Literaturgefluester

2018-11-11

Königin der Berge

Nun kommt das wahrscheinlich letzte öst. Buchpreis Buch, Daniel Wissers „Königin der Berge“, der für mich und wahrscheinlich auch für andere überraschend den dritten österreichischen Buchpreis gewonnen hat und ich muß sagen, es ist ein wirklich gutes Buch mit einem wichtigen, mich sehr interessierenden Thema, das uns alle betreffen kann. Wie gehe ich um, wenn ich unheilbar krank bin, wie mache ich es da mit dem Sterben und beende wie mein Leben?

Ein Thema das uns alle betrifft und das wir vielleicht deshalb oft verdrängen und das wäre vielleicht eine kleine Kritik, die bei „Amazon“ von einem Leser auch nur eine „Ein Stern Rezension“ bekommen hat.

„Leider sind im E Book, immer wieder Seiten bei denen viele Buchstaben durch scharze Balken/Flächen ersetzt werden.

Bei einigen Seiten sind auch die Absätze komplett verschoben. Um das Buch zu lesen, muß man auch immer wieder zurückblättern, es ist wirklich verwirrend……

Schade, es war sehr teuer…“

Und das, der experimentelle Stil in dem Daniel Wisser seinen Roman verpackt, ist wahrscheinlich nicht nur dem Inhalt und der Distanz die man braucht, um das Lesen zu verkraften, geschuldet, denn Daniel Wisser ist ein experimenteller Autor, zumindest wird der 1971 geborene, dieser Szene zugerechnet und da habe ich auch ein Bonmot zu erzählen, habe ich ihn doch 2003, glaube ich, im Amerlinghaus, ich glaube weiter, im Rahmen des „Fröhlichen Wohnzimmers“ kennengelernt, als er aus seinem „Ritter-Buch“ „Dopplergasse 8“ gelesen hat und da war ich über den realistischen Stil sehr erstaunt und habe gedacht, wenn das bei „Ritter“ erscheint, dann kann ich das auch.

Ich konnte, wie bekannt nicht und habe auch noch kein anderes Buch von Daniel Wisser gelesen, ihn nur bei verschiedenen Lesungen beispielsweise im Musa, bei den O Tönen, etcetera, gehört.

Er macht auch literarische Performances, ist Musiker und ist und das ist erfreulich nach und nach aufgestiegen, hat beim „Bachmannpreis“ gelesen, bei „Klever“ und jetzt bei „Jung und Jung“ verlegt und als ich „Königin der Berge gelesen habe, war ich wieder etwas erstaunt, daß das ein so realistischer mit einem so wichtigen Thema ist. Nur der experimentelle Touch der für mich eigentlich nicht wirklich experimentell ist, störte mich etwas. Wirkte er doch für mich ein wenig aufgesetzt und hat vielleicht auch mich wie den „Amazon-Leser“ vom Lesen  abgelenkt.

Es wird in dem Buch nämlich immer wieder etwas durchgestrichen. Es gibt sehr viele Dialoge und an manchen Seiten gibt es immer gleich zwei Reden. das was man sagt und das was man denkt und Daniel Wisser lenkt von der Brisanz des Themas auch immer wieder durch theoretische Diskurse ab. Geht in die Vergangenheit zurück, erzählt von Bankräubern, amerikanischen Präsidenten, läßt seinen Helden mit einer toten Katze kommunzieren, etcetera, obwohl das, daß man mit einer nicht real existierenden Person spricht, vielleicht gar nicht so experimentell ist.

Nun zu dem, um das es in dem Buch geht. Es geht, wie in einer anderen „Amazon Rezension“ steht um einen gar nicht so sympathischen Helden, um einen politisch unkorrekten Ungustl und Frauenheld, den Mittevierzigjährigen Robert Turin, einstmal ein erfolgreicher EDVler, der mit einem Freund eine eigene Firma mit vielen Angestellten hatte. Dann bekam er MS und sitzt jetzt mit Mitte vierzig in einem Pflegeheim, muß von den Schwestern dort angezogen, gewaschen und in den Rollstuhl gehievt werden, schaut ihnen dabei immer wieder auf den Busen, irritiert sie auch, in dem er von sich in der direkten Rede spricht, wenn sie seinen Namen falsch aussprechen „Nein, Herr Turin will nicht in den Garten, Herr Turin haßt die Natur, weil sie grausam ist“

Er hat eine Frau namens Irene, die ihn am Wochenende besucht, ansonsten verbringt er anfangs seine Tage in der Cafeteria und läpt sich von den Zivildienern grünen Veltliner servieren und nervt alle mit der Frage, ob sie ihn in die Schweiz fahren?

Er fragt das anfangs auch seine Lieblingsschwesgter Aliki, die Namen der Schwestern übt er in einen sogenannten „Schwesternalphabet“, die antwortet, was wohl alle Schwestern in einem katholischen Pflegeheim antworten müssen oder sie gibt keine Antwort und Daniel Wisser führt uns trotz seiner experimentellen Spielchen sehr realistisch in die Welt der Pflegeheime und Hospize ein, denn er war, hat er bei den „O Tönen“ erzählt, einmal Zivildiener in einem solchen und hat dort eine Cafeteria betrieben und wahrscheinlich auch einen ähnlichen Patienten gekannt.

Es gibt in dem Heim auch eine etwas aufmüpfige Psychologin namens Katharina, die Herrn Turin zu einer Gesprächstherapie veranlassen will, die er auch nicht braucht und während seine Frau Irene zu Weihnachten Karriere in Japan macht, wird er von ihrer Schwester, einer Anästhesisitin besucht, der er auch diese Frage stellt.

Dazwischen bekommen wir die Realität der Pflegeheime mit, die Schwestern kommen alle aus dem Ausland und haben Heimweh oder ihre Berufe gewechselt, anstatt Deutschunterrichten müssen sie jetzt Harnbeutel wechseln, die Cafeteria wird ausgelagert, der Putzdienst ist es schon, einer der Patienten bekommt einen Schlaganfall und muß von Herrn Turin auf der Pflegestation besucht werden, der sagt  zu allem nur noch „ja, ja, ja“ und eine andere Patientin und das finde ich, ist ein gelungenes Beispiel, sitzt ständig vor dem Fernseher und schreit laut „Trump“, denn es ist Wahlkampfzeit und sie ist begeistert vom amerikanischen Präsidenten.

Herr Turin ist das weniger, findet aber zwei Komplizinnen, die Schwägerin und die Psychologin. Es kommt aber trotzdem zu einem Selbstmordversuch und er wird dann vom Heim erpresst zu sagen, daß es ein Unfall war, damit er in keine Psychiatrie kommt, was er nicht brauchen kann, denn um dem Verein für Sterbehilfe beizutreten, muß er bei geistigen Kräften sein. Er muß dafür auch verschiedene Formulare ausfüllen was er nicht kann. So muß er den Zivildiener und die Schwestern dazu bitten. Seine Frau ist dagegen, die Anästhesistin hilft ihm und verschafft ihm die richtigen Tabletten, die er aber auswärts nehmen muß, so daß er  in ein Einkaufszentrum fährt und sich dort einsperren lassen will. Der Zivildiener vereitelt das. Es kommt zu weiteren Schwierigkeiten. Herr Turin muß  nun eine Therapie machen und Psychopharmaka nehmen.

Schließlich gelingt es ihm doch und die Psychologin fährt ihn in die Schweiz und wir haben ein sehr sehr gutes Buch mit einem sehr brisanten Thema gelesen über das man diskutieren kann und sollte und, wie geschrieben, wenn ich Daniel Wisser einen Rat geben könnte, den er wahrscheinlich nicht annehmen wird, würde ich ihm empfehlen, den „experimentellen Schnickschnack“ wegzulassen, weil das Buch meiner Meinung nach dadurch besser werden würde.

Es ist aber wahrscheinlich auch so gut genug, hat es ja den dritten österreichischen Buchpreis gewonnen. Ich gratuliere sehr!

Werbeanzeigen

2018-09-29

Der Vogelgott

Buch sieben des dBps 2018 und eines das auf der Shortlist steht, von dem ich schon in der letzten Leseauslese in der „Gesellschaft“ sehr viel Lobendes gehört habe, so daß ich sehr gespannt auf das Lesen war. Der obligtorische „Jung und <Jung“, der es regelmäßig auf die LL schafft und wieder von einer Frau, nämlich von der 1953 in Darmstadt geborenen Susanne Röckel, von der ich sonst noch nicht viel gehört habe geschrieben wurde.

Das Buch wird überall oder jedenfalls sehr viel wegen seiner Mystik, deren Bann man sich nur schwer entziehen kann, gelobt und sowohl mit E. T. A. Hoffmann, als auch mit Edgar Allen Poe verglichen.

Dem stimme ich nur teilweise zu, das heißt an E. T. A Hoffmann, den ich ja sehr mag und früher viel gelesen habe, hat es mich nicht erinnert und Edgar Allen Poe habe ich nicht gelesen und ich würde auch eher meinen, daß kein Roman ist, sondern aus vier Erzählungen besteht, die alle von einer Familie handeln und mit den Vogelgottmotiven, die mir nicht immer nicht ganz klar wurden und die ich auch mehr oder weniger gut ausgearbeitet fand, besteht.

Es beginnt mit einem Prolog und der ist sehr mystisch und kann eine durchaus in den Bann ziehen. Da reist ein Vogelforscher in ein seltsames Land um einen seltsamen Vogel zu suchen. Die menschen sind dort sehr komisch und starren ihn nur an. Es gibt kein Essen und eigentlich auch kein Hotel, sein Rucksack mit den Ferngläsern wird gestohlen und als er auszieht, um einen seltsamen Vogel den er gesehen hat, zu erlegen, begegnet er auch einem seltsamen Mann mit einem seltsamen widerlichen Geruch, der einen an Mephisto erinnern könnte. Aber der ist ja kein Gott sondern das Gegenteil. Gezeichnet ist das Ganze mit „Konrad Weyde. Der Vogelgott. Unveröffentliches Manuskritpt“ und der ist Lehrer, Vogelforscher und der Vater von Theodor, Dora und Lorenz und denen sind die anschließenden drei Kapitel gewidmet, von denen das erste „Im Land der Aza“ noch viel von jener Anfangsskurlilität hat, die später, wie ich bemängelt würde, ausdünnt.

Da ist also Theodor, der jüngst Weyde, vom strengen Vater, am meisten geliebt, der studiert Medizin, hat aber keine rechte Lust dazu. Hört also damit auf und geht eines Abends in ein ebefalls seltsames Lokal, wo er einen seltsamen Mann, der auch diesen unheimlichen Geruch hat trifft, der Vic Tally heißt, seltsame Namen gibt es also auch und der heuert ihn an für ein Jahr als Arzt oder medizinischer Helfer nach Aza zu gehen. Dazu braucht er ein Visum ein ebenso seltsamer Herr Petri gibt ihm das, warnt ihn aber vor einem „Chief Ali“, den dann in Aza Town keiner kennt.

Dort wird er in einem ebenso heruntergekommenen Hotel einquartiert, muß lange warten, bis er in das Missionsspital kommt, wo ihm die Nurses zuerst mißtrauisch beäugen, dann ein jungesMädchen namens Miranda bei ihm einquartieren, einen seltsamen Aufstand gibt es auch, so daß er schließlich in der Psychiatrie landet.

Kapitel zwei „Die Madonna mit der Walderdbeere“ das von Dora, der Kunsthistorikerin handelt, die über den, ich glaube, im sechzehnten Jahrhundert gelebt habenden MalerJohannes Wolmuth promovieren will, erscheint mir schon viel ausgedünnter, denn während nur Theodors Handie ahnen läßt, daß der in der Jetztzeit lebt, geht Dora in ihr ehemaliges Wohnhaus zurück, in dem sie mit ihren Brüdern, dem strengen Vater und der kränkelnden Mutter lebte und sieht, das ist jetzt ein moderner Wohnblock und das Kapellchen, in dem sie als Kind oft mit der kranken Mutter war und in dem das oben beschriebene Bild, des Malers hängt ist hinter einem Container verborgen. Der schlüßel ist beim Diakon zu holen und der ist, wen wundert es, ein ebenso seltsamer Mann.

Dora beginnt zu forschen, entdeckt unter dem Bild ein anderes, der Vogel Greif kommt auch vor, als sie das aber ihrem MannHans, auch ein Kunstprofessor und ihrem Dorktorvater sagen will, sind die entsetzt und aus der Dissertation wird nichts Rechtes und dann geht es zu Lorenz dem ältesten der Weyde-Kinder. Der ist Journalist, hat eine Frau und zwei Kinder und schon einmal etwas mit einem Stubenmädchen in einer Pesnion mit der er mit der Familie Urlaub machte,  gehabt, die heißt Clara und hat auch den dumpfen Geruch. Sie will ihn aber nicht wirklich und so geht es in die Stadt zurück, wo er, der seit der Zeitungskrise nur mehr freiberuflicher Mitarbeiter des „Tagblattes“ von seinem Chef den Auftrag bekommt, über den Tod eines Kindes zu schreiben.

Dessen Geschwister zeigen ihm die vogelähnlichen Zeichnungen des Kindes und er bekommt heraus, daß viel Kinder schreckliche Träume haben und dann in ein Sanatorium eingeliefert werden. Das ist eigentlich eine Pharmafirma und gehörte einem Herrn Morton, den wir schom vom Dora Kapitel kennen.

Da trittt er in den „Vettern Stiftungen“ auf, wo Dora ein Stipendium hat, wird aber von seinem Begleiter hypnotisiert, so daß er immer kleiner wird und er hat als Gymnasias,t er war Schüler an der Schule, wo Lorenz Frau unterrichtete, ein Stück über Prometheus geschrieben, das die gerade mit ihren Kindern aufführt.

In der Klinik gibt es auch einen ähnlich hypnotisierenden Professor Toryk Allt und Lorenz Chef will von der Reportage, die der ihm anbietet, auch nichts wissen. Er forscht aber weiter, begegnet im Turm der Klink dem Herrn Morton, der mit dem Rollator geht und  ihm seine Vogelzeichnungen zeigt.

Es kommt auch der Herr Petri wieder vor, der der Zeitung seine Geschichte über die Kriegshandlungen im Land der Aza anbietet und am Ende finden sich die Geschichter allezusammen in Theodors Klinik wieder und erinnern sich an ihre Kindertage wo sie im Garten „Verschwinden“ spielen.

„Wer sich auf diese fantastische Geschichte einlässt, entkommt ihr nicht mehr!“, steht am Buchrücken. Dem kann ich nicht ganz zustimmen. Vor allem die ersten zwei Geschichten haben mich vom Ton sehr berührt und ich habe gedacht, etwas anderes als die vielen Midlifekrise-Kriegs- und DDR-Romane, die sonst auf der Liste stehen. Dann sind mir vor allem in den letzten zwei Kapitel die Verbindungen zu dem Vogelgottmonster zu aufgesetzt und willkürlich erschienen und ich habe wahrscheinlich, wie die „Einstern- Amazon-Rezensenten“, nicht alles verstanden und wenn ich Susanne Röckels Lektor wäre, hätte ich an den letzten beiden Geschichten noch mehr gearbeitet.

2017-10-16

Klartraum

Jetzt kommt Buch fünf der österreichischen Buchpreisliste, das vierte und das letzte, das ich habe, der kurzen, beim östBp verhält es sich umgekehrt wie beim deutschen, denn da hatte ich am Tag der Shortlistverkündigung noch keines der Bücher gelesen, beim Öst waren es drei und das vierte „Klartraum“ ist jetzt gefolgt.

Daß es sich bei der 1968 in Wien geborenen und in Graz lebenden „Veza-Canetti-Preisträgerin“Olga Flor, um eine komplizierte Autorin, beziehungsweise um ein kompliziertes Buch handeln könnte, habe ich schon geahnt oder gewußt, schließlich hat sie  auch Physik studiert.

Ich habe die Diskussion bei ihrer GAV-Aufnahme verfolgt, sie dann das erste Mal, glaube ich, 2003 gesehen, als es da beim steirischen Fest am Rathausplatz eine Lesung mit steirischen Autoren gab, eine Lesung aus „Die Königin ist tot“, habe ich in der Hauptbücherei verfolgt,den sogeannten Bloggerroman „Ich in Gelb“ gelesen und im Sommer war ich auch bei den O-Tönen, wo ihr neues Buch „Klartraum“ vorgestellt wurde und da erklärte, die Moderatorin, ich glaube, es war Daniela Strigl, es handle sich, um einen Liebesroman. Dann hat Olga Flor sehr schnell und hastig höchstkomplizierte Passagen von Gott und die Welt könnte man so sagen und ich habe nichts verstanden.

Es sind auch, glaube ich, ein paar Leute gegangen und ein paar werden sich vielleicht gedacht haben, daß das Buch der Debutantin, die ja auch auf der Öst steht und die ich erst lesen muß, verständlicher war.

Jetzt steht „Klartraum“ auf der Shortlist, was mich nicht wundert, denn Olga Flor gilt ja als hochlititerarisch:

„Olga Flor gehört zum Besten, was die österreichische Literratur zur Zeit hat“, schreibt auch Helmut Gollner im „Falter“, bzw, am Buchrücken und ihr „Kollateralschaden“ ist auch, 2009 glaube ich, auf der deutschen Longlist gestanden.

Wenn man die Qualität der Literatur an der Sprache, den komplizierten Sätzen, Wenungen und Wortschöpfungen mißt, stimmt das bestimmt, was das Lesevergnügen und die Verständlichkeit, ein Anspruch, den ich vor allem beim zweiteren hätte, wäre ich mir nicht sicher oder würde mich fragen, wer außer Kritikern das Buch zu Ende gelesen hat?

Ich vermute nicht sehr viel und meine Schwiegermutter, eine passionierte Krimileserin würde es wahrscheinlich nicht verstehen und ich eigentlich auch nicht, obwohl mich ja irgednetwas immer wieder zu den Worträuschen einer Andrea Winkler und eines Richard Obermayr zieht.

Olga Flor würde ich auch dazuzählen und sie in eine Reihe mit Lydia Mischkulnig, der neuen „Canetti- Preis Trägerin“ stellen, aber nein, Olga Flor ist ernsthafter, distanzierter und das Buch, wo ich, ich wiederhole es, nicht so ganz verstanden habe, warum es hier eigentlich geht, hat mich mehrmals an die Jelinek und in besonderen an deren „Liebhaberinnen“ erinnert.

Ich glaube, es ist derselbe Grundton oder dieselbe Absicht, die dahintersteckt und wenn ich mich nicht irre hat Olga Flor auch an einer Diskussion zum siebzigsten  Geburtstag der Nobeltreigträgerin mitgewirkt und hier beklagt, daß ihr die Kritiker immer Distanziertheit vorwerfen.

Ich tue das jetzt auch und begründe es damit, daß die Protagonisten in dem Buch keine Nnamen haben sondern A, C, G und vorwiegend P heißen.

Das ist die Frau, die durch das Buch hastet, das in Kapitel, wie „Verlust 1“, „Glück  7“,  „Komik 1“ bis zu „Lust 12“ haben und wenn mich jetzt jemand fragt, was mir ja immer sehr wichtig ist, zu spoilern, was hier eigentlich passiert?

So habe ich verstanden, P hat sich von ihrem Geliebten oder Exgeliebten getrennt, kommt nicht von ihm los, schreibt ihm Abschiedsbriefe, liegt dazwischen in einer Wohnung auf dem Boden oder unterhält sich mit einer Nachbarin darüber, wie teuer Kinder kommen oder ob es peinlich ist, wenn man bei der Elternvertretung um Unterstürzung für den Schikurs ansucht?

Man sieht, Olga Flor ist auch hoch politisch und P denkt, während sie sich die Frage stellt, wo jetzt die Liebe im Zeiten des Neoliberalismus bleibt, sich auch mit der Flüchtlingsfrage beschäftigt, beziehungsweise sich als ehrenamtliche Helferin betätigt, wird wie schon geschrieben, über Gott und die Welt, die Wirtschaft und deren Korrumpierung und noch vieles andere nach.

P dürfte, mit dem Spilern ist es hier wirklich schwer, weil die Handlung fortwährend von einem Thema zum anderen springt, man sich mal in Berlin, dann wieder in Wien oder auf einer Reise mit A., dem Exgeliebten befindet, den P offenbar, während des Studiums kennenlernte.

Beide haben Beziehungen so gibt eine C und, glaube ich, einen T Ob P Kinder hat, wurde mir nicht ganz klar. A. aber schon und P wollte das wohl auch, unabhängig bleiben. A scheint, wie das so ist, höher gestellt als P zu sein, die in prekären Verhältnissen leben dürfte und dann gibt es noch „Möglichkeit“ genannte Kapitel, wo eine G, eine Paketzustellerin, auftrittt, die offenbar ein Verhältnis mit A eingehen könnte. Es gibt auch  einen Fahrradboten, der eigentlich Islamforscher ist und einen Unfall hat und mit dem haben vielleicht P und G zu tun.

Sehr kompliziert für die Spoilerin, die vielleicht in dem Versuch Struktur in dem Buch zu finden, das Eigentlich übersehen hat. Aber ja, da gibt es noch eine Geschichte, wo sich OlgaFlor über den Literaturbetrieb, beziehungsweise über die E- Bookleser und die Fantasyschreiber lustig macht, beziehungsweise ihnen genaue Anweisungen gibt, wie man eine solche Handlung kostruieren muß, damit die Bankdaten am Ende stimmen.

Am Ende löst sich, glaube ich, A von p und C, As Gattin hat ein Problem mit ihrem Computer, geht daher in den ihres Göttergatten , findet die Mails, schickt sie an sich selbst und beschließt genüßlich sich von ihm, nachdem er sich endlich von P getrennt hat,  zu trennen und eine Quellenangabe gibt es in dem Buch auch.

„Die Pallindrome auf Seite 251 stammen von Brigitta Falkner“, die ja mit ihrem neuesten Buch ebenfalls auf der Shortlist steht.

Man sieht, Olga Flor ist tatsächlich kompliziert und experimentell und wenn ich jetzt raten soll, ob sie den Öst gewinnen wird, würde ich aus den schonzitierten Gründen „Nein!“, vermuten. Denn das würden die Buchhändler vermutlich aufschreien und stöhnen „Nicht schon wieder so ein kompliziertes Buch mit Minderheitengeschmack, den unsere Käufer nicht wollen!“ und auf die sicher leichter zu lesende kryptische PTSD-Geschichte von Paulus <Hochgatterer hinweisen.

2017-10-06

Schau mich an, wenn ich mit dir rede

Buch sechzehn des dBp, ein Longlistbuch und wir bleiben in Österreich und sind  beziehungsweise dort angekommen, Monika Helfers kleiner feiner Roman über die Patchworkfamilie oder ist es eine Episodensammlung, das, was sich die 1947 im Bregenzerwald geborene Frau von Michael Köhlmeier und Mutter der früh verunglückten Paula, so ausdenkt, wenn sie eine Frau in der U-Bahn sitzen und mit ihrer Tochter schimpfen hört.

Ich denke, es ist eine Episodensammlung und das Besondere an der Geschichte ist, daß es über die reine Patchworksammlung, wie sie etwa Ruth Cerha oder Elfriede Hammerl schreiben, hinausgeht, aber auch etwas, das man nicht gleich bemerkt.

Ich habe es jedenfalls nicht sofort und bin nach Robert Menasses „Hauptstadt“ auch nicht sofort in das Buch hineingekommen und habe mir bei der ersten Geschichte nur gedacht „Hey, was soll das und das ist jetzt jener platter Realismus, wie ich ihn ja angeblich immer schreibe und wie es dem Obdachlosen damals in der „Augustin Schreibwerkstatt“ auch nicht gefallen hat!“

Ist es nicht, aber das habe ich erst bei der zweiten Lesetrache gemerkt und Mariki Fallwickl, die offizielle Bücherbloggerin, hat es vielleicht auch zu wenig überhöht gefunden. Es sind aber kleine feine Geschichten, die sich Monika Helfer da ausdachte und sie haben mit der simplen Patchhcworkrealität, wie sie jetzt ja so viele Kinder erleben, gar nicht so viel zu tun und das Buch hat, denke ich, auch mit den Beschreibungen am Büchrücken und am Klappentext nicht so viel zu tun, jedenfalls würde ich es anders interpretieren.

Da fährt also eine Frau, ich denke, es ist die Erzählerin in der U-Bahn, beobachte,t wie eine Frau vor ihrem Kind über dessen Vater schimpft, bei dem die Kleine offenbart jetzt wohnt und dann denkt sie sich in den folgenden vierunddreißig Kapiteln Geschichten und zuerst einmal Namen für ihre Personen aus.

Die Kleine könnte Genoveva, Vev genannt, heißen, die Mutter Sonja, der Vater Milan und die Mutter wird als drogensüchtige, von einem Sozialarbeiter betreute Frau, die auch in einer Klinik war, beschrieben, was ich, die ich ja öfter solche Geschichten höre, nicht so ganz realitätsgerecht beschrieben fand.

Es geht aber gleich weiter und geht dann wirklich in die Phantasie und da wird es wirklich schöne heile Welt-Geschichte, die dann gar nicht kitschig ist.

Sonja geht nämlich nach der  Begegnung mit ihrer Tochter, die beim Vater und dessen neuer Frau Nati, einer Krankenschwester und deren zwei Töchtern lebt, auf den Karlsplatz, für die Nichtwiener, das ist ein Drogenumsatzplatz oder war zumindestens mal einer und  trifft dort, the Dude, den Weltretter, der eigentlich Eric heißt, der nimmt sie mit in seine Wohnung, putzt das Bad, gibt ihr Geld für schöne Kleider, etcetera. Das alles wird nach und nach in den kleinen Geschichten erzählt.

Milan ist vielleicht auch ein wenig unrealistisch, denn er arbeitet nichts und lebt vom Geld, das ihm seine Mutter zusteckt. Nati oder Natalie, ist die einzige, die arbeitet und die hat sich auch eine Traumwelt, nämlich „Natis schöne Welt“ oder so ausgedacht und da kommen  bei einer Krankenschwester natürlich die Ärzte vor.

Nati trifft sich in der Mittagspause öfter mit ihrer Freundin Eva in der Kantine, die zwar eigentlich nicht im Krankenhaus arbeitet, aber Nati hat ihr den Zutritt  verschafft und eines Mittags landet Nati im Zimmer vom Oberarzt Doktor Traxler, im sechstten Stoc, beziehungsweise auf seiner Liege, sie will nämlich noch ein Kind. Milan nicht, so will sie ihm eines unterschieben, während Milan inzwischen zu der Trafikantin geht, den Vev hat  bei dem letzten Besuch bei ihrer Mutter den Hund Nemo, das heißt Niemand, mitgenommen, der eigentlich Eric, genannt, the Dude, gehört.

Milan bringt ihn zu der Traffikantin, die auf ihn aufpassen soll, fängt mit ihr ein Verhältnis an und kümmert sich dann nicht mehr um den Hund, so daß ihn die Trafikantin zu sich mit nimmt und schließlich kommt ein Brief von the Dude, der die ganze Familie, Milan, Nati und die Kinder zu sich und Sonja in ihre neue große Wohnung, die er sich irgendwie ergaunert hat, zum Essen einlädt und die Wohnung ist so groß, daß sie für alle Platz hat.

So überlegt Vev, wenn sie dorthin geht, den Hund mitzunehmen, Nati geht wieder in Dr. Traxler Sprechzimmer und macht mit ihm Schluß und nur Milan überlegt abzuhauen und auszuwandern.

Ein schöne Traumgeschichte von der schönen heilen oder auch nicht so heilen Familienwelt, denn Milan wird in dieser von der Lehrerin in die Schule gebeten um über Vevs Aufsatz zu sprechen, in dem sie über ein Problem schreiben sollte, aber offensichtlich nur eines erfunden hat, was die Lehrerin, die ja über die Probleme der Kinder Bescheid wissen woll oder muß, erboste, so daß sie Themenverfehlung darunter schrieb.

So geht es auch und das ist, denke ich, Monika Helfer meisterhaft gelungen, obwohl ich mir ganz ehrlich, auch nur einen ganz gewöhnlichen Patchworkroman erwartet habe.

2017-09-22

Jochen Jungs Wunderkind und Quotenmann

Am Mittwoch war ich ja bei einem „Buch und Kommunikation“, wo es um Sexismus beziehungsweise das Genderthema in der Verlagsbranche ging, wo Jochen Jung am Podium saß und gegen die Quote sprach, denn bei der Literatur zählt natürlich die Qualität und nicht die Quote.

Da wurde er von den jungen Buchhändlerinnen natürlich ordentlich angegriffen, dabei hat er bei seinen Buchpreisnominierten ohnehin nur lauter Frauen und außer Jonke und Handke seinen Superstars ist mir da so schnell nur Lorenz Langenegger eingefallen, dessen Bücher ich ebenfalls gelesen habe, aber sonst eigentlich nur Frauen bei den „Jung und JungBüchern„.

Am Donnerstag war Jochen Jung dann Gast in der Sendereihe „Im Gespräch“, wurde von Günter Kaindlsdorfer interviewt und erzählte von seinem literarischen Werdegang.

Er war ja lange Leiter oder Lektor des „Residenz-Verlages“, wurde dann dort hinausgeschmissen, hat 2000 „Jung und Jung“ gegründet, wo er mit seinem Büchern immer wieder mit Frauen auf der deutschen Buchpreisliste stand und zweimal dort auch gewonnen hat.

Für einen kleineren Verlag eigentlich beachtlich. Er hat inzwischen auch selber zu schreiben angefangen.

„Wolkenherz“ habe ich gelesen und er hat mich damals in den Siebziger und Achtzigerjahren, als ich meine Texte noch zu „Residenz“ schickte auch abeglehnt, allerdings, was kein Trost ist, er aber gestern in dem Gespräch erwähnte, auch Brigtitte Schwaiger, Robert Schneiders „Schlafes Bruder“ und Norbert Gstrein und jetzt hat er einen ganz jungen Autor und um an die Veranstaltung vom Mittwoch anzuschlußen, einen Quotenmann, nämlich, den 1994 in Wien geborenen Elias Hirschl, der schon 2009 im Literaturhaus slamte und auch Slam Welt- Europa- Österreicheichmmeister oder was auch immer ist ist und auch schon bei „Milena“ dem nicht mehr Frauenverlag zwei Bücher herausgegeben hat, eines trägt den langen Titel „Meine Freunde haben Adolf Hitler getötet und alles, was sie mir mitgebracht haben, ist ein lausiges T- Shirt“.

Das klingt schon einmal interessant, ungewöhnlich und aufmüpfig und jetzt ist bei „Jung und Jung“ „Hunder schwarze Nähmaschinen,“ herausgekommen, wo es um die Erfahrungen eines Zivildieners in einer betreuten Wohngemeinschaft geht.

Clemens J. Setzt, der ja auch ein junger Erfolgsstar war, hat mit seiner „Stunde zwischen Frau und Gitarre“ auch etwas Ähnliches geschrieben und als ich das Literaturhaus um dreiviertel Sieben nach dem Open day im „Writersstudio“ erreichte, war es schon sehr voll. Vielleicht nicht so voll wie bei dem Poetry Slams, aber sehr viele junge Leute und eine DJ gab es auch.

Der Lektor Günther Eisenhuber hat eingeleitet und dann hat sich der sehr junge Mann durch das Buch gelesen und das Publkum hat zwischendurch gejohlt, gelacht und sogar eine Zugabe verlangt, dabei war das, was Elias Hrschl gelesen hat, gar nicht so lustig.

Es begann mit der Mariahilferstraße und den schrägen Typen, die offenbar dort verkehren, den Schnorrern und den Süchtlern und die WG in die der Zivi tätig ist, scheint sich auch dort zu befinden und Elias Hirschl hat sich offenbar besoders bizarre Szenen aus einem solchen WG-Alltag herausgesucht und vorgelesen, von einer Frau, die keine Veränderungen verträgt und dann schreit und tobt und sich mit Waschpulver vollstopft, damit sie wieder auf die Baumgartner Höhe und ins Otto Wagner Spital, ehemals Steinhof, kann, damit sich alle, um sie kümmern, während sie in der WG ihr Zimmer selber aufräumen muß. Aber dort läßt man sie nach zwei Tagen wieder hinaus, und der Zivildiener muß ihr weiter gut zureden und am Sonntag mit den anderen Klienten in die Konditorei Aida gehen, wo sie alle mit Kaffee und Kuchen vollstopfen, obwohl sie Diabetes haben und schwere Medikamente bekommen und das eigentlich nicht essen dürfen.

Spannend, spannend, das Thema, obwohl ich, wie schon geschrieben, nicht glaube, daß das so lustig ist und die Betreuer dort und die Zivis werden das wohl auch nicht finden, sondern überfordert sein und auch, daß es wieder ein junges literarisches Wunderkind gibt.

Fräulein Wunder kann man ja hier nicht sagen, der junge Mann war aber sehr freundlich und hat auf das Buffet verwiesen, als alle nach einer Zugabe riefen und da gab es Brötchen und nachher eine Torte in der Form des Buches und ich habe mich mit Anna Jung unterhalten und mich bei ihr für die beiden Buchpreisbücher ihrer nominierten Nichtquotenfrauen bedankt, die ich noch lesen muß.

2016-12-03

Wir ohne Wal

Weil ich ja jetzt mit dem „Shortlistenlesen“ des „Bloggerdebutpreises“ fertig bin, gehe ich zur „Longlist“, beziehungsweise den dort eingereichten Bücher über und lese natürlich nicht alle davon, die von „Kremayr&Scheriau“ und Friederike Gösweiner habe ich auch schon gelesen, nur die, die ich mir inzwischen bestellt habe oder zum Geburtstag wünschte und das sind noch vier andere und das erste das auf meiner Leseliste steht und auf die Besprechung wartet, ist Birgit Birnbachers „Wir ohne Wal“.

Da war ich ja im September beim „Schlagabtausch zwischen Deuticke und Jung“ und da hat ja Martina Schmidt den Debutroman aus Jochen Jungs Produktion sehr gelobt und ein Stückchen daraus vorgelesen.

Mir war die 1985 im Pongau geborene Autorin, die mit dem Buch inzwischen auch den „Literaturpreis der Jürgen Ponot Stiftung 2016“ gewonnen hat, bisher unbekannt und Martina Schmidts Schwärmerein haben mich auch nicht so berührt, daß ich mir das Buch bestellt hätte.

Dann geriet ich aber auf diesen Debutblog und da hat ja der Blogger Marc, der mir inzwischen ein paar Kommentare geschrieben hat, das Buch auf seine höchstpersönliche Shortlist gestellt und ich bin neugierig geworden.

Das Thema ist auch sehr interessant und schließt an Friederike Gösweiners Prekariat der Dreißigjährigen an.

Hier geht es um die Generation fünfundzwanzig und von ihnen erzählt, die Soziologin und Behindertenpädagogin in zehn Kapiteln oder Episoden, denn eigentlich ist es wieder ein Episodenroman und in den einzelnen Kapiteln, die schöne Titel haben und denen auch immer ein Zitat voransteht, erzählt eine Person, deren Namen oben neben dem Titel steht, etwas einer anderen und so entsteht ein Reigen von Personen und Ereignissen, die wir, wie auch in meinen „Dreizehn Kapiteln“ in den anderen Kapiteln gelegentlich wiederfinden.

Das Ganze ist sehr poetisch und sprachlich schön erzählt, deshalb ist es wohl auch bei „Jung und Jung“ erschienen und deshalb hat die Autorin auch schon mehrere Preise bekommen.

Und der Wal, der Titel gebend ist, ist eine Installation, eine Performance, die die Künstlerin Anna, der das erste Kapitel gehört, über eine Kleinstadt installiert hat, der ist immer zu sehen und schwingt sich so  durch den Reigen bis zum letzten Kapitel, wo er plötzlich verschwunden ist und die Personen, Markus, Anna, Sanela, Eve, Nora, Ella, Lautsprecher, etcetera, die durch die Kapitel führen sind entweder Studenten, Künstler oder Schulabbrecher.

Ein paar gehören wohl auch zu den Klienten von Birigit Birnbacher, denn Therapeuten, Bewährungshelfer, betreute WGs, etcetera, spielen in dem Buch eine Rolle.

Die einzelnen Kapitel oder Episoden hängen nicht sehr zusammen und es liegt wohl auch an mir, daß ich ab Kapitel fünf irgendwie den Anschluß  verloren habe und nicht mehr wirklich wußte, um was es da eigentlich geht?

Obwohl der Klappentext  eine sehr schöne Zusammenfassung von dieser verlorenen Generation gibt, die da in ihrer Kleinstadt sitzt, Drogen nimmt, zu Sexparties gehen und auch aus Langeweile und im Drogenrausch Tankstellen überfällt und dann in einer sozialtherapeutischen Einheit landet, wo man mit seinem Bewährungshelfer Psychospiele spielen muß.

Aber wieder schön der Reihe nach, die ersten Kapitel waren auch sehr beeindruckend, ist da ja die Künstlerin Anna, die zu ihrer Schwester Johanna, die Tierärztin ist, nach Zürich fährt, von ihrer Kunstinstallation erzählt und darunter leidet, daß sie nicht sozialversichert ist und, daß der Vater die Schwester, nicht sie danach fragte, ob sie ihm eine Niere spenden will?

Dann wechselt die Szenerie, von der Performancekünstlerin geht es in die therapeutische Wohngemeinschaft, denn Marko hat mit einer Pistole  im Drogenrausch eine Tankstelle überfallen und der dortigen Kassierin eine posttraumatische Belastungsstörung beschert. So bekommt er einen Bewährungshelfer, muß für ein paar Wochen in die WG und als er entlassen wird, schleppt ihm seine große Liebe Sanela gleich zu einer Party in ein geschlossenes Schwimmbad und drückt ihm wieder ein Drogenbrieflein in die Hand. Er macht wahrscheinlich das Vernünftige und, das was die Bewährungshelfer raten würden, er fährt ihr im Bus davon.

Dazwischen gibt es ein Kapitel, wo einer oder eine nach einem Unfall und einem Wohnungsbrandt im Krankenhaus liegt und aus dem Fenster den Wal beobachten kann.

Dann geht es zu Sanela, die auch in therapeutischer Behandlung ist, um mit ihrer Paranoia zurechtzukommen, das habe ich dann schon ein wenig weniger dicht gefunden und denke im realen Leben passiert es wahrscheinlich, daß Beziehungen auseinandergehen, hier war mir das aber  zu wenig ausgearbeitet und ab da habe ich, wie ich fürchten muß, den Anschluß trotz der schönen Sprache  verloren  und bin  mit dem weiteren Geschehen, wo eine Frau von einer Brücke springt, ein paar der Protagonisten Parties besuchen, wo sie sich ausziehn müßen und es auch, um die Frage geht, wie ähnlich sich Menschen und Bananen sind, nicht mehr recht mitgekommen oder noch den vorigen nachgehangen, da die  einzelnen Episoden, doch mehr Erzählungen sind, die, wie andere Rezensenten meinten, eher gewaltsam zu einem Roman zusammengestoppelt wurden, um sich, als Roman verkaufen zu lassen.

Wahrscheinlich war es mir zu poetisch und zu abgehoben und eine realistischere Erzählung, wie es mit Marco und Sanella oder der Künstlerin Anna weitergeht, wäre mir lieber gewesen, als dieses hochpoetische Hopping von Kleinstadtereignis zu Kleinstastadtereignis, das beim Lesen auch sehr anstrengend wurde, wenn man noch bei der vorigen Erzählung war, sich aber schon auf die nächste Geschichte einstellen sollte.

Das Leben ist heutzutage, hart genug, da muß man wahrscheinlich gar nicht dreißig werden und trotz bester Ausbildung keinen Jobs bekommen, auch das Leben in einer Kleinstadt, wo es Wale, als Kunstinstallationen gibt und Bananenstauden vertrocken, ist es wahrscheinlich und kann, wie ich in dem letzten Buch, das ich gelesen habe, erlebte, auch ganz einfach erzählt werden und trotzdem packen.

So bleibe ich ein wenig ratlos zurück und ich bin gespannt, was ich noch von Birgit Birnbacher hören werde und, ob ich mit ihren anderen Texten besser kann?

2016-09-28

Schlagabtausch zwischen Deuticke und Jung und Jung

Die „Gesellschaft für Literatur“ hat eine neue Veranstaltungsreihe, zwei Verleger kommen und stellen jeweils ein Buch aus der Produktion des anderen vor, sprechen darüber und beantworten Fragen zur Verlagslandschaft.

Eine sehr Interessante, wenn  Verlagsmenschen über die Bücher der anderen sprechen, auf Buchmessen kommt wohl sowas vor und Henrike Blum vom „Presse und Literaturbüro“, das, glaube ich zu „Droschl“ gehört oder für „Droschl“ arbeitete, machte der „Gesellschaft“ dieses Vorschlag, die gleich mit Martina Schmidt und Jochen Jung begann und das ist ganz besonders interessant.

Denn Österreich ist ja sehr klein und hat daher nur sehr kleine Verlage und diese spießen, reiben sich und geraten aneinander oder werden das, wenn die Eigentümer wechseln und die Verlage verkauft werden, oft gegen ihren Willen.

Und das ist  zur Jahrtausendwende mit dem „Residenz-Verlag“ passiert, wo Jochen Jung der Leiter war. Der Verlag hat dann zum „Bundesverlag“ gehört, wo Martina Schmidt, „Deuticke“ leiteteund die hat dann einige Zeit auch „Residenz“ leiten müßen und Jochen Jung wurde hinausgeschmissen.

Sehr kompliziert und für Außenstehenden sind diese Verlagsverhältnisse wohl auch nicht zu verstehen.

Jochen Jung hat dann „Jung und Jung“ gegründet, neben „Droschl“, „Picus“ und „Czernin“ ein kleiner feiner Verlag, denn „Deuticke“ gehört ja inzwischen zu „Zsolnay“ und das ganze zu „Hanser“, wo  ich die Geschäftsverhältnisse dann auch nicht mehr so genau unterscheiden und zuordnen kann.

„Jung und Jung“ steht mit seinen Büchern auf jeden Fall ziemlich regelmäßig auf der Long– und auch der Shortlist des dBp und hat den zweimal auch schon gewonnen.

Auf der österreichischen steht er diesmal nicht, dafür „Deuticke“ mit Peter Henisch „Suchbild mit Katze“ und auf die deutsche ist ja Hans Platzgumer mit „Am Rand“ gekommen.

So weit so gut und das, was mich momentan interessiert, weil ich ja derzeit am doppelten LL-Lesen bin und sowohl den Köhlmeier, als auch den neuen Henisch nicht zu bekommen scheine, dafür habe ich aber „Am Rand“, „Die Witwen“ und „Ein langes Jahr“ gelesen und den Originalschreibtisch aus Salzburg habe ich ja vor ein paar Jahren in St. Pölten gesehen, inzwischen ist der „neue“ „Residenz-Verlag“ aber, glaube ich, wieder nach Salzburg abgewandert und Peter Henisch der ja dort einige Bücher verlegte, verlegt inzwischen bei „Deuticke“ und Jochen Jung hat sich auch das neue Henisch Buch zur Präsentation ausgesucht,

Martina Schmidt ein mir bisher unbekanntes Verlagsdebut und da bin ich auch schon bei einer Frage, die Manfred Müller an die beiden stellten, ob die, die Verlagsproduktionen der anderen kennen und die sagten, glaube ich, daß sie eher keine Vorschauen lesen.

Da tue ich eigentlich auch nicht wirklich.

Der neue „Residenz“ hat mir die eine Zeitlang geschickt und da habe ich dann auch ziemlich viel gelesen, was „Jung und Jung“ produziert, weiß ich eigentlich nicht wirklich. Manchmal bestelle ich mir zwar ein Buch, aber das meiste geht eher, wenn es nicht auf den LL steht an mir vorbei, während „Deuticke“ und „Zolnay“ kommt mir vor, da irgendwie präsenter ist und vielleicht auch öfter in der „Alten Schmiede“ oder im Literaturhaus präsentiert als „Jung und Jung“.

Die erste Frage, die Manfred Müller stellte, war aber die über den Schlagabtausch und über den Verlagswechsel und, ob die beiden Verleger einander böse wären. Offenbar nicht, denn sonst würden sie ja nicht miteinander auftreten und sich gegenseitig vorstellen.

Jochen Jung ließ einiges von seinen Autoren verlauten, die ihm erst versprochen haben, ihm zu unterstützen und zu folgen, dann aber zu anderen Verlagen wechselten, aber das ist ja irgendwie bekannt, daß die Autoren, wenn sie können, die Österreicher verlassen und zu „Suhrkamp“ oder „Fischer“ wechseln.

Daniel Kehlmann hat das, glaube ich, bei „Deuticke“ getan und dort, was ich so hörte, tiefe Wunden aufgerissen und Jochen Jung meinte, daß die Autoren von den großen Verlagen, dann oft auch nicht den Erfolg bekämen, den sie sich erwartet haben.

Das kann ich auch nicht beurteilen, denn ich gehöre ja nicht zu den großen Autoren, habe aber früher, lang lang ists her, sehr viele meiner Manuskripte zu „Residenz“ nach Salzburg geschickt und den berühmten Vordruck zurückbekommen.

Jetzt bekommt man bei „Deuticke“ keine Antwort mehr, wenn man unverlangt einsendet, was Martina Schmidt sehr bedauerte, aber offenbar nicht ändern kann oder ändern will.

Nun ja, inzwischen gibt es ja die Möglichkeit des Selbermachens und die Autoren, die von „Jung und Jung“, „Deuticke“ oder „Hanser“ nicht genommen werden, können ja auf „Amazon“ ausweichen oder selber drucken lassen.

Ich weiß, daß ist vielleicht keine besonders ruhmreiche Alternative, aber etwas, was ich auch seit dem berühmten Wendejahr 2000 mache und damit natürlich nie auf eine Buchpreisliste komme.

Aber jetzt steht Peter Henisch auf der österreichischen Longlist und wird, würde ich mal schätzen auch auf die Shortlist kommen, zumindestens würde ich mir da Mayröcker, Cotten, Henisch, Köhlmeier, Gruber wünschen, uje da bin ich schon bei fünf und, wo kommt da die Anna Mitgutsch hin und Kathrin Röggla hat ja auch einen großen Namen, hat aber „Jung und Jung“ auch verlassen und ist  zu „S.Fischer“ gegangen.

Nun ja in zwei Wochen werden wir es wissen, Jochen Jung, der ja einiges von Peter Henisch machte, Bücher, die ich höchstwahrscheinlich auch in Harland stehen habe, hat „Suchbild mit Katze“ schon gelesen, ein Stückchen vorgelesen und einiges erzählt.

Es geht um die Kindheit und dürfte eine Autobiografie sein, es handeln zwar schon andere Bücher, wie die „Kleine Figur“ und das mit der Großmutter davon, aber hier dürfte er deutlicher von sich selber und seiner Kindheit erzählen und hat auch noch zwei weitere Bände geplant, wo er dann von seiner Pubertät und vielleicht dem Erwachsenenwerden erzählt.

Ein interessantes Buch und schön wenn ich es  einmal finde, vielleicht erwähne ich es  auch, wenn mich jemand nach meinen Geburtstagswünschen fragt und nächste Woche wird es, glaube ich, auch in der „Alten Schmiede“ präsentiert. Da hatte ich eigentlich vor hinzugehen, aber jetzt habe ich ja schon ein bißchen was davon gehört und in der „Gesellschaft“ wird gleichzeigtig das neue Buch von Evelyn Grill präsentiert.

Das Buch aus dem „Jung und Jung-Verlag, das Martina Schmid vorstellte, heißt „Wir ohne Wal“ und ist von Birgit Birnbacher, die glaube ich, auch die Frau von Jochen Jungs Lektor ist, von Jugendlichen mit Drogenproblemen handelt und laut Martina Schmidt eine schöne Sprache und eine große literarische Zukunft hat.

Ich habe von dem Buch noch nie etwas gehört und dann gab es noch den Tip von Martina Schmid, den neuen Rene Freund „Niemand weiß wie spät es ist“, ein Buch, das am Vorigen Freitag bei den „Beispielen“ in Ö1 war, wo eine Tochter nur etwas erbt, wenn sie eine Urne unter bestimmten Auflagen von Paris zurück oder dorthin trägt, etwas, wie ich erst vor kurzem von einem Notar hörte, verboten ist, was mich also an dem Buch etwas störte.

Rene Freund hat damit aber den Verlust seiner Frau verarbeitet und das ist dann wieder etwas, das ich verstehen kann und Jochen Jungs Lesetip galt der Neuübersetzung der Madame Bovary, weil er, je älter er wird, um so lieber Klassiker liest, ob das Buch aus seinem Verlag oder aus einem anderen ist, habe ich nicht so ganz verstanden.

Eine sehr interessante Vernanstaltung und ein Plaudern aus dem Nähkästchen, was Leser und Autoren ja sehr interessieren könnte, mich hat das jedenfalls früher sehr interessiert, jetzt denke ich, ich weiß ohnehin schon genug darüber, war aber über Jochen Jungs Einschätzung, daß die Österreicher am deutschen Buchpreis nicht sehr interessiert sind, sehr überrascht, denn mich interessiert er ja und sehr viele Leute dürften sich für diese Verlagsabtausche auch nicht interessieren, denn es gab nur wenig Publikum.

Aber vielleicht viele Konkurrenzveranstaltungen, wie Manfred Müller erklärte. Im Literaturhaus hat glaube ich Anna Weidenholzer ihr Longlistbuch vorgestellt.

 JuSophie war jedenfalls da und hat sehr viele Fragen gestellt und die Frau Schmidt-Dengler und im Frühjahr geht es mit dem Schlagabtausch weiter, ich bin schon sehr gespannt.

2016-09-05

Die Witwen

Buch vier ist Dagmar Leupolds „Witwen“, die, 2013 schon einmal auf der Longlist stand und von der ich mir einmal bei einem der Ein-Euro-Abverkäufe der „Buchlandung“, „Eden Plaza“ aus den Regalen zog.

Das hab ich noch nicht gelesen, habe ich ja viel zu viele Bücher und von Dagmar Leupold, die auf den Blogs sehr gelobt wird, ebenfalls noch nichts.

Das hat sich jetzt geändert und ich muß sagen, es ist ein schönes Buch, ein wenig altmodisch vielleicht, da habe ich ja gerade bei Tobias Nazemi gelesen, daß er das bei Bodo Kirchhoff so empfindet, das, als überübernächstes LdBp-Buch an die Reihe kommen wird, bei Dagmar Leupold würde ich die Sprache und den Stil so empfinden, obwohl die Handlung eigentlich sehr modern und da auch sehr originell ist, wie ich finde.

Nur das Cover, eine nacke Frau aus einem sicher sehr berühmten barocken Bild, ist furchtbar, zum Glück sieht man das bei den PDF-s ja nicht. Und jetzt hinein in das sprachliche Vergnügen, denn das ist die, 1955 in Niederlahnstein geborenen Autorin, es ist also auch mein erstes deutsches LL-Buch, eine Sprachkünstlerin. Sie hat es aber mehr mit den Wortschöpfungen, formt die Mehrzahl von „Vagina“, heißt das jetzt „Vaginas“ oder „Vaginen“, sinniert über das Wort „Fremdenzimmer“ nach, „Scheusal“ kommt von „scheu“, denn „Sprache schafft Fakten“ und die Witwen sind auch gar keine, sondern vier Frauen über fünfzig.

Penny, Dodo, Laura, Beatrice und von denen hat nur Penny einmal einen Mann gehabt, den Winzter Otto, hat ihren Odysseus, den sie von Berlin nach Steinbronn an die Mosel folgte, vor acht Jahren verloren.

Da ist er von einer seiner Reisen einfach nicht mehr zurückgekommen. Se weigert sich aber, ihn für tot zu erklären, sondern bezieht jedes Monat oder Woche auch seine Doppelbetthälte frisch, ansonst arbeitet, die ausgebildetete Lehrerin im Wirtshaus der Schwiegermutter, zieht den Sohn Bert groß und ihre drei Freundinnen sind nach und nach auch nach Steinbronn nachgekommen.

Dorothea, die kräftige, ist Gärtnerin und hat Trauerränder unter den Fingern, Beatrice Jogalerherin und Feldenkreistrainerin und die schöne Laura hat sich von der Maskenbildnerin zur Logopädin umschulen lassen, um in dem Städtchen was zu verdienen, das finde ich das Moderne an dem Abenteuerroman, wie der Untertitel lautet.

Einen Bendix, die Abkürzung von Benedikt git es auch, der hinkt und stottert, das ist vielleicht wieder ein wenig klischheehaft überhöht, ist Privatgelehrter, schreibt Briefe an seinen Freund Friedrich und hält sich ein Auqarium, wo die Fische Namen, wie Nietzsche, Kant oder Arends tragen.

Auch ein wenig abgehoben, er hat aber im Gegensatz zu den vier Frauen einen Führerschein und so meldet er sich, als die beschließen, den September einmal nicht der Weinlese, den Patienten oder der Gärtnerei zu widmen, sondern sich einen Chauffeur für eine Abenteuerreise zu mieten und fährt mit den Frauen los.

Dodos Hund Zwiebel wird Pennys Sohn Bert übergeben. Sie fahren von Trier nach Schengen und stranden dann in der ersten Weltkrieg- Gedenkstätte in Hartmannswillerkopf wo wir vor zwei Jahren waren.

Das Auto, ausgerechnet ein Fiat Ulysse, hat eine Panne und so erzählen sich die vier Frauen und ihrem Chauffeur ihre Liebesgeschichten.

Beatrice hatte, bevor sie nach Steinbronn übersiedelte, ein jahrelanges Verhältnis mit einem verheirateten italienischen Banker. Dodos Vater ist einen Tag nach ihrerm Geburtstag verstorben, so daß die Mutter einen Kater mit dem Namen Erwin kaufte, wie der Vater hieß und und Laura die schöne, die für eine Tanzausbildung trainiert wurde, gesteht den Freundinnen, sie hat nie geliebt, nachdem sie mit ihrem Fahrlehrer, sie war offenbar die einzige der vier, die den Versuch einer Führerscheinausbildung machte, in einem Hotelzimmer gestrandet ist, dann flog sie durch die Prüfung, trat nie wieder an und kam auch nach Steinbronn.

Inzwischen fahren die fünf mit einem Bus, der, der eine Schulgruppe zur Gedenkstättte brachte in ein Hotel, am nächsten Morgen kommt der Pannendient. Dazwischen folgt noch Pennys Geschichte von ihrem verlorenen Odysseus und einer Polenreise, die schuld daran hat, daß sie jetzt sehr zum Leidwesen ihrer Schwiergermutter an der VHS einen Polnischkurs belegt.

Der Pannendienst reapariert das Auto.

„Wohin wollen wir fahren?“, fragt Bendix.

„Ans Meer?“, antworten die vier und das Buch endet in Steinbronn, wo Bert den Hund Zwiebel versorgt und die Schwiegermutter bei einem ihrer Saisonarbeiter, den verschollenen Sohn zu erkennen glaubt.

Werden die Frauen zurückkommen, lautet die Abschlußfrage und meine Antwort ist, daß ich auf Dagmar Leupold neugierig wurde und mir das Buch trotz, der etwas künstlichen Altmodischkeit bis jetzt am besten gefallen hat, denn es hat trotz Odysseus, Penelope, Kant und Hegel auch einige sehr moderne Elemente und die gefallen mir ja immer sehr.

2016-09-03

Ein langes Jahr

Weiter geht es mit Buch drei des Longlistenlesen und mit Eva Schmidt und „Jung und Jung“.

Die 1952 in Lustenau geborene Autorin habe ich mit ihrem im Frühjahr erschienen Episodenroman „Ein langes Jahr“ auch schon in der „Alten Schmiede“ gehört, so daß ich, als sie das Buch im Juli bei den O-Tönen vorstellte, gar nicht hingegangen und stattdessen schon früher nach Harland gefahren bin.

Jetzt steht es auf der Longlist und ich habe es wieder PDF gelesen, was gar nicht so leicht war, denn in den achtunddreißig Episoden wimmelt es von Personen, die manchmal in der Ich-, manchmal in der Namesperspektive erzählen.

Es geht um ein Jahr, obwohl mir die Episoden eigentlich auch nicht sehr chronologisch erschienen und, um eine kleine Stadt an einem See, Bregenz vielleicht oder ziemlich sicher, genannt wird es nicht und wieder interessant, schon der zweite von den drei LL-Romanen, die ich bisher gelesen habe, der mit Vorarberg zu tun hat, was sicher Zufall, aber interessant ist.

Es gibt ein Hochhaus und einige Reihenhäuser und Hunde spielen eine große Rolle und wieder interessant, daß ich jetzt auch nicht viel mehr oder anderes schreiben werde, als schon in meinem Lesungsbericht stand, denn eine wirkliche Handlung gibt es nicht, die Episoden werden, zugegeben in einer wahrscheinlich schöneren Sprache, als ich sie habe, aneinandergereiht und es wird von dem Leben und den Nöten der kleineren oder auch größeren Leute erzählt.

Ich glaube, ich habe das auch einmal so gemacht, aber dann damit aufgehört, als man mir sagte, da passiert ja nichts und ein Roman muß einen Plot und eine Handlung haben. Tröstlich, daß man damit trotzdem auf die Longlist kommen kann und es ist auch ein Stil, der mir eigentlich sehr liegt.

Die Episoden also und, wie soll ich das nacherzählen und versuchen, das Ganze in eine Handlung zu fassen?

Um Hunde geht es also, um einen mexikanischen, der schon längst eingeschläftert wurde, der hat einem Tom gehört und dann gibt es einen Benjamin, der gerne einen haben will, seine Mutter erlaubt es aber nicht. Der hat einen Freund aus reichen Haus, der will ihm einen kaufen und bei sich wohnen lassen. Ben kann ja dann mit ihm spazieren gehen, aber der ist zu stolz dazu. So ist es eine gute Fügung, daß der alte Herr Augustini, dem ein Hemingway genannter oder davon abgekürzter Hund, zugelaufen ist, ins Altersheim muß und ihn nicht mehr so gut versorgen kann. So kann er aushelfen und mit ihm spazieren gehen und eine Malerin namens Karin, die einen Hund besitzt, gibt es auch.

Die ist sehr krank, das wird nicht näher ausgeführt, sie erhängt sich aber, besorgt sich vorher eine Leiter, borgt sich vom Nachbarn eine Bohrmaschine aus, die Freundin Johanna, eine Krankenschwester, soll dann für den Hund und das Begräbnis sorgen.

Bens Mutter geht zuerst eine Beziehung mit Joachims Vater, der Direktor ist, ein, das passt dann aber nicht, so zieht sie zu dem Typen im fünften Stock und Ben hat seine Freunin Ayshe bei einem Radunfall auch verloren.

Ein paar Sandler gibt es noch oder einen, einen Dealer und einen Mann, der einen Brief an einen nie gekannten Sohn schreibt und gegenseitige Beobachtungen vom Hochhaus hinunter in die Reihenhäuser und wieder hinauf, gibt es auch.

Verwirrend, ja ein bißchen schon, aber so ist das Leben, das ja auch in Episoden verläuft und meistens nicht so viel Spekuläres passiert, aber eigentlich und genau genommen ist das, was da geschildert wurde, ohnehin schon spekulär genug, nur nicht so konstruiert, wie es der Herr Platzgumer macht.

Totzdem hat das Buch wahrscheinlich gute Chancen, wurde es, wie ich zu bemerken glaube, doch im Vorfeld sehr gelobt und Eva Schmidt ist wahrscheinlich eine sehr gründliche Schriftstellerin, die jetzt länger nichts geschrieben hat, vorher aber schon beim alten „Residenz-Verlag“ verlegte, so daß ich sehr gespannt bin, wie es dem Buch auf der Longlist gehen wird und, ob es auch auf die österreichische LL kommt, es ist jedenfalls, wie ich auch irgendwo gelesen habe, ein sehr interesssantes Experiment.

2016-03-04

Nach dem Sturm

Filed under: Bücher — jancak @ 00:52
Tags: , ,

Die 1963 in der SU geborene Nellja Veremej, die seit 1994 in Berlin lebt und 2013 mit ihren Debutroman „Berlin liegt im Osten“ auf der LL gestanden ist, der vom heutigen Alexanderplatz, alten Frauen und Altenhelferinnen erzählt ist mit ihrem zweitenbei „Jung und Jung“ erschienenen Roman „Nach dem Sturm“, sowohl in die Gegenwart, als auch in die Vergangenheit gegangen, erzählt von einem alternden Mann, ist man das mit sechzig heute wirklich schon, einer wahrscheinlich fiktiven Stadt am Mittelmeer und vorallem, genau wie Jan Böttcher in seiner Frühljahrsneuerscheinung von den entwurzelten Generationen aus aller Herren Länder, die sich dort niedergelassen haben und nach den Zeiten des erzwungenen Sozialismus  ihr schönes oder auch nicht so schönes neoliberales Leben leben.

Es ist ein stiller, leiser Roman, die Kathastrophen werden nur angedeutet, umschifft, beziehungsweise, wie auch der Klappentext lobt, in schöner Sprachen und eindrucksvollen Bildern erzählt.

Beginnen tut es tief in der Vergangenheit im siebzehnten Jahrhundert, wo der Hirtenjunge Damir in die Stadt Gradow kommt, wo sich die Flüchtlinge auf der Festung niederlassen dürfen und ihr neues Leben und ihren Aufschwung beginnen.

Richtig von den Flüchtlingen, die das letzte halbe Jahr die Festung Europa so zahlreich stürmen, wird auch erzählt , das tote Flüchtlingskind wird angeschwemmt, während der sechzigjänhre Ivo, der ein Restaurant neben dem Museum auf der Festung  hat, von seiner Frau längst entfremdet in der Bibliothek schläft, einen scheuen Blick auf die junge Praktikantin oder Mitarbeiterin Mira wirft, die dort in der Früh ihren Kaffee trinkt und alles umformen und reformieren will.

Ivo ist der Sohn, einer Mutter die Prag verlassen mußte, als dort die Nazis kamen, sie lernt Dragasch, einen Bauernsohn kennen, der es in Gradow bald zum Universitätsprofessor bringt und seinem Sohn nun eine riesige Bibliothek vermacht, die, weil ja sozialistisch und nicht mehr aktuell, niemand mehr haben will und Ivo hat sich auch längst seinen Kindern, Boris und Ana, die beide in Deutschland studierten, entfremdet.

Boris ist zurückgekommen, um Geschäftsmann zu werden, residiert nun in einen Glaspalast und läßt in seinen Waren Zettelschen mit angeblichen Hilferufen der ausgebeuteten Zwangsarbeiterinnen in der dritten Welt verstecken., Ana verweigert sich im Museum zu arbeiten und widmet sich stattdessen lieber Flüchtlingskindern und die Erben der Leute, die von den Kommunisten vertrieben wurden, melden sich auch bei Ivo und wollen ihre Wohnung zurück.

Dazwischen werden immer wieder Kaptiel beziehungsweise Geschichten aus der Vergangenheit eingeschoben, die Mira im Museum, zeigen will.

So wird die Türkenbelagerung lebendig und der Verrückte bekommt eine Stimme, der sich all dem widersetzen und eine seltsame Kirche errichten lassen will.

In der Stadt gibt eine eine Bruno Schulz Straße und ein geschlossenes Antiquariat in dem man die „Zimtläden“ bewundern kann. Überflüßig zu erwähnen, daß es in dem Gässchen mit den teueren Geschäften, wo Boris und seine Mutter Milly, eine verhinderte Opernsängerin einkaufen, nach Zimt riecht.

So geht es rund um und wir lernen auch hier ein anderes Europa kennen und die Menschen bekommen Gesichter, die uns vielleicht bisher nur aus der Zeitung oder als Gastarbeiter, beziehungsweise Emigranten bekannt waren.

Im Buch gibt einen Plan von der fiktiven Stadt und am Cover ist auch ihre Ansicht abgebildet, die das Buch seltsam altmodisch wirken läßt.

Wo sind die Zeiten der schönen alten „Residenz“ und frühen „Jung und Jung“ Covers mit ihrem einzigartigen Design könnte man fragen und wenn man mehr von Nellja Veremej und ihrer Frühjahrsneuerscheinung wissen will, am 27. 4. stellt sie ihn mit Angelika Reitzer in der „Alten Schmiede“ vor.In Rauris habe ich gerade ergooglet, wird sie auch daraus lesen.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.