Literaturgefluester

2016-12-05

Ilse Aichinger Hommage, versäumtes DichtFest und mehr denn je vdB

Ilse Aichingers fünfneunzigster Geburtstag wurde am ersten November gefeiert. Die 1921 geborene Autorin, die mit der „Größeren Hoffnung“ bekannt geworden ist, trat ja schon lange nicht mehr öffentlich auf.

Als bei der „Edition Korrespondenzen“, 2001 oder so, einige ihre Bände,  herausgekommen bin, war ich bei einer Veranstaltung, ich glaube, in der Felderstraße und habe mir, stat dem Buch, das ich mir dann vom Alfred zu Weihnachten schenken ließ, das Verlagsprogramm signieren lassen, womit ich einige böse Blicke erntete.

2001, nach nine elfen, war sie, glaube ich, auch einer der ersten, die darüber geschreiben haben und beim „Rund um die Burg“ hat sie da, ich glaube, im Ramen des „Literaturhauses“ daraus gelesen.

Vor ein Uhr Mittag, die zittrige kleine Frau, die die Uhrzeit ein wenig überzog, um eins füllte sich das Zelt plötzlich mit älteren Damen, die etwa fünf Minuten später „Wir wollen den Grieser hören!“, schrien und nicht zu bremesen waren, als ich ihnen sagte, daß da wohl die berühmteste zeitgenößigsche österreichische Autorin am Podium saß.

Die wollten sie nicht hören und als sie fertig war, erschien Dietmar Grieser mit seinem neuen Buch, stellte es den Begeisterten vor und ich dachte mir, daß er vielleicht einmal hier sitzen und ein Kapitel über Ilse Aichinger lesen wird und alle hören ihm andächtig zu.

Diese Geschichte habe ich ihm auch einmal erzählt und er hat mir, glaube ich, geantwortet, daß er geduldig gewartet hätte, bis er an der Reihe war.

Ilse Aichinger ist dann später krank geworden, ein Pflegefall und nicht mehr zu ihrer Hommage bezüglich des neunzigsten,  auch nicht mehr ins Kono und ins Kaffeehaus gegangen und, um den fünfundneuzigsten waren die Ö1 Programme auch voll von den Hommages an sie.

Als wir am ersten November von Harland nach Wien zurückgefahren sind, gab es gerade die „Größere Hoffnung“ im Radio. Ein Buch, das ich als Studentin gelesen habe und jetzt erst erkannte, wie sprach experimentell und ungewöhnlich es eigentlich ist.

Als ich bei der „Buch Wien“ endlich beim „Bücherquizz“ antratt und offensichtlich so nervös war, daß ich statt des Büchergutscheins, nur die Trostweinkiste gewonnen habe, wurde nach ihr gefragt.

Das Hörspiel „Knöpfe“ habe ich erkannt, denn das hat mir meine entfernte Cousine Elisabeth einmal zum Geburtstagsfest gebracht, dafür den Clemens mit den Günther Eich verwechselt, den Sohn mit dem Vater und als ich am Freitag darauf zum Stand des Hauptverbandes kam, um mich mit den „Ohrenschmaus-Leuten“ zu treffen, erfuhr ich die Nachricht, Ilse Aichinger ist gestorben.

Zum Geburtstag hat es eine Reihe von Veranstaltungen gegeben, die dann zu einer Totenfeier wurden.

Die in der „Alten Schmiede“ habe ich wegen der Hilde Schmölzer versäumt. Die Ruth ist dort gewesen und heute hätte ich wieder eine große Auswahl an Veranstaltungen gehabt, weil wieder der „Umgang durch den siebenten Bezirk“, aber auch das Archivgespräch im Literaturmuseum und Elisabeth Wandeler-Deck hat mir ein Mail geschrieben, daß sie in der „Alten Schmiede“ beim Dichtfest liest und da gab es ja schon einmal eine Doppelveranstaltung, wo ich gerade noch beim vorletzten Leser und nachher zum Glas Wein zurecht gekommen bin. Das läßt sich wiederholen, habe ich gedacht und Elisabeth Wandeler-Deck diesbezüglich gemailt und dann war es im Literaturmuseum, als ich kurz vor sieben dort eintraf, weil ich mir vorher noch eine neue Batterie für meine Uhr holen mußte, sehr voll.

Aber zum Glück hatte meine Hauptschulkollegin Christa Unterauer, die ich öfter bei solchen Veranstaltungen treffe, den Platz neben sich frei und dann gab es ein tolles Programm zum fünfundneunzigsten Geburtstag beziehungsweise zum Gedenken.

Die Burgschauspielerin Anne Bennet las Gedichte und ein Stück aus der „Größeren Hoffnung“, Pamelia Stickney spielte dazu auf dem Theremin, dann gab es eine Gesprächsrunde mit Andrea Winkler und den Literaturwissenschaftlerinnen  Christine Invovic und Vivian Liska. Ronald Pohl hätte moderieren sollen, war aber krank, so wurde er  vertreten und die drei Diskutantinnen stellten jeweils ihren persönlichen Zugang zu der berühmten Dichterin vor.

Vivian Liska begann mit zwei kurzen Texten aus den „Kurzschlüssen“, wo die Aichinger durch Wien, üer den Stephansplatz, in die Judengasse, etcetera geht und die Germanistin erklärte genau den literarischen Bezug.

Die Sprachkünstlerin Andrea Winkler zietierte die „Notizen“ aus „Kleist, Moos Fasanew“ und Christine Ivanovic deren Studentenprojekt ich, glaube ich, schon in der „Gesellschaft für Literatur“ hörte, kam wieder mit dem „Dover-Text“.

Sie scheint auch eine wahre Aichinger Expertin zu sein, erzählte von ihrem Leben und ihrem Aufenthalt in Ulm, wo sie mit  Inge Scholl in Kontakt kam und meinte in der Schlußrunde, daß man sich mit Ilse Aichinger ganz beschäftigen müsse, weil das Halbe, also das Anlesen nicht reiche.

Es war auch eine Diskussion auf sehr hohen Niveau. Ich habe ein etwas niederes und so ist auch mein oben geschilderter Zugang zu der berühmten Dichterin und diese Veranstaltung hat ein bißchen länger, als die letzte gedauert, so daß ich diesmal wirklich nur zum Wein in die „Alte Schmiede“ gekommen bin.

Elisabeth Wandeler-Deck und Gerhard Jaschke, die ich versäumte begrüßte und ein bißchen Wein getrunken habe und noch etwas gibt es außer auf den Hinweis zu meinem Adventkalenderfenster bezüglich der „Nika, Weihnachtsfrau“ zu erwähnen.

Wir haben juchu, fast zum Krampus einen Nikolo bekommen und mehr denn je, vdB, statt der vorherigen angezweifelten dreißigtausend Stimmen sind es dreihundertfünfzigtausend geworden oder 53,79%

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2016-04-14

aichinger- digital human

Ein „Ilse Aichinger-Symposium“ in der „Gesellschaft für Literatur“, das erste, wie Manfred Müller in seiner Einleitung erzählte, Vorträge und Lesungen hätte es aber schon gegeben.

Die erste im Dezember 1965, da hat sie aus „Eliza Eliza“ gelesen.

Das habe ich natürlich versäumt, war aber schon bei Aichinger Veranstaltungen in der „Alten Schmiede“ und einmal, glaube ich, in der Beamtenversicherung, da hat sie noch selbst gelesen, vor circa zehn Jahren oder etwas länger und da habe ich mir auch das „Edition Korrespondenzen Heftchen“, wo ihre Publikationen angekündigt waren, signieren lassen.

Jetzt tritt Ilse Aichinger nicht mehr öffentlich auf, dafür gab es aber ein großen Foto von ihr vor dem Vortragspult und das „Aichinger Symposium“, das am Donnerstag und Freitag in der Herrengasse stattfand wurde, von Christine Invanovic konzipiert, die ist Professorin der Komparatistik und das „Symposium“ ist ein Studentenprojekt, deshalb waren auch sehr viele junge Leute da.

Drei von ihnen haben am Vortragspult Platz genommen und es begann mit einem Film aus dem Jahr 1965 „Bücher beim Wort genommen: Schlechte Wörter“, den Johannes Schlebrügge und Ulrike Voswinckel im Haus der Dichterin in Großgmain, wo sie damals lebte, drehte.

Es ging um das Buch „Schlechte Wörter“ und die noch sehr jung wirkende Ilse Aichinger las daraus den Text „Dover“: „Wult wäre besser als Welt.  Weniger brauchbar, weniger geschickt…“

Dann ging sie einen Wiesenweg hinunter und erklärte, wie bei ihr das Schreiben funktioniere. Der erste Satz muß stimmen, mehr weiß sie nicht, aber wenn sie den hat,  läßt sie sich treiben und der Text entsteht und bei den Figuren ist das ähnlich.

Erstaunlich,  von einer eher experimentellen Dichterin, mit einer Stimme, wie sie heute Valerie Fritsch hat, schon  1976, das zu hören, was heute in jedem Schreibgeberratbuch lesen kann und im Anschluß an den Film lasen die drei Studenten, den Text nochmals vor und diskutieren mit dem Publikum eineinhalb Stunden darüber, wie man ihn verstehen kann.

Ich habe ja Ilse Aichinger so verstanden, daß ihr Schreiben ein Assoziationsfluß ist, also aus dem Unbewußten kommt, interessant also die Deutungen der Studenten und interessant, sozusagen live eine Proseminar zu erleben oder sich vorzustellen, wie das Studieren heute geht.

Dann gabs eine Pause und dann ist es mit „Ilse Aichinger und der Film“ weitergegeangen. Alexander Horvath, der mit ihr befreundet war, hat dazu einen Vortrag gehalten,  Ilse Aichinger ist ja sehr lange jeden Tag ins Kino gegangen und hatte vor zehn oder fünfzehn Jahren auch einen diesbezügliche „Standard Kolumne“.

Im Anschluß daran hat Anne Bennent Aichingers Gedichte gelesen und am Freitag geht es weiter mit dem Syamposium. Ich bin aber schon nach der Pause, in der ich mich sehr lang und sehr intensiv mit dem „Korrespondenz-Verleger“ Reto Ziegler, der auch mit Ilse Aichinger befreudet ist und der sich jede Woche besucht, unterhalten, gegangen, weil ich  mit dem Alfred nach Krems zum achtzehnten „Literatur und Wein- Festival“ gefahren bin und das Wochenende auch in St. Pölten, beziehungsweise Krems und Göttweig bleiben werde.

Ergänzend ist vielleicht noch hinzuzufügen, daß es  bei dem Symposium auch um Orte, beziehungweise Verortungen geht, deshalb auch der Text „Dover“ und deshalb gab es auch eine Fotoausstellung mit Bildern von den Studenten, an der Stelle, wo sonst die Fotografien von Hertha Müller, Friederike Aichinger, Gert Jonke hängen und digital:human heißt das  Studentenprojekt wahrscheinlich, weil sich die Studenten auch im Internet damit beschäftigen und da sozusagen ein „Aichinger-Haus“ eingerichtet haben.

 

2015-09-14

Prolog zur 41. literarischen Saison

Die „Alte Schmiede“ hat wieder ihre Pforten eröffnet, das heißt nicht echt und mit Live-Autoren, das wird erst am Mittwoch mit einer Ausstellung und einem Zwischenbericht des Jubiläumsprojekt zur Frage „Was ist gute Literatur?“, was ich ja schon sehr lange  wissen will, passieren.

Heute gab es „Momentaufnahmen- Kostbares aus dem Archiv“, nämlich zwei Videos aus dem „Club Poetique“, eine Veranstaltungsreihe mit der GAV, die es lange gegeben hat

Annalena Stabauer und Johannes Tröndle stellten zwei Veranstaltungen aus den Jahren 2003 und 2005, Aufnahme und Schnitt August Bisinger, vor und begonnen hat es mit einer Grande Dame der Literatur, nämlich Ilse Aichinger und mit ihren Werken wurde ja schon 2010 die Saison eröffnet.

Sie hat, glaube ich, auch bei der Eröffnung in den Siebzigerjahren gelesen,  eine Hommage zum neunzigsten Geburtstag gab es auch und 2003 las sie aus dem Gedichtband „verschenkter rat“ und danach folgte eine Tonaufnahme aus dem Jahr 1980, wo Erich Fried beim fünften internationalen Autorenseminar eines ihrer Gedichte kommentierte.

Alles Veranstaltungen, die ich versäumt habe, obwohl ich ja sehr regelmäßig und eigentlich von Anbeginn an in die „Alte Schmiede“ gehe und auch im April 2005 war ich nicht dort, als Peter Rühmkorf etwas über den „Reim“ erzählte und dann  solche las

Peter Henisch und einige anderen haben das getan und kommunizierten auch, wie man sehen konnte, mit dem sehr erzählfreudigen Autor, der, wie Johannes Tröndle in seiner Einleitung betonte, damals das letzte Mal in der „Alten Schmiede“ gelesen hat, ist er ja 2008 gestorben und ich kann mich überhaupt nicht erinnern, jemals bei einer seiner Lesungen gewesen zu sein.

Schade also und sehr interessant, das jetzt nachzuholen und morgen, wo wir unseren Kassenpsychologen-Jour fixe haben werden, gibt es  den zweiten Teil und zwar liest da Elfriede Gerstl aus der „Wiener Mischung“, denn da geht es um die „Grundbücher“,  ein Mitschnitt von 2007 und dann kommt Andreas Okopenko an die Reihe, da wurde das Grundbuch „Lexikon einer sentimentalen Reise zum Exporteurtreffen nach Duden“ von 26. 3. 2007 vorgestellt.

Bei beiden Veranstaltungen war ich, glaube ich, auch nicht, aber bei mehreren Gerstl-Lesungen und auch von denen von Andreas Okopenko und ich bin auch auf beiden Begräbnissen gewesen.

Dann geht es Mittwoch los mit der Ausstellungseröffnung „100 Bücher, die unmittelbar oder mittelbar aus dem Literaturprogramm der „Alten Schmiede“ hervorgegangen sind“.

Die konnte man schon heute im Foyer beziehungsweise Zeitschriftensaal bewundern und einige davon habe ich auch in meinen Regalen und vorher bin ich wieder durch den „Morawa“ , nachzusehen, welche LL-Bücher ich dort finde.

Es gibt von den Büchern, die ich noch nicht habe, den Ulrich Peltzer, der offenbar so schwer zu lesen ist, daß ihn die Blogger reihenweise abbrechen, obwohl ich mich zu erinnern glaube, daß Sigrid Löffler einmal sehr bedauerte, daß es einer der Peltzer-Romane nicht auf die LL geschafft hat, dann den Clemens Setz, der tausend Seiten hat und offenbar auch nicht leichter zu lesen ist, jedenfalls gibt es im Internet eine betreute Lesegruppe, die sich eine Welte mit dem Werk beschäftigt und dann glaube ich noch den Rolf Lappert, wenn ich mich recht erinnere.

Aber ich muß wahrscheinlich ohnehin nicht Buchhandlungslesen gehen, denn der liebe Otto hat mich gestern angerufen und mir gesagt, daß er  alle Bücher hätte, jetzt müssten wir uns nur noch treffen, damit ich die sieben Bücher, die mir noch fehlen abholen kann.

Zehn habe ich bis jetzt, wo fast Halbzeit ist, die Shortlist wird übermorgen bekanntgegeben, gelesen und halte jetzt bei der Valerie Fritsch, die mich allerdings, ich schreibe es gleich, auf den ersten fünfzig Seiten etwas enttäuschte, aber wahrscheinlich habe ich mir zuviel erwartet, wird ihre Sprachkraft ja überall gelobt und ich habe mit den Worträuschen ja immer meine Schwierigkeiten und diese hier dürften, wieder etwas „antiquiert und altmodisch“ klingen, was mir auch schon beim Bachmannlesen aufgefallen ist.

Die „Alte Schmiede“ war heute übrigens eher dünn besucht, Dine Petrik, Julian Schutting und Christian Katt habe ich aber gesehen.

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