Literaturgefluester

2017-05-24

Erinnerungen an Hermann Hakel und Jochen Jungs Reime

Vom Centrope wo wir weiter Trojanows „Macht und Widerstand“ analysiert haben und ich meine Entdeckungen bei Marlene Streruwitz „Yseut“: „Das Präfix, das konnte alles herstellen. Das konnte alles aus einem Verb machen, Mit „ver“ Das war Zustandverständerung. Bewirken. Verhalten. Beurteilen. Verben des Tötens und des Verderbens wurden mit „ver“ gebildet. Das hatte sie doch vorgehabt.“, vorgetragen habe, ist es  gleich zu zweimal „Alte Schmiede-Veranstaltungen“ gegangen. Gab es doch da einmal eine „Stunde der Literarischen Erleuchtung“, wo Hans Raimund Hermann Hakels Lyrik und Prosa vorgetragen hat.

Und der heute wahrscheinlich ziemlich vergessene Hermann Hakel, der 1911 geboren wurde und vor dreißig Jahren gestorben ist, mit Erika Danneberg verheiratet war, die Zeitschrift „Lynkeus“, an die ich, lang lang ists her, auch was geschickt habe, war ja in den  fünfziger und sechziger Jahren neben Hans Weigel einer der Literaturpäpste oder Förderer junger Talente in Wien.

So hat Herta Kräftner, wie Dine Petrik meint, ihr Problem mit ihm gehabt und ich habe den von der Hakel- Gesellschaft nach seinem Tod herausgegebenen Band „Ein besonderer Mensch“, den es einmal in der „Gesellschaft für Literatur“ gab, gelesen und die von ihm herausgegebenen „Jiddische Gedichte„.

Der Sekretär, den ich vor kurzem auch schon in der „Alten Schmiede“ hörte, war wieder anwesend und hat auch die Hakel- Publikation der Gesellschaft zur freien Entnahme aufgelegt und Hans Raimund, auch ein Hakel Kenner, hat zu Beginn seiner „Gedächtnismomente“, die autobiografischen Notizen aus dem „besonderen Menschen“ gelesen, wo Hakel schreibt, daß er sich  für einen Durchschnittsdichter hält.

Er war wohl, wie auch Erika Danneberg erlebt haben mutß, auch ein schwieriger Mensch und hat sich mit allen oder jeden zerstritten und Hans Raimund hat ein paar Prosastücke, sowie ein paar seiner Gedichte vorgestellt.

Das gibt es eines auf die „Novaragasse“, wo der Dichter auch lebte und eines „Das jüdische Kind“, das laut Hans Raimund und Richard Kovavevic in vielen Anthologien und Schulbüchern abgedruckt war, obwohl sich Hakel sonst nie besonders zum Publizieren seiner eigenen Werke drängte.

Im Programm schrieb Hans Raimund etwas das Hermann Hakel ein konservativer Dichter gewesen sei, der es den heuten Lesern schwer machen würde und Kurt Neumann meinte, als er nach der Veranstaltung auf die Präsentation von Jochen Jungs Gedichtdebut hinwies, darauf, daß es Ahnlichkeiten zwischen beiden Werken geben würden und die waren dann, oh Staunen darin zu finden, daß Jochen Jung der Verleger, der seit einigen Jahren ebenfalls schreibt, „Wolkenherz“ habe ich gelesen und bei der Veranstaltung über die „Dichterbegegnungen“, die er ja reichlich hatte, war ich vor einem Jahr in der „Alten Schmiede“, plötzlich vermehrt zu dichten angefangen hat.

Kurt Neumann erwähnte in seiner Leitung, die verschieden Gattungsformen, die in den hundertvierzig Gedichten des bei „Haymon“ erschinenen Lyrikdebuts vorkommen, verwies auf Jandl und Shakespeare, als Vorbilder und auf die vielen Themengebiete mit denen sie sich beschäftigen würden und Jochen Jung erzählte , daß ihm in der Nacht, wenn er nicht schlafen könne die Textzeilen einfallen würden, er müsse sie dann sofort aufschreiben und hätte, die Gedichte mit seiner Lektorin alphabetisch geordnet.

Zu meinem Erstaunen waren die meisten der Gedichte gereimt und wirkten für mich daher eher konventoneller, als die von Hermann Hakel, aber mit fünfundsiebzig Jahren kann man sich, glaube ich, auch wenn man ein bekannter Verleger ist und sich mit Handke und Thomas Bernhard etcetera, befreudet war, mit dem Älterwerden und dem Tod auseinandersetzen und kann solche Gedanken auch in Reimform ausdrücken.

Ob ich oder ein anderer älterer Mensch, beziehungsweise ein Hobbydichter, dann einen Verlag dafür gefunden hätte, ist eine andere Frage.

Aber Jochen Jung hat ja schon mehrere Bücher bei „Haymon“ und nun den Gedichtband „Das alte Spiel“ herausgebracht und erklärte noch, daß es sehr schade wäre, daß sich sehr wenige Leser, Verlage, Kritiker etcetera mit Lyrik auseinandersetzen würden und nur die Leute Gedichte kaufen oder lesen, die selber welche schreiben.

Das tue ich nun nicht, lese aber öfter welche oder gehe zu diesbezüglichen Veranstaltungen und noch eine Neuigkeit habe ich zu vermelden, die vierzehn Auserwählten, die heuer beim Bachmannpreis lesen dürfen, wurden heute bekannt gegeben, von denen mir bei den Österreichern Karin Peschka, Ferdinand Schmalz und Barbi Markovic bekannt sind, deren „Superheldinnen“ ich noch lesen muß.

Von Verena Dürr habe ich in der „Auserlesen-Anthologie“ etwas gelesen und den Österreich-Armerikaner John Wray in Göttweig gehört.

Die anderen Autoren sind mir unbekannt, was ich aber demnächst sichr ändern wird.

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2015-08-11

Jiddische Gedichte

Filed under: Bücher — jancak @ 00:49
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Ganz genau weiß ich selber nicht mehr, woher ich das Bändchen „Jiddische Gedichte“ – übertragen von Hermann Hakel, herausgegeben von Armin Eidherr in der „Theodor Kramer Gesellschaft“ gemeinsam mit dem „Lynkeuas-Verlag“, 2001, habe, aber ich denke, es könnte von einem der Büchertürme bei „Rund um die Burg“ stammen und in mein Bücherregal gewandert sein.

Dann gabs das Buch über Hermann Hakel „Ein besonderer Mensch“ bei der „Gesellschaft für Literatur“ am „Zur freien Entnahme oder gegen eine kleine Spende-Tisch“, ich habs gelesen und dann die „Jiddischen Gedichte“ auf meiner Bücherliste eingetragen und nun auf dem sehr heißen Hochschwab-Wanderwochenende gelesen.

Ein besonderer Mensch, der 1911 in Wien geborene und 1987 dort gestorbene Hermann Hakel?

Nun ich glaube er war in den Fünfziger und sechzigerjahren in Wien neben Hans Weigel und Rudolf Felmayer sowas wie der Reich Ranicky für die Literatur, der Förderer junger Talente, wie Ingeborg Bachmann etc und die zwei oder drei Herren haben sich, glaube ich, auch über ihre Entdeckungen zerstritten.

Erika Danneberg, die ich im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ kennenlernte und die eine Zeitlang mit ihm verheiratet war, hat, glaube ich kein gutes Haar an ihm gelassen und Dine Petrik, die eine Biografie über Hertha Kräftner, auch eine seiner Schützlinge schrieb, hat das ebenfalls getan.

Ein autoritärer älterer Herr, der durch die Kriegserlebnisse, die Emigration nach Italien, etc, sehr geprägt wurde, denke ich und kann mich erinnern, daß ich in den Achzigerjahren auch einmal Texte an die von ihm herausgegebene Zeitschrift „Lynkeus“ geschickt und wie ich mich zu erinnern glaube, eine sehr freundliche und erklärende „Warum nicht-Antwort“ bekommen habe.

Hermann Hakel hat sich auch, wie Armin Eidherr, ein Mitarbeiter der Kramer Gesellschaft im Vorwort schreibt, sehr um das Judentum und die jüdische Literatur gekümmert, ist in den Neunzehnhundertzwanziger Jahren in die Bukawiner gereist und dann hat er auch „in der Hitler-Zeit in italienischen Anhaltelaggern viele Emigranten aus Polen, Bessarabien, der Ukraine und der Bukawina“ kennengelernt.

Er hat dann angefangen Gedichte aus der jiddischen Sprache ins Deutsche zu übertragen, wieviel genau er davon veröffentlicht hat, habe ich dem Vowort nicht so ganz entnommen, 2001 hat sich die Kramer-Gesellschaft gemeinsam mit Emmerich Kolovic, dem Hakel Nachlaßverwalter, der Übertragungen angenommen und ein sehr schön illustriertes Bädchen herausgegeben, in dem Gedichte von vierzig jiddischen Dichter und Dichterinnen enthalten sind, die zwischen  1862 und 1935 geboren wurden und von denen ich außer Marc Chagal, dem Maler und Itzig Manger niemanden kenne.

Die meisten entnehme ich den Lebensläufen sind nach Amerika emigirert.

Israel Stern 1884- 1942 ist im Warschauer Getto umgekommen. Von den meisten sind nur ein oder zwei Gedicht enthalten, von Chagall und einigen anderen auch mehrere.

Die meisten Gedichte gibt es nur in der deutschen Übertragung, bei einigen wird das jiddische Original gegenübergestellt, einen Lebenslauf des Autors gibt es am Schluß auch und die darin enthaltenen Begriffe, wie beispielsweise Sch´mah Jisroel, Schächter, Seder, etc werden genau erklärt.

Ein buch für Anfänger der jiddischen Literatur oder des Judentums, wie Armin  Eidherr in seiner Einleitung auch  meint und empfiehlt, daß man sich mehr mit der jiddischen Dichtung beschäftigen sollte.

Sollte man natürlich, sie wird vermutlich nich so einfach zu bekommen sein, mir ist eigentlich nur Josef Burg, der in dem Band nicht enthalten ist, vielleicht hat er keine Gedichte geschrieben bekannt und so habe ich mich recht begierig in die Gedichte der mir unbekannten und meist längst verstorbener Dichter gelesen und kann meinen Lesern hier auch nur ein paar Beispiele und den Ratschlag sich selber weiter mit den Dichtern zu beschäftigen geben, was man beispielsweise bei den Veranstaltungen der „Kramer Gesellschaft“ ein bißchen tuen kann.

„In den roten Tropfen tunk ich meine Feder“ so lautet auch der Titel des Buches, der nicht am Cover, aber auf der ersten Seite zu finden ist und das ist aus einem Gedicht von Rachel Fischman die 1935, also die jüngste der enthaltenen Autorinnen, in Philadelphia gaboren und 1984 in Israel gestorben ist, das „Sabbat“ heißt.

„In den roten Tropfen tun ich meine Feder, wünsch mir, eure Finger sollen brennen von der Sonne meiner Woche, von der Woche heiß und rot.“

Und dann hat mich, um in dem Buch wieder zurückzublättern Josef Rolnik, der 1879 in Weißrußland geboren und 1955 in New York gestorben ist, mit seinem dem jiddischen Romanschriftsteller Ejsik Raboj gewidmeten Gedicht sehr beeindruckt.

„Ich und der Dichter Ejsik Roboj sind Nachbarn Tür an Tür manchmal geh ich zu ihm, manchmal kommt er zu mir.

Nur Bretter sind zwischen uns beiden, ein wenig übertüncht und einer hört des anderen Schritt, ich rechts, er links.

Wir kennen einander von der Henry Street bald fünfundzwanzig Jahr. Wir waren eins, heut sagt man von uns: Das ist schon fast nicht mehr wahr.

Ich arbeite in einem Wörter-Stell und er bei „Seibl und Minx“. Ich bin und blieb ein bißchen rechts und er ist durchaus links.“

Durchaus interessant sich in eine unbekannte, wahrscheinlich leider längst vergangene Welt mit meist wahrscheinlich unbekannten Dichtern und Dichterinnen, die aus Polen, Weißrußland, der Bukowina, etc stammen, einige wurden auch von Stalin hingerichtet, die meisten sind, wie erwähnt in New York gestorben und viele haben Bücher und Gedichtbände veröffentlicht, die wahrscheinlich inzwischen ebenfalls unbekannt und vergriffen sind.

Sicherlich ein Verdient Hakels sich damit zu beschäftigen, zu übertragen und herauszugeben, wie autoriär und frauenfeinlich er vielleicht sonst noch war und auch ein Verdienst der „Theodor Kramer Gesellschaft“, die Gedichte  herauszugeben, die jetzt lange ungelesen bei mir herumgelgen sind, ich jetzt aber einen wahrscheinlich nicht zu kleinen Eindruck davon mitnehmen konnte, aber natürlich muß man auch hier mehr und weiterlesen, in der Zeitsschrift „Zwischenwelt“, die ich regelmäßig zugeschickt bekomme, kann man das auch ein bißchen tun.

 

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