Literaturgefluester

2019-06-20

Schlafende Sonne

Jetzt kommt Buch neunzehn der 2017 dBp langen Liste, Thomas Lehr schlafenden Sonne, das ich damals natürlich angefragt habe, aber für Blogger leider leider keine Bücher.

„Aber lassen Sie sich dadurch nicht entmutigen!“

Natürlich nicht, obwohl ich während des Lesens der siebzehn anderen Bücher oder auch schon früher gehört habe, daß das Buch ähnlich unlesebar sein soll wie Reinhard Jirgls „Nichts von euch auf Erden“ oder Ulrich Peltzers „Das bessere Leben“, das ich übrigens vovorgestern im Schrank in der Zieglergasse gefunden habe, als ich ins Literaturhaus ging und das ich mir damals vom Otto ausgeborgt habe.

Ich habe ja die Straßergassenschulkollegin Trude K., die mir gegenüber wohnt, mir zum Geburtstag immer ein Buch bringt und weil sie da zwei oder dreimal eines aussuchte, das ich schon gelesen hatte, mich immer vorsorglich fragt, was ich denn haben will?

„Thomas Lehrs „Schlafende Sonne!“, habe ich tapfer geantwortet und das Buch dann bei unserem Fest Anfang 2018, wo wir die Riesenweinflasche, die uns der Josef und die Angela brachten, verkosten wollte, von ihr bekommen.

Da kam dann auch der Otto und brachte, nicht abgesprochen, Buch zwanzig, so daß ich höchstwahrscheinlich in wenigen Wochen, wenn nicht noch zu viele Neuerscheinungen kommen, mit dem dBp 2017 fertig bin, ehe die neue Buchpreisliste kommt und das wäre dann mein fünftes Buchpreisbloggen, wo ich wahrscheinlich wieder anfrage, aber vielleicht mit ein wenig weniger Enthusiasmus, wir werden im August ja auch wieder in der Schweiz sein und heuer wahrscheinlich die Buch-Wien auslassen, das alles lesen werde.

Aber zurück zu Thomas Lehr, obwohl ich vor ein paar Tagen, meine deutsche Liste auf die sich angesammelt habenden, noch nicht gelesenen Bücher ergänzt habe und demnächst wahrscheinlich über fünf Jahre Buchpreisbloggen schreiben will, von dem ich, wenn ich mich nicht täusche, schon einiges gelesen habe.

Die Novelle „Frühling“ auf jeden Fall, sonst bin ich mir nicht sicher, ob ich einen seiner Monsterromane gelesen habe und ob das Buch des 1957 in Speyer Geborenen, jetzt unlesbar ist?, wollen meine wahrscheinlich nicht vorhandenen Leser jetzt vielleicht wissen.

Unlesbar nein, würde ich sagen, denn es ist mit einer schönen, kunstvollen, irgendwo habe ich auch Phanatsiesprache gelesen, geschrieben, aber es hält nicht, was der Klappentext verspricht.

Denn da steht doch, daß ein Dokumentarfilmer und Essayist von Tokio, glaube ich, nach Berlin fliegt, um die Vernissage seiner ehemaligen Studetnin Milena Sonntag zu besuchen, die wohl „Schlafende Sonne“ heißt und an einem einzigen Tag stattfindet.

Soweit so gut und klingt auch interessant. Man könnte sich wohl fragen, wie man das in sechshundertdreißig Seiten preßt und dann liest man etwas anderes, was eigentlich auch noch nicht so unverständlich klingt und im Text auch beschrieben wird, daß es da, um die Familiengeschichten des gesamten vorigen Jahrhunderts geht und irgendwo im Buch bekommt man auch heraus, daß es 2014 geschrieben oder begonnen wurde und denkt, aha, der erste Weltkrieg ist ja klar und mit dem habe ich mich in meiner Lektüre der letzten fünf Jahre ja auch öfter beschäftigt und mich sozusagen hinauf- und hinuntergelesen.

Was es wohl wirklich so schwierig macht, steht im Nachwort geschrieben: „Dieses Buch ist ein Werk der freien Phantasie und doch zutiefst abhängig von der Wirklichkeit, über deren Erfindungsreichtum der Künstler nur staunen kann.“

Und nach dem letzten Satz steht „Wird fortgesetzt!“ und damit man sieht, daß ich mich in der letzten Woche wirklich durch das Buch gelesen habe, zitiere ich auch noch ein paar Sätze von den Seite hundertneunzig und einundneunzig: „Von außen gleich die Räume einzelnen, von Kinderhand übereinandergetürmten Schachteln, doch weil man im Inneren des verworrenen Bauwerks steckt, weiß man nicht, was beim Öffnen der nächsten Tür mit einem geschicht, wo man hingerät , wie schräg der Boden ist, ob man von der Decke her auf einen Küchenboden fällt oder wie auf einer Rampe hinabtaumelt In einem dröhnend beschalten Partykeller oder einen von Endkampf-Parolen widerhallenden Parteitag.“

Damit wird, glaube ich, viel über das Buch und seine Machart gesagt und wem das jetzt zu unverständlich ist, kann es damit und mit dem Klappentext belassen, denn man kommt in das Buch wirklich schwer hinein, weil Thomas Lehr mit seiner Phantasie würde ich so sagen, hin- und hergesprungen ist.

Er erzählt von einer oder vielleicht auch mehreren Familien, beginnend oder endent im Wilhelminismus, dem in der Ausstellung oder im Buch mehrere Kapitel in zum Teil kursiver Schrift gewidmet ist.

Die drei Hauptpersonen sind Rudolf Zacharias, der Professor, Milena Sonntag, die Künstlerin und ein Jonas, mit dem das Buch beginnt, der ist Physiker und der Exmann von Milena, glaube ich und dann wird in den sechshundert Seiten ein bißchen was vom ersten Weltkrieg, vom zweiten natürlich und den Schicksalen jüdischer Familien und dann auch sehr viel vom Aufwachsen in der DDR, Milena Sonntag ist dort, glaube ich, aufgewachsen und, ich glaube, auch vom Heidelberger Studentenleben  der siebziger oder achtziger Jahre erzählt.

Wenn der Uli das lesen sollte und sich über meine vielen „glaube ich“, aufregt, die sind dem Stil geschuldet, denn Thomas Lehr springt durch das Buch, erzählt mal von einem, mal vom anderen, erklärt auch nicht viel, wer jetzt wer ist und wie er das macht, ist auch durchaus spannend, interessant und lesbar, nur der Zusammenhang fehlt.

Worum geht es in dem Buch? Um das letzte Jahrhundert Deutschlands an Hand einiger Schicksale und ,um eine Ausstellung, die von der Sonne handelt und sich in einigen Bildern oder Exponaten, so werden den Besuchern Kostüme angezogen und ihnen Gegenstände in die Hand gedrückt, damit beschäftigt.

So würde ich es ausdrückeh und wieder die Frage nach den Buchpreisbüchern stellen? Nach welchen Kriterien sie von der Qualitätsjury ausgewählt werden?

Nach denen der schönen Sprache, würde ich wieder sagen, denn der Inhalt, eine Familiegeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, wurde ja schon sehr oft erzählt und kann man wahrscheinlich in jeder Buichpreisliste finden. Da kommen wir wieder zu der Frage, ob die Leser das Lesen wollen und da stöhnen die Buchhändler ja immer und fordern: „Setzt andere Bücher auf die Longlist, denn die Leute lesen das nicht!“

Das ist eine interessante Frage und ich gestehe, ich habe auch einiges überflogen, mich manchmal nicht ausgekannt, das Buch aber trotzdem interessant und spannend gefunden, wenn auch nicht so neu und so ungewöhnlich.

Jetzt kann ich natürlich auf die Fortsetzung gespannt sein und natürlich auf die neue Liste, von der ich derzeit noch sehr wenig Vorstellungen habe, was darauf stehen könnte und mich dann an ein Buch der österreichischen Liste und wie schon erwähnt, an das zwanzigste 2017- Buch zu machen, um wieder einmal vollständig zu sein, denn das war ich bisher ja nur 2015 bei meinem ersten Buchpreislesen und da habe ich geborgt , in Buchhandlungen gelesen und mir die Bücher schenken lassen und den anderen Jahren fehlt mir ein bißchen, wenn auch nicht viel, da ja die Verlage der Buchpreisbloggerin gegenüber sehr großzügig sind, während es für heuer, glaube ich, noch keine ausgesuchten Buchpreisblogger gibt und diese Idee vielleicht fallengelassen wird, obwohl ich das vier oder fünf lesen zwanzig was es ja 2013 gab und der Stein des Anstoßes war, sehr spannend fand.

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2019-06-14

Die kommenden Jahre

Filed under: Bücher — jancak @ 00:32
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Norbert Gstrein zukunftsträchtiger Roman, 2018 erschienen, der sich mit den zwei aktuellen Themen dieser Zeit, die Klimafrage und die Flüchtlingskrise beschäftigt, ist im Vorjahr zwar weder auf der dBd noch auf der österreichischen Buchpreisliste gestanden. Ich habe aber sowohl in Göttweig als auch bei den O-Tönen daraus gehört und mir das Buch von meiner Straßergassenschulkollegin Trude K. zum Geburtstag gewünscht.

Ich habe von dem 1961 in Tirol geborenen Autor schon einige Bücher gefunden, war auch auf seinen Lesungen, aber noch nicht soviel von ihm gelesen, aber das thema ist sehr zukunftsweisend und ich interesse mich ja für die gesellschaftspolitischen Fragen der Zeit.

Da ist Richard, ein etwa fünfhzigjähriger Gletscherforscher mit Frau und Kind in Hamburg lebend. Aber das Buch beginnt auf einem Kongreß in New York zu den Wahlkampfzeiten, wo alle noch versicherten, daß sie nach Kanada auswandern würden, wenn Donald Trump die Wahl gewinnen würde?

Der Kollege Tim macht Richard auch eine solches Angebot und die mexikanische Kollegin Idea unterstützt ihn auch darin. Er reist aber nach Hamburg zurück, beziehungsweise in das von seiner Frau Natascha, einer Schriftstellerin geerbte Häuschen im ehemaligen Osten, das sie, medienträchtig vermarktet, an die syrische Flüchtlingsfamilie Fahri vermietet haben.

Richard ist das ein wenig peinlich und er spart auch nicht an zynischen Kommentaren. Natascha ist aber begeistert und es gibt auch gleich Probleme und Gerüchte.

Zuerst will aber Herr Fahrdi nur konvertieren und wird deshalb öfter vom Pastor besucht. Es gibt auch vermummte Jugendliche, die sich dem Haus nähern, die beiden Söhne entführen und in einem Baumhaus gefesselt liegen lassen. Die Nachbarn streuen Gerüchte und Natascha, die sich mit Herrn Fahrdi anfreudet und mit ihm auch an einem Kunstprojekt arbeitet, weigert sich mit Richard und der Tochter Fanny den Rest des Sommers, wie geplant in <kanada zu verbringen.

Das Ganze ist und das ist sehr interessant, in dreizehn Kapiteln geschrieben, oder in zwei Teilen, die zwölf Kapitel enthalten. Dann gibt es zwei dreizehnte, die das schildern, was sich zugetragen haben könnte, als Richard wieder nach New York geflogen ist, dann kommt das, was verrät was wirklich geschehen ist.

Richard kommt in Kanada an, wird aber von Natascha angerufen, die erzählt, Herr Fahrdi hätte mit der Waffe, die sie ihm gegeben hat, auf die Angreifer geschossen und sei verhaftet worden.

Norbert Gstrein hat, glaube ich, im MQ gesagt, daß er absichtlich nicht Stellung bezogen hat, also nicht für oder gegen die Flüchtlinge ist, sondern das Ganze neutral gehalten hat.

Das könnte man dem Buch ankreiden, daß es die Themen nur anreißt, aber nicht wirklich eine Lösung bietet und, daß das, was da erzählt wird, eigentlich alltäglich ist.

Der weiße Intellektuelle ist frustriert, die Annäherung an die Flüchtlingsfamilie gelingt nicht wirklich, die Gletscher schmelzen und Norbert Gstrein hat ein hochaktuelles Buch geschrieben, das, glaube ich, auch in der Literatursendung von Ellen Kositza und Susanne Dagen besprochen wurde.

2019-03-17

Stella

Filed under: Bücher — nagl @ 00:02
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Für die, die in allem Unglück ein Gutes sehen, denen sei gesagt, mein Knöchelbruch hat mir Takis Würger „Stella“ beschert, eines der Kultubücher, der heurigen Saison, würde ich mal sagen, das überall besprochen wird und die Geister spaltet, als das zweite würde ich Michelle Houllebecq „Serotonin“ bezeichnen, „Gotteskind“ und „Der traurige Gast“ habe ich schon gelesen und weil ich ja nicht so eine prominente Bloggerin bin und mit „Hanser“ ohnedies so kleine Schwierigkeiten hatte, habe ich mit dem Buch die letzten Woche geliebäugelt, es mir in den Buchhandlungen immer angeschaut und gehofft, daß ich es einmal finde, denn es hat  ein Thema, das mich interessiert und dann kam Doris Kloimstein zu mir ins Krankenzimmer und hat es mir übergeben, Robert Eglhofers Gabe, der noch zu mir gekommen ist, muß ich noch lesen, aber für Stella hat der Mittwoch im Krankenhaus mit den Physiotherapieversuchen und dem Kreislaufkollaps gerade noch gereicht, so daß ich es ausgelesen habe und Doris Kloimstein hat am Ende auch noch freundlich mit blauer Tinte angemerkt, das Takis ein männlicher Vorname und die Abkürzung von Panagiotakis ist und die Koseform Panagiotis lautet.

Sehr interessant, man lernt nie aus und Takis Würger steht auf der anderen Seite, ist ein 1985 geborener Journalist, der schon mit seinem Debut „Der Club“ einige Preise erntete und warum ist jetzt sein Buch so spaltend?

Weil es diese Stella Goldschlag, 1922-1994, wirklich gegeben hat, eine Jüdin, die dadurch überlebte, daß sie eine Reihe von Juden an die Gestapi ausgeliefert hat. Sie wurde nach dem Krieg zweimal verurteilt und hat sich 1994 in Freiburg das Leben genommen und Takis Würger macht nun einen sehr künstlerischen Roman daraus, in dem er die tatsächlichen Fakten, das heißt Ausschnitte aus den Gerichtsakten und die Aufzählung, der durch sie Verratenen mit einer fast surrealen Liebesgeschichte verbindet.

Der Held und Erzähler heißt Friedrich, wohnt in der Schweiz, wurde von einer sehr nazibegeisterten malenden Mutter aufgezogen, die fast den Verstand verlor, als ihr Sohn durch einen Unfall zumFarbenblinden wurde.

1942 will sich der 1922 geborene Berlin ansehen und dort auch was ja eigentlich verboten ist, Jazzmusik anhören und dadurch lernt er eine Kristin kennen, die auch sehr ungewöhnlich ist und irgendwann in seinem Hotelzimmer auftaucht und ihm verät, daß sie eigentlich Stell Goldschlag wäre.

Die einzelnen Kapitel sind immer wieder geschichtliche Daten wie „Im Jahre 1922 verurteilte ein Richter Adolf Hitler zu drei Monaten Gefängnis wegen Landfriedensbruchs, ein englischer Forscher entdeckte das Grab Tutanchamus, James Joyce veröffentlichte denRoman Ulysses, die kommunsistische  Partei Russland wählte Josef Stalin zum Generalsekretär und ich wurde geboren“, beigefügt.

Eine Mischung aus Fiction und Fakten also und interessant finde ich auch, daß ich ja kürzich auch ein Buch gelesen habe, wo ein ziemlich naziaffiner Jude ein Rolle spielte, das war aber, glaube ich, nur Fiktion, beziehungsweise wurde auch ein Tagebuch einer Mutter zum Vorbild genommen und „Stella“ das Kultbuch von 2019 hat eingeschlagen, wie ein Bombe bei den Leuten die noch lesen, weil bis dato schon 157 Rezensionen obwohl es erst im Jänner erschienen ist.

Daniel Kehlmann und Isabell Bogdan haben auf den Buchrücken lobende Worte geschrieben und ich kann jetzt wieder, wenn ich  auf eine Party gehen kann, über die literarische Sensation des Jahres mitreden, wenn mich einer fragen sollte, was aber erfahrungsgemäß eher nicht geschieht, wenn ich in der „AS“ oder im Literaturhaus beim Wein herumstehe.

Friedrich Torberg hat übrigens mit „Hier bin ich mein Vater“, schon vor langem ein ähnliches Thema bearbeitet.

2019-02-02

Das Feld

Jetzt kommt wieder eine Überraschung oder eine Erneuerung der Feststellung, daß man aus Lesungen und Leseproben keinen richtigen Eindruck über das Buch bekommen kann, denn ich habe ja die öst Debutpreisgewinnerin von 2018 bei den O Tönen gehört, gedacht, wieder so eine neue junge literarische Stimme mit schöner Sprache und vom Inhalt ihres Buches nicht viel verstanden, was sich dann änderte, als ich das Buch, das auch nicht gleich nach der Anfrage zu mir gekommen ist, in der Hand gehalten, bei Roberts Seethalers „Feld“, das auch an jenem Abend im Museumsquartier vorgestellt wurde, könnte es mir ähnlich gehen und ich habe ein Seethaler-Vorurteil.

So ähnlich habe ich es, glaube ich, meiner Hauptschulkollegin Christa Unterauer nach der Lesung gesagt und, ich glaube, es ist die Art des 1966 in Wien geborenen und in Berlin als Schauspieler lebenden Autors, von dem ich das erste Mal etwas bei „Rund um die Burg“ neu hörte, als dort sein „Trafikant“ vorgestellt wurde und ich mich darüber wunderte, daß ich noch etwas von Buch und Autor gehört habe.

Er hat dann ein „Wien Stipendum“ bekommen und wurde bei der Literatur im MUSA, ich glaube, gemeinsam mit Clemens Berger vorgestellt und da habe ich mich über die etwas arrogante Art der Autoren geärgert, die beide behaupteten, mit dem Literaturbetrieb nichts am Hut zu haben und, daß der sie nicht interessieren würde.

Da fühlt man sich als eine, die vergeblich dort hinein will und wahrscheinlich deshalb fast jeden Abend zu Literaturveranstaltungen geht, leicht angegriffen und außerdem war damals sein „Ein ganzes Leben“ in aller Munde und mit dem Buch, beziehungsweise mit den Leseproben, die ich daraus hörte, habe ich nichts anfangen können.

Vielleicht sollte ich auch dieses Buch als Ganzes lesen, um zu schauen, ob der Eindruck bleibt, habe von Robert Seethaler in den Schränken bis jetzt aber nur „Jetzt wirds ernst“ gefunden und im Oktober, glaube ich, in St. Pölten die Verfilmung vom „Trafikanten“ mit Bruno Ganz als Sigmund Freud und, daß man dabei auch keinen Eindruck vom Buch bekommen kann, habe ich ebenfalls schon bemerkt.

Das „Feld“ ist, glaube ich, ein Episodenroman, der aus neunundzwanzig längere oder kürzeren Geschichten besteht, die von Toten handelt, die alle auf dem „Feld“, dem Friedhof von Paulstadt liegen und ihre Geschichten erzählen.

Ein paar davon hat Robert Seethaler auf der Lesung im MQ vorgelesen und dabei immer dazu gesagt, daß er gar nicht so viel lesen möchte, was mich schon einmal störte, dann habe ich das Buch, das „Hanser“ mir zuerst nicht schickte, doch noch einmal angefragt und jetzt als letztes von der vorjährligen östBp-Liste, es ist nicht auf die Shortliste gekommen gelesen und ich muß sagen, ich bin wieder überrascht, und Vorurteil abgeändert.

Ich habe mir, wie meistens die „Amazon Rezensionen“ vorher angeschaut, die sehr unterschiedlich waren, einige haben mit dem Buch, das von der Literaturkritik hoch gelobt wurde, nichts angefangen können und geschrieben, sie verstehen den Lärm um das Buch nicht und die Literaturkritiker hätten keine Ahnung.

Ich glaube, ich verstehe es schon und hier sind es die leisen Tönen, die mir beim „Einfachen Leben“ wohl abgegangen sind, die mich berührten.

Es beginnt mit einem alten Mann, der jeden Tag auf den Friedhof kommt, dort auf einer alten Bank sitzt und versucht das Rauschen der Stimmen, die aus den Gräbern kommen und die Geschichten, die sie erzählen können, zu verstehen.

Ein diesbezügliches Vorwort, das auf den Sinn des Buches hinweist, gibt es auch und dann beginnen die kürzeren oder längeren Geschichten, die manchmal nur aus einem einzigen Wort bestehen.

Es beginnt mit der Lehrerin, eine Geschichte, die Robert Seethaler auch im MQ gelesen hat, die sich an die letzten Worten die ihr Mann an sie gesprochen hat, erinnern will und an die Berührungen ihrer Hände denkt.

Sehr leise Töne also, die von der Liebe handeln und die betreffen auch den Lennie und die Louise. Der Lennie ist ein Taugenichts und ein Spieler, der bei ihr lebte, bis sie ihn hinausgeschmissen hat.

Dann gibt es den Pfarrer, der immer den Sinn im Glauben finden wollte und weil ihm das offenbar nicht gelungen ist, die Kirche abfackelte, es gibt den arabischen Gemüsehändler, der die Asche seiner Eltern verstreute und mit dem Pfarrer öfter um den Glauben stritt und noch vieles mehr, wo die Zusammenhänge eigentlich nur aus den Personen bestehen, die in Paulstadt leben oder gelebt haben.

Der Bürgermeister spricht aus dem Grab heraus und spricht von dem Freizeitzentrum, das er am Stadtrand errichtet hat und den Grund einem Bauern abgeluchst hat, der später in ein Altersheim gezogen ist.

Drei Personen sind dort verschüttet worden, eine ist die Schuhhändlerin Martha, die auch Gedichte und Romane geschrieben und sich mit ihrem Mann nicht sehr gut verstanden hat.

Eine verwirrte alte Frau fährt mit einem Handwagen durch die Straßen und wird in den verschiedenen Episoden erwähnt, einen Autohändler gibt es auch und eine Floristin, die ein paar Tage lang tot in ihrem Lagerraum gelegen ist, bis man ihr Verschwinden merkte.

Es gibt die sehr berührende Geschichte von den zwei alten Frauen in einem Sanatorium, die einander Kochrezepte erzählen, die der Hundertfünfjäjhrigen, der Ältesten am Friedhof, die erzählt, daß man über den Tod nicht sprechen darf so wie er ist und die des Herausgebers des „Paulstädter Boten und Chronisten“ und und…

Neunundzwanzig Lebensgeschichten oder Momentaufnahmen der ehemaligen Paulstädter, die nur manchmal Bezug aufeinandernehmen und die die unterschiedlichsten Sachen über sich und die anderen erzählen. Manchmal über den Sinn des Lebens und die Frage nach dem lieben Gott sinnieren und manchmal auch etwas ganz ganz anderes für erwähnenswert halten.

Bei „Amazon“ stellt einer der Rezensenten die Frage, wann das Buch spielt und führt Wolfgang Tischer vom „Literaturcafe“ an, der meint, daß es nach dem Krieg spielen würde, weil der öfter thematisiert wird, was er widerlegt und die Handlung in die Achtzigerjahre vermuten würde.

Ich denke, da die Toten, die aus den Gräbern sprechen, wahrscheinlich zu verschiedenen  Zeiten gestorben sind, die Handlung wahrscheinlich keinen speziellen Zeitpunkt zuzuschreiben  und es ist wahrscheinlich auch die Spezialität Robert Seethalers, die kleinen leisen Töne in einer vielleicht etwas altmodisch anmutenden Sprache zu beschreiben und habe diese Episoden, Roman würde ich sie nicht nennen, obwohl ich habe nachgesehen, das natürlich wieder in dem Buch steht, für sehr beeindruckend gehalten, so daß ich die Einstern-Rezensionen, die es bei „Amazon“ gibt, nicht nachvollziehen kann und auch nicht glaube, daß es sich um eine sinnlose Aneinanderreihung von Ereignissen handelt, die in dem Buch zu finden sind.

Obwohl Handlung gibt es eigentlich keine, es sind Gedankensplitter und Fragmente übers Leben und  das was einem wohl dort besonders beeindruckt hat und vielleicht ist gerade das das Besondere an dem Buch  und wohl auch Robert Seethalers Spezialität.

2018-11-20

Wie hoch die Wasser steigen

Jetzt kommt  Buch sechzehn des dBp und eines von dem ich vorher schon sehr viel hörte, ist Anja Kampmanns „Wie hoch die Wasser steigen“ doch auch für den „Preis der Leipziger Buchmesse“ nominiert worden und Anna Bozena Badura hat mir das Buch, als wir in Essen bei ihr wohnten gezeigt und die 1983 in Hamburg geborene, in Leipzig wohnende Autorin auch auf der Buchmesse interviewt und in den Blogs war das Buch auch sehr oft zu sehen.

Es ist das Debut der Autorin, die sich offenbar schon als Lyrikerin einen Namen machte und das habe ich öfter gelesen, merkt man dem  Buch, an dem die Autorin offenbar sehr lang gearbeitet hat auch an, die Sprache nämlich sehr verdichtet, obwohl das Buch ja einen eher unlyrischen Inhalt hat, was es wahrscheinlich so außergewöhnlich macht.

Geht es doch um die rauhe Arbeitswelt, um die Welt der harten Männer, die auf Bohrinseln leben und oft schon jahrelang ihre Familien nicht gesehen haben und daher, obwohl sie dabei viel Geld verdienen, entwurzelt und vielleicht auch verloren sind.

Das Buch ist ein Debut, daher wundert es mich ein wenig, daß es nicht auf der heurigen und auch nicht, wie ich ursprünglich annahm auf der vorigen Bloggerdebutpreisliste steht.

Jetzt ist es zu spät es zu nominieren und ich habe mir mit dem Lesen auch nicht sehr leicht getan, war für mich der Inhalt des Roadmovies wahrscheinlich ähnlich oder anders verwirrend, als das des Denis Pfabe, das ja auch sehr lyrisch und verdichtet und auch noch viel kürzer ist.

Es geht um Wazlaw oder Wenzel, einen im Ruhrgebiet aufgewachsenen, dessen Familie aus Polen stammt und der schon seit zwölf Jahren auf den Bohrinseln lebt und arbeitet. Sechs Jahre machte er das mit seinem Freund Matyas, hatte zu ihm offenbar auch eine sehr  vertraute Beziehung, eine Wohnung in Tanger und einen Meldesitz in Malta aus Steuergründen. Man sieht die Globalisierung und Matyas kehrt eines Tages nicht mehr auf die Plattform zurück. Ist offenbar im Meer verschwunden, verunfallt. Man weiß das nicht so genau. Die Gesellschaft sucht auch nicht nach ihn, sondern schickt Wazlaw nur mit seinen Sachen nach Ungarn, um sie seiner Schwester zu bringen.

Der üernachtet bevor er das tut, ein paar Nächte im „Gellert“ in Budapest und läßt sich von einem Schneider einen Anzug schneidern. Dann übergibt er die Sachen, kehrt aber nicht mehr auf die Insel zurück, sondern irrt durch die Welt und durch sein Leben.

Denn da gab es ja eine Beziehung zu Milena, mit der er ein Leben in Polen aufbauen wollte, was aber nicht glückte. So fährt Waczlaw gegen Norden, übernachtet in <hotels, besucht in Italien seinen Onkel Alois, der ihm eine Brieftaube übergibt, die er ins Ruhrgebiet, wo er aufgewachsen ist, bringen soll.

Milena erfährt er, liegt im Koma. So reist er nach Polen, spricht mit ihrer Schwester und dann immer weiter bis das Buch in einem Epilog endet.

Ein interessantes Roadmovie fasse ich zusammen, interessant wegen des eher unlyrischen  Inhalts, der von der rauhen Welt der Männer, die auf Bohrinseln leben, spielen, saufen, lieben und die Wurzeln zu ihrer Heimat schon lang verloren haben.

Interessant ist auch, daß Anja Kampmann sehr lang an dem Buch gearbeitet hat, viel dafür recherchierte, wie auch im Anhang steht.

2018-10-07

Bungalow

Jetzt kommt Buch neun des dBps, eines das meiner Meinung nach, leider nicht auf der Shortlist steht, nämlich der dritte Roman, der 1992 in Freiburg im Breisgau geborenen Helene Hegemann, die 2010, also achtzehnjährig einen Skandal mit ihrem ersten Roman „Axolotl Roadkill“ auslöste, den ich gelesen habe.

„Jage zwei Tiger“, 2013, erschienen, nicht mehr und jetzt bin ich, weil es auf der dBp Longlist steht, auf dieses Buch gekommen, das auf den Blogs und Vlogs sehr unterschiedlich beurteilt wird.

Die meisten sagen „Wollen wir nicht, wegen dieser Copy und Paste-Geschichte, die ich inzwischen eher differenziert betrachte und einige sind vielleicht auch mit der Mischung zwischen Dystopie und harter Sozialbeschreibung, die wahrscheinlich Helene Hegemanns Spezialität ist, überfordert und sagen „Wir wollen eine Dystopie lesen und nicht seitenlang, die Beschreibungen einer  Jugendlichen, die rotzfreche Sachen von sich gibt und provozieren will!“

Eine hat es eine Mischung zwischen Poesie und Provokation genannt und ich denke, das stimmt und ist gut ausgedrückt.

Natürlich ist das Buch überfrachtet und Helene Hegemann hat wahrscheinlich wieder einmal viel zu viel hineigepackt und überfordert damit ihre Leser.

Aber mir hat, ich wiederhole es, das Buch sehr gut gefallen und ich würde es beispielsweise sehr gerne gegen „Archipel“, wo ich das Besondere nicht herausgefunden habe, auf der Shortlist austauschen.

Was passiert in dem Buch? Schwer zu sagen, denn, weil so viel passiert, ist es für den Normalleser, der ich wahrscheinlich gar nicht bin, schwer mitzubkommen.

Da ist also Charly, die nach Charlotte Rumpling von ihrer alkoholkranken Mutter, Charlotte genannt wurde. Sie ist erwachsen und sitzt nach einer Katastrophe, einem Krieg, dem Umweltzusammenbruch oder was sonst auch immer, in der nahen oder ferneren Zukunft an einem Ort, ich glaube, in de rKaribik und schreibt ihre Jugenderinnerungen auf.

Aber so beginnt das Buch gar nicht. Es beginnt, als Charly, glaube ich, siebzehn ist und sich im namensgebenden Bugalow ihrer Nachbarn befindet. Dort liegt sie mit dem Oberköper auf der Waschmaschine und läßt sich von Nachbarn Georg ficken. Seine Frau Maria schaut dabei zu.

Schön provokant, in Zeiten, wo die sexuellen Mißbrauchsskandale geahndet werden, habe ich wohl gedacht,  in Videos gesehen, daß sich Booktuber darüber empören und war beim Weiterlesen verwirrt, weil da nicht das kam, was ich in den Vorschauen gelesen habe.

Denn da wurde in einigen Kapitel, die beiden, Georg und Maria beschrieben und erst in Kapitel vier oder so fängt es so richtig an und kann wahrscheinlich abstoßen oder faszinieren. Nachdenken kann man darüber allemal, wenn man, ob der Verfrachtetheit dazu kommt.

Denn jetzt ist Charly zwölf und lebt mit ihrer alkoholkranken Mutter in einem Hochhaus und von dort sieht sie auf eine Bungalow-Siedlung, wo die Reichen wohnen und bekommt ihre untere Sozialklasse damit so richtig mit.

Ich bezweifle, daß das in Wirklichkeit so passiert, denn die Reichen würden sich ja von den Assis nicht in ihre Wohnzimmer sehen lassen. Charly tut das aber und beobachtet, wie eine Frau, die sie die „Blockwartin“ nennt, aus ihrem Bungalow hinausstirbt. Das Schauspielerpaar Maria und Georg ziehen dort ein und eine Abhängigkeit beginnt, die Helene Hegemann, glaube ich, sehr gut beschreibt.

Sie nennt es „Ich will nicht von ihnen adoptiert werden, sondern mit ihnen ficken!“ und beschreibt dann Studien von Schwänen, die sich auf das nächste Ding fixieren lassen, beispielsweise ein Tretboot, wenn sie ihre Mutter verlieren.

Aber Charly hat noch eine Mutter. Die liegt im Bett und säuft. Manchmal steht sie auf und liefert sich mit Charly einen Kampf oder ein Schreiduell. Dann versucht sie wieder ein paar Tage lang nichts zu trinken und Charly und dem Vater normale Welt vorzuspien. Ja, richtig, einen Vater gibt es auch. Der kommt zu Weihnachten und zum Geburtstag, bringt ein Geschenk und verabschiedet sich wieder und wenn das Geld ausgeht haben Mutter und Tochter tagelang nichts zu essen.

Das Ganze spielt, wie beschrieben, in der Zukunft, etwas, das ich eigentlich auch unnötig finde. Mir würde die Sozialbeschreibung reichen und eigentlich, wenn man genau liest, ist es so gar nichts mit der Zukunft, gibt es ja Festnetztelefone und Schauspielernamen, die, glaube ich, aktiv unterwegs sind. Es gibt aber auch Flugautos, Ozonwarnungen, wo man das Haus nicht verlassen darf, etcetera und dazwischen geht Charly ganz normal in die Schule, beobachtet ihre eßgestörten Mitschülerinnen, während sie real hungert, weil die Mutter kein Geld mehr hat. Beobachtet, wie die frustrierten Jugendlichen Hamster kaufen und von einer Mauer fallen lassen und sie steht daneben und ärgert sich, daß sie nicht reagieren konnte.

Das scheißnormale Alltagsleben halt. Der Lehrer ist Afrikaner. Charly wird zu manchen Parties nicht eingeladen und, als die neuen Nachbarn kommen, beginnt sie sie, so könnte man es nennen, zu stalken.

Das Ganze wird, wie beschrieben, in Rückblednungen erzählt. Es ist von einer Selbstmordwelle die Rede, eine Explosion löst den Krieg aus. Die Mutter wird in die Psychiatrie eingewiesen, als sie ihr eigenes Grab schaufeln will, entkommt aber als einzige der brennenden Psychiatrie, weil sie ihre Medikamente nicht genommen hat und dadurch normal reagieren konnte.

Ja, sozialkritisch ist das Buch, der wahrscheinlich blitzgescheiten und vermutlich auch überforderten jungen Frau und der letzte Satz lautet:

„Das ist das Letzte was ich von ihr gehört habe. Ich bin dann ja irgendwann abgehauen.“

Ja, es ist ein Buch über die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit ihrer Mutter. Eine Haßliebe und wahrscheinlich die Geschichte einer überforderten Seele und Helene Hegemann hat, glaube ich, ihre Mutter auch sehr früh verloren,  ist mit Dreizehn zu ihrem Vater, einem Theaterschaffenden, gezogen und  da zu schreiben angefangen.

Ein ungewöhnliches Buch, das abgesehen von der Dystope, die mich genervt hat, sehr zu empfehlen ist, wenn man etwas von den Leiden oder den Krankheiten der heutigen Jugend erfahren will.

2018-05-28

Undergroundrailroad

Jetzt kommt wieder ein sogenanntes „Backlist-Buch“, also kein Rezensionsexemplar aus der Frühjahrs- oder Herbstproduktion, sondern eines das 2017 den „Pullitzer-Preis“ bekommen hat, im Vorjahr bei „Hanser““ erschien, dann überall bei den Blogs auftauchte und auch bei der „Thalia-Buchhandlung“, die es im Vorjahr bei der „Buch-Wien“ gab, auf dem Bücherstaüel lag, als ich nach meinem Geburtstagsfest, mit dem Büchergutschein von der Anna dort auftauchte und ihn einlösen wollte.

„Ein interessantes Buch, ein wichtiges Thema!“, habe ich wohl gedacht und den 1969 in New York geborenen Colson Wihitehead auch bei der letzten „Literatur im Herbst“ persönlich aus dem Buch lesen gehört und als Kind, ich weiß nicht, genau, ob ich das schon mal erwähnt habe, habe ich wahrscheinlich so mit zehn oder zwölf „Onkel Toms Hütte“ gelesen und war davon tief beeindruckt.

Das könte man vielleicht sentimental oder kitschig nennen und diesbezügliche Einwände haben. Colson Whitehead, von dem ich kürzlich entdeckte, daß ich schon einmal ein Buch von ihm gefunden und auf meinen Bücherstapel liegen habe, tut es, no na, weit moderner, in dem er die Phantasik mit der Realität vermischt und auch ständig zwischen Gegenwart und Zukunft hin und her springt, Ereignisse vorwegnimmt oder wiederholt, was das Lesen nicht unbedingt einfach macht, am Schluß aber ein sehr dichtes Bild überbleibt, was das Buch auf jeden Fall lesenswert macht.

Die „Undergroundrailroad“ hat es auch gegeben, zwar nicht wirklich als Eisenbahn, die unter der Erde herumfuhr und entlaufenen Sklaven in Freiheit brachte, sondern sie war ein Netzwerk von Sklavenhelfer, das sich des Eisenbahnjargons bediente, also von „Tickets“, „Stations“, etcetera sprach, um ihr tun geheimzuhalten oder zu codieren.

Colson Whitehead nimmt es wörtlich und erzählt von den Zuständen des damaligen Amerikas, der Sklaverei, mit einer unheimlichen Brutalität, während es Harriet  Beecher Stowe im neunzehnten Jahrhundert natürlich viel christlicher und sanfter machte.

Es geht in dem Buch im wesentlichen, um die Sklavin Cora , die ihrem Herrn entflieht: „Als Caesar das erste Mal von einer Flucht in den Norden redete, sagte Cora nein!“, lautete so auch der erste Satz.

Denn erinnern wir uns, der Norden Amerikas war liberaler, im Süden herrschte Skaverei und laut Colson Whitehead, der wahrscheinlich auch aus einer solchen Familie entstammt, unglaubliche Brutalität.

Cora, deren Mutter Mabel es als einziger Sklavin jemals gelang ihrem Herrn zu entfliehen und dabei die zehnjährige Tochter zurückließ, weshalb Cora sie entsetzlich haßt, am Schluß des Buches erfahren wir, sie hätte zurückgehen wollen, aber, Perversität des Schicksals oder der Whiteheadschen Phantasie, sie wurde durch einen Schlangenbiß daran gehindert und von den Sümpfen verschlungen, entschließt sich dann doch zur Flucht und benützt dazu die Undergroundrailroad für jeweils eine Station.

So ist ihr erster Aufenthalt in Slouth Carolina und hier werden meiner Meinung nach die Zeiten etwas vermischt, denn das Leben was die freie Bessie, die aber eigentlich der USA gehört, führt, klingt sehr modern und auch interessant, aber das könnte auch an der Übersetzung liegen, denn ich habe ja nicht das Original gelesen, werden hier auch Ausdrücke verwendet, die damals höchst wahrscheinlich nicht üblich waren. So gibt es „Wohnheime für Farbige“, in dem Bessie, wie Cora dort genannt wird, lebt, während in anderen Kapiteln durchaus auch von „Negern“ oder „Niggern“ geschrieben wird.

Bessie wohnt also in einem solchen Wohnheim, das von der freundlichen Miss Lucy geleitet wird, sie arbeitet zuerst bei einer weißen Familie als Dienstmädchen, dann auch ein skurriles Detail aus der Wihiteheadschen Phantasie in einem Museum, wo sie die Entwicklung der Sklaverei darstellen muß, was ihr von Miss Lucy, als Aufstieg, weil man mit ihr so zufrieden war, eingeredet wird. Man sieht schon, Colson Whitehead ist sehr modern und man hat auch in anderen Kapitel den Eindruck, er meint vielleicht nicht nur die Sklavenbewegung, sondern auch den Holocaust oder die Flüchtlingskrise der heutigen Zeit, etcertera, aber davon später.

Erst muß Bessie, auch sehr modern, zur ärztlichen Untersuchung, wo ihr die Vorzüge der Sterilisation eingeredet wird, sie darf sich das zwar überlegen, es wird ihr aber sehr empfohlen, etcetera.

Es kommt dann, als noch von medizinischen Experimenten die Rede ist, die an den farbigen Bewohnern verübt werden, zur Fluchgt mit der Railroad nach North Carolina.

Dort herrscht das blanke Entsetzen. Cora muß sich, wie Anne Frank, wie ich in einer Rezension gelesen habe, auf dem Dachboden verstecken und sieht vom Fenster in einen Park, wo Schwarze zur Belustigung der Bevölkerung aufgehängt werden, während es unten, bei ihren Flüchtlingshelfern zu ständigen Hausdurchsuchungen kommt, denn, wenn man Schwarze versteckt, wird man selbst exekutiert.

Der Gedanke an die Nazis ist da auch mir gekommen. Es geht aber weiter nach Indiana und hier landet Cora auf einer Farm, die einem Schwarzen gehört, der von den Weißen, als ein solcher gehalten wird. Hier gibt es wieder Unterricht und Schulen und es wird auf Diskussionen im Versammlungshaus auch davon geredet medizinische Schulen und andere Fortbildungen für Schwarzeeinzurichten.

Die Weißen halten das natürlich nicht aus und verbrennen, sowohl das Haus, als auch die Bibliothek, in der sich Cora gerne einfindet, um Bücher zu lesen und hier steht auch wieder ein sehr beeindruckender Satz, der einem beuteln und nachdenken läßt:

„Mein Herr hat gesagt, das Einzige, was gefährlicher wäre, als ein Nigger mit einem Gewehr“, sagte er zu ihnen, „wär ein Nigger mit einem Buch“.

Es kommt also wieder zur Flucht mit der Railroad in den Norden. Ob es dort wirklich besser ist, bleibt eigentlich offen oder besser, wir wissen es, wenn wir uns das heutige Amerika anschauen, wo die Schwarzen immer noch sehr diskriminiert werden, es aber auch schon zum Präsidentenstatus oder zu Pulitzerpreisträger brachten.

2017-05-07

Morgen mehr

Filed under: Bücher — jancak @ 22:05
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Jetzt kommt ein Buch von meiner Leseliste und zwar eines das ich mir im November von Annas Geburtstagsgutschein kaufte.

Wenn man so will ein ganz besonderes Buch, von dem ich schon geschrieben und berichtet habe, denn ich habe ja ein Faible für Buchexperimente und das ist das bei „Hanser“ erschienene Buch, des Bachmannpreisträgers von 2008, von dem ich schon „Den Kaiser von China“ gelesen habe, gewesen.

Eigentlich hätte ich ja gewarnt sein könnte, da mir der Roman ja zu lustig und vielleicht auch ein bißen zu unsinnig gewesen war und der 1975 geborene Tillmann Rammstedt steht ja offenbar für solche Experimente, als ich zu Anfang des letzten Jahres von diesen „Crowdfunding Projekt“ hörte und es auch ein bißchen, so weit das möglich war verfolgte.

Denn da hat ja Tillmann Rammstedt häppchenweise jeden Tag ein Kapitel und „Morgen mehr“ geschrieben und man konnte sich das, wenn man, glaube ich, sieben Euro dafür zahlte, dieses schicken lassen, man konnte auch mehr zahlen, dann hat man auch das Buch dazu bekommen, daß dann im Mai darauf erschienen ist.

Und im Internet hat man jeden Tag ein Bild von Tillmann Rammstdet und ich glaube auch die Kapitelüberschrift gesehen und konnte Kommentare abgeben, an die sich der Autor, glaube ich, auch gehalten hat.

Ein Probekapitel hat es  auch umsonst geben, viel mehr habe ich nicht mitbekommen, war aber von der Idee angetan und auch neugierig und jetzt, da ich mit den Frühjahrsrezensionsexemplaren vorläufig fertig bin, mir dieses Buch von meiner Leseliste genommen.

Von dem Crowdfundingprojekt ist am Kappentext nicht mehr viel zu finden. Da steht nur, daß da einer ist, der noch nicht geboren ist und nun nach seinen künftigen Eltern sucht.

An sich eine fantastische Idee und ich kann mir, da ich mit dem Lesen jetzt fertig bin, auch vorstellen, wie es Tillmann Rammstedt beim Schreiben gegangen ist.

Da hatte er also diese Idee und hat jeden Tag ein Kapitel geschrieben und es ist, würde ich mal unken, ein Nonsensesroman daraus geworden oder eine Räubergeschichte ganz im Tilmann Rammstedtschen Stil.

Die Mutter ist also in Frankreich und gerade dabei sich von einem anderen schwängern  zu lassen, der künftige Vater soll gerade in den Main versenkt werden und dann passieren bis zum Happyend  und zur Geburt des Helden, die unglaublichsten Sachen und ich habe beim Lesen öfter den Kopf geschüttelt.

Habe mich gewundert, daß so  ein Roman entstehen kann, der dann bei einem Publikumsverlag erscheint und auch noch gute Kritiken hat. Kann mir auch Tillmann Rammstedts Vegtgnügen, das er beim Schreiben hatte, vorstellen und sogar, das vielleicht auch beim nächsten „Nanowirimo“ zu versuchen.

Mir eine Idee auszudenken und dann jeden Tag einfach tausendsechshundert Worte ohne Plan mit open end vor mich hinzuschreiben.

Ich füchte nur, das wird mir nicht gelingen, da ich dazu wohl zu wenig Humor habe und zu ernsthaft bin und die Schreibstulen raten da wohl auch, sich ein Konzept, einen Anfang, eine Mitte, einen Schluß zu machen.

Ich würde also wahrscheinlich wieder im gutgemeinten Mittelmaß mit meinen depressiven Frauen steckenbleiben, während Tilmann Rammstedt, die Mutter mit einer Liste, der verschwundenen Schwester durch Frankreich schickte. Sie soll dort die Zeit anhalten, während der Vater, der von seiner Freundin Claudia verlassen wurde, von einem Möchtegerngangster namens Dimitri oder Uwe im Main versenkt werden sollte.

Das gelang aber nicht, drei Herren im Pelz tauchten auf, um das zu verhindern und auch noch ein Junge mit einem Sack Geld.

Die rasen alle nach Paris, die Mutter fährt von Marseille, wo sie sich anfangs beindet, auch dorthin und es kommt, das kann ich gleich verraten, zu einem Happyend.

Der Junge wird geboren oder war vielleicht schon da. Das letzte Kapitel ist auch noch in Orange gedruckt und ich bleibe zurück und schüttle den Kopf.

So kann man auch einen Roman schreiben, natürlich ja und wenn ich da noch an das Blogbuster-Projekt und die überstrengen Kritiker dort denke, frage ich mich vielleicht, was war das Neue und das Berührende daran und komme nicht umhin zu denken, neu ist die Form des Entstehens natürlich ja.

Berührend? Mich hat die banale Nonesensgeschichte eher negativ berührt und dann war aber wieder das „Wow!“, da und das „So geht es auch!“ und die Neugier das vielleicht wirklich im November zu versuchen und zu schauen, wo ich damit bleibe oder wie weit ich damit komme?

2016-02-24

Israelische und palästinesische Spannungsfelder und Konflikte

Norbert Gstrein hat einen neuen Roman geschrieben „In der freien Welt“, der gerade erst erschienen ist und der heute Morgen im Morgenjournal vorgestellt und wahrscheinlich angekündigt wurde, daß daraus am Abend in der „Alten Schmiede“ gelesen wird. Das habe ich zwar ein wenig verschlafen, mir aber gedacht, daß ich früher hingehen soll, weil vielleicht viele Leute kommen werden. War aber nicht so, ein Platz in der ersten Reihe war jedenfalls noch frei und Kurt Neumann leitete, das neue Buch dann lange und umständlich ein.

Daß es um den israelisch palästinenischen Konflikt, beziehungsweise die Kriege dort, geht, habe ich schon im Morgenjournal mitbekommen und auch gewußt, daß der 1961 in Tirol geborene Norbert Gstrein, bekannt für seine provokanten Themen, beziehungsweise Spannungsfelder ist, so hat er auch über den Jugoslawienkrieg geschreiben und wurde, glaube ich „Beim Handwerk des Tötens“ angegriffen, daß man so nicht über den Krieg schreiben darf, hat über das Haus „Suhrkamp“ einen Schlüßelroman geschreiben, den ich mit Vergnügen gelesen habe, seine ersten beiden Bücher waren, glaube ich, experimentell und bei „Selbstportrait mit einer Toten“ geht es, glaube ich, um den Wiener Literaturbetrieb, mit „Eine Ahnung vom Anfang“ ist er auf LL von 2013 gestanden und den „Wildganspreis“ hat er auch bekommen.

Ich habe einiges von ihm gelesen, die „Englischen Jahre“, wo ich auch einmal bei einer Lesung im Literaturhaus war, stehen auf meiner Leseliste und jetzt also der israelisch-palästinensiche Konflikt.

So ganz habe ich bei der Einleitung von Kurt Neumann nicht ganz verstanden, worum es in dem Buch geht, er erzählte jedenfalls von einem amerikanischen Schriftsteller namens John, der Jack gerufen wird, der, Sohn einer jüdischen Mutter, um etwas Nützliches zu tun, nach Israel zuerst in den Kibuz und dann in die Army geht, danach in Amerika verkommt, trinkt, im Untergrund lebt und einen anderen österreichischen Schriftsteller namens Hugo kennenlernt.

Ein Festival in Gmunden gibt es auch und Hugo schreibt einen Schlüßelroman. Der eine hat dem anderen eine Freundin weggekommen, deshalb sind sie Freunde geworden, sagte Kurt Neumann. Da kannte ich mich schon nicht mehr recht aus, daß John bei einem Attentat ums Leben kam und Hugo über ihm schreiben wird, hat er auch erwähnt und noch hinzugefügt, daß er jetzt auf etwas vergessen hätte, da hat ihm das Publikum unterbrochen und gesagt, daß sie das selber lesen wollen.

Ja, ja, das Spoilern, was ich ja auch so gern betreibe, gilt als  inzwischen als Unart und „Amazon“ streicht, glaube ich, solche Kritiken hinaus, Kurt Neumann hat sich aber nicht unterbrechen lassen, weil Norbert Gstrein aus dem zweiten oder dritten Kapitel seines Buches lesen wollte, das aus drei Kapiteln und einen Epilog besteht und dann würde man es nicht mehr verstehen.

Norbert Gstrein hat dann auch ziemlich hinten mit einer Stelle, wo John, dem Hugo sagt, daß er alles über ihm, aber ein gutes Buch schreiben soll, denn was hat er davon, wenn er ein Held ist und das Buch ist schlecht und sich dann etwas nach vorn und wieder zurück gelesen.

Eine Stelle, wo Hugo in Amerika in eine Buchhandlung kommt und einen Nachruf auf den toten Freund halten soll und da von einem nackten drogensüchtigen Mädchen erzählt, das er gerettet hat und das  später die jüngste Physik Profesorin von Tel Aviv wird und dann noch eine Stelle, wo Hugo nach Israel fliegt und im Flugzeug von einer pensionierten Lehrerin angesprochen wird, die ihm erzählt, daß sie leider keine Jüdin wäre, aber gern und oft nach Isreal fliegt, worauf er ihr erzählt, daß er ein Eisverkäufer wäre, der den Israelis besondere Sorten andrehen will.

Nachher hätte es laut Programm eine Gespräch zwischen Norbert Gstrein und Kurt Neumann geben sollen, der war aber vielleicht  beleidigt, jedenfalls hat er das Wort an das Publikum weiter gegeben und seltsamerweise haben sich mehrere Damen, darunter Evely Holloway gemeldet den Autor angegrifen, warum die Frauen bei ihm so schlecht wegkämen und warum er meint, daß die jungen Leute glauben, alle Juden umarmen zu müßen, um die Schuld ihrer Väter und Großväter gutzumachen, worüber sich Gstrein, glaube ich, lustig machte.

Auch, daß sich John für seine Schwäche schämt und stark sein will, um sich zu wehren, wurde kritisiert, was mir aber ebenso logisch, wie Norbert Gestrein erscheint, der mit den Angriffen erstaunlich locker umzugehen wußte, da habe ich bei Daniel Kehlmann ja schon einmal etwas anderes erlebt und auf die Frage, wieviel er für das Buch recherchierte, erzählte, daß er einen Schriftsteller und einen Journalisten als Berater gehabt hätte, die in dem Buch auch vorkämen und, daß er nicht unbedingt von dem israel palästinensichen Konflikt schreiben hätte wolle, sondern daß sich das im Lauf des Schreibens so ergeben hätte.

Er las dann noch ein Stück, nämlich von einer Literaturveranstalterin in Bad Ischl, die unbedingt Philip Roth zu ihren Lesungen einladen will, der aber ablehnte, weil er nicht in Deutschland oder Österreich lesen beziehungsweise von ihr umarmt werden will.

Ein spannender Roman und eine  interessante Lesung, denke ich, die ich bezüglich Norbert Gstrein bisher vielleicht ein wenig skeptisch war, spannend auch, ob ich das Buch einmal finden werde und ob es auf die neue LL kommt, aber ich habe ja noch die „Englischen Jahre“ und auch einiges andere zu lesen.

Das Buch passt auch sehr gut zu der gestrigen Veranstaltung, denn ich interessiere mich ja sehr für den Holocaust und die Zeitgeschichte, obwohl ich keine Schuldgefühle habe und eigentlich nicht so viel umarmen will.

2015-08-27

Der Susan Effekt

Filed under: Bücher — jancak @ 12:44
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Jetzt kommt eine kleine Unterbrechung beim selbsternannten Buchpreisbloggen, nämlich Peter Hoegs „Der Susan Effekt“ ein wahrscheinlicher Bestseller, der jetzt gerade von „Hanser“ promotet wird.

Das heißt, es gab eine Bloggeraktion, wo man zehn Exemplare gewinnen konnte, bei solchen Aktionen beteilige ich mich öfter und gewinne selten, das heißt von „Hanser“ habe ich schon die „Maulina Schmitt“ gewonnen und das Polgar „Marlene-Buch“, das dann gar nicht so leicht zu bekommen war und jetzt inmitten der „Longpreis-Euphorie“ und der Jagd nach den LL-Büchern, wie es „Buzzaldrin“ nannte, kam der „Susan Effekt“ ins Haus und ich kann einmal ganz offizell bloggen, obwohl ich solche Unterscheidungen sowieso für Unsinn halte und man gerade beim Bloggen (noch) machen kann, was man will und das auch tun sollte.

Und ein kleines bißchen geht es vielleicht auch in dem neuen Buch des „Fräulein Smillas-Erfinders“, des 1957 in Kopenhagen geborenen Peter Hoeg.

Fiilm und Buch habe ich damals gelesen bzw. gesehen, ein paar weitere Hoeg Bücher werden sich in meinen Besitz befinden und jetzt das neue Buch, das „Hanser“ mit ein paar Filmchen promotete.

Da sieht man einen Mann oder Frau im Bild und die werden zu irgendwelchen Verbrechen befragt, sie leugnen, wehren sich, dann tritt Susan auf den Plan und die Wahrheit kommt zu Tage.

Das, der Susan Effekt, der Exsperimentalphysikerin Susan Svendsen ist, daß sie Menschen dazu bringt, die Wahrheit zu sagen. Da denkt man sich dann schon seinen Teil. Das Buch beginnt dann aber ganz anders und der sogenannte Wahrheitsfaktor ist meiner Meinung nach nur ein Nebeneffekt.

Iin Wirklichkeit denke ich, geht es um Macht, Politik und die neuen Eliten und das Buch spielt, wenn ich mich nicht irre, ein bißchen in der Zukunft, zumindest ist Susan, wie sie meint, eine der letzten, die noch ein Festnetztelefon besitzt.

Die Endvierzigerin Susan ist auch sonst ziemlich besonders, nämlich Mitglied einer dänische Herzeigefamilie, die auch entsprechend promotet und interviewt wurde, sie Experimentalphysikerin, ihr Gatte Laban, Komponist und auch die sechzehnjährigen Zwillinge scheinen etwas Besonderes zu sein.

Die Familie war ein Jahr in Indien und da geriet jedes einzelne Mitglied der Familie mit dem Gesetz in Konflikt, das wird nur so nebenher erzählt, beziehungsweise ist es der Aufhänger für die Handlung, denn damit sie nicht den Rest ihres Lebens inm Gefängnis verbringen, wird Susan vom Geheimdienst angeboten, daß sie sich freikaufen kann, wenn sie die Protokolle der sogenannten Zukunftskommission besorgt.

Das Ganze beginnt in der Villa des Nobelpreisträbers Bohrs, in dem jetzt eine alte Dame, ebenfalls Nobelpreisträgerin und Lehrerin Susans vor sich hinstirbt und Susan rückt nun aus dieses Protokoll zu beschaffen.

Der Weg dazu führt über ihre Mutter, eine Ballettänzerin, das Interessante an dem Buch ist, finde ich, das sich seine Protagonisten und Hauptfiguren in den Siebziger oder Achtzigern befinden, denn diese Zukunftskommission bildete sich 1972 und bestand aus sechs oder zwölf hoffnungsvollen jungen Wissenschaftlern, die dann auch, ähnlich, wie Susan, die Wahrheit herausfinden kann, die Zukunft vorhersagen konnte, also wann es zu welchen Kriegen, Katastrophen, etc kommen wird.

Das ist natürlich sehr brisant, so interessierte sich bald der Geheimdienst dafür und die jungen oder älter gewordenen Wissenschaftler begannen auch bald sehr gierig zu werden, kauften sich Kirchen, ließen sich Schlößer, etc, bauen und als Susan mit der Namensliste nun die einzelnen Mitglieder aufsuchen will, werden die nach und nach und das auf ziemlich brutale Art und Weise umgebracht.

So wird ein Gottesmann in eine Waschmaschine gesteckt, Susan und ihr Sohn Harald sollen von einem Bagger überfahren werden.

Man sieht der neue Bestseller liebt es brutal und lebt von Übertreibungen, nur das Härteste und Unwahrscheinlichste darf sein und so erzählt Susan bei der Weihnachtsfeier vor ihrer Mutter, ihren Kindern auch, daß sie mit Schzehn, da befand sie sich in einem Jugendheim, denn ihr Vater hat sie verlassen, vom Heimleiter vergewaltigt wurde. Sie rächte sich  natürlich, daß sie dem Täter Schrauben in den Körper bohrte.

Peter Hoeg hat vermutlich Steg Larsson gelesen, aber ich greife vor, noch ist es nicht so weit.

Noch bringt Susan, dem Geheimdienstler eine falsche Namensliste und soll dafür mit ihrer Familie nach Italen verschickt werden, sie bleibt natürlich und während die Kinder die Gänse braten, eine Diskussion, ob Fleisch oder vegarisch essen gibt es auch, geht sie mit Labdan in das Archiv eines Museums, um dort nach Unterlagen zu suchen. Das ist streng geheim, wenn sie erwischt werden, droht ihnen wieder Gefängnis. Aber auf einmal geht die Türe auf,  die Direktorin kommt mit dem Außenminister und einer Besuchertruppe herein und Labdan fängt zu dirigieren an, denn er ist ein Kommunikationstalent, dem alle gebannt zu füßen liegen und zu singen anfangen.

Ein bißchen absurd, der neue Bestseller natürlich, denn die Leute wollen ja wahrscheinlich lachen. Es geht also nach Haus zur Weihnachtsgans und da laden sich die Kinder immer einen Obdachlosen ein, diesmal ist der aber vom Geheimdienst und die Svendson werden auch auf eine sicherheitsgesperrte Biofarm verschickt, der Geheimdienstler ist der Gärtner, Susan die ihren Mann jedes Jahr einmal betrügt, bekommt ihm natürlich herum und so können sie, während der Gemeindiest schon ihr Haus verkaufte und ihre Konten auflöste,  fliehen und weiter aufklären.

Es geht, um nicht zu viel zu verraten, um einen Katastrophenplan und vierzig der Eliten sollen an eine geheimen Insel evakuiert werden, wenn diese Welt untergeht, die anderen werden vorher ermordet.

Susans verschollener Vater taucht wieder auf, erweist sich als Drahtzieher der Akton und während er,  Susan und der Außenminister in einem Ballon über den Dächern Kopenhagens schwebt, setzt Susan ihren Effekt ein, zwingt die anwesenden Männern, der Obergeheimdienstler in auch dabei, zur Wahrheit und die wird dann auch, die moderne Technik machts möglich, im Rundfunk übertragen und Susan kann zu ihrer Familie zurückkehren, weiterleben und weiterarbeiten, obwohl das gar nicht so sicher ist, denn auf ihrer einen Seite befindet sich zwar  ihr Mann, mit dem es ja Konflikte gibt, auf der anderen aber ein schöner junger Sicherheitsmann, der in die tolle starke Susan ein wenig verliebt zu sein scheint.

Ein Bestseller, der  leicht und spannend zu lesen ist und als Weihnachtsgeschenk für die berühmte Schwiegermutter wahrscheinlich gerade richtig kommt.

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