Literaturgefluester

2018-02-12

Zweimal Herbert J. Wimmer

Den 1951 in Melk geborenen Herbert JWimmer, dem Lebensgefährten von Elfriede Gerstl, der jetzt mit Marion Steinfellner zusammen ist, kenne ich seit urlangen Zeiten.

Wahrscheinlich seit meinen ersten „Textvorstellungen“ die er moderierte, obwohl er ja nicht realistisch schreibt, sondern inzwischen wahrscheinlich eines der experimentellsten Urgesteine Wien ist.

Von den Büchertürmen bei „Literatur im März“ habe ich mir ein paar seiner Bücher mitgenommen, die ich wahrscheinlich nie lesen werde, dafür sehe ich ihn sehr oft in der „Alten Schmiede“ im Publikum aber auch als Gestalter der „Stunde der literarischen Erleuchtung“ und seine neuen Bücher hat er dort auch regelmäßig vorgestellt und jetzt gleich zwei „Vorlesungen zur Literatur“ eine Reihe in der „Alten Schmiede“, die von Josef Haslinger und Kurt Neumann gegründet wurden und diese waren, glaube ich, insbesondere etwas Besonderes, da Herbert J Wimmer nicht seine Ansichten zur Literatur preisgab, sondern in zwei Runden durch sein literarisches Werk zog. Die erste Stunde war der Prosa, die ja bekanntlichermaßen sehr experimentell ist, gewidmet, die zweite, den Gedichtbänden. Herbert J Wimmer stand vor dem Mikrophon und hinter ihm wurden die Cover seiner Bücher projiziert.

Eine Idee, die glaube ich, neu für die „Alte Schmiede“, mir aber sehr sympathisch ist, denn ich stelle ja hier im Geflüster meine Werke auch mehr oder minder regelmäßig vor und habe dabei immer ein bißchen ein schlechtes Gewissen, denn so selbstsüchtig ist man ja nicht, so etwas zu tun.

Nun bei mir tut es niemand anderer und hier möchte ich gleich betonen ist es sehr gut angekommen und ich habe wieder viel gelernt, obwohl ich ja keine Freundin der experimentellen Schreibweise bin und Herbert J wimmer hat fast einen philosophischen Touch der mich an ein bißchen an Ludwig Wittgenstein erinnert.

Die erste Stunde Prosa halt und da ist Herbert J wimmer durch sein Leben gegangen, erwähnte seine erste Lesung in der alten Schmiede vor zig Jahren, die ja 1975 eröffnet wurde und ich habe schon geschrieben, daß ich mich nicht erinnern kann, wann ich das erste Mal dort war. Gelesen habe ich 1980 das erste Mal beim sogenannten Literatureck, dem Vorläufer der „Textvorstellungen“ und eines seiner Prosabücher war wohl der bei der von Daniel Wisser betreuten Edition der „Pudel“ herausgegebene Band „Trouvaillen“, da werden immer drei Worte aneinander gereiht und durch die Veränderung der Zusammenstellung verändert sich auch der Sinn des Ganzen.

Herbert J Wimmer hat ein bißchen was zur Entstehungsgeschichte erzählt und auch wo er mit dem sehr liebevoll  betreuten Band überall gelesen hat.

Dann gibt es den Band „Kühlzack & Flexer“, das sind zwei Figuren, die miteinander kommunzieren und sich vielleicht die Welt erklären oder mit der Sprache experimetieren und eine Detektivin kommt auch darin vor und das führt gleich zu „Tote im Text“.

Einen üblichen Kriminalroman mit einer Spannungshandlung darf man sich dabei natürlich nicht erwarten.es ist aber ein bis heute ungeklärter Mordfall an einem Pfarrer und seiner Schwester in Melk in den Dreißigerjahren, also der Zwischenkriegszeit und da haben wir ja heute auch ein ganz besonderes Datum zu feiern, der darin vorkommt, von dem auch Herbert J Wimmers Mutter damals des Pfarrers Hausgehilfin traumatisiert wurde und dazwischen gibt es dann noch glaube ich die „Kählzack & Flexer“ beziehungsweise die Detektivhandlung.

Also ganz schön kompliziert und ein paar andere Prosa Bücher hat der Meister, der ja inzwischen seine Texte mit Marion Steinfellner schreibt und mit ihr Performancen mit Tanz und Musik im Literaturhaus macht, auch noch geschrieben, „membran“ zum Beispiel oder „Interfer Blauensteinerbuch“ 2017 erschienen, das erst vor zwei Wochen in der „Alten Schmiede“ vorgestellt wurde, ich meiner Stunden wegen, aber nicht hingehen konnte.

Dann kam eine Pause mit einer Überraschung, denn auf dem Tisch, wo manchmal das Buffet  ausgebreitet ist, gab es eine Sammlung von Herbert J Wimmers schöner bunten Karten und zwei Karten hat er, glaube ich, auch extra für die Veranstaltung vorbereitet

„die schöpfung nach der Schöpfung ein problempoem nach Elfriede Gerstl“ beispielsweise

„nicht alles wissen was im text drin ist

nicht alles verstehen was im text drin ist

nicht alles gebrauchen können was im text drinsteht

nicht alles herausholen können was im text drinsteckt

nixht alles drinnenlassen können was im text drinsteckt“

Das führt schon fast zur Vorlesung zwei über die „gedichtartigkeiten“, die wie Herbert JWimmer betonte, anders konzipiert war, als die erste vorlesung.

Und da passen die schon vorher erwähnten „trouvaillen“ auch sehr gut dazu, es gibt aber die „poetischen folgen“, 2006 erschienen, die „ganzen teile“ 2010, den „grünen anker“ 2012, das „wiener zimmer“ 2015, die sprachvorspiele 2016 und die kleeblattbasse toiko“ 2017.

Man sieht eine enorme lyrischeProduktivität und dabei hätte ich Herbert J  Wimmer eigentlich nicht für einen Lyriker gehalten, obwohl ich, glaube ich, sowohl der der Vorstellung des „grünen ankers“ als auch den „wiener zimmers2 gewesen ist.

Die „kleeblattbasse Toiko“ ist während eines Japanaufenthalt des Autors entstanden und es gibt noch eine Gedichtreihe bei „Klever“, wo alle zwei Jahre ein weiterer Band erscheinen wird.

Sehr interessant also in das Werk eines experimentellen Wiener Dichters einzutauchen, der seine Tage auch im Maffeehaus verbringt, verschiedene Wohnadressen aufsucht und darüber schreibt und ein großer Kionfan ist Herbert J. Wimmer, glaube ich, auch.

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2017-07-05

Salztransformen

Die Saison endet stressig, aber natürlich bin ich selber daran schuld, daß ich die letzten Tage bevor ich in meine Sommerfrischenwochenende gehe, zuerst bei der „Sommerakademie des Institus für jüdische Geschichte“ verbringe, ins Literaturhaus gehe und mir dann noch, während ich das alles blogge, den Livestream der „Bachmannpreis-Eröffnung“ ansehe, denn in Klagenfurt geht es ja heute abend los.

Das ist weit entfertn und ich war nur einmal, 1996 vor Ort als sogenanntes Publikum dabei und jetzt braucht man dazu, glaube ich, auch eine Einladung, aber im Literaturhaus war zur Saisonabschlußveranstaltung auch etwas Besonderes los..

Nämlich wieder eine „Poetik-Tanz-Performance“ mit der Butohtänzerin Marion Steinfellner, Herbert J. Wimmer und dem Musiker Michael Fischer, alles GAV Mitglieder, denn es war ja eine GAV-Veranstaltung, zum Thema „Salz“, die da geboten wurde.

Die vierte die es diesbezüglich gegeben hat, Wasser, Luft, Wald waren schon die Themen und eine habe ich auch schon gesehen und Marion Steinfelnllner einmal performen, als in der „Alten Schmiede“, Gerhard Jaschke seine „Feri-und Firebordreihe“ vorstellte.

Die Sessel waren auf der Seite aufgestellt, in der Mitte gab es einen Kreis aus Salz und Barbara Zwiefelhofer die einleitend das Märchen vom König Lear erzählte, sagte die Veranstaltung hätte drei Teile und da tauchten  schon Herbert J. Wimmer im Kimono und Marion Steinfelnner in schwarzweißer Bluse und weißer Hose auf, wer die Kostüme gestaltet hat, hat Barbara Zwiefelhofer einfleitend auch erzählt, setzten sich auf die im Kreis stehenden Sesseln und lasen ihre Texte

„Bitte das Salz, Sprache ist Performation, etcetera“ und im Programmheft stand dann noch etwas von „wir bewegen uns durch den multimedialen raum für den augenblick bestimmt druch das wechselspiel der trasnsformation der poetik, des  butoh-tanzes, der musik und der vielfältigen erscheinungsweisen von SALZ“

Im zweiten Teil kam dann der Tanz zum Tragen, Marion Steinfellner bewegte sich diesbezüglich durch den Raum, zerstörte die Salzspur und Michael Fischer gab dazu ein Saxophonsolo, während sich in Teil drei die drei auf Matten legten und weiter ihre Texte sprachen und am Schluß forderte Marion Steinfellner das Publikum  zum Mittanzen auf.

Spannend, spannend spannend, die Texte der bisherigen Performances gibt es schon in den „Koliken“ abgedruckt und eine Schweizer Touristin fragte mich beim Wein über die Funktion des Literaturhauses aus.

Sie ist zufällig zu der Veranstaltung gekommen, die ihr sehr gefallen hat und Marion Steinfellner und Herbert J. Wimmer wünschten noch allen einen schönen Sommer, auf zum „Bachmannpreis“ habe ich gesagt, als ich mein Glas getrunken habe.

Da erwartet mich ja noch einiges und die „O Töne“ fangen morgen auch noch an und dann geht es in die Sommerfrische und zu meinen eigenen Texten, die ja sicher viel weniger experimentell sein werden.

2016-11-29

Fieberkopf mit Analyse

„Ein kleines Symposium“, nannte Kurt Neumann die heutige Doppelveranstaltung in der „Alten Schmiede“.

Zuerst eine „Stunde der literarischen Erleuchtung“, in der sich Herbert J. Wimmer stehend, damit er sich nicht vor Lache krümmte, mit Wolfgang Bauers Roman in Briefen „Fieberkopf“ beschäftigte und dann kam der1960 geborene „Wartholz-Preisträger“ Christian Steinbacher, der sich in seinem „Klever Buch“ „Kollegiales Winken-Gebrauchs- und Gelegenheitstexten“ unter anderem mit dem „Fieberkopf“ beschäftigte und der, in den Sechzigerjahren erschienen, ist ein, wie es Christl Greller nannte, normal beginnendes und sich dann ins Surreale stieigerndes Werk.

Da schreiben sich zwei Männer, Heinz  und Frank von Graz nach Villach Briefe und überkreuzen sich dabei. Sie erzählen Alltägliches und fragen dabei immer wieder nach einem Thermometer, den der eine kaufte.

Vom Thermometer ist es zum Fieber nicht weit und im achtundzwanzigsten Brief sind wir auf einmal in Neuseeland aber auch in einem Iglu, Hubert Fabian Kulterer und Max Ricobona, zwei reale Kulturgestalten, kommen vor. Aber auch zwei sich kopulierende Lokomotive,  eine Frau, die die Farben wechselt, ein Kapktän, der zwei Körper, aber nur ein Hirn hat und so weiter und so fort.

Christian Steinbacher sollte es nach der Pause einen Ulk nennen und auch auf das frische erschienene „Feribord“ Nummer 24 hinweisen, in dem von ihm ebenfalls Ulkgedichte erschienen sind und trug dann seine Analyse in einer wahren Performance vor.

Sehr viel Prominenz im Publikum, Marie Therese Kerschbaumer beispielsweise, Gerhard Jaschke, etcetera, etcetera und auch einige Leute, die sich den Band der „Droschl-Werkausgabe kauften, um diesen fulminanten Ulk oder Kunstwerk nachzulesen.

Wendelin Schmidt-Dengler hat das Nachwort dazugeschrieben und Herbert J. Wimmer erzählte die Geschichte, daß der damalige Bauer Verleger Wolfgang Bauer nach Frankfurt berief und ihn einige Zeitlang einsperrte, damit er seinen fulminenten Roman zu Ende schrieb, nun das ist ihm gelungen, der „Residenz Verlag“ soll mit H. C.Artmann einmal etwas Ähnliches gemacht haben und nun haben wir zwei experimentelle Bücher, mit denen man das Werk, sowie die entsprechende Analyse nachlesen kann, aber ich habe ja immer noch ein Buch von Chritian Steinbacher, das ich einmal auf dem Bücherturm der „Literatur im März Veranstaltungen“ fand und noch nicht gelesen habe und Wolfgang Bauer,  1941-2005, habe ich, lang lang ists her, einige Male bei „Rund um die Burg“ aber auch bei anderen Gelegenheiten gehört.

2016-09-15

Lyrik und bildendende Kunst in der Edition NÖ

Die „Edition NÖ“, der Verlag der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich, geleitet von Gabriele Ecker gibt es seit fünfundzwanzig Jahren.

Da gibt es dann am achtzehnten November eine Festveranstaltung im Palais Niederösterreich in der Herrengasse, verbunden mit der Vergabe der Hans Weigel– Stipendien, das einmal vor langer Zeit Cornelia Travnicek bekommen hat.

Da ist dann auch die „Asche meiner Schwester“ herausgekommen, ein Roman der offenbar keiner ist, gilt doch „Chucks“ als der Debutroman, seit damals schnorre ich Gabriele Ecker gelegentlich um Bücher an und heute wurden zwei Lyrikbände der Edition, die beide gemeinsam mit  Werken bildender Künstler herausgegeben wurden, i2n der „Gesellschaft für Literatur“ vorgestellt.

Richard Walls Irland-Gedichte „Achill-Verse vom Rande Europas“, die von Martin Anibas illustriert wurden und der Gedichtband „Sprachvorspiele-55 Liebesgedichte“, von Herbert J. Wimmer, bemalt von der Tänzerin Marion Steinfellner, die ich schon beoi zwei Performances, eine davon gemeinmam mit Herbert J. Wimmer gesehen habe.

Also sehr interessant, der Lehrer Christian im Publikum, ihm habe ich gleich erzählt, daß ich gerade mein zehnten dBp Buch begonnen habe, während die östBp nur spärlich eintreffen, was schade ist oder auch nicht, daneben saß Elfriede Haslehner, Richard Wall begrüßte und dessen Gedichtband hat ja Doris Kloimstein, wie sie mir auf Alfreds Geburtstagsfest erzählte sehr gefallen.

Das 1953 geborene GAV-Mitglied Richard Wall, der sowohl in OÖ als auch in Nö lebt, war Stipendiat bei der „Böll- Stiftung in Irland, hat da seine Gedichte geschrieben und Gabriele Ecker suchte dafür einen Illustrator, den sie in  Martin Anibas fand, der heute nicht anwesend war, so wurden nur seine Bilder gezeigt und Richard Wall las dazu Textproben, während Herbert J. Wimmer, der, wie ich meine, experimentelle Dichter, gemeinsam mit Marion Steinfellner auftrat.

Sie hat sich einige Tage oder Wochen mit seinen Texten beschäftigt, dazu gemalt und ihren Bildern dann auch noch Überschriften gegeben, die sich auf jeweils eine Gedichtzeile, die dann von ihr ergänzt wurden bezogen.

Spannend spannend, danach gabs Gespräche und was zu trinken und zu knabbern und was die experimentelle Literatur betrifft, kann ich vermelden, Ilse Kilic, welch Überraschung ist die neue „Veza Canetti-Preisträgerin“, die im MUSA am fünften Oktober präsentiert wird und von Gabriele Ecker habe ich mir noch die von Barbara Neuwirth herausgegebene Anthologie „AuserLesen“ gewünscht, die die Texte der NÖ Stipendiaten enthält.

Ich habe ja früher, weil ich ja einen NÖ- Zweitwohnsitz habe auch um ein NÖ-Stipendium angesucht, aber nie eines bekommen, die schlechte Kritik von Peter Zumpf in  der „Literatur in NÖ“ hat das vielleicht verhindert, aber ich kenne Gabriele Ecker von der Zeit, als ich im Rahmen der GAV, ich glaube am Hammerweg zuerst „Literatur von Frauen“ und dann noch die „Selbstmordanthologie“ präsentiert habe.

2016-04-08

Wort/Wald&Sound/Forest

Diese „Poetik-Tanz-Performance“, die am Freitag im Wiener Literaturhaus stattfand, wäre mir fast entgangen, wenn nicht Chris Bader auf seinem neuen Blog gestern auf eine Veranstaltung mit Ostap Slyvysky, Judith Pfeifer und Martin Fritz aufmerksam gemacht hätte, in die ich zwar wegen unserer Schreibgruppe nicht gehen konnte, ich habe aber im Programm nachgesehen und entdeckt, daß  am Freitag eine Veranstaltung mit der Tänzerin Marion Steinfellner, die ich, glaube ich, schon einmal in der „Alten Schmide“ mit Gerhard Jaschke gesehen habe, Herbert J. Wimmer und dem Musiker Michael Fischer stattfand, von der ich eigentlich Bescheid wissen hätte könne, da mir Christel Fallenschein, die ich ja heute besuchen hätte wollen, davon erzählte.

So habe ich also davon erfahren, umdiponiert und Mathias und Christel Fallenstein, mit dem Studenten der Sprachkunst, der sie begleitet auch in dem umgeräumten und sehr dunklen Veranstaltungssaal getroffen.

Nach und nach trafen Bekannte wie Evelyn Holloway, Lukas Cejpek , Eva Brenner und andere ein und Marion Steinfellner wickelte sich in grünes Papier, das den Wald darstellen sollte, sie aber nixenartig aussehen ließ und setzte sich damit in eines der Fenster.

Herbert J. Wimmer hatte eine grüne Schleife und grüne Socken und Michael Fischer nahm vor dem Mischpult Platz.

Barbara Zwiefelhofer erklärte in ihrer Einleitung, daß es schon einige dieser Performances zum Thema „Wasser“, etceta gegeben hat, die mir  ebenso entgangen ist und dann ging es los, mit der Bewegung, dem Sound und dem Text.

Marion Steinfellner bewegte sich langsam durch den Raum vom Fenster zur Bühnen und  mit Herbert J. Wimmer zu den Stiegen, um abwechselnd den Text „Ein Wald, ein Wort, das Wort ist der Wald, der Wald ist das Wort, wie man in den Wald hineinruft, etcetera“, aber auch Wortneuschöpfunge, zu zitieren.

Nachher gab es  interessante Gespräche, Christel Fallenstein ist ja so nett und stellt mich immer den anderen vor, den Text einer der vorigen Veranstaltung konnte man in der letzten „Kolik“ kaufen und drei weitere dieser „Text, Sound, Bewegungsperformances“, die mir hoffentlich nicht entgehen werden, sind, glaube ich  geplant.

2015-02-23

Von Nathalie Sarraute zu Elfriede Czurda

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:03
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Von der „Kinderbuch und Phantasymesse“ ging es gleich in die Gefilde der „Alten Schmiede“ beziehungsweise in die „literarische Erleuchtung“.

Größer kann ein Kontrast nicht sein und wahrscheinlich auch die Entfernungen von der einen zu der anderen Seite, aber ich halte mich für eine literarische Brückenbauerin, auch wenn das niemand merkt und war auch einen Moment lang versucht den nouveau roman und die experimentelle Prosa auszulassen, denn „Literaturen“ der Blog der fünfundzwanzigjährigen Buchhändlerin Sophie Weigand, den ich ja ganz gern verfolge, verloste ein Buch.

Ayelet Gundar-Goshen“Löwen wecken“, eine israelische Autorin von der ich noch nie etwas hörte, aus den Kommentaren ging aber hervor, sie liest heute im jüdischen Museum und da mich das Buch, das auch beim „Blauen Sofa“ vorgestellt wurde, interessierte, war ich eine Weile schwankend und bin dann doch in die „Alte Schmiede“ marschiert.

Was ich im jüdischen Museum versäumt habe, weiß ich nicht, in der „Alten Schmiede“ war ich aber richtig, denn zumindest der erste Teil, wo Herbert J. Wimmer, ein literarischer Stammerleuchter „Die goldenen Früchte“ der französisch russischen Autorin Nathalie Sarraute, auch noch nie etwas gehört, vorstellte, war für mich wahrscheinlich das erste Mal seit ich zu den diesbezüglichen Veranstaltungen gehe, eine wirkliche Erleuchtung und ein Aha-Erlebnis, das zu der Erkenntnis „Will haben und lesen!“ führte, leider gibt es die Autorin zum größten Teil nur mehr antiquarisch, aber vielleicht finde ich sie einmal im Bücherschrank.

Zuerst traf ich aber den Chemiker, den ich meistens in der Wien-Bibliothek sehe und den ich, glaube ich, einmal im Literaturhaus kennenlernte und der mir einmal sagte, er würde nicht in die „Alte Schmiede“ gehen.

„Aber das ist ja der literarische Ort Wiens!“, fragte ich erstaunt zurück. Jetzt scheine ich ihn bekehrt zu haben, er sagte mir gleich, daß er die Autorin kenne, weil sie im Kreis von Nobelpreisträgern erwähnt wird und Herbert j. Wimmer hatte auch einige der vergriffenen Bücher am Leseplatz aufgestellt.

Da dachte ich noch „Eine Experiment- oder Surrealistin, also wahrscheinlich nicht sehr verständlich!“ und habe auch Kurt Neumann, daß  bei dem Buch,  eine soziale Maschinerie in Gang gesetzt wurde, nicht ganz verstanden.

Herbert J. Wimmer nickte aber sehr energisch und leitete seinerseits ein, daß das eine Autorin wäre, die ihn durch sein Schreiben begleiten würde, eine die „in“ und nicht bloß „mit der Sprache“ arbeite und ich dachte, „Aha, eh schon wissen, das ist wieder eine, die das Plotten haßt und die Handlung ablehnt“, was tue ich eigentlich da?“

Dann ging es los mit den Wörtern  und ich hörte wahrscheinlich noch nicht richtig zu, bis es dann zu dem kam, was auch mich und mein Schreiben wahrscheinlich schon die letzten dreißig bis vierzig Jahre stark beschäftigt, nämlich um ein Gespräch über die Kulturbetrieb und ich verstand noch immer nicht recht, ob Herbert J. Wimmer jetzt aus oder über den Roman las, denn es ging im wesentlichen um die Frage „ob die goldenen Früchte jetzt ein Buch sei, das man lesen müße und eines, das ein bißchen die alten Stile imitiert, aber das müße man wohl und die anderen Autoren täten das auch“, ecetera, ecetera.

Herbert J. Wimmer erzählte dann noch ein bißchen was über das Leben der Autorin und las auch etwas aus ihren anderen Büchern vor und Kurt Neumann verwies auf den Büchertisch und, daß es gar nicht so leicht gewesen wäre, diesen zu bestücken und ich erzählte Herbert J. Wimmer, dem Chemiker und wahrscheinlich noch einigen anderen, daß ich eine Bücherschrankbesucherin wäre und hoffe nur, daß ich das Buch bisher nicht zu oft übersehen habe, hat mir der Name ja bisher nicht sehr viel gesagt.

Ich habe vorhin auch in meinen Katalog nachgesehen, denn manchmal nehme ich etwas, das ich noch nicht sehr kenne, aber leider keine Nathalie Sarraute im Archiv.

Also Ohren auf, vielleicht finde ich etwas, am letzten Wochenende hat ohnehin jemand seine Bücher aus den Achtzigerjahren in den „Wortschatz“ geräumt, ein paar frühe Roseis, einen H.C. Artmann,ect.

Ich habe mich bedient und hoffentlich nichts versäumt, blätterte auch ein bißchen in den antiquarischen Büchern, unterhielt mich mit den Stammbesuchern, Dine Petrik gehört auch dazu, begrüßte Bodo Hell, sah Christian Steinbacher erscheinen.

Das Schöne ist ja, daß man in der „Alten Schmiede“ manchmal die ganze heimische Dichterelite treffen kann, weil die gegenseitig zu den Lesungen kommen und Elfriede Czurda, die um halb acht folgte, es gibt zwischen den Veranstaltungen jetzt nur mehr eine halbe Stunde Pause, wie angenehmund ihr neues „Buch vom Fließen und Stehen“ vorstellte, habe ich öfter schon in der „Alten Schmiede“ getroffen. Ich habe auch einige noch nicht gelesene Bücher von ihr auf meiner Liste und da stelle ich mir das Lesen wirklich schwierig vor. Ist sie ja, glaube ich, eine Hardcore Experimentalistin, wenn es sowas gibt, ansonsten erfinde ich mal diesen Ausdruck und vorgestellt wurde sie von Florian Huber, der erklärte, daß es sich bei dem in der „Edition Korrespondenzen“ erschienenen Band um Überschreibungen von   Laotse „Das Buch vom Lauf des Lebens handelte“, also auch etwas, was wahrscheinlich nicht sehr leicht zu verstehen ist.

Ich habe zwar meine ersten Gehschritte in die chinesische Literatur schon unternommen und dabei auch eine Entdeckung gemacht, die mich literarisch erleuchtete und Elfriede Czurda erklärte auf Florian Hubers Frage, wie sie dazu gekommen wäre, diese Fließtexte zu schreiben, auch, daß sie das Buch zu Hause liegen hatte, dachte, das müßte sie jetzt endlich lesen und dann kam es zu ihren Überschreibungen, wo mir der Satz „durch den Fluß waten im Winter braucht es dicke Socken“ hängen geblieben ist.

Elfriede Czurda ließ dann auch ein paar Textbeispiele austeilen, an denen man ihre Arbeitsweise nachvollziehen konnte und erzählte, daß sie ein Jahr lang in Japan gelebt hätte und offenbar auch Grundkenntnisse in Japanisch und Chinesisch hat.

Also doch sehr interessant, mich hat die chinesische Literatur ja auch schon ein bißchen zu faszinieren begonnen, obwohl ich mich da natürlich eher an die realistische halte und die auch eifrig sammle.

Herbert J. Wimmer hat aber, um wieder den großen Sprung an den Anfang zurückzumachen von Nathalie Sarraute auch eine DDR-Ausgabe erwähnt, aus der er gelesen hat.

Interessant, interessant von der anderen Buchmesse und meiner Entäuischung dort nicht gelesen zu haben, obwohl es gar keinen Slam mehr gegeben hat, wieder zu der „richtigen“ Literatur zurückzukommen und da war der Tag sehr literarisch, weil er mir drei Neuerscheinungen, zwei von „Residenz“ und eines von „Otto Müller“, nämlich Marlen Schachingers neues Buch brachte, sonst habe ich gerade mit Anna Kims, die eine Koreanerin ist, „Der sichtbare Feind“ begonnen, die zweieinhalb Seiten, die es von „Den Verwandlungen einer Bibliophilin“ schon gibt. korrigiert und Robert Eglhofer, der gute und schnelle, hat mir schon die Rezension der Anna geschickt, die man hoffentlich bald auf meinen Blog nachlesen kann, was mich wieder einmal darin verstärkte, daß man, wenn man will, auch meine Bücher rezensieren kann, ohne gleich vom Selbstgemachten, Rechtschreibfehlern und mangelnden Lektorat“ zu sprechen, der Wille macht das Werk, der war diesmal  da.

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