Literaturgefluester

2022-11-23

Maremma

Jetzt kommt schon oder erst das erste Debutbuch der österreichischen Liste. Da war ich ja bei der Debutlesung in der Arbeiterkammerbibliothek und bisher waren mir ja alle drei Debuts ziemlich unbekannt.

Von „Luftposter“ hatte ich schon was gehört von „Maremma“ und einer Anna Maria Stadler nicht und bei dem Debut der 1992 geborenen und Salzberg lebenden Autorin und Künstlerin ist es mir ähnlich wie bei Marie Gamillschegs „Alles was glänzt“ gegangen. Die Lesung hat mich nicht so überzeugt, das Buch aber schon.

Das Gemeinsame an den drei jungen Frauen ist ja das Geburtsjahr der in den Neunzehnneunzigerjahren und da hat ja Florian Baranyi von einem Milleiumsgefühl gesprochen, das Lena-Maria Biertimpel und wahrscheinlich auch ich, nicht so verstanden habe, was er für typisch hält. Das Typische ist wahrscheinlich die Sprache. So hat Sandra Gugic bei der „Mit Sprache-Autorendiskussion“, die schon ein wenig älter ist, von der „Carearbeit“ grsprochen. Anna Maria Stadlers Protagonisten sprechen von „Versorgungsehen“ und das sind, glaube ich, sechs junge Leute, die jedes Jahr eine Woche gemeinsam auf Campingurlaub fahren.

Diesmal in die „Maremma“, das ist eine eher unwirtliche Gegend in der Toscana, wo es Sümpfe, Wälder und wilde Hunde gibt, die nach Essenresten suchen. Schildkröten und Schlangen und natürlich auch das Meer, wo es sich herrlich schwimmen läßt.

Die Erzählerin heißt Esther, ist in der Sozialarbeit tätig und beklagt da, daß sie, die Chaotische, die andere zur Ordnung mahnen muß.

Ali ist Ärztin und berichtet von ihren Operationen, Lea ist bildende Künstlerin. Einen Georg und einen Pascal gibt es auch und eine Amira, die ihr Kind mitgebracht hat. Die sechs sind gemeinsam aufgewachsen und philosophieren, wie es nun in der Generation Neunzig oder Millenium typisch zu sein scheint, über das Leben.

Das Buch ist sehr experimentell und sehr schön geschrieben von dem üblichen Plot und der spannungsgetriebenen Handlung wenig Spur. Dafür erinnert es mich sehr an „Rhombo“ und Esther Kinsky ist ja eine Sprachkünstlerin von der ich bedauerte, daß es nicht auf die deutsche Shortlist kam und das Buch führt in sechs Tagen und einem Nachspann, die alle eher ungewöhnliche Titel, wie „Antdunes“ oder „Load Casts“ heißen, keine Ahnung was da bedeuten soll?

Sie liegen im Regen im Zelt auf dem Camp mit den in die Jahre gekommenen Waschräume, gehen schwimmen und machen dann auch einen Ausflug, wo sie den Hund oder die Hündin mitnehmen, mit der sie sich befreundet haben, entführen sie aber ohne es zu wissen, ihren Welpen, die dazwischen hungern. Sie verirren sich auch im Sumpf und am Schluss besichtigen sie auch noch das Castelveccio, denn um Sklpuren geht es in dem Buch auch und darüber wurde auch in der AK Bibliothek diskutiert. Spannend, spannend, das bei „Jung und Jung“ erschienene Buch und ich bin jetzt sehr gespannt, ob es gewinnen wird und was ich von der jungen Frau noch hören oder lesen werde und Naturprosa merkt man wieder, ist derzeit sehr modern.

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2022-08-27

Das Wasser des Sees ist niemals süß

Die Italienische Literatur hat den Ruf sehr sozialkritisch zu sein, gibt es ja Alberto Moravia, der, manchmal etwas konservativ und frauenfeindlich, im vorigen Jahrhundert von den sozialen Mißständen in Rom erzählte.

„Wagenbach“ hat eine Reihe Romane italienischer Kommunisten herausgebracht, die ich mir einmal vor Jahren aus einer Abverkaufkiste, um einen Euro oder waren es noch zehn Schilling, kaufte. einen habe ich davon gelesen.

„Wein und Brot“ egibt es auch und dann eine junge italinische Stimme, die 1988 in Rom geborene und am Lago di Bracciano aufgewachsene Guilia Caminito, die Bei „Wagenbach“ schon „Ein Tag wird kommen“ herausgebracht, mit dem ich, glaube ich, nicht so viel anfangen konnte und jetzt wurde von „Wagenbach“ „Das Wasser des Sees ist niemals süß“, als „Quartbuch“ herausgebracht und ich muß sagen, eine Überraschung, Thematik und Sprache hat mich überrascht und es ist, obwohl es am Schluß negiert wird, wahrscheinlich auch viel Autobiografisches dabei.

Es geht um die Klasse, ein Bildungsroman, der wieder zeigt, wie schwer es die Unterschicht hat, aufzusteigen, so sehr sie sich auch anstrengt und bemüht.

Elena Ferrante hat es mit ihrer „Neapoletanischen Saga, von dem ich einen Teil gelesen habe, auch versucht und dann gibt es noch Michela Murgia, die ich ein wenig altmodisch empfand.

Deniz Ohde hat das mit „Streulicht“ versucht, mit dem ich auch nicht so viel anfangen konnte und Fernanda Melchor,auch eine „Wagenbach-Autorin“, wie Giogrgio Bassani , beschreibt die mexikanische Situation, tut das aber viel brutaler, womit ich meine Schwierigkeiten hatte.

Giulia Caminitos Ich-Erzählerin tut es leiser oder sprachlich prägnanter, obwohl ganz so passiv zahm und ungeordnet, ein Opfer, wie die Heldinnen bei Moravia, ist diese junge Frau nicht.

Um drei Frauen, geht es in dem Buch, die Mutter Antonia, dann die Erzählerin iund ihre Freundin Iris. Das heißt, sie hat einige solche und einige Freunde und rächt sich erstaunlich brutal, wenn die sie betrügen.

Es gibt ein Nachwort, wo Giulia Caminito, die Vorbilder ihrer Heldinnen erwähnt und auch betont, daß es natürlich nicht Autofiktion ist, obwohl es Ähnlichkeiten zwischen ihr und ihrer Heldin gibt.

Es beginnt mit der Mutter Antonia, die hat einen Sohn aus einer früheren Beziehung, Mariano, dann die Erzählerin und noch zwei Zwillingsbrüder. Ihr Mann hatte einen Unfall ist als Schwarzarbeiter vom Gerüst gefallen, sitzt jetzt im Rollstuhl und Antonia muß die Familie erhalten. Sie tut es in dem sie bei reichen Familien putzt. Sie ist resch und streng zu ihren Kindern und will natürlich, daß es ihrer Tochter besser geht. Sie ist erstaunlich ehrlich, fremdes Eigentum wird nicht angegriffen, bringt aber die gebrauchten Fahrräder und die gebrauchten Fernseher nach Haus, die ihr ihre Familie dann schenken und es beginnt äußerst originell, daß sich Antonia ein Kostüm anzieht, eine Aktentasche nimmt und dann in das Büro einer Anwältin eindringt, denn sie braucht eine Wohnung für ihre Familie.

Sie bekommt dann eine Sozialwohnung am Lago di Branzziano und dort wächst die Heldin auf. Der große Bruder geht Anfang des Jahrtausends auf eine Demo nach Genua. Da schmeißt die Mutter ihn hinaus und die Heldin fährt mit dem Bus zuerst in die Mittelschule, dann ins Gymnasium und fühlt sich wie Deniz Ohdes Heldin unter den reicheren Kindern benachteiligt. Es gibt zwei Freudninnen Agata und Carlotta und einige Freundin aus reicheren Häusern. Als Carlotta sie mit einem ihrer Freunde betrügt, brach die Heldin die Beziehung ab und geht vorher oder nachher mit einem Freund zu einem Schießstand, läßt sich das Ticket bezahlen und schießt dann solange, bis sie den größten Bären als Trophäe bekommt.

Antonia regt sich deshalb auf: Meine Tochter schießt nicht!“

Sie setzt sich aber durch und der Bär in ihrem Zimmer, bis die Familie aus der Wohnung geschmissen wird. Bis dahin lernt und lernt sie sich durch das Leben. Studiert Philosophie zum Leidwesen ihrer Mutter und nicht Medizin oder Jus, wo man etwas anfangen kann und auch nicht auf Lehramt. Nein es muß schon das Orchideenstudium sein, auch wenn sie dann nur in einer Drogerie arbeiten kann, die auf esoterisch macht.

Die Freundin Iris stirbt irgendwann an Krebs. Das ist wohl eine autobiografische Ähnlichkeit und als Luciano sie betrügt, schließt sie sich einem Einbruch bei ihm an oder gibt die Informationen dazu und als ihr früher schon ein Junge den Tennisschläger, den sie endlich einmal gekauft bekommen hat, zerstört, schlägt sie ihn zusammen und nimmt ihm seinen weg. Das tut sie dann noch bei einer anderen Freundin und am Schluß wird sie wahrscheinlich trotzdem über bleiben und nicht so sozial aufsteigen können, ,soviel sie sich auch angestrengt hat und das ist wohl die Quintessenz des sehr frisch und modern geschriebenen Buch, das mehrmals die Perspektiven wechselt undj auch schon viele Preise gewonnen hat.

Und wer jetzt nach dem Titel fragt, irgendwann wird der See in dem angeblich eine Krippe verborgen ist, als süß beschrieben. Da fühlt sich die Heldin stark und glücklich, das bleibt aber nicht so, denn das <leben ist in Italien oder auch sonstwo auf der Welt, hart und unerbittlich, wenn man nicht aus der richtigen Familie kommt und der Mittelstand, das kann ich noch anfügen, wird bei uns gerade auch zerstört.

2022-02-26

Die Übung

Jetzt wieder ein „Wagenbach-Quartbuch“, das ich als E-Book gelesen habe und das, wie ich ebenfalls glaube sehr ungewöhnliche Debut, der 1990 in Mailand geborenen Claudia Petrucci, die Literaturwissenschaft studierte und in Australien lebt.

Ungewöhnlich und vielleicht doch nicht so neu, manchmal an die Psychiatrie der Sechzigerjahre erinnernd, dann wieder an die künstliche Intelligenz, die ja jetzt en vogue ist, dann die Frage ist das jetzt frauenfeinlich oder nicht und am Schluß hat sich die gegen die Manipualiton der Männer vielleicht doch durchgesetzt. Die Olympa aus „Hofmanns Erzählungen“ ist mir eingefallen, aber auch die „Frauen von Stepford“ und dann geht e wahrscheinlich doch gut aus.

Viele Vorbilder für das Debut einer sehr jungen Autorin, die auch einen sehr ungewöhnlichen Sprachstil hat. Es beginnt mit einem Vorspann und der Erzähler ist Filippo, der Literatur studiert hat. Aber jetzt die immer leere Bar seiner Eltern weiterführt und Giorgia, seine Freundin jobbt in einem Supermarkt. Sie tut das sehr roboterhaft, hat Zwangsstörungen und Halluziationen, klammert sich an Rituale. Das Geld ist knapp. Filippos Mutter ruft an und erzählt von ihren Nöten und dann trifft Giorgia in ihrem Supermarkt ihren Schauspiellehrer Mauro, der ihr wieder eine Rolle anbietet. Giorgia hat vor einigen Jahren bei ihm gespielt, ist dann aber ausgestiegen und zu Filippo gegangen. Jetzt holt er sie zurück. Filippo wohnt den Proben bei und lernt Amelia, Mauros Schwester kennen und der Regisseur und Lehrer ist sehr autoritär und hat auch unkonventionelle Idee, wie vielleicht auch manche Regisseure.

Dann geht der Roman los. Gigorgia ist bei der Premiere zusammengebrochen und in d er Psychiatrie gelandet. Einer Privatklinik, liegt dort schon ein Jahr reglos da und wird mit Medikamenten vollgestopft. Paronoide Schizophrenie ist die Diagnose, aber die wird sowohl vom Chefarzt, als auch von Claudia Petrucci bezeweifelt.

„Paranoide Schizophrenie“, antoworte ich. „Aber der Arzt hat schon wiederholt darauf aufmerksam gemacht, dass diese Diagnose wenig aussagt. Sie dient nur dazu, etwas zu benennen, über das man nicht wirklich etwas weiß.“

Das ist das Altmodische an dem Buch und auch, daß Georgia entmündigt ist, der Vormund ist eine Tante, die sehr wohlhabend ist, währen Fiippo und seine Eltern aus eher ärmlichen Verhältnissen kommen. Sie wohnt in einem vornehmen Teil Mailand mit einer Haushälterin und erzählt Filippo, daß Gigorgias Eltern nicht, wie sie ihm erzählte bei einem Unfall verstarben, sonder die Mutter Suzid begangen hat, als Giogia fünf war. Die Tante zahlt die Privatklinik und in der taucht nun Mauro auf und liest Gigorga ununderbrochen aus Schakespeares „Was ihr wollt“ vor. Die erwacht dann und rezitiert die Rolle der Hauptperson, was Mauro auf die Idee bringt mit Flippo ein Skript zu schreiben, um sie wieder ins Leben zu holen. Der Chefarzt ist einverstanden und spricht von Pychodrama und nach dem Skript von Mauro reagiert Gigoria sehr unterwürfig und hat keine eigene Meinung. Weiß nicht, was ihr gefällt und sie anziehen soll putzt bei dem Besuch bei Filippos Eltern, die ganze Zeit manisch herum, weil sie liebenswürdig sein will.

Das Skript wird umgeschrieben. Filipo tut das, auf Mauros Veranlassung. Giorgia wird entlassen und reagiert nun aber erstaunlich selbstbewußt, was Filippo, der ja das Skript geschrieben hat, auch nicht recht ist. Sie will wieder Theaterspielen statt in den Supermarkt, läßt ihre Entmündigung aufheben und will, daß Filippo auch etwas anderes macht, als in der Bar zu jobben und immt auch Amelia, Mauros Schwester ihre Rolle weg, weil sie glaubt, sie besser spielen zu können.

Das ist Filippo auch nicht recht. So wird das Skript wieder umgeschrieben und Giorgia soll in den Supermarkt zurück. Dann tritt <mauro als Retter auf und bringt sie ans Theater zurück und Filippo, der als Figur eher blaß bleibt, scheint sich mit Amelia zu verbinden.

Wirklich interessant könnte ich diesmal schreiben. Eine erstaunliche Interpretation eines altbekannten Themas neu geschrieben, wobei mir nicht so klar war, wie weit sich nun Giorgia wirklich emanzipiert oder weiter den Launen der Männer, die mit ihr spielen, widerspruchslos ausgesetzt ist. Nicht ganz leicht zu lesen, aber empfehlenswert sich in das Debüt von Claudia Petrucchi einzlassen, das, glaube ich, auch auf Englisch und Französisch erschienen ist, einzulassen.

Und interessant ist auch, daß die Umprogrammierung oder wieder ins Leben zurückrufen der Figur der Giorgia als „Übung“ bezeichnet wird. Und die Verbinung der psychischen Krankheit zum Theater ist auch sehr spannend.

Interessant ist auch das Buch mit Martina Cavaldetschers „Erfindung des Ungehorsams“ zu vergleichen.

2020-09-24

Die schwarze Stunde

Filed under: Bücher — jancak @ 00:34
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Jetzt kommt bevor es mit dem Buchpreislesen weitergeht, ein Krimi oder Thriller, das kann ich nicht so wirklich unterscheiden, denn „Rowohlt“ hat mir Antonio Manzinis fünften Band aus seiner Rocco Schiavone-Bestsellerreihe geschickt und das war, wenn man die vorigen Bücher nicht gelesen hat und auch sonst noch nie etwas von dem 1964 in Rom geborenen Autor, dessen Bücher offenbar auch verfilmt wurden, ein wenig schwierig mit der Handlung mitzukommen, obwohl es ja immer heißt, daß Krimis spannend sind und man mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören kann.

Mitnichten, denn es ist ein Krimi im Krimi und obwohl ich es natürlich nicht beurteilen kann, habe ich doch das Gefühl, mir fehlt das Vorwissen der vier anderen Bücher, um das Ganze richtig zu verstehen und dieser Vicequestore scheint auch ein rauher Kerl mit Vorleben zu sein, das ich auch nicht ganz verstanden habe.

Es beginnt im Aostatal, wo der Vizequestore, der immer wütend wird, wenn man ihm Commissario nennt, aus Rom versetzt wurde. Er ist vor kurzem umgezogen und hat einen Hund namens Lupa und einen sechzehnjährigen Nachbarjungen dessen lauten Musik ihn stört.

So fängt es dann, dann schnappt ersich seinen Hund geht in eine Bar frühstücken, liest einen Zeitungsartikel, wo über ihn geschrieben wird und geht dann zu seinen Vorgesetzten, die ihm auffordern seine Geschichte zu erzählen.

Das ist die Rahmenhandlung, denn dann geht es, bisher waren wir im Jahr 2013 nach Rom und nach 2007 zurück und da wird Rocco gerade von seiner Frau Marina verlassen, weil sie ihm daraufgekommen ist, daß er kein so ganz reines Vorleben hat, sondern sich so ein bißchen wie Robin Hood an den Reichen vergriffen hat, um den Armen zu helfen oder auch ein bisschen dealt und Drogen konsumiert und drei Freunde, die er als Hehler arbeiten, sich aber sehr um ihn kümmern, hat er auch.

Das finde ich schon einmal ein bißchen ungewöhnlich. Dann gehts los mit dem Fall, denn es werden nacheinander zwei zwanzigjährige Jusstuenten aus guten Haus brutal ermordet und Rocco kommt darauf, daß sie in einem Drogenhandel verwickelt waren und klärt diesen Fall, während seine Marina, die als Kirchenrestauratorin arbeitet, wieder zu ihm zurückkommt, in circa dreihundert Seiten auf.

Eigentlich ist diese Handlung, obwohl sie sehr ausschweifend erzählt wird und auch einige sehr beeindruckende gesellschaftskritische Szenen hat, ziemlich banal. Die beiden Studetnen wollten im Drogenhandel mitmischen, sind der Maffia in die Quere bekommen, die sie brutal beseitigten und Rocco jagt mit seinen Kollegen nun zwei Männern Luigo Baiocci und Sandro Silvestrini, die die Drogen über einen getarnten Möbelhandel ins Land schmuggeln und von nigerianischen Unterhändlern verteilen läßt.

Marina wird auf dieser Jagd von Luigio Baiocci erschossen und damit endet Teil eins und wir kehren wieder in Aostatal zurück, wo inzwischen und das habe ich nicht ganz verstanden, die Frau von seinem Freund Sebastiano in Roccos Wohnung erschossen wurde, weshalb Rocco umgezogen und von einer Reporterin gejagt wurde und das Geheimnis, das nun noch etwa fünfzig Seite hat, ist, daß Rocco den Mörder seiner erschoß, weshalb er nun von Luigios BruderEnzio gejagt wird, der hat Adele, Sebastianos Frau erschoßen und der verlangt nun von Rocco, daß er ihn rächen kann.

Also Blutrache und Ehrenmord nicht nur bei den Türken, sondern auch bei den Italienern, dieser Bruder Enzio, ist inzwichen auch aus dem Gefängnis, in das ihn Rocco brachte, ausgebrochen und versteckt sich vor den Rächern. Das Gute an der Geschichte ist, daß sie ihn nicht finden und Rocco kehrt mit seinem Hund und mit seinem schlechten Ruf offenbar doch wieder ins Leben oder zu Fall sechs, zurück, schreibt noch Briefe an seine tote Frau, freundet sich aber, denn er hat ein gutes Herz unter der rauhen Schale mit dem Nachbarjungen an.

Eine Kollegin, die ihn versteht und zu ihm hält, gibt es auch und wie geschrieben, auch einige beeindruckende Stellen, wenn auch die vielen Namen und die vielen Handlungsstränge für eine nicht Manzini-Kennerin, ein wenig schwierig waren und der gute Rocco mit seiner deftigen Sprache für ein Sensibelchen, wie mich, auch etwas zu rauh.

2020-05-03

In Zeiten der Ansteckung

Filed under: Bücher — jancak @ 00:57
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Jetzt kommt ein kleines dünnes Büchlein, cirka siebzig Seiten, als E-Book Anfang April, als Taschenbuch bei „Rowohlt“ Ende April erschienen, des 1982 in Turin geborenen Paulo Giordano, der Physik studierte, aber sehr bald mit seinen „Einsamkeit der Primzahlen“ zum Bestsellerautor wurde.

Das Buch habe ich, 2012 glaube ich im „Wortschatz“ gefunden und bin so in Kontakt mit dem jungen Autor gekommen. Ein zweites Buch „Der menschliche Körper“, habe ich auch dort gefunden aber noch nicht gelesen. Das Dritte „Den Himmel stürmen“  hat mir, als ich das letzte Mal auf der Buchmesse war, ein Mitarbeiter, den es dort nicht mehr gibt , empfohlen und dann geschickt, als es  erschienen ist.

Da hätte es in Frankfurt, glaube ich, auch eine Party mit Wein und Antipasto gegeben, aber dorthin fahre ich ja nicht, also beim Lesen selber den Rotwein, wahrscheinlich war es kein italienischer, eingeschenkt und  nun ist der studierte Physiker offenbar unter die Sachbuchautoren gegangen, beziehungsweise, hat er Ende Februar, Anfang März, als die Pandemie noch eine Epidemie war und gerade von China nach Italien überschwappten und hierzulande noch die Chinesen auf der Straße beschimpft wurden, die wahrscheinlich schon in Wien geboren wurden und seit Jahren nicht mehr dort waren, ein Büchlein mit seinen Gedanken, die ungefähr, so wie bei den meisten „Krise als Veränderung“, lauten, herausgegeben, das ich, die ich mich ja natürlich für die Krise interessiere und mir auch meine eigenen Gedanken darüber mache, begierig gelesen.

Und ich kann schreiben, wie auch manche Amazon-Autoren, soviel Neues finde ich darin nicht, sondern wahrscheinlich genau das, was ich ungefähr eine Woche nach den von Giodano genannten Zeitpunkten dachte, als ich das letzte Mal bei einer literarischen Veranstaltung, also im Literaturhaus war, versuchte den Sicherheitsabstand einzuhalten, aber noch einige Hände entgegengestreckt bekommen habe, dachte „Das Virus macht mir keine Angst, der Polizeistaat und die Entmüdigungen, die daraus entstehen können, aber schon!“, habe ich, glaube ich, zur Erika Parovsky, die gerade von Israel zurückgekommen ist und zu Elfriede Haslehner, vielleicht auch zu Ruth Aspöck gesagt und kann mich noch erinnern, daß ich, als von den möglichen Geschläftschließungen, die es damals in Italien schon gab, die Rede war „In ein zwei Wochen ist das dann auch bei uns so weit!“, sagte. Das kam dann viel früher, denn schon am nächsten Tag gab es die erste Pressekonferenz mit Kanzler Kurz, der „Bleiben Sie zu Hause und stellen Sie Ihrer Großmutter die Einkäufe vor die Tür!“, sagte und ich war an dem Büchlein natürlich besonders interessiert, weil es ja die Zustände in Italien schildert, das damals nach China noch am meisten davon betroffen war, Spanien, Frankreich, England, USA folgten und das Spannende ist, daß das, was Paolo Giordano da Ende Februar, Anfang März schrieb, sich so gar nicht davon unterscheidet, was ich immer noch über das Sars Cov 2- Virus, heißt es, schreibt Giordano und die daraus entstehende Krankheit „Covid 19“ denke.

Da gab es ja von Anfang an die Information, daß dieses Virus zwar sehr ansteckend ist, aber nur ein kleiner Teil erkrankt, die meisten merken die Ansteckung gar nicht, aber die betroffenen, ältere und kranke Menschen erwischt es dann sehr intensiv, so daß in Folge der weltweiten Globalisierung, Panik den ganzen Globus erfüllten, es zu Shutdowns und weiterer Folge zum Niedergan der Wirtschaft führte.

Aber stop halt, noch sind wird nicht soweit, noch haben wir Ende Februar, in Italien werden die ersten Gebiete geschlossen, in Österreich treten Ärzte im Fernsehen auf und erklären, wie man sich die Hände wäscht und das man diese keinem geben soll.

Paolo Giordano erklärt dann ganz genau, den Widerstand, den es erweckt, wenn man sich plötzlich zu Gusten aller einschränken soll oder muß. Er führt ein Beispiel an, daß er an diesem Wochenende, noch im Februar, wo eingeladen war, aber schon niemanden küßen wollte, was da noch allgemeines Unverständnis erregte und schreibt später von einem Geburtstagsfest zu dem er gerne gegangen wäre, aber die Vernunft und der gesunde Menschenverstand, wie, glaube ich, derzeit Vizekanzler Kogler gerne sagt, hinderten ihn daran.

Der Mathematiker führt auch mathmatische Beispiele bezüglich der Ausbreitung des Virus an , das von Fledermäusen übertragen wurde und der Markt von Wuhan, wo diese Tiere verkauft werden, ist sehr eng. Inzwischen gibt es ja Zweifel, ob das Virus wirklich von dort her kommt und die sogenannten Fakenews bezüglich des Entweiches aus einem geheimen Labor gibt es auch. Da meint Giordano, das soll man lieber in einen Film so beschreiben und sich besser an die Fakten halten und kommt dann zu der Chance, die das Ganze hat und die ungehemmte Globalisierung, die die schnelle Ausbreitung natürlich sehr beschleunigt hat, gibt es auch zu überdenken.

Am Schluß zitiert er einen Bibelvers, den Psalm 90 „Unsere Tage zu zählen lehre uns“ und natürlich ist die Krise eine chance sein Leben zu überdenken und zu überlegen, was man nachhher vielleicht anders machen will.

Ich habe das getan und denk,e es ist für mich vielleicht ein sanfter Beginn in meine Pension einzusteigern und mich nicht mehr so zu ärgern oder zu kränken, wenn die Klienten nicht kommen, wenn ich in der „Alten Schmiede“ oder in der Gesellschaft“ nicht lesen darf, etcetera weil ich mir ja meine Bücher selber mache, bezweifle aber, daß die Krise allgemein wirklich zu einem Umdenken führen wird.

Sie wird die Welt verändern, sicher, die Fluglinien gehen ja ein, und diePolitiker sind wohl auch auf die Idee gekommen, das Beispiel Chinas, das schon in der Überwachung viel weiter ist, zum Wohle der Gesundheit allgemein einzuführen, aber sonst wird die Welt durch das Virus wohl nicht besser werden.

Ganz im Gegenteil meint die Pessimistin und glaubt auch, daß sich Viren in Zukunft wohl schneller und öfter verbreiten werden und das Umgehen damit, also die Angst davor, im Zeiten der Globaliierung zugenommen hat.

Ein interessantes Buch, wenn auch nur sehr dünn, wahrscheinlich schnell hinuntergeschrieben, um sich in Zeiten der Krise zu ordnen und alles zu überdenken, wie Giordano am Anfang schreibt. Das nicht soviel Neues bringt, weil sich die Zeiten inzwischen auch verändert haben und wir inzwischen schon in der Phase des vorsichtigen Öffnens sind und begierig darauf warten, ob nun eine zweite Welle kommt oder nicht und, ob die Maßnahmen zu übertrieben oder richtig waren, werden wir erst später wissen.

2020-04-22

Kilometer 123

Filed under: Bücher — jancak @ 00:03
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Mit den Krimis geht es weiter, die sich in Zeiten von Corona ganz zufällig, bei mir in besonderer Menge angesammelt haben, mit einem kleinen Büchlein des 1925 geborenen und im Sommer 2019 verstorbenen itlaienischen Autors Andrea Camilleri, dem Liebling meiner Schwiegermutter, die sich in Zeiten, als sie noch gelesen hat, seine Bücher gerne schenken ließ und, ich glaube, fast alle von ihm besitzt.

Ich habe auch einige von ihm in den den Schränken gefunden, einige davon gelesen, aber mit seiner Art zu schreiben einige Schwierigkeiten gehabt, ich glaube, seinen Stil als eher altmodisch und umständlich empfunden.

In den letzten Jahren habe ich seine Erinnerungen und den „Brief an Mathilda“ gelesen und jetzt wieder einen Art Krimi, der in Italien2019 erschienen ist, wie es überhaupt offenbar noch einige nicht übersetzte Camilleri Bücher gibt, also vielleicht noch etwas folgen wird, über das ich berichten kann.

Das Buch ist, wie schon beschrieben sehr dünn, an die hundertfünzig Seiten und es überrascht durch seinen Stil, den man auf dem ersten Blick als sehr ungewöhnlich bezeichnen könnte, denn es besteht hautsächlich aus Telefonnotizen, Dialogen, Briefen und Zeitungsartikeln.

Ein Anfängerstil könnte man sagen,  vielleicht auch ein Alterwerk und diesen Umständen geschuldet. Ich glaube Camilleri war am Schluß schon blind und hat seine Werke diktiert. Es liest sich aber durchaus spannend und interessant, wenn man sich an den Stil erst gewöhnt hat und das typisch Italienische, das ich beispielsweise auch bei Michela Murgia oder Alberto Moravia sehr gut zu bemerken ist, ist auch hier wieder vorhanden, denn es geht eigentlich um eine banale Eifersuchts und Ehebetrugsgeschichte, die am Schluß eine  vielleicht zu erwartende Wendung nimmt.

Es beginnt mit den SMS einer Ester an ihren Giuilo. Sie will ihn erreichen, kann es aber nicht. Es stellt sich heraus, daß er einen  Unfall und zwar an dem titelgebenden Kilometer 123 auf der Autobahn nach Rom hatte, im Spital liegt, der Frau wird sein Handy und sein Geld ausgeliefert. Ein Krankenpfleger ermittelt und jener Giuilo ist ein Bauunternehmer, der mehrere Frauengeschichten, aber auch sonst viel Dreck am Stecken hat, so zeigt ihm seine Frau bei der Finanzpolizei an. Er versucht zu fliehen, wird an der Grenze zur Schweiz verhaftet und Ester, die über die Geschenisse an ihre Freundin Maria schreibt, macht sich, um ihn große Sorgen und auch darüber, daß ihr Ehemann Stefano nichts mitbekommt.

Marias Ehemann kommt auch ums Leben und schließlich verunglückt Ester auch genau an jenem Kilometer 123 und wir erfahren sehr viel darüber aus den Gesprächen oder Briefe eines Polizisten an seinen Vorgesetzten.

Die Briefe sind übrigens und das finde ich sehr interessant auf einer alten Schreibmaschine mit schlechten Farbband geschrieben und gedruckt, so daß das Lesen dieser Stellen etwas schwierig ist, obwohl das Ganze 2008 spielt, vielleicht Camilleris Schreibmaschine, die Polizei wird damals ja wahrscheinlich schon Computer benützt haben.

Der Kommissar hat einen Verdacht, der Vorgesetzte befiehlt ihm seine Briefe zu vernichten und am Schluß spoilere ich noch an, können sich dann die Übergebliebenen in die Arme fallen und sich über den gelungenen Coup freuen und ich habe gelernt, daß Andrea Camilleri vielleicht doch ganz interessant ist und, daß man einen Krimi auch ganz anders schreiben kann.

Und weil ichs ja mit den Namen habe, mit meiner ersten Kritikern darüber diskutierte, ob ich eine meiner Protgonistinnen Sophie Hunger nennen kann, mit Elfriede Haslehner schon darüber, ob eine meiner Geschichten „Thea Leitners verrückter Traum“, heißen darf, weil es  ja eine Journalistin gleichen Namens gibt und mir auch einige Leute sagten, daß meine Transgeschichte wegen Ulrich Plenzdorf oder sonst noch jemanden, nicht „Paul und Paula“ heißen darf. Den letzten Bloggerdebutpreis hat Nadine Schneider mit „Drei Kilometer“ gewonnen. Gut, da fehlen hundertzwanzig und, daß es einige Bücher mit gleichen oder ähnlichen Titel trotz des berühmten Tiitelschutzes gibt, fällt mir  auch immer wieder auf.

2020-04-07

Belmonte

Filed under: Bücher — jancak @ 00:37
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In Zeiten, wo wir gebannt nach Italien schauen und Kanzler Kurz immer sagen hören, daß er nicht solche Zustände haben will, wo die Ärzte wählen müssen, wen sie behandeln wollen und sich die Verwandten nicht von ihren Toten verabschieden können, ein deutsch-italinischer Familienroman „Belmone“, der von einer deutschen Bestsellerautorin geschrieben worden, die denNamen Antonia Riepp, als Pseudonym wählte und von „Piper“ wohl als Frühlingsereignis präsentiert worden wäre, wäre nicht Corona dazwischengekommen.

Als ich von unseren Winterurlaub mit der Ruth zurückgekommen bin, habe ich das Buch im Postfach liegen gehabt, ein unverlangt zugeschicktes Exemplar, und auch nicht unbedingt mein Lesegeschmack, obwohl ich mich ja, wie ich immer schreibe, nicht nur quer durch den literarischen Gemüsegarten lese, sondern ganz gern auch Krimis und CickLits lese und, wie ich, als meinen „unwürdigen Literaurgeschmack“, zugeben muß, sehr gern und viel Courths-Mahler gelesen habe.

Jetzt ist es aber moderner, spielt es doch in der Gegenwart oder doch nicht so ganz, es beginnt im Jahr 1944, als die beiden Freundinnen Marta und Teresa, die in dem fiktiven Örtchen Belmonte in der Provinz Marken wohnen, ihren Partisanenfreunden Essen bringen, Teresa ist in einen Cesare verliebt, Teresa in einen Salvadore und am Rückweg von deutschen Soldaten vergewaltigt werden.

Für Marta geht das „gut“ aus, sie kann ihren Salvatore heiraten, hegt aber für den Rest ihres Lebens einen Haß gegen die Deutschen und ihr Geheimnis gibt sie auch nicht kund. Teresa wird dagegen schwanger, will das Kind abtreiben, es gelingt ihr nicht und ihr Vater schlägt sie zuerst halb tot,  später verheiratet er sie gegen einen Weinberg, an den kriegsversehrten einarmigen Ettore und als die kleine Franca geboren wird, wird ihr  im Dorf „Bastard“ nachgerufen.

Die stirbt nun im Allgäu, in dem Städtchen Kempten und hinterläßt ihrer Enkeltochter Simona ein Haus in Belmonte. Die ist Landschaftsgärtnerin und hat gar nicht gewußt, daß die Nonna, bei der sie eigentlich aufgewachsen ist, dort ein Häuschen hatte. Daß sie die Enkelin einer italienischen Gastarbeiterin ist, wußte sie schon und Italienisch hat ihr die Nonna auch beigebracht.

Simona, die sich gerade in einer Krise befindet, beziehungsweise ihren Job verloren hat und mit ihrem Freund Sebastian auch nicht so glücklich ist, fährt hin und nach und nach bekommt die Viergenerationen Familiengeschichte heraus und die ist recht kompliziert, denn es war immer eine in den falschen verliebt und  konnte nicht so glücklich werden.

Teresa ist jedenfalls, als Franca sechs war, verschwunden und man wußte nicht so recht, wurde sie von ihrem Ehemann erschlagen oder ist sie mit ihrem Liebhaber durchgebrannt. Franca wurde von Marta und Salvatore aufgezogen und hatte auch ein recht eigenartiges Verhältnis zu deren Sohn Federico. Als sie neunzehn war, ging sie mit Salvatore nach Deutschland, wurde Näherin, später Änderungsschneiderin und heiratete einen Tobias Mälzer und zu ihrer Tochter Marina, die recht schwierig war, hatte sie immer ein sehr distanziertes Verhältnis. Die brach mit Achtzehn mit ihren Hippiefreunden auf Europareise auf und versetzte mit ihren Kumpanen ganz Belmonte in Aufregung. Sie kam auch schwanger zurück und die Großmutter zog dann die kleine Simona auf, die lange nicht wußte, wer ihr Vater war?

Jetzt in Belmonte soll sie es nach und nach erfahren und wird vielleicht auch in eine Liebschaft verwickelt, beziehungsweise muß sie sich entscheiden, ob sie in Belmonte bleiben, dort einen Gemüseladen aufziehen oder zurück nach Deutschland zu ihren Sebastian will?

Sie entscheidet sich für Letztes, werde ich gleich spoilern, sonst aber nicht mehr sehr viel erzählen über diesen Unterhaltungsroman, der die Unterdrückung der italienischen Frauen zeigt und der durch die Corona- Krise wohl nicht so unbefangen gelesen werden wird, wie er wohl gedacht war.

Ja richtig, eines habe ich noch vergessen, ein Erdbeben hat es 1997 in Markenauch gegeben, das wahrscheinlich das Dörfchen Castiglioni di Arcevica, das wie Antonia Riepp uind in ihren Nachwort und Danksagung verrät, das Vorbild für Belmonte war, in Mitleidenschaft zog.

2020-01-14

Brief an Mathilda

Filed under: Bücher — jancak @ 00:10
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Ich bin ja keine so besondere Freundin der Krimis des 1925 in Sizilien geborenen und im letzten Sommer in Rom verstorbenen Autors Andrea Camilleri, den meine Schwiegermutter sehr mochte.

Ein paar von ihnen habe ich gelesen, die ich aber als eher langatmig fand, ein paar weitere liegen in meinen Regalen und ungefähr vor einem Jahr gab es auch ein Camilleri Buch „Gewisse Momente“ wo er von seinen Freunden und seinen Begegnungen schrieb und 2017 hat er in einem Brief an seine jüngste Urenkeltochter, damals keine vier, er über neunzig und fast blind geschrieben, in dem er ihr „Ein italinischen Leben“ erklärte.

Was die Vierjährige mit dem Buch anfangen kann, weißich nicht.

„Kindler“ hat es herausgegeben und mir geschickt und es ist ein schneller Durchgang durch sein Leben, er ist im Faschismus Mussolinis aufgewachsen, war mit zehn ein glühender Faschist und hat dem Duce sogar einen Brief geschrieben. Später hat er sich davon abgewendet, ist Kommunist geworden und in die Schule ist er seltsamerweise auch nicht gerne gegangen.

Obwohl er schon frühzeitig Bücher las, später in Rom Regie studierte, die Liebe seines Lebens Rosetta heiratete, von ihr drei Töchter und vier Enkelkinder hatte und als Schriftsteller nicht sehr schnell, aber mit seinen Krimis, die er eigentlich selber nicht leiden konnte, sehr berühmt geworden.

Er war auch immer ein politischer Mensch, ist aber nicht in die <politik gegangen und äußert der Keinen oder auch seinen erwachsenen <lesern, das, was er von der EU, der Korruption und der Migration hält.

Ein  interessantes Beispiel führt er diesbezüglich an, wie er vor einigen Jahren mit seiner Frau und einer seiner Töchter in Wien, das kunsthistorische Museum besuchte und dort plötzlich Nasenbluten bekam. Die Frau und die Tochter suchten ein Taxi, er saß offenbar im Freien herum, die lieben Wiener oder andere Personen rannten an ihm vorbei, nur ein Araber hat ihm geholfen, ihn als seinen Freund bezeichnet und den ihm offerierten Geldschein auch noch abgelehnt.

Später steht dann noch, daß keine Angst vor dem Tod hat, nur die seine Freunde und Familie zu verlieren und am Schluß fordert er die kleine Matilda noch auf, ihm von seinem Leben zu erzählen.

Eine interessante Idee so seine Memoiren zu veröffentlichen, da er aber viele Leser und wahrscheinlich noch mehr Leserinnen hat und das hundertfünfundzwanzig Büchlein auch leicht und schnell zu lesen ist, wird es auch erfolgreich werden.

2019-02-09

Gewisse Momente

Filed under: Bücher — jancak @ 00:39
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Jetzt kommt eine Art Bekenntnisbuch, die Lebenserinnerungen, beziehungsweise die an gewisse Personen und Begegnungen des 1925 geborenen sizilinischen Krimiautors Andrea Camilleri, von dem ich einige Bücher gelesen, einige in meinen Regalen stehen habe und der, glaube ich, auch ein Lieblingsautor meiner Schwiegermutter war.

Ich hatte mit seinen Krimis gewisse Schwierigkeiten, habe sie als eher altmodisch oder langatmig empfunden, kann mich aber erinnern, daß ich bei „Rund um die Burg“ einmal bei „Buchkultur“ eines seiner Bücher gewonnen und das erste Kapitel, das von einem Sandler der einmal Arzt war, handelte, gelesen habe und dann, als ich daraufgekommen bin, daß das Buch kein Roman, sondern ein Erzählband ist, dieses enttäuscht abgebrochen habe, was ich auch einmal bei einem Buch der Pearl S. Buck machte, obwohl ich ja sonst eine Fertigleserin bin.

Andrea Camilleri also, der alte Mann, das Buch wurde, glaube ich, 2015 auf Italienisch geschrieben und ist jetzt auf Deutsch herausgekommen, der in seiner Jugend den Faschismus erlebte , sich von diesem abwandte und durch Bücher, wie einew von Andre Malraux zum Kommunisten wurde, schreibt in seinem Erinnerungsbuch von den Begegnungen, die er mit sowohl berühmten als auch gewöhnlichen Menschen hatte und beginnt  mit einem lesenden jungen Mann, den er 1942, da war er, glaube ich, noch Schüler und wurde sowohl von jungen Lehrerinnen als auch alten Lehrern unterrichtet, in einem Cafehaus hatte, der ihn sehr beeindruckte, weil, er es verstanden hatte, zehn Tage nachdem er in den Militärdienst einberufen wurde, von dort wieder entlassen zu werden.

Dann kommt einge Geschichte die viel später spielt, nämlich als er katholisch heiraten wollte, aber keine Firmung hatte, da mußte er, um diese zu bekommen, vorher beichten. Das hat er aber vor zwanzig Jahren das letzte Mal getan. Der alte Bischof, der sie ihm aber abnehmen wollte, verwickelte ihn in ein dreistündiges Gespräch und das war es dann.

Es kommt dann eine Geschichte, in der er im Krieg eine Zeitschrift gründen wollte, aber verhaftet wurde, weil in seiner Reaktion Waffen versteckt waren. Er hat aber auch Pier Paulo Pasolini mit dem er sich nicht so besonders verstanden hat und Antonio Tabucci kennengelernt, den letzteren allerdings nie persönlich, sondern nur telefonisch oder durch Postkarten, der von ihm bekommen hat.

Andrea Camilleri hat in Rom an der Theaterakademie studiert und, was ich nicht wußte als Regisseur gearbeitet, da folgen einige Begegnungen mit merkwürdige Künstlernpersönlichkeiten.

So hat er in Genua für den Autor  Roberto Morsucci ein Stück inszeniert, das diesen nicht zu gefallen schien, nach der Premiere hat er dann erfahren, daß er sich umgebracht hat.

Das selben Schicksal hatte der  absurde Autor Arthur Aadamo, während er in Silvano Falleni einen genialen Bühnenbildner hatte, der seine Bühnenbilder nie zu Ende brachte und am Ende in einer psychiatrischen Klinik starb und einen seltsamen Kommilitonen hatter er in Rom auch, den er, während er ihm die Regiekunst beibtachte, beim Fliegenessen beobachtete.

Es gibt Begegnungen mit Schriftstellern wie Stefano D`Arrigo, Emilo Gadda, Elio Vittorino oder Primo Levi mit denen er spazierenging oder sich durch ein Theater führen ließ. Eine junge Ilatienischlehrerin, die seine ersten Gedichte las, hat ihm die Liebe zu den zeitgenössischen Lyrikern beigebracht.

Es gibt auch ein Kapitel, das seine Liebe zu Büchern und seine Lesebiografie beschreibt, von seinem ihm sehr beeindruckenden Italienischchlehrer der auf seine Art und Weise dem Faschismus widerstand wird berichtet und einer Begegnung mit einem kommunistischen Ingenieuer mit dem er und seine Freunde in im Mai 1942 im Schwimmbad über Literatur diskutierte.

Der Abschied von einem jüdischen Schüler, dessen unbekanntes Schicksal ihn in seine Träume verfolgte und den er später im Theater widertraf und eine sehr eindrucksvolle Begegnung mit einer Prostituierten, die sich nach dem Tod ihrer zwei Kinder, das Leben nahm, um frei zu sein, werden auch beschrieben.

Eine sehr eindrucksvolle Art in das Leben oder in die Erinnerungsmomente eines großen Autors den ich eigentlich nur  durch seine Krimis, die manchmal historisch waren, im Gedächtnis hatte.

„Ein Buch zum Staunen, Lachen, Weinen  – und ein wertvolles Stück Zeitgeschichte“, steht am Buchrücken und man erfährt, füge ich hinzu, auch wenn es dem nicht in der italienischen Literatur Geübten ein wenig schwer fallen mag, alles zu verstehen, einiges über das intellektuelle italienische Leben ab 1942 und Sizilien beziehungsweise Rom und eigentlich nur wenig über seine Krimis, die meine Schwiegermutter, glaube ich, in ihrer Gesamtausgabe früher in der Küche liegen hatte und das finde ich auch sehr interessant.

2018-07-16

Meine geniale Freundin

Filed under: Bücher — jancak @ 00:48
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Nun kommt Teil eins der sogenannten „Neapolitanischen Saga“, Elena Ferrantes  Tetralogie über zwei Mädchen, die im ärmlichen Nepael der Neunzehnfünfziger- und sechzigerjahre aufgewachsen sind, die sie, wie ich „Wikipedia“ entnahm, nicht so genannt haben will und sie will auch ihre Identität, die, glaube ich, inzwischen enthüllt oder auch nicht so ganz ist, nicht outen.

Im Sommer 2016, als ich gerade mein zweites Mal Buchpreis gelesen hat, hat der erste Teil der vier Bücher, die die Kindheit und die Jugend der beiden Freundinnen Lina und Lenu beschreiben „Meine geniale Freundin“ in die Buchwelt eingeschlagen und es war neben Han Kangs „Vegetarierin“, die Bestseller der Saison, die man plötzlich lesen sollte.

Die „Vergetarierin“ habe ich gelesen, Elenas Ferrantes Saga ist an mir vorbei gegangen, wahrscheinlich habe ich  gedacht, daß ich bei „Wagenbach“ und auch bei Alberto Moravia schon genug über das Italien der der frühen Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts gelesen habe, vielleicht hat es sich auch nicht ergeben. Denn meine Leseliste ist ja lang und das doppelte Buchpreislesen, das es damals zum ersten Mal gab, hat mich voll ausgelastet.

Im Jahr 2017 sind dann die anderen Bände der Lebensgeschichte der zwei Frauen, Elena Ferrante, will es glaube ich, so genannt haben, erschienen und heuer glaube ich auch noch Buch, das sich darauf bezieht.

Ich bin im vorigen Mai mit dem Alfred und der Ruth um den Bodensee geradelt und weil wir sie dazu anläßlich ihres Geburtstags eingeladen haben, hat sie sich veranlaßt gesehen, als wir in Überlingen, glaube ich, in einer Buchhandlung standen, mich gefragt, ob ich das Buch schon gelesen habe und es haben will?

Da kann ich bekanntlichermaßen ja nie „Nein!“, sagen, obwohl ich mich erinnern kann, daß ich zu dem danebenstehebenen „Kraft“ schielte, aber nicht sagte“Eher das!“, aber das habe ich inzwischen auch gelesen, weil es auf der 2017 Buchpreisliste stand und es hat mir gar nicht so gefallen und da ich jetzt bevor die August- Neuerscheinungen und die neue Buchpreisliste erscheinen, die mich wahrscheinlich noch vollkommener von meiner Leseliste abhalten werden, wie es in den letzten Jahren geschah, ein bißchen verzweifeltes Backlistauflesen, wie ich das jetzt nennee und da kam jetzt, nachdem die Geburtstagsbücher gelesen sind, eben Elena Ferrante dran, war es ja ein Geschenk und sollte dementsprechend beachtet werden.

Vorher habe ich noch im Rahmen des „HotelReihelesens“, das ich jetzt wahrscheinlich doch nicht vollständig betreiben werde,ich mit Giorgio Bassanis „Mann mit der Goldbrille“ beschäftigt, wo ich genau jenen schwülstig erotischen Ton fand, den die italienischen Romane des vorigen Jahrhunderts bevorzugt haben.

Und genau das ist wahrscheinlich das Verdienst Elena Ferrantes und der Grund, warum alle ihre Saga, als so genial und noch nie dagewesen bezeichnen.

„Was für ein Werk!“, schreibt der „Spiegel“ am Buchrücken „Alle Welt liest Elena Ferrante“, die“ FAZ“ und „Ein epochales literaturgeschichtliches Ereiginis“, die „Zeit“, daß sie damit aufräumt und einen scharfen kantigen Ton in das Neapel um 1958 hineinbringt, wo die Brüder mit ihren Schwestern so umgingen, wie man das heute empört den Türken vorwirft und die Messer und die Fäuste flogen und die Maffia oder die Camorra ihre Geschäfte trieb und sie auf diese Art und Weise, die Sozialkritik sehr scharf zeichnet, ohne meiner Meinung nach etwas wirklich Neues zu erzählen, aber wie soll das auch gehen? War es ja wahrscheinlich so und das Los vieler Frauen, die damals in der italienischen Unterschicht aufgewachsen sind.

Einige neue Facetten sind aber wahrscheinlich schon drinnen und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum alle so begeistert aufschreien. Es ist der Ton, wie sie erzählt und der mir, ich schreibe es gleich, nicht immer gefallen, mich aber durchaus beeindruckt hat.

Da sind also Lina und Lenuccia, die eigentlich Elena heißt, die eine, die Tochter des Schusters, die andere, des Pförtners im Rathaus und sie wachsen in einem ärmlichen Viertel Neapels auf. Erzählt wird das von Elena Jahre später. Denn da ist Lina plötzlich verschwunden, ihr Sohn ruft Elena, die sich inzwischen als Journalistin und Schriftstellerin emanzipiert und die Stadt verlassen hat und fragt sie, ob sie weiß, wo sie ist? Denn sie hat alle ihre Spuren verwischt, sogar ihr Bild aus den Fotos hinausgeschnitten und so beginnt Elena in Band eins, über ihre Kindheit und dieJugend zu erzählen.

Was sehr angenehm ist, gibt es am Beginn ein ausführlches Personenregister, der Familien, die um die Hauptakteure, in dem Viertel aufwachsen und Lina wird von Elena Ferrante, meiner Meinunung  nach etwas zu abgehoben und unrealistisch genial beschrieben.

Wer die geniale Freundin ist, ist überhaupt unklar. Denn Lina hat ja ihren Rayon nie verlassen, während Elena das gelungen ist. Se war aber, schreibt sie, in der Schule genialer, hat sich selbst das Lesen und das Schreiben beigebracht, war auch frech und aufmüpfig und hat sich weder von den Lehrern noch von den Burschen etwas gefallen lassen.

So werden beiden Mädchen nach Ende der Grundschulzeit von der Lehrerin, Maestra Olivero, die zu den Eltern nach Hause geht und für ein Schmiergeld Nachhilfestunden anbietet, für die Aufnahmsprüfung in die Mittelschule vorgeschlagen.

Elenas Eltern machen das widerstrebend, der Schuster Fernando verweigert. Lina schreit „Ich mach die Prüfung trotzdem!“

Sie ist auch die Beste, auf die Schule darf sie aber trotzdem nicht, denn der Schuster schmeißt sie aus dem Fenster, so daß sie ins Spital muß, nachher darf sie zwar auf eine Haushalts oder Büromädchenschule, die sie aber verweigert, sich selbst aus den Büchern der Bibliothek Latein und Griechisch beibringt und Lenu, die damit anfangs Schwierigkeiten hat, unterrichtet, so daß die Lehrer sie bei der Nachprüfung fragen, wer ihr dabei geholfen hat und sich erkundigen, ob die Freundin, die Universität besucht?

Lina arbeitet aber in dieser Zeit in der Schusterwerkstatt und heckt mit ihren Bruder Rino Pläne aus, mit  selbstentworfenen Schuhe reich zu werden.

Denn das ist der Traum der beiden Mädchen mit viel Geld aus dem Viertel hinauszukommen. Zuerst wollten sie Bücher schreiben, um das zu schaffen. Dann entwirft Lina Schuhe. Sie stellen in jahrelanger Mühe ein Paar her, als aber Rino sie dem Vater zeigt, beginnt der ihn zu versohlen.

So war es offenbar in dem Italien des Alberto Moravia und der „Wagenbach- Schriftsteller“. Elena gelingt es aber durch nächtelanges Büffeln Klassenbeste zu werden und darf dann auch aufs Gymnasium, was auch mühsam ist, denn die Schulbücher müssen ausgeborgt oder gebraucht erstanden werden und im Sommer darf sie zwar zu Maestra Oliverios Cousine nach Ischia, aber auch nur um ihr im Haushalt zu helfen, kommt aber braungebrann und fast als Mißbrauchsopfer zurück.

Die Mädchen gehen unterdessen mit ihren Brüdern aus, fangen vorsichtig die ersten Freundschaften an und da gibt es die Solara-Brüder, die sowetwas wie die Maffia des Rayons sind, der eine stellt Llina nach, macht ihr schöne Geschenke, wie einen Fernsehapparat, aber sie verlobt sich mit Fünfzehn mit dem Lebensmittelhändler Stefano, der ein paar Jahre älter, als sie ist und außerdem noch der Sohn von Don Achillo, dem „Unhold aus dem Märchen“, wie in der Beschreibung steht, der den Mädchen als Kinder Angst machte, ihnen ihre Puppen klaute und später ermordert wird.

Das wird auch, während sich Elena durch ihre Prüfungen quält, sehr ausführlich beschrieben. Lina hat inzwischen ihr Interesse am Lernen komplett verloren. Läßt sich von ihrem Verlobten ausführen und schöne Geschenke machen. Er verspricht ihr auch ihre Schuhe groß herauszubringen, gibt dem Vater Geld, so daß der drei Gehilfen anheuern kann, die die Schuhe herstellen. Es will in dem Viertel aber niemand so teure handgemachte Schuhe kaufen.

So kommt, was kommen muß, Marcello Solara, der ja Lina heiraten wollte und den sie haßt, erscheint zur Hochzeit in dem Paar von ihr und Rino jahrelang angefertigten schuhen. Stefano hat sie ihm gegeben. Das Paar geht auf Hochzeitsreise und Elena stellt fest, daß es wohl niemals möglich ist, aus dem Viertel herauszukommen oder nur, wenn man sich anstrengt, lernt und dieses verläßt und so endet der erste Teil. In den drei anderen wird dann weitererzählt. Ein bißchen habe ich in „Wikipedia“ nachgelesen, was da passiert. Ich habe ja nur das eine Buch, werde die anderen, wenn ich sie mal in den Schränken oder einer Abverkaufskiste finden sollte, natürlich nehmen oder um einen Euro kaufen. Aber zum Lesen werde ich angesichts meiner Bücherfülle höchstwahrscheinlich nicht kommen und bin, was die Bewertung betrifft, auch ein wenig ratlos, denn so genial und umwerfend finde ich das Buch eigentlich nicht, obwohl es sehr eindringlich und auch auf eine andere Art und Weise vom Neapel der Neunzehnhundertfünfziger und sechzigerjahre, der Unterdrückung der Frauen und den zerstörten Lebensläufen erzählt.

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