Literaturgefluester

2016-08-31

Am Rand

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:36
Tags: , , ,

Daß Hans Platzgumers im Frühjahr erschienener Roman auf die LL kommen könnte, war irgendwie zu  erwarten oder ich hätte es mir für die österreichische gedacht.

Ich habe bei der Lesung in der „Alten Schmiede“ mit Buch oder Autor  ja meine Schiwerigkeiten gehabt, weil mir das da so selbstbewußt präsentierte, zu konstruiert erschien.

Jetzt habe ich das Buch  des 1969 in Innnsbruck geborenen und in  Bregenz lebenden Musikers, zuerst auf dem Berg und dann am Laptop in Harland und Wien gelesen und mein Eindruck verdichtete sich.

Ein sehr gut konstruierter Text, muß ich schreiben, so einer, wie der  wahrscheinlich, mit dem Kathrin Passing, den Bachmannpreis gewann und eigentlich könnte ich zufrieden  sein, denn es gibt einen  Plot und zu verstehen ist es auch.

Ein Leben wird erzählt, in dem dann aber alles wieder viel zu erhöht und unwahrscheinlich ist, eben die konstruierten Metaphern vom Leben und Sterben und den Umgang mit  dem Tod des Gerold Ebners aus der Südtirolersiedlung, des mittelmäßigen Schriftstellers oder Getränkeliferanten.

Sehr gekonnt, am Reißbrett konstruiert, Hans Platzgumer hat ja sehr selbstbewußt in der „Alten Schmiede“ davon erzählt, wie er zum Schreiben gekommen ist und das, diese Künstlichkeit, ist es, was mir, wieder nicht gefällt.

Eine Parodie auf den Literatur bzw. Kunstbetrieb ist es auch. Eine sehr Scharfsichtige und man muß auch sagen, daß wahrscheinlich vieles in dem Buch stimmt, denn das Leben ist nun einmal sehr grausam und hat sich in den Neunzigerjahren in der Bregenzer? Südtirolersiedlung, das habe ich nicht ganz herausgekommen, so abgespielt und den Lesern, die ja das Überhöhte wollen, wird es wahrscheinlich gefallen.

Also ein Kanditat für die Shortlist? Oder wird es ihnen zukitschig erscheinen?

Ich weiß es nicht, in einem Monat werden wir es wissen und ich habe, ich wiederhole es, ein sehr spannendes Buch von einem brillanten Geist und gekonnten Schreiber gelesen, das mir zu kontruiert erschien und mir deshalb eher mißfallen hat.

Da geht einer also auf den Berg, der Gerold Ebner aus der Südtriolersiedlung. Sehr pedant und sorgfältig tut er das, kocht sich vorher Frühstück, läßt das Nachtlicht, der kleinen Sarah brennen.

Steigt auf den Bocksberg, setzt sich an den Rand und schreibt sein Leben auf. Bis am Abend hat er Zeit dazu, um endlich etwas fertig zu bringen und dann geht es hinein in das Aufwachsen der Siebzigerjahre, sehr überhöht und konstruiert.

Die Mutter Maria zuerst Hure, dann Altenpflegerin und für den kleinen Sohn vielleicht zu wenig Zeit. Aber, nein, sie wird eigentlich als sehr fürsorglich beschrieben.  Der erste Verstorbene in seinem Leben ist der Herr Gufler, der hat ein Jahr tot in seinem Fernsehsessel gesessen und die Mutter, die ihn  findet, schickt den Kleinen besorgt weg.

Sein Freund Peter will den Fernsehsessel  im Keller vermieten und kommt später auf einer Bausstelle elendiglich um.

Sehr genau und präzis wird auch das beschrieben. Zuerst kommen aber die Mutproben der Freunde in der Südtirolersiedlung, wo die Türken und die Gastarbeiter wohnen und man ein bißchen geächtet ist.

Ein Hansi Platzgumer, der später mitseiner Gitarre nach Amerika auswandert, kommt, o Ironie des Autors, auch vor. Gerold will einen Roman über ihn schreiben, scheitert aber daran.

So wird er Bau- und Gelegenheitsarbeiter und zieht zu seiner Freundin Elena in den Keller, als der gehaßte Großvater plötzlich auftaucht, der Monarch, wie er sich nennen läßt und zu seiner Tochter Maria zieht.

Warum die Beiden ihn so hassen ist mir nicht ganz klar geworden. Hat der Vater seine Tochter mißbraucht? Dem Enkel hat er jedenfalls nichts getan, außer ihn, um Bier zu schicken und beim Sprechen gelegentlich angespukt, trotzdem ist er der Erste, den er der Mutter zuliebe, die ihn widespruchslos pflegt, in den Tod befördert, also mit seinen Händen erdrosselt.

Denn mit seinem anderen Freund Guido, hat er Jahrelang vergeblich Karate trainiert, denn er bringt es nur zum braunen, Guido zum schwarzen Gürtel, bis der dann versehentlich eine Säure aus einer Römerquellenflasche trinkt. Der zweite Fall für Gernots Sterbehelfe und da würde ich auch aussetzen, wenn mir das brillant geschriebene Buch nicht so konstruiert erscheinen würde, denn Sterbehilfe mag ich nicht!

Es kommt aber noch ärger, richtig unglaubwürdig wird es dann, als er mit seiner Freundin Elena in einem französischen Automatenhotel ein Kind findet. Elena kann keine Kinder bekommen. Sie nehmen das Kind mit, nennen es Sarah  und wissen dann nicht, was sie damit fangen sollen?

Einen falschen Paß besorgen und über die Grenze nach Südamerika schmuggeln?

Dazu fehlt ihnen das Geld, denn auch Elena ist Gelegentheitsarbeiterin, spich Ghostwriterin und Lektorin, nach abgeschlossenen Germanistikstudium, man sieht Hans Platzgumer hat es wirklich in sich. Also gehen sie mit der quengelnden Kleinen im Tragesitz auch auf einen Berg, verirren sich und Elena stürzt mit dem Kind in die Tiefe.

Er klettert hinunter, verscharrt die Leichen, geht dann einen Monat in den Krankenstand, hört sich noch einige Geschichten seiner Kunden an, bevor er kündigt, seinen Rucksack nimmt, auf den Bocksberg steigt und dem geneigten Leser, der die Aufzeichnungen findet, sein Leben erzählt…

Werbeanzeigen

2016-02-09

Hans Platzgumer neu entdeckt

Filed under: Bücher — jancak @ 22:23
Tags: , , ,

Die „Alte Schmiede“ hat  jetzt eine Reihe „Angelika Reitzer stellt mir ihren Gästen neu zu entdeckende Büche vor“ und da war heute Hans Platzgumer mit „Am Rand“ da, ein Autor, der mir nichts sagte, seinen Namen habe ich in den letzten Tagen aber öfter, wo gehört oder gelesen, also war ich auf die Entdeckung sehr neugierig und es war auch sehr interessant.

Sehr voll in der „Alten Schmiede“, ich glaube Norbert Gstrain, der nächste Woche seinen neuen Roman vorstellen wird, war da und eine Menge Leute, die ich, wie den 1969 in Innsbruck geborenen Autor, der in Lochau bei Bregenz lebt, nicht kannte und Angelika Reitzer erwähnte  in der Vorstellung, daß der bei „Zsolnay“ erschienene Roman, letzte Woche herausgekommen ist, deshalb war auch der Verlagsleiter Herbert Ohrlinger, mit dem ich einmal in einer Jury gesessen bin, da und in dem Buch geht es,  um einen Mann, der eines Morgens um vier Uhr in der Früh aufsteht, kein Licht in der Küche macht, sondern sich mit der Beleuchtung eines Schlafzimmerlämpchens, Eier mit Schinken macht, Speckbrote einpackt und sich dann mit Zug und Bus aufmacht auf einen Berg zu fahren. Dort steigt er auf den Gipfel, setzt sich bei Sonnenaufgang hin, um bis die Sonne untergeht, einen Roman über sein Leben zu schreiben.

Er ist nämlich Schriftsteller, aber sehr pedantisch, so daß er bisher nie etwas zu Ende brachte, aber jetzt muß er wohl oder nimmt es sich vor und dann erzählt er, der Leserin, die das Manuskript finden wird, von einem Nachbarn, der als er ein Bub geworden ist, ein Jahr lang tot mit Kopfhörern vor dem eingeschalteten Fernseher gesessen ist und niemand hat sein Sterben bemerkt, obwohl die Nachbarn vorher  für die Kopfhörer gesammelt haben, damit sie durch seinen Fernseher nicht gestört werden. Seltsam also, daß erst ein Einbrecher kommen muß und die Tür offen läßt, damit die Mutter  in die Wohnung gehen und nach dem Nachbarn schauen kann und der Kleine steht dabei und beobachtet, seine Freunde wollen den Fernsehsessel dann im Keller aufstellen und ihn als den der Mumie vermieten. Da haben die Leute gelacht, ich habe das wieder nicht so lustig gefunden und es geht dann weiter, daß die Mutter des Erzählers eine „Hure“ war, nach der Geburt hat sie sich aber vollkommen gewandelt, ist in ein Pflegeheim gegangen,  hat die Alten gebadet und gepflegt und drei Mal am Tag mit ihnen gebetet. Das Wort Nonne ist auch einmal gefallen und das ist eine Metapher, die ich mit Verlaub, noch ein wenig kitschiger finde, als die von der Mumie mit Kopfhörern am Fernsehsessel.

Der Erzähler hat dann noch zwei Morde vor, beziehungsweise hinter sich, denn eines Tages kommt der Großvater, der sich „Monarch“ nennt, während die Mutter im Pflegeheim ist, verlangt von dem Kleinen, daß er ihm ein Bier holen soll und der tut das ein paar Mal, dann geht er aber weg und beschließt erst  zurückzukommen, wenn der Großvater verschwunden ist. Der zieht aber später in die zwei Zimmer Wohnung ein und von einem Freund, den er von seinen Leiden erlöst, wird im Programm auch noch berichtet.

Ein Buch über das Sterben also und Hans Platzgumer erzählte im Gespräch mit Angelika Reitzer, daß er auf die Idee gekommen ist, als er auf diesen Berg gegangen ist.

Da wollte er darüber schreiben, daß einer dort einen Roman schreibt, dann ist er nach Hause gegangen und es ist ihm gekommen, daß es ein Buch übers Sterben werden wird, denn er ist kein planender Autor, sondern setzt sich hin und läßt sich von seinen Figuren leiten und hatte nur einen Zettel, wo die Namen der handelnden Personen standen. Wenn dann einer gestorben war, hat er ihn abgehakt.

Da wurde wieder gelacht und eine kleine Stelle hat der Autor auch noch gelesen, nämlich, die, wie der Held Gerold Ebner zu seinen Ideen kommt, er setzt sich auf die Straße und schaut den Passanten zu und denkt sich etwas aus, aber weil da immer andere Leute sind, kommt er nicht weit und seine Romane sind nicht fertiggeworden.

Der Autor hat noch eine  Metapher gebracht, die mir Schwierigkeiten machte, nämlich die, daß sich der Held, statt sich vom Berg zu stürzen, ja auch auf seinen Manuskriptstapel stellen und damit in die Schlinge rutschen könnte, etwas was mir auch nicht sehr gefiel, wie ich überhaupt den Roman etwas konstruiert und aus der Zeit gefallen empfand.

Angelika Reitzer hat das im Gespräch auch angesprochen und Hans Platzgumer hat begeistert „Stimmt, er könnte auch an einem anderen Ort oder im vorigen Jahrhundert spielen“.

Da habe ich mich  wieder ein bißchen gewundert, daß er dann heute noch verlegt wird, dem Publikum hat es aber, glaube ich, gefallen.

Angelika Reitzer rief, glaube ich, zum Bücherkaufen und Signierenlassen auf, der sehr selbstbewußte Autor verneigte sich und ein Detail am Rande kann ich noch erwähnen, ihr „Wir Erben“ lag in der „Morawa-Abverkaufskiste“ um vier Euro, als ich in die „Alte Schmiede“ gegangen bin.

Ich habe es nicht gekauft, weil ich es ja schon gelesen habe, also wer in Wien wohnt und es haben will, morgen früh hingehen und ich habe, für alle, die es wissen wollen, mit dem „Umschreiben von Paul und Paula“ begonnen und hoffe nur, daß ich mich damit nicht um meine Spontanität und meine Pointen schreibe, aber das wollte ich ja, einmal lange an einem Text korrigieren, mal sehen, wie es damit weitergeht.

Bloggen auf WordPress.com.