Literaturgefluester

2017-09-26

Romeo oder Julia

Buch dreizehn der LL und Buch zwei der kurzen Liste und das ist interessant, denn das dreizehnte Kapitel spielt in Gerhard Falkners „Romeo und Julia“, der schon im vorigen Jhr auf der LL gestanden ist, eine besondere Rolle.

Ich  habe beim ersten Lesen des Titels wohl ich auch  „Romeo und Julia“ gelesen und vielleicht gedacht „Hej, das gibt es ja schon!“

Aber Romeo und Julia sind ein berühmtes Liebespaar, das unbedingt zusammenkommen wollte, das aber durch Intrigen nicht konnte. Heute ist das aber anders, denn da trennt man sich. Da läßt Romeo schon einmal seine Julia zurück, um sich einen Literaturpreis abzuholen oder für ein Jahr nach New York zu gehen und Julia rächt sich dann, in dem sie Romeo entsetzlich stalkt und zum Schluß natürlich beim Fassadenklettern in die Tiefe stürzt.

Aber natürlich das ist alles nur Phantasie und der 1952 geborene Lyriiker versteht es vortrefflich daraus  einen Shortlistroman zu machen, der vielleicht sogar den Preis gewinnt, wie eine Vloggerin vermutet, die das Buch aber nicht beendet hatte, weil es ihr zu sexistisch und zu freauenfeindlich war.

Dafür hat sie sich allerdings einige Male entschuldigt, denn der Schsundsechzigjähjrige ist ja ein sehr sympathischer Mann, wie sie merhmals betont und noch hinzufügte, daß er, weil sie das Buch abgebrochen hat, jetzt sicher den Preis bekommt.

Das weiß ich nicht so genau und bin, was den Sexismus betrifft wohl auch ein wenig abgebrühter, als die jüngere Frau, denke mir nur, schon wieder ein Mainstreambuch mit schöner Sprache, wo einer künstlerisch 1a seine Midlifekrise schildert, aber was interessiert mich das?

Das Buch hat aber schon etwas Interessantes, etwas, was für mich unter das Neue oder vielleicht das Berührende fallen würde, was ja jeder „gute Roman“ haben muß.

Es beruht auf einen wahren Vorfall. Das tut zwar wahrscheinlich jeder Roman, aber Gerhard Falkner spricht das offen in einem Interview an und hat das dem Buch auch als Nachsatz angefügt.

Daß ihm bei einem Kongreß in Innsbruck wirklich einmal seine Schlüßel und seine Notizbücher in seinem Hotelzimmer gestohlen wurde und, daß dort auch eine verwirrte Frau ihr neugeborenes Kind aus dem Fenster warf, was für ihn Anlaß war, diese Geschichte zu einem Roman zu verarbeiten.

Das Buch, das ich ja ziemlich spät lese, hat für mich auch eine Vorgeschichte, denn „Literaturlärm“ hat es bei ihrem „Longlist-Rundgang“, ja als eher uninteressant bezeichnet. Mir erschien die Vorschau aber ziemlich spannend und so freute ich mich auf das Lesen und das tat besagte Vloggerin, die dann später abgebrochen hat, auch und mir erging es beim Lesen fast ebenso.

Das heißt, ich habe nicht abgebrochen, das tue ich ja nie, bin aber über das erste Kapitel gestolpert, weil es mir viel zu konstruiert und abgehoben geschrieben erschien.

Das wird später besser und man kommt in das Buch hinein, das in drei längere und einem kurzen Teil geschrieben ist, die alle Städtenamen tragen. Innsbruck, Moskau, Madrid, Berlin.

Man sieht, die Shortlistschriftsteller kommen viel herum und werden überall von den den Goethe- und andere Instituten eingeladen, fahren zu Kongreßen und Festivals, wohnen dort in großen Hotels und saufen und vögeln sich durch die Veranstaltungen.

Das ist für mich nicht wirklich neu, obwohl ich ja an der anderen Seite sitze. Es ist aber, wie auch einige andere auf der LL, ein sehr gelehrtes Buch.

Anspielungen aus  Literatur, Kunst und Musik fliegen herum und Kurt Prinzholrn, so heißt der Held, hat auf seinen Kongreßen auch zwei Bücher mit, wo er nicht zu lesen kommt und ich rätsle jetzt herum, welches anderes Longlistbuch es war, wo der Protagonist, da gibt es ja auffällige viele Universitätsprofessoren und Schriftsteller, zwei Bücher mithatte.

Warhscheinlich war es „Das Singen der Sirenen“, denn „Die Kieferninseln“ muß ich noch lesen. Aber da habe ich schon gehört,  kommen auch ein Forschen und Bücher vor. Soviel nur zu dem Neuheitsanspruch der „guten Bücher“ und jetzt zurück zum Plot.

Kurt Prinzhorn reist also zu einem Schriftstellerkongreß oder Festival, das ist nicht so ganz klar und wird auch, glaube ich, doppelt benannt, nach Innsbruck und wird dort gestalkt.

Das heißt, in seiner Badewanne liegen lauter schwarze Haare, das Notizbuch und die Schlüßel sind weg und niemand glaubt ihm das sorecht.

Dann reist er weiter nach Moskau, weil er dort wieder auf einen Schriftstellerkongreß erwartet wird. Dort werden kleine Zettelchen in sein Hotelzimmer geschoben. Er logiert in einem Riesenhotel am roten Platz, wo man sich mit einer Schlüsselkarte ausweisen muß, um in sein Zimmer zu gelangen. Die Prostiutierten schmieren aber die Wächter und wecken dann früh Morgens die westlichen Touristen auf und Prinzhorn macht und das ist eine sehr schöne Schilderung, die Bekanntschaft mit einem streundenden Hund, den er „“Raskolnikov“ nennt.

Für den stiehlt er die Wurst vom Frühstücksbuffet und wenn man beim Frühstücken nicht aufpasst, zieht einem die Servierin Olga, die vollen Frühstücksteller weg. Man sieht, der Lyriker hat schöne Bilder und schiebt sie in seinem Stalkerkrimi, wo der mittelalteSchriftsteller sich durch seine Lesungen vögelt und säuft, auch immer wieder ein.

Er beginnt sich auch dem Rätsel auf die Spur zu begeben, sieht in dem Hotel mehrmals eine Frau mit Kapuzenjacke auftauchen und wird von ihr, als er weiter nach Madrid zu einem Vortrag und zu seiner Freundin Elsa reist, auch nicht verschont.

Er trifft die Verfolgerin, die Julia, die zwanzig Jahre später eine Pistole auf ihren Romeo richtet, weil er sie schmählich verlassen hat, in einer dunklen Gasse. Sie schießt aber noch nicht auf ihn, denn wir haben ja gelernt, in einem Roman muß alles spannend sein. So dringt sie erst einen Tag später in das Hotelzimmer ein, als unser Kurt Prinzhorn sich schon wieder in Berlin befindet. Dort erwartet ihn dann auch die Polizei und fragt ihn nach seinem Alibi, beziehungsweise zeigt sie ihm eine Postkarte, die des Rätsels Lösung ist, das ich zwar, weil das Ganze ziemlich kompliziert aufgebaut ist, nicht so ganz verstanden habe, obwohl andere Vlogger meinten, daß sie das Ende durch seine Banalität enttäuscht hätte.

Gerhard Falkener, glaube ich, ist aber sehr gewifft und versteht es, gekonnt seine Leser zu narren und ich muß schon schreiben, obwohl ich das mit den vögelnden Schriftsteller schon hundertmal gelesen habe, daß das Buch durchaus spannend war, vorallem weil Falkner offenbar versuchte, die Krimiform hineinzubringen, was bei einem Shortlistbuch, ja, glaube ich, als ziemlich unstatthaft gilt.

Also wieder ein Spiel der Ironie und noch etwas hätte ich jetzt fast vergessen, in Innsbruck taucht auf einmal unter lauter mir unbekannten und daher für fiktiv gehaltene Schriftstellernahmen Robert Schindel auf, aber vielleicht habe ich die anderen trotz meines weiblichen Lerserinneninteressen nicht erkannt. Was weiß man schon so genau und ich wünsche Gerhard Falkner für das Gewinnen natürlich alles Gute und werde mich jetzt an die drei anderen SS machen, weil ich den Lehr, der ja wahrscheinlich auch ganz gute Chancen habe, noch nicht bekommen habe.

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2016-10-02

Apollokalypse

Weiter gehts mit Buch zwölf der deutschen Longlist,  des 1951 geborenen  Gerhard Falkner, der mir, obwohl ein bedeutendet Dichter, bisher auch entgangen ist, „Apollokallypse“, ein sperriges vierhundertzwanzig Seiten Buch, das sich einige auf die Shortlist wünschten, die Bücherbloggerin Constanze Matthes abgebrochen hat, „Sounds & Books“ von der Berliner Sphäre begeistert war und mit Sophie Weigand darüber diskutierte, die, ob der der vielen Perspektivenwechsel und der deftigen männlichen Umgangssprache, wohl auch ein wenig ratlos war und mir, der ja „so politisch korrekten, realistisch denkenden und angeblich unverständlich schreibenden Frau, ist es ähnlich gegangen und ich habe mich nun an die fünf Tage durch das Buch gequält, bis Seite zweihundertfünzig hätte ich der Buchpreisbloggerin auch recht gegeben, aber ich breche Bücher ja nicht ab.

„Gott sei Dank!“, könnte man sagen, denn sonst wäre mir höchstwahrscheinlich einiges entgangen, denn bis dahin hätte ich wohl auch gesagt „Was soll denn das?  Vierhundertzwanzig Seiten, um darüber zu schreiben, daß „Büttner tot war, Isabell verlassen und Billy wieder mal verschwunden war“, das steht auf Seite 291 und auf 293 kommt hinzu „Meine Vermieterin sagt, dies hier wäre ein schlechter Roman. Wahrscheinlich hat meine Vermieterin recht. Sie sagt, man wäre als Leser fortwährend auf der Suche nach einem Zusammenhang, und könne ja nicht Sinn eines Romanes sein, sich bis zu seinem Ende damit abzukaspern, einen solchen Zusammenhang zu entdecken“

Sibylle Lewitaroff hat in ihrem „Pfingstwunder“ auch eine ähnliche Stelle eingebaut, die dann die Bücherblogger gegen sie verwendeten.

Es gibt einen Georg Autenrieth aus Augsburg, der  durch die vierhundertseiten Seiten stolpert, mit sich und der Zeit, in der er lebte, indentitätprobleme hat, aber dazu vielleicht erst später, das war dann schon die Erkenntnis, zu der man vielleicht nicht mehr kommt, wenn man das Buch vorher abgebrochen hat.

Bis dahin könnte man sagen „Was soll denn das? Da schreibt einer über das Vögeln, das Scheißen und die Kacke, schreibt von den DDR Zeiten, der RAF und seinem Leben in dieser Zeit mit seinem Freund Büttner, der in der „Klapsmühle“, „Irrenhaus“ nicht „Psychiatrie“ steht im Buch selbst, landete, der ihm dessen Freundin Isabel wegnimmt, dann eine bulgarische Freundin namenns Bilijana, genannt Billiy hat und so komische Anmerkungen von einem Doppelgänger, einem „Glasmann“, der seine Identität aufzulösen scheint und Andeutungen, die auf eine terrorischte Vergangenheit schließen lassen, kommen auch darin vor!“

Was soll denn das, das ist doch vollkommen unverständlich, siehe oben und offenbar, das schwer zu lesende Buch, das die Juroren diesmal auf die Liste setzte, damit die Blogger und die Rezenten sich daran reiben und man darüber spricht!

Dann habe ich weitergelesen, schon ein bißchen ungeduldig, denn es liegen ja noch so viele Bücher in meinem Badezimmer, sechs von der dBp warten noch und bezüglich der öst, habe ich jetzt auch das vierte dazu bekommen.

Aber ich bin geduldig und beharrlich und habe nicht aufgehört zu lesen, obwohl ich es zwischendurch schon ganz unten vor oder nach dem Stadler angesiedelt hätte und mich wunderte, wie langweilig, die großen Dichter Deutschlands schreiben können und mich auch ein bißchen fragte, was Herr Jung wohl dazu sagen würde, der ja wie er am Mittwoch erklärte, von einem Buch am Anfang, in der Mitte und am Schluß jeweils fünf Seiten liest und dann schon alles weiß?

Mir ist, glaube ich, erst nach Seite dreihundert der Vergleich mit dem vorjährigen Gewinnerbuch gekommen, das ist ja genau dasselbe  Thema und dann habe ich mich vielleicht schon gefragt, ob dieses Buch nicht vielleicht besser ist?.

Gerhard Falkner, habe ich auch irgendwo gelesen, hat ebenfalls Jahre an dem Buch gearbeiter und, man kann hier wirklich viel zitieren, um das Buch zu erklären, auf Seite 361 steht „Natürlich kann man die Vergangenheit der Bundesrepublik rekonstruieren aus ihren Erfolgen, Anstrengungen und Absurditäten, die Währungsreform, der Wiederaufbau, das Wirtschaftswunder, Mauerbau, die Gründung der DDR, die Notstandsgesetze, Krefelder Beschluß, Adenauers Forderung nach taktischen Atomwaffen, Aufstieg der deutschen Autoindustrie, Gastarbeiter, die wachsenden Macht der Banken, die Spiegel Affaire, die Ermordung Schleyers oder schließlich die Insellage Westberlin und alle daraus resultierdenen Wunder. – In dieser Geschichte aber würde das kaum helfen“.

Also braucht man die multiple Perslnlichkeit, den Dr. Jekyll und den Mr Hyde und so huscht auch Georg Autenrieth durch Buch und Geschichte, verliert seinen Schatten, erkennt sich selbst in jedem der ihm in der U- Bahn gegenüber sitzt wieder, deutet etwas von einer terroristischen Vergangenheit an und trifft dann den Teufel oder seinen Psychiater, der ihm oder war es umgekehrt, die Idetität raubte und wurde wieder auf eine sehr gelehrige Art un Weise,  im Nachhinein würde ich fast sagen, besser, als es der Witzel konnte.

Wir wissen aber, die Erinnerung täuscht und trübt manchmal und ganz am Schluß gibt es noch ein Bild von einem Mann mit einer seltsamen Bekleidung und einer seltsamen Kopfbedeckung. Ein Berliner Original, den Gerhard Falkner, wie er in einem Nachwort erklärt, traf und fotografierte und der nichts mit dem Buch zu tun hat, also weder Georg Autenrieth noch sein teuflischer Psychiater und Identitätsklauer ist, Gerhard Falkner dürfte ihm aber trotzdem zum Anlaß genommen zu haben, die Geschichte dies Nachkriegsdeutschland wieder einmal wild und ungewöhnlich zu erzählen.

Vergleiche vom falschen oder richtigen Auftauchen zur richtigen Zeit am falschen Ort werden auch öfter zitiert. Nun die Tragik dieses Buches oder „Buchpreises“ könnte man sagen, ist, daß Gerhard Falkner, da ein wenig zu spät gekommen ist. Jedenfalls steht er nicht auf der Shortlist ist also aus dem Rennen und ich könnte jetzt auf Anhieb gar nicht sagen, ob ich ihn darauf täte? Aber zum Glück gehöre ich in diesem Literaturbetrieb ja nur zum Publikum und muß das nicht entscheiden.

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