Literaturgefluester

2019-04-05

hell dunkel

Filed under: Bücher — jancak @ 00:13
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Es ist erstaunlich, welche Themengebiete, die zufällig zusammengewürfelten Frühjahrsneuerscheinungen haben, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Da geht es vom Mißbrauch und Pädophilie zur Zwangsprostituation. Die Nymphomanie einer Zahnärztin gibt es auch und die 1990 geborene Julia Rothenberg, deren Debut ich im Vorjahr gelesen habe, die eine noch sehr junge Frau und noch eine unter Dreißigjährige ist, setzt mit dem Thema Inzest auch noch einmal ein Tüpfelchen drauf.

Ja, wir wissen, Sex sells und Bücher sind nur interessant, wenn das, was drinnen steht, das Schlimmste ist, was man erlebte oder sich vorstellen kann und noch ein Stückchen mehr.

Julia Rothenberg scheint es mit dem Thema Krankheit und Sterben zu haben, ob autobiografisch erlebt oder fiktiv nachempfunden, habe ich keine Ahnung und in „hell dunkel“ geht es auch um ein sehr wichtiges Thema.

Da sind Valerie und Robert, Halbgeschwister. Das „hell dunkel“ symbolisiert ihre Verschiedenheit, suggeriert der Klappentext. Das habe ich gar nicht so empfunden, sondern gedacht, daß es hier, um etwas  anderes geht.

Valerie ist neunzehn und geht noch zur Schule. So beginnt das Buch auch beim Sportunterricht. Die Freundinnen heißen Nathalie und Ivana, der Freund Ali oder eigentlich Andreas und da kommen Mails von der Mutter, daß sie gerade mal ins Spital gegangen ist.

Valerie geht nach Hause. Da findet sie den dreiundzwanzigjährigen Halbbrunder Robert, dessen Vater Italiener ist, Valerie scheint keinen Vater zu haben, der in Marburg lebt und dort eine Leere macht, weil er die Schule vor einiger Zeit abgebrochen und Mutter und Schwester verlassen hat.

Er scheint da auf die schiefe Bahn oder in eine Krise geraten zu sein, jedenfalls hat ihn seine Freundin Sandra zu einer „Psychotante“ geschickt, aber wenn die anruft, geht er nicht ans Telefon.

Robert ist der fürsorgliche. Er besucht die Mutter im Spital, während Valerie die Schule schwänzt und die Mutter erfahren wir, hat Darmverschluß und schön länger einen Krebs. Aber jetzt ist es unheilbar,  bald zu Ende und sie sollen sich aufs Sterben vorbereiten, erklärt der freundliche Arzt, der selber sehr früh seine Mutter verloren hat.

Er schlägt auch ein Hospitz für die Mutter vor. Die will aber zu Hause sterben und organisiert sich ein mobiles Pflegeteam, so daß die überraschten und alleingeleassenen Geschwister, früh am Morgen, während sie am Wohnzimmerboden miteinander kuscheln, von einem Sanitäterteam aufgeschreckt werden, das die energische Mutter nach Hause bringt.

Sie haben noch  mehr als gekuschelt. Sie haben ungeschützen Verkehr gehabt und wissen jetzt nicht so genau, ob das nicht verboten ist, aber die Pille danach, kann das ja vertuschen.

Blöd nur, daß sie von Mutters besten Freundin im Schwimmbad überrascht wurden und die überrascht sie auch im Wohnzimmer, teilt das Gesehene dann gleich brühwarm der Mutter mit, so daß die ihr Notfallsmorphium nimmt. Robert flüchtet zum Bahnhof, kommt dann aber wieder zurück, die Mutter ruft Valerie herein, teilt ihr mit, daß sie Birigt, den Auftrag sich um ihr Begräbnis zu kümmern, entzogen hat und will sonst nichts anders wissen oder haben, als Valeries Hand.

Als Tüpfelchen dearauf kommt dann noch der mobile Pfleger, schickt die Geschwister hinaus, spritzt der Mutter etwas, was er ihnen nicht verraten will,  rät die Heizung abzudrehen und wir können nur vermuten oder uns fragen, ob, das die Todesspitze war? Die Geschwister gehen jedenfalls am Ende „nachgucken“ und sagen „Okay“  und ich schüttele den Kopf und sage, „Nein, das nicht, so weit sind wir noch nicht!“

Obwohl in der Literatur,  wie schon beschrieben , alles noch ein bißchen mehr, als in der Wirklichkeit überhöht und übertrieben sein muß, um wahrgenommen zu werden.

Und, um jetzt nicht mißverstanden zu werden. Ich habe ein sehr gut geschriebenes, sehr eindrückliches und für eine unter Dreißigjährige erstaunlich stimmiges Buch gelesen, das mir schließlich besser, als das der Corinne T. Sievers gefallen hat, auf das ich auch sehr neugierig war, denke daß es ein sehr sehr wichtiges Thema ist, wenn Zwanzigjährige, die sonst niemanden auf der Welt haben, ihre Eltern verlieren, daß sie sich dann in ihrer Verwirrung aneinanderkuscheln, ist auch verständlich. Die Grenze zum Inzest, der ja, ich weiß auch nicht warum, ein großes Tabuthema ist, denn, wenn man aufpasst, daß man nicht schwanger wird, ist ja eigentlich nichts dabei, müßte vielleicht nicht überschritten werden und das dramatische Ende auch nicht, denn liebe Leser und Autoren, das Sterben passiert  ganz von allein und die energische liebevolle Mutter war ja mit ihrer Schmerztherapie auch gut versorgt.

Ich habe auch schon über dieses Thema geschrieben, als mich das Buch von  Ernst Lothar sehr aufregte, hätte aber, füge ich hinzu, mit neunundzwanzig so ein Buch nicht schreiben können.

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2018-08-07

Als die Kirche den Fluß überquerte

Jetzt kommt wieder etwas Neues, am ersten August erschienen und schon der zweite Roman, der 1988 in Bratislava geborenen Didi Drobna, die seit 1991 in Wien lebt und auch Sprachkunst studierte. Der Erste „Zwischen Schaumstoff“erschien 2014 in der „Edition Exil“, Preisträgerin oder Finalistin von „Wartholz“ war sie, glaube ich, auch.

„Als die Kirche den Fluß überquerte“, was hat dieser Titel, der erstmals absurd scheint und aufmerksam macht, zu bedeuten? Es ist eine Metapher für das Leben, beziehungsweise für die Veränderungen durch Krankheit und Tod, die eine ist die Mutter, die geht oder Alzheimer bekommt, der zweite, der Sohn, der überbleibt und die Geschichte erzählen muß.

Der heißt Daniel, ist etwa zwanzig und alles fängt mit einem Urlaub an, danach trennen sich die Eltern, was den Sohn offenbar in tiefe Verwirrung stürzt. Er fühlt sich für den Zusammenhalt der Familie verantwortlich, verliebt sich in die Schwester Laura, die schon in einer Bank arbeitet. Es kommt zu einer etwas verwackelten Inzestszene im Suff und die darauffolgenden Ohrfeigen, Auszug zum Vater und schon wieder Trennung.

Inzest ist ein Tabuthebma, das eigentlich nur selten angesprochen und beschrieben wird, obwohl es in Zeiten von Kondomen, Abtreibungen und Pille, meiner Meinung nach keines mehr sein bräuchte.

Am Anfang hat das Buch mich verwirrt, beziehungsweise mir nicht sehr gefallen und es wäre wieder ein Beweis dafür, daß man den Wert eines Buches nicht erkennt, wenn man es nach fünf Minuten mit den Worten „Mist, ich lasse mir meine Zeit nicht stehlen!“, zur Seite schmeißt. Denn da war mir dieser Daniel zu unsympathisch und Didi Drobna zu lustig, der zweite Tilmann Rammstedt habe ich getdacht, dessen aufgesetzte Lustigkeit und heitere Nonsenseschreiben mir auch nicht gefällt.

Dann, als die Mutter aber Parkinson und Alzheimer noch dazu bekommt, wird das Buch berührend und ich denke, es ist nicht nur etwas für junge Leute, die sich über diese Coming out Comic der Zwanzigjährigen amüsieren und es würde mich nicht wundern, wenn Didi Drobna, das bei einem Großvater oder Großmutter  selbst erlebt hätte? Wenn es die Mutter gewesen wäre, wäre es besonders tragisch. Und das kann ich nachvollziehen und scheint, die ich mich ja sowohl persönlich, als auch beruflich mit diesem Thema beschäftigt habe, auch fachlich zu stimmen, obwohl so ganz wieder doch nicht.

Denn die Mutter wird ja, als es dem Sohn, als der zuerst einmal die Pflege übernimmt, von zwei vierundzwanhzig Stunden Heimhilfen, die sich abwechseln betreut. Als die Mutter dann doch einmal abbüchst, weil der Sohn nicht ausgehalten hat, daß sie Stundenlang „Ich darf die Himbeeren erst essen,wenn…..!“  und sie dann auf ihr entschuldigendes „Ich bin noch nicht ganz senil!“, ein empörtes „Doch bist du!“, ins Gesicht geschrieen hat, kommt der Vater, der ja eigentlich ausgezogen ist, auch das ist unlogisch, um sie zu suchen und sie rufen die Betreuerinnen an, ob die wissen, wo sie ist? Aber die eine sitzt wahrscheinlich in der Slowakei bei ihrem Kind und ihrer Mutter und die andere sollte eigentlich im Haus und dabei gewesen sein.

Es gibt neben dem meiner Meinung nach wirklich sehr berührenden und lesenswerten Stellen, aber noch vieles anderes in dem Buch. So erscheint mir diese plötzliche Trennung der Eltern, Erstens nicht wirklich nachvollziehbar und Zweitens reißt es die Kinder, wie Christine Nöstlinger und Vera Ferra- Mikura zeigten oft empfindlich durcheinander. Ein Achtzehnjähriger wird aber wahrscheinlich drüber stehen und an die Mädchen denken, die er noch verführen will und da gibt es  auch noch einige so aufgesetzt komische Szenen in dem Buch, wie die, wo alle Schüler zu Schulanfang in die Kirche gehen und Daniel ist gerade, noch bevor er sich in seine Schwester verliebt, in eine schöne Zugezogene vernarrt, die er dann beim Knutschen mit einem anderen erwischt und laut durch den Kirchensaal :“Sie wird geleckt verdammt!“, schreit, dann nach Hause in den Garten rennt und sich am Apfelbaum aufhängen möchte, nur leider hat er das Seil zu schlampig geknöpft „Ich stöhnte, sogar zum Sterben war ich zu blöd!“, so daß er von der herbeieilenden Schwester gerettet wird.

Es gibt noch so eine wahnsinnig komische Szene mit einem Pfarrer. Denn er wird, das Buch erzählt, sowohl von der Gegenwart, als auch von der Vergangenheit, als er, weil er nicht singen möchte, in Religion nur eine „zwei“ bekommt, von der katholischen Großmutter Sonja zum Nachhilfeunterricht beim Pfarrer verdammt, der ist einerseits ein frommer strenger Mann, andererseits ist er leger und trägt Jeans und läßt von der Haushälterin auch Tee und kleine Brötchen servieren.

Daniel rinnt das Wasser im Mund zusammen, nur leider weiß er nicht, wie er sie essen soll. Der Pfarrer macht es ihm nicht vor. So wartet er, bis der von einem Gläubigen, ein Kuvert mit Geld für den Kirchenbau in die Hand gedrückt bekommt, stopft die Brötchen in sich hinein, kann sie dann aber nicht schnell genug hinunterschlucken, so daß er sie dem Pfarrer am Ende ins Gesicht spukt.

Das führt zu einem Lachanfall der Eltern, wie in dem Buch, wie ich anmerken kann, überhaupt viel gelacht wird, denn als die Eltern heiraten, werden beide vorher von Großcousine Miriam, einer Bildhauerin, bei der Daniel später als Praktikant unterkommt, aufgefordert das nicht zu tun, sie biete ihnen viel Geld dafür und als beide das empört ablehnen und sich die Geschichten gegenseitig erzählen, fangen sie auch schallend zu lachen an.

Nun ja, später haben sie sich wieder getrennt oder doch nicht so ganz. Die Schwester in die Daniel sich verliebt und einen Wutanfall bekommt, als er sie im Bett eines Prakitanten findet und dessen Skulpturen betrunken zerstört, entwickelt eine Magersucht oder eine Gastritis, ißt nichts und kotzt alles aus sich heraus, denn das Leben und das Aufwachsen, das Coming in Age, ist hart und grausam.

Wir wissen es und können es inzwischen in unzähligen Büchern von Sprachkunstabsolventen nachlesen und ich habe manchmal gedacht, daß ich vielleicht zu alt für das Buch bin. Dann war ich aber vor allem von den Alzheimerstellen wieder sehr beeindruckt und kann das Buch wahrscheinlich auch älteren Lesern empfehlen. Im Herbst wird es auch im Wiener Literaturhaus vorgestellt.

2015-12-02

Dunkle Liebe eines wilden Geschlechts

Filed under: Bücher — jancak @ 08:57
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Jetzt kommt nicht das letzte, sondern das vorletzte Buch meiner Autorenkollegin Hilde Schmölzer, das sie mir zum vorigen Geburtstag brachte,  das schon 2013 erschienen ist.

Die angeblich oder auch tatsächlich inzestiöse  Beziehungn Georg Trakls zu seiner jüngeren Schwester Margarete, die man in seinen Gedichten vermuten kann.

Jetzt bin ich eigentlich nicht der Auffassung, daß das Private, wie beispielsweise Dave Egger in seinem „Circle“, den ich kürzlich gelesen habe, aufzeigt „Diebstahl“ sei und man mit  einer Kamera um den Hals herumlaufen soll, um alles „dunkle und geheime“ ans Licht zu bringen und denke, daß man eher Trakls Gedichte lesen soll, als Geheimnisse aufzuspüren, die vor mehr als hundert Jahren geschehen sind, aber Hilde Schmölzers Buch gibt einen sehr genauen Einblick in das Leben, des sehr früh verstorbenen Dichters und überhaupt in das Leben vor hundert Jahren in der Provinzstadt Salzburg oder der K und K Stadt Wien und was das Geheime und Verworrene betrifft, merkt sie auch öfter an, daß das letztlich im Dunklen bleiben wird und wahrscheinlich auch soll, füge ich hinzu.

Ich kenne Georg Trakl,  1887- 1914, muß ich gleich anmerken, hauptsächlich durch den „Trakl-Preis“, den 1999 Elfriede Gerstl gemeinsam mit den“ Fried Preis“ bekommen hat , bin, als ich in den Neunzehnsiebzigerjahren einen  in einem Sommer in Salzburg war, auch beim „Trakl-Haus“ vorbei oder hineingegangen, sonst weiß ich aber wenig über den Lyriker und habe ihn bis vor kurzem auch, glaube ich, mit Gottfried Benn verwechselt.

Also habe ich Hilde Schmölzers Bemühen Licht in das Leben von Frauen, um berühmte Männer zu bringen, sehr zu danken, wenn ich auch glaube, daß es mehr um die Gedichte, als um die Spekulationen dahinter gehen sollte.

Das Buch ist in vier Kapitel: Kindheit, Jugend, Reifezeit, Tod gegliedert und beginnt mit den Eltern Trakls, Tobias und Maria.

Maria war eine geschiedene Frau mit einem außerehelichen Kind, schwermütig depressiv, drogenabhängig, wie Hilde Schmölzer schreibt und einmal glaube ich, Opium erwähnt.

Der Vater Geschäftsmann in Salzburg, es gab noch einige ältere Geschwister und die wurden von einer französischen Gouvernante aufgezogen. Die zehnjährige Grete wurde dann aber nach St. Pölten zu den englischen Fräuleins und später in eine Klosterschule nach Wien gegeben.

Hilde Schmölzer hat da mit einer über neunzigjährigen Nonne gresprochen und schildert genau, wie hart und unerfreulich, das Klosterleben der kleinen Mädchen damals war.

Der Bruder hat, glaube ich, das Gymnasium abgebrochen, früh zu dichten angegefangen, dann eine Apothekenlehre gemacht und ist  gemeinsam mit seiner Schwester nach Wien gegeangen, dort hat er Pharmazie, sie Klavier studiert. Der Bruder labil, depressiv, psychotisch, kontakt- und menschenscheu, schreibt Hilde Schmölzer an mehreren Stellen, Drogen- und Alkoholabhängig, hat auch die Schwester in Kontakt mit Alkohol und Drogen gebracht.

Sie hat ihr Studium auch mehrmals abgebrochen, ist nach Berlin gegangen und hat dort einen wesentlich älteren Mann geheiratet.

Da sie noch unmündig war, haben die Mutter und ihr Vormund, Wilhelm Trakl, diese Ehe auch verhindern wollen. Sie hat sich aber durchgesetzt, was aber nicht gut gewesen schien, hat Arthur Lange, statt, wie er versprach, ihr Studium zu finanzieren, nur ihr Geld durchgebracht und die Ehe wurde auch bald geschieden.

Georg Trakl scheint so schüchtern gewesen zu sein, daß er einen Freund mit der Herausgabe seiner Gedichte betraute, er kam dann bald auch in den „Brenner-Kreis“, eine damals sehr bedeutende Literaturzeitschrift, die von Ludwig von Ficker in Innsbruck herausgegeben wurde.

Nach Innsbruck ist er nach seinem Studium auch gezogen, hat mehrmals versucht im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen, das heißt, als Apotheker in mehreren Ministerien zu arbeiten und hat sich  1914 freiwillig, obwohl er, wie Hilde Schmölzer schreibt, weniger kriegseuphorisch, als andere seiner Zeitgenossen war, in den Krieg gemeldet.

Er kam nach Gallizien und mußte dann in einer Scheune neunzig Schwerstverwundeten beisstehen, was ihn überforderte.

Es kam zu einem Selbstmordversuch, er kam in ein Kriegsspital nach Krakau, wo er sich durch Kokain, 1914 das Leben nahm.

Auch das ist nicht ganz bewiesen, ob es wirklichn Selbstmord  war.  Er vererbte seiner Schwester Grete sein Vermögen, das er vorher durch eine Schenkung von Ludwig Wittgenstein bekommen hat.

Zum Zeitpunkt seines Todes war erst ein Gedichtband erschienen, der zweite  „Sebastian im Traum“ erschien 2015. Er ist im Gegensatz zum Wunsch seiner Familie, in Innsbruck, statt in Salzburg begraben.

Das Grab seiner Schwester, die sich drei Jahre später, 1917, das Leben nahm, ist dagegen unbekant.

Von ihr gibt es auch nur wenige Fotografien, eine davon ziert das Titelbild  und Hilde Schmölzer führt, wie es, glaube ich, auch schon Virgina Woolf getan hat, die Phantasie weiter, was aus Margarete Trakl geworden wäre, wenn sie die gleichen Möglichkeiten wie ihr Bruder gehabt hätte?

Aber der ist auch sehr jung gestorben, sein Name allerdings in aller Munde, wenn auch die meisten wahrscheinlich seine Gedichte, die expressionistisch und wahrscheinlich aus ihrer Zeit zu verstehen sind, nicht gelesen haben.

Das Schicksal einer bürglichen Frau um Neunzehnhundert war aber wahrscheinlich nicht sehr erfreulich.

Margarete Trakl hat auszubrechen und zu studieren versucht. Sie war, wie Hilde Schmölzer vermutet, hoch musikalisch, wollte Komponistin werden. Aber das war zu damaliger Zeit unmöglich. So ist sie völlig verarmt und verschuldet, in einem Berliner Hotel verstorben. Die Familie hat sich, wie Hilde Schmölzer vermutet, ihrer geschämt. Die „Brenner Gesellschaft“ wollte den Ruf des berühmten Bruders rein halten. So wurde sie vielleicht zu seiner Verführerin stilisiert. Schuldgefühle scheinen beide gehabt zu haben und der Weltkrieg I hat die Gesellschaft auch sehr verrüttet und das, was danach geschehen ist, ist auch nicht viel erfreulicher und ich denke, wenn ich die Bücher der heute schreibenden junge Frauen, wie beispielsweise das von Helene Hegemann oder Ekatharina Heider lese, daß es die auch nicht viel leichter haben, auch wenn sie problemlos studieren können und es einige von ihnen sogar zum Bachmannpreis schaffen.

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