Literaturgefluester

2021-03-06

Die Erfindung der Sprache

jetzt kommt ein Unterhaltungsroman mit wahrscheinlich Bestsellerqualität, denn die 1979 in Dresden geborene Anja Baumheier hat mit „Kranichland“ und „Kastanienjahre“ schon zwei solche geschrieben, von denen ich schon gehört aber nicht gelesen und auch nicht in meinen Regalen habe.

„Rowohlt“ hat mir das bei „Kindler“ erschienene Buch zugeschickt und es erinnert mich, obwohl es trotz seines Titels sprachlich wahrscheinlich nicht so anspruchsvoll ist, an Benedict Wells neuen Buch.

Beide scheinen jedenfalls mit vielen literarischen Anspielungen sehr konstruiert zu sein und Anja Baumheier spielt auch sehr auf die „Heldenreise“ an. Sie macht Adam, ihren Hauptprotagonisten zu einem solchen und läßt ihn auf eine solche gehen und ich, die ich ja bekanntlicherweise meine Schwierigkeiten mit diesem hochgelobten Schreibhilfsmittel habe, könnte, wenn ich mir nur die Zeit dazu nehme, das Buch durchgehen und über jeden Kapitel, die einzelnen Stufen des von Campell ermittelten Schemas notieren und noch etwas ist sehr interessant, die Namen.

Heißt der Held doch Adam Riese, eine Zola Hübner, eine Udine Abendroth, eine Bonna Poppinga gibt es auch und ich habe beim „Verrückten Traum der Thea Leitner“ ja einen Günther Grass als Helden gehabt und wurde von Elfriede Haslehner sehr deshalb gerügt und bei der „Sophie Hungers“,die ja auch ein Roadmovie ist, gab es einen regen Kommentarwechsel mit meiner ersten Kritikerin.

Es geht also doch solche Namen zu verwenden und sogar vermutlich in Bestsellerränge zu kommen, literarische Anspielungen, was mir auch immer vorgeworfen wird, sind offenbar auch erlaubt und pschologisch hat sich Anja Baumheier offenbar auch sehr schlau gemacht und ich könnte dieses Buch wahrscheinlich wieder meinen Angstpatientin sehr empfehlen, denn darum geht es in dem Buch, um Panikattacken und sogar Autismus und noch vieles mehr, offenbar hat Corona im letzten jahr viele Autoren auf die Idee sich mit dem thema Angst zu beschäftigen, gebracht.

Interessant ist auch der Schreibstil, denn da wird sowohl vorwärts, als auch rückwärts erzählt. Da ist also Adam Riese. Er ist dreiunddreißig, Sprachwissenschaftler, wohnt in Berlin und gerade bei einem Speeddating. Das endet fürchterlich, den Adam ist sehr unbeholfen, obwohl wahrscheinlich ein Genie. Er hat eine Sprachassistentin, ja das Buch ist sehr modern und lebt von Listen, die seine Therapeutin Dr. Modder mit ihm entwickeln hat, darauf stehen sieben Dinge, denn die Zahl sieben ist für Adam auch sehr relevant,

1.Nehmen Sie eine aufrechte, offene und starke Körperhaltung ein.

2. Atmen Sie ruhig in den Bauch länger aus als ein, und zählen Sie dabei im Kopf bis drei.

3. Nutzen Sie die wassermagie, trinken Sie Ihre Angst weg“ und so weiter und so fort.

„Einatmen, ausatmen!“, spielt auch eine große Rolle und als Adam in seine Vorlesung gehen will, geht es so richtig los. Denn Adam, der auf einer kleinen ostfriesischen Insel mit seiner tschechischen Großmutter Leska, seiner Mutter Oda und seinem Vater Hubert aufgewachsen hat, hat diesen, als er dreizehn war, verloren. Der ist einfach verschwunden. Danach hat seine Mutter mit dem germanischen Heldennamen, die Radiomoderatorin war, zu sprechen aufgehört und jetzt ist sie vor einer Buchhhandlung umgefallen und ins Spital gekommen. Denn sie hat dort ein Buch namens „Die Erfindung der Sprache“ entdeckt. Die Großmutter, eine begnadete Köchin, die allen immer ihre Plastikdosen mit ihren tschechisch-friesischen Köstlichkeiten in die Hände drückt und dazu deutschtschechisch radebrecht „Ach, Ubocik, was du redet. Ich denke Karel Gott, Goldene Stimme aus Prag. Nur mehr Kilogramm auf Hüftchen, weil Hubertcik ist Leckermäuchen.“, ruft ihn an und fordert ihn auf schnell zu kommen, was Adam in Panik versetzt. Denn er hat ja viele Phobien. So bucht er im Bus einen zweiten Platz, um den Abstand zu halten.

Ja, das Buch scheint 2020 geschrieben zu sein, so daß auch unser neues Sprachvokublar einfließt, obwohl es um Corona gar nicht geht. Dafür um vieles andere, wie beispielsweise einen Plagiatsskandal. Adam kommt jedenfalls an, erfährt, daß die Mutter in dem Buch, das von einer Zola Hübner geschrieben wurde, entdeckte, daß, der verschwundene Hubert zu leben scheint und hört auch zu essen auf, so daß Adam handeln muß.

Was er umsoleichter kann, als ihm die Universiät zu suspendieren scheint, weil er, wie ihm sein Kollege Dr. Nacht flüstert, plagiiert haben soll. Das gibt Adam den Weg frei, sich auf ein Roadmovie zu machen und seine Heldenreisezu absolvieren. Denn er bekommt das Buch in seiner Lieblingsbuchhandlung, der Udine Abendroth nicht gleich. Dafür erscheint aber Zola Hübner, die Logopädin, die etwas seltsam spricht „Käffchen, Gerätchen“, aber die Frage ausspricht, ob Adam vielleicht Autist ist und ausschaut wie Lisbeth Salanda aus der Steg Larsson-Reihe, auch eine Spezialität Baumheiers, daß die Personen öfter, wie Filmhelden ausschauen und fordert ihm auf, mit ihr nach Hubert zu suchen.

Denn der Verschwundene, der sich auch schon auf der Insel, wo er als Leuchtturmrestaurator aufgetaucht, seltsam benommen hat, war irgendwann in Göttingen und hatte ein Verhältnis mit Zolas Mutter, die nach dem französischen Dichter Emile Zola heißt, denn die Mutter schwärmte für die Franzosen und ist dann auch verschwunden. So überfredet sie ihm, sich mit ihr in ihr alterschwaches Auto zu setzen und nach Bad Kissingen zu fahren, wo es Spuren und das Grab von Huberts Vater gibt. Noch ein Detail, Zola hat sich Hubert als „Über“ Giant vorgestellt und auf dem Grab des Großvaters steht Pavel Obri, was offenbar auf tschechisch, Riese bedeutet, denn der Großvater war auch ein Tscheche und Schauspieler im Prager Nationaltheater. Dort fahren die Beiden dann auch hin und mehrere Heldenreisenstufen passieren. Das Auto wird gestohlen, taucht dann wieder wieder auf und Zola vefrschwindet, weil ihr Ex, das Arschloch, ihre Mutter bedroht.

So muß der arme Held seine Reise alleine weiter machen. Stimmt nicht ganz, denn dem Katzenphobiker ist inzwischen eine solche übern Weg gelaufen, die er „Zola, die Katze“ nennt und in die er sich sofort verliebt. Die Spur führt dann nach Frankreich, in die Betagne. Dort wird Hubert noch zusammengeschlagen, sein Geld wird gestohlen, damit alle Heldenreisenstufen erfüllt sind, bevor er auf einer weiteren Insel seinen Vater, der sich inzwischen „Herve le Braz“ nennt, was auf bretanisch Riese heißt und das Gemischtwarengeschäft, der Insel betreibt. Die Restfamilie, sowie die Buchhändlerin tauchen auf und um nun noch den Rest zu spoilern, Achtung, ich habe viele der unzähligen Details ausgelassen, fängt Oda am Schluß auch noch zu sprechen an.

Spannend und interessant könnte ich nun wieder schreiben. Ein bißchen kitschig ist es sicher auch und an einem Faux paxs ist Anja Baumheier elegant vorbeigeschrammt. Denn um Huberts Geheimnis zu lösen, outet er sich am Schluß, er ist schizopheren und deshalb vor allem geflüchtet. Er hat auch seinen Sohn ein Buch mit dem Titel „Mein Leben in zwei Welten“ bevor er verschwunden ist, hinterlassen und ich habe gedacht „Uje, uje, jetzt kommt das mit dem „Zweigespalten“ als Erklärung!“

Etwas worüber sich Prof Katschnig, der gewesene Pyschiatrieprofessor vom AKH, ja sehr wehrte, die Schizophrenie so zu erklären. Wurde dann auch nicht so definiert und unterhaltsam ist das Buches sicherlich, gut recherchiert ebenfalls und man kann sicher viel daraus lernen oder darüber nachdenken.

„Ein grosser Roman über die Magie der Sprache, die Kraft der Gemeinschaft und eine ganz besondere Familie“, steht am Buchrücken. So kann man es auch interpretieren.

Warum das Buch „Die Erfindung der Sprache heißt“ ist mir auch nicht so ganz klar. Gut, Adam hat erst mit Zwei sprechen zu begonnen. Aber das hat die Anna auch getan und wird bei der Lia wahrscheinlich ebenfalls so sein.

Meiner Meinung nach hätte „Die Überwindung derAngst“ besser gepasst. Aber das würde vielleicht als zu plakativ empfunden.

2020-08-21

Großes Kino

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Nachdem ich vor einigen Wochen Ivan Mandys Kino alter Zeiten“, den Erzählzyklus auf die Filmvergangenheit des 1918 geborenen Ungarn gelesen habe, kommt jetzt das „Große Kino“ des 1974 in Duisburg geborenen ehemaligen Sozialarbeiters Sascha Reh und das ist interessant, habe ich ja ebenfalls vor einigen Wochen gehört, daß die offenbar etwas provokante Kabarettistin Lisa Eckhart mit ihrem Debutroman „Omama“ von einem Hamburger Literaturfestival ausgeladen wurde, weil es gegen sie Antisemitismusdrohungen und daher angekündigte Störkrawalle gab. Sascha Reh hätte auch da lesen sollen und hat mit der Begründung daß sein Roman auch politisch inkorrekt sei, abgesagt.

„Interessant, interessant!“, habe ich gedacht, weil ich mich ja seit vier Jahren mit dem Uli matche, wenn er wieder einmal auf seinen Blog gegen die Linken schimpft oder aufzählt, daß sich Polizisten nicht gegen Clan durchsetzen können und schon wiederein Asylwerber eine Gewalttat begangen hat.

Dann habe ich das Buch aufgeschlagen und war erst recht erstaunt, steht da doch unter den Motti „Es ist ohne weiteres möglich eine gute Story zu schreiben, ohne die Einzelheiten der Reise des Helden zu beachten. Ehrlich gesagt, ist dies sogar der bessere Weg. Christopher Vogler „Die Oydssee des Drehbuchschreibers“.

In diesem buch folgt dann wahrscheinlich die Begründung, warum es doch besser ist, in seinen Romanen, die nach der „Heldenreise“ zu arbeiten, gilt Vogler ja als der Oberguro der „Heldenreise“, der sie in die Filmbranche und nach Hollywood brachte und Jurenka Jurk schreibt mich ja jedes Jahr an, um mir mit Gratisseminaren ihre „Ausbildung zum Romanautor“ schmackhaft zu machen, die genau nach diesen Prinzipen arbeitet und da ich eine gelehrige Schülerin bin, habe ich bei meinen letzten Texten ja versucht, diese Prinzipen, mit mehr oder weniger Erfolg, füge ich an, zu beachten und da kommt jetzt einer daher und verarscht dieses Heiligtum der Schreibschullehrer und schreibt einen Roman darüber oder besser, wie im Klappentext und am Buchrücken steht „Der neue Roman von Sascha Reh ist eine Gansterkomödie voller Sprachwitz und Sensationskomik, deren Held sich mit Eloquenz und Chuzpe durch die Inselhalbwelt mauschelt.“

Ja, das habe ich mir so vorgestellt, aber nicht, daß da einer nach der Dreiaktstruktur und den fünfzehn Heldenreisenstufen einen politisch inkorrekten roman schreibt. Fängt es ja im ersten Akt mit der Phase des Aufbruchs an, was zum ersten Kapitel „Die Reise des Helden beginnt mit der Vorstellung seiner gewohnten Welt. ein initialer Auslöser setzt die Handlung in Gang“ bis zu Kapitel 15 im Akt III „Die Reise des Helden ist zu Ende. Wuppke erhält sein Elixier und kehrt in seine gewöhnliche Welt zurück.“

Was dazwischen auf über dreihundert Seiten folgt ist ein Klamaukstück mit allen billigen Trick und Einfällen, Mord und Totschlag, wie man es sich nur vorstellen kann, das politisch Korrekte bewußt in sein Gegenteil zu verkehren und eine geübte Leserin wie ich, mag die Handlung trivial finden. Daß sich aber einer wirklich traut, die „Heldenreise“ zu veraschen finde ich genial und hilft mir vielleicht davon abzulassen und weiter so balal und „Da passiert ja nichts!“, zu schreiben, wie ich es schon vor über vierzig Jahren mit meinen romananfängen tat.

Mal sehen, wie es bei mir weitergeht.

Jetzt einmal zu Carsten Wuppke, dem Helden und ehemaligen Sozialarbeiter, der von der rechten Bahn abgekommen ist, nun eigentlich mit seinem Bewährungshelfer Bewerbungen schreiben soll, aber in den Supermarkt geht ein Joghurt zu kaufen, sich dort mit einem Polizisten anlegt, ein Mofa klaut und die Handlung beginnt.

Er gerät nämlich in die machenschaften des „Chinesen“, das ist, sowohl originell, als auch politisch inkorrekt, ein arabischer mafiaboss, der ihn zwingt, ihm einen Gefallen zu tun und nach Sylt zu reisen, weil er dort eine Heide kaufen will.

Dort gibt man sie nicht her und so stolpert unser Held durch alle Stufen, bis er geläuert zurückkommt und sein Schöpfer Reh, hat dabei nicht an Mord und Totschlag, Sex und Crime etcetera gespart. Er gerät nämlich in das Haus des Bürgermeisterkanditaten und Baulöwen Jorgenssen, der die Heide nicht hergeben will. Der ist auch ein Hobbyfilmer, die Filme, spielen wie der Titel schon verrät, ja auch eine Rolle, hat eine fünzehnjährige Tochter namens Effi, betrügt seine Frau und ein Cousin des Chinesen gibt es auch, der von Wuppke auch einen Gefallen will. Er soll ein italienisches Pärchen abholen, das ein Paket Kokain ins Land schmuggelt, einen Filmstar gibt es auch, der liegt im Spital, Wuppke vergißt bei ihm das Kokain, der Clanboß setzt deshalb seine Buberln an ihn an. Dann kommt die Schwester des Italieners mit ihrem kleinen Sohn angereist und das ist originell, weil der Sechsjährige sich an alle Pistolen heranmacht und gleich einen der beiden Handlanger erschießt. Jetzt muß man die Leiche versorgen. Das ist auch originell und kaum ist das geschehen, kommt der Chinese nach Sylt. Wuppke muß nun handeln, klärt alles auf oder führt es zu einem guten Ende. Ein Polizeikommssar erleidet dabei auch noch einen Schlaganfall. Dann kehrt der Held zurück in seine Welt, geht in Neukölln zum Starbucks und kauft sich dort einen Kaffee.

Ich bin gespannt, wie das Buch in der Literaturwelt ankommt, setzt es sich ja zwischen alle Genres und ob es soviele Leser, die an der Heldenreise interessiert sind, weiß ich auch nicht, hätte es aber auf LL erwartet, dort ist es aber nicht daraufgekommen.

2018-11-22

Spannungsbogen

Filed under: Schreibbericht — jancak @ 12:54
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Tag zweiundzwanzig des „Nanowrimos“ und ich erhalte ziemlich regelmäßig Aufmunterungsmail und solche doch etwas Geld zu spenden, damit das Ganze ein Erfolg wird und es gibt auch Autoren, die Videos dazu drehen, wie beispielsweise Julia K. Stein, dabei habe ich meinen „Nano“ oder das Projekt, das ich im August begonnen habe, schon am ersten November mit 49.238 Worten abgeschlossen und bschlossen den Rest des Monats und auch noch später das Ganze zu korrigieren.

Das heißt, weil bald darauf die „Buch-Wien“ gebann und ich dann auch noch innerhalb von drei Tagen drei Lesungen hatte, meinen Geburtstag feierte und außerdem mit einer nicht kleiner werdenden Monsterleseliste dastehem bin ich bis jetzt gerade einmal dazu gekommenm das Ganze durchzukorrigieren.

Damit bin ich am Sonntag in Harland fertiggeworden. Dann habe ich das Manuskript nach den Protagonisten, beziehungsweise Handlungssträngen sortiert, also einen Stoß mit den Magdalena Kirchberg Szenen, einen für die Magda, den Momo, die Nastasja Stancik, die Maria Mallatschuk und die Ulla hat, glaube ich, auch noch einen und gehe jetzt das Ganze stapelweise durch, um die einzelnen Geschichten vielleicht noch auszuweiten, stimmiger zu machen, Fehler zu korrigieren, etcetera.

Das heißt, im Nachhinein ausweiten bin ich nie sehr gut und bin das auch jetzt nicht, habe den Magdalena Kirchberg-Strang jetzt durchgesehen und halte derzeit bei 48 078 Worten.

Richtig, es war diesmal kein „Nano“, denn Erstens schon im August angegangen, Zweitens schon am ersten Tag mit cirka tausend Worten weniger mit dem Rohkonzept fertig und zum täglichen Korrigieren komme ich derzeit auch nicht. Dazu habe ich meistens zu viele Stunden, obwohl ich mich ja im Sommer, bevor ich mit dem Rohtext angefangen habe, mich mit dem Zeitmanagement beschäftigt habe, denn da hat Jurenka Jurk, eine deutsche Schreibtrainerin, die ich im Vorjahr kennengelernt habe, weil sie auch ausgerechnet im November eine Online Messe für Autoren abgehalten hat, ein solches Seminar angeboten und das mit ein paar kostenlosen Webinaren untermauert.

Sie ist da sehr gründlich und ich habe eigentlich auch ein gutes Zeitmanagement, nur das mit dem regelmäßigen Schreiben klappt bei mir nicht, denn die täglichen fünfzig Worte, die ich natürlich hinausquetschen könnte, würde ich dann am nächsten Tag wahrscheinlich wegwerfen müßen.

Also habe ich meinen heurigen „Nanowrimo“, der keiner war, ohne Hilfe von Seminaren geschrieben. Im Vorjahr habe ich mir ja von Annika Bühnemann, die jetzt ziemlich von der Szene verschwunden ist, Schreibimpulse schicken lassen und bin mit dem Resultat, wie schon beschrieben, so na na zufrieden.

Das heißt eigentlich schon, aber andererseits wird es höchstwahrscheinlich wieder niemand hintern Ofen hervorlocken, ist wieder eine Geschichte von einer depressiven Frau und den Roman hat Magdalena Kirchberg eigentlich nicht geschrieben und auch nicht wirklich einen Blog übers Schreiben. Dagegen rankt sich das Ganze um drei andere Geschichten, die der Nastasja, die eine ziemlich eigene ist, während der Momo und die Maria Mattatschek, die plötzlich, als sie schon dement ist, mit ihren Traummotizen Erfolg hat, obwohl sie das eigentlich nicht will.

Die Maria ist das Alter Ego der Magdalena könnnte man so sagen oder auch ihr Gegenspieler, der Antagonist, um im Schreibjargon zu verharren. Dagegen ist die Ausgangsszene, die drei Personen in dem weißen Auto aber, die ich ja in der Schreibgruppe dreimal geschrieben habe, ziemlich flach geblieben.

Gut, da waren der Oberarzut und die Hebamme, die Magdalena während ihrer Geburt vor fünfundreißig Jahren betreuten. Dann gab es noch einen Psychiater, der zwar schon gestorben ist, die Maria aber immer noch besucht und Spannungen Magdalenas mit ihrer Tochter, die schließlich Mutter wird, gibt es auch.

Da sind einige schon bekannte Motive enthalten, die Pensionsschockdepression in die Magdalena plötzlich fällt, als keine klienten mehr zu ihr kommen, die vaterlose Tochter und die Nachbarn mit denen sie sich befreundet. Einer  meiner Meinung nach recht origineller Scghluß, der dasGanze abrundet, während der Roman eigentlich nicht geschrieben wird und die drei im Auto am Schluß aus der Tochter der Hebamme, ihrem linken Freund und dem FPÖ-Politiker bei dem sie arbeitet, bestehen.

So weit, so gut, das Ganze jetzt vielleicht ein halbes Jahr korrigieren, dann eine Vorschau in den Blog stellen, eine Leserunde und ein Gewinnspiel ausrufen zu dem sich niemand meldet und das war es dann und ran an das nächste Projekt, obwohl ich derzeit gar nicht sicher bin, ob ich noch eines finde.

Dann kam aber vorige Woche wieder Jurenka <jJurk ins Spiel und bot ein tolles Seminar zur „Heldenreise“ an, das wie sie euphorisch meinte, allen angehenden Autoren helfen kann, mehr Spannung in ihre Projekte oder sie überhaupt zu ende zu bringen.

Die „Heldenreise“, ach ja, ein paar Schreibratgeber habe ich ja auch gelesen und beschäftige mich im Netz auch intensiv mit solchen Seiten, gehe zu den Schnuppertagen des „Writerstudios“, die „Heldenreise“ ist ein Schema, das der Mythenforscher Joseph Campell im vorigen Jahrhundert entdeckt hat und das sich, um es vereinfacht auszudrücken, Hollywood unter den Nagel gerissen hat, um seine Filme spannend zu gestalten.

Campell hat, glaube ich, die Mythen untersucht und herausgefunden, daß sie alle nach einem Schema funktionieren, die er in vierzehn Punkte einteilte.

„Der Held erhält einen Ruf oder Auftrag, sein Leben ändert sich, er macht sich auf auf die Reise, bekommt einen Mentor und einen Widersacher, muß Prüfungen bestehen. Es kommt zur Katastrophe, er muß sich bewähren und am Schluß kommt er geläutert und mit dem Schatz nach Haus“.

Die Schreibratggeber raten einen, sich an das Schema, das auch bei den Dramen, die ja in Akte eingeteilt sind, funktioniert, zu halten. Ich hatte immer meine Schwierigkeiten damit und bin mit den etwas altmodischen Punkten, wie beispielsweise „Der Ruf des Abenteuers“, „Die endgültige Segnung“, „Verweigerund und Rückkehr,“ beispielsweise auch nicht weitergekommen. Denn, wie wende ich das bei der Magdalena oder bei meinen anderen Heldinnen an?

Die Magdalena geht in Pension und beschließt, um aus ihrer Depression herauszukommen, einen Roman zu schreiben. So weit, so gut, aber wer ist der Gegenspieler?  Was ist die“ Versöhnung mit dem Vater?“ Sie hat gar keinen mehr, denn der ist schon lang gestorben, hat ihr aber mit achtzehn davon abgeraten einen Roman zu schreiben. Jetzt tut sie es trotzdem, das ist der „Ruf“, aber was ist die „Katastrophe?“.

Die Antogonistin ist mir eingefallen, könnte die Maria Mattaschek sein. „Läuterung“ gibt es auch und am Ende geht sie vomLiteraturhaus nach Haus, sieht wieder den BMW, in dem jetzt die Ulla mit ihren zwei Gegenspielern sitzt und weiß nicht, ob sie weiterschreiben oder ihr künftiges Enkelkind betreuen soll?

Das ist, habe ich schon geschrieben, wie ich fürchte, nicht so besonders spannend. Aber ich schreibe auch psychologisch realistisch und keine Fantasy, wo die Ritter mit Drachen kämpfen und am Schluß, die Prinzessin nach Hause bringen.

So habe ich die Heldenreise immer mehr oder weniger liegen gelassen, mir aber jetzt, weil ich ja gerade am Korrigieren bin, mir wieder zwei Webinare der Jurenka Jurk angehört, die ein dreiwöchiges Wunderseminar anbietet, in dem sie einem die Heldenreise moderner näherbringen will.

Das werde ich wieder nicht machen, habe mir aber die Campell-Punkte und vor allem den Spannungsbogen ausgedruckt und im gestrigen Seminar gab es auch die Verbindung zur „Heldenreise“ zur Persönlichkeitsentwicklung, denn das Modell wird auchtherapeutisch angewendet.

Das erscheint mir zwar noch weniger plausibler. Aber ich habe die „Heldenreise“, ja noch nicht so ganz, als  Wundermittel begriffen, sondern als den Kniff, um mehr Spannung in seineTexte zu bringen, was sicher nützlich ist. Aber da klingen bei mir auch wieder die Alarmglocken, denn wenn sich jetzt alle an das Schema halten und es Punkt für Punkt abarbeiten, werden die Sachen und das ist ja der große Vorwurf an den Schreibschulen, vermutlich wirklich gleich und meiner Meinung nach auch immer unrealistischer.

Denn als ich in der „Augustin Schreibwerkstatt“ aus meiner „Krisenwelt“ gelesen habe, habe ich das Feedback  bekommen „Das interessiert mich nicht, das Alltagsleben einer Großmutter, die die Kinder ihrer Messietochter vom Kindergarten abholt und mit ihnen auf den Spielplatz geht! Ich will es spannender haben, denn vom Alltag habe ich schon genug!“ und im „Writersstudio“ hat mich auch gestört, daß dort gefordert wird, an das Schlimmste, was man erlebt hat zu denken und das aufzuschreiben.

Denn „Dann wird es gut!“ und dann haben wir die verstörenden Romane der Jungautoren a la „Axolotl Roadkill“ und dagegen wehrt sich eigentlich die Psychologin und wenn ich dann nur mehr Romane lese, wo von Mord, Totschlag, Vegrewaltigung, Mißbrauch und Dystopie, etcetera die Rede ist, bin ich weit von der Wirklichkeit entfernt und so will ich Literatur eigentlich nicht verstanden haben und ich will mich mit ihr auch nicht nur unterhalten. Ganz abgesehen, daß ich mich an Mord und Totschlag, Vergewaltigung und Mißbrauch eigentlich auch nicht unterhalten kann.

Gestern gab es noch ein Webinar von Jurenka Jurk oder eigentlich, die Wiederholung eines Videos, das es bei ihr im Vorjahr bei der Autorenmesse gab, nämlich ein Gespräch mit Ulrike Dietmann, die die Heldenreise sehr persönlich fasste und meinte, daß es der Autor ist, der in seinen Projekten auf eine solche zu gehen hat. Er muß sich verwandeln und wachsen und alles, was er hat, nämlich wörtlich, hundert Prozent geben, gibt er nur 99, 9, dann ist es zu wenig und das erscheint mir eigentlich sehr gefährtlich, denn dann blutet sich der Autpor aus. Der leser ist vielleicht trotzdem nicht zufrieden und bricht das Buch ab, weil immern noch zu wenig Spannung und wir sind in irgenwelchen Galaxien und weit weg, vom Leben, wie ich die Literatur eigentlich schon verstehe.

So weit so gut und trotzdem sehr interessant, denn ich habe mir ja schon vorgenommen, vielleicht beim nächsten „Namowrimo“ wirklich mehr auf die „Heldenreise“ zu achten.

Mir eine Person und ein Thema zu nehmen und dann versuchen mich an Punkt für Punkt zu halten. Da befürchte ich zwar, daß das ganze kitschig oder zu mächenhaft phantastisch wird. Mal sehen.

Daß ich die Magdalena Kirchberg nicht umarbeiten kann, war mir von vornherein schon klar. Es vielleicht doch noch ein ganz klein wenig spannender bekommen, wenn ich die einzelnen Stränge nacheinander korrigere und mir nächste Woche noch das nächste Video, bevor Jurenka Jurks dreiwöchiges Seminar beginnt, ansehen und, daß ich mich an die Gliederungen halten sollte?

Theoretisch ja, aber die habe ich auch in der Schule erst immer im Nachhinein gemacht und eine Vorausplanerin, vielleicht a la Schneeflockenmethode, will ich eigentlich auch nicht sein. Sondern schon, wie bisher, eine Idee, eine Person nehmen und mich dann spontan weiter von Szene zu Szene, am besten immer ein paar Szenen im Voraus zu entwickeltn und da habe ich bei meinen Texten oft nicht die großen Katastrophen und auch nicht großen Gegenspieler, sondern, die kleinen Alltagskrisen und meistens geht es irgendwie auch gut aus.

Auch wenn die Veronika Sieberer im „Im Namen des Vaters“ am Ende stirbt, ihre Tochter bekommt da auch noch eine Tochter und das ist auch ein Buch, wo ich mir die „Heldenreise“ noch am ehesten vorstellen kann. Aber sehr spannend, werden meine Leser vielleicht sagen, ist das auch nicht greworden. Aber da habe ich, glaube ich, auch keine Rezension bekommen und eine Leserunde habe ich damals noch nicht anzubahnen versucht.

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