Literaturgefluester

2020-11-13

Die Bagage

Buch sieben des österreichischen Buchpreises der ja inzwischen an Xaver Bayers Geschichtenband vergeben wurde und das vierte Shortlistbuch Monika Helfers, der Frau von Michael Köhlmaier, die 1947 in Vorarlberg geboren wurde „Die Bagage“, das im Frühlichg erschienen ist, sehr und postiv beschrieben wurde und von dem ich eigentlich dachte, daß es den Öst gewinnen könnte, weil ich es ja mit den bekannten Namen habe, mein zweiter Tip war der Bayer und ich muß sagen, es ist ein wirklich gutes Buch.

Bei der Familiengeschichte, der Monika Helfer von der ich auch „Schau mich an wenn ich mit dir rede“ gelesen habe, weil es auf der deutschen Buchpreisliste stand, bin ich mir nicht so sicher oder sagen wir einmal, es ist kein Roman, obwohl das natürlich wieder draufsteht.

Es ist ein Memoir oder eine Framiliengeschichte. Eine Familiengeschichte natürlich, wo Monika Helfer ganz offen von ihrer Großmutter Maria, der schönen, erzählt, die mit einem Josef verheiratet war, der1914 in den großen Krieg mußte. Der Postadjunk brachte die Einberufung. Der Bürgermeister war der Freund. Der mußte dem Josef versprochen auf den die Frau gut aufzupassen. Vier Kinder waren schon da und die Maria, die schöne Frau, wie mehrmals betont wurde, geht mit dem Bürgermeister auf einen Kirtag. Dort lernt sie den deutschen Georg aus Hannover mit den roten Haaren, kennen und, daß die kleine Grete, Monika Helfers Mutter, 1915, glaube ich, wie meine Mutter Rosa, von ihm ist oder sein könnte, ist das Familiengeheimnis, das gleich von Anfang an gespoilert wird und Bagage heißt das Buch, weil so ja die armen Leute genannt werden und das Buch ist auch Monika Helfers „Bagage“ gewidmet.

Der Vater hat dann, als er vom Krieg zurückkam, nie mit der kleinen Margarethe gesprochen. Es sind aber noch zwei weitere Kinder geboren worden, bevor Maria gestorben ist. Monika Helfers Mutter ist auch jung gestorben. Sie ist dann mit ihren Schwestern bei der Tante Kathe aufgewachsen und ist, wie sie am Schluß des Buches schreibt nun selbst eine alte Frau, die einige Kinder hat, die noch alle leben.

Alle bis auf Paula Köhlmeier, die sehr jung einen Unfall hatte und sonst wahrscheinlich eine inzwischen sehr bekannte Dichterin wäre. Ihr Buch „Maramba“ habe ich im Schrank gefunden und Monika Helfer hat meine Rezension darüber gelesen.

„Ich bin die Mama von Paula!“, hat sie geschrieben und dieser Satz „Ich bin die Mama von-„, kommt auch in dem Buch vor. Wie einige sehr schöne Monika Helfer Sätze, so sagte die Großmutter immer zu der Tochter, wenn sie sie mahnen wollte „Schau mir tief ins Augeninnere!“

Eine schöne Formulierungund, daß der Lorenz der zweitälteste Sohn, glaube ich, immer „Nach der Schreibe“ sprach, wurde auch erwähnt und Monika Helfer hat noch, sollte ich hinzufügen, das Buch in zwei Perspektiven geschrieben.

Die Erste vom Leben der Maria während des ersten Weltkriegs und danach, der Bürgermeister der den Speck und den Käse bringt, will auch einmal mit Maria vögeln, wenn sie es schon mit dem Georg tat.

Sie lehnt das ab und läßt sich von dem Sohn Lorenz sogar mit einem Gewehr bewachen. Der Pfarrer kommt, als sie schon schwanger ist und montiert das Kreuz von dem Haus ab und der Bürgermeister erzählt dem Josef als der vom Krieg zurückkommt, das Kind ist von ihm und dazwischen erzählt Monika Helfer von ihrer Tante Kathe, ihrer Tochter Paula und so weiter und so fort.

Eine berührende Geschichte natürlich. Im „Wikipedia“ habe ich gelesen, daß Familiengeschichten Monika Helfers Sepzialität ist und eine berühmte Dichterin und berühmte Dichtersgattin, die viele Preise bekommen hat und hoch gelobt wurde, den Öst nicht und da denke ich inzwischen nach den sieben gelesenen Büchern, der Bayer war doch die bessere Wahl aber ich könnte mich noch irren, denn die Karin Peschka, das fünfte Shortlistbuch habe ich noch nicht gelesen.

2020-11-11

Mondbeben

Nun kommt Buch sechs der österreichischen Buchpreisliste „Mondbeben“ des 1946 geborenen in Wien lebenden deutschen Schriftstellers Ludwig Fels von dem ich schon einiges gehört aber nochts gelesen habe, obwohl zwei seiner Bücher in meinen Regalen stehen.

In der Beschreibung des „Jung und Jung-Roman“ steht etwas von Träumen und enttäuschten Erwartungen, die in einer wundervollen Sprache erzählt werden. Ich habe Ludwig Fels auch immer als sehr literarisch eingeschätzt und war jetzt etwas überrascht, denn ist man bösartig, könnte man sagen, „Hey, was ist das? „Jung und Jung“ verlegt einen Räuberroman, den man in einer viel weniger artizifiellen Sprache natürlich, in jeder Fernsehserie findet!“

Aber natürlich steht eine Idee dahinter und wahrscheinlich auch eine große Portion Ironie und der Wunsch sich kunstvoll über dieses Leben lustig zu machen.

Da ist, das erfährt man eigentlich durch den Klappentext und viel später im Buch eigentlich so nebenbei, ein ehemaliger Schuldeneintreber namens Olav Ostrander, der im Gefängnis war, weil er einmal, als er vom Nebenhaus gesehen hat, daß eine Frau verprügelt wurde, hinüber ging und den Mann mit mehr Aufwand als nötig gewesen wäre, tötete. Im Gefängnis hat er dann Helen, das ist die Frau, geheiratet und jetzt hat sie geerbt und so setzen sich die Beiden ins Flugzeug und brechen auf eine Insel auf, um sich dort unter Palmen am Meer ein Haus zu kaufen und fortan ein schönes Leben zu beginnen.

So beginnt das Buch, im Flugzeug. Dann steigen sie in ein Hotel ab, um dort am nächsten Tag Mister Holmes, den Makler zu erwarten. Olav, weil ein Trinker geht aber noch vorher an die Bar, um sich ein Bier zu holen. Dort trifft er eine Nutte namens Assumpta, die auch verprügelt wird und kommt mit ihr in Kontakt.

Am nächsten Tag schauen sie sich die Villa an, der Verkauf ist irgendwie geheim, das Geld muß erst überwiesen werden, ein Teil wurde aber bereits ins Land geschmuggelt und am Abend kommt diese Assumpta aufs Zimmer und sticht Helen mit ihrem Stöckelschuh ein Auge aus. Sie fahren in die Klinik treffen dort den pakistanischen Arzt Dr. Chalie. Helen muß über Nacht in der Klinik bleiben. Am nächsten Morgen erzählt sie, der Arzt wäre ihr zu nahe getreten. Sie fahren in die Hauptstadtklinik, kommen dort aber nicht durch, weil plötzlich Unruhen und so weiter und so fort. Der Makler sagt, gegen eine Gebühr können sie schon in die Villa. Dort gibt es keine Möbel. Der Anwalt, der das vermitteln soll, verschwindet. Ein Polizeioffizier und immer wieder diese Assumpta tauchen auch noch auf. Helen fliegt nach Deutschland wahrscheinlich, um ihr Auge zu behandeln und er, um es kurz zusammenzufassen und nicht alles zu verspoilern, verkommt immer mehr oder wird von dem fast klasstischen Figurenquartett nach Strich und Faden ausgenommen, bis kein Geld mehr da ist und er schon stinkend zum Flughafen humpelt, um dort seine Helen zu treffen, die gerade wieder ankommt.

Es gibt noch einige Verhandlungen bis Dr. Charlie ihm zum Gate begleitet, ihm den Paß wieder gibt und „Grüßen Sie ihre Frau von mir!“ zu ihm sagt und ich habe ein Buch von einem Autor dessen Stil mir bisher eher unbekannt war und wieder einmal erstaunt, was man in den sogenannten literarischen Büchern alles finden kann. Es ist aber natürlich auch ein Midlifekriseroman, wo Ludwig Fels, der das Buch, wie man noch lesen kann, mit Hilfe einiger Stipendien geschrieben hat, sich über das Leben lustig macht und vielleicht, das weiß ich nicht, ob er daran dachte, einen Kolportageroman daraus machen wollte.

2019-12-28

Drei Kilometer

Nun kommt Buch fünf der Bloggerdebutshortlist.

„Drei Kilometer“, der 1990 in Nürnberg als Tochter rumänischstämmiger Eltern geborenen Nadine Schneider. Das Buch ist bei „Jung und Jung“ erschienen und ich habe, glaube ich, zum ersten Mal davon gehört, als ich auf der „Jung und Jung-Facebookseite“ bezüglich Peter Handke nachgegooglet habe.

„Wir sind Nobelpreis!“, ist da gestanden und davor oder dahinter, daß Nadine Schneider ihr Debut auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen wird.

Ein dünnes Buch, das sehr ruhig und manchmal mit vielleicht zu schönen Metaphern von dem letzten Sommer in Rumänien vor der Revolution erzählt und dem auf dem Puplikumranking der Debutpreisseite, die größten Gewinnchanchen eingeräumt wird.

Von einem Dorf im Banat, drei Kilometer, wie schon der Titel besagt, von der jugoslawischen Grenze entfernt und das ist der Sehnsuchtsort der drei jungen Leute, die in dem Buch eine Rolle spielen.

Anna, die Ich-Erzählerin eine wahrscheinlich, um die zwanzig junge Frau und ihre zwei Freunde Hans und Misch. Die Beiden wollen über die Grenze in die Freiheit, Hans weil sein Bruder sich schon darüber machte und er deshalb nicht studieren durfte, sondern in der Fabrik arbeiten muß.

Anna zögert, weil sie ihre Familie, den Vater,  die Mutter und die Großmutter, die schon zu alt ist, um fortzugehen, nicht alleine lassen will.

Die Großmutter stirbt dann, glaube ich, am Ende des ersten Kapitels, des dreiteiligen Buchs.

Anna, die Lakiererin in einer Fabrik ist, obwohl sie das Lizäum besuchen hätte können, geht in ihren Erinnerungen in ihre Kindheit zurück, denkt an den Jahrmarkt, den sie einmal mit der Großmutter besucht hat und an die Wahrsagerin, die dort die Zukunft voraussagte, die das Kind so gerne wissen wollte. Als die großmutter in das Gespräch mit einer Bekannten vertieft ist, stiehlt sie sich in das Zelt der Zigeunerin, die Großmutter holt sie zurück und das Päckchen, das ihr die Zigeunerin schenkte, enthält nur Sand, was das Kind enttäuschte.

Es gibt auch einen schwarzen Hund, der Anna als Kind in die Hand gebissen hat und der sie seither abgöttisch liebt, als er alt und schwach ist und daher getötet werden soll, ist es Anna, die das mit Tränen in den augen und den Hund am Schoß tut.

Misch wagt den Sprung über die Grenze und der Vater bekommt sogar ein Ausreisevisum nach Deutschland und kommt zurück, weil er die Familie nicht verlieren will.

Das ist schon im Sommer 1989, wo man in dem Dorf nur die Gerüchte hört, daß es den Leuten in der Stadt schlecht geht, daß sie keinen Strom und keinen Nahrungsmittel haben und, daß es zu Unruhen kommt.

„Die Unruhen kamen nicht in unser Dorf, ins Dorf kam nur die Angst.“, lautet einer der schönen Sätze.

Anna will mit Hans, den sie vorher für einen Spitzel gehalten hat, mit in die Stadt demonstrieren gehen. Hans geht dann allein und kommt erst später verletzt zurück. Dann sieht man im Fernsehen, die Erschießung Ceausescus und zuletzt fährt Anna in die Stadt, um sich ihre Ausreisepapiere zu holen.

Das Buch ist Nadine Schneiders Vater gewidmet, der ihr viel von seiner rumänischen Heimat erzähllte.

Es erzählt nicht die Geschichte ihrer Eltern, sagt sie in einem Interview und ich habe ein sehr ruhiges, realistisches Buch in einer sehr schönen Sprache gelesen, wo manche Sätze hängen geblieben sind, manche vielleicht fast ein wenig übertrieben wirken.

Ein Buch, das wahrscheinlich, wenn es nicht auf Shortlist gekommen wäre  an mir vorübergegangen wäre, weil es auf keine andere mir bekannte Preisliste gekommen ist,  ich  nicht in Frankfurt und auch auf keiner Lesung war, wo es vorgestellt wurde.

Und hier noch das Interview von der „Debutpreis-Seite“.

2019-12-15

Schotter

CJetzt kommt Buch zehn des österreichischen Buchpreislesens, das damit abgeschlossen ist.

Florjan Lipus „Schotter“ ist das letzte Buch, das noch zu lesen war und von den 1937 bei Bad Eisenkappl geborenen, habe ich schon einiges gelesen und gehört, denn der auf slowenisch schreibende Dichter, ist einer, der wahrscheinlich ähnlich wie Josef Winkler sein ganzes Leben ein einziges Buch, beziehungsweise sein Trauma beschreibt und das war bei Florjan Lipus, wahrscheinlich die Mutter, die, als er sechs war ins KZ Ravensbrück verschleppt und dort ermordet wurde.

Sein bekanntes Werk ist wohl der „Zöglings Tjaz“, der von Peter Handke übesetzt wurde. Das habe ich nicht gelesen, wie „Schotter“ auch mein erstes gelesenes Lipus-Buch ist.

Ich habe aber einmal eine zweisprachige Lesung in der „Alten Schmiede“ gehört, 2017 war er bei den O Tönen, wo von Katja Gassner bedauert wurde, daß er nicht den österreichischen Staatspreis für Literatur bekommen hat, weil er ja nicht auf Deutsch  schreibt, slowenisch ist aber eine anerkannte Minderheitensprache und er hat den Preis, glaube ich, inzwischen auch bekommen.

Das Buch, das er dort vorstellte, habe ich mir aber, glaube ich, bei einem Literaturhaus-Flohmarkt gekauft und den „Zögling Tjaz“ einmal in den Schränken gefunden und nun „Schotter“, wo es nicht, zumindestens nicht vordergründig, um die tote Mutter geht, sondern um einen Gedenkbesuch in ein Lager, das eine Dorfgemeinschaft macht und das nicht sehr dicke Büchlein, ich habe das PDF oder E Book gelesen, das mir „Jung und Jung“ zur Verfügung stellte, ist, würde ich sagen, eine einzige Litanei oder ein Totengesang auf das damals Geschehene.

Der Titel beszieht sich auf den Schotter, der am Boden liegend, sowohl die Fußsohlen, der damals Inhaftierten, als auch die, der Besucher berührten und es gibt zwei Enkelkinder, einen Knaben und ein Mädchen, die nach den Spuren der getöteten Großmutter suchen und die natürlich nicht finden.

Ein beeindruckendes Werk eines großen österreichischen Schriftstellers, der vielleicht ein wenig im Schatten von Peter Handke, Josef Winkler und Gerhard Roth steht, ich habe mir aber schon 2017 gewünscht, daß er den „Buchpreis“ bekommt, da stand er nicht auf der Liste, jetzt ist er nicht auf die Shortlist gekommen.

Auf Meiner würde er stehen und wenn ich, was ja eigentlich nicht geht, eine Reihung von meinen Favoriten geben würde, würde die so ausschauen:

  1. Florja Lipus „Schotter“
  2. Raphaela Edelbauer „Das flüssige Land“
  3. Gerhard Roth „Der Himmel ist leer, die Teufel sind alle hier“
  4. Marlene Streeruwitz „Flammenwand“
  5. Clemens J. Setz „Der Trost runder Dinge“
  6. Karl Markus Gauss „Abendteuerliche Reise durch mein Zimmer“
  7. Sophie Reyer „Mutter brennt“
  8. Norbert Gstrein „Als ich jung war“
  9. Ivna Zik „Die Nachkommende“
  10. Harald Darer „Blaumann“

Und von den Debuts kann ich gleich hinzufügen, haben mir Angela Lehner und Marco Dinic besonders gut gefallen.

2019-09-27

Die untalentierte Lügnerin

Buch fünf der deutschen Liste, das vierte österreichische Buch und wieder das von einer Frau, der 1952 in Lustenau in Vorarlberg geborenen Eva Schmidt, Jochen Jungs Quotenfrau könnte man so sagen, da der relativ kleine „Jung und Jung Verlag“ mit seinem wahrscheinlich einflußreichen Verleger ja sehr oft auf der deutschen Liste steht und den Preis auch schon gewonnen hat.

Eva Schmidt ist auch schon sogar auf der Shortlist gestanden, diesmal hat das nicht geklappt, obwohl mir das leise feine Buch, wie ich es nennen würde, gut gefallen hat.

Eine Coming of age Geschichte könnte man es nennen und interessant ist, daß die, die es schon gelesen haben, das Buch oft verstörend genannt haben.

Das finde ich eigentlich nicht und auch mit dem Titel habe ich keine Schwierigkeiten, denn Maren, die Hauptfigur lügt ja eigentlich gar nicht so viel, nicht öfter als andere, würde ich sagen und sie ist auf dem Weg sich in ihrem Leben zuerecht zufinden, was ihr im Gegensatz zu den anderen Büchern, wo ja alles das Schlimmste vom Schlimmste sein muß, eigentlich auch gelingt.

Wenn mich etwas stört, daß ist es wieder die Mittel- oder sogar Oberschicht in der das Buch spielt. Das muß in der Literatur offenbar ebenfalls so sein und Maren ist auch keine Schauspielerin, wie die die Longlist besprechen, oft erwähnen.

Sie ist ein junges Mädchen, ihr Alter wird nicht genannt, sie dürfte aber Anfang zwanzig sein, das sich noch nicht gefunden hat.

Am Beginn des Buches kommt sie  in ihr Elternhaus zurück, vorher war sie auf einer Schauspielschule in München, in die sie ihre Mutter, eine Malerin gedrängt hat, weil sie nach der Matura noch nicht wußte, was sie mit ihrem Leben anfangen soll?

Dort ist sie nicht zurechtgekommen, hat sich zurückgezogen, nichts gegessen, so daß sie  ihre Eltern, das heißt wahrscheinlich, die Mutter und Robert der  Stiefvater,  zurückholen und ein halbes Jahr in eine Klinik steckten.

Von dort kommt sie als gesund zurück. Sie ist sich da nicht so sicher und weiß noch immer nicht, was sie von ihrem Leben will?

Robert holt sie vom Bahnhof ab, da passiert gleich ein Unfall, eine junge Frau, die offenbar auch nicht wußte, wie es weitergehen soll, ist vor dem Zug gersprungen. Solche Katastrophe kommen in dem Buch auch immer vor, das eigentlich rasant weitergeht.

Maren findet eine Stelle in einer Kunsthalle, der Stiefvater, der sich um alles kümmert und die Stieftochter, das ist in Zeiten, wie diesen wahrscheinlich zu erwähnen, nicht mißbraucht, läßt sie in einer seiner Wohnungen wohnen. Es ist eine Geschöftswohnung sagt er, sie bekommt aber heraus, daß er sich dort zurückzieht, wenn ihm das Leben und die Mutter zuviel wird. Die ist eine nicht so erfolgreiche Malerin, das heißt, sie verkauft keine Bilder, hat aber eine Galerie und verbringt dort ihre Tage.

Maren beginnt in dieser Tristesse, die abgesehen von der großen Villa, die wir schon von Mareike Fallwickl kennen,  es gibt auch Paralellen zu ihrem Buch, wahrscheinlich das ganz normale Leben ist, sich langsam zu orientieren.

Es gibt zwei Brüder, einen älteren und einen jüngeren, der ältere hat in Finnland ein Hotel und eine Frau. Der Jüngere interessiert sich für Vögel und studiert Biologie, ich glaube, in Salzburg, der Vater lebt in Wien und kümmert sich nicht viel um seine Tochter, was eigentlich nur Robert tut.

Es gibt ein paar Freunde mit denen sie Weihnachten verbringt, einen homosexuellen Schauspieler, der später auch bei einem Unfall stirbt, eine Freundin Lisa, die einen solchen erlebt und sich dann zurückzieht. Die Mutter verkauft ihre Galerie und hört zu malen auf, der ältere Bruder bekommt ein Kind, Robert verläßt die Familie und Maren fängt sowohl zu schreiben, als auch zu fotografieren an, was ja auch die Zoey bei Mareike Fallwickl tut.

Wenn man das so aufzählt, klingt es fast zu konstruiert. Es liest sich aber gut, ist fein, leise und tröstlich auch, daß Maren ihren Weg gehen wird.

Am Schluß fährt sie nach Wien, um eine Abtreibung vorzunehmen. Von wem das Kind ist, wurde mir nicht  klar, von Thomas den Fotografen, zu dem sie schließlich findet? Vielleicht noch von Max dem früheren Freund oder gar von Robert?

Das wird nicht erwähnt, sie sagt nur es wäre ihre letzte Lüge, bevor sie in die Klinik geht, um sich von dort die Tablette zu holen, die sie schließlich in die Toilette kippt.

Ein leises stilles Buch, über etwas, das schon erwähnt wurde, schon oft in allen seinen Formen und Varianten gelesen habe. Cornelius Hell, der es für den ORF  „gespoilert“  hat, hat es gut gefallen. Mir eigentlich auch.

2018-11-11

Königin der Berge

Nun kommt das wahrscheinlich letzte öst. Buchpreis Buch, Daniel Wissers „Königin der Berge“, der für mich und wahrscheinlich auch für andere überraschend den dritten österreichischen Buchpreis gewonnen hat und ich muß sagen, es ist ein wirklich gutes Buch mit einem wichtigen, mich sehr interessierenden Thema, das uns alle betreffen kann. Wie gehe ich um, wenn ich unheilbar krank bin, wie mache ich es da mit dem Sterben und beende wie mein Leben?

Ein Thema das uns alle betrifft und das wir vielleicht deshalb oft verdrängen und das wäre vielleicht eine kleine Kritik, die bei „Amazon“ von einem Leser auch nur eine „Ein Stern Rezension“ bekommen hat.

„Leider sind im E Book, immer wieder Seiten bei denen viele Buchstaben durch scharze Balken/Flächen ersetzt werden.

Bei einigen Seiten sind auch die Absätze komplett verschoben. Um das Buch zu lesen, muß man auch immer wieder zurückblättern, es ist wirklich verwirrend……

Schade, es war sehr teuer…“

Und das, der experimentelle Stil in dem Daniel Wisser seinen Roman verpackt, ist wahrscheinlich nicht nur dem Inhalt und der Distanz die man braucht, um das Lesen zu verkraften, geschuldet, denn Daniel Wisser ist ein experimenteller Autor, zumindest wird der 1971 geborene, dieser Szene zugerechnet und da habe ich auch ein Bonmot zu erzählen, habe ich ihn doch 2003, glaube ich, im Amerlinghaus, ich glaube weiter, im Rahmen des „Fröhlichen Wohnzimmers“ kennengelernt, als er aus seinem „Ritter-Buch“ „Dopplergasse 8“ gelesen hat und da war ich über den realistischen Stil sehr erstaunt und habe gedacht, wenn das bei „Ritter“ erscheint, dann kann ich das auch.

Ich konnte, wie bekannt nicht und habe auch noch kein anderes Buch von Daniel Wisser gelesen, ihn nur bei verschiedenen Lesungen beispielsweise im Musa, bei den O Tönen, etcetera, gehört.

Er macht auch literarische Performances, ist Musiker und ist und das ist erfreulich nach und nach aufgestiegen, hat beim „Bachmannpreis“ gelesen, bei „Klever“ und jetzt bei „Jung und Jung“ verlegt und als ich „Königin der Berge gelesen habe, war ich wieder etwas erstaunt, daß das ein so realistischer mit einem so wichtigen Thema ist. Nur der experimentelle Touch der für mich eigentlich nicht wirklich experimentell ist, störte mich etwas. Wirkte er doch für mich ein wenig aufgesetzt und hat vielleicht auch mich wie den „Amazon-Leser“ vom Lesen  abgelenkt.

Es wird in dem Buch nämlich immer wieder etwas durchgestrichen. Es gibt sehr viele Dialoge und an manchen Seiten gibt es immer gleich zwei Reden. das was man sagt und das was man denkt und Daniel Wisser lenkt von der Brisanz des Themas auch immer wieder durch theoretische Diskurse ab. Geht in die Vergangenheit zurück, erzählt von Bankräubern, amerikanischen Präsidenten, läßt seinen Helden mit einer toten Katze kommunzieren, etcetera, obwohl das, daß man mit einer nicht real existierenden Person spricht, vielleicht gar nicht so experimentell ist.

Nun zu dem, um das es in dem Buch geht. Es geht, wie in einer anderen „Amazon Rezension“ steht um einen gar nicht so sympathischen Helden, um einen politisch unkorrekten Ungustl und Frauenheld, den Mittevierzigjährigen Robert Turin, einstmal ein erfolgreicher EDVler, der mit einem Freund eine eigene Firma mit vielen Angestellten hatte. Dann bekam er MS und sitzt jetzt mit Mitte vierzig in einem Pflegeheim, muß von den Schwestern dort angezogen, gewaschen und in den Rollstuhl gehievt werden, schaut ihnen dabei immer wieder auf den Busen, irritiert sie auch, in dem er von sich in der direkten Rede spricht, wenn sie seinen Namen falsch aussprechen „Nein, Herr Turin will nicht in den Garten, Herr Turin haßt die Natur, weil sie grausam ist“

Er hat eine Frau namens Irene, die ihn am Wochenende besucht, ansonsten verbringt er anfangs seine Tage in der Cafeteria und läpt sich von den Zivildienern grünen Veltliner servieren und nervt alle mit der Frage, ob sie ihn in die Schweiz fahren?

Er fragt das anfangs auch seine Lieblingsschwesgter Aliki, die Namen der Schwestern übt er in einen sogenannten „Schwesternalphabet“, die antwortet, was wohl alle Schwestern in einem katholischen Pflegeheim antworten müssen oder sie gibt keine Antwort und Daniel Wisser führt uns trotz seiner experimentellen Spielchen sehr realistisch in die Welt der Pflegeheime und Hospize ein, denn er war, hat er bei den „O Tönen“ erzählt, einmal Zivildiener in einem solchen und hat dort eine Cafeteria betrieben und wahrscheinlich auch einen ähnlichen Patienten gekannt.

Es gibt in dem Heim auch eine etwas aufmüpfige Psychologin namens Katharina, die Herrn Turin zu einer Gesprächstherapie veranlassen will, die er auch nicht braucht und während seine Frau Irene zu Weihnachten Karriere in Japan macht, wird er von ihrer Schwester, einer Anästhesisitin besucht, der er auch diese Frage stellt.

Dazwischen bekommen wir die Realität der Pflegeheime mit, die Schwestern kommen alle aus dem Ausland und haben Heimweh oder ihre Berufe gewechselt, anstatt Deutschunterrichten müssen sie jetzt Harnbeutel wechseln, die Cafeteria wird ausgelagert, der Putzdienst ist es schon, einer der Patienten bekommt einen Schlaganfall und muß von Herrn Turin auf der Pflegestation besucht werden, der sagt  zu allem nur noch „ja, ja, ja“ und eine andere Patientin und das finde ich, ist ein gelungenes Beispiel, sitzt ständig vor dem Fernseher und schreit laut „Trump“, denn es ist Wahlkampfzeit und sie ist begeistert vom amerikanischen Präsidenten.

Herr Turin ist das weniger, findet aber zwei Komplizinnen, die Schwägerin und die Psychologin. Es kommt aber trotzdem zu einem Selbstmordversuch und er wird dann vom Heim erpresst zu sagen, daß es ein Unfall war, damit er in keine Psychiatrie kommt, was er nicht brauchen kann, denn um dem Verein für Sterbehilfe beizutreten, muß er bei geistigen Kräften sein. Er muß dafür auch verschiedene Formulare ausfüllen was er nicht kann. So muß er den Zivildiener und die Schwestern dazu bitten. Seine Frau ist dagegen, die Anästhesistin hilft ihm und verschafft ihm die richtigen Tabletten, die er aber auswärts nehmen muß, so daß er  in ein Einkaufszentrum fährt und sich dort einsperren lassen will. Der Zivildiener vereitelt das. Es kommt zu weiteren Schwierigkeiten. Herr Turin muß  nun eine Therapie machen und Psychopharmaka nehmen.

Schließlich gelingt es ihm doch und die Psychologin fährt ihn in die Schweiz und wir haben ein sehr sehr gutes Buch mit einem sehr brisanten Thema gelesen über das man diskutieren kann und sollte und, wie geschrieben, wenn ich Daniel Wisser einen Rat geben könnte, den er wahrscheinlich nicht annehmen wird, würde ich ihm empfehlen, den „experimentellen Schnickschnack“ wegzulassen, weil das Buch meiner Meinung nach dadurch besser werden würde.

Es ist aber wahrscheinlich auch so gut genug, hat es ja den dritten österreichischen Buchpreis gewonnen. Ich gratuliere sehr!

2018-09-29

Der Vogelgott

Buch sieben des dBps 2018 und eines das auf der Shortlist steht, von dem ich schon in der letzten Leseauslese in der „Gesellschaft“ sehr viel Lobendes gehört habe, so daß ich sehr gespannt auf das Lesen war. Der obligtorische „Jung und <Jung“, der es regelmäßig auf die LL schafft und wieder von einer Frau, nämlich von der 1953 in Darmstadt geborenen Susanne Röckel, von der ich sonst noch nicht viel gehört habe geschrieben wurde.

Das Buch wird überall oder jedenfalls sehr viel wegen seiner Mystik, deren Bann man sich nur schwer entziehen kann, gelobt und sowohl mit E. T. A. Hoffmann, als auch mit Edgar Allen Poe verglichen.

Dem stimme ich nur teilweise zu, das heißt an E. T. A Hoffmann, den ich ja sehr mag und früher viel gelesen habe, hat es mich nicht erinnert und Edgar Allen Poe habe ich nicht gelesen und ich würde auch eher meinen, daß kein Roman ist, sondern aus vier Erzählungen besteht, die alle von einer Familie handeln und mit den Vogelgottmotiven, die mir nicht immer nicht ganz klar wurden und die ich auch mehr oder weniger gut ausgearbeitet fand, besteht.

Es beginnt mit einem Prolog und der ist sehr mystisch und kann eine durchaus in den Bann ziehen. Da reist ein Vogelforscher in ein seltsames Land um einen seltsamen Vogel zu suchen. Die menschen sind dort sehr komisch und starren ihn nur an. Es gibt kein Essen und eigentlich auch kein Hotel, sein Rucksack mit den Ferngläsern wird gestohlen und als er auszieht, um einen seltsamen Vogel den er gesehen hat, zu erlegen, begegnet er auch einem seltsamen Mann mit einem seltsamen widerlichen Geruch, der einen an Mephisto erinnern könnte. Aber der ist ja kein Gott sondern das Gegenteil. Gezeichnet ist das Ganze mit „Konrad Weyde. Der Vogelgott. Unveröffentliches Manuskritpt“ und der ist Lehrer, Vogelforscher und der Vater von Theodor, Dora und Lorenz und denen sind die anschließenden drei Kapitel gewidmet, von denen das erste „Im Land der Aza“ noch viel von jener Anfangsskurlilität hat, die später, wie ich bemängelt würde, ausdünnt.

Da ist also Theodor, der jüngst Weyde, vom strengen Vater, am meisten geliebt, der studiert Medizin, hat aber keine rechte Lust dazu. Hört also damit auf und geht eines Abends in ein ebefalls seltsames Lokal, wo er einen seltsamen Mann, der auch diesen unheimlichen Geruch hat trifft, der Vic Tally heißt, seltsame Namen gibt es also auch und der heuert ihn an für ein Jahr als Arzt oder medizinischer Helfer nach Aza zu gehen. Dazu braucht er ein Visum ein ebenso seltsamer Herr Petri gibt ihm das, warnt ihn aber vor einem „Chief Ali“, den dann in Aza Town keiner kennt.

Dort wird er in einem ebenso heruntergekommenen Hotel einquartiert, muß lange warten, bis er in das Missionsspital kommt, wo ihm die Nurses zuerst mißtrauisch beäugen, dann ein jungesMädchen namens Miranda bei ihm einquartieren, einen seltsamen Aufstand gibt es auch, so daß er schließlich in der Psychiatrie landet.

Kapitel zwei „Die Madonna mit der Walderdbeere“ das von Dora, der Kunsthistorikerin handelt, die über den, ich glaube, im sechzehnten Jahrhundert gelebt habenden MalerJohannes Wolmuth promovieren will, erscheint mir schon viel ausgedünnter, denn während nur Theodors Handie ahnen läßt, daß der in der Jetztzeit lebt, geht Dora in ihr ehemaliges Wohnhaus zurück, in dem sie mit ihren Brüdern, dem strengen Vater und der kränkelnden Mutter lebte und sieht, das ist jetzt ein moderner Wohnblock und das Kapellchen, in dem sie als Kind oft mit der kranken Mutter war und in dem das oben beschriebene Bild, des Malers hängt ist hinter einem Container verborgen. Der schlüßel ist beim Diakon zu holen und der ist, wen wundert es, ein ebenso seltsamer Mann.

Dora beginnt zu forschen, entdeckt unter dem Bild ein anderes, der Vogel Greif kommt auch vor, als sie das aber ihrem MannHans, auch ein Kunstprofessor und ihrem Dorktorvater sagen will, sind die entsetzt und aus der Dissertation wird nichts Rechtes und dann geht es zu Lorenz dem ältesten der Weyde-Kinder. Der ist Journalist, hat eine Frau und zwei Kinder und schon einmal etwas mit einem Stubenmädchen in einer Pesnion mit der er mit der Familie Urlaub machte,  gehabt, die heißt Clara und hat auch den dumpfen Geruch. Sie will ihn aber nicht wirklich und so geht es in die Stadt zurück, wo er, der seit der Zeitungskrise nur mehr freiberuflicher Mitarbeiter des „Tagblattes“ von seinem Chef den Auftrag bekommt, über den Tod eines Kindes zu schreiben.

Dessen Geschwister zeigen ihm die vogelähnlichen Zeichnungen des Kindes und er bekommt heraus, daß viel Kinder schreckliche Träume haben und dann in ein Sanatorium eingeliefert werden. Das ist eigentlich eine Pharmafirma und gehörte einem Herrn Morton, den wir schom vom Dora Kapitel kennen.

Da trittt er in den „Vettern Stiftungen“ auf, wo Dora ein Stipendium hat, wird aber von seinem Begleiter hypnotisiert, so daß er immer kleiner wird und er hat als Gymnasias,t er war Schüler an der Schule, wo Lorenz Frau unterrichtete, ein Stück über Prometheus geschrieben, das die gerade mit ihren Kindern aufführt.

In der Klinik gibt es auch einen ähnlich hypnotisierenden Professor Toryk Allt und Lorenz Chef will von der Reportage, die der ihm anbietet, auch nichts wissen. Er forscht aber weiter, begegnet im Turm der Klink dem Herrn Morton, der mit dem Rollator geht und  ihm seine Vogelzeichnungen zeigt.

Es kommt auch der Herr Petri wieder vor, der der Zeitung seine Geschichte über die Kriegshandlungen im Land der Aza anbietet und am Ende finden sich die Geschichter allezusammen in Theodors Klinik wieder und erinnern sich an ihre Kindertage wo sie im Garten „Verschwinden“ spielen.

„Wer sich auf diese fantastische Geschichte einlässt, entkommt ihr nicht mehr!“, steht am Buchrücken. Dem kann ich nicht ganz zustimmen. Vor allem die ersten zwei Geschichten haben mich vom Ton sehr berührt und ich habe gedacht, etwas anderes als die vielen Midlifekrise-Kriegs- und DDR-Romane, die sonst auf der Liste stehen. Dann sind mir vor allem in den letzten zwei Kapitel die Verbindungen zu dem Vogelgottmonster zu aufgesetzt und willkürlich erschienen und ich habe wahrscheinlich, wie die „Einstern- Amazon-Rezensenten“, nicht alles verstanden und wenn ich Susanne Röckels Lektor wäre, hätte ich an den letzten beiden Geschichten noch mehr gearbeitet.

2017-10-16

Klartraum

Jetzt kommt Buch fünf der österreichischen Buchpreisliste, das vierte und das letzte, das ich habe, der kurzen, beim östBp verhält es sich umgekehrt wie beim deutschen, denn da hatte ich am Tag der Shortlistverkündigung noch keines der Bücher gelesen, beim Öst waren es drei und das vierte „Klartraum“ ist jetzt gefolgt.

Daß es sich bei der 1968 in Wien geborenen und in Graz lebenden „Veza-Canetti-Preisträgerin“Olga Flor, um eine komplizierte Autorin, beziehungsweise um ein kompliziertes Buch handeln könnte, habe ich schon geahnt oder gewußt, schließlich hat sie  auch Physik studiert.

Ich habe die Diskussion bei ihrer GAV-Aufnahme verfolgt, sie dann das erste Mal, glaube ich, 2003 gesehen, als es da beim steirischen Fest am Rathausplatz eine Lesung mit steirischen Autoren gab, eine Lesung aus „Die Königin ist tot“, habe ich in der Hauptbücherei verfolgt,den sogeannten Bloggerroman „Ich in Gelb“ gelesen und im Sommer war ich auch bei den O-Tönen, wo ihr neues Buch „Klartraum“ vorgestellt wurde und da erklärte, die Moderatorin, ich glaube, es war Daniela Strigl, es handle sich, um einen Liebesroman. Dann hat Olga Flor sehr schnell und hastig höchstkomplizierte Passagen von Gott und die Welt könnte man so sagen und ich habe nichts verstanden.

Es sind auch, glaube ich, ein paar Leute gegangen und ein paar werden sich vielleicht gedacht haben, daß das Buch der Debutantin, die ja auch auf der Öst steht und die ich erst lesen muß, verständlicher war.

Jetzt steht „Klartraum“ auf der Shortlist, was mich nicht wundert, denn Olga Flor gilt ja als hochlititerarisch:

„Olga Flor gehört zum Besten, was die österreichische Literratur zur Zeit hat“, schreibt auch Helmut Gollner im „Falter“, bzw, am Buchrücken und ihr „Kollateralschaden“ ist auch, 2009 glaube ich, auf der deutschen Longlist gestanden.

Wenn man die Qualität der Literatur an der Sprache, den komplizierten Sätzen, Wenungen und Wortschöpfungen mißt, stimmt das bestimmt, was das Lesevergnügen und die Verständlichkeit, ein Anspruch, den ich vor allem beim zweiteren hätte, wäre ich mir nicht sicher oder würde mich fragen, wer außer Kritikern das Buch zu Ende gelesen hat?

Ich vermute nicht sehr viel und meine Schwiegermutter, eine passionierte Krimileserin würde es wahrscheinlich nicht verstehen und ich eigentlich auch nicht, obwohl mich ja irgednetwas immer wieder zu den Worträuschen einer Andrea Winkler und eines Richard Obermayr zieht.

Olga Flor würde ich auch dazuzählen und sie in eine Reihe mit Lydia Mischkulnig, der neuen „Canetti- Preis Trägerin“ stellen, aber nein, Olga Flor ist ernsthafter, distanzierter und das Buch, wo ich, ich wiederhole es, nicht so ganz verstanden habe, warum es hier eigentlich geht, hat mich mehrmals an die Jelinek und in besonderen an deren „Liebhaberinnen“ erinnert.

Ich glaube, es ist derselbe Grundton oder dieselbe Absicht, die dahintersteckt und wenn ich mich nicht irre hat Olga Flor auch an einer Diskussion zum siebzigsten  Geburtstag der Nobeltreigträgerin mitgewirkt und hier beklagt, daß ihr die Kritiker immer Distanziertheit vorwerfen.

Ich tue das jetzt auch und begründe es damit, daß die Protagonisten in dem Buch keine Nnamen haben sondern A, C, G und vorwiegend P heißen.

Das ist die Frau, die durch das Buch hastet, das in Kapitel, wie „Verlust 1“, „Glück  7“,  „Komik 1“ bis zu „Lust 12“ haben und wenn mich jetzt jemand fragt, was mir ja immer sehr wichtig ist, zu spoilern, was hier eigentlich passiert?

So habe ich verstanden, P hat sich von ihrem Geliebten oder Exgeliebten getrennt, kommt nicht von ihm los, schreibt ihm Abschiedsbriefe, liegt dazwischen in einer Wohnung auf dem Boden oder unterhält sich mit einer Nachbarin darüber, wie teuer Kinder kommen oder ob es peinlich ist, wenn man bei der Elternvertretung um Unterstürzung für den Schikurs ansucht?

Man sieht, Olga Flor ist auch hoch politisch und P denkt, während sie sich die Frage stellt, wo jetzt die Liebe im Zeiten des Neoliberalismus bleibt, sich auch mit der Flüchtlingsfrage beschäftigt, beziehungsweise sich als ehrenamtliche Helferin betätigt, wird wie schon geschrieben, über Gott und die Welt, die Wirtschaft und deren Korrumpierung und noch vieles andere nach.

P dürfte, mit dem Spilern ist es hier wirklich schwer, weil die Handlung fortwährend von einem Thema zum anderen springt, man sich mal in Berlin, dann wieder in Wien oder auf einer Reise mit A., dem Exgeliebten befindet, den P offenbar, während des Studiums kennenlernte.

Beide haben Beziehungen so gibt eine C und, glaube ich, einen T Ob P Kinder hat, wurde mir nicht ganz klar. A. aber schon und P wollte das wohl auch, unabhängig bleiben. A scheint, wie das so ist, höher gestellt als P zu sein, die in prekären Verhältnissen leben dürfte und dann gibt es noch „Möglichkeit“ genannte Kapitel, wo eine G, eine Paketzustellerin, auftrittt, die offenbar ein Verhältnis mit A eingehen könnte. Es gibt auch  einen Fahrradboten, der eigentlich Islamforscher ist und einen Unfall hat und mit dem haben vielleicht P und G zu tun.

Sehr kompliziert für die Spoilerin, die vielleicht in dem Versuch Struktur in dem Buch zu finden, das Eigentlich übersehen hat. Aber ja, da gibt es noch eine Geschichte, wo sich OlgaFlor über den Literaturbetrieb, beziehungsweise über die E- Bookleser und die Fantasyschreiber lustig macht, beziehungsweise ihnen genaue Anweisungen gibt, wie man eine solche Handlung kostruieren muß, damit die Bankdaten am Ende stimmen.

Am Ende löst sich, glaube ich, A von p und C, As Gattin hat ein Problem mit ihrem Computer, geht daher in den ihres Göttergatten , findet die Mails, schickt sie an sich selbst und beschließt genüßlich sich von ihm, nachdem er sich endlich von P getrennt hat,  zu trennen und eine Quellenangabe gibt es in dem Buch auch.

„Die Pallindrome auf Seite 251 stammen von Brigitta Falkner“, die ja mit ihrem neuesten Buch ebenfalls auf der Shortlist steht.

Man sieht, Olga Flor ist tatsächlich kompliziert und experimentell und wenn ich jetzt raten soll, ob sie den Öst gewinnen wird, würde ich aus den schonzitierten Gründen „Nein!“, vermuten. Denn das würden die Buchhändler vermutlich aufschreien und stöhnen „Nicht schon wieder so ein kompliziertes Buch mit Minderheitengeschmack, den unsere Käufer nicht wollen!“ und auf die sicher leichter zu lesende kryptische PTSD-Geschichte von Paulus <Hochgatterer hinweisen.

2017-10-06

Schau mich an, wenn ich mit dir rede

Buch sechzehn des dBp, ein Longlistbuch und wir bleiben in Österreich und sind  beziehungsweise dort angekommen, Monika Helfers kleiner feiner Roman über die Patchworkfamilie oder ist es eine Episodensammlung, das, was sich die 1947 im Bregenzerwald geborene Frau von Michael Köhlmeier und Mutter der früh verunglückten Paula, so ausdenkt, wenn sie eine Frau in der U-Bahn sitzen und mit ihrer Tochter schimpfen hört.

Ich denke, es ist eine Episodensammlung und das Besondere an der Geschichte ist, daß es über die reine Patchworksammlung, wie sie etwa Ruth Cerha oder Elfriede Hammerl schreiben, hinausgeht, aber auch etwas, das man nicht gleich bemerkt.

Ich habe es jedenfalls nicht sofort und bin nach Robert Menasses „Hauptstadt“ auch nicht sofort in das Buch hineingekommen und habe mir bei der ersten Geschichte nur gedacht „Hey, was soll das und das ist jetzt jener platter Realismus, wie ich ihn ja angeblich immer schreibe und wie es dem Obdachlosen damals in der „Augustin Schreibwerkstatt“ auch nicht gefallen hat!“

Ist es nicht, aber das habe ich erst bei der zweiten Lesetrache gemerkt und Mariki Fallwickl, die offizielle Bücherbloggerin, hat es vielleicht auch zu wenig überhöht gefunden. Es sind aber kleine feine Geschichten, die sich Monika Helfer da ausdachte und sie haben mit der simplen Patchhcworkrealität, wie sie jetzt ja so viele Kinder erleben, gar nicht so viel zu tun und das Buch hat, denke ich, auch mit den Beschreibungen am Büchrücken und am Klappentext nicht so viel zu tun, jedenfalls würde ich es anders interpretieren.

Da fährt also eine Frau, ich denke, es ist die Erzählerin in der U-Bahn, beobachte,t wie eine Frau vor ihrem Kind über dessen Vater schimpft, bei dem die Kleine offenbart jetzt wohnt und dann denkt sie sich in den folgenden vierunddreißig Kapiteln Geschichten und zuerst einmal Namen für ihre Personen aus.

Die Kleine könnte Genoveva, Vev genannt, heißen, die Mutter Sonja, der Vater Milan und die Mutter wird als drogensüchtige, von einem Sozialarbeiter betreute Frau, die auch in einer Klinik war, beschrieben, was ich, die ich ja öfter solche Geschichten höre, nicht so ganz realitätsgerecht beschrieben fand.

Es geht aber gleich weiter und geht dann wirklich in die Phantasie und da wird es wirklich schöne heile Welt-Geschichte, die dann gar nicht kitschig ist.

Sonja geht nämlich nach der  Begegnung mit ihrer Tochter, die beim Vater und dessen neuer Frau Nati, einer Krankenschwester und deren zwei Töchtern lebt, auf den Karlsplatz, für die Nichtwiener, das ist ein Drogenumsatzplatz oder war zumindestens mal einer und  trifft dort, the Dude, den Weltretter, der eigentlich Eric heißt, der nimmt sie mit in seine Wohnung, putzt das Bad, gibt ihr Geld für schöne Kleider, etcetera. Das alles wird nach und nach in den kleinen Geschichten erzählt.

Milan ist vielleicht auch ein wenig unrealistisch, denn er arbeitet nichts und lebt vom Geld, das ihm seine Mutter zusteckt. Nati oder Natalie, ist die einzige, die arbeitet und die hat sich auch eine Traumwelt, nämlich „Natis schöne Welt“ oder so ausgedacht und da kommen  bei einer Krankenschwester natürlich die Ärzte vor.

Nati trifft sich in der Mittagspause öfter mit ihrer Freundin Eva in der Kantine, die zwar eigentlich nicht im Krankenhaus arbeitet, aber Nati hat ihr den Zutritt  verschafft und eines Mittags landet Nati im Zimmer vom Oberarzt Doktor Traxler, im sechstten Stoc, beziehungsweise auf seiner Liege, sie will nämlich noch ein Kind. Milan nicht, so will sie ihm eines unterschieben, während Milan inzwischen zu der Trafikantin geht, den Vev hat  bei dem letzten Besuch bei ihrer Mutter den Hund Nemo, das heißt Niemand, mitgenommen, der eigentlich Eric, genannt, the Dude, gehört.

Milan bringt ihn zu der Traffikantin, die auf ihn aufpassen soll, fängt mit ihr ein Verhältnis an und kümmert sich dann nicht mehr um den Hund, so daß ihn die Trafikantin zu sich mit nimmt und schließlich kommt ein Brief von the Dude, der die ganze Familie, Milan, Nati und die Kinder zu sich und Sonja in ihre neue große Wohnung, die er sich irgendwie ergaunert hat, zum Essen einlädt und die Wohnung ist so groß, daß sie für alle Platz hat.

So überlegt Vev, wenn sie dorthin geht, den Hund mitzunehmen, Nati geht wieder in Dr. Traxler Sprechzimmer und macht mit ihm Schluß und nur Milan überlegt abzuhauen und auszuwandern.

Ein schöne Traumgeschichte von der schönen heilen oder auch nicht so heilen Familienwelt, denn Milan wird in dieser von der Lehrerin in die Schule gebeten um über Vevs Aufsatz zu sprechen, in dem sie über ein Problem schreiben sollte, aber offensichtlich nur eines erfunden hat, was die Lehrerin, die ja über die Probleme der Kinder Bescheid wissen woll oder muß, erboste, so daß sie Themenverfehlung darunter schrieb.

So geht es auch und das ist, denke ich, Monika Helfer meisterhaft gelungen, obwohl ich mir ganz ehrlich, auch nur einen ganz gewöhnlichen Patchworkroman erwartet habe.

2017-09-22

Jochen Jungs Wunderkind und Quotenmann

Am Mittwoch war ich ja bei einem „Buch und Kommunikation“, wo es um Sexismus beziehungsweise das Genderthema in der Verlagsbranche ging, wo Jochen Jung am Podium saß und gegen die Quote sprach, denn bei der Literatur zählt natürlich die Qualität und nicht die Quote.

Da wurde er von den jungen Buchhändlerinnen natürlich ordentlich angegriffen, dabei hat er bei seinen Buchpreisnominierten ohnehin nur lauter Frauen und außer Jonke und Handke seinen Superstars ist mir da so schnell nur Lorenz Langenegger eingefallen, dessen Bücher ich ebenfalls gelesen habe, aber sonst eigentlich nur Frauen bei den „Jung und JungBüchern„.

Am Donnerstag war Jochen Jung dann Gast in der Sendereihe „Im Gespräch“, wurde von Günter Kaindlsdorfer interviewt und erzählte von seinem literarischen Werdegang.

Er war ja lange Leiter oder Lektor des „Residenz-Verlages“, wurde dann dort hinausgeschmissen, hat 2000 „Jung und Jung“ gegründet, wo er mit seinem Büchern immer wieder mit Frauen auf der deutschen Buchpreisliste stand und zweimal dort auch gewonnen hat.

Für einen kleineren Verlag eigentlich beachtlich. Er hat inzwischen auch selber zu schreiben angefangen.

„Wolkenherz“ habe ich gelesen und er hat mich damals in den Siebziger und Achtzigerjahren, als ich meine Texte noch zu „Residenz“ schickte auch abeglehnt, allerdings, was kein Trost ist, er aber gestern in dem Gespräch erwähnte, auch Brigtitte Schwaiger, Robert Schneiders „Schlafes Bruder“ und Norbert Gstrein und jetzt hat er einen ganz jungen Autor und um an die Veranstaltung vom Mittwoch anzuschlußen, einen Quotenmann, nämlich, den 1994 in Wien geborenen Elias Hirschl, der schon 2009 im Literaturhaus slamte und auch Slam Welt- Europa- Österreicheichmmeister oder was auch immer ist ist und auch schon bei „Milena“ dem nicht mehr Frauenverlag zwei Bücher herausgegeben hat, eines trägt den langen Titel „Meine Freunde haben Adolf Hitler getötet und alles, was sie mir mitgebracht haben, ist ein lausiges T- Shirt“.

Das klingt schon einmal interessant, ungewöhnlich und aufmüpfig und jetzt ist bei „Jung und Jung“ „Hunder schwarze Nähmaschinen,“ herausgekommen, wo es um die Erfahrungen eines Zivildieners in einer betreuten Wohngemeinschaft geht.

Clemens J. Setzt, der ja auch ein junger Erfolgsstar war, hat mit seiner „Stunde zwischen Frau und Gitarre“ auch etwas Ähnliches geschrieben und als ich das Literaturhaus um dreiviertel Sieben nach dem Open day im „Writersstudio“ erreichte, war es schon sehr voll. Vielleicht nicht so voll wie bei dem Poetry Slams, aber sehr viele junge Leute und eine DJ gab es auch.

Der Lektor Günther Eisenhuber hat eingeleitet und dann hat sich der sehr junge Mann durch das Buch gelesen und das Publkum hat zwischendurch gejohlt, gelacht und sogar eine Zugabe verlangt, dabei war das, was Elias Hrschl gelesen hat, gar nicht so lustig.

Es begann mit der Mariahilferstraße und den schrägen Typen, die offenbar dort verkehren, den Schnorrern und den Süchtlern und die WG in die der Zivi tätig ist, scheint sich auch dort zu befinden und Elias Hirschl hat sich offenbar besoders bizarre Szenen aus einem solchen WG-Alltag herausgesucht und vorgelesen, von einer Frau, die keine Veränderungen verträgt und dann schreit und tobt und sich mit Waschpulver vollstopft, damit sie wieder auf die Baumgartner Höhe und ins Otto Wagner Spital, ehemals Steinhof, kann, damit sich alle, um sie kümmern, während sie in der WG ihr Zimmer selber aufräumen muß. Aber dort läßt man sie nach zwei Tagen wieder hinaus, und der Zivildiener muß ihr weiter gut zureden und am Sonntag mit den anderen Klienten in die Konditorei Aida gehen, wo sie alle mit Kaffee und Kuchen vollstopfen, obwohl sie Diabetes haben und schwere Medikamente bekommen und das eigentlich nicht essen dürfen.

Spannend, spannend, das Thema, obwohl ich, wie schon geschrieben, nicht glaube, daß das so lustig ist und die Betreuer dort und die Zivis werden das wohl auch nicht finden, sondern überfordert sein und auch, daß es wieder ein junges literarisches Wunderkind gibt.

Fräulein Wunder kann man ja hier nicht sagen, der junge Mann war aber sehr freundlich und hat auf das Buffet verwiesen, als alle nach einer Zugabe riefen und da gab es Brötchen und nachher eine Torte in der Form des Buches und ich habe mich mit Anna Jung unterhalten und mich bei ihr für die beiden Buchpreisbücher ihrer nominierten Nichtquotenfrauen bedankt, die ich noch lesen muß.

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