Literaturgefluester

2016-04-13

Dunkles Italien

Heute bin ich wieder einmal in die Hauptbibliothek gewandert und habe dort einen Italiener kennengelernt, der mir sonst entgangen wäre.

Gioaccino Criaco, 1965 in Africo, Aspromonte Gebirge geboren, in Mailand Rechtsanwalt gewesen, stellte, wieder assistiert von Robert Reinagl und vorgestellt vom Italien Korrespondent Andreas Pfeifer moderiert, seinen von Karin Fleischanderl übersetzten und bei „Folio“ erschienenen Roman „Schwarze Seelen“ vor.

Deshalb bin ich einmal gleich Gustav Ernst fast in die Arme gelaufen, den ich schon lange nicht gesehen habe und Andreas Pfeifer stellte dann die Gegend des Aspromonte, eine schöne aber auch offenbar gefährliche und sehr arme Gegend, denn in dem ersten Stück das gelesen wurde, erzählt einer, wie er als Kind mit seinem Vater und seinem Bruder ein „Schwein“ durch  die bergige Gegend führ, das stellt sich bald als ein entführter reicher Industrieller vor. Sie gehen mit ihm in eine Hütte, geben ihm zum essen, sperren es dann in den Stall, dann fahren oder gehen sie zurück in ihre Wohnung, um am nächsten Morgen mit dem Schulbus in die Stadt zu fahren. Denn sie sind arme Ziegenhirten und brauchen solche Geschäfte offenbar zum Überleben.

Später gehen sie zum Studium nach Mailand, geben das aber  bald auf und leben vom Drogenhandel, werden reich dabei, sind aber getriebene und kehren noch ein bißchen später in das Heimatdorf zurück.

Das waren die drei Leseblöcke.

Dazwischen gab es Gespräche über die Mafia, die Geschichte des Landes und die Karriere des Autors, von dem im Programm steht, daß sein Vater in einer Blutfehde ermordet wurde und sein  Bruder einer der meistgesuchten Kriminellen war.

Er hat es aber geschafft, als Rechtsanwalt und jetzt als Autor auf der „richtigen Seite“, die auch diskutiert wurde, zu bleiben. Das Buch wurde inzwischen verfilmt und die zahlreichen Fragen aus dem Publikum erkundigten sich nach der Rolle der Kirche, der Frauen und, wie man es schafft die Kinder von der Kriminalität wegzubringen.

„Die Literatur!“, war glaube ich ein Vorschlag, des charmanten und auch sehr selbstbewußten Moderators.

So konnte man das Buch auch kaufen und signieren lassen und ich habe wieder etwas gelernt, obwohl mich die kitalienische Mafia ja nicht so besonders interessiert. Von der alltäglichen Gewalt, in der, weil so armen Gegen offenbar schon schon Kinder zu Kriminellen werden und ganz selbstverständlich in den Neunzehnsiebziger bis neunziger Jahren tausende Reiche entführt wurden, habe ich allerdings nichts gewußt.

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2015-09-23

Koliken in der alten Schmiede

Die „Alte Schmiede“ hat ja eine „Zeitschriftengalerie“und auch eine Reihe, wo Lena Brandauer, Paul Dvorak und Daniel Terkl, die österreichische Literaturzeitschriftenlandschaft präsentieren.

Da war ich schon bei einigen Veranstaltungen und die Zeitschrift „Kolik“, 1997 von Gustav Ernst und Karin Fleischanderl gegründet, beziehungsweise aus der Zeitschschrift „Wespennest“, als die, wie Karin Fleischaderl erzählte zu  „glänzend“ wurde,  hat auch einige Auftrittsorte, wo sie sie ihre Nummern, es gibt, glaube ich inzwischen sechsundsechzig und die siebenundsechzigste ist im Entstehen präsenitieren und ihre Autoren vorstellen.

Da war ich zweimal in der „Gesellschaft für Literatur“ und ein paarmal im „Schauspielhaus“ und in der „Alten Schmiede“ wird Gustav Ernst auch öfter präsentiert, beziehungsweise kann ich mich, glaube ich, an eine Veranstaltung in der „Alten Schmiede“ vor langer langer Zeit erinnern, wo Gustav Ernst entweder seine Zeitschrift präsentierte oder von ihrer Planung erzählte und im Jahr 2003 gab es, glaube ich, eine große Präsentation im Literaturhaus und da man sich bei diesen Gelegenheiten, die Zeitschrift „Kolik“, die, weil die  Idee des „Wespennestes“ von den beiden Herausgegeben, wie Karin Fleischaderl in der Einleitung erzählte, weitergeführt wurde, ja eine „brauchbare“ ist, meistens frei entnehmen kann, habe ich auch schon eine umfangreiche und  „Kolik-Sammlung“.

Karin Fleischanderl las weiter das Impressum aus Heft 1 vor,  nämlich, daß die Zeitschrift ein Forum für Texte jenseits des Marktes und des Kommerz sein soll, jenseits aller „Long und Shortlists“, obwohl Antonio Fian mit seinem „Polykrates-Syndrom“ ja im Vorjahr auf der LL gestanden ist und Karin Fleischaderl eine Zeitlang „Bachmann-Jurorin“ war.

Die Übergänge sind aber wahrscheinlich fließend.

Karin Fleischaderl und Gustav Ernst haben  auch die „Leoninger Akademie für Nachwuchsautoren“ ge- oder mitbegründet und Judith Nika Pfeifer und Renate Silberer beide in Oberösterreich geboren oder lebend, beide Jahrgang 1975, haben diese auch besucht, während Karin Fleischaderl, den 1956 in Klagenfurt geborenen Antonio Fian als Autodidakt vorstellt und der gehört ja zu den eher sich am Markt bestehenden, erfolgreichen Autoren.

Daniel Terkl und Karin Fleischanderl leiteten ein und erzählten etwas zu den Heften, dann las Judith Nika Pfeifer Gedichte aus der Kolik 66 und ihrem neuen Gedichtband und Renate Silberer hatte eine Geschichte, die sich auch beim Sommerfestival im „Readingroom“ lesen hätte können, nämlich „Sommer in Wien“, wo, glaube ich, sehr poetisch dieser heiße Sommer aufgearbeitet wurde, bis hin zu Performances, wo man einer Gebärenden mit einer Taschenlampe in die Vagina schauen soll und zu der Frage, ob man sein Recht auf Grundsicherung verliert, wenn man sich als Saisonarbeiter verdingt und Antonio Fian hatte  wieder einen seiner sprachgewaltigen Texte, den ich, glaube ich, schon gehört habe, „Nachrichten aus dem toten Hochhaus“, wo  der Erzähler ein Monat Stadtschreiber in Pecs ist und dort seine Poetikvorlesung über Werner Kofler an der Klagenfurter Uni vorbereiten will.

Nachher gab es eine Diskussion, wo es um den „Kafka-Käfer“ ging, ein Stück, ich glaube, „Zotterschokolade“, das die Zeitschrift „Kolik“ eine Zeitlang vertrieb, den habe ich, glaube ich, auch einmal bei Elisabeth von „Leselustfrust“ gewonnen und Gustav Ernst dann selbst die launige Frage stellte, wie lange es diese Zeitschrft noch geben würde?

Solange der Mitherausgeber mitmacht, lautete Karin Fleischanderls Antwort und Antonio Fian meinte, bis zum zwanzigsten Jubiläum und der fünfundsiebzigsten Nummer wegen des Festessens und der Feier und ich habe früher auch meine Text hingeschickt, aber  irgendwann damit aufgehört.

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