.

Stephan Teichgräber hat mit seinem Bücherstapel noch Anna Weidenholzers „Finde einem Schwan ein Boot“ eingebracht, ein Buch das an mir, obwohl ich Anna Weidenholzer ja sehr mag und ich mich auch schon sehr mit ihr beschäftigt habe, fast an mir vorbei gegangen wäre, weil es nicht auf den Buchpreislisten steht, sowie Peter Roseis „Die große Straße“, ein Buch das demnächst in der „Wien Bibliothek“ vorgestellt wird, aber da sind dann gleichzeitig die „Stadt Wien-Preisträger“ in der „Alten Schmiede“ und Paulus Hochgatterer hat auch ein neues Buch geschrieben, das bei Stephan Teichgräber, beziehungsweise ins Doml eingezogen iind.

Dann hat er noch das neue Buch der Radka Denemarkova, aus dem sie auch beim Festival gelesen hat „Stunde aus Blei“ vorgeschlagen und Petr  Borkovic bei der „Edition Korrespondenzen“ erscheinenen „Lido di Dante“. Das Buch soll er genauso bewerten, wie Damir Ovcina „Zwei Jahre Nacht“, das, wie wir herausgefunden haben, doch als Centrope-Buch gilt, da von Mascha Dabic übersetzt.

Spannnend, spannend und noch sehr unvollkommen, die Leseliste an der wir heute gebastelt haben und dann gäbe es noch das „Workshop zur Gegenwartsdramatik“ das Stephan Teichgräber dieses Semester am Freitag durchführen will, wo man sich mit dem, was die Theater so an Centrope- Stücken spielen, beschäftigen soll und diese Stücke auch besuchen.

Das finde ich, obwohl ich mich ja nicht so sehr fürs Theater interessiere, auch sehr interessant, obwohl ich da  nur sporadisch teilnehmen kann, weil wir ja ungefähr jeden zweiten Freitag in Harland sind, aber hin und wieder ins Theater zu gehen oder wenigstens zu wissen, was die auf dem Spielplan haben, ist sicher  auch sehr schön.

2019-09-05

Saisoneröffnung mit Christoph W. Bauer

Der Sommer ist vorbei, die literarischen Veranstaltungen fangen an, könnte man so sagen und in der Tat liegen schon die Programme von der „Gesellschaft“, dem Literaturhaus und der „AS“ auf meinem Schreibtisch, beziehungsweise hängen sie an der Pinwand im Praxiszimmer und wem es interessiert, die „Gesellschaft für Literatur“ hat als Erstes angefangen und da im Rahmen einer Bibliothekstagung zu einem Abend zur neuen österreichischen Literatur eingeladen, was an dem Tag, an dem die österreichische Buchpreisliste veröffentlicht wurde, sicherlich sehr passend ist.

Der 1968 geborene und in Innsbruck geborene Christop W. Bauer steht zwar mit seinem neuen Roman nicht auf dieser Liste, ich kenne ihn aber seit circa 2011 denn da hat ihn mir Gerlinde Tamerl auf der „Buch Wien“ vorgestellt und er sagte auch in seiner Einleitung, daß er heuer sein zwanzigstes „Haymon-Jubläums“ feierte, das neue Buch „Niemandskinder“ aber das erste Mal in Wien und nicht in Innsbruck vorstellte.

Ich habe von Christoph W. Bauer, den ich meistens in Göttweig bei „Literatur und Wein“ sehe, auch schon einiges gelesen.

Das „Alphabet der Häuser“ fällt mir ein und „mein lieben, mein hassen, mein mittendrin du“ und jetzt hat der Lyriker wieder einen Roman geschrieben, der von einem aktuellen Thema handelt und wie Manfred Müller in seiner Einleitung betonte, an der Autobiografie vorbeischrammt, beziehungsweise hat Christoph W. Bauer wieder einmal damit gespielt, sich zu verstecken oder Lebensdaten von sich in seinen Protagonisten einzubauen, die dann nicht ganz stimmen.

Der ist ein Historiker und hat lange in Paris gelebt, in dem Paris von 1999 und 2000 mit einer Samira, die offenbar algarische Wurzeln hat, dann kehrt er wahrscheinlich wieder nach Innbruck zurück und findet dort in einem Archiv einen Zeitungsartikel beziehungsweise, das Foto einer Frau namens Marianne, die seiner Samira erschreckend ähnlich sieht.

Sie ist 1948 geboren und die Tochter eines Besatzungssoldaten, einem Marokkaner ein Niemandkind also, dessen Geschichte in Tirol und Voralberg untern Tisch gekehrt wurde.

Christoph W. Bauer deckt sie auf und verbindet sie mit der „Haiderzeit“ und dem Jahr 2015 mit den Anschlägen in Paris.

Ein sehr aktuelles Thema wie ich finde und ich beobachte ja sehr interessiert, wie und in welcher Art und Weise sich die Schriftsteller der Gegenwart annehmen und sie literarisch verarbeiten.

Das Buch steht nicht auf der öst. Ich wünsche ihm, wie auch Manfred Müller sagte, trotzdem viele Leser.

2015-12-30

Hinter der Zeit

Die 1969 in Bremen geborene und in Linz lebende Corinna Antelmann ist eine Meisterin der psychischen Ausnahmezustände, Halluzinationen und ähnlicher Krisensituationen, habe ich doch 2009 von Dietmar Ehrenreich ihren „Resistenz-Roman“ „Die Farbe der Angst“ bekommen und mich in eine Psychose eingelesen, so habe ich mir die Geschichte jedenfalls interpretiert. Dann immer wieder mal von Corinna Antelmann gehört, daß sie den „Frau Ava Literaturpreis“ gewonnen hat, daß sie ein und dann noch ein zweites Buch bei „Septime“, von denen ich ja auch schon einige Bücher gelesen habe, verlegte, zuletzt, daß sie in die GAV-aufgenommen wurde und sich letzten Oktober bei der Lesung der neuaufgenommenen Mitglieder, am Vorabend der GV vorstellte.

Da ist sie vor mir in der ersten Reihe gesessen, ich habe sie auf ihr „Resistenz-Buch“ angesprochen, sie hat ein Stück aus dem neuen Buch gelesen und mir dann ein Mail geschickt, ob ich es nicht besprechen will.

Möchte ich natürlich gerne, denn ich interessiere mich ja sehr für die deutsche und die österreichische Gegenwartsliteratur und lese mich auch gern durch das Ouvre, der vielleicht nicht so ganz bekannten Autoren und voila schon das Cover ist sehr interessant.

Da steht eine Frauenfigur auf einer Wiese, die bis zum Busen und dann wieder vom Kopf abwärts in Schnürre eingewickelt ist und da hat man schon eine erste Ahnung von dem,, was einem im dem Roman erwarten wird.

Da ist Irina, eine junge Frau und alleinerziehende Mutter einer zwölfjährigen Tochter. Sie ist Restauratorin und soll in ein tscheichisches Dorf, um dort eine Kirche zu renovieren. Aber vorher schleppt sie die Tochter in das Altersheim, in dem ihre demente Mutter lebt, denn Zoe interessiert sich im Gegensatz zu Irina für die Familiengeschichten.

Irina, die Unabvhängige hat dafür kein Interesse und sie hat sich auch von ihrem Kindesvater schon längst getrennt, hat jetzt eine Beziehung zu einem Mann namens Henrik, der mehr an ihr, als sie an ihm hängt.

Es gibt ein Sushi Essen, dann wird Zoe zu ihrem Vater gebracht und Irina fährt mit ihrer Freundin, beziehungsweise Assistentin Astrid ab nach Tschechien. Dort werden sie ihm Pfarrhaus einquartiert, der Pfarrer empfängt sie  sehr freundlich und wundert sich, daß Iriana zu erst in die Kirche und dann erst zum Abendessen will und teilt ihr mit, daß sie leider, leider, das Zimmer mit Astrid teilen muß. Das wird ein Problem, denn die neigt zum Schnarchen, so kann Irina nicht schlafen, wir erleben eine köstliche Szene und die Schlaflosigkeit ist vielleicht der Beginn der seelischen Ausnahmezustände, in die sich Irina die nächsten zweihundertfünfzig Seiten begeben wird.

Sie geht in dem Dorf spazieren, vorher hat sie in der Kirche noch einen Tomas kennengelernt und mit ihm ein Verhältnis begonnen, kommt zu einem verfallenes Gehöft, sieht Hendln darüber laufen und eine junge Frau, die sie zuerst füttert, später Bratsche spielt, aber das ist schon eine halluzinatorische Erscheinung, denn das Gehöft ist verfallen unf verwaist, da wohnt niemand mehr.

Sie lernt aber auch eine alte Frau am Friedhof kennen, eine Kräuterhexe, die ihr von dem Tod ihrer zwölfjährigen Tochter vor Jahren oder Jahrzehnten erzählt, was Irina  in Panik versetzt, kann sie doch Zoe nicht erreichen, dafür meldet Henrik sich bei ihr, von ihm will aber sie nichts wissen.

Hinter den barocken Fassaden, die sie in der Kirche restaurieren wollen, verbergen sich gotische Fresken, was zu einem Baustop führt, denn jetzt müssen neue Gutachten eingehoben werden. Das Team reist ab, Irina bleibt zurück und verliert sich in der Geschichte. Sieht, daß auf dem großen Platz vor dem Rathaus, 1942, Tschechen von den Deutschen erschoßen werden, erfährt, daß die junge Frau von einem Ivo ein Kind erwartet, dann aber vertrieben wird und wir erfahren allmählich, daß es Irinas Großmutter Vera ähnlich ging.

Vera ist die junge Frau, die das Kind auf der Flucht verlor, deshalb nicht freundlich zu ihrer Tochter sein konnte und Irina konnte das nicht zu ihr und auch nicht zu Zoe. Aber allmählich ändern sich die Verhältnisse.

Irina kommt zurück, besucht mit Zoe  die Mutter und schließlich befinden wir uns wieder in der Kirche des tschechischen Dorfes, Irina sagt „Ahoj“ zu einer anderen jungen Frau, die nur ein Wort tschechisch spricht und ihr erzählt, daß sie mit ihrer zwölfjährigen Tochter hergekommen ist, um ihr die Kirche zu zeigen, die ihre Mutter einmal restauriert hat…

So zerfließen die Grenzen von der Gegenwart in die Vergangenheit und von dort zurück in die Zukunft und Corinna Antelmann hat wirkliche ein besonderes Gespür mit psychischen Ausnahmezuständen zu spielen und uns dadurch   Geschichte beizubringen und so kann ich das Buch, allen, die ein bißchen über den Tellerrand der LL- Bücher blicken wollen, sehr empfehelen und bin  auch auf die psychischen Ausnahmezustände ihrer anderen Bücher sehr gespannt.

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