Literaturgefluester

2021-02-13

Versprich es mir

Filed under: Bücher — jancak @ 00:26
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Ich glaube, knapp nachdem bekannt wurde daß Joe Biden, die US Wahl gewonnen hat und noch, um die Richtigkeit der Wahlergebnisse gekämpft wurde, ist das Angebot des Buches von oder über ihn zu mir gekommen und ich habe zugegriffen, denn ich hatte über den 1942 geborenen Joe Biden nicht sehr viel gehört und ihn, glaube ich, überhaupt erst bewußt wahrgenommen, als Donald Trump positiv getestet wurde und ein paar Tage danach das Wahlkampfduell der Beiden übertragen wurde. Das heißt, ich habe schon einiges über ihn gehört, nämlich daß er achtundsiebzig ist, senil wäre und während des Wahlkampfes jemanden für seinen Sohn gehalten hätte, der aber schon am Gehirntumor verstorben ist und, daß er auch einige Mädchen oder Frauen begrapscht haben soll, was an mir vorbei gegangen ist, weil ich mich für die amerikanische Politik nicht so sehr interesse oder doch ein bißchen, bin ich ja ein politisch aktiver Mensch und wenn ich Sachbücher oder Biografien lese, sind sie meisten literaturgeschichtlicher oder politischer Natur und ich muß sagen, es hat sich gelohnt und ich war positiv überrascht, denn eigentlich ganz ehrlich habe ich mir nicht sehr viel erwartet, als eine von einem Ghostwriter geschriebene auf Hochglanz polierte Biographie eines Spitzenpolitiker und ich muß sagen, ich habe mich geirrt, auch wenn ich nicht so genau weiß, wieviel der nunmehrige Präsidient selbst an diesem Buch geschrieben hat. Als US-Präsident oder Wahlkampfkanditat wird er nicht sehr viel Zeit dazu haben. Das Buch ist als Memoir vermerkt. Name eines Ghostwriters ist nicht angegeben. Im Dankeswort gibt es die Auflistung verschiedener Namen ohne die das Buch nicht zustande gekommen wäre und es geht eigentlich weniger, um den Präsidenten selbst, als um seinen Sohn Beau, der 2015 einem Hirntumor erlegen ist und der dem Vater vorher offenbar, das Versprechen abnahm, sich im Wahlkampf zu engagieren und Präsident zu werden.

Das Buch beginnt mit dem Kapitel „Thankgiving bei den Bidens“ und das ist ja ein mir auch etwas unverständliches Fest der Amerikaner, wo alle im November, glaube ich, zusammenkommen und Truthahn essen und das für sie offenbar viel wichtiger als Weihnachten ist. Die Familie Biden kam da trotz der politischen Funktionen des Vaters seit Jahren schon zusammen und die Familie des Senators oder Vizepräsidenten bestand aus seinen Söhnen Hunter, Beau, der Tochter Ashley und seiner zweiten Frau Jill, die die Jungen immer während der Autofahrt beruhigte und ihnen Kataloge zum Aussuchen der Weihnachtsgeschenke auf den Hintersitz warf. Die erste Frau ist mit der kleinen Tochter bei einem Autounfall gestorben und hat Joe Biden mit seinen beiden Söhnen zum alleinerziehenden Vater gemacht. 2014 sind sie, glaube ich, wieder dorthin gefahren und da hatte Beau schon seine Diagnose und auch schon einige sprachliche und kognitive Ausfälle. Es kommt dann ein bißchen was zum Behandlungsbplan, was mich stark an ein anderes Buch erinnerte, das ich Anfang des Jahres gelesen habe.

Die stark gläubige Einstellung, das Gottesvertrauen der Amerikaner, was ich auch nicht so ganz nachvollziehen kann, daß die immer für die anderen beten, wird erwähnt, auch das starke Pflichtbewußtsein und die Disziplin, die für Joe Biden offensichtlich selbstverständlich und zum Lebensinhalt geworden ist, was sich besonders in dem Kapitel ausdrückt, als er Barack Obama, dem damaligen Präsidenten bei einer Trauerfeier für zwei im Dienst umgekommene Polizisten vertreten muß. Da erzählt er von seinen Reden, die er genau vorbereitet und jeweils unterstreicht, wo er Pause machen und welche Worte er betonen muß und die er dann doch spontan umändert und den chinesisch stämmigen nicht englisch verstehenden Vater des einen Polizisten dann lange umarmt und der Witwe seine private Telefonnummer gibt. Zu mindestens das Erstere ist jetzt wohl ja nicht mehr möglich, da sich Joe Biden ja mehr um die Einhaltung der Covid- Maßnahmen als sein Vorgänger kümmern will und im Gegensatz zu ihm beim Wahlkampf auch immer Maske trug.

Im nächsten Kapitel spricht er dann davon wie Barack Obama ihn gebeten hat sein Vizepräsident zu werden. Er war zuerst gar nicht damit einverstanden, denn Vizepräsident ist ja ein undankbarer Job, wo man immer auf Begräbnisse und sonstige Gelegenheiten gehen muß, aber kein Mensch einen kennt. Und das stimmt, denn Biden war ja Vizepräsident und ich habe mir seinen Namen nicht gemerkt. Bei seiner jetztigen Vizepräsidentin ist das wohl anders, denn da habe ich gehört, daß sie, weil jünger und aktiv wahrscheinlich bald sein Amt übernehmen wird. Mal sehen, aktiv erscheint mir Joe Biden auch und er hat lange überlegt. Mit seiner Familie darüber gesprochen, die gesagt hat, tu es und die Frau hat sogar gesagt „Werde endlich erwachsen Joe!“

Dann übernahm er das Amt und machte zur Bedingung, daß er bei den Beratungen stets das letzte Wort haben wollte und erzählte auch kurz etwas über seine Beziehung zu Barack Obama, der ihm spontan anbot ihn finanziell zu unterstüzten, als sein Sohn krankheitshalber sein Atm niederlegen mußte und dann kein Einkommen gehabt hätte, ja die Amerikaner haben ja oft keine Krankenversicherungen und auch kein so ausgeklügeltes Sozialsystem, wie wir es immer noch haben.

Beau Biden geht seine Therapie sehr rasant an und ist mit allen noch so riskaten Therapievorschlägen einverstanden, der Vater flüchtet sich um seinen Schmerz zu bewältigen in die Arbeit und soll entscheiden, ob er für das Präsidentenamt kanditiert und nimmt seine Enkelkinder immer gern auf seine Auslandsreisen mit. So fliegt Finnegan mit ihm nach Moskau, als für die Unabhängikeit der Ukraine intervenieren soll und während es für Beau in eine weitere riskante Therapie geht und Joe Biden eine Lungenentündug hat, soll er nach Südamerika fliegen. Er schwankt, das Pflichtbewußtsein siegt und der irakische Premierminister Abadi von ihm Unterstützung im kampf gegen die IS möchte, als er sich endlich um seinen Sohn kümmern will.

So geht es dann bis Mai 2015, als Beau Biden stirbt dahin, der Sohn hat die noch ungeprüfte Therapie, wird so viel wie möglich abgeschirmt um seine Privatsphäre zu erhalten, der Vater besucht ihm heimlich und möglichst unerkannt, während seinen Interventionen bezüglich Irak und Ukraine. Hilary Clinton gibt in dieser Zeit ihre Kandiataur für das nächste Präsidentenamt bekannt, die Familie trifft sich um Beaus Krankenbett, betet für ihn, die Ärzte halten Konferenzen und sagen der Familie am Ende doch die Wahrheit.

Die Entscheidung für den Wahlkampf 2016 doch zu kanditieren fällt. Inzwischen wird das Recht auf die Homosexuellenehe beschloßen, Biden ist dafür, besucht noch einmal einen Gottesdienst, wo eine schwarze Gemeinde von einem weißen Rassisten erschoßen wurde und denkt an Beaus oder Barack Obamas Frage, wie sein Leben in den nächsten Jahren aussehen soll?

2017 fährt die Familie ohne Beau wieder in das Städtchen von Beginn, um gemeinsam Thankgiving zu feiern. Joe Biden bleibt etwas länger, weil er auf Llesereise geht, um den Buchhandel zu unterstützen oder auch über seinen Sohn zu reden. Da fragt er das Publikum, obwohl sie selbst schon Krebserfahrungen hatten und umarmt dann die Betroffenen. 2017 ist das Buch fertig, da sinniert er noch einmal über das Versprechen das er seinem Sohn gegeben hat, nach und endet mit einem Bibelzitat „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben gehalten“

Iinzwischen hat er einen weiteren Wahlkampf mit Mühen, Anfechtungen mitten einer Pandemie gewonnen und mir hat sich sein Name, der mir, wie geschrieben, bis vor ein paar Wochen nicht viel sagte, eingeprägt und ich habe, so geschönt und geglättet das Buch auch sein mag und sein muß, doch ein bißchen hinter eine Fassade geblickt, so daß ich mir unter Präsident Biden jetzt einen Menschen und seine Familie vorstellen kann. Am Tag der Angelobung habe ich wie immer OE 24 gehört. Da wurde ja gezeigt, wie die Familie, die Frauen in blauen Kleidern in das weiße Haus marschierten. Niki Fellner hat sie, glaube ich, vorgestellt. Ich habe wahrscheinlich mein Manuskript korrigieren nicht besonders zugehört und mir die Bilder auch nicht sehr intensiv angeschaut. Jetzt tut mir das ein bißchen leid.

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