Literaturgefluester

2021-07-08

Micky Cola

Filed under: Bücher — jancak @ 00:43
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Jetzt kommt ein ungewöhnliches buch, mit einem ungwöhnlichen Cover und einem ungewöhnlichen Autor aus dem „Gmeiner-Verlag“ Nein der „Gmeiner-Verlag“ ist für den 1957 in Wien geborenen Gerhard Loibelsberger, der die „Naschmarktmorde“ und das „Schönbrunner-Finale“ geschrieben hat,nicht ungewöhnlich. Das Genre ist es, handelt es bei seinem neuen Werk doch, wie am buchrücken stehtum einen „futuristischen Thriller“ und dann steht noch „Dies ist die Story eines Songwriters, der seine Epoche in Liedern von seltener Kraft und archaischer Schönheit beschrieb.“

„Aha, könnte man da sagen, denn daß Gerhard Loibelsberger vielleicht auch nochMusiker ist oder war ist nicht so ungewöhnlich, da hat er anerkannte Kollegen, auf die das auch zutrifft, vielleicht sind also die elf Songsm die man sich auf sein Hand hinunterladen kann, von ihm sein. Auf einer der ersten Seiten steht noch, daß das Buch einem Mike Lynn gewidmet ist, mit dem er vor vielen jahren die Figur des Micky Cola erfunden hat und dann noch, daß alle schokierenden Passagen der Ex-Frau gewidmet sind. Die arme Frau könnte man denken, denn wahrscheinlich kann viel in dem Buch als kraftvoll oder schockierend empfunden werden. Es gibt zwischen den Kapitiln, die englische Namen tragen Illustrationen, ein „City Rap Glossar“ gibt es auch, wo erklärt wird, daß „bitsch“ „Hündin,Schlampe“ und „bien sur“, „na sicher“ heißt, was insofern erwähnendswert ist, daß in dem Buch viel Französisch gesprochen wird und dann sind wir schon in der schönen neuen Zukunftswelt und natürlich ist die nicht schön sondern dystopisch.Das kann in Corona-Zeiten garnicht anders sein. Es ist eineWelt wo das Coca Cola, das Einheitsgetränk ist. Das mag vielleicht noch von früher stammen und der Micky Cola wird eigentlich nur MC genannt. Der ist ein Popstar oder Rocksängder und irrt im ersten kapitel durch eine regendüstere Welt in seinem Trenchcoat, findet überall verstümmelte Leichen, hat auch kraftvolle Sexerlebnisse und eine bmt-Technologie (brainsteered micortechnolgy), das ist ein plasmartiger Mikrochip, die den humanoiden Normalverbrauchern hinterm Ohr implantiert wurde. Es gibt kein Geld mehr und nur die Außenseiter wie auch MC einer ist, verwenden noch solches. Aber der hat auch einen Avatar oder eine kyernetische Hündin, die er durch Kaugummi kauen ernährt. Klingt ganz schön kompliziert und ist es auch das erste Kapitel, wo noch vieles von der futruristischen Gewalt in der futoristischen Welt erklärt wird.

Dann wird MC verhaftet, muß in die „Mmines of Waste“ zur Zwangsarbeit. Aber von dort wird er von der schönen la Madame der das „South Florida Mines of Waste“ gehört, wo es noch Sonne und Gemüse gibt, während der Normalverbraucher ja in einer Regenwelt lebt, befreit. Buns fliegen herum und im dritten Kapitel kommt er dann in „Hells <kitchen“ wohnt dort in einem Hotel, das von einem halben Zebra geführt wird. Das er dann auch fick. Der Koch ist eine Fledermaus, und die erklärt ihm, wie die Normalverbraucher ernährt werden. Dda gibt es „Frankn´ furter Dogs, Champignon gratinee, Monkey burgers, die alle aber aus was ganz anderem, als erwartet, bestehen. Reis ist die Mangelware und den bekommen nur die Oligarchen und im nächsten Kapitel zieht MC überhaupt in den Krieg gegen die „Wiedervereinten Nationen“.

Da wird er dann Wolfsmann genannt und begegnet im nächsten Kapitel Gott, der sein Vater ist und der ihm dann alles, was man vielleicht bisher noch nicht verstanden hat, noch einmal erklärt. Es git die „Knights of knowledge“ und auf einigen Seiten sind nur Großbuchstaben geschrieben, die das Lesen fast unmöglich machen.

Das Cover ist bunt und im Coca-Cola Stil. Es könnte, fürchte ich, Kinder auf das Lesen aufmerksam machen, wofür dasBuch absolut nicht geeignet ist. Aber interessant schreibe ich mal, die Altherrenphanatsien des ersten Weltkriegsspezialisten und die aktuelle Corona Situation, die einen ja wirklich in Dystopien bringen kann, mag da wohl auch förderlich gewesen sein.

2019-05-25

Schönbrunner Finale

Jetzt kommt ein kleiner Revolutionsliteraturschwerpunkt, habe ich doch zu meinem Backlistlesen, wo zufällig Gerhard Loibelsberger „Schönbrunner Finale“ an die Reihe kam, das mir der Alfred vorigen November in der Krimibuchhandlung der Lisa kaufte, als ich, die bei der Lesung in der Parlamentsbibliothek zum November 2018 getroffen habe, Alexej Tolstois dritten Band seinens „Leidenswegs“ im „Wortschatz“ gefunden und da packten mich die Schuldgefühle, daß ich den ersten Teil „Die Schwestern“, zwar schon ein Vierteljahr  im Schlafzimmer liegen habe, weil Stephan Teichgräber die Trilogie ja als Unterlage für den Workshop bei einem Antiquar kaufte, aber wegen meiner überlangen Neuerscheinungs oder Herbstrückständeleseliste nicht gelesen haben.

Nun denn einen Ruck gegeben und weil das Revolutionsworkshop nach längerer Unterbrechung ja jetzt wieder angefangen hat, werde ich die zwei Bände lesen, wo ich den ersten seit vorigen Herbst mit Stephan Teichgräber analysiere.

Zuerst aber zum „Schönbrunner Finale“ , ein  Roman oder historischer Krimi aus dem Jahr 1918, wie am Cover steht und der 1957 in Wien geborene Gerhard Loiblsberger ist ja ein „Spezialist“ von historischen Wien-Romanen, einen davon habe ich glaube ich gelesen und mit dem ersten Weltkrieg habe ich mich ja seit dem Jahr 2014 auch sehr intensiv beschäftigt.

Da war ich sogar einmal am Naschmarkt, wo Essensackerl  mit den Rationen aus dem Jahr 1914 verteilt wurde und, um das Essen, das Hamstern und das Hungern geht es in dem Buch auch sehr viel.

Es gibt Wienerische Kochrezepte, die wohl damals üblich waren, Knackwürste mit Erdäpflschmarrn zum Beispiel oder die Hungervarianten, die damals in den Gasthäuser serviert wurden oder die Hausfrauen kochen mußten.

Gerhard Loibelsberger ist auch ein Spezialist des Wienerischen, um die vorvorige Jahrhundertwende, so gibt es ein umfängliches Glossar und Fußnoten zur Erklärung, was „abpaschn“, „Beisl“ „Einbrenn“, etcetera auf Bundesdeutsch bedeuten. Mit manchen Übersetzungen bin ich nicht so ganz einverstanden und daß „Einbrenn“ „Mehlschwitze“ bedeutet, finde ich auch ein wenig komisch, weil wer spricht in Deutschland so?

Aber das nur nebenbei. Das Buch beginnt schon im September 1917 an der Front. Da kommt Kaiser Karl zur Inspektion, die Soldaten werden neu angezogen und die besser Ausschauenden in die erste Reihe gestellt. Der Kaiser spaziert huldfrau vorbei und sagt zu allen „Brav! brav!“, was bei Ambrosius Zach Widerwillen erzeugt, so daß er ihm am liebsten anspucken möchte.

Das gelingt nicht ganz. So desertiert er des Weiteren mit dem Tschechen Karel Husak und kommt nach Wien und in das Jahr 1918 hinein, wo der Polizeiinspector, das wurde damals so geschrieben und auch „Bureau“,  Joseph Maria Nechyba bekannt aus den „Naschmarktmorden“ residiert, beziehungsweise herumschimpft,  sich überhaupt auf dem Schwarzmarkt oder mit Hilfe seiner Amtsgewalt, Essen organisiert, so geht er zu einer Greißlerin, die gerade ein gehamstertes Butterbrot mampft, um ihr das zweite abzukaufen. Die wird später von Ambrosius Zach, der früher, in friedlichen Vorkriegszeiten bei der Arbeiterzeitung Setzer war, ermordet und ausgeraubt und Gerhard Loibelsberger will damit wohl zeigen, daß der Krieg, die Menschen abstumpft, denn da wird wegen einem Butterbrot und ein paar Kreuzern sehr viel erschlagen und erstickt.

Die beiden Deserteuere gehen aber zuerst als Bettgeher zu einem Stanislaus Gotthelf, der wird aber auch erschlagen, so daß sie wegen Mordverdachts flüchten müßen, sie quartieren sich bei einer Köchin ein, deren Gnädige derweil auf Sommerfrische ist, da sind wir noch im August 1918.

Karl Husak kommt bei einem Fleischhauer unter und das ist der, beziehungsweise seine Frau, die dem Hofrat Schmerda, bei dem Nebychas Frau Aurelia Köchin ist und der gibt sein ganzes Vermögen im Schmarzmarkt für Fleisch aus und weil er gerne wieder einmal Eierspeise essen will, hält er sich in seiner Luxuswohnung auf dem Parkettboden Hendln, das heißt, da wurde Erde daraufgeschüttelt, was die Frau Hofrat zur Verzweiflung bringt.

Der Versuch also den bundendeutschen Lesern das Elend Wiens im Jahr 1918 auf amusante Art und Weise näher zu bringen, diese Volkstümelei nervte  manchmal ein bißchen, auch der Wiener Dialekt, von dem ich ganz ehrlich bezweifle, daß die Leute damals wirklich so gesprochen habe.

Es ist aber ohne Zweifel  lehrreich zu lesen und ein gutes Bild vom damaligen Wien, wo meine Elterrn, kleine, wahrscheinlich auch hungrige Kinder waren, bekommt man auch und so geht es durch den Herbst, bis zu dem historischen November, wo der Kaiser abdanken und Schloß Schönbrunn verlassen muß. Da wird noch einmal ordentlich die Hofküche leergegessen und sich an den guten Weinen betrunken.

Nebycha und der Koch tun das. Der Kaiser hat mit seiner Familie längst sein Automobil bestiegen und die beiden Deserteure, die sich der roten Garde angeschlossen haben, werden vom grantelnden Nebycha bei Plündern erwischt. Zach kommt um und Husak wird von Nebycha persönlich zum Bahnhof gebracht und in den Zug nach Prag gesetzt.

„Vy jeste Cech!“ – „Bist du Tscheche?“, ruft der schon abfahrende Joseph Maria Nebycha nach und der „brummt dann mehr für sich als für irgendjemand anderen: „Ich bin Österreicher!“

So endet das Buch. Gerhard Loibelberger hat diese Stelle auch bei der Lesung in der Parlamentsbibliothek vorgetragen. Dann hats ein Buffet mit Grammlpogatscherln, Nuß und Mohnkipfern gegeben und ich komme nicht umhin anzumerken, daß ich diesen Roman aus wahrhaft historischen Zeiten Österreichs in eben diesen gelesen habe. Stehen wir ja gerade vor einer Regierungsumbildung, einer Expertenübergangslösung und einem Mißtrauensantrag, bis zur nächsten Wahl, die es im September sein wird.

2018-10-15

Die Geburt der Ersten Republik im historischen Krimi

Dieser Tage findet in Österreich das größte Literaturfestival, nämlich „Österreich liest-Treffpunkt Bibliothek“ statt, das bisher immer mehr oder weniger an mir vorbei gegangen ist, was daran liegen mag, das ich nicht so eine Bibliothekleserin bin, sondern mit den städtischen Büchereifilialen und ihren strengen Bibkliothekarinen eher schlechte Erfahrungen gemacht habe und eher eine Büchersammlerin als Büchereileserin bin.

Aber dieses Festival gibt es schon seit Jahren und ich kann mich da an an Karten, beziehungsweise „Standard-Inserate“ erinnern, die darauf hinweisen.

Die Karten habe ich gesammelt, das Programm aber nie richtig erhalten, jedenfalls bin ich, glaube ich, zu solchen Veranstaltungen nicht besonders hingegangen und vor einigen Wochen wies mich der Alfred auf eine Veranstaltung hin, die im Rahmen dieser Aktion im Palais Epstein, beziehungsweise in der Parlamentsbibliothek stattfand.

„Endlich brachst du die Ketten entzwei – die Geburt der Ersten Republik im historischen Kriminalroman“, wo Andreas Pittler und Gerhard Loibersberger ihre Kriminalromane, die davon handelten, vorstellten.

Nun habe ich, was das Parlament und seine Veranstaltungen betrifft, ein eher gespaltenes Verhältnis, man muß seinen Ausweis herzeigen, vielleicht sogar seine Tasche auf ein Sicherheitsband legen oder in sie hineinschauen lassen, alles, was ich eigentlich nicht will und außerdem habe ich „Chuzpe“ schon 2010 gelesen.

Der Alfred ließ aber nicht locker und so habe ich mich doch angemeldet und das Palais Epstein ist auch sehr interessant, befand sich doch 1980 der Wiener Stadtschulrat darin und da bin ich einmal hingegangen und habe mich bei einem Hofrat Kraft vorgjestellt, weil ich das mein“ Akademikertraining“ im schulspsychologischen Dienst machen wollte.

Dann hörte ich, es sollte das „Haus der Geschichte“ werden, als sich der Stadtschulrat nicht mehr dort befand und jetzt befindet sich offenbar die Parlamentsbibliothek daran und es war mit den Sicherheitsmaßnahmen gar nicht so schlimm, wie befürchtet.

dieLesung fand im überdachten Innenhof des schönen historischen Gebäudes statt, die Parlamentsdirektorin Susanne Janistyn-Novak hat begrüßt, moderiert und eingeleitet hat dann die Leiterin der Parlamentsbibliothek Elisabeth Dietrich-Schulz und hat auf den November 1918 und die Republikgründung  und  auf das Buffet, das es anschließnd geben würde, hingewiesen und davor noch gesagt, daß die Soldaten, die 1918 vom Weltkrieg nach Hause kamen, im Durchschnitt fünfzig Kilo gewogen hätten.

„Uje, uje!“, habe ich gedacht und daran, daß ich 2014 auf einer Marktveranstaltung war, wo Sackerln ausgegeben wurden, wo die damaligen Tages- oder Wocherationen an Mehl und Zucker etcetera enthalten waren und befürchtet, daß sich das Buffet daran halten würden.

Es wurde dann etwas von Mohn- und Nußkipferl und Grammelpogatscherln erwähnt und in den beiden vorgestellten Büchern dreht es sich auch ums Essen, in dem von Andreas Pittler, der, was ich nicht wußte, Professor ist und 2004, das Ehrenkreuz der Republik bekommen hat, geht der Major Bornstein, am elften November ja ins Parlamentsrestaurant, wo sich die Speisekarte von Lachs- und Putegerichten biegt, er aber kein Geld hat, sich eines der Gerichte zu bestellen und Gerhard Loibelsberger im Frühjahr erschienener Roman „Schönbrunner Filiale“ schließt direkt daran an.

Es geht dabei um zwei Deserteure, einen Tschechen und einen Wiener, die am elften November oder so, wo der Kaiser abdanken oder verzichten mußte, in Schönbrunn einbrachen und die Küche stürmten, sie wurden dabei verhaftet und der Inspektor, der später Ministerialrat wird, geht in ein Restaurant in der Porzellangasse essen, wo es Gemüsegulasch und gefüllte Paprika ohne Fleisch gibt.

Das Buffet in der belle Etage im Palais Epstein war aber wohl gefüllt, es gab zu den schon erwähnten Grammelpgatscherln, Brötchen und zu den Nuß- und Mohnkipferln, auch noch Sacherwürfel und Schaumrollen.

Musik gab es auch und ich habe am Büchertisch, die Babysitterin entdeckt, die ich in den Neunzigerjahren eine Zeitlang für die Anna engagiert hatte, da ich neben der Betreuung meines Vaters und meiner Praxis in der Gumpendorferstraße Unterstützung brauchte.

Die hat jetzt eine Krimibuchhandlung in der Magdalenenstraße und die Loibelsberger und die Pittler- Bücher auf dem Büchertisch liegen und es war eine tolle Veranstaltung, obwohl ich Anfangs sehr skeptisch war und nur  widerwillig hingegangen bin.

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