Literaturgefluester

2021-01-27

Brüchige Zeiten

Daß er einen Roman über die Identitären schreiben will, hat mir der 1950 bei Seewalchen am Atterseee geborene Luis Stabauer, inzwischen GAV-Mitglied, vor ein paar Jahren beider „Literatur im Herbst“ im „Odeon“ erzählt. Da habe ich „Vor dem Frühstück kennt dich keiner“, gschrieben oder geschrieben gehabt und Luis Stabauer davon erzählt, er hat mir, glaube ich, auch eine Rezension dazu geschrieben und jetzt ist sein Roman darüber erschienen.

Das heißt, das stimmt nicht so ganz, erschienen ist er, glaube ich, schon im August und im September hat mir Luis Stabauer den Programmkalender seiner Buchvorstellungen gschickt. Er hätte es, glaube ich, auf der Buch-Wien tun sollen, die gab es aber bekanntlich nicht. Die Buchpräsentation des „Hollizter-Verlages“ wird stattgefunden haben. Da habe ich mich auch angemeldet, aber mit Maske gehe ich, eh schon wissen, nirgends hin. Ich habe das buch angefragt. Es hat dann etwas gedauert, bis es zu mir gekommen ist und da war ich noch mitten im „Buchpreis“ lesen, so daß ich erst jetzt dazu gekommen bin, was aber in Zeiten der Lockdownverlängerung, der Angst vor der neuen Virus-Variante gar nichts macht, denn das Buch ist und das ist eine Überraschung eines, das sowohl die Covid-Pandemie erwähnt, als auch bis in das Jahr 2026 geht,was ist es also vom Genre her?

Am Büchrücken steht etwas vom „Europäischen Entwicklungsroman“ Ich würe es Politfiction und utopischen Roman nennen und richtig, ein bißchen von der Realität weg, ist es auch und wieder zuviel hineingepackt wahrscheinlich und das wurde ja auch in der GAV-GV diskutiert, als es um seine Aufnahme ging. Einen Tag später habe ich ihn im Amtshaus Hietzing bei einer alternativen Buchmesse zu der mich Andrea Stift aufmerksam gemacht habe, kennengelernt, da habe ich ihm einige Bücher abgeschnorrt, inzwischen auch noch einige, fast alle wahrscheinlich, gelesen und denke, daß die „Brüchigen Zeiten“ wohl das professionellste Werk Luis Stabauer ist, obwohl ich am Schluß wieder einmal etwas verwirrt dastand. Denn es geht in dem Buch um sehr viel und es fängt sehr realistisch an.

Da ist eine Lehrerin, Lucia, mit spanischen Wurzeln, links engagiert, hat aber einen eher rechten Mann geheirater und von ihm den Sohn Fabian bekommen, der ja, was ich sehr spannend finde, wie mein Identitärer heißt.

Wenn das Buch beginnt ist Fabian achtzehn, steht vor derMatura und Lucia hat ihn hinausgeschmissen, weil sie in seinem Zimmer ein Plakat der Identitären entdeckt. Das stimmt wieder nicht so ganz, das Buch beginnt, als Lucia in die Vollzugsanstalt Schwarzau eingeliefert wurde, denn sie hat die Wotruba-Kirche besetzt, die abgerissen werden soll. Aber vorher hat sie noch in ihrer Schule Schwierigkeiten bekommen, ihren Job hingeschmissen und ist mit einem Wohnmobil nach Spanien und Heidelberg ausgebüchst, um dort die politische Lage zu studieren. Da gerät sie in die Fänge eines Burschaftlers. Sie läßt zwei russsische Spitzel auch auf einer Tankstelle stehen und,als ihre Ehe geschieden wurde und ihr Sohn vierzehn war, hat sie zugestimmt, daß er in einem Internat erzogen wird. Dort geriet er in die Fänge der Burschenschaftler, hat aber später wegen seiner linken Mutter Schwierigkeiten in diese aufgenommen zu werden. Mitglied der Identitären ist er aber schon und Mitarbeiter im Bundeskanzleramt und dort gibt es einen Kanzler namens Manfred Bloomberg mit einer persönlichen Ministerin, die Martha Prauneis heißt und spätestens da wird es ein bißchen futristisch, obwohl das Ibizia-Video erwähnt wird, die Übergangsreagierung und dann auch die Pandemie, aber dann gehts in die Zukunft hinein. Die EU wird aufgelöst und durch eine Edel-Organisation ersetzt und Lucia hat sich, als sie aus dem Gefängnis entlassen wird und dabei einige Klausel untershreiben muß, nach Sofia abgesetzt. Nimmt dann wieder Kontakt über Katzen-Videos und Träume zu Fabian auf und kehrt wieder nach Österreich zurück und da geschieht dann das große Wunder, der „böse“ Fabian kündigt seinen Job beim Bundeskanzleramt, geht eine Beziehung zu einem kinshasischen Fußballer ein und mit seiner Mutter hat er sich schließlich auch versöhnt.

Wo setzt meine Verwirrung ein, könnte man nun fragen. Nun, als es in die Zukunft geht. Luis Stabauer zeichnet da am Schluß ein Szenario mit Robotern und futuristischen Autos und ich dachte, interessant, jetzt haben wir Anfang 2021, was ist, wenn ich das Buch 2026 lese, wo ich dann weiß, wo die Reise hingegangen ist?

Wie futurustisch oder veraltet wird das Buch dann sein? Und Corona ist dem Luis wohl auch dazwischen gekommen, da wir ja derzeit keine Ahnung haben, wohin uns die Corona-Reise noch führen wird und Luis Stabauer hat diese Krise, da er das Buch ja schon früher geschrieben hat, nur andeuten können.

Auf jeden Fall ist aber interessant und ich bin auch gespannt, wie es weitergeht.

2020-04-21

Wo dein sanfter Flügel weilt

Filed under: Bücher — jancak @ 00:13
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Jetzt kommt wieder ein Krimi, die Corona bedingten Krisenzeiten scheinen sich bei mir, was sicher ein Zufall ist, in vielen Krimis auszudrücken, die ich von den Verlagen zugeschickt bekomme und Spannung, beziehungsweise Ablenkung kann in Zeiten, wie diesen sicherlich nicht schaden, so geht also von Argentienien der neunzehnhundertdreißiger Jahre gleich wieder in das Wien von vor zehn Jahren, in das musikalische Wien und die Klischees von Mozart und Schubert.

Ein musikgeschichtlicher Kriminalroman steht am roten Cover von Sebastian Themessls „Wo dein sanfter Flügel weilt“ und der ist ein Komponist, der uns mit seinem Krimi vielleicht auch ein bißchen in die Irre führt, oder die Musikgeschichte in einen Politthriller zu verpacken versucht, der von Amerika zuerst nach Wien, dann nach Moskau und schließlich sogar, weilch ein Zufall nach Argentinien geht und von Matetee ist beispielsweise in beiden Büchern die Rede.

Aber wieder schön der Reihe nach, das bei diesem umfangreichen vierhundert Seiten Buch des „Hollizter Verlag“s, den ich  von den Büchern von Luis Stabauer und Doris Fleischmann kenne, das von  hundersten ins tausendsten und quer durch die Geschichte und die Welt schön von Verschwörungstheorien und politischen Ansichten gespickt gar nicht so klar zu verstehen ist.

Da gibt es einen Philip Mason, das ist ein amerikanischer Musikwissenschaftler, der eine Dissertation über die Verbindung zwischen Mozart und der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung schreiben will und dazu nach Wien fliegt.

Er quartiert sich bei einer quirligen alten Dame namens Sophie Witting ein, die ihn durch Wien und in die Oper und in Konzerte schleppt. Dort hört er sich den „Don Giovanni“ an. Eine ukrainische Studentin namen Natalja lernt er auch kennen. Mit ihr geht er, glaube ich, in den Musikverein und da macht er eine Entdeckung.

Nämlich auf eine eher unbekannte und auch umdatierte Schubert- Symphonie. die am Schluß mit Stellen aus dem „Don Giovanni“ und der „Ode an der Freude“ endet.

Das veranlaßt zu Spekulatonen. So macht er sich auf die Suche nach dem guten Stück und entdeckt ein schreckliches Geheimnis. Nämlich, daß alle Musikwissenschaftler bis in die vorigsten Jahrhunderten, die an dieser Sachen arbeiteten, ermordet wurden oder gewaltsam verstorben siond.

Verschwörungstheorien gibt es, wie schon erwähnt, in dem Buch auch zu Hauf oder, die leicht lockere Diskussion darüber, die sich die Studenten, die in Nataljas Wohngemeinschaft leben, meist am naschmarkt geben.

Denn da gibt es  ein paar amüsante Nebengeschichten, zum Beispiel die von der Künstlerin, die in der Galerie, wo sie ein Bild ausgestellt hat, auf dieses pisst und es zerstört und dieses Happening, das zwar den Galeristen entsetzt, ins Internet stellt und die alte Dame bei der Phil wohnt, bekommt Besuch von Verwandten aus Argentinien. Da kommt nämlich ein junger Mann namens Rubens Abrahamovc, der eine Jüdin heiraten will. Das aber erst kann, wenn er ihren  Eltern seine jüdischen Wurzeln, also den Nichtariernachweis bringt. Dazu muß er die jüdische Gemeide aufsuchen und was er fährt er?

Er ist kein Jude, seine Vorfahren wurden nur von einem Rabbi adoptiert. Aber das ist nur ein Detail am Rande. Wahrscheinlich, um das Buch dicker zu machen, dessen Handlungsstränge, wie man bemäkeln könnte, sonst vielleicht  ein wenig schmal oder zusehr an den Haaren herbeigezogen scheinen könnte.

Denn jetzt geht es nach Moskau, immer auf den Spuren der Symphonie oder der Schicksale derer, die daran forschten. Es geht in jenes Archiv, in dem die Naziakten schlummern, das wohl schon Eugen Ruge besucht hat oder ist es ein anderes? Das von Sebastian Themessl ist jedenfalls geheimnisvoller und gewaltsam geht es darin auch zu, denn Philip und Nadalja werden verfolgt. Von der Polizei oder den Geheimangenten gejagt, können die wertvollen Akten zwar abfotografiert werden. Das Hotelzimmer wird aber durchsucht und Nadalja während der Rückfahrt nach Wien im Zug ermordet.

Im dritten Teil des Buches ergreift Adam Mason, der Bruder des Helden von dem schon am Anfag  in einem Brief die Rede ist, das Wort, denn ich habe noch vergessen, daß in dem geheimen Archiv in Moskau ein Kürzel, das sich auf  „House of Denmark“ übersetzen läßt, auftaucht und das ist eine geheime Freimaurer- oder sonstige Orgainsation, die die Fäden in der Hand hält, die Musikmwissenschaftler, die auf den Spuren Schuberts forschten, töten ließ, aber auch auf der Welt den Kapitalismus verbreiten will.

Phil hat also seinen Bruder nach Wien beordert, damit er ihm hilft, die Sache aufzuschreiben und so begibt er sich mit ihm nach Argentinien, um weiter in den Archiven zu forschen. Da geht es in dieKolonie, wo der Schwager Nietzsches, den neuen deutschen Menschen züchten wollte und, wo sich später dann auch die Nazis, wie beispielsweise der berühmt berüchtigte Dr. Mengele hinflüchtete, dort ist aber eigentlich nichts los. Die Spur führt ein paar Orte weiter, dort gibt es wieder so ein  Geheimarchiv und dort trfft Phil dann gleich einen alten Bekannten, nämlich einen abgesandelten Ministerialrat und Museumsdirektor, den er schon in einer Wiener Kneipe kennenlernte, der sich als der Kopf des Geheimbundes entpuppte.

Phil wird ermordet. Der Bruder schreibt die Geschichte auf und wir haben wohl den Versuch gelesen, die Musikgeschichte in einen spannenden Krimi zu verpacken.

Manches ist dabei, wie ich auch in einer Rezension lesen konnte, wohl an den Haaren herbeigezogen. Spannend und unterhaltsam ist es wahrscheinlich allemal. Obwohl es wahrscheinlich schon stimmt, daß man die Genres nicht, wie die Äpfel und die Birnen durcheinandermischen soll. Aber Obstsalat möchte ich vielleicht anmerken, schmeckt wahrscheinlich auch sehr gut.

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