Literaturgefluester

2020-02-28

Wieder per livestream die Hörspielgala hören

Ich habe ja, glaube ich, schon öfter geschrieben, daß ich kein besonderer Hörspielfan bin, nicht so viel für die Dramatik über habe, kaum ins Theater gehe und mir inzwischen auch kaum mehr die Hörspiel anhöre, die es in Ö1 zu hören gibt.

Eine Ausnahme bildet die jährliche Hörspielgala, die früher einmal lange Nacht des Hörspiels geheißen hat, wo es Gulasch und Wein gegeben hat, man für die Hörspiele live abstimmen,  von Studio zu Studio wandern konnte und das Ganze bis weit nach Mitternacht gedauert hat, da war ich meistens live dabei, inzwischen wurde das schon schön abgespeckt, dauert von sieben bis zehn, wird in Ö1 übertragen, Doris Glaser und Andreas Jungwirth moderieren und ich bin auch meistens hingegangen, habe aber im letzten Jahr spontan beschloßen, mir dasGanze von meinen Wiener Bett per Livestream zu geben, was eigentlich auch sehr gut gelungen ist, besser noch sogar, weil ich mir das Glas Wein, das ich mir inzwischen kaufen müßte, auch auf das Beistelltischchen stellen konnte und heuer hatte ich keine Qual der Wahl, weil schon lange klar, daß wir das Wochenende in Harland verbringen werden und da ist mein Blick fast zufällig vor ein paar Tagen auf die Wahlkarte gefallen, die, glaube ich, den Ö1-Programmen beiliegt oder, die ich so zugeschickt bekommen habe, die ich, weil ich ja die meisten Hörspiele nicht kenne, auch nicht ausgefüllt und abgeschickt habe, aber da ist mir eingefallen,  kann ich mir das Ganze ja in Harland anhören und weiß dann auch worüber ich blogge, weil ich beim Lesen ja immer noch bei „Middlemarch“ bin und mich da durch die über zweitausend E-Book-Seiten quäle.

Aso per livestream in den großen Sendesaal, wo diesmal ,glaube ich, die Festrede weggefallen ist, dafür hat es gleich mit dem im Vorjahr vorgestellten Ö1- FM4- Podcast „Fake news blues“ begonnen, wo zwei Hörspielmitarbeiter ein Studio stürmen, aber von einem Tonmeister dabei behindert werden, begonnen. Die Stimme des Tonmeisters war ein Johannes Silberschneider, der zum heurigen Schauspieler des Jahres gekürt wurde.

Aber das kam erst später, zuerst stellten Doris Glaser und Andreas Jungwirth, glaube ich, aus den siebenundzwanzig Hörspielproduktionen, über die man abstimmen konnte, die besten zehn vor und ich habe mich bemüht auf meinen Wahlzettel alles mitzuschreiben und alles zusammenzubekommen, was mir inzwischen auch gelungen ist.

Fünf Preise, die fünf „Adriennen“, gibt es inzwischen und die ersten zwei gingen an die Gewinner des Kurzhörspielspielwettbewerbes „Take five“, wo man ein fünf Minuten langes Hörspiel, das einen bestimmten Satz enthalten mußte, einreichen konnte.

Da gibt es inzwischen auch noch einen künstlerischen Preis, der von der „Schule für Dichtung“ ausgesucht wurde und dann folgte aus der Liste der Siebenundzwanzig, der „Hörspielpreis der Kritik“ und Überraschung, das kannte ich schon, obwohl ich kein einziges der Hörspiele im Radio gehört, aber spoilere ich wieder, schon was gelesen habe.

Bei dem Hörspieldialog der Ruth Johanna Benrath mit Elfirede Gerstl war ich aber in der“Alten Schmiede“ und Andreas Jungwirth, glaube ich, mich zu erinnern, war auch dabei.

Dann gings, glaube ich, schon in die Pause, wo auch ein paar Hörspieltexte und Musikstücke gesendet wurden und dann wurde, wie schon erwähnt, der Schauspieler des Jahres, Johannes silberschneider, ein sehr akrobatisch wirkender Mensch, 1959 in der Steiermark geboren und mir bisher eher unberkannt füge ich hinzu, geehrt und richtig die Musikeinlagen des Duo „Duscher & Gratzer“ habe ich jetzt vergessen, die aber auch in diesem „Fake news blues“ mitgewirkt haben und mit denen hat Johannes Silberschneider, dann noch einen neu getexteten Hit von Freddy Quinn gesungen und dann gings noch einmal in die Hörspielrunde, das heißt, da habe ich schon wieder was vergessen, nämlich ein Hörspiel von Magda Woitzuk „Im Winter“ und das ist eine Kooperation des Hörspielstudios mit dem „Kunsthistorischen Museum“, denn da konnten offenbar sechs Autoren zu je einem Bild einen Text schreiben, der dann  szenisch aufbereitet wurde.

Magda Woitzuks Stück steht auch auf der Liste der ausgewählten zehn und da war dann noch Josef Winkler Brief an seinen Vater dabei mit dem er 2018 zu meiner überraschung mit den „Österreichischen Buchpreis“nicht gewonnen hat, in der Hörspielropduktion hat Johannes Silberschneider aber wieder dem alten Winkler seine Stimme geliehen, während es noch die eines sechsjährigen Kindes gab. Aber ich greife schon wieder vor, Platz drei beim Publikumvogting war ein Stück über die Familie von Otto Grünmandl mit dem schwierigen Namen „Hhersky Brod – ein ferner Name“, Platz zwei dann die „Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus“ von oder nach Christine Lavant und da kann ich wieder spoilern, das ich da zwar weder das Buch gelesen habe, noch das Hörspiel hörte, aber im Literaturhaus bei der Lavant- Ausstellung war und dann noch bei einer zusätzlichen Veranstaltung, wo es auch über die „Aufzeichnungen“ ging und Platz eins, fast habe ich mir es schon ausgerechnet, weil ich Josef Winkler im Publikum sitzen gesehen habe, war „Lass dich heimgeigen, Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe“ und da habe ich erst jetzt erfahren, daß der Brief an den Vater urspüglich für das Burgtheater geschrieben wurde und dann erst bei „Suhrkamp“ als Buch herausgekommen ist. Der kleine Oskar kam mit josef Winkler, Johannes Silberschneider und der Regisseurin auf die Bühne, erhielt die „Schöne Adrienne“ und schüttelte entschloßen den Kopf, als ihn Doris Glaser fragte, ob er einmal Schauspieler werden will?

Dann gabs noch ein Abschiedsständchen und vor zehn war die heurigen Hörspielgala, die mir ,ich schreibe es gleich hinzu, um keine Mißverständisse auszulösen, diesmal sehr gut gefallen hat, zu Ende, das Siegerhörspiel ist Morgen, am Samstag, um zwei zu hören, der Gerstl-Dialog glaube ich am Sonntag im Kunstradio oder werden da die Kurzhörspiele gesendet?

Das weiß ich jetzt gar nicht so genau. Man kann es aber in der Programmschiene sicher nachlesen.

Es war ein sehr interessanter Abend und Hörspiele sind natürlich auch interessant, besonders wenn es dabei um literarische Vorbilder geht.

2018-11-06

Laß dich heimgeigen Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:01
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Jetzt  am Vorabend der Buch-Wien geht es ans öst Buchpreisauflesen, denn da hatte ich ja schon fünf Bücher gelesen, als die Liste bekannt gegeben wurde, dann habe ich den Millesi und den Jäger, die ich als PDF bekommen habe, gelesen und beim Rest, was zuerst nur der Josef Winkler und der David Fuchs war, gedacht, das mache ich sopäter, ich habe ja mit dem dBp und den anderen Neuererscheinungen genug zu tun.

Also jetzt der große Favorit und „Büchnerpreisträger“, der 1953 in Kärntnen in dem Dörfchen Kamering geborene Josef Winkler, das inzwischen wohl wahrscheinlich  Berühmtheit erlangte und zumindestens allen Deutschlehrerinnen bekannt sein wird, denn Josef Winkler ist ja auch einer, der ähnlich wie Florjan Lipus und wahrscheinlich noch einige andere, sein Leben aufschreibt und sich dabei wiederholt in endlos Schleifen das Aufwachsen in einem katholischen Bauerndorf der Nachkriegszeit und die Gewalt, die er dort erlebte, beschreibt und er tut es in einer sprachlich schönen Form, so daß die Germanisten Symposien darüber abhalten und die Leser für die der Buchpreis ja eigentlich oder ursprünglich da ist, vielleicht sagen werden „Was interessiert uns das? Das ist uns zu schwer und hochgestochen, wir wollen lieber was Unterhaltsames, nach unserem schweren Arbeitstag!“ und werden vielleicht zum Krimi greifen, der nicht auf den Buchpreislisten steht.

Ich kenne Josef Winkler zumindest vom Namenseit seinen Anfängen, hat er doch, als ich mich noch sehr dafür interessierte und glaubte, daß ich das auch einmal könne, beim Bachmannpreis gelesen und mit „Menschenkind“ gewonnen, das inzwischen ein Teil der Trilogie „Das wilde Kärntnen“ ist.

Das Buch habe ich, glaube ich, vor Jahrzehnten gelesen und wahrscheinlich nicht sehr verstanden, dann war ich  1996 auf eigene Kosten und als Publikum im Klagenfurt, wo er mit einem Kind am Arm herumgelaufen ist und, ich glaube, aus „Domra“, den Bericht seiner Indienreise gelesen, aber nicht gewonnen hat. Das Buch habe ich dann auch vom Karli zum Geburtstag bekommen und die Dramatisierung seiner „Römischen Novelle“ habe im im MQ, ich glaube, im Rahmen der Festwochen gesehen.

Da ist mir also der sich um sein Kindheit kreisende Josef Winkler ein wenig verloren gegangen, könnte man so sagen, stimmt nicht ganz, denn ich war beim Symposium in der „Alten Schmiede“ und da hat er, glaube ich, aus seinem „Abschied von Vater und Mutter“ gelesen und jetzt das öst Buchpreis Buch, das im Frühjahr bei „Suhrkamp“ erschienen ist und da an mir ohne die Nominierung vorbeigegangen wäre, obwohl es, glaube ich, im Vorjahr im „Casino am Schwarzenbergplatz“ aufgeführt wurde, bin ich wieder in die Winklerische Welt des Grauens und des Lamatierens eingetaucht und ich muß sagen, er versteht es ausgezeichnet, das in eine kunstvolle Form zu fassen, obwohl die Inhalte, wie man auch bei „Amazon“ lesen kann, schon sehr bekannt sind.

Neu für mich war, daß der kleine Josef oder Sepp schon als einjähriger mit einem Bleistift, um auf seine spätere Profession hinzuweisen, herumgelaufen ist, aber, daß die schweigsame oder im Schmerz verstummte, später Psychopharmaka nehmende Mutter ihre drei Brüder im Krieg verloren hat, habe ich schon gelesen oder gehört, auch daß er beim Tod des Vater in Tokio war, daher nicht zu seinem Begräbnis kommen konnte oder auch nicht wollte, weil der Vater ihm das verboten hat, weil sich das Dorf naturgemäß wahrscheinlich nicht darüber freute vomJosef oder Sepp in den „Dreck“ gezogen zu werden.

Das Buch, die sich immer wieder wiederholenden Inhalte der Gewalt, die das Kind wohl in der muffigen Bauernstube erlebte, das Blauschlagen des Hinters beispielsweise „Er hat blaue Würste am Arsch!“, ist, muß ich sagen, in eine wirklich künstlerische Form gebracht und darin eingerahmt.

Eingerahmt durch die Gedichte de jiddisch schreibenden Rajzel Zychlinski, die in Polen geboren wurde und 2001 in den USA gestorben wird und dann gibt es noch das Gedicht „Der Herr, der schickt den Jockel aus:/ Er soll den Hafer schneiden“, das, glaube ich, von Fontane ist, das vor jedes Kapitel gestellt wird und daher von Kapitel zu Kapitel immer länger wird, bis es schließlich in „Da geht der Herr nun selbst hinaus/ Und macht gar bald ein End daraus/ Der Teufel holt den Henker nun, / Der Henker hängt den Schlächter nun, /Der Schlächter schlacht’den Ochsen nun, / Der Ochse säuft das Wasser nun,/ Das Wasser löscht das Feuer nun,/ Das Feuer brennt den Prügel nun,/ Der Prügel schlägt den Pudel nun,/Der Pudel beißt den Jockel nun,/ Der Jockel schneidt den Hafer nun,/ Und kommt auch gleich nach Haus.“

Jockel ist, glaube ich, die Abkürzung von Jakob und so heißt Josef Winklers Vater und das Buch ist eine Ltanei, ein Zwiegespräch mit ihm in dem all das, was wir, wenn wir ein bißchen Winkler gelesen haben, schon wissen, aber noch etwas anderes, das der Aufhänger für das Buch ist, enthält.

Den Josef Winkler, steht am Klappentext, hat erst vor wenigen Jahren erfahren, daß in den „Sautratten“, wo die Gerste wuchs, die in der väterlichen Mühle gemahlen und auch das ganze Drautal mit Mehl belieferte, die Leiche des sich 1945 selbst vergiftet habenden, weil die Engländer ihn gefangene nahmen, Odilo  Globocnik, der als Leiter der Aktion Reinhart für die Vernichtung von  Juden in Treblinka Belzek und Sobibor verantwortlich war.

„Zwei Millionen ham`ma erledigt!“, wird immer wieder litaneiartig wiederholt und nun klagt der Sohn, den Vater an, wieso er ihm, der doch sonst soviel vom Krieg erzählte, das nicht gesagt hat und so er und der Rest des Drautals jahrelang, wie er schreibt verseuchtes Brot essen mußten.

Der Lebenslauf des jungen Josef, der mir aus Lesungen schon bekannt war und der auch ziemlich genauso  beschrieben in „Wikipedia“ steht, wird erzählt. Die kleinen bunten Soldatenfiguren, die dieKinder aus den „Linde-Kaffeebohnenschachteln“ sammelten, die die Verwandten bei den Besuchen mitbrachten. Die katholischen Rituale und Aufbahrungen, das Lesen der Winnetou-Bücher, die ihm aus der Sprachlichkeit und der Dumpfheit des Dorfes herausbrachten. Er hat dazu auch Geld aus der Böse seiner Mutter, die er und das finde ich ein bißchen seltsam, obwohl ich den dramaturgischen Effekt nachvollziehen kann, in dem Buch „Mame“ und den  Vater „Tate“ nennt und denke, daß er  als Kind seine Eltern sicherlich nicht so genannt hat, gestohlen.

Hat später auch Camus und Hemingway gelesen, ist nach Klagenfurt auf dieHandelschule gegangen und hat später an der damaligen Hochschule für Bildungswissenschaft, als Schreibkraft gearbeitet. Dann sind seine erste drei Bücher erschienen, die das Dörfchen  wohl erregten und er verstummte. Später kehrte er wieder in sein Elternhaus zurück, um und das mag auf dem ersten Blick seltsam erscheinen, wieder schreiben zu können. Aber ich finde gerade diese Ambivalenz das Wandern zwischen Gut und Böse, das Josef Winkler auch bei sich selbst beschreibt, diese Haßliebe, das nicht loskommen und sich immer wieder fortan wiederholen, als das Bemerkenswerte an dem Buch und an Josef Winkler literarischen Schaffen.

Ein Buch, das wahrscheinlich, wie schon beschrieben an mir vorbeigegangen wäre, ich aber sehr froh bin, daß ich es gelesen habe, denn ich habe dadurch sehr viel von Josef Winkler und seinem Schreiben  gelernt und füge ich noch hinzu, daß als ich 2000, zu Zeiten von schwarz blau eins, was allerdings ein Zufall ist, in Klagenfurt war, wurde dort gerade das Stück des  20011 verstorbenen Werner Kofler „Tanzcafe Treblinka“ aufgeführt, denn Odilo Globocniks Adjutant Ernst Lerch hat sich nicht umgebracht, sondern bis in die Siebzigerjahre in Klagenfurt ein Tanzcafe geführt, in dem Josef Winkler, als es allerdings kein solches mehr war,  öfter war, bevor er von der Abendhandelsakademie nach Hause gefahren ist.

2016-01-25

Josef Winklers Abschiede

Der 1953 in Kamering geborene Josef Winkler, der 2008 den „Büchner-Preis bekommen“ hat, hat ein neues Buch geschrieben, beziehungsweise herausgegeben „Abschied von Vater und Mutter“, das offenbar die Texte „Roppongi- Requiem für einen Vater“ 2007  und „Mutter und der Bleistift“ 2013 erschienen, vereinigt, das heute von Angelika Reitzer kommentiert und moderiert in der „Alten Schmiede“ vorgestellt wurde.

Vorher hat es noch eine „Stunde der literarischen Erleuchtung“ gegegeben, wo Andrea Grill und Alexandra Millners Albert Drachs „Vogeltexte“ vorstellten, da hatte ich leider eine Stunde, denn das wäre sicher auch sehr interessant gewesen, habe ich ja schon einmal eine „Literarische Erleuchtung“ über Albert Drach versäumt und Alexandra Millner hat ja glaube ich auch bei dem „Josef Winkler Symposium“ vor zwei Jahren mitgewirkt, wo glaube ich, auch der Text „Mutter und der Bleistift vorgestellt wurde.

Der diesbezüglich erschienene Symposiumbericht lag am Büchertisch, auch, die neuen und die alten Bücher und auch ein Buch Josef Winkler und Karl May, den der hat, glaube ich, den großen Kärtner Bauernsohn das Lesen beigebracht.

Ich habe übrigens vor kurzem auch ein Winkler-Buch in einem der Schränke gefunden, nämlich „Leichnam seine Familie belauernd“, das ich leider nur gerade nicht finden kann, habe ich doch heute meine Bücherstöße umgeräumt um Margot Kollers „Im Paradies der Bücher“ zu finden, damit ich es mitnehmen kann, wenn wir am Wochenende nach Salzburg fahren, was aber ohnehin nichts macht, weil ich zum Lesen des Winkler Buches derzeit ohnehin nicht komme und die Lesung war sehr sehr interessant, ist Josef Winkler ja einer, der über sein eigenes Leben schreibt und wie er selber sagte, vierzig Jahre nichts anderes als das in immer anderen Varianten und Wiederholungen getan hat.

Das erste waren die drei Kärntner Heimatromane „Menschenkind“ „Ackermann von Kärnen“ und „Muttersprache“ wie sie glaube ich auch „Das  wilde Kärnten“ genannt werden, dann kamen die Reiseberichte über Indien und Rom aber immer wieder die Auseinandersethzung mit dem Vater und der Mutter.

Zum Vater hat er ein schwieriges Verhältnis gehabt, der hat ihn offenbar erst später an und aufgenommen und ihm auch verboten zu seinem Begräbnis zu gehen und die Mutter ist schon als junge Frau verstummt, nachdem im zweiten Weltkrieg, ihr dritter Bruder Adam, gefallen ist.

Die Mutter soll sich auch wie Angelika Reitzer in ihrer Einleitung erwähnte, darüber beschwert haben, daß der Sohn soviel über sie und die Familie geschrieben hat.

Was ich verstehen kann, daß das für eine Kärntner Bauernfamilie nicht einfach war, einen Sohn zu haben, der berühmt damit wurde, daß er über seine Kärntner Kindheit schreibt und das ist in dem sogenannten „Mutterrequiem wo Ilse Aichingers Texte immer wieder mit dem Leichnam des toten Adams, dem Großvaters, dem Apfelbaum, dem Nußbaum und den Heiligenbildner im Schlafzimmer vernetzt werden, hervorragend gelungen.

Angelika Reitzer hat sich nach der Lesung auch nach der Bewandnis der Aichinger Texte erkundigt und Josef Winkler hat  geantwortet, daß er zum neunzigsten Geburtstag der Dichterin einen Text über sie schreiben sollte, es war aber wenig Zeit dazu, denn er war ja im Sommer in Indien, da hat er „Kleist, Moos, Fasane“ mitgenommen,  dort den Text gelesen, beziehungsweise in seine Muttergeschichte verwebt.

Josef Winkler war in dem Gesrpäch überhaupt erstaunlich offen und erzählte von seiner Bezeihung zu seinem Vater und seiner Mutter, über den Vater konnte er sehr viel schreiben und hat das auch getan. Die Mutter hat ihn mit ihrer Sprachlosigkeit offenbar angesteckt und er konnte, als er zu schreiben anfing auch Thomas Bernhard in der Furcht, daß er dann so schreiben würde, nicht lesen.

Nach seinen ersten drei Romanen hatte er auch eine Verstummungsphase, dann ist er nach Kärtnen zu seinem Vater zurückgegangen und hat in der Auseinandersetzung mit ihm, seine Sprache widergefunden und so schreibt er vierzig Jahre „den gleichen Stuss“ wie er es selber nannte und bewundere seine Kollegen, die so einfach eine Geschichte mit Plot und Handlung hinunterschreiben können, was ihm nicht gelinge und das finde ich sehr interessant und sehr ehrlich und habe, die ich damit ja irgendwie in der Mitte stehe, auch eine Auseinandersetzung mit meiner damaligen Kritikerin JuSophie gehabt, die meinte, daß nichts schwerer wäre, als Personen zu erfinden und, daß man von dem eigenen Ich wegkommen soll.

Die Literaturgeschichte lehrt, glaube ich, sehr gut, daß man das nicht muß, beziehungsweise nicht alle, es gibt eine Vielzahl von Autoren, die von ihrer Biografie leben und die wiederholen sich damit wahrscheinlich auch, wie es jetzt vielleicht gerade Robert Walser mit seinem neuen Roman „Ein sterbender Mann“ passierte, den ich zwar nicht gelesen habe, wohl aber Tobias Nazemis „Brief an Martin“, der in dem neuen Selbstbewußtsein der Bücherblogger meinte, von den ewig gleichen Romanen enttäuscht worden zu sein.

Das kann man Josef Winkler vielleicht auch vorwerfen und der Leser muß wohl entscheiden, ob er eine spannende Geschichte mit einem erfundenen Plot haben will oder die Autobiografie eines Autors, der sein Leben lang Dasselbe  in wechselnden Variationen schreibt?

Ich finde beides wichtig, lese beides, interessiere mich auch dafür, wenn sich  Autoren oder Autorinnen mit ihrem Krankheiten, etcertera beschäftigen und bin auch nicht so ungeduldig Bücher wegzuwerfen, beziehungsweise würde ich es sehr anmaßend finden, einen Autor zu sagen, daß er vor zwanzig Jahren zu schreiben aufhören hätte sollen! Finde es aber spannend, daß Josef Winkler sein Kreisen, um seine Kindheit, selbst als „denselben Stuss“ bezeichnet hat  und wahrscheinlich sollte ich mehr Josef Winkler lesen.

„Leichnam seine Familie belauernd“ wartet noch auf mich und ich, die ich ja auch sehr viel über mich und die Kränkung nicht und nicht in den Literaturbetrieb hineinzukommen, schreibe, kann fröhlich vermelden, daß dies bald der 2500 Artikel ist, in dem ich über Veranstaltungen, Bücher oder mein Schreiben berichte.

Es ist, glaube ich, der 2498, weil die Besprechung von Dimitri Verhulsts „Die letzte Liebe meiner Mutter“ für Mittwoch geplant ist und es von Pavel Kohouts „Henkerin“ erst einen Entwurf gibt, weil ich das Buch in Harland noch nicht ganz gelesen habe, also „auch sehr viel Stuss“, den ich schreiben muß und immer wieder schreibe, wie wahrscheinlich auch Josef Winkler weiterschreiben wird und gleich von einer Idee erzählte, die ihn beschäftigt.

Angelika Reitzer fragte dann auch nach den neuen Plänen und er meinte, daß er wieder eine Sammlung von Skizzen  herausgegeben wird, weil man ja alle paar Jahre einen neuen Text veröffentlichen soll und erwähnte einen mexikanischen Autor, der nur zwei Bücher veröffentlichte und danach erklärte, daß ihm das Schreiben nicht mehr interessieren würde.

Jerome David Salinger und Harper Lee haben es, glaube ich, ähnlich gemacht, andere, wie Josef Winkler, Martin Walser und auch ich müßen schreiben, wenn sie vielleicht auch schon ein wenig ausgeschrieben sind, aber „Man schreibt immer denselben Roman, ein Leben lang“, ist auch das Vorwort von einen meiner Bücher.

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