Literaturgefluester

2016-04-01

Verstand und Gefühl

Filed under: Bücher — jancak @ 10:45
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Jetzt kommt endlich etwas von Jane Austen, der von 1775 bis 1817 lebenden britischen Schriftstellerin, von deren österreischen Pendant, ich vor kurzem sehr viel hörte, ebenso mit ihr auf Datingfang gegangen bin und so mich schon ein bißchen in ihre Charaktere eingelesen habe und ihr amerikanisch-britischer Zeitgenosse hatte vor kurzem auch seinen hindersten Todestag.

Zwar sind Henry James und Marie von Ebner Eschenbach hundert Jahre später gestorben, der Vergleich zu Jane Austen kam aber immer wieder und einen Zusammenhang zu Leipzig, wohin ich das Buch nicht mitnehmen wollte, gibt es auch, ist es doch im „Reclam Verlag-Leipzig“, der ostdeutschen Variante, des großen Verlags erschienen und dem Nachwort von Christian Grawe entnehme ich, daß „Verstand und Gefühl“ für ein eher schwächeres Werk gehalten wird, mit dem man nicht zu Lesen anfangen soll.

Zu Unrecht wie Grawe meint, ist es doch sehr sozialkritisch und zeigt genau, wie die Leute damals lebten und dachten und welche Vorurteile sie hatten.

Das ist zwar ein anderer Roman, der hier zeigt sehr schön, den Gegensatz von Ratio und Schwärmerei und so hat auch Hedwig Courths Mahler, meine „sündige Jugendlesevorliebe“, die jungen Mädchen, Waisen und Mündel immer davor gewarnt, sich zu sehr auf ihr Herz zu verlassen, statt nach Geld zu heiraten oder war es umgekehrt?

Sehr wohl, das war es natürlich und auch hier geht es darum zu einer Zeit, wo die Frauen, wenn sie arm waren, danach trachten mußten sich gut zu verheiraten, weil sie sonst ewig ihren Verwandten auf der Tasche lagen und darum geht es hier auch.

Zu Beginn stirbt ein Herr und hinterläßt seinem Erben das Vermächtnis für eine Witwe und drei unmüdige Mädchen zu sorgen. Er verspricht das auch und denkt daran je tausend Pfund für sie zu opfern, dann kommt seine geschäftstüchtige Frau daher und redet ihm ein, daß er, wenn er ihnen gut zuredet und ihnen für den Umzug ein paar alte Möbel schnenkt und ihnen sonst einmal einen Fisch oder einen Hasen zukommen läßt, auch für sie sorgt.

So geschieht es dann auch und Missis Dashwood zieht mit Elianor, Marianne und der jüngsten Tochter Margret in ein Cottage in die Nähe von Exeter.

Marianne ist siebzehn und zu Zeiten, wo Goethe mit seinem Werter alle gefühlsmäßig lahmlegte, auch dem Gefühl verschrieben, während die älteste Elionor sich eher dem Verstand verschreibt und so den vermögenslosen Edward, in dem sie verliebt scheint, nicht heiraten wird.

In dem Cottage kommen die Damen, die trotz ihrer Armut, einige Dienstboten halten, auch mit der Gesellschaft in Verbindung und wird von ihr aufgenommen und hier lernen die Fräuleins einen Oberst Brandon, einen Herrn von über fünfunddreißig kennen, der sich sofort in Marianne verliebt, die aber scherzt und unkt, daß nur ein altes Fräulein einen so alten Herrn heiraten, beziehungsweise zu seiner Pflegerin werden kann.

Der Obert reist auch ab und Marianne geht alleine spazieren, hat dabei einen Unfall und wird dabei von einem Herrn namens Willoughby „gerettet“, in dem sie sich unsterblich verliebt, so daß ihre Mutter sie schon für seine heimliche Braut hält.

Aber auch er muß abreisen und nun kommt Edward Ferrars zu Besuch und trägt eine Locke in seinem Ring, den Marianne für die von Elionor hält. Es taucht aber ein Fräulein namens Lucy auf, das Elionor erzählt, daß sie schon vier Jahre heimlich verlobt mit Edward ist.

Die beiden Mädchen werden von Missis Jennings, einer etwas taktosen Dame, eingeladen, mit ihr nach London zu kommen, die gefühlvolle Marianne stimmt in der Hoffnung dort Willoughby zu treffen zu, schreibt ihm viele Briefe, da er sich nicht meldet, um ihn dann auf einem Fest in der Gesellschaft einer Dame zu finden, mit er sich, weil sie reich und er verschuldet, verlobt hat.

Marianne gerät in ein Nervenfieber, heute wird das psychosomatische Krankheit genannt und will zu ihrer Mutter zurück, während Elionor erfahren muß, daß Edward von seiner Mutter, wegen Lucy, die auch ein armes Mädchen ist, enterbt wurdeund alle Rechte auf seinen jüngeren Bruder Robert übergingen.

Der hilfreiche Oberst Brandon bietet Edward eine Pfarrerstelle auf seiner Besitzung an, die ihm zweihundert Pfund im Jahr einbringt, damit kann er nicht oder nicht sehr gut heiraten und so stellt sich die Nachricht, die der Diener eines Tagen den Miss Dashwoods (so wird das geschrieben), daß er Missis Lucy Ferrar in der Kutsche gesehen hat, als Mißverständnis heraus.

Sie heißt zwar Missis Ferrar, hat aber Robert, da der ja nun reich, geheiratet und Edward ist frei für Elionor, die ihm auch willig an die Pfarrersstelle folgt und wahrscheinlich eine tüchtige Pfarrersfrau werden wird.

Willoughby ist auch noch gekommen und hat sich reumütig für sein Benehmen entschuldigt und so wird sich die gesundete Marianne von ihrem Gefühl verabschieden, das war wohl der Sinn und der moralische Hintergrund des Romans und geläutert, die Gattin eines doppelt so alten, aber herzensguten Gatten werden und ihn wahrscheinlich zumindestens, die nächsten paar Jahre noch nicht pflegen.

Ein interessanter Roman aus einem vorigen Jahrhundert, wo die Frauenleben, die Moral und die Sitte noch ganz anders verliefen, obwohl ja heute Datingratgeber geschrieben werden, die sich auf Jane Austen beziehen.

Ein Chicklit des achtzehnten Jahrhunderts könnte man wahrscheinlich etwas respektos sagen, für die heutige Schnelligkeit manchmal sehr langatmig, ein Diagogroman habe ich irgendwo gelesen. Es wird geredet und geredet, was manchmal ein bißchen verwirrend  ist, aber immer wieder gibt es ergreifende Szenen, die erstaunlich modern und zeitnahm wirken, was wohl der Grund auch ist, daß Jane Austen  immer noch gelesen wird.

2016-02-10

Ein Date mit Mr. Darcy

Filed under: Bücher — jancak @ 00:41
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Jetzt kommt ein skuriller Fund aus dem offenen Bücherschrank, nämlich ein „Ratgeber für die moderne Romantikerin“.

„Mit Jane Austin den Mann fürs Leben finden“, heißt der Untertitel und geschrieben wurde das „Bastei-Lübbe-Taschenbuch“, von der 1966 in London geborenen Journalistin und Schriftstellerin Lauren Henderson, die in Cambridge englische Literatur studierte.

Deshalb interessiert sie sich vielleicht auch für Jane Austen, die berühmte englischen Schriftstellerin, die von 1775 bis 1817 lebte, „Stolz und Vorurteil“, „Emma“ und noch eine Reihe anderer Romane geschrieben hat und über die man immer wieder auf den Blogs stolpert.

Ich habe noch nichts von ihr gelesen, aber „Verstand und Gefühl“ steht auf meiner Leseliste und wird demnächst an die Reihe kommen.E in aus dem Osten Deutschland stammendes „Reclam-Taschenbuch“, das ich mir vor Jahren einmal beim „Thalia-Abverkauf“ auf der Mariahilferstraße kaufte, als ich einen Gutschein einlöste, den ich auf meinem Geburtstagsfest bekommen habe.

Wahrscheinlich wäre es gescheiter gewesen, zuerst mit der Lektüre des Buches zu beginnen, aber Lauren Henderson bezieht sich zum großen Teil auf „Stolz und Vorurteil“, der Mr. Dacy  stammt jedenfalls von dort und am Ende des Buches gibt es auch eine Inhaltsangabe, der erwähnten Romane und eine Charakterisierung der Personen und das spannende an dem Buch ist, daß es eigentlich keines über die berühmte Romanschriftstellerin ist, wie ich wahrscheinlich glaubte, als ich danach griff, sondern ein Datingratgeber.

Nun habe ich den, als über Zweiundsechzigjähre wohl nicht nötig,  meinen „Traummann“ schon gefunden und Dates gibt es, glaube ich, hauptsächlich in Amerika. Zumindest in dieser Form, daß es eine Reihe von Ratgebern gibt, wie man sich verhalten soll, wenn man welche macht und plant, zum Beispiel, wie Lauren Henderson schreibt, einen Wecker stellen, damit man nicht zulange mit dem Kanditaten telefoniert, ihn warten lassen, damit er nicht zuviel Interesse merkt und anderen Unsinn mehr.

Eine kuriose Idee könnte man meinen, im eiinundzwanzigsten Jahrhundert einen Datingratgeber nach Figuren einer Pfarrerstochter aus dem achtzehnten Jahrhundert zu empfehlen und ich bin auch nicht wirklich sicher, ob man damit einen Mann findet.

Ich habe auch schon einen und mache keine Dates, aber interessant etwas über das amerikanische Balzverhalten zu erfahren, Lauren Henderson hat einige Zeit in Amerika gelebt und vielleicht lernt man auch in England so seine Partner kennen.

Es gibt zehn Kapitel, die eigentlich recht interessante Themen haben, so ist das erste der „Offenheit“ gewidmet, dann gibt es eines, was ich auch sehr interessant finde, daß man sich seinen Partner danach aussuchen soll, daß er seine guten Eigenschaften fördert, das ist vielleicht wirklich ein Tip, wie Partnerschaften  länger halten, daß man nicht zynisch sein soll, ein anderes, daß man warten und auch den Partner, wenn nötig zurechtweisen soll, etcetera.

Jedes dieser Kapitel beginnt mit einem Zitat aus Jane Austens Bücher und das für mich als nicht Austen Kennerin ein wenig mühsam, kann aber durchaus Geschmack auf das Lesen ihrer Romane machen und deshalb habe ich es wahrscheinlich auch aus dem Schrank genommen, dann kommen Beispiele aus dem Leben der Autoren, sie führt Fälle an, wo man es richtig oder falsch gemacht hat.

Hier kommt gleich meine Kritik, denn, obwohl ich es  durchaus logisch finde, bei seinen Dates ehrlich und offen zu sein und auch geduldig, kommt mir schon ein wenig vor, daß hier den Frauen öfter der Zeigefinger hingehalten wird, nicht zu früh Sex zum Beispiel und ehrlich soll man schon sein, aber was mache ich, wenn ich mich verliebt habe und es beruht nicht auf Gegenseitigkeit?

Das wird im zweiten Kapitel behandelt, da rennen dann in den negativ Beispielen, die Heldinnen den Männern nach, wo sie sich zurückziehen hätten sollen.

Mußte man wahrscheinlich im achtzehnten Jahrhundert, im einundzwanzigsten kann man vielleicht doch ein wenig verführischer sein und umzustimmen versuchen und ich denke und das wird von der Autorin auch mehrmals erwähnt, daß die Frauen im achtzehnten Jahrhundert wohl wirklich anders lebten, wie, die im heutigen England und Amerika. Die mußten heiraten und verloren damit glaube ich auch alle Rechte und ihr Geld an ihre Männer, Scheidung gab es nicht.

Heute sind die Frauen berufstätig, die Ehen halten, wohl weil man vielleicht zu ungeduldig ist und nicht so genau aussucht nicht so lang, aber ob man sich wirklich mit den Pfarrers-oder Gutsbesitzertöchter vergleichen soll?

Gut, ich suche keinen Mann und habe keine Dates und, wie schon erwähnt, das Buch wegen Jane Austen gelesen und doch etwas gelernt, wie Beziehungen länger halten können.

Das Buch ist, glaube ich, auch recht berühmt und sogar verfilmt worden und nach den Negativ- und Positivbeispielen, die sich hauptsächlich an Frauen richten und ihnen auch sagen, daß man geduldig mit Männerschrullen umgehen soll und, daß die kluge Frau wartet, lernt und sich entschuldigt, so wird das Beispiel einer unpünktlichen Frau angeführt, die zu spät ins Theater kam, der Mann erwies sich darauf sehr ungeduldig und schickte sie im Taxi heim. Sie hat aber nachgedacht, sich bei ihm entschuldigt und sich in der Folge auch verbessert, so daß die Beziehung weiterging und die Ehe vielleicht immer noch hält und das Negativbeispiel einer schlampigen Frau, die damit die Schlampigkeit ihres Partners noch verstärkte, so daß beide am Ende keine Rechnungen mehr bezahlten und die Freunde nicht mehr auf Besuch kamen, hier wird, glaube ich, geraten, die Beziehung zu beenden, beziehungsweise ging die dann auch schief.

Vorher erfärt man immer, wie es Emma,  Mr. Darcy, Henry, Catherine, etcetera falsch oder richtig machten und am Ende jedes Kapitel gibt es  einen Fragebogen, wie man seinen Datingpartner richtig einordnen kann.

So zum Beispiel einer, wie man erkennt, daß er einen wirklich mag oder, ob er einen erst einwickelt und dann fallen läßt und am Schluß kann man noch einen Test machen, um herauszufinden, welche Jane Austen Figur man sein könnte?

Ich wäre die „Mary“  und würde laut Lauren Henderson „einen ausgeglichenen Mann“ brauchen, wenn ich den bei Jane Austin wählen könnte, müßte ich entweder Edmund Bertram aus , Mister Knightley oder Henry Tilney nehmen.

Man kann auch einen Test für seinen Partner machen. Der Alfred wäre dann entweder  Henry Tilney, Captain  Wenthworth oder Mister Bingley und zwei von ihnen hätten mit der Mary ein Problem, „weil die ihre Spielchen“ durchschaut“ und ich rate nach der Lektüre zu Jane Austen Romanen zu greifen und was die Partnersuche betrifft, ist es wahrscheinlich wichtig offen zu sein, sich Zeit zu lassen, zu schauen, ob man zusammenpasst , etcetera, das sind wahrscheinlich doch zwei verschiedene Fliegen oder Schuhe.

Aber natürlich kann man sich „Stolz und Vorurteil“, „Verstand und Gefühl“, etcetera zu den jeweiligen Dates mitnehmen, über die Romane diskutieren, sie gemeinsam lesen und die Tests kann man dann auch noch machen.

 

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