Literaturgefluester

2022-05-12

Die Literaturgesellschaft und der Wiener Literaturbetrieb

Wieder eine Veranstaltung zum sechzig Jahre Jubliäum der „Österreichischen Gesellschaft für Literatur“, die, wo es um das Exil oder die Rückholung von Wolfgang Kraus der hauptsächlich männlichen Literaten der Nachkriegszeit habe ich ja schon gehört und wieder Stream, weil zwar keine sechs Uhr Stunde, aber eine Harlandfahrt, weil der Alfred ja wieder mit dem Karli verreist und mich für die nächsten vierzehn Tage zu einer literarisch tätigen Strohwitwe macht und wieder ist sie für mich, die ich ja 1973 sehr gehemmt und schüchtern in den Wiener Literaturbetrieb eingestiegen bin, sehr interessant.

Daß Wolfgang Kraus in den Sechzigerjahren, der große Literaturvermittler war, der die Minister zusammenschieß, eine Autorenwohnung hatte, Preise und Stipendien vergab, wo er auch eifrig mitmischte, so hat er den „Wildgans-Preis“ mitbegründet, den „Sperber-Preis“ und auch einen Staatspreis und Reinhard Urbach war sein Mitarbeiter. Dann kamen die Siebzigerjahre und das Forum-Stadtpark wurde gegründet, 1973 die GAV, die sich gegen den PEN wendete und Reinhard urbach hat die „Gesellschaft“ verlassen und die „Alte Schmiede“ mitbegründet, weil in Graz der Literaturbetrieb mit der Zeitschrift „Manuskripte“, in Salzburg der „Residenz Verlag“ und Wien ist nur die Durchlaufstation, nein das kann nicht sein, also gründete er die „Alte Schmiede“, ging später ins Burgtheater und zum „Theater der Jugend“ und Kurt Neumann, der Medizin studierte und dann in Gmunden Literaturfestivals organisierte, übernahm.

Also zwei Literaturinstitutionen in Wien, die sich wahrscheinlich mehr oder weniger konkurrenzierten. Der eine alt und etabliert, der andere jung und aufmüpfig. Das Literaturhaus wurde ja erst viel später gegründet und so stellte Ursula Ebel ,die unermüdliche wieder die Geschichte des Wiener Literaturbetriebs der sechziger siebziger <jahre vor und dann gabs ein Gespräch mit drei damaligen Literaturinstitutionen, nämlich Kurt Neumann, inzwischen schon in Pension und die „Alte Schmiede“ wird von jungen Literaturwissenschaftlern geleitet, Reinhard Urbach und Franz Schuh, der damals Generalsekretär der GAV war und in einer Art Haßliebe zu Wolfgang Kaus stand. Jetzt haben sich die deutschen Literaturhäuser ja verbunden, vergeben den Preis derselben und inzwischen ist auch das Wiener Literaturhaus dabei. Kurt Neumann erzählte, daß er immer dagegen war und Franz Schuh stellte die Frage, wer kennt heute noch die GAV? Ich zum Beispiel, denn ich bin nach wievor Mitglied und habe ab den Siebzigerjahren den Wiener Literaturbetrieb sehr intensiv erlebt und auch mitgestaltet.

1975 wurde und das finde ich sehr interessant oder auch beschämend Elfriede Jelinek in die „Schmiede“ eingeladen, die aus ihren „Liebhaberinnen“ las und vom Publikum sehr beschimpft wurde und dann nie wieder in einer öffentlichen Institution auftrat und Reinhard Urbach erzählte, daß die Autoren in der „Alten Schmiede“ ein Honorar bekamen, das ihnen den Eintritt in den Literaturbetrieb oder den Zugang zu den Stipendien ermöglichte.

Inzwischen gibt es ja, wie Reinhard Urbach erwähnte unzählige Literaturinstitutionen und Franz Schuh ging gleich zu Rudi Anschober über, der ja sein Verlagskollege ist und jeden Tag eine Lesung hat, obwohl er nach seiner Meinung weder etwas mit Literatur, als auch mit Gesundheit zu tun hat und ich habe, glaube ich, gehört, daß er ursprünglich einen Krimi schreiben wollte, „Pandemia“ ist aber wahrscheinlich sein Abgesang als Gesundheitsminister und daher keine Literatur. Er hat aber sicher immer ein volles Haus und der Verlag verkauft das Buch wahrscheinlich gut, während ich bei meinen Lesungen ja kaum Zuhörer habe und inzwischen Pandemie bedingt auch keine Lesungen mehr. Von Rudi Anschober kam Franz Schuh dann zu einer Kritik, die in den Siebzigerjahren, glaubte, die richtige Literatur würde in der „Gesellschaft“ präsentiert, während in der „Alten Schmiede“ Leute lesen, damit sie auch ein Honorar bekommen und damit Elfriede Gerstl ,meinte und nicht begriff was für eine großartige Lyrikerin sie war und die Veranstaltung schloß mit den „Krausbirnen“ der Literatur, wo ich aber hinzufügen möchte, daß ich die ich ja den Wiener Literaturbetrieb als Ganzes erfassen will, sowohl die „Gesellschaft“, als auch die „Schmiede“, das Literaturhaus, das Amerlinghaus, der „Read!!!ingroom“ etcetera sehr wichtig ist, in der „Alten Schmiede“ konnte ich solange es die „Textvorstellungen“ gab, lesen, in der „Gesellschaft“ nur zum Fasching, im Lteraturhaus, wenn ich was für die GAV organisierte und inzwischen mache ich mein eigenes Ding mit dem „Literaturgeflüster“, das ja in zwei Monaten vierzehn Jahre alt wird und für mich sehr sehr wichtig ist.

2022-05-09

Zwischen Zürich und Wien

Oder „Picus“ und Czernin“ , die beiden kleinen österreichischen Hauptverbandsverlage, könnte man so sagen, haben heute ihre Bücher in der „Gesellschaft“ vorgestellt. Bücher aus dem Jahr 2021, die eigentlich von dem Wörtchen mit „C“ verhindert, wie Ursula Ebel neckisch sagte und alle kicherten, schon im Vorjahr im Cefe Central, der „Gesellschaft-Außenstelle“ seit einiger Zeit, wo ich auch „C“ bedingt, noch nicht war und dort wird auch nicht gestreamt, vorgestellt werden sollte.

Tom Zürcher, Ursula Ebel

Jetzt also in der „Gesellschaft“ und da konnte ich wegen der Sommerlockerungen hin. Es waren nur wenige Leute da, die Tom Zürcher und Christopher Wurmdobler hören wollten und wieder interessant, alle haben Masken getragen. Es hingen auch beim Eingang die entsprechenden Pickerln auf und, daß der 1966 in Zürich geborene Autor und Werbetexter der 2019 glaube ich mit seinem „Mobbing Dick“ auf der dBp gstanden ist, jetzt bei „Picus“ verlegt, fand ich interessant. Sein Verleger war auch da, der von Christopher Wurmdobler nicht, dafür habe ich von ihm am Freitag aber ein Buch im „Wortschatz“ gefunden und eine Lesung aus „Ausrasten“ seine Wien-Ezählungen auch schon per Stream im Literaturhaus gehört.

Tom Zürcher hat von Ursula Ebel befragt ,angefangen und sein Roman „Liebe Rock“ ist ein Briefroman. Der Erzähler schreibt ihn an die Kellnerin Rock und der ist ein Autor, obwohl er noch nie ein Buch geschrieben hat. Das heißt, er hat schon, immer die ersten Sätze in ein Wachstuchheft, wie auch Tom Zürcher und sein Vater, der früher in einer Versicherung gejobbt hat, sorgt für einen Verlag. Da kommt er natürlich zu einem der Zuschuß oder Vorschuß verlangt und weil Tims, so heißt Tom Zürchers Autor nur erste Sätze sammelt, gibt er ihm einen Tip, der aus dem „Literaturcafe“ stammen könnte oder vielleicht sogar stammt. Dann passiert die Wende, er darf zuerst in der Versicherungskantine, wo der Vater ein lebenslanges Eßrecht hat, lesen und dann im Literaturhaus und für einen Autor, der schon auf der dBp- Liste stand, ist das vielleicht ein bißchen billig, sich darüber lustig zu machen. Wenn ich das schreiben würde…., ich habe es schon geschrieben und Tom Zürcher sagte im Gespräch auch etwas von Autofiction die er schreiben würde und verliebt ist der Tim auch in die liebe Rock, die hat aber schon einen Freund und so weiter und so fort und dann gings zu dem 1965 in Freiburg geborenen und in Wien lebenden Journalisten Christopher Wumdobler und seinen Erzählband „Ausrasten“ der aus zwanzig Stories besteht, die alle in Wien spielen und die zwei, die er gelesen hat, hat er auch im Literaturhaus vorgetragen, die von dem Dreizehntenjährigen, dem seine peinliche Bobo-Mutter einen „Muttis Barber Shop-Geburtstag“ schenken will, was die Bobos aus dem siebenten Bezirk offenbar ein wenig karikieren soll und dann die von der alten Kritikerin, die in einem Großtheater ganz in der Nähe und alle kicherten, denn Burgtheater darf man nicht sagen, warum eigentlich nicht, die zeitgenößische Aufführung von Tschechovs „Kirschgarten“ unterbricht und ich fragte mich diesmal, was der Autor über die Figur sagen will? Sie ist keine Großkitikerin mehr, hat aber immer noch Freikarten und legt sich jetzt mit allen an, macht die Billiteure hinunter, stört die Vorstellungen, alle fürchten sich und wird am Schluß von einem Flugzeug erschlagen. Eigentlich eine tragische Figur über die man sich nicht lustig machen muß und, daß sie noch Freikarten und Rezensionsexemplare bekommt ist eigentlich, schön, denn damit könnte man seine Pension gut verbringen.

Christopher Wumdobler, Ursula Ebel

Also eigentlich ein tragischer Abend. So könnte man es vielleicht auch empfinden. Ursula Ebel hat am Schluß auf den Büchertisch hingewiesen. Aber ich habe jetzt „Solo“ zu lesen und auch noch einiges andere, denn ich bekomme ja auch regelmäßig Rezensionsexemplare und übe mich seit 2015 auch im regelmäßigen Buchpreislesen, habe aber noch keine Vorstellungen gestört, diese nur etwas traurig empfunden, was natürlich mein Problem ist.

2022-05-02

Ewald Baringers und Christian Futschers neue Bücher

Wieder einmal „Gesellschaft für Literatur“, weil ich nicht auf die Uni zu einer Veranstaltung der „Alten Schmiede“ gehen wollte und wieder, wie vor zwei Wochen im Literaturhaus zwei Bücher von zwei nicht so bekannten Autoren.

Das heißt so unbekannt ist der 1960 in Feldkirch geborene Christian Futscher, der einen eher experimentellen Sprachstil hat, Ines Scholz, die Moderatorin, nannte es humorvol und satirisch, nicht und ich habe ihn auch schon öfter gehört. Bei der „Literatur und Wein“, im „El Speta“ und auch in der „Gesellschaft“, im „MUSA“, in der „Alten Schmiede“, etcetera.

Sein neues Buch, ob es wirklich ein Roman ist, weiß ich nicht, heißt „Statt einer Mütze trug ich eine Wolke“, hat also einen sehr ungewöhnlichen Titel und es ist, ich weiß nicht, ob es das gibt, eine Coming of midlife-Geschichte, eines bald sechzigjährigen Autors oder sein Weg zurück in seine Jugenderinnerinnerungen. Das Buch hat vier Teile, wobei Teil drei, wie Christian Futscher betonte eigentlich nur aus einem Satz besteht und handelt von einer Clique, der Ich-Erzähler heißt Schnufi und es geht auch um eine Tunesienreise, die er mit seinem Freund Carlo und dessen Mutter macht und die Clique definiert sich, daß sie trinkt und kifft und dann viel Unsinn macht, das heißt mit den Autos über Bananen fährt und auch sonst viel erfindet. Lieder gibt es auch, die Christan Futschers Schreiben begleiten und in den anderen Teilen wird der Erzähler Lehrer und auch Vater, ist aber nicht glücklich dabei und geht im vierten Teil auf eine Reise, ich glaube, zurück nach Vorarlberg, um dort seine Jugendliebe zu heiraten und das ist wahrscheinlich der Bogen zum zweiten Buch und zweiten Autor, dem mir bisher eher unbekannten 1955 in Wien geborenen Ewald Baringer, der viel konventioneller schreibt, in seinem „Zaunprinz“ aber vielleicht das selbe erzählt.

Es geht um den Germanisten Alfred, einem derzeitien Ministerialbeamten, der nach Rom reist, um dort den Nachlaß seiner verstorbenen Frau oder Freundin Marianne zu erforschen. Ein interessantes Thema, daß sich vom Schreibstil wahrscheinlich leichter liest, als Christian Futscher, ich bin ja eher ein ernsthafter Typ, der mit der Satire nicht so viel auf dem Hut oder Mütze hat und ich habe auch einige bekannte Gesichter wieder gesehen, das ist ja nach der zwei Jahres Live-Pause wieder neu für mich. Also Ilse Kilic und Fritz Widhalm mit Maske, Beppo Beyerl ohne und den neben ihn sitzenden mir ebenfalls bekannten Autor, habe ich mit Maske zuerst gar nicht erkannt und jetzt kann ich seinen Namen nicht widergeben.

2022-04-26

Die Literaturgesellschaft und das Exil

Die österreichische Gesellschaft für Literatur von Wolfgang Kraus gegründet wird heuer sechzig Jahre alt. Aus diesem Grund gibt es schon seit Jahresbeginn eine diesbezügliche Veranstaltung, aber ich bin ja jetzt schon über zwei Jahre nicht mehr live dort gewesen und habe heute nach meinen „Alte Schmiede“ und Literaturhaus Versuchen wieder sozusagen aus meinem zweijährigen Exil zurückgekommen., bin ich doch erinnern wir uns im März vor zwei Jahren als Exexkanzler Kurz, die Maßnahmen verkündet hat, man aber noch bis zu hundertfünfzig Personen, glaube ich, zu Veranstaltung gehen konnte, dort aber als zwei junge Dame meine Adresse wollten ,gleich wieder umdrehten, obwohl die die „Gesellschaft“ ohnehin schon hatte.

Dann mußte man mit Maske, Impf- und Personalausweis kommen und das ist jetzt, wie eigentlich bei allen Veranstaltungen, die ich angefragt habe, zum Glück vorbei.

Also ein Zurückkommen und ein schöner Abend, denn es ist um die „Gesellschaft“ und das Exil gegangen und dazu hat Manfred Müller drei Experten, wie den ehemaligen Klagenfurter Germanistikprofessor Klaus Amann, Ursula Seeber, die die Exil Dokumentationsstelle im Literaturhaus leitete und Daniela Strigl, die Literaturhausexpertin schlechthin, die ihre Disser- oder Habilitation über Theodor Kramer geschrieben hat. Zuerst hat aber Ursula Ebel und eine andere Mitarbeiterin eingeleitet und ein bißchen was über Wolfgang Kraus und seine Einstellung zum Exil erzählt. Ich weiß nicht sehr viel über Wolfgang Kraus, außer, daß er der legendäre „Gesellschaftsgründer“ war, denn 1962 hat es in Wien, glaube ich, sonst keine literarischen Veranstalter gegeben, wurde die „Alte Schmiede“ erst Anfang der Siebzigerjahre gegründet und das Literaturhaus noch viel später. Die Veranstaltungen waren, glaube ich, noch sehr lange im Palais Palfy und im Palais Wilczek, wo jetzt die Veranstaltungen sind, war das Büro von Wolfgang Kraus, der offenbar sehr gute Beziehungen zu den damaligen Bundeskanzlern hatte und eine Autorenwohnung gab es in der Pfeilgasse auch. So hat Wolfgang Kraus schon sehr bald die Exilautoren zu Lesungen eingeladen und ihnen dann auch die Staatsbürgerschaft und Orden oder Preise verschafft.

Ursula Ebel und ihre Kollegin listeten dann auch gleich die Namen der Rückkehrer auf und interessant, daß Wolfgang Kraus in seinen Briefen, das Wort Exil erst viel später erwähnte. Der erste Heimkehrer war also Erich Fried, im Jahr 1962, dann Manes Sperber mit dem Wolfgang Kraus offenbar befreundet war, Franz Theodor Czokor folgte. Dann kam schon Hans Weigel, der, glaube ich, auch den „Tag der Lyrik“ in der „Gesellschaft“ einführte und Jakov Lind, von dem ich, glaube ich, in den siebziger Jahre beim „Libro“ einige Bücher fand, obwohl mir der Name damals völlig fremd war.

Ja in den Sechzigerjahren bin ich in die Volksschule und nicht ins Palais Palfy gegangen, dann Johannes Urzidil, Fritz Hochwälder, Elias Canetti, der spätere Nobelpreisträger, der seine Briefe, glaube ich von seiner Frau schreiben ließ und da sind wir schon bei einer Frage, die ich mir langsam stellte und die dann auch von Manfred Müller aufgegriffen wurde, wo die Frauen sind?

Ja eine gab es, nämlich Hilde Spiel die eingeladen wurde. Es gab aber schon einige andere, wie Elisabeth Freundlich, Vicki Baum, Friederike Manner ,etcetera, aber die waren wahrscheinlich nicht so berühmt um in die „Gesellschaft“ eingeladen zu werden. Das ist ja etwas, was mich auch betrifft, denn ich habe nur zweimal in der Gesellschaft gelesen und das war bei den Faschingsfesten, wo man das durfte und dann gabs schon das Podiumgespräch mit Manfred Müller und Klaus Amann zitierte dann auch die anderen Bestrebungen, die es in den Sechzigerjahren gab, die Exilanten zurückzuholen. Da war nicht viel los, denn man wollte keine Kommunisten und da gab es ja auch den Brecht-Boykott von Hans Weigl und Friedrich Torberg. Es hat aber den PEN gegeben, der irgendwie auch mit der „Gesellschaft“ konkurrierte und dann gab es auch noch Rudolf Henz und Klaus Amann hat dann eine Lste von Exilautoren angeführt, die in den Fünfzigerjahren Preise bekommen hätte können. Bekommen haben die dann Max Mell und Franz Nabel, aber einmal hätte es eine Veranstaltung über Franz Kafka geben sollen, wo tausend Leute gekommen sind und Wolfgang Kraus dann vierhundert wegschicken mußte, etwas wovon Manfred Müller, wie er sagte, nur träumt.

Eine interessante Veranstaltung und ein interessante Streifzug sechzig Jahre zurück in die Geschichte und wieder einige Bekannte gesehen oder sagen wir ich habe wahrscheinlich einige nicht erkannt, denn fast alle maskiert. Die Frau Schmid -Dengler war aber, glaube ich, da, die Dine Petrik und noch andrer und im nächsten Monat wird es wieder eine Veranstaltung geben, wo dann Franz Schuh und Kurt Neumann auftreten werden.

2022-04-07

Vladimir Vertlibs aktueller Kriegsroman

Der neue Roman des 1966 in Leningrad geborenen Vladimir Vertlib, der mit seiner Familie 1981 nach Österreich gekommen ist, ist erstaunlich aktuell, obwohl er schon im Februar bei „Residenz“ erschienen ist und nach einer realen Begebenheit geschrieben wurde, die er 2014 oder 2015 während des ostukrainischen Krieg im Netz gefunden hat.

Da wurde ein ukrainischer Aktivist, der einen russischen Rebellenführer einmal beleidigte, vorgeführt wurde, was Vladimir Vertlib von dem ich schon einiges gelesen und gehört habe, zu einem Roman bewegte, um die Rolle der sozialen Medien in der modernen Kriegsführung darzustellen.

Da lebt ein Paul in einer heruntergekommenen nicht näher genannten, osteuropäischen Stadt, die von Rebellen übernommen wurde, der sich nach dem er arbeitslos wurde, in wilde Debatten in den sozialen Medien verstrickte und das Buch beginnt damit, daß sich Lena, die kleine Tochter, vor dem Krieg, der plötzlich begonnen hat, fürchtet und da, als die Schüsse fielen, mit dem Vater gemeinsam sterben will.

Der Vater beruhigt die Tochter. Am nächsten Tag kommt zuerst ein alter Jude, der ihn warnen will und dann zwei Rebellen, die Paul abführen und seltsamerweise, der kleinen Lena ein Bonbon in den Mund stecken, damit sie zu weinen aufhört. Paul wird dann dem Rebellenführer vorgeführt und wird, statt , wie er glaubt, erschoßen, gefilmt, wie er sich aus Angst anmacht.

Jetzt ist das Buch zum Kriegsausbruch gerade richtig gekommen und aktueller als geplant.

„Zebra im Krieg“ heißt es und Vladimir Vertlib hat dann eine Stelle gelesen, in der er Pauls Internetsucht beschreibt und sprach mit Heidi Selbach, vom „Residenz-Verlag“, die für den angekündigten Manfred Müller eingesprungen ist, darüber.

Interessant, daß Paul Sarinidis ein griechischer und kein russischer oder ukrainischer Name ist, die Tochter Lena und die Gattin Flora heißt und Vladimir Vertlib bei Facebook auch sehr aktiv zu sein scheint. Zumindest hat er vor einiger Zeit öfter mit dem Alfred über Corona debattiert und er sagte im Gespräch, daß er manchmal im Netz darüber streitet, ob es die Klimakrise gibt, aber nicht darüber, ob man Putin verstehen kann oder soll?

Dann kam noch einen Szene, wo Paul beim Spazierengehen beobachtet, wo eine offenbar auch rebellische Theaterregisseurin in den Müll geworfen wird und die jubelnde Menge Paul ebenfalls in den Müll schmeißt, der dann dort mit der Regisseurin über ihren „König Lear“ diskutiert und die Frau vom Fernsehen und Internet, also auch von seinem Video keine Ahnung hat.

Wie ich finde eine mir fast zu starke Szene, die Vladimir Vertlib in dem Buch beschrieben hat, das eigentlich „Im Netz heißen sollte. Jetzt aber „Zebra im Krieg“ heißt, weil einmal vor Pauls Haus ein Zebra steht, das offenbar aus dem zerstörten Zoo entkommen ist und spannend, daß es keiner der Passanten fotografierte, weil die Menschen offenbar schon zu sehr mit sich beschäftigt waren.

In der Beschreibung steht etwas von einer meisterlich ironischen Beschreibung, also etwas mit dem ich manchmal Schwierigkeiten habe.

Heidi Selbach wollte dann auch wissen, wie es Valdimir Vertlib gelingt so ironisch über so ernste Sachen zu schreiben und ich denke, daß man das Buch, wenn nicht jetzt der Krieg in der Ukraine ausgebrochen wärde, wahrscheinlich anders empfunden würde.

Der Auitor betonte auch, daß er nicht an den Ausbruch des Krieges geglaubt hatte und setzte dazu, daß er, als dann dazu gekommen ist, eine starke Scham empfand, weil er in Leningrad geboren wurde und es gibt auch eine Stelle in dem Buch, daß man den Krieg nicht so nennen darf, was jetzt in Russland tatsächlich so passierte und meinte auch, daß er das Buch jetzt schärfer schreiben würde.

Spannend also, wie die Phantasie manchmal von der Realität überholte werden kann. Jetzt wird es sich wahrscheinlich gut verkaufen, während es sonst vielleicht übersehen worden wäre.

2022-03-23

Marie Gamilschegs Meerestiere

Auf den zweiten Roman, der 1992 in Graz geborene und jetzt in Berlin lebende Marie Gamilscheg, die mit „Alles was glänzt“ 2018 den Debutlist des Öst gewonnen hat und ich glaube auch auf der Shortlist des Bloggerdebuts stand, bin ich vorige Woche auf dem „Blauen Sofa“ in Leipzig, aufmerksam geworden und es scheint zu den prominenten Frühjahrsneuerscheinungen zu stehen und wurde jetzt auch moderiert von Ines Scholz in der „Gesellschaft für Literatur“ vorgestellt.

Es geht um eine Meeresbiologin namens Luise, die sich mit der Meereswalnuß, einer Quallenart, beschäftigt und dann den Auftrag bekommt im Tierpark von Graz ein Projekt zu übernehmen, so daß sie wieder in ihre Heimatstadt und da in die Wohnung ihres Vaters fährt, zu dem es eine schwierige Beziehung gibt.

Marie Gamilscheg erzählte im Gespräch, daß sie auf die Idee des Buches gekommen ist, weil sie sich sehr für Zoos interessiert und sie auch wissen wollte, wie Geschichten entstehen. Der Zoodirektor kommt vor und Luise erinnert sich auch sehr an die Tiersendungen, die sie als Kind gesehen hat. Der Umgang mit Mensch und Natur kommt vor, obwohl sich Marie Gamilscheg, wie sagte, mehr für die Beziehungen zwischen den Menschen und weniger für die zwischen Mensch und Natur interessiert.

Marie Gamilschegs Sprache ist wieder sehr poetisch und der Aufruhr der beschrieben wird, passiert eher im Inneren von Luise, im Zwiegespräch mit sich selbst, die auch an Neurodermitis leidet und erst mit der Beschäftigung mit sich selbst, wieder den Kontakt nach Außen aufnehmen kann.

Es gab dann noch einen zweiten Lesestrang, wo die Meerwalnuß und ihre Eigenarten beschrieben wurde, im zweiten Gesprächsteil ging es dann um die schwierige Beziehung zum Vater und die Sprachlosigkeit, die zwischen Luise und ihm besteht. Sehr psychologisch also die Traumatisierungen und die Beziehungslosigkeit der Luise und ihre Annäherung zur Welt, die Marie Gamilschegg sehr eindrucksvoll zu beschreiben versuchte und am Schluß gab es noch einen Leseblock im Zoo, den Luise mit dem Zoodirektor besucht, um den Unfall, der einmal passierte, und um eine Begegnung mit einem Affen ging es auch.

Ein interessantes Buch, das man wahrscheinlich erst lesen muß um Marie Gamilschegs Absichten zu verstehen und ich kann mich erinnern, daß es mir bei „Alles was glänzt“ ähnlich ging, daß ich das Buch erst als ich es gelesen habe, verstanden habe, während ich bei den O-Tönen eigentlich noch nicht so begeistert war.

2022-03-11

Lyrik-Übersetzung

Vom Frauentag geht es jetzt wieder zur Lyrik zurück, haben wir ja noch immer die „Lyrik im März“, damit es aber spannender wird, wurde in der Gesellschaft eine „Antalogia de poesia austriaca actual“, vorgestelltdenn da gibt es in Spanien eine Reihe, die ausländische Übersetzungen herausgebit und da ist 2018 ein Gemeinschaftsprojekt von Augusta Laar und Jose Luis Reina Palazon herausgekommen, nämlich eine Anthologie mit dreißig aktuellen österreichischen Dichter und Dichterinnen, die von Augusta Laar ausgesucht und von Jose Luis Reina Palazon auf Spanisch übersetzt wurde.

Der Band ist, wie erwähnt 2018 herausgekommen und sollte schon 2020 in der „Gesellschaft „vorgestellt werden, was aber Pandemie bedingt wie ines Scholz die Moderatorin erwähnte, mehrmals verschoben werden mußte.

Jetzt kam es aber zur Präsentation, leider war der Übersetzer verhindert, bzw. krank und Robert Schindel der auch lesen sollte mußte wegen einer Benefizveranstaltung zugunsten der Ukraine absagen.

Zuerst begann es mit einem Gespräch mit Augusta Laar, die ich vom Schamrockfestival und von der GAV kenne, die erzählte, daß von den Dichtern sieben Gedichte angefragt waren, drei wurden dann pro Autor veröffentlich. Der Übersetzer hatte schon den Kontakt zu Friederike Mayröcker, die ja im letzten Jahr gestorben ist, hergestellt, die restliche Auswahl hat Augusta Laar getroffen und die Autoren angeschrieben, die gleich mit der Übersetzung einverstanden waren.

Es begann dann Augusta Laar mit der Lesung ihrer drei Gedichte nur auf Deutsch „Cafe Prückl in Wien“ hieß das erste, wo Liebesbriefe von der Decke taumelten. „Der Tod, der Teufel und Harry Potter“ das zweite. Das dritte „<unser Grab in Riga“ und da erzählte Augusta Laar lang, daß sie am Hauptbahnhof, wie sie von München gekommen ist, die ukrainischen Flüchtlinge, die dort offenbar betreut werden, gesehen hat und da an ihren Mann erinnert wurde, der mit seinen Eltern aus Estland vor den Sowets nach München geflüchtet ist.

Dann kam der gut spanisch sprechende Christoph Janacs, der auch als Übersetzer tätig ist und der bei meinen „Freiheit des Wortes-Veranstaltungen“ sehr oft gelesen hat, der seine Gedichte auch auf Spanisch las, so daß man, wie Ines Scholz erwähnte, den Klang der Sprache sehr gut vergleichen oder kennenlernten kann und Ines Scholz sprach mit ihm auch über das spanische Übersetzen, der erklärte, daß er ein großes Faible für Lyrik hat und täglich welche lesen und schreiben würde und hat seine Texte auch zwei Dichtern gewidmet.

Dann kam Margret Kreidl, bei der ich schon bei einigen Lesungen ewar und die einige Texte aus ihren „Einfacher Erklärung-Alphabet der Träume“, die Gedicht „Distelblüte“, „Lüfungsschacht“ ,“Imkerbunker“ und „Leichenschmaus“ las und dazu sagte, daß sie gern ein anderes Gedicht gelesen hätte, um die „Putin-Versteher“ darauf aufmerksam zu machen, daß er ein Diktator ist, aber das wurde nicht ausgewählt.

Dann kam die mir gleichfalls gut bekannte Ilse Kilic, bin ich mit ihr ja ein Stück von Wien nach Bamberg auf Ruths Radtour mitgefahren und sie war auch in der Schreibgruppe und ist ja auch in der GAV aktiv und ich war auch auf vielen ihrer Lesungen oder sie bei mir.

„Einfach Ilse sein und einfach nicht ilse sein einfach zweimal zum Trotz Ilse sein“, hat sie gelesen und dann davon, wie sie zum ersten Mal Bier getrunken hat.

„Ob ich Frau bin oder keine entscheide ich alleine“ , hat sie dann passend zum Frauentag auch noch gelesen.

Dann kam der mit ebenfalls gut bekannte Herbert J. Wimmer und langjähriger Lebensmensch von Elfriede Gerstl, der meine frühen „Textvorstellungen“ in der „AS“ moderierte und den ich erst vor kurzen in der „Schmiede“ beim „Elfriede Gerstl aufgefrischt-Abend“ gehört habe. Er hat seine jetzige Lebensmenschin Marion Steinfellner mitgenommen, die dann ihre und auch seine Texte auch auf Spanisch las.

„Der Autor klebt an seiner Biografie, die Autorin klebt an ihrer Biografie, wie die Fliege am Fliegenpapier“, hat er gelesen, also gar nicht so experimentell, obwohl ich ihn ja eigentlich für einen sehr konstruktiven Autor einschätze.

Marion Steinfellner, die wie erwähnt auch spanisch spricht, habe ich als Buthotänzerin bei einem Gerhard Jaschke-Abend kennengelernt und dann auch einige ihrer Tanzperformances mit Herbert j. Wimmer Literaturhaus gesehen und die noch erwähnte, daß sie ihr Spanisch auf Mexikos Straßen gelernt hat und interessant war, daß Marion Steinfellner erklärte, daß ihre Gedichte aus ihrem ersten Gedichtband stammen, den sie, weil sie einmal Geld von einem Bausparvertrag bekam, dachte, „Was mach ich damit? Ich gebe einen Gedichtband heraus“, weil man das in Mexiko sehr oft tut und in jeder Buchhandlung solche Bücher finden kann, während das bei uns bis vor kurzem, bevor das Selfpublishing modern wurde, sehr verpönt war. So kann sich alles ändern und so brauche ich mich für meine Bücher vielleicht auch nicht mehr genieren.

Ein interessanter Abend mit lauter bekannten Gestalten, sehr interessant und wieder viel gelernt.

2022-03-03

Von den Podium Portraits zur Muttersprache und zurück

„Die ersten zwei Märzwochen sind in der Gesellschaft für Literatur“ tradionsgemäß der Lyrik gewidmet , erklärte Ursula Ebel in ihrer Einleitung und das war auch der Grund, warum ich mich heute für die „Gesellschaft“ entschieden habe, obwohl es in der „Alten Schmiede“ und im Literaturhaus ein Romankontrastprogramm gegeben hat. Aber es ist gut und wichtig sich März besonders mit der Lyrik zu beschäftigen, weil man ja sonst vielleicht nicht so dazu kommt. Es gibt nur das Problem, daß der Livestream der Gesellschaft immer sehr ruckelt, aber den Vorteil, daß man den Stream am Ende gleich wieder zurückdrehen kann und dann ruckelt es nicht.

Ursula Ebel stellte zuerst die Moderatorin und jetzige Herausgeberin der „Podium Portraitreihe“ Erika Kronabitter vor, denn ein Abend ist seit einigen Jahren den „Podium Portraits“ gewidmet, die ich auch schon in der „Alten Schmiede“ hörte, wo heute die Bände 112 – 117 vorgestellt werden sollten.

Darunter auch Hannes Vyoral, der genauso fehlte, wie Nils Jensen, der moderieren sollte.

Also moderierte die Herausgeberin, die ja auch einen Band in der „Podium-Reihe“ hat und stellte als erstes die 1951 in Eger geborene Zdenka Becker ,die seit vielen Jahren in St. Pölten lebt, vor, von der ich schon einige Bücher gelesen habe, sie aber eigentlich nicht als Lyrikerin kenne, aber als Erika Kronabitter mit der Vorstellung fertig war, hat es so geruckelt, daß ich nichts mehr verstanden habe und ich dachte, streame ich mich halt ins Literaturhaus und in die „Alte Schmiede“ und komme dann zurück.

Im Literaturhaus stellte Kaska Bryla die ich von „P.S politisch schreiben“ und von der Krit Lit “ kenne, ihren zweiten bei „Residenz“ erschienen Roman „Der Eistaucher vor und in der „Schmiede“ präsentierte Peter Clar ide 1993 in Bozen geborene und in München lebende MaddalenaFingerle und ihren Roman „Muttersprache“ vor, wo es um die Zweisprachigkeit geht.

Denn in Südtirol spricht man ja deutsch, es ist alles zweisprachig angeschrieben und die Leute dort switschen wie ich merken konnte als ich einmal den Alfred auf einen Kongreß begleitete mitten im Satz von einer Sprache in die andere, was ich sehr interessant fand und die Autorin, die von Maria E. Brunner übersetzt wurde, sprach auch fließend Deutsch, hat aber Italienisch gelesen und Peter Clar auf Deutsch, die Stellen aus dem Roman, wo der Held in einer italienischsprachigen Bozener Familie aufwächst, aber nach Berlin flüchtet, also etwas, was wahrscheinlich ziemlich ident mit der dunkelhaarigen italienischen Autorin zu sein scheint.

Da ich aber ziemlich spät in den Stream gekommen bin, hat es mich wieder in die „Gesellschaft“ zurckgetrieben, wo Erika Kronabitter inzwischen die 1956 in Süddeutschland geborene Linda Kreiss vorstellte, die ich von der GAV kenne, die Nepal-Romane geschrieben hat und die ich schon auf mehreren Lesungen hörte. Sie bekannte in der Einleitung, daß sie, wie Zdenka Becker eigentlich keine Lyrikerin sei, sonder die lange Form bevorzuge, „aber manchmal backe es einen und da faßt man sich gekürzt zusammen“.

Der Band 117 war der ebenfalls 1956 geborenen Renate Leperger gewidmet, die wie Erika Kronabitter einleitete zu den leisen Stimmen der Literatur gehört, obwohl sie viel zu sagen hat und Hans Weigel sie einmal sogar mit der Bachmann verglich. Sie hat aber lange in literarischen Gesellschaften gearbeitet und war auch beim Podium lange tätig. Eine Autorin, die mir bisher nur vom Namen her bekannt war, aber von Erika Kronakbitter sehr gelobt wurde.

Ein interessanter Abend und ein interessanter Switsch von der Lyrik zum Roman, der ja auch eine Form ist, die mir mehr liegt, obwohl meine Texte derzeit ja immer kürzer werden und sich solcherart auch verdichten.

2022-02-03

Monika Helfers „Löwenherz“ und Radka Denemarkovas „Stunden aus Blei“

Die 1947 in Vorarlberg geborene Monika Helfer in zweiter Ehe mit dem Schrfitsteller Michael Köhlmeier ,verheiratet, habe ich, 1994 beim der ersten oder zweiten „Langen Hörspielnacht“, wo „Oskar und Lilli“ von ihr gewonnen hat, kennengelernt.

Dann war ich einmal bei der Buchvorstellung des Erzählbandes „Die Bar im Freien“ in der „Alten Schmiede“ und habe mit dem vorgestellten Texten nicht viel anfangen können, obwohl sie überall herum gelobt wurde.

2017 ist sie dann mit dem Roman „Schau mich an, wenn ich mit dir rede“ auf die Longlist des dBps, gekommen und da habe ich schon Buchpreis also auch das Buch gelesen und dann kam 2020 „Die Bagage“, das ist auf der österreichischen Buchpreisliste gestanden. Ich habe aber schon vorher von ihm viel gehört, das von Monika Helfers Großmutter handelte, deren Mann 1914 eingezogen wurde und dann einen Ehebruch beginn.

2021 folgte das Buch „Vati“, das sowohl auf der deutschen als auch auf der österreichischen Liste stand und von Monika Helfers Vater handelt, der kriegsversehrt, Verwalter eines Kriegsversehrtenheims war und dort eine große Bibliothek gründete, weil er ein begnadeter Leser war.

Zwei kurze Romane oder eigentliche autobiografische Fiktion und eine Spezialität Monika Helfers könnte man so sagen und heute folgte in der „Alten Schmiede“ Teil drei, der sogenannten Familientrilogie, denn jetzt geht es um Monika Helfers Bruder Richard, der nach dem Tod der Mutter getrennt von seiner Schwester bei einer Tante aufgewachsen ist und sich mit dreißig Jahren das Leben genommen hat.

„Löwenherz“ heißt das Buch, weil der Vater, den Sohn Richard immer so nannte und Jana Volkmann moderierte.

„Vati“ und die „Bagage“ hätten auch in der „Schmiede“ vorgestellt werden sollen, ging aber Corona bedingt offenbar nicht. Jetzt also „Lowenherz“ oder die Geschichte über den Bruder, der Schriftsetzer , Maler und offenbar auch ein Einzelgänger oder Lebenskünstler war. Irgendwe hängt das ja wohl zusammen und Monika Helfer beschreibt ihn auch als Geschichtenerzähler oder begnadeten Lügner und das Buch oder die Stellen, die gelesen wurden, handelten von den Stellen, wo eine Kitti, den Bruder vor dem Ertrinken rettete und ihm dafür ihr Kind Putzi anvertraute, das er offenbar aufzog oder seiner Schwester überließ und ich dachte, während des Zuhörens, da wird wohl bald ein vierter Teil kommen, der von Monika Helfers Tochter „Paula“ kommen, die 2003 bei einer Bergtour verunglückte, bin dann aber daraufgekommen, daß sie das schon 2010 mit dem Roman „Bevor ich schlafen kann“ tat, der bisher offenbar an mir vorbeigegangen ist.

Und jetzt bin ich natürlich gespannt ob und auf welche Lsten auch dieses Buch kommen wird und ob ich es dann lesen werde und das Buch über die Tochter Paula, deren „Maramba“ ich ja einmal im „Wortschatz“ fand, müßte ich auch dort finden.

Fragen aus dem Publikum kamen zum Verhältnis zwischen Realität und Erfindung und einen Büchertisch, wo man auch die anderen Bücher erwerben konnte, gab es, wie Jana Volkmann, die das Lesen der ganzen Trilogie empfahl, auch.

Und in der „Gesellschaft für Literatur „wurde Radka Denemarkovas „Stunden aus Blei“, das große Buch über das heutige China vorgestellt, wie ich schon am Morgen im „Leporello“ hören können und die 1968 geborene tschechische Autorin habe ich schon 2018 in der „Gesellschaft“ kennenlernte und mir da auch ihr „Ein herrlicher Flecken Erde“, kaufte und wenn ich mich nicht irre hat sie da schon über dieses Buch gesprochen, das auch Stephan Teichgräber in seinen Centrope Workshop besprach und seinem Festival vorstellte und vielleicht auch in Leipzig, als dort Tschechien Gastland war.

Ludger Hagedorn hat moderiert und mit der gut Deutsch sprechenden Autorin ein Gespräch über das Buch, an dem Radka Denemarkova fünf Jahre geschrieben hat, das von Eva Profousova übersetzt wurde und jetzt bei „Hoffmann & Campe“ erschienen ist , geführt und in dem sich Radka Denemarkova sehr kritsch mit dem modernen China auseinandersetzt, das ja irgendwie den Kommunismus mit dem Kapitalismus verbindet, sehr unmenschlich mit den Menschen umgeht und auch die Digitalisierung sehr weit vorangekommen ist, was wie ich fürchte in den pandemischen Zeiten, auch bei uns zu spüren ist.

Sicher ein interessantes Buch, überhaupt jetzt, wo in Peking die olympischen Winterspiele stattfinden und das wie ich höre, sehr autoritär passiert.

2022-01-18

Stefan Zweigs Reisetexte

Wieder einmal Stefan Zweig in der „Gesellschaft für Literatur“ und meine Leser wissen es, wenn sie sich mit den inzwischen schon über viertausendachtunderd hier erschienenen Texten beschäftigen, daß ich mich in den letzten Jahren sehr viel mit ihm beschäftigte und ihn auch gelesen habe.

Das erste Buch das ich von ihm gelesen habe, war, glaube ich, noch als Hauptschüerin die Biografie der Marie Antoinette, seine Biografien finde ich ja nicht so gut.

„Die Welt von gestern“ beide Bücher gab es im Bücherkasten in der Wattgasse, die „Welt von gestern“ ist dann eines der wenigen Bücher, die ich zweimal gelesen habe, als ich mich 2016 war das, bezüglich meiner „Berührungen“ mit ihm beschäftigte.

Dazwischen habe ich das, außer der „Schachnovelle“, glaube ich, nicht so sehr, kann mich aber erinnern, daß einmal eine Anthologie über österreichische Literatur vor 1945 vorgestellt wurde und da sagten die Autoren, daß Stefan Zweig und Peter Rosegger nicht mehr zum Kanon gehören würden, stattdessen haben sie Franz Michael Felder aufgenommen.

Welch ein Irrtum, könnte man sagen oder das hat sich warhscheinlich geändert. Aber als ich die „Berührungen“ geschrieben habe, habe ich mich in seine Literatur eingelesen, denn da hatte ich schon einige Novellenbände, die inzwischen wahrscheinlich Gustostückerl sind, in den Bücherschränken gefunden.

„Die Ungeduld des Herzens“ auch ein Fund aus dem Bücherkasten meiner Eltern, ich glaube, das war eine „Donaulandausgabe“, die sich wohl meine Mutter bestellt hat und dieses Buch hat mich, wie die „Welt von gestern“ und die „Novellen“ sehr begeistert.

Das kam der Film „Vor der Morgenröte“, ein Zitat aus seinem Abschiedsbrief. Hat er sich und seine zweite Frau ja 1942 im brasilianischen Exil umgebracht, den habe ich gesehen und dazu auch das Brasilien-Buch gelesen, was mich ebenfalls nicht so begeistert hat, aber zu den Reisetexten führt, die heute in der „Gesellschaft“ vorgestellt wurden.

Denn seit einigen Jahren gibt es in Salzburg ein „Stefan Zweig Center“ und da offenbar eine Verbindung zur „Gesellschaft“. Da war ich ja bei zwei Abenden, wo, glaube ich, noch Clemens Renolder, der Leiter war. Jetzt ist das ein italienischer Professor namens Arturo Larcarti und der hat mit Bernhard Fetz, dem Leiter des Literaturarchivs den Band „Häfen und Bahnhöfe sind meine Leidenschaft“ herausgegeben, das bei „Jung und Jung“ erschienen ist.

Bettina Rossbacher hat die Texte gelesen und, daß Stefan Zweig der Welt- und Bildungsbürger sehr viel gereist ist, hat Bernhard Fetz in seiner Einleitung erwähnt oder habe ich schon von einer „Arte- Dokumentation“ erfahren.

Es wurden vier Texte ausgewählt. Zuerst einer der 1911 über New York „Der Rhytmus von New York“ heißt und da erwähnte Bernhard Fetz Zweigs Ambivalenz zu den Massenreisen, mit denen er sehr wohlhabend nichts anfangen konnte. So hat ihm auch das hektische New York nicht so gefallen. Er hat sich aber, was ich interessant finde, bei Arbeitsagenturen vorgestellt, um herauszufinden, wie es den Arbeitssuchenden geht, also eigentlich sehr fortschrittlich und hätte ich ihm nicht zugetraut.

Der zweite Text stammt aus dem Jahr 1932 „Festliches Florenz“ und da schreibt der Bildungsbürger, der sich auch sehr viel auf Vortragsreisen begeben hat, daß man Florenz eigentlich nur im Mai genießen kann. Denn da gibt es Kulturfeste, Buchausstellungen, etcetera und auch er hat da einen Vortrag gehalten, wo es um die Idee Europas gegangen ist, denn Stefan Zweig war ja ein leidenschaftlicher Europaier.

Er wurde 1881 in Wien geboren, hat dann, glaube ich, bis 1934 in Salzburg gelebt, nach den Februarkämpfen wurde dann sein Haus durchsucht, so daß er, glaube ich, nach London emigrierte. In New York war er, glaube ich, auch und dann ging er mit seiner zweiten Frau Lotte nach Brasilien, wo er sich 1942 vergiftet hat.

Ein Brasilientext wurde auch gelesen, wo er eine Einführung darüber gibt und seine Begeisterung oder idealismus schildert und dann die Einfahrt des Schiffes nach Rio de Janeiro, die,wie Bernhard Fetz erwähnte, auch Christoph Ransmayr einmal machte, aber der mit Rucksack, während Zweig ein Luxusreisender war.

Es gab dann noch einen Text, auch aus den Dreißigerjahren, über ein Hotel in London , das der Zufluchtspunkt der Emigranen war. Stefan Zweig hat, wie die zwei Herausgeber sagten, wohl in bequemeren Quartieren gelebt. Diese gelobte Herberge aber auch besucht und das Buch ist ein interessanter Einblick in das Leben und den Charakter Stefan Zweig, obwohl ich vieles davon schon gewußt habe, es ist aber sicher trotzdem interessant, die Reisetexte in einem Band gesammelt zu haben.

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