Literaturgefluester

2018-12-28

Das Leben des Vernon Subutex I

Jetzt kommt ein „Welt- oder „Spiegel-Bestseller“,  ein Kultbuch der französischen Autorin  Virginie Despentes, 1969 geboren, das fast an mir vorbeigegangen wäre, denn als ich im Frühjahr 2017 in Leipzig mit einer „Kiwi-Pressedame“, die Verlagsvorschau durchging, hat mir dieser Name noch nichts gesagt. Frankreich war dann im Vorjahr Gastland in Frankfurt und in „Ex Libris“ habe ich dann von dem Buch gehört, es mir und die beiden anderen Folgebände, die glaube ich bis zu „Charly Hebdo“ und die Anschläge von Paris führen, die aber noch nicht gekommen sind.

„Ein Abgesang auf die Grande Nation? Nein, ein Abgebrüll! Viginie Despentes legt mit „Das Leben des Vernon Subtex“ einen grandiosen Roman über die französische Gesellschaft vor – voller Wut, voller Witz, voller Pop!“, steht am Buchrücken und das stimmt, beziehungsweise ist noch hinzuzufügen, daß es die Autorin stark, scharf und deftig angeht und man in eine Welt der Brutalität hineinkommt, die man wahrscheinlich noch nicht so oft gelesen hat.

Dagegen ist Thomas Klupps Jugendroman, ein Kinderspiel, könnte man so sagen und das stimmt auch und ebenfalls, daß man das eine, als Vorspiel, des anderen betrachten könnte und bei Virginie Despentes geht es natürlich nach Paris.

In das Paris vor 2015 und da hat Vernon Subutex seinen Plattenladen verloren. Na klar, Schallplatten gibt es  keine mehr, die Buchhändler haben es da noch besser und er lebt lange Zeit, Sozialsystem scheint es in Frankreich keines zu geben, so vor sich hin, verkauft seine Restbestände und hat einen Freund, den Sänger Alexandre, der seine Miete zahlt. Der  wird aber tot in einem Hotel aufgefunden und das Buch bebinnt.

Die Gerichtsvollzieher stehen eines Morgens vor seiner Tür, sagen ihm, er soll eine Tasche packen und lassen ihm einen Monat Zeit seine Möbel abzuholen.

Vernon ist aber bei Facebook und hat eine Menge Freunde, so sagt er, er wohne in Kanada, wäre für eine Weile nach Frankreich zurückgekommen, um seine Sachen zu ordnen und sucht eine Unterkunft für ein paar Tage.

So weit, so gut und dann geht es eigentlich sehr lange von Vernon weg und es werden stattdessen, die Geschichten von verschiedenen Künstlertypen, Pornostars, Transsexuellen, etcetera erzählt.

Einen Handlungsfaden gibt es doch und der dreht sich um Alexandre. Vernon hat ja Kassetten von ihm. Ein Produzent will sie haben, weil er fürchtet, daß da über ihn etwas zu finden sein könnte. Eine Journalistin will ein Buch über ihn schreiben und so wird Vernon gesucht, der zuerst ein paar Tage hier und ein paar Tage da übernachtet. Mal in einem billigen Hotel für eine Nacht nächtigt, in einer großen Wohung Platten auflegt und sich dabei in eine schöne Frau mit Penis verliebt. Einer anderen Frau, die in ihn versessen ist, stieht er einige Sachen und sie zieht dafür im Facebook über ihn her, bis er wirklich auf der Straße landet, bettelnd am Boden sitzt, von ein paar rechten Jungs angequatscht wird, von anderen Obdachlosen Tips bekommt und ihn eine Mutter eines Freundes retten will.

Die Geschichte führt dann wieder an den Ausgangspunkt zurück, beziehungsweise wird der Freund zusammengeschlagen und Vernon flüchtet in ein wahres Finale kräftiger Stimmen und man kann gespannt sein, wie es weitergeht?

Teil eins ist jetzt als Taschenbuch erschienen, Teil drei im Herbst im Harcover, Teil zwei war schon im Frühjahr dran.

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