Literaturgefluester

2019-08-12

Nacht ist der Tag

Filed under: Bücher — jancak @ 11:47
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Und dann habe ich mir auch ein Buch von Peter Stamm nach Locarno mitgenommen und zwar den 2013 bei „S. Fischer“ erschienenen Roman „Nacht ist Tag“ von dem ich eigentlich glaubte, daß er 2013 auf der LL des Bps gestanden ist und eigens nachgesehen habe, als ich ihn im Blognicht fand, ist er nicht, aber Peter Stamm war während einer „Buch Wien“ im Literaturhaus und hat daraus gelesen und von Peter Stamm, der im letzten Jahr mit „Der sanften Gleichgültigkeit der Welt“, den „Schweizer Buchpreis“ gewonnen habe, habe ich ja schon sehr viel gelesen.

Begonnen habe ich glaube ich mit den Erzählungen „Wir fliegen“, ein Buch das ich, glaube ich, bei „Morawa“ um einen Euro aus der Abverkaufskiste gezogen habe.

„Nacht ist der Tag“, was ich später dort erstanden habe, hat schon zwei Euro gekostet.

Dazwischen habe ich noch „Sieben Jahre“ und „Agnes“ gelesen und jetzt ein Roman, der von der Krise und den Veränderungen einer Frau, einer erfolgreichen Moderatorin handelte und ich muß sagen, ich habe „Agnes“, ja einmal dem „Literaturcafe“ gegenüber verteidigt, daßich mit dem Buch nicht so viel anfangen konnte, beziehungsweise auch nicht herausgefunden habe, was hier eigentlich wirklich das Neue und das absolut Literarische ist?

Es ist natürlich wieder sehr routiniert geschrieben und handelt in drei Teilen von der Moderatorin Gillian, die an einem Silvesterabend nach einem Streit mit ihrem Mann Matthias, der bei ihr Nacktfots gefunden hat, einen Unfall hatte.

Der Mann kommt dabei ums Leben, Gillian wacht mit einem entstellten oder zerstörten Gesicht in einer Klinik auf und geht ihr Leben durch.

Sie hat bei einer ihrer Sendungen einenKünstler kennengelernt, der Nacktfots von Frauenm ich glaubem fotografierte oder malte. Sie nahm mit ihm eine Beziehung auf, die Fots sind entstanden und jetzt reflektiert sie im ersten Teil darüber, während sie den Unfall verarbeitet, auf Krücken nach Hause geht, sich vor ihrem Vater, der Mutter und auch der Gesellschaft versteckt, etcetera.

Der zweite Teil ist  dem Künstler Hubert gewidmet. Er reflektiert seine Beziehung zu Gillian, hat auch Schwierigkeiten mit seiner Frau, die ihn wegen eines anderen verläßt, gerät in eine Schaffenskrise und bekommt ein Angebot in einem Kurort eine Ausstellung zu machen. Ohne Konzept fährt er dorthin und erfährt, das ist jetzt schon Jahre nach dem Unfall, im dritten Teil, das Gillian, die sich jetzt Jill nennt und durch mehrere Operationen ihr Gesicht wieder hergestellt bekommen hat, im anschließenden Eventhotel Managerin ist. Sie engagiert ihn, als es mit der Ausstellung nichts wird, für Zeichenkurse für die Gäste und fängt mit ihm eine Beziehung an.

Am Schluß verläßt er sie und sie beschließt  wieder den Kampf mit dem Leben aufzunehmen, sich nicht mehr länger zu verstecken, sondern ihren Job zu kündigen und wieder in die Welt oder sonstwohin zurückzukehren.

„Mit leisen Worten und eindringlichen Bildern erzählt Peter Stamms neuer Roman von einer Frau, der das ganze Leben genommen wird, die aber doch am Leben bleiben muss – eine Teragödie die zu einerm Neuanfang wird“, steht am Buchrücken und ein Stück darüber ist noch „Dieser Roman geht unter die Haut und lässt dich an deinen eigenen Grundsätzen zweifeln. Was kan ein buch mehr tun?“, geschrieben, was ich eigentlich nicht finde.

2019-08-08

Aus den Fugen

Jetzt kommt noch ein Buch, das 2012 auf der „Schweizer Buchpreisliste“ stand und das auch im Literaturhaus vorgestellt wurde, so daß ich den 1953 geborenen, in Basel und im Elsaß lebenden Alain Claude Sulzer, der glaube ich, auch einmal „Bachmann-Juror“ war, daraus lesen hörte.

Das Buch, es ist ein „unverkäufliches, unkorrigiertes Arbeitsexemplar mit einer Sperrfrist vom 16. 8. 2012“, habe ich im Schrank gefunden und  natürlich in die Schweiz mitgenommen und es dort teilweise im Zelt gelesen, als der Regen heftig auf den Campingplatz herunterprasselte und dort schon die Enten auf dem Weg zum See schwammen.

„Sulzer rührt an den Kern des Tragischen … wie Leid wieder zu Schuld wird. Hervorragend ein großer Erzähler“, hat Oliver Jungen auf den Buchrücken geschrieben und der Clou des Buches, die Stelle, die der Autor auch in Wien gelesen hat, ist die, wie der Starpianist  Mark Olsberg mitten im Konzert in der Berliner Philharmonie den Klavierdeckel zuschlägt und mit den Worten, „Das wars, dann!“, die Bühne verläßt, ist nur ein Teil des Buches, das sich aus verschiedenen Episoden im Leben der anwesenden Konzertbesucher zusammensetzt, was manchmal fast ein bißchen kolportagenhaft und so wie ein Gesellschafts- oder Groschenroman wirkt.

Mark Olsberg ist natürlich homosexuell, sein Manager und früherer Liebhaber, ist auch auf dem Weg zum Konzert, wird aber dabei aber von seinem derzeitigen Freund Nico, der viel jünger und Plattenverkäufer ist, aber gesellschaftlich aufsteigen möchte, verlassen. Der geht dann ins Kino und trifft am Schluß den Pianisten in einer Kneipe, wo er ein Bier trinken will und eine neue Freundschaft zwischen zwei Männern beginnt.

Aber auch die Arztgattin Ester geht mit ihrer Freundin Solveig ins Konzert, der Arzt bleibt inzwischen zu Hause vor dem Fernseher, ist aber nicht mehr dort anzutreffen, als Esther wegen des Abbruchs verfrüht nach Hause kommt. Sie findet nur sein Handy vor, aus dem sie erfährt, daß er bei seiner Geliebten, einer MTA, die in seiner Praxis arbeit, ist.

Der Pianist hat eine Sekretärin namens Astrid, die leidet an Migräne, liegt daher während des Konzerts mit geschlossenen Augen in einem Nebenraum und bekommt von Olsbergs plötzlichen Abgang nichts mit.

Es gibt einen Kellner eines Cateringsservice, der für die abschließende Party engagiert wurde und als die nicht stattfindet, beschließt die Gastgeber, ein reiches Industriellenpaar, die sie veranstalteten, auszurauben. Dann gibt es noch eine Besucherin, die ihre Schwester haßt und mit deren Tochter, das Konzert besucht und so weiter und so fort.

Wirklich brillant geschrieben und auch spannend zu lesen, könnte man so unken. Aber ist das wirklich etwas Neues und ist das auch so interessant, aus dem Leben einer Societygesellschaft zu erfahren, die das Konzert eines Starpianisten besucht und dabei seine Schwächen, seine Sorgen,seine Geheimnisse und Intrigen hat.

Ist es nicht natürlich, aber, wie schon beschrieben, spannend und leicht zu lesen und auf der Piazza Grande in Locarno, wo ja auch die Schickeria in die abgesperrten Arelae hineingelassen wurde, während sich die bezahlenden Besucher ihre Plätze am Rand oder weiter hinten suchen mußten, wird es wohl auch nicht viel anders gewesen sein.

Da wird es auch Stars und Sternchen, reiche Manager und Arztgattinnen, die vielleicht von ihren Männern betrogen werden, gegeben haben und ich habe noch ein zweites Buch von Alain Claude Sulzer in meinen Regalen gefunden und es in die Schweiz mitgenommen, bin da aber nicht mehr zum Lesen gekommen, so daß ich es wieder ungelesen nach harland brachte, um es vielleicht für einen weiteren Schweizurlaub aufzuheben.

2017-12-27

Transit der Venus

Jetzt kommt das typische Weihnachtsbuch, mit dem ich auch die letzten zweieinhalb Tage mehrere intensive Stunden in der Badewanne,umhüllt von Annas Badeperlen und Schokosprudelbäder, die ich von ihr zu Weihnachten bekommen habe, verbracht habe.

Nämlich Shirley Hazzardss „Transit der Venus“, das Buch, das, glaube ich, 1981 erschienen, die 1931 in Australien geborene Autorin, die 2016 in Manhatten gestorben ist , berühmt machte und die auch mehrere Preise damit gewonnen hat.

„Ullstein“ hat es erst jetzt auf Deutsch herausgebracht und, ich glaube, auch sehr umworben. So habe ich im Netz etwas gefunden, daß es nur zwei Arten von Lesern gäbe, nämlich die, deren Leben sich durch das Buch verändert hat und die, die es noch nicht gelesen haben.

Nun mein Leben hat es, außer, daß ich jetzt lang gebadet habe, kann ich gleich anmerken, glaube ich, nicht sehr verändert und wenn man auf „Amazon“ schaut, gibt es derzeit auch noch keine Rezensionen, obwohl das Buch ja hymnisch beworben wird.

„Shirley Hazzards Prosa ist magisch chirgurgisch und sympathisch“, hat der „New Yorker“ so auf das Cover, das zwei Frauen in einem Auto zeigt, geschrieben und geht man auf den Klappentext liest man:

„Im Zentrum dieses modernen Klassikers, der das erste Mal in deutscher Sprache erscheint, stehen die Lebenswege der ungleichen Schwestern Caro und Grace von den späten 1940 bis in die 1970 Jahre. Der Astronom Ted Tice umwirbt die selbstbewußte Caro, die  einem manipulativen Theaterschriftsteller verfällt. Ihre sanfte Schwester Grace hofft auf Erfüllung in einer scheinbar glücklichen Ehe mit einem Karrierediplomaten. All diese Figuren verbinden tragische Verwicklungen, die langsam und unerbittlich aufgedeckt werden. Graduell erschließt sich die Tiefe der Charaktere, die komplexe und vielschichte Sprache lässt denLeser nicht mehr los!“

„Aha!“, kann man jetzt sagen und das Buch weglegen. Man kann sich aber auch, wie ich es getan habe, in zweieinhalb Feiertagen in die fünfhundertfünfzig Seiten vertiefen und weiß nachher wahrscheinlich auch nicht viel mehr, als oben beschrieben oder doch natürlich, man lebte mit den Schwestern, die ihre Eltern frühverloren haben, dann von Australien nach England kamen, dort in einer Burg bei einem Wissenschaftler wohnen, eine Halbschwester namens Dora, die sie vorher aufgezogen hat, gibt es auch, auf diesen fünfhundertfünfzig Seiten ihren Lebensweg mit.

Bei „Deutschlandfunk Kultur“ liest man etwas „von einem allwissenden Erzähler, der schon zu Zeiten als das Buch erschien verstaubt war.“

Und das ist auch das, wie ich mir die „wunderschöne klassische Sprache“ interpretiert habe, daß ich sie sehr sehr altomodisch empfunden habe.

Es ist ein Buch das in den Fünfzigerjahren der Upperclass England spielt, in der Burg, in der das Buch beginnt und wohin Ted, als Assistent des Professors kommt, gibt es zum Beispiel „Schlafzimmer für Diener von höheren Rang“ und das wird nun Seitenlang so erzählt. Die Liebe zwischen der selbstbewußten Caro und dem Astronomen Ted, die was auch erwähnt wird, nie eine „körperliche“ war, obwohl das Buch von erotischen Aspielungen nur so strotzt.

Die Schwestern sind aber gar nicht so Fünfzigerjahre weibchenhaft, wie obiger Artikel weiterbehauptet, nein sie sind berufstätig Caro ist das zumindest.  Grace heiratet den Sohn des Professors, bekommt von ihm drei Söhne und als der jüngste Sohn dreizehn ist, sie dreiundvierzi,g verliebt sie sich unsterblich in seinen Arzt und ihr Mann hat sie vorher auch mit seiner Sekretärin betrogen.

Caro geht aber nach London, legt eine Prüfung ab und geht dann in eine Behörde, wahrscheinlich ist ein Ministerium damit gemeint,  Shirly Hazzard war auch bei den „Vereinten Nationen“ tätig  und die Szenen, wie die Büromädel dort geschildert werden, sind zwar auch altomodisch, aber durchaus eindrucksvoll.

Sie packen zum Beispiel ein weiches Ei in ihren Muff und essen es dann kalt zu Mittag am Klo und ein Büromädel ist sogar so selbstbewußt, daß es sich weigert ihren Chefs Tee zu kochen und von ihnen sogar verlangt, das Schreibmaschinenband auszuwechseln.

Caro wird also von Ted umworben, geht mit ihm aber nur platonisch spzaieren, verliebt sich in den Schriftsteller Paul, der aber eine Tertia heiratet und als Caro dabei ist, darüber  depressiv zu werden oder an Liebeskommer zu sterben, kommt ein anderer Diplomat vorbei, den sie heiratet und mit ihm nach Manhatten geht.

Der stirbt dann zwar an einem Schlaganfall, Caro kommt wieder nach London zu ihrer Schwester zurück und Ted hat inzwischen auch geheiratet und einige Knder bekommen.

„Da passiert ja nichts!“, könnte man so sagen. Nichts außer Andeutungen und erotischen Geplänkel und in der Tat habe ich mir mit dem Lesen etwas schwer getan. Was wohl an der autorialen Erzählweise,  behziehungsweise dem Aneinanderreihen der Szenen liegt, so daß man schwer hat, dem Plot zu folgen und nicht durcheinanderzukommen.

Es passiert aber natürlich schon einiges. So gehen die Ereignisse ja erstens bis in den ersten Weltkrieg zurück, zweitens hat Ted einmal einem Kriegsgefangenen das Leben geretten und Paul, der, obwohl er Tertia heiratete und Caro verführen wollte, homosexuell ist, wurde von dem Dienerenkel, den er aushielt, erpresst und ließ ihn schließlich sogar sterben, was er Caro gegen Ende des Buches brühwarm erzählt.

„Rosamunde Pilcher!“, würde ich sagen, obwohl ich die nicht wirklich gelesen habe und glaube, daß ich nicht so ganz die Zielgruppe dieses modernen Klassikers bin, obwohl es natürlich interessant ist, eine mir bisher unbekannte Autorin kennenhzulernen und vielleicht wieder einmal den Hype eines Buches mitzuerleben.

Es endet für meinen Geschmack auch ein wenig langweilig, die etwa fünfzigjährige Caro kommt nach Schweden, um nach ihrer Stieftochter zu sehen, dort wird sie von Ted erwartet, der sich, glaube ich, ihretwegen sogar scheiden lassen will. Sie bleibt aber, wenn ich es richtig verstanden habe, standhaft und fliegt wieder nach London hzurück.

Mir also ein wenig zu voll von erotischen Anspielungen und Upperclass high society Schilderungen, obwohl es das natürlich auch gibt, aber mir ist wahrscheinlich in dem Buch zu wenig Neues passiert, obwohl mich die Sprache und einige sehr prägnante Schilderungen schon beeindruckt haben.

So glaube ich nicht, daß „Transit der Venus“ zu meinem Buch des Jahres wird, aber ich bin wahrscheinlich auch kein sinnlicher oder erotischer Typ.

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