Literaturgefluester

2019-04-28

Das Verschwinden der Stephanie Mailer

Filed under: Bücher — jancak @ 00:21
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Jetzt kommt ein Krimi oder auch der dritte Roman des 1985 in Genf geborenen Joel Dicker, der mit „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ einen Bestseller geschrieben hat.

Das habe ich nicht gelesen und auch das Nachfolgerbuch „Die Geschichte der Baltimores“ nicht, dafür hat mir „Piper“ die „Stephanie Mailer“ geschickt und ich muß sagen, ich habe in drei bis vier Tagen ein wahrhaft amusantes Buch gelesen, das eigentlich an vielen Stellen in seiner Vielfalt von über sechshundert Seiten, wo eigentlich mehrere Handlungstränge in zwei zeitlichen Ebenen erzählt werden, sehr platt ist, dafür aber so spannend geschrieben, daß man sich gerne darüber hinwegliest und auch ein bißchen erstaunt ist, daß es in einem Krimi so viel über den Literaturbetrieb geht und, daß eigentlich, die meisten der vielen Protagonisten einen Roman schreiben oder ihr Leben für ein Theaterstück hergeben und wenn diese Person dann noch ein Polizeichef ist, schüttelt man den Kopf und denkt „Hut ab, ich hätte mich wieder nicht getraut, so platt vor mich hinzuschreiben.

Die „Amazon-Kunden“ und es gibt schon sehr viele, die das Buch gelesen habe, haben das zum Teil auch bemerkt, sich aber mit den vielen Personen, die in den Buch vorkommen, was mich ein wenig wunderte, ein wenig schwer getan, aber wenn man vorher „Coming of Karlo“ gelesen hat, dann fällt einem das Lesen wahrscheinlich gar nicht schwer.

Warum geht es? Um eigentlich zwei Fälle beziehungsweise zwei Zeitebenen, denn imJahr 1994 wurden in dem öden Kleinstädtchen Orphea an der amerikanischen Ostküste, nicht am Genfer See, während dort ein Theaterfestival stattfand, vier Personen ermordet, die Familie des Bürgermeisters und dann noch eine vor ihrem Haus vor sich hinjoggende Frau.

Im Jahr 2014 will einer der Polizisten, die den Falls damals aufgeklärt haben, in Pension gehen, auf seiner Abschiedsparty tritt plötzlich die Journalistin Stephanie Mailer auf und erklärt ihm, daß er sich damals geirrt hat und es eigentlich ganz anders war.

Die verschwindet dann, wie schon der Titel sagt, und Jesse Rosenberg, das ist der Polizist, beschließt, bevor er sich in den Ruhestand verabschiedet, er ist erst fünfundvierzig und damals war es sein erster Fall, den Fall aufzuklären und kehrt nach Orphea zurück.

Dort wird dann bald die Leiche der Journalistin gefunden, ihre Wohnung wurde vorher durchwühlt und man kommt darauf, daß sie ein ungeheurees Interesse an den Fall hatte, aber eigentlich hat sie ein Buch darüber geschrieben, denn sie wollte  Schriftstellerin werden, hat vorher auch in einem renomierten New Yorker Literaturmagazun gearbeitet und dort spielt es sich wirklich irre ab.

Es gibt nämlich einen gefürchteten Kritiker, der allen erzählt, daß Kritiker keine Bücher schreiben können, hat er Wolfgang Herles oder Helmuth Karasek nicht gelesen?, könnte man da fragen.

Aber halt, er schreibt natürlich auch oder will das gerne, traut es sich aber nicht. So hat er Stephanie Mailer den Auftrag gegeben, die gerade aus der Redaktion entlassen wurde und das wird Meta Ostrowski dann auch, weil der Chefredaktuer einer ehemaligen Postsortiererin namens Alice hörig ist und sich ihretwegen hoch verschuldet hat.

Die beiden ehemaligen Aufklärer klären jetzt den Fall mit einer jungen Polizistin, namens Anna, die der jetztige Bürgermeister geholt hat, damit sie Polizeichefin werden kann, wenn der derzeitige in Pension geht, was aber natürlich nicht gelingt, weil die männglichen Polistien das nicht zulassen und der ehemalige Polizeichef, der von 1994 hat sich auch sehr seltsam benommen, hat er doch auch ein Theaterstück geschrieben, das „Die schwarze Nacht“ heißt und ist  besessen das Stück weiterzuschreiben, obwohl er nichts zusammenbringt.

Jetzt lebt er in Los Angeles,  probt das Stück seit Jahren und wird von dem neuen Bürgermeister nach Orphea zurückgeholt, um das Theaterfestival zu retten, das nach dem Stephanie Mailer gefunden wird, eigentlich abgesagt werden sollte.

Jetzt passiert die Farce in der eher banalen Krimihandlung, denn der Polizeichef probt und holt sich als Darsteller sämtliche Protagonisten, die 1994 in den Fall verwickelt waren und versprich auch, während der Aufführung den Mörder zu enthüllen.

„Der Mörder ist…!“, echot also die neunzehnjährige drogensüchtige Dakota, die ihre Freundin am Gewissen hat,  auch Schriftstellerin werden wollte und deshalb Schuldgefühle hat und wird während der Vorstellung angeschoßen. Das Ermittlerteam sucht weiter nach dem Mörder, der auch der von 1994 ist, weil der Schuß aus der gleichen Waffe kam.

Am Schluß klärt sich alles auf. Vorher werden noch ein paar andere Leute erschoßen.  Steven Bergdorf erschlägt  seine Alice und vergräbt sie im Yellowstone Nationalpark, wohin er mit seiner Familie und einer stinkenden Leiche im Kofferraum fährt.

Aus Schuldgefühlen schreibt er dann einen Roman darüber, der zum Bestseller wird und ich muß sagen, trotz der  Ein- und Zweisstern-Rezensionen, die bei „Amazon“ zu finden sind, mir hat es gefallen, denn ich mag ja Romane über den Literaturbetrieb und ich mag auch ganz gerne Krimis, obwohl ich die, wie ich ja immer schreibe, eigentlichnicht zusammenbringe, weil ich  keinen Leichen und keine Mörder und Ermordeten mag.

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