Literaturgefluester

2017-10-26

Liebwies

Jetzt komme ich zu den Debuts der österreichischen Buchpreisliste und habe da als erstes Irene Diviwak „Liebwies“ gelesen, der erste Roman, der 1991 in Graz geborenen, von der ich ja schon einen kleinen Ezählband gelesen habe, der in den Blogs sehr gelobt wurde. Dann habe ich daraus beii den O Tönen gehört, bin neugierig geworden und war jetzt auch bei der Debutlesung, wo in der Bibliothek der Arbeiterkammer, die drei nominierten Bücher präsentiert wurden.

Da hat, ich war gerade mittendrin im Lesen, Ute Weiner, die Moderatorin, die Autorin gefragt, ob das Buch eine Parodie wäre?

Irene Diwiak hat das entschlossen verneint und gemeint, es gehe um den Kulturbetrieb und, um die Frage, warum der eine Erfolg darin hat und der andere nicht und die Handlung hat sie deshalb in die Zwischenkriegszeit verlegt, weil sie sich dafür sehr interessiert.

Ich habe das Buch jetzt ausgelesen und denke es ist eine Parodie und war eine, die es ganz besonders in sich hat und Irene Diwiak gehört höchstwahrscheinlich zu den hochbegabten Jungautorinnen, die gar keine Schreibschulen nötig haben, weil sie gleich ihren eigenen unverwechselbaren Stil einbringen und das scheint Irene Diwiak, die den Roman unter dem titel „Der Klang der Frauen“ herausbringen wollte, der Verlag war dagegen wunderbar zu verstehen.

Zwar würde sie wenn die das Manuskript bei Wolfgang Tischer vom Literaturcafe für den Blogbuster eingereicht hätte, keine Chancen haben, weil ihr Buch hat nicht nur einen Prolog, sondern auch einen Epilog und sonst vier Teile hat und das will der ja nicht, hat der auf Frankfurter Buchmesse gesagt und würde solche Manuskripte gleich in den Mist werfen.

„Deuticke“ sieht das zum Glück anders und Irene Diwiaks Debut ist wahrscheinlich auch deshalb so ungewöhnlich, weil es noch unverfälscht ist und der Kitsch haarscharf neben der starken Skurilität liegt, mit der sie ihre Charaktäre zeichnet.

Es ist nicht alles logisch in dem Buch und wäre ich  schon bei der Lesung  damit fertig gewesen, hätte ich die Autorin einiges fragen können, so zum Beispiel warum Ida August Gussendorff geheiratet hat, wenn sie doch voll lesbisch und offenbar auch sehr selbstbewußt ist.

Aber sonst glänzt das Werk durch seine Skurrilität und die Zwischenkriegszeit ist, glaube ich, die ich ja auch sehr viel über diese Zeit gelesen habe, gut gezeichnet.

Es ist nicht alles, wie es scheint, hat Daniela Strigl, das Buch, glaube ich, bei den O-Tönen vorgestellt. Die gefeierte Sängerin kann nicht singen und die Oper, die sie berühmt machte, wurde eigentlich von der Frau des vorgeblichen Komponisten geschrieben und das steht auch im Prolog,  beziehungsweise Epilog, woran man sehen könnte, daß manchmal ein solcher doch nicht so unwichtig ist und dann geht es hinein in das Jahr 1924, nach dem verlorenen Krieg und ka kommt ein Musiklehrer mit einer halben Nase zurück, die Frau hat ihn betrogen, die Stelle in dem Gymnasium, gibt es nicht mehr und er zieht aufs Land, in ein Dörfchen namens Liebwies und das ist die Stelle, wo der Roman eigentlich beginnt.

Das ist, glaube ich, auch die Spezialität Irene Diwiaks, daß sie in ihre Teile Figuren einführt, wo man erst später begreift, wozu sie eigentlich wichtig sind. Der Erfinder beispielsweise, der Idas Geburt miterlebt, weil er offenbar sowas, wie das SMS erfunden hat und das Idas <Mutter, einer energischen Fabrikantin und voll häßlichen Frau, das sind auch so die Merkmalen von Irene Diwaks Figuren, verkaufen will oder die Madamme Femina, die eigentlich ein Herr Mann ist.

Der Lehrer kommt jedenfalls in das verschlafene Dörfchen und braucht drei Tage Fußmärsche bis dorthin, sieht in der Volksschule, wo er sich anstellen läßt, ein abgrundhäßliches blindes Mädchen mit einer wunderschönen Stimme, in die er sich gleich verliebt.

Das wird auch sehr skurril geschildert. Er schreibt seinen Freund Wagenbach, den  Kulturkritiker an und lädt ihm zu einem Konzert ein, damit er seine Schülerin fördern kann. Dann kommen ihm aber Zweifel und er holt die bildschöne Schwester der häßlichen Karoline, das ist eben jene Gisela, die nicht singen kann, damit Wagenbach gleich den Unterschied merkt.

Das geht aber schief. Denn Wagenbach verliebt sich in Gisela, weil sie ihn an seine verstorbene Frau erinnert und hört gar nicht zu, wie sie singt, sonder nimmt sie gleich mit nach Wien oder in die Stadt, wo die Handlung spielt. Ein Name wird da, glaube ich, nicht genannt. Schleppt sie  zum Vorsingen in ein Konserervatorium und erpresst den jüdischen Impressario sie zu unterrichten. Der tut das und braucht nun eine Oper, wo eine Sängerin die Hauptrolle hat, die nicht singen muß. Die gibt er dem Dichter August Gussendorff in Auftrag, der eine solche komponieren will, obwohl er das auch nicht kann.

Man sieht, es ist sehr kompliziert und und Irene Diwiaks Buch hat wieder Stoff für hundert Bücher, denn der, ein Sechzigjähriger hat die unscheinbare Ida, die Tochter jener Fabrikantin geheiratet, die lesbisch ist und komponieren will. Der verbietet der Ehemann natürlich als Erstes das Komponieren. Sie fügt sich und tut es heimlich weiter. Sie ißt dann auch nichts und das erscheint mir unlogisch in seiner Übertriebenheit, denn eigentlich ist diese Ida ja eine selbstbewußte Frau und hat den Komponisten freiwillig geheiratet.

Aber das bietet natürlich Stoff für weitere Skurriliät. So taucht auch noch die Köchin Rosl auf und am ende bleibt Gussendorf nichts anderes über, als seiner Frau die Noten, die natürlich doch komponierte, zu steh.en und sie für seine Oper auszugeben.

Da kommen wir schon zum nächsten Teil. Die Oper „Die stumme Gräfin“ wird aufgeführt. Alle sind von der Schönheit der Sängerin, die nicht singen kann, fasziniert. Die Oper wird berühmt. Gisela Liebwies, wie sie nun gennant wird, auch und Ida, die schon ein Verhältnis mit einem Diensttmädchen hatte, weshalb sie ja von ihrer energischen Mutter auch verheiratet wurde, verliebt sich in sie, schreibt ihr Briefe, trifft sich in Cafes und geht mit ihr, ihr Mann ist inzwischen verstorben auf eine Reise.

Da wird sie als sehr herzlos geschildet. Sein Tod interessiert sie nicht. Sie verreist mit Ida nach Deutschland und verkehrt dort mit ihr in einem Transvestitenlokal. Sie würde mit Gisela dort ewig bleiben. Aber die zieht es in die Stadt und zu ihrem Ruhm zurück und außerdem verlobt sie sich mit einem deutschnationalen Arzt, den sie von der Gesellschaft der Musikfreunde kennt, in die Wagenbach sie einführte.

Der verbietet seiner Frau natürlich auch das Singen. Läßt sie Zwillinge, zwei blonde Mädchen namens Brunhilde und Krimhilde gebären und wir sind nun schon im Jahr 1943. Die Zwillinge spielen Hitlers Geburtstag und entweden dem Vater eine Einladung in jene Gesellschaft. Die bekommt nun Gisela, die inzwischen dick und fett geworden und nicht mehr so schön, wie früher ist, zu Gesicht, will unbedingt dorthin gehen  und erpresst ihren Siegfried damit.

Da kommt es nun zur nächsten Katastrophe, beziehungweise Farce. Nämlich Wagner wird gefeiert, die „Wallküre“ dröhnt aus den Lautsprechern. Bier wird gesoffen, der schöne Siegfried möchte am liebsten mit den prallen Maiden im Bett verschwinden, muß sich aber an den Tisch mit den Gastgebern setzen und die stellen ihm nun Ida mit einem Fräulein Hartmann vor und das hält Gisela, obwohl sie Ida ja vor zwanzig jahren verlassen hat, um eine Frau Dr. Römer zu werden, nicht aus. Sie denunziert sie vor ihrem Mann und so kommt es dann dazu, daß Ida plötzlich von einem jungen Mädchen mit einem Kinderwagen angesprochen wird. Sie soll das Baby einen Moment hüten. Sie tut es bereitwillig. Im Wagen befindet sich aber kein Kind sondern „Nieder mit den Nazis-Parolen“.

Die SA kommt und die unbedeutende Ida, wie schon im Prolog und dann noch im Epilog steht, wird verhaftet und das ist ihr einziger Grund in die Weltgeschichte einzugehehn, daß sie die Komponistin der „Stummen Gräfin“ ist, wird die Welt dagegen nie erfahren.

Jawohl, eine Parodie, denke ich, eine Farce, aber ein erstaunlich vergnüglicher Debutroman und Irene Diwiak ein großes Talent. Ich wünsche ihr den Preis, habe aber die beiden anderen Bücher, die sich mit der Migrationsfrage zu beschäftigen schein und in der Gegenwart spielen, noch nicht gelesen. Bin also gespannt.

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2017-08-03

O Töne mit Irene Diwiak und Olga Flor

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:11
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Irene Diwiak

Irene Diwiak

Irene Diwiak

Irene Diwiak

Zwei Romane mit sehr interessanten Titeln heute bei den O-Tönen und von Irene Diwiaks „Liebwies“ habe ich in der letzten Zeit schon bei einigen Blogs etwas gehört, sie steht auch auf der Longlist des Bloggerdebutpreises, so muß ich sie nicht hinmelden und wenn ich mich nicht irre, habe ich von der 1991, also noch sehr jungen Autorin, auch schon etwas gelesen und ihr Buch muß ich sagen, klingt sehr interessant und sehr ungewöhnlich.

Es spielt in der Zwischenkriegszeit und handelt von einer unbegabten Sängerin, für die ein Libretto mit einer stummen Rolle geschrieben wird, weil sich ein Produzent sie sie verliebte.

Vielleicht finde ich das Buch einmal oder es kommt auf die Debutshortlisten, das würde mich freuen, denn ich würde es sehr gerne lesen, dafür hatte ich mit „Klartraum“, Olga Flors frischerschienenen neuen Roman, meine Schwierigkeiten, denn ich habe bei der Lesung schlicht und einfach nichts verstanden.

Daß die 1968 in Wien geborene und in Graz lebende Physikerin, Veza-Canetti und Wildgans-Preisträgerin sehr kompliziert schreibt, habe ich zwar schon bei einigen Lesungen merken können, ich habe auch ihr letztes Buch gelesen, aber jetzt leitete Daniela Strigl eine Liebesgeschichte ein und dann kamen eigentlich seitenweise Monologe einer „P“ über Gott und die Welt oder überhaupt alles und erst beim anschließenden Gespräch habe ich mitbekommen, daß es um eine Dreiecksbeziehung und zwei Soziologen, wo einer neoliberale Karriere machte und die zweite, eben die Frau offensichtlich überbleibt, wenn ich da jetzt nichts mißverstanden habe.

Olga Flor

Olga Flor

Olga Flor

Olga Flor

Interessant könnte man bezüglich der heutigen Bandbreite sagen und es gab auch illustres Publikum, so habe ich, glaube ich, Lorenz Langenegger, auch ein „Jung und Jung“ Autor gesehen, Sabine Gruber und es war auch Julia Danielcyk mit ihrer Assistentin da, obwohl der Besuch heute, weil es gleichzeitig ein Damenfußballspiel, das auch einige Gemüter erregte, gab, diesbezüglich etwas geringer war.

Und für die, die es interessiert, füge ich noch an, daß das Buch das ich, während ich mir den Platz sicherte, gelesen habe, Melinda Nadj Abonji „Tauben fliegen auf“ war, das 2010 den dBp bekommen hat und auch ein „Jung und Jung“ erschienen ist, das ich mir inzwischen nicht nur beim letzten Hauptverbandflohmarkt kaufte, sondern in einer anderen sehr schönen Lizensausgabe auch bei der „Seedose“ gefunden habe, so daß ich ausnahmsweise das Buch zweimal habe.

2016-02-22

Stahl und Glas

Jetzt kommt der Erzählband, der jüngste Autorin, der „Edition Taschenspiel“, der 1991 in Graz geborenen Irene Diwiak, die in Wien Slawistik und Judaistik studiert oder studiere und 2013 den „Fm4-Preis“ gewonnen hat.

Das habe ich aus dem Netz, denn in dem zweiundfünfzig Seiten starken Bändchen gibt es leider, was ich sehr sehr schade finde und auch die Qualität der Reihe meiner Meinung nach, vermindet, weder biografische Angaben, noch einen Beschreibungstext am Buchrücken.

Dabei wendet sich die Reihe doch an den eiligen Leser und will ihm die österreichische Gegenwartsliteratur nahebringen und, ob der sich die Zeit nimmt, bei Google nachzuschauen, was man dort über Irene Diwiak oder die anderen „Taschenspiel-Autoren“ findet?

Inzwischen ist das, glaube ich, auch allgemein üblich, bei den „Büchergilde-Gutenberg-Ausgaben“ im Bücherkasten meiner Eltern hat es mir sehr gefehlt und Ulrich Becher habe ich deshalb einmal sogar abgebrochen. Inzwischen gibt es von „Kurz nach 4“  aber eine Neuausgabe und die hat eine sehr ausführliche Autorenbiografie.

Aber zurück zu „Stahl und Glas“, „Zwei Erzählungen über den Kommunismus und John Lennon“ und Lieselotte Salzer, die Verlagsleiterin, hat am Dienstag bei der Verlagsvorstellung in der „Gesellschaft für Literatur“, die flotte Sprache der jungen Autorin ausdrücklich hervorgehoben.

Die ist vielleicht nicht ganz so jugendlich hart, wie die von Ekaterina Heider oder so sprachkünstlerisch, wie die von Valerie Fritsch, aber sehr eindrücklich und, um die Gesellschaft und ihre Veränderungen scheint es dabei auch zu gehen.

Der Kommunismus ist wahrscheinlich in beiden Geschichten schon vorbei und das deckt sich auch mit Irene Diwiaks Biografie, in „John Lennon kauft Brot am Roten Platz“ geht es, glaube ich, aber in die Vergangenheit und in die Zeit, wo es die SU noch gegeben hat.

Gehen da doch Gregor, der einmal Gregorij gehießen hat und Valentin in Moskau spazieren und der Erste beginnt den Zweiten, einen Band-Leader oder Plattenproduzenten, nach  Mersey zu fragen. Aber die heißt jetzt wieder Marija, hat einen Oligarchen geheiratet und geht, nachdem ihr Gesicht durch eine Schönheits-OP verpfuscht wurde, nicht mehr aus dem Haus.

Die Beiden gehen zu ihr hin, bestechen den Portier und lassen sich vom chinesischen Hausmädchen zu ihr führen, um von den alten Zeiten, den Beatles,  den Rollingstones und, was immer zu sprechen.

In „Working  Class Heroes“ wird es noch direkter. Da spricht die Ich-Erzählerin, ein Mädchen, findet man nach und nach heraus, von ihrer Beziehung zu Daniel, der so stolz darauf ist, sich seine Schwielen an den Fingern, nicht nur durch Gitarrespielen geholt zu haben und einen roten Stern läßt er sich später auch eintätowieren. Seine Mutter, eine Ärztin, hätte zwar viel lieber, daß ihr Sohn Klavier spielen würde, aber der hat die philosophische Krise oder das Klassenbewußtsein und schreibt so auch in einem Schulaufsatz, daß er “ Weihnachten hasste, dass er Geschenke verabscheute, dass alles nur eine Erfindung der Kapitalisten wäre, die uns mit Konsumgütern berauscht halten wollten, während anderswo die Leute verhungern“.- „Liebe ist kapitalistisch“ steht in der anderen Geschichte.

Die Mutter ist  alleinerziehende Ärztin, mit Namen Beatrice, die nicht „Trixi“ genannt werden will, während, die der Erzählerin Ursula heißt und Krankenschwester war und seit sie arbeitslos ist, im Dachkammerl bei den Weihnachtsdekorationen bei Beatrice und Daniel wohnen darf.

Später schmeißt sie sie heraus, weil sie herausfindet, daß Ursula eine Geldbörse gestohlen hat und die Erzählerin muß das Gym, das sie mit Daniel besuchte auch verlassen und auf eine Gesamtschule gehen. Später findet sie Arbeit in einem Archiv und trifft dort Daniel, der  Chemie studieren wird, bei einem Ferienjob wieder, den er aber hinschmeißt, obwohl er doch so darauf steht, mit der richtigen Arbeit in Berührung zu kommen.

Nun ja, er wird aufsteigen und Karriere machen, während Ursula, die dann Arbeit in einer Putzerei gefunden hat, wo ihre Hände rot von all den Laugen wurden,  sie sich zu Tode hustete und einen Ausschlag bekam, an einem Gehirnschlag, der wie der Arz erleichtertfeststellt, nichts mit den Chemikalien zu tun hat, sterben wird.

So ist es im Kapitalismus und  den globalisierten Zeiten, in denen Irene Diwiak, seit es den Kommunismus und die SU nicht mehr gibt, aufgewachsen ist, ist das noch viel viel ärger mit den Arbeitsbedingungen und den sozialen Unterschieden geworden und wenn Irene Diwiaks  Texte darüber wahrscheinlich nicht wirklich viel verändern werden, kann man doch darüber nachdenken und hat eine neue österreichische Stimme kennengelernt und so bin ich  auch  sehr gespannt mehr über diese Autorin „unter Dreißig“ zu erfahren, die, wie ich dem Netz weiter entnehme, inzwischen ein „Start-Stipendium“ bekommen hat und ihren ersten Roman schreibt.

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