Literaturgefluester

2020-04-29

Die Wahrheit ist

Filed under: Bücher — jancak @ 00:14
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Wie schreibt man einen Roman? Mit dieser Frage habe ich mich beschäftigt, als ich die „Dreizehn Kapitel“ geschrieben habe und da die Idee hatte, mit einer Person anzufangen, dann kapitelweise zur nächsten überzugehen, bis ich am Ende wieder bei der ersten angelangt bin. Dreizehn Kurzgeschichten also zum Roman geformt.

Hat nicht ganz geklappt oder ist ein bißchen anders geworden, als geplant, aber bei den Webinaren der Jurenka Jurk zur Heldenreise oder die Videos des Ronny Rindlers zu seinem Quarantäne-Schreibkurs geht es ja auch um diese Frage, um die Heldenreisenstufen, die vier oder acht Akt-Struktur, um das Anfang-Mitte- Schluß mit dem ich mich jetzt ja bezüglich des „Frühlingserwachens“ besonders beschäftige.

Da mir ja alle oder einige immer sagen, daß ich nicht schreiben kann und es auch nie lernen werde, beschäftige ich mich ja sehr mit Romanschreibkursen und Schreibratgeber, das letzte diesbezügliche Buch das ich da gelesen habe, war das des Gustav Ernst und jetzt ist mir wieder so eines ins Haus gekommen, von dem ich ganz am Anfang, ob der Werbeeinschaltung oder Ankündigung dachte, es wäre ein Buch zu Krisen, bestens geeignet zum Lesen in Zeiten von Corona, aber weitgefehlt, dann war ich noch eine Weile ratlos, denn das Buch heißt „Die Wahrheit ist“ stammt von einem in Israel offenbar sehr bekannten, mir bisher unbekannten Schriftsteller namens Eshkol Nevo oder Nevo Eshkol, der 1971 in Jeruslalem geboren wurde und das ganze Buch ist ein Interview, das mit der Frage „Haben Sie immer gewußt, dass Sie Schriftsteller werden wollen“ beginnt und nach vierhundertneunundzwanzig Seiten mit der „Gibt es noch etwas, was Sie hinzufügen wollen?“, endet und im Klappentext steht etwas, daß das Buch von einem Schriftsteller namens Eshkol Nevo handelt, der offenbar eine Schreibblockade hat oder in einer Krise steckt. Die Frau droht ihm zu verlassen, die ältere Tochter ist in ein Internat geflüchtet, der beste Freund liegt im Sterben und der in dieser Situation beschließt aus der Krise herauszukommen, in dem er auf die Interviewfragen keine vorbereiteten Antworten sondern die Wahrheit erzählt.

Das führt zu Daniel Kehlmann, der ja, glaube ich, im Zuge seines Romans „F“ bei einem Interview sagte, alle schriftsteller wären Lügner, was ich mir so interpretieren würde, daß sie ihre Romane ja erfunden müßen. Ich würde das nicht als Lügen bezeichnen, aber Eshkol Nevo spielt in seinem roman gekommt damit.

Als ich die ersten Interviewfragen gelesen habe, war ich mir gar nicht sicher, ob das überhaupt ein Roman ist, sondern ein sachbuch, es ist aber einer, zumindest steht das gleich auf der ersten Seite und als ich das Buch ein bißchen angelesen habe, war ich verblüfft über die Fragen, wie „Was ist ihr Antrieb beim Schreiben?“, „Wie sieht denn ein Arbeitstag bei Ihnen aus?“, „Wie autobiografisch sind Ihre Bücher?“ und so weiter und sofort  vierhundertneunundzwanzig Seiten lang.

Das führt natürlich zu der Frage, die ich ja auch manchmal gestellt bekomme, ob ich das, was ich schreibe, so erlebt habe, was mich am Anfang verblüffte oder verunsicherte und ich keine rechte Antwort dartauf wußte.

Später habe ich mir angewöhnt „Alles ist autobiografisch und alles gleichzeitig nicht!“, zu antworten, was wahrscheinlich nicht nur für mich die richtige antwort ist. Ich bin aber mit meiner Kritikerin JuSophie einmal deshalb aneinandergeraten, die wohl meinte, daß ein richtiger Autor und nicht bloß so eine „Hobbyschreiberin“ wie ich, das Autobiografische nicht braucht.

Dem würde die Vielleserin widersprechen, finde ich doch sehr oft in Büchern eindeutige Bezüge zu den Verfassern, auch wenn die dann laut aufschreien und „Alles frei erfunden!“ sagen.

Geht wahrscheinlich gar nicht anders und Eshkol Nevo, der von sich oder von seinem Helden schreibt, daß er von Schreibkursen lebt oder jedenfalls sehr oft welche gibt, spielt auch gekonnt damit.#

Verblüfft hat mich ja schon die Stelle, wo er von „Anfang-Mitte-Schluß“ schreibt, was ich ja bei der Aktstruktur und bei Ronny Rindlers Videos sehr oft hörte. Er erzäht seinem krebskranken Freund immer solche Geschichten und der, der sich nicht so für Literatur interessiert, unterbricht ihn dann und sagt „Wollen wir nicht lieber schweigen?“.

Der Held in Eshkol Nevos Roman, der Schriftsteller mit der Schreibblockade, der schon viele Bücher geschreiben hat und auch ständig auf Lesereisen ist, verwechselt ständig die Wirklichkeit mit der Erfindung und Eshkol Nevo spielt auch in seinem Roman damit.

So ist er deshalb in der Ehekrise, weil er auf Lesereise in Kolumbien war und seiner Frau Dikla, die er erkaltet findet, nach seiner Rückkehr erzählt, er hätte dort mit einer Lektorin geschlafen, um sie eifersüchtig zu machen. Das ist natürlich ein Schuß nach hinten und zieht sich durch das ganze Buch und durch viele Interviewfragen, er findet dann auch ein Tagebuch seiner Frau, wo sie schreibt, wie sehr sie es haßt von ihm ständig in seinen Bchern ausgebeutet zu werden, obwohl er das abstreitet und sagt, daß er ohnehin genug vergremdet hat.

Das kenne ich auch sehr gut, habe ich mich deshalb ja mit einigen meiner Freunde zerstritten und sogar einige Klagsandrohungen bekommen. Geklagt hat mich niemand und ich denke wieder, es geht auch nicht anders, als sich beim Schreiben literarische Vorbilder zu nehmen, die man natürlich verfremden muß. Darin liegt vielleicht die Kunst und das Profitum, Eshkol Nevo beherrscht das sicher bis zur Perfektion und spielt in dem Roman so gekonnt damit, daß ich ihn wirklich, obwohl er vielleicht gar nicht als solcher gedacht ist, als Schreibratgeber empfehlen würde.

Also herrlich erfrischend und unkonventionell, denn Eshkol Nevo gibt in dem Buch ja keine Schreibratschläge, sondern erzählt Geschichten aus seinem Leben oder aus dem seines Helden, beantwortet manche Fragen kurz und knapp, die meisten aber mit Kurzgeschichten.

So gibt es die, um einen entschwundenen Freund und auf die Frage, was er in seinem Leben bereuen würde, erzählt er die Geschichte, wie er einmal einen malariakranken Freund in Südamerika zurückgelassen hat.

Er erzählt von seinen Schreibschülern, da ist ein krebskranker Mann dabei, der bevor er stirbt, eine Geschichte zu Ende bringen will und einer hat eine Geschichte über Sterbehilfe geschrieben. An den wendet er sich dann, als ihn sein Freund Ari bittet, das bei ihm zu tun und über das ganze Buch zieht sich die Drohung, daß Dikla ihm nach der Bat-Mizwa der jüngeren Tochter verlassen will. Das Kleinste der drei Kinder ist ein Sohn und der ist  dabei in die Fußstapfen des Herrn Papas zu treten. Eshkol Nevos Biografie entnehme ich, daß er drei Töchter hat. Die Geschichte, die das beschreibt spielt aber bei einer Psychologin, der Held der Geschichte hat auch kurz Psychologie studiert und ist, glaube ich, auch der Sohn von solchen, das Ehepaar ist aber zu der Psychologin gegangen, weil der kleine Bub notorisch lügt und jeden über sich erfundene Sachen erzählt. Kunststück bei dem Herrn Papa könnte man so sagen, obwohl ich nicht wirklich der Meinung bin, daß ein Schriftsteller lügt und ein Roman ein Lügengebäude ist. Er ist erfunden natürlich klar, daß es nicht ganz so ist, steht schon oben beschrieben. Er muß aber, wie Nevo, der Schreibworkshopleiter auch merhmals betont, einen Anfang eine Mitte und einen Schluß haben und wenn man dieses Buch gelesen hat, hat man, wenn man sich für das Schreiben interessiert, sehr viel gelernt.

Was daran jetzt Wahrheit oder Lüge beziehungsweise Erfindung ist, wohl sicher nicht, aber das ist ja wahrscheinlich der Reiz des Buches, auf dessen Rücken  groß und wuchtig „Schluß mit den Lebenlügen, es ist Zeit für die Wahrheit steht!“ und ich in diesem Sinne noch hinzufügen möchte, daß ich ein sehr interessantes und auch originelles Buch gelesen habe.

Auf diese Idee muß man erst kommen, bei all der Flut der Romane, die nach Romanfahrplänen oder auch aus dem Bauch heraus geschrieben werden, ein solches Buch zu schreiben.

2015-05-25

Eine Art Liebe

Filed under: Bücher — jancak @ 00:38
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Weiter geht es mit dem deutschen Lesen und der Liebe, obwohl es in dem 2011 erschienenen Roman, der 1967 in Frankfurt am Main geborenen Katharina Hacker, die 2006 mit den „Habenichtsen“ den dBp bekommen hat, um etwas ganz anderes geht, ist er doch Saul Friedländer gewidmet und soll, wie im Nachwort steht, sein Leben nacherzählen, obwohl er nichts mit seiner Biografie zu tun hat und ein wenig über die Kunst des Schreibens und wie das so mit Autobiografien so ist, geht es in dem Buch, einer Art Dreiecksgeschichte, zwischen der Studentin Sophie, die genau wie Katharina Hacker, drei Jahre in Jerusalem Hebräisch studiert und dort Moshe oder Moses bzw. Maurice Fein oder Jean Marie Ferrir kennenlernt, der mit einem Trapistenmönch befreundet war, der auf seltsame Weis, in einem Berliner Nachtclub ums Leben kam.

Kompliziert genug? Katharina Hacker macht die leider an sich einfache Geschichte, des 1930 in Berlin geborenen Moses, der mit seinem Vater, Theodor, einem Rechtsanwalt und seiner Mutter Ruth, einer Sängerin, Ende der Dreißigerjahre nach Paris emigrieren muß, noch ein bißchen undurchsichtiger, in dem sie nicht linear erzählt, sondern von vorne nach hinten hüpft, die Perspektiven wechselt, einmal erzählt die Studentin, die in dem Buch auch noch ihre Beziehungen wechselt, einmal Moshe selbst, dann gibt es  noch Notizzetteln von ihm und am Anfang des Buches schenkt Moshe ihr  Jeans Geschichte, mit dem Auftrag sie aufzuschreiben, der letzte Satz auf Seite 265 lautet, dann auch auf Sophies Frage, ob die Geschichte, so wie er es sich vorgestellt hätte, geworden wäre „Ich habe mir nichts vorgestellt!“, antwortete Moshe. „Es ist deine Geschichte, ich habe sie dir geschenkt!“

Und so können wir also zwischen Phantasie und Wahrheit, Fiktion und Realität wählen und um Schuld und Sühne und wer der Hüter seines Bruder ist und ob ein halbwüchsiger Junge Schuld am Tod eines jüdischen Ehepaars ist, nur weil er seinem kollaborierenden Vater verrät, daß der wahre Name seines Freundes Moses Fein und nicht Jean Marie ist? Denn das war der Einfall des Paters Gerard, den kleinen Moses taufen zu lassen und in ein Kloster zu stecken, während die Eltern versuchen sollten von Frankreich, das inzwischen von den Deutschen besetzt wurde, in die Schweiz zu flüchten.

Die bösen Schweizer lieferten die beiden an die Nazis aus, Ehepaare mit Kindern haben sie durchgelassen, hätten die beiden, den kleinen, der inzwischen Jesuit werden will, während es seinen Freund Jean in das Schweigekloster der Trapisten zieht, also doch nur mitgenommen. Aber wieder schön der Reihe nach, weil meine Leser ja manchmal mit meinen Schachtelsätzen Schwierigkeiten haben, obwohl ich ja eigentlich ohnehin eher linear erzähle.

Da ist also die Ich-Erzählerin, von der man später ihren Namen Sophie erfährt, die in Jerusalem studiert und dort über den Umweg eines Buchhändlers, den Rechtsanwalt Moshe Fein kennenlernt, der 1939, glaube ich, mit seinen Eltern nach Frankreich emigrierte. Der Vater ist herzkrank. So überredet ihn Pater Gerard, das Kind, das er bisher selber unterrichtet hat, in eine Klosterschule zu stecken, in der ersten wird er Maurice gerufen, in der zweiten, nahe der Schweizer Grenze, als die Eltern dorthin flohen, wird er getauft und muß seinen schönen Namen hergeben. Er beginnt zu weinen, der um ein Jahr ältere Jean, der eigentlich in eine Nazi-Schule sollte, aber wegen seiner frommen Mutter doch in das Kloster durfte, tröstet ihn damit, daß er seinen Namen Jean-Marie haben darf.

Ob es eine erotische Beziehung zwischen den beiden Jugendlichen gibt, weiß ich nicht, wenn, wird sie nur angedeutet. Die Geschichte beginnt ja Ende der Neunzigerjahre, als Jean schon gestorben ist, Moshe, dessen Frau, die seltsamerweise Ruth, wie seine Mutter heißt, durch einen Unfall ums Leben kam, verwitwet,  hat inzwischen eine Freundin und zu Sophie, der er sehr ruppig begegnet, empfindet er auch „eine Art Liebe“.

Sie soll also Jeans Geschichte aufschreiben. Auf den ersten ein- bis zweihundert Seiten, tut sie es aber mit der  Moses, Moshes oder Maurice, der, als der Krieg 1945 endet, eigentlich auch Trapist oder Jeusit werden will. Pater Gerard und auch Jean versuchen das zu verhindern, in dem sie jüdische Verwandte, die in Paris leben aufsuchen, Moses wandelt sich dann auch zum Zionisten, während Jean in das Schweigekloster eintritt und emigiriert nach Israel.

Jean will eigentlich Einsiedler werden, der Abt verhindert das aber, so beginnt er zu reisen, nach irgdeneinem Konzil, sind die Ordensregeln nicht mehr so streng, über die Melancholie zu schreiben und auch Moshe, dessen Hochzeit er noch verweigerte, zu treffen. So zum Beispiel in Venedig, wo er in einer Kirche das Kain und Abel Gemäde sieht und man nach und nach herausbekommt, welche Schuld, den Mönch quält, so daß er mit sechzig Jahren, das Kloster verläßt, Moshe einen Brief schreibt, daß er nicht an Gott glaubt und nach Berlin verschwindet, wo er in schäbigen Hotelzimmern wohnt, in einem Nachtklub arbeitet und dort schließlich wie der Abel erschlagen wird.

Bei Moshe wurde inzwischen ein Hirntumor entdeckt, er reist seinem Freund trotzdem nach, beziehungsweise trifft er Anfangs des neuen Jahrtausends, Sophie die sich wieder mit ihren früheren Freund Sebastian befreundet hat, in Berlin und weigert sich, ihre Geschichte zu lesen.

Ganz schön kompliziert, aber doch sehr poetisch und nachdenkenswert über die Schuld und Sühne und Lebensläufe der Neunzehnhundertdreißig geborenen Kinder, die plötzlich ihre Familien verloren, ihre Religion und Identitäten wechseln mußten, aber auch über Sinn und Unsinn des Mönchtums, des Zölibats und der Schweigegelübde und den Schwierigkeiten dieses Lebens überhaupt, kann man sinnieren und ich habe nach dem „Vorleser“, der den Holocaust von einer anderen Seite her erzählt, wieder ein interessantes Buch über ein unrühmliches Stück der deutschen Vergangenheit gelesen, wo ich noch anmerken will, daß ich etwas Ähnliches, Ende des vorigen Jahrhundert mit den „Wiener Verhältnissen“ meinem ersten selbstgemachten Buch, das ich als Reaktion auf einen Roman von Ruth Aspöck, geschrieben habe.

Ein an sich linear erzählter Roman, mit einem Vorwort über den Literaturbetrieb, dann reist die Protagonistin Hanna nach dem Tod ihres Vaters und einem Buch, das sie in dessen Nachlaß gefunden hat, nach New York. um dort in einem jüdischen Altersheim Gespräche mit dem fast hundertjährigen Jakob Mandelbaum zu führen, der sich auch schuldig am Tod seiner Eltern und seines Bruders in Theresienstadt bzw. Auschwitz fühlt.

Diana Vogt, der ich das Manuskript dann schickte, hat mir in einem Brief geschrieben, daß sie es für keinen Roman hält, was ich ganz ehrlich, immer noch nicht verstehe und sie nicht wüßte, wer sich dafür interessiere und wem sie es anbieten könne?

So ist es mein erstes selbstgemachtes Buch geworden, das mir der Alfred damals zum Geburtstag schenkte, das die Freiheitsstatue am Cover hat und das inzwischen längst vergriffen ist. Nur meine Belegexemplare habe ich noch in Harland und in der Krongasse stehen.

2015-04-14

Exodusroman

Filed under: Bücher — jancak @ 15:41
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Nach Ungarn mit Literatur eines ungarischen Autors, diese Tradition habe ich mir vor einiger Zeit angewöhnt und es gibt auch verschiedenes Ungarisches auf meiner Leseliste bzw. Bücherstapeln, so wartet noch eine Anthologie, von Sandor Marai habe ich mir das letzte Jahr etwas mitgenommen und ungelesen wieder zurückgebracht, genau, wie von György Dalos und da Ungarn 2000 Gastland auf der Frankfurter Buchmesse war und Walter Famler zu diesem Zweck in der „Edition Wespennest“ einige Bücher herausbrachte, die dann bei den Büchertürmen, der „Literaturur im März“ zu finden waren, habe ich mir diesmal Janos Köbanyai nach Bük mitgenommen und hatte, zugegeben auch einige Vorurteile, weil ich dachte, experimenteller Autor und schwer zu lesen.

Wie man sich irren kann, hatte ich doch von dem 1951 geborenen Autor, der als Schriftsteller und Fotograf in Budapest lebt oder lebte, noch nicht viel gehört, im Netz ist auch nicht sehr viel zu finden und irgendwie ist dieses Schicksal aus einem ungarischen Waisenhaus, die Lebensgeschichte einer ungarischen Jüdin, am Buchrücken steht, Tatsachenroman, auch experimentell, weil knapp und schnörkellos erzählt, aber leicht und rasch zu lesen und auf jeden Fall interessant, gibt es doch Parallelen zu vor kurzem Gelesenen einer Frühjahrsbucherscheinung.

Nimmt die Ich Erzählerin auf ihren Exodus nach Israel „doch ein eingeschmuggeltes Buch von Hanna Szenes“  auf ihre Schiffreise mit und von dieser jüdischen Widerstandskämpferin, die am 7. November 1944 in Budapest hingerichtet wurde, die auch Gedichte geschrieben hat, hat ja auch Schulamit Meixner in ihrem kürzlich erschienenen Roman „Bleibergs Entscheidung“ geschrieben.

Im „Exodusroman“, der 1998 in Ungarn erschienen ist und, wie ich dem Klappentext entnahm, „bei der Kritik und bei den Lesern enorme Resonanz auslöste“, wird das Schicksal eines Mädchens, das, obwohl die Eltern in der Nähe wohnten, in einem jüdischen Waisenhaus aufwuchs, auf knapp hundert Seiten  lapidar erzählt.

Vom Hunger und der Gewalt in diesem Waisenhaus wird berichtet, es gibt einen Bruder und einen Vater und eine Mutter, die wechselnde Beziehungen zu verschiedenen Männer hat und sich. um die Kinder nicht zu kümmern scheint, obwohl der Kontakt zu ihr, bis Israel besteht.

Die Deportation in ein Arbeitslager und die Verschiffung nach dem Krieg auf dem Luxusschiff „Exodus“ wird berichtet. Vorher haben die Kinder, beziehungsweise jungen Erwachsenen, längere Zeit in verschiedenen Hotels, die zu Kinderheimen umfunktioniert wurden, verbracht.

Es gab den Versuch den Vater zum Mitkommen zu überreden, der dies jedoch ablehnte, mehrere Trennungen und Wiedervereinigungen mit dem Bruder und auch eine seltsame Scheu der jungen Frau  sich mit Männern einzulassen, die wohl aus der Erfahrung mit ihren eigenen Eltern erklärt werden kann.

In Israel läßt sie sich als Krankenpflegerin ausbilden, geht, weil sie keine Bücher hat, heimlich in medizinische Vorlesungen, wird da zuerst vom Professor hinausgeschmissen, später bringt er ihr selbst medizinische Bücher und sie schließt auch als Beste in ihrem Jahrgang ab.

Dann meldet sie sich zum Militär als Lazaretthelferin, wird dabei verletzt, setzt es aber durch, weiter ihren Dienst zu machen.

Sie heiratet schließlich doch, kann aber keine Kinder bekommen, weil man ihr in dem Lager, in dem sie interniert war, Medikamente in das Essen mischte, die zur Unfruchtbarkeit führen sollten.

So kam es zu fünf Fehlgeburten, so daß sich ihr Mann  von ihr scheiden läßt. Sie kümmert sich dann zuerst, um die Kinder ihres Bruders, wird auch Vorsteherin eines Heimes für asthmatische Kinder, bevor sie einen Witwer mit vier Kinder kennenlernt und ihn schließlich heiratet.

Wie weit dieser „Tatsachenroman“ einem authentischen Schicksal entspricht und wie der Autor dazugekommen ist, diese Geschichte zu erzählen, ist dem dünnen Bänchen nicht genauer zu entnehmen.

Es gibt aber ein Glossar, das die verschiednenen jüdischen und israelischen Ausdrücke, die verwendet werden, erklärt.

Die Übersetzung stammt von Karlheinz  Schweitzer.

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