Literaturgefluester

2020-05-03

In Zeiten der Ansteckung

Filed under: Bücher — jancak @ 00:57
Tags: , ,

Jetzt kommt ein kleines dünnes Büchlein, cirka siebzig Seiten, als E-Book Anfang April, als Taschenbuch bei „Rowohlt“ Ende April erschienen, des 1982 in Turin geborenen Paulo Giordano, der Physik studierte, aber sehr bald mit seinen „Einsamkeit der Primzahlen“ zum Bestsellerautor wurde.

Das Buch habe ich, 2012 glaube ich im „Wortschatz“ gefunden und bin so in Kontakt mit dem jungen Autor gekommen. Ein zweites Buch „Der menschliche Körper“, habe ich auch dort gefunden aber noch nicht gelesen. Das Dritte „Den Himmel stürmen“  hat mir, als ich das letzte Mal auf der Buchmesse war, ein Mitarbeiter, den es dort nicht mehr gibt , empfohlen und dann geschickt, als es  erschienen ist.

Da hätte es in Frankfurt, glaube ich, auch eine Party mit Wein und Antipasto gegeben, aber dorthin fahre ich ja nicht, also beim Lesen selber den Rotwein, wahrscheinlich war es kein italienischer, eingeschenkt und  nun ist der studierte Physiker offenbar unter die Sachbuchautoren gegangen, beziehungsweise, hat er Ende Februar, Anfang März, als die Pandemie noch eine Epidemie war und gerade von China nach Italien überschwappten und hierzulande noch die Chinesen auf der Straße beschimpft wurden, die wahrscheinlich schon in Wien geboren wurden und seit Jahren nicht mehr dort waren, ein Büchlein mit seinen Gedanken, die ungefähr, so wie bei den meisten „Krise als Veränderung“, lauten, herausgegeben, das ich, die ich mich ja natürlich für die Krise interessiere und mir auch meine eigenen Gedanken darüber mache, begierig gelesen.

Und ich kann schreiben, wie auch manche Amazon-Autoren, soviel Neues finde ich darin nicht, sondern wahrscheinlich genau das, was ich ungefähr eine Woche nach den von Giodano genannten Zeitpunkten dachte, als ich das letzte Mal bei einer literarischen Veranstaltung, also im Literaturhaus war, versuchte den Sicherheitsabstand einzuhalten, aber noch einige Hände entgegengestreckt bekommen habe, dachte „Das Virus macht mir keine Angst, der Polizeistaat und die Entmüdigungen, die daraus entstehen können, aber schon!“, habe ich, glaube ich, zur Erika Parovsky, die gerade von Israel zurückgekommen ist und zu Elfriede Haslehner, vielleicht auch zu Ruth Aspöck gesagt und kann mich noch erinnern, daß ich, als von den möglichen Geschläftschließungen, die es damals in Italien schon gab, die Rede war „In ein zwei Wochen ist das dann auch bei uns so weit!“, sagte. Das kam dann viel früher, denn schon am nächsten Tag gab es die erste Pressekonferenz mit Kanzler Kurz, der „Bleiben Sie zu Hause und stellen Sie Ihrer Großmutter die Einkäufe vor die Tür!“, sagte und ich war an dem Büchlein natürlich besonders interessiert, weil es ja die Zustände in Italien schildert, das damals nach China noch am meisten davon betroffen war, Spanien, Frankreich, England, USA folgten und das Spannende ist, daß das, was Paolo Giordano da Ende Februar, Anfang März schrieb, sich so gar nicht davon unterscheidet, was ich immer noch über das Sars Cov 2- Virus, heißt es, schreibt Giordano und die daraus entstehende Krankheit „Covid 19“ denke.

Da gab es ja von Anfang an die Information, daß dieses Virus zwar sehr ansteckend ist, aber nur ein kleiner Teil erkrankt, die meisten merken die Ansteckung gar nicht, aber die betroffenen, ältere und kranke Menschen erwischt es dann sehr intensiv, so daß in Folge der weltweiten Globalisierung, Panik den ganzen Globus erfüllten, es zu Shutdowns und weiterer Folge zum Niedergan der Wirtschaft führte.

Aber stop halt, noch sind wird nicht soweit, noch haben wir Ende Februar, in Italien werden die ersten Gebiete geschlossen, in Österreich treten Ärzte im Fernsehen auf und erklären, wie man sich die Hände wäscht und das man diese keinem geben soll.

Paolo Giordano erklärt dann ganz genau, den Widerstand, den es erweckt, wenn man sich plötzlich zu Gusten aller einschränken soll oder muß. Er führt ein Beispiel an, daß er an diesem Wochenende, noch im Februar, wo eingeladen war, aber schon niemanden küßen wollte, was da noch allgemeines Unverständnis erregte und schreibt später von einem Geburtstagsfest zu dem er gerne gegangen wäre, aber die Vernunft und der gesunde Menschenverstand, wie, glaube ich, derzeit Vizekanzler Kogler gerne sagt, hinderten ihn daran.

Der Mathematiker führt auch mathmatische Beispiele bezüglich der Ausbreitung des Virus an , das von Fledermäusen übertragen wurde und der Markt von Wuhan, wo diese Tiere verkauft werden, ist sehr eng. Inzwischen gibt es ja Zweifel, ob das Virus wirklich von dort her kommt und die sogenannten Fakenews bezüglich des Entweiches aus einem geheimen Labor gibt es auch. Da meint Giordano, das soll man lieber in einen Film so beschreiben und sich besser an die Fakten halten und kommt dann zu der Chance, die das Ganze hat und die ungehemmte Globalisierung, die die schnelle Ausbreitung natürlich sehr beschleunigt hat, gibt es auch zu überdenken.

Am Schluß zitiert er einen Bibelvers, den Psalm 90 „Unsere Tage zu zählen lehre uns“ und natürlich ist die Krise eine chance sein Leben zu überdenken und zu überlegen, was man nachhher vielleicht anders machen will.

Ich habe das getan und denk,e es ist für mich vielleicht ein sanfter Beginn in meine Pension einzusteigern und mich nicht mehr so zu ärgern oder zu kränken, wenn die Klienten nicht kommen, wenn ich in der „Alten Schmiede“ oder in der Gesellschaft“ nicht lesen darf, etcetera weil ich mir ja meine Bücher selber mache, bezweifle aber, daß die Krise allgemein wirklich zu einem Umdenken führen wird.

Sie wird die Welt verändern, sicher, die Fluglinien gehen ja ein, und diePolitiker sind wohl auch auf die Idee gekommen, das Beispiel Chinas, das schon in der Überwachung viel weiter ist, zum Wohle der Gesundheit allgemein einzuführen, aber sonst wird die Welt durch das Virus wohl nicht besser werden.

Ganz im Gegenteil meint die Pessimistin und glaubt auch, daß sich Viren in Zukunft wohl schneller und öfter verbreiten werden und das Umgehen damit, also die Angst davor, im Zeiten der Globaliierung zugenommen hat.

Ein interessantes Buch, wenn auch nur sehr dünn, wahrscheinlich schnell hinuntergeschrieben, um sich in Zeiten der Krise zu ordnen und alles zu überdenken, wie Giordano am Anfang schreibt. Das nicht soviel Neues bringt, weil sich die Zeiten inzwischen auch verändert haben und wir inzwischen schon in der Phase des vorsichtigen Öffnens sind und begierig darauf warten, ob nun eine zweite Welle kommt oder nicht und, ob die Maßnahmen zu übertrieben oder richtig waren, werden wir erst später wissen.

2020-04-22

Kilometer 123

Filed under: Bücher — jancak @ 00:03
Tags: , , ,

Mit den Krimis geht es weiter, die sich in Zeiten von Corona ganz zufällig, bei mir in besonderer Menge angesammelt haben, mit einem kleinen Büchlein des 1925 geborenen und im Sommer 2019 verstorbenen itlaienischen Autors Andrea Camilleri, dem Liebling meiner Schwiegermutter, die sich in Zeiten, als sie noch gelesen hat, seine Bücher gerne schenken ließ und, ich glaube, fast alle von ihm besitzt.

Ich habe auch einige von ihm in den den Schränken gefunden, einige davon gelesen, aber mit seiner Art zu schreiben einige Schwierigkeiten gehabt, ich glaube, seinen Stil als eher altmodisch und umständlich empfunden.

In den letzten Jahren habe ich seine Erinnerungen und den „Brief an Mathilda“ gelesen und jetzt wieder einen Art Krimi, der in Italien2019 erschienen ist, wie es überhaupt offenbar noch einige nicht übersetzte Camilleri Bücher gibt, also vielleicht noch etwas folgen wird, über das ich berichten kann.

Das Buch ist, wie schon beschrieben sehr dünn, an die hundertfünzig Seiten und es überrascht durch seinen Stil, den man auf dem ersten Blick als sehr ungewöhnlich bezeichnen könnte, denn es besteht hautsächlich aus Telefonnotizen, Dialogen, Briefen und Zeitungsartikeln.

Ein Anfängerstil könnte man sagen,  vielleicht auch ein Alterwerk und diesen Umständen geschuldet. Ich glaube Camilleri war am Schluß schon blind und hat seine Werke diktiert. Es liest sich aber durchaus spannend und interessant, wenn man sich an den Stil erst gewöhnt hat und das typisch Italienische, das ich beispielsweise auch bei Michela Murgia oder Alberto Moravia sehr gut zu bemerken ist, ist auch hier wieder vorhanden, denn es geht eigentlich um eine banale Eifersuchts und Ehebetrugsgeschichte, die am Schluß eine  vielleicht zu erwartende Wendung nimmt.

Es beginnt mit den SMS einer Ester an ihren Giuilo. Sie will ihn erreichen, kann es aber nicht. Es stellt sich heraus, daß er einen  Unfall und zwar an dem titelgebenden Kilometer 123 auf der Autobahn nach Rom hatte, im Spital liegt, der Frau wird sein Handy und sein Geld ausgeliefert. Ein Krankenpfleger ermittelt und jener Giuilo ist ein Bauunternehmer, der mehrere Frauengeschichten, aber auch sonst viel Dreck am Stecken hat, so zeigt ihm seine Frau bei der Finanzpolizei an. Er versucht zu fliehen, wird an der Grenze zur Schweiz verhaftet und Ester, die über die Geschenisse an ihre Freundin Maria schreibt, macht sich, um ihn große Sorgen und auch darüber, daß ihr Ehemann Stefano nichts mitbekommt.

Marias Ehemann kommt auch ums Leben und schließlich verunglückt Ester auch genau an jenem Kilometer 123 und wir erfahren sehr viel darüber aus den Gesprächen oder Briefe eines Polizisten an seinen Vorgesetzten.

Die Briefe sind übrigens und das finde ich sehr interessant auf einer alten Schreibmaschine mit schlechten Farbband geschrieben und gedruckt, so daß das Lesen dieser Stellen etwas schwierig ist, obwohl das Ganze 2008 spielt, vielleicht Camilleris Schreibmaschine, die Polizei wird damals ja wahrscheinlich schon Computer benützt haben.

Der Kommissar hat einen Verdacht, der Vorgesetzte befiehlt ihm seine Briefe zu vernichten und am Schluß spoilere ich noch an, können sich dann die Übergebliebenen in die Arme fallen und sich über den gelungenen Coup freuen und ich habe gelernt, daß Andrea Camilleri vielleicht doch ganz interessant ist und, daß man einen Krimi auch ganz anders schreiben kann.

Und weil ichs ja mit den Namen habe, mit meiner ersten Kritikern darüber diskutierte, ob ich eine meiner Protgonistinnen Sophie Hunger nennen kann, mit Elfriede Haslehner schon darüber, ob eine meiner Geschichten „Thea Leitners verrückter Traum“, heißen darf, weil es  ja eine Journalistin gleichen Namens gibt und mir auch einige Leute sagten, daß meine Transgeschichte wegen Ulrich Plenzdorf oder sonst noch jemanden, nicht „Paul und Paula“ heißen darf. Den letzten Bloggerdebutpreis hat Nadine Schneider mit „Drei Kilometer“ gewonnen. Gut, da fehlen hundertzwanzig und, daß es einige Bücher mit gleichen oder ähnlichen Titel trotz des berühmten Tiitelschutzes gibt, fällt mir  auch immer wieder auf.

2020-04-07

Belmonte

Filed under: Bücher — jancak @ 00:37
Tags: , ,

In Zeiten, wo wir gebannt nach Italien schauen und Kanzler Kurz immer sagen hören, daß er nicht solche Zustände haben will, wo die Ärzte wählen müssen, wen sie behandeln wollen und sich die Verwandten nicht von ihren Toten verabschieden können, ein deutsch-italinischer Familienroman „Belmone“, der von einer deutschen Bestsellerautorin geschrieben worden, die denNamen Antonia Riepp, als Pseudonym wählte und von „Piper“ wohl als Frühlingsereignis präsentiert worden wäre, wäre nicht Corona dazwischengekommen.

Als ich von unseren Winterurlaub mit der Ruth zurückgekommen bin, habe ich das Buch im Postfach liegen gehabt, ein unverlangt zugeschicktes Exemplar, und auch nicht unbedingt mein Lesegeschmack, obwohl ich mich ja, wie ich immer schreibe, nicht nur quer durch den literarischen Gemüsegarten lese, sondern ganz gern auch Krimis und CickLits lese und, wie ich, als meinen „unwürdigen Literaurgeschmack“, zugeben muß, sehr gern und viel Courths-Mahler gelesen habe.

Jetzt ist es aber moderner, spielt es doch in der Gegenwart oder doch nicht so ganz, es beginnt im Jahr 1944, als die beiden Freundinnen Marta und Teresa, die in dem fiktiven Örtchen Belmonte in der Provinz Marken wohnen, ihren Partisanenfreunden Essen bringen, Teresa ist in einen Cesare verliebt, Teresa in einen Salvadore und am Rückweg von deutschen Soldaten vergewaltigt werden.

Für Marta geht das „gut“ aus, sie kann ihren Salvatore heiraten, hegt aber für den Rest ihres Lebens einen Haß gegen die Deutschen und ihr Geheimnis gibt sie auch nicht kund. Teresa wird dagegen schwanger, will das Kind abtreiben, es gelingt ihr nicht und ihr Vater schlägt sie zuerst halb tot,  später verheiratet er sie gegen einen Weinberg, an den kriegsversehrten einarmigen Ettore und als die kleine Franca geboren wird, wird ihr  im Dorf „Bastard“ nachgerufen.

Die stirbt nun im Allgäu, in dem Städtchen Kempten und hinterläßt ihrer Enkeltochter Simona ein Haus in Belmonte. Die ist Landschaftsgärtnerin und hat gar nicht gewußt, daß die Nonna, bei der sie eigentlich aufgewachsen ist, dort ein Häuschen hatte. Daß sie die Enkelin einer italienischen Gastarbeiterin ist, wußte sie schon und Italienisch hat ihr die Nonna auch beigebracht.

Simona, die sich gerade in einer Krise befindet, beziehungsweise ihren Job verloren hat und mit ihrem Freund Sebastian auch nicht so glücklich ist, fährt hin und nach und nach bekommt die Viergenerationen Familiengeschichte heraus und die ist recht kompliziert, denn es war immer eine in den falschen verliebt und  konnte nicht so glücklich werden.

Teresa ist jedenfalls, als Franca sechs war, verschwunden und man wußte nicht so recht, wurde sie von ihrem Ehemann erschlagen oder ist sie mit ihrem Liebhaber durchgebrannt. Franca wurde von Marta und Salvatore aufgezogen und hatte auch ein recht eigenartiges Verhältnis zu deren Sohn Federico. Als sie neunzehn war, ging sie mit Salvatore nach Deutschland, wurde Näherin, später Änderungsschneiderin und heiratete einen Tobias Mälzer und zu ihrer Tochter Marina, die recht schwierig war, hatte sie immer ein sehr distanziertes Verhältnis. Die brach mit Achtzehn mit ihren Hippiefreunden auf Europareise auf und versetzte mit ihren Kumpanen ganz Belmonte in Aufregung. Sie kam auch schwanger zurück und die Großmutter zog dann die kleine Simona auf, die lange nicht wußte, wer ihr Vater war?

Jetzt in Belmonte soll sie es nach und nach erfahren und wird vielleicht auch in eine Liebschaft verwickelt, beziehungsweise muß sie sich entscheiden, ob sie in Belmonte bleiben, dort einen Gemüseladen aufziehen oder zurück nach Deutschland zu ihren Sebastian will?

Sie entscheidet sich für Letztes, werde ich gleich spoilern, sonst aber nicht mehr sehr viel erzählen über diesen Unterhaltungsroman, der die Unterdrückung der italienischen Frauen zeigt und der durch die Corona- Krise wohl nicht so unbefangen gelesen werden wird, wie er wohl gedacht war.

Ja richtig, eines habe ich noch vergessen, ein Erdbeben hat es 1997 in Markenauch gegeben, das wahrscheinlich das Dörfchen Castiglioni di Arcevica, das wie Antonia Riepp uind in ihren Nachwort und Danksagung verrät, das Vorbild für Belmonte war, in Mitleidenschaft zog.

2020-01-14

Brief an Mathilda

Filed under: Bücher — jancak @ 00:10
Tags: , ,

Ich bin ja keine so besondere Freundin der Krimis des 1925 in Sizilien geborenen und im letzten Sommer in Rom verstorbenen Autors Andrea Camilleri, den meine Schwiegermutter sehr mochte.

Ein paar von ihnen habe ich gelesen, die ich aber als eher langatmig fand, ein paar weitere liegen in meinen Regalen und ungefähr vor einem Jahr gab es auch ein Camilleri Buch „Gewisse Momente“ wo er von seinen Freunden und seinen Begegnungen schrieb und 2017 hat er in einem Brief an seine jüngste Urenkeltochter, damals keine vier, er über neunzig und fast blind geschrieben, in dem er ihr „Ein italinischen Leben“ erklärte.

Was die Vierjährige mit dem Buch anfangen kann, weißich nicht.

„Kindler“ hat es herausgegeben und mir geschickt und es ist ein schneller Durchgang durch sein Leben, er ist im Faschismus Mussolinis aufgewachsen, war mit zehn ein glühender Faschist und hat dem Duce sogar einen Brief geschrieben. Später hat er sich davon abgewendet, ist Kommunist geworden und in die Schule ist er seltsamerweise auch nicht gerne gegangen.

Obwohl er schon frühzeitig Bücher las, später in Rom Regie studierte, die Liebe seines Lebens Rosetta heiratete, von ihr drei Töchter und vier Enkelkinder hatte und als Schriftsteller nicht sehr schnell, aber mit seinen Krimis, die er eigentlich selber nicht leiden konnte, sehr berühmt geworden.

Er war auch immer ein politischer Mensch, ist aber nicht in die <politik gegangen und äußert der Keinen oder auch seinen erwachsenen <lesern, das, was er von der EU, der Korruption und der Migration hält.

Ein  interessantes Beispiel führt er diesbezüglich an, wie er vor einigen Jahren mit seiner Frau und einer seiner Töchter in Wien, das kunsthistorische Museum besuchte und dort plötzlich Nasenbluten bekam. Die Frau und die Tochter suchten ein Taxi, er saß offenbar im Freien herum, die lieben Wiener oder andere Personen rannten an ihm vorbei, nur ein Araber hat ihm geholfen, ihn als seinen Freund bezeichnet und den ihm offerierten Geldschein auch noch abgelehnt.

Später steht dann noch, daß keine Angst vor dem Tod hat, nur die seine Freunde und Familie zu verlieren und am Schluß fordert er die kleine Matilda noch auf, ihm von seinem Leben zu erzählen.

Eine interessante Idee so seine Memoiren zu veröffentlichen, da er aber viele Leser und wahrscheinlich noch mehr Leserinnen hat und das hundertfünfundzwanzig Büchlein auch leicht und schnell zu lesen ist, wird es auch erfolgreich werden.

2019-02-09

Gewisse Momente

Filed under: Bücher — jancak @ 00:39
Tags: , , ,

Jetzt kommt eine Art Bekenntnisbuch, die Lebenserinnerungen, beziehungsweise die an gewisse Personen und Begegnungen des 1925 geborenen sizilinischen Krimiautors Andrea Camilleri, von dem ich einige Bücher gelesen, einige in meinen Regalen stehen habe und der, glaube ich, auch ein Lieblingsautor meiner Schwiegermutter war.

Ich hatte mit seinen Krimis gewisse Schwierigkeiten, habe sie als eher altmodisch oder langatmig empfunden, kann mich aber erinnern, daß ich bei „Rund um die Burg“ einmal bei „Buchkultur“ eines seiner Bücher gewonnen und das erste Kapitel, das von einem Sandler der einmal Arzt war, handelte, gelesen habe und dann, als ich daraufgekommen bin, daß das Buch kein Roman, sondern ein Erzählband ist, dieses enttäuscht abgebrochen habe, was ich auch einmal bei einem Buch der Pearl S. Buck machte, obwohl ich ja sonst eine Fertigleserin bin.

Andrea Camilleri also, der alte Mann, das Buch wurde, glaube ich, 2015 auf Italienisch geschrieben und ist jetzt auf Deutsch herausgekommen, der in seiner Jugend den Faschismus erlebte , sich von diesem abwandte und durch Bücher, wie einew von Andre Malraux zum Kommunisten wurde, schreibt in seinem Erinnerungsbuch von den Begegnungen, die er mit sowohl berühmten als auch gewöhnlichen Menschen hatte und beginnt  mit einem lesenden jungen Mann, den er 1942, da war er, glaube ich, noch Schüler und wurde sowohl von jungen Lehrerinnen als auch alten Lehrern unterrichtet, in einem Cafehaus hatte, der ihn sehr beeindruckte, weil, er es verstanden hatte, zehn Tage nachdem er in den Militärdienst einberufen wurde, von dort wieder entlassen zu werden.

Dann kommt einge Geschichte die viel später spielt, nämlich als er katholisch heiraten wollte, aber keine Firmung hatte, da mußte er, um diese zu bekommen, vorher beichten. Das hat er aber vor zwanzig Jahren das letzte Mal getan. Der alte Bischof, der sie ihm aber abnehmen wollte, verwickelte ihn in ein dreistündiges Gespräch und das war es dann.

Es kommt dann eine Geschichte, in der er im Krieg eine Zeitschrift gründen wollte, aber verhaftet wurde, weil in seiner Reaktion Waffen versteckt waren. Er hat aber auch Pier Paulo Pasolini mit dem er sich nicht so besonders verstanden hat und Antonio Tabucci kennengelernt, den letzteren allerdings nie persönlich, sondern nur telefonisch oder durch Postkarten, der von ihm bekommen hat.

Andrea Camilleri hat in Rom an der Theaterakademie studiert und, was ich nicht wußte als Regisseur gearbeitet, da folgen einige Begegnungen mit merkwürdige Künstlernpersönlichkeiten.

So hat er in Genua für den Autor  Roberto Morsucci ein Stück inszeniert, das diesen nicht zu gefallen schien, nach der Premiere hat er dann erfahren, daß er sich umgebracht hat.

Das selben Schicksal hatte der  absurde Autor Arthur Aadamo, während er in Silvano Falleni einen genialen Bühnenbildner hatte, der seine Bühnenbilder nie zu Ende brachte und am Ende in einer psychiatrischen Klinik starb und einen seltsamen Kommilitonen hatter er in Rom auch, den er, während er ihm die Regiekunst beibtachte, beim Fliegenessen beobachtete.

Es gibt Begegnungen mit Schriftstellern wie Stefano D`Arrigo, Emilo Gadda, Elio Vittorino oder Primo Levi mit denen er spazierenging oder sich durch ein Theater führen ließ. Eine junge Ilatienischlehrerin, die seine ersten Gedichte las, hat ihm die Liebe zu den zeitgenössischen Lyrikern beigebracht.

Es gibt auch ein Kapitel, das seine Liebe zu Büchern und seine Lesebiografie beschreibt, von seinem ihm sehr beeindruckenden Italienischchlehrer der auf seine Art und Weise dem Faschismus widerstand wird berichtet und einer Begegnung mit einem kommunistischen Ingenieuer mit dem er und seine Freunde in im Mai 1942 im Schwimmbad über Literatur diskutierte.

Der Abschied von einem jüdischen Schüler, dessen unbekanntes Schicksal ihn in seine Träume verfolgte und den er später im Theater widertraf und eine sehr eindrucksvolle Begegnung mit einer Prostituierten, die sich nach dem Tod ihrer zwei Kinder, das Leben nahm, um frei zu sein, werden auch beschrieben.

Eine sehr eindrucksvolle Art in das Leben oder in die Erinnerungsmomente eines großen Autors den ich eigentlich nur  durch seine Krimis, die manchmal historisch waren, im Gedächtnis hatte.

„Ein Buch zum Staunen, Lachen, Weinen  – und ein wertvolles Stück Zeitgeschichte“, steht am Buchrücken und man erfährt, füge ich hinzu, auch wenn es dem nicht in der italienischen Literatur Geübten ein wenig schwer fallen mag, alles zu verstehen, einiges über das intellektuelle italienische Leben ab 1942 und Sizilien beziehungsweise Rom und eigentlich nur wenig über seine Krimis, die meine Schwiegermutter, glaube ich, in ihrer Gesamtausgabe früher in der Küche liegen hatte und das finde ich auch sehr interessant.

2018-07-16

Meine geniale Freundin

Filed under: Bücher — jancak @ 00:48
Tags: , ,

Nun kommt Teil eins der sogenannten „Neapolitanischen Saga“, Elena Ferrantes  Tetralogie über zwei Mädchen, die im ärmlichen Nepael der Neunzehnfünfziger- und sechzigerjahre aufgewachsen sind, die sie, wie ich „Wikipedia“ entnahm, nicht so genannt haben will und sie will auch ihre Identität, die, glaube ich, inzwischen enthüllt oder auch nicht so ganz ist, nicht outen.

Im Sommer 2016, als ich gerade mein zweites Mal Buchpreis gelesen hat, hat der erste Teil der vier Bücher, die die Kindheit und die Jugend der beiden Freundinnen Lina und Lenu beschreiben „Meine geniale Freundin“ in die Buchwelt eingeschlagen und es war neben Han Kangs „Vegetarierin“, die Bestseller der Saison, die man plötzlich lesen sollte.

Die „Vergetarierin“ habe ich gelesen, Elenas Ferrantes Saga ist an mir vorbei gegangen, wahrscheinlich habe ich  gedacht, daß ich bei „Wagenbach“ und auch bei Alberto Moravia schon genug über das Italien der der frühen Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts gelesen habe, vielleicht hat es sich auch nicht ergeben. Denn meine Leseliste ist ja lang und das doppelte Buchpreislesen, das es damals zum ersten Mal gab, hat mich voll ausgelastet.

Im Jahr 2017 sind dann die anderen Bände der Lebensgeschichte der zwei Frauen, Elena Ferrante, will es glaube ich, so genannt haben, erschienen und heuer glaube ich auch noch Buch, das sich darauf bezieht.

Ich bin im vorigen Mai mit dem Alfred und der Ruth um den Bodensee geradelt und weil wir sie dazu anläßlich ihres Geburtstags eingeladen haben, hat sie sich veranlaßt gesehen, als wir in Überlingen, glaube ich, in einer Buchhandlung standen, mich gefragt, ob ich das Buch schon gelesen habe und es haben will?

Da kann ich bekanntlichermaßen ja nie „Nein!“, sagen, obwohl ich mich erinnern kann, daß ich zu dem danebenstehebenen „Kraft“ schielte, aber nicht sagte“Eher das!“, aber das habe ich inzwischen auch gelesen, weil es auf der 2017 Buchpreisliste stand und es hat mir gar nicht so gefallen und da ich jetzt bevor die August- Neuerscheinungen und die neue Buchpreisliste erscheinen, die mich wahrscheinlich noch vollkommener von meiner Leseliste abhalten werden, wie es in den letzten Jahren geschah, ein bißchen verzweifeltes Backlistauflesen, wie ich das jetzt nennee und da kam jetzt, nachdem die Geburtstagsbücher gelesen sind, eben Elena Ferrante dran, war es ja ein Geschenk und sollte dementsprechend beachtet werden.

Vorher habe ich noch im Rahmen des „HotelReihelesens“, das ich jetzt wahrscheinlich doch nicht vollständig betreiben werde,ich mit Giorgio Bassanis „Mann mit der Goldbrille“ beschäftigt, wo ich genau jenen schwülstig erotischen Ton fand, den die italienischen Romane des vorigen Jahrhunderts bevorzugt haben.

Und genau das ist wahrscheinlich das Verdienst Elena Ferrantes und der Grund, warum alle ihre Saga, als so genial und noch nie dagewesen bezeichnen.

„Was für ein Werk!“, schreibt der „Spiegel“ am Buchrücken „Alle Welt liest Elena Ferrante“, die“ FAZ“ und „Ein epochales literaturgeschichtliches Ereiginis“, die „Zeit“, daß sie damit aufräumt und einen scharfen kantigen Ton in das Neapel um 1958 hineinbringt, wo die Brüder mit ihren Schwestern so umgingen, wie man das heute empört den Türken vorwirft und die Messer und die Fäuste flogen und die Maffia oder die Camorra ihre Geschäfte trieb und sie auf diese Art und Weise, die Sozialkritik sehr scharf zeichnet, ohne meiner Meinung nach etwas wirklich Neues zu erzählen, aber wie soll das auch gehen? War es ja wahrscheinlich so und das Los vieler Frauen, die damals in der italienischen Unterschicht aufgewachsen sind.

Einige neue Facetten sind aber wahrscheinlich schon drinnen und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum alle so begeistert aufschreien. Es ist der Ton, wie sie erzählt und der mir, ich schreibe es gleich, nicht immer gefallen, mich aber durchaus beeindruckt hat.

Da sind also Lina und Lenuccia, die eigentlich Elena heißt, die eine, die Tochter des Schusters, die andere, des Pförtners im Rathaus und sie wachsen in einem ärmlichen Viertel Neapels auf. Erzählt wird das von Elena Jahre später. Denn da ist Lina plötzlich verschwunden, ihr Sohn ruft Elena, die sich inzwischen als Journalistin und Schriftstellerin emanzipiert und die Stadt verlassen hat und fragt sie, ob sie weiß, wo sie ist? Denn sie hat alle ihre Spuren verwischt, sogar ihr Bild aus den Fotos hinausgeschnitten und so beginnt Elena in Band eins, über ihre Kindheit und dieJugend zu erzählen.

Was sehr angenehm ist, gibt es am Beginn ein ausführlches Personenregister, der Familien, die um die Hauptakteure, in dem Viertel aufwachsen und Lina wird von Elena Ferrante, meiner Meinunung  nach etwas zu abgehoben und unrealistisch genial beschrieben.

Wer die geniale Freundin ist, ist überhaupt unklar. Denn Lina hat ja ihren Rayon nie verlassen, während Elena das gelungen ist. Se war aber, schreibt sie, in der Schule genialer, hat sich selbst das Lesen und das Schreiben beigebracht, war auch frech und aufmüpfig und hat sich weder von den Lehrern noch von den Burschen etwas gefallen lassen.

So werden beiden Mädchen nach Ende der Grundschulzeit von der Lehrerin, Maestra Olivero, die zu den Eltern nach Hause geht und für ein Schmiergeld Nachhilfestunden anbietet, für die Aufnahmsprüfung in die Mittelschule vorgeschlagen.

Elenas Eltern machen das widerstrebend, der Schuster Fernando verweigert. Lina schreit „Ich mach die Prüfung trotzdem!“

Sie ist auch die Beste, auf die Schule darf sie aber trotzdem nicht, denn der Schuster schmeißt sie aus dem Fenster, so daß sie ins Spital muß, nachher darf sie zwar auf eine Haushalts oder Büromädchenschule, die sie aber verweigert, sich selbst aus den Büchern der Bibliothek Latein und Griechisch beibringt und Lenu, die damit anfangs Schwierigkeiten hat, unterrichtet, so daß die Lehrer sie bei der Nachprüfung fragen, wer ihr dabei geholfen hat und sich erkundigen, ob die Freundin, die Universität besucht?

Lina arbeitet aber in dieser Zeit in der Schusterwerkstatt und heckt mit ihren Bruder Rino Pläne aus, mit  selbstentworfenen Schuhe reich zu werden.

Denn das ist der Traum der beiden Mädchen mit viel Geld aus dem Viertel hinauszukommen. Zuerst wollten sie Bücher schreiben, um das zu schaffen. Dann entwirft Lina Schuhe. Sie stellen in jahrelanger Mühe ein Paar her, als aber Rino sie dem Vater zeigt, beginnt der ihn zu versohlen.

So war es offenbar in dem Italien des Alberto Moravia und der „Wagenbach- Schriftsteller“. Elena gelingt es aber durch nächtelanges Büffeln Klassenbeste zu werden und darf dann auch aufs Gymnasium, was auch mühsam ist, denn die Schulbücher müssen ausgeborgt oder gebraucht erstanden werden und im Sommer darf sie zwar zu Maestra Oliverios Cousine nach Ischia, aber auch nur um ihr im Haushalt zu helfen, kommt aber braungebrann und fast als Mißbrauchsopfer zurück.

Die Mädchen gehen unterdessen mit ihren Brüdern aus, fangen vorsichtig die ersten Freundschaften an und da gibt es die Solara-Brüder, die sowetwas wie die Maffia des Rayons sind, der eine stellt Llina nach, macht ihr schöne Geschenke, wie einen Fernsehapparat, aber sie verlobt sich mit Fünfzehn mit dem Lebensmittelhändler Stefano, der ein paar Jahre älter, als sie ist und außerdem noch der Sohn von Don Achillo, dem „Unhold aus dem Märchen“, wie in der Beschreibung steht, der den Mädchen als Kinder Angst machte, ihnen ihre Puppen klaute und später ermordert wird.

Das wird auch, während sich Elena durch ihre Prüfungen quält, sehr ausführlich beschrieben. Lina hat inzwischen ihr Interesse am Lernen komplett verloren. Läßt sich von ihrem Verlobten ausführen und schöne Geschenke machen. Er verspricht ihr auch ihre Schuhe groß herauszubringen, gibt dem Vater Geld, so daß der drei Gehilfen anheuern kann, die die Schuhe herstellen. Es will in dem Viertel aber niemand so teure handgemachte Schuhe kaufen.

So kommt, was kommen muß, Marcello Solara, der ja Lina heiraten wollte und den sie haßt, erscheint zur Hochzeit in dem Paar von ihr und Rino jahrelang angefertigten schuhen. Stefano hat sie ihm gegeben. Das Paar geht auf Hochzeitsreise und Elena stellt fest, daß es wohl niemals möglich ist, aus dem Viertel herauszukommen oder nur, wenn man sich anstrengt, lernt und dieses verläßt und so endet der erste Teil. In den drei anderen wird dann weitererzählt. Ein bißchen habe ich in „Wikipedia“ nachgelesen, was da passiert. Ich habe ja nur das eine Buch, werde die anderen, wenn ich sie mal in den Schränken oder einer Abverkaufskiste finden sollte, natürlich nehmen oder um einen Euro kaufen. Aber zum Lesen werde ich angesichts meiner Bücherfülle höchstwahrscheinlich nicht kommen und bin, was die Bewertung betrifft, auch ein wenig ratlos, denn so genial und umwerfend finde ich das Buch eigentlich nicht, obwohl es sehr eindringlich und auch auf eine andere Art und Weise vom Neapel der Neunzehnhundertfünfziger und sechzigerjahre, der Unterdrückung der Frauen und den zerstörten Lebensläufen erzählt.

2018-07-10

Die Brille mit dem Goldrand

Filed under: Bücher — jancak @ 00:49
Tags: , , , , ,

Buch vier der „Hotellreihe“, der wiederaufgelegten Bücher aus dem „Wagenbach-Verlag“, die uns wahrscheinlich in der sommerlichen Leichte, einen guten Einblick durch die Geschichte und die verschiedensten Gegenden Europas geben sollen, vielleicht auch einen Einblick in die verschiedensten Stile.

Sicher eine gute Idee, Altes wiederaufzulegen, nur mit dem Hotel hat Giorgio Bassanis „Die Brille mit dem Goldrand“, noch weniger als Christoph Meckels „Der wahre Muftoni“ zu tun, obwohl die Sommerfrischler, die Mitglieder der guten Mittelschicht des faschistischen Italiens, die hier beschrieben werden, ihre Nächte an der Adria natürlich in einem Hotel verbracht haben dürften und wenn ich mich nicht irre, ist es wieder ein Grandhotel, das hier Erwähnung findet, nur in diesem halten sich die Protagonisten, während der beschriebenen Ereignisse, glaube ich, nur ein einziges Mal, wenn überhaupt, auf.

Giorgio  Bassani wurde jedenfalls 1912 in Bologna geboren und starb 2000 in Rom. Er ist glaube ich ein sehr politischer Autor und von ihm habe ich auch „Der Reiher“, ebenfalls bei „Wagenbach“ herausgegeben, in meinen Regalen. Denn da gab es ja vor Jahren einen Abverkauf bei der „Buchlandung“ auf der Mariahilferstraße, die es ja in dieser Form nicht mehr gibt und da gab es eine Reihe Italiener in der „Wagenbach TB-Reihe“, um einen Euro, zehn Schilling, waren es, glaube ich nicht mehr, denn es wird wahrscheinlich 2006 oder 2007 gewesen sein und ich habe „Erica und ihre Geschwister“ davon auch gelesen und außerhalb dieser Reihe, seit den Bücherschrank- und Literaturgeflüsterzeiten auch einiges von Alberto Moravia und so bin ich an diesen italienischen Stil der Zwischen oder Vorkriegszeit, diese knisternde und bedeutungsschwangere Erotik schon gewont und habe sie bei Michela Murgia, die ja viel jünger ist, erst im letzten <Jahr wiedergefnuden.

Ich könnte aber auch Thomas Mann und seinen  Tod in Venedig“, damit man weiß, was gemeint ist, erwähnen und füge hinzu, daß ich mir mit solchen bedeutungsschweren Gefühlsgeschichten sehr schwer tun, weil sie meinen Widerstand erregen und ich eigentlich die Gefühlsregungen dieses Doktor Fadigati, des Nannes mit der Goldbrille nicht nachvollziehen kann. Sie erscheinen mir, der 1953 geborenen, sehr widersprüchig  und ich kann nur sagen, daß es Gottseidank sowetwas nicht mehr gibt, zumindest hoffe ich das.

So wird aber dieser Dr. Fadigati in den achtzehn Kapiteln der Erzählung auf jeden Fall sehr wiedersprüchig geschildert und man weiß auch nicht genau, wie alt er ist?

Da steht einmal etwas von vierzig und dann ist er plötzlich ein alter Mann. In wenigen Monaten gealtert, gedemptigt, stotternd. Von einem jungen Schönling total ausgenommen, obwohl er doch vorher so erfolgreich war.

Ist er doch HNO- Arzt, Leiter der entsprechenden Abteilung im Krankenhaus mit einer schönen modernen Privatpraxis, wo sämlichte Honoratoren von Ferrara, wo die Geschichte in den dreißiger Jahren spielt, Hitler an die Macht gekommen ist, Dollfuß erfordet und die Juden in dem Städtchen sich Sorgen machen müssen, ob die Rassengesetzte nicht auch bald in Italien angewendet werden, seine <Patienten sind und ihren kindern von ihm die Mandeln nehmen lassen.

Er ist auch ein großer Kunstkenner, geht in die Oper, ist literarisch gebildet, sammelt Gemälde, die man sich in seinem Wartezimmern, wo  die junge schöne Sprechstundenhilfe, die Patienten freundlich begrüßt, auch ansehen kann und hat nur einen Makel, er ist unverheiratet. Hat auch keine Köchin, so kauft er sich zu Mittag seine Thunfischdose und seinen Aufschnitt selbst und am Abend wird er meistens in einem Kino gesehen und so fängt man zu munkeln an, ob er nicht vielleicht und ob es sein könnte…

So fängt es jedenfalls sehr packend und dicht beschrieben, im erste Kapitel an. Dann fährt er plötzlich zweimal in der woche mit dem Zug zweiter Klasse nach Bologna, besucht dort aber die dritte, wo die Stundenten und auch der Erzähler fahren und dort lernt er einen schönen blonden Sportstudenten kennen, verfällt ihm offenbar sofort, wird von ihm gedemütigt und macht sich völlig wehrlos, total lächerlich und mir fällt soetwas schwer zu lesen, wenn es auch vielleicht in den Dreißigerjahren in Italien oder sonstwo sowas gegeben haben mag.

Dann kommt der August und der Erzähler fährt mit seiner Familie ans Meer, wo auch Dr. Fadiati mit seinem Lebhaber Station gemacht hat und der dort mit seinem roten Alfa herumfährt. Kann ein HNO Arzt und Abteilungsvorstand wirklich seine Praxis für zwei Monate verlassen?

Die gute Gesellschaft die sich auch am Strand befindet, redet jedenfalls scheißfreundlich und hinterhältig von ihm und seinen Liebhaber. Der kommt aber nicht, läßt den Doktor warten und stottern, denn er fährt mit dessen Auto nachmittags mit zwei Frauen davon und lädt auch noch andere ein, mitzukommen und als sich der Doktor vielleicht doch wehren will, schlägt er ihn zusammen und raubt ihn aus und der kann ihn nicht anzeigen. Wahrscheinlich wäre das damals wegen der damaligen Gesetze  auch nicht möglich gewesen und so bleibt ihm nichts anderes über, nachdem er seine Stelle und seine Patienten verloren hat, als in den Po zu gehen und der Erzähler erfährt aus der Zeitung davon und erzählt seiner Familie, man ist wieder in Ferrara, während des Mittagessens davon.

Ganz schön beklemmend diese Geschichte.

„Ein genau gezeichnetes Portrait der guten  Gesellschaft und, wie sie ihr Fähnlchen in den Wind hängt,“, steht noch am Buchrücken und mich hat an diesem beklemmenden Portrait vor allem die Vebindung mit dem herannahenden Faschismus beeindruckt.

Die plötzliche Schwäche des erfolgreichen Arztes und Kunstliebhabers war mir nicht nachvollziehbar. Er ist homosexeull gut, muß er dann aber mit über vierzig Jahren, jeden Jünglichen verfallen und von ihm ausrauben, ohrfeigen und lächerlich machen lassen?

Ich würde Homosexualität anders beschreiben und das wird sie inzwischen auch und die Verbindung mit dem Faschismus ist mir auch nachvollziebar und um mehr über Giorgio Bassani, sein Schreiben und seine politsche Einstellung zu erfahren, müßte ich wohl endlich den „Reiher“ und vielleicht auch adneres von ihm lesen und jetzt fehlen mir noch zwei Bücher aus der Hotelreihe, die dieses Wort schon im Namen tragen, nämlich Markus Ohrts Zimmermädchen, wo dieses glaube ich, unter dem Bett eines Hotelgastes liegt und Arnold Bennetts „Grand Hotel Babylon“ von dem ich noch gar nichts gelesen habe.

Mal sehen, ob diese Bücher zu mir kommen, obwohl ich ja schon eine sehr beeindruckende Backlist habe?

2017-05-27

Yseut

Jetzt kommt das dritte Geburtstagsbuch von meiner Leseliste, nämlich Marene Streeruwitz „Yseut“, die, wie man dem Buchrücken entnehmen kann, ihre Autobiografie in Form eines Abenteuerromans in siebenunddreißig Kapiteln erzählt.

Ja, die 1950 Geborene liebt es mit den Genren zu spielen und sich auch einmal in die Trivialliteratur zu begeben und sie verblüffte mich auch, daß sie, als ich das Buch ja für Stephan Teichgräbers „Centrope-Workshop“ analysieren wollte, schon auf Seite elf mit dem „Präfix“ kommt.

Sie ist aber eine, die wenige Metaphern verwendet, ihre oft sehr kurzen Sätze immer wieder abhackt und unvollendet läßt und dann gibt es auch immer wieder die so typischen Strreruwitz -Phasen:“Yseut hat dann…“. zum Beispiel oder „Yseut mußte lachen.“

Ich habe dank der offenen Bücherschränke beziehungsweise den Geburtstagsgeschenken schon sehr viel von Marlene Streeruwitz gelesen, war auch bei einigen ihrer Veranstaltungen und da fällt sie durch ihre starke Gesellschaftskritik auf.

Sie fährt gegen die Gewalt der Männer  und der Gesellschaft ins Feld, macht sich über alles lustig und hat eine sehr starke Sprache mit sicher einigen Übertreibungen dabei.

Ich habe nicht so ganz problemlos zu Marlene Streeruwitz gefunden, habe einiges von ihr, beispielsweise „Die Schmerzmacherin“ glaube ich, auch recht schwierig zu lesen gefunden.

Bei „Yseut“ war das nicht so, da habe ich diesen „Abenteuerroman trozt seiner wahrscheinlich gewollt und konstruierten trivialen Handlung und der eher einfachen Sprache, die auch von den „Amazon-Rezensenten“ prompt bemerkt und bekritelt wird, sehr spannend gefunden und das Buch auch gern gelesen.

„Verschlungen!“, würden die Blogger wahrscheinlich sagen und was mir dabei auffiel, ist die Passivität womit sie ihre Protagonistin beschreibt. Ist doch die Yseut eine, die alles mit sich machen läßt, mit den Männern wahllos ins Bett geht, mit ihnen von einem Abenteuer zum anderen taumelt, was mich bei einer so kritischen Person, wie es Marlene Streruwitz sicher ist, ein wenig wunderte.

Aber wahrscheinlich war das so in den fünziger und sechziger Jahren, in denen sowohl Yseut, als auch Marlene Streeruwitz aufgewachsen ist. Interessant ist auch, daß Yseut in dem Buch als „alte Frau“ beschrieben wird, aber so verhält sich sich gar nicht. Sie verhält sich eher, wie eine junge, die sich durch das Leben und durch die Betten treiben läßt.

Yseut ist also im Nachkriegs-Wien aufgewachsen. Die Mutter war berufstätig, der Vater Frühpensionist und mußte von ihr mitversorgt werden. Es gibt zwei Großmütter. Großmutter Münster und Großmutter oder Oma Köbrunner werden sie genannt, was auch typisch Streeruwitz ist.

Das Buch wird in in zwei Handlungssträngen erzählt. Es gibt Kapitel mit Überschriten, wie „Wie es kam, dass Yseut nach Kalifornien ging und Feministin wurde“, beispielsweise, in dem Yseuts bisheriges Leben erzählt wird.

Yseut ist die alt oder mitteldeutsche Form von Isolde und Yseut wird  abwechselnd Isabella, Yseut falsch oder richtig ausgesprochen, Isi oder Isilein genannt. Ein Buch aus dem Bücherschrank des Vaters kommt vor, daß Yseut, als Kind lesen durfte und ihre Verehrung für Lord Byron.

Yseut besucht zu erst das „Sacre Cour“, dann die öffentliche Volksschule, als sich die Mutter, die Privatschule nicht mehr leisten kann, studiert Linguistik, heiratet früh und geht mit ihrem Mann Ed nach Amerika. Dort wird sie Bigamistin, bekommt von einem anderen Mann ihren Sohn Gogo, kehrt nach Wien zurück, geht dann als Schauspielerin nach Frankfurt, erlebt die wilden und die weniger wilden Zeiten, bis zu dem Überwachungsstaat in dem das Buch, es dürfte sich, um eine nahe Zukunft handeln, denn das Geld ist schon abgeschafft, spielt und da in dem zweiten Handlungsstrang reist Yseut auf den Spuren Byrons nach Italien, mietet sich dort in eine alte Villa ein, wo das Zimmermädchen knickst und Rüschen trägt. Eine Contessa, die Besitzerin im Salon sitzt und als Yseut nach einem Restaurant fragt, ihr gleich die Gesellschaft eines alten Mayors, der offenbar eine Kehlkopfoperation hinter sich hat, vermittelt.

Hinter Yseuts Brokatbett halten sich grüne Wanzen auf, vor denen Yseut sich ekelt. Sie wickelt sie in Handtücher und hält sie, während sie mit dem Mayor in das Restaurant fährt mit ausgespreitzten Fingern aus dem Autofenster.

„Grüne Wanzen gibt es nicht!“, hat Stephan Teichgräber bei der Analyse zu mir gesagt. Richtig wahrscheinlich und es gibt noch vieles anderes nicht, was in dem Buch vorkommt. Denn Yseut gerät gleich in einen ganzen Trubel von Trivialitäten. Die Mafia, die Geheimpolizei und jugendliche Gewalttäter tauchen auf und Yseutt, das habe ich jetzt vergessen, die eine Pistole mit sich trägt, wird gleich am nächsten Tag von der Polizei verhört, weil sie einen falschen Namen angegeben hat, sie nannte sich „Isabella“, aber das ist ja die französische oder was auch immer Form von Isolde und hatte die Waffe trotz Waffenschein nach Italien geschmuggelt, aber die hat ihr der Mayor ohnehin schon  abgenommen.

Ein geheimnisvolles Altersheim kommt vor, wo die Insassen in Sechzigerjahrekleider fröhliche Feste feiern und vor der Villa gibt es ein Barockkonzert, während Yseut von einer Flüchtlingsfrau nach Lebensmittel gefragt wird, die sie dann gemeinsam mit der Contessa in eine Fattoria schmuggelt, wo sich einige Flüchtlingskinder versteckt haben.

Sehr aktuell also Marlene Streeurwitz Autobiografie und sehr amüsant zu lesen, denn man merkt den Spaß, den die Autorin hat, wahrscheinlich alle an der Nase herumzuführen und die Literaturkritiker zu verwirren.

Denn Marlene Streeruwitz darf wahrscheinlich allles schreiben, auch Austrozismen und wird bei „Fischer“ verlegt, die Leser haben aber vermutlich ihre Schwierigkeiten, denn ein wirklicher Trivialroman ist es ja nicht, sondern eine Gesellschaftskritik, eine Art Autobiografie oder was auch immer und so ganz trival scheint auch die Sprache nicht zu sein, kommen ja immer wieder Anspielungen und Verknüpfungen vor, bei denen man scharf mitdenken muß, um zu verstehen und sich auch nicht in die Irre führen zu lassen.

2016-04-13

Dunkles Italien

Heute bin ich wieder einmal in die Hauptbibliothek gewandert und habe dort einen Italiener kennengelernt, der mir sonst entgangen wäre.

Gioaccino Criaco, 1965 in Africo, Aspromonte Gebirge geboren, in Mailand Rechtsanwalt gewesen, stellte, wieder assistiert von Robert Reinagl und vorgestellt vom Italien Korrespondent Andreas Pfeifer moderiert, seinen von Karin Fleischanderl übersetzten und bei „Folio“ erschienenen Roman „Schwarze Seelen“ vor.

Deshalb bin ich einmal gleich Gustav Ernst fast in die Arme gelaufen, den ich schon lange nicht gesehen habe und Andreas Pfeifer stellte dann die Gegend des Aspromonte, eine schöne aber auch offenbar gefährliche und sehr arme Gegend, denn in dem ersten Stück das gelesen wurde, erzählt einer, wie er als Kind mit seinem Vater und seinem Bruder ein „Schwein“ durch  die bergige Gegend führ, das stellt sich bald als ein entführter reicher Industrieller vor. Sie gehen mit ihm in eine Hütte, geben ihm zum essen, sperren es dann in den Stall, dann fahren oder gehen sie zurück in ihre Wohnung, um am nächsten Morgen mit dem Schulbus in die Stadt zu fahren. Denn sie sind arme Ziegenhirten und brauchen solche Geschäfte offenbar zum Überleben.

Später gehen sie zum Studium nach Mailand, geben das aber  bald auf und leben vom Drogenhandel, werden reich dabei, sind aber getriebene und kehren noch ein bißchen später in das Heimatdorf zurück.

Das waren die drei Leseblöcke.

Dazwischen gab es Gespräche über die Mafia, die Geschichte des Landes und die Karriere des Autors, von dem im Programm steht, daß sein Vater in einer Blutfehde ermordet wurde und sein  Bruder einer der meistgesuchten Kriminellen war.

Er hat es aber geschafft, als Rechtsanwalt und jetzt als Autor auf der „richtigen Seite“, die auch diskutiert wurde, zu bleiben. Das Buch wurde inzwischen verfilmt und die zahlreichen Fragen aus dem Publikum erkundigten sich nach der Rolle der Kirche, der Frauen und, wie man es schafft die Kinder von der Kriminalität wegzubringen.

„Die Literatur!“, war glaube ich ein Vorschlag, des charmanten und auch sehr selbstbewußten Moderators.

So konnte man das Buch auch kaufen und signieren lassen und ich habe wieder etwas gelernt, obwohl mich die kitalienische Mafia ja nicht so besonders interessiert. Von der alltäglichen Gewalt, in der, weil so armen Gegen offenbar schon schon Kinder zu Kriminellen werden und ganz selbstverständlich in den Neunzehnsiebziger bis neunziger Jahren tausende Reiche entführt wurden, habe ich allerdings nichts gewußt.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.