Literaturgefluester

2017-05-30

Karl Kraus und die Frauen

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:32
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Hilde Schmölzer, die frauenbewegte, unermüdliche, mit der wir den letzten Silvester und vor kurzem ihren achtzigsten Geburtstag gefeiert haben, hat sich ja in ihrem letzten Buch mit „Karl Kraus und den Frauen“ beschäftigt und heute im Literaturhaus eine diesbezügliche Veranstaltung gemacht.

Ursprünglich habe ich gar nicht hingehen willen, war ich ja schon bei ein paar diesbezüglichen Lesungen und außerdem das Buch noch auf meiner Leseliste. Dann hat mir aber der Alfred ein Kuvert mit einem Foto in die Hand gedrückt und gesagt, ich solle es ihr geben und weil ich ja sehr genau und gewissenhaft bin…

Außerdem hatte ich  eine sechs Uhr Stunde und da ist es sich gerade noch ausgegangen, rechtzeigtig ins Lieraturhaus zu kommen. Es hätte zwar auch in der“Gesellschaft für Literatur“ eine Veranstaltung zu Wolfgang Hildesheimer gegeben. Aber Karl Kraus ist sicher interessant außerdem war auch Andrea Stift, die sich ja jetzt Stift-Laube nennt, im Programm angekündet und von der habe ich schon länger nichts mehr gehört, nur ihr letztes Buch gelesen und würde auch ganz gerne wissen, warum sie nicht mehr beim „Ohrenschmaus“ mitmacht?

Diese Frage hat sich für mich allerdings nicht beantwortet, denn Heidi Hagl hat Andrea Stifts Text gelesen, da sie gar nicht gekommen ist, so hat sie Hilde Schmölzer entschuldigt und dann das Vorwort zu ihrem Buch gelesen.

Karl Kraus hatte ein sehr ambibvalentes Frauenbild, zwar sehr viele Freundinnen und Geliebte. Hat von ihmen in seinen Aphorismen aber einerseit nicht sehr viel gehalten, andererseits hat er zu den Intellektuellen und den Dichterinnen dann doch wieder Kontakt gehabt und so hat Beatrice Simonson einen Essay gelesen in dem sie sich um die Beziehung von Karl Kraus zu Else Lasker-Schüler auseinandersetzte.

Dann kam schon Heidi Hagl mit Andrea Stifts Text über die Kriegsbetrichtserstatterin Alice Schalek, die Karl Kraus in den „letzten Tagen“ als absolutes Feindbild portraitiert hat. Das ist von ihr übergeliegen , allesandere der sicher sehr wagemutigen emanzipierten Frau nicht und Heidi Hagl hat ein paar „Ich-Passagen“ gelesen von denen ich gerne wissen würde, ob sie Originalzitate sind oderaus Andrea Stifts Feder stammen?

Dann kam noch einmal Hilde Schmölzer mit Karl Kraus Beziehung zu dem „Kindweib“ Irma Karczewska, die auch bei der letzten Kraus Vorlesung in der Wien Bibliothek eine Rolle spielte, Kraus hat sie als Vierzehnjährige kennengelernt, dann fallengelassen, aber immerhin finanziell unterstüzt.

Enige Bekannte im Publikum, so ein paar Lesetheaterfrauen, obwohl es keine Lesetheaterveranstaltungen war und Elfriede Haslehner, die inzwischen gestürzt ist, also auch nicht so ganz aktiv.

Es gab danach wieder Gespräche bei Wein und Knabbereien und interessant, daß mich da ein Herr angesprochen hat und meinte, daß er bewundere, wie schnell und flüßig ich mit der linken Hand schreiben würde.

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2017-04-20

Fake News und Karl Kraus

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:14
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Ich gehe ja nicht so oft zu den „Wiener Vorlesungen“, nur wenn am Programm etwas besonders Literarisches ist und das gibt es diese Woche gleich zweimal.

Zweimal Karl Kraus, am Donnerstag im Festsaal des Rathauses, am Freitag in der Wien-Bibliothek und das habe ich mir natürlich vorgenommen, denn Karl Kraus ist interessant und da habe ich mich in den letzten Jahren ja ein bißchen eingehört, beziehungsweise eingelesen.

So brachte „Holzbaum“ 2014 ja einen Cartoon zu den „Letzten Tagen der Menschheit“ heraus, Hilde Schmölzer hat über seine Frauen geschrieben, das muß ich allerdings erst lesen und Richard Schuberth entpuppte sich auch als Karl Kraus Spezialist, bei einer Veranstaltung zum achtzigsten Todestag war ich im Sommer auch und in Leipzig hat mir Dieter Scherr auch ein, wie ich glaube, sehr sehr interessantes Buch aus der „Tarantl-Edition“ gegeben, das ich auch noch lesen muß.

Also bin ich heute in das Rathaus gepilgert, Beppo Beyerl hat mich auch noch ins tschechische Zetrum zur Präsentation seines neuen Buches übers Bier eingeladen, aber das trinke ich ja nicht und am Eingang hat sich ein junger Mann der Wache vor mich aufgestellt und wollte von mir wissen, wo ich hinwolle?

„Zur Wiener Vorlesung!“, habe ich geantwortet und gedacht, die Alternative wäre wieder ein FPÖ-Fest von dessen Buffet, er mich abhalten will, es war aber offenbar eine Veranstaltung in der Wien-Bibliothek, die Präsentation des Ebner von Esschenbach- Knorr Briefwechsel, dessen Einladung verlorengegangen sein dürfte und das hätte mich vor eine ernsthafte Alternative gestellt, von der ich wahrscheinlich immer noch nicht weiß, was die bessere Variante gewesen wäre?

Denn die Vorlesung, wo ich war, war nicht so besonders literarisch, war das Tema doch „Fake news: Karl Kraus, die Kritik der verfälschten Nachrichten und ihre Anwendungen auf den postfaktischen Diskurs unterer Zeit“, das klingt insoferne interessant, da ich mich in den letzten Monaten ja vermehrt mit meinen Kritiker Uli herumschlage, der mich beschimpft und die „Linken“ oder den „Genderwahnsinn“ und, daß die sogenannten Multikultis schuld wären an den Anschlägen von Berlin, Stockholm etcetera, kann man auch bei Martins Sellners Videos hören und das ist etwas, was mich erschreckt und der Vortragende, ein Edward Timms aus England sollte sich auch noch, was mir bisher völlig unbekannt war, als einer der bedeutensten Karl Kraus- Experten erweisen.

So gesehen war das Publikum auch voll von Historikern und Spitzenjournalisten und Hubert Christian Ehalt zählte in der Einleitung gleich seine Publikationen auf, so gibt es ein auf Deutsch übersetztes Kraus Buch von ihm und „The last days of Mankind“ hat er auch mit Fred Bridgam übersetzt.

Der war auch im Publikum und der Vortrag beschäftigte sich mit Beispielen, wo vor hundert Jahren, die Fakten verfälscht wurden, um einen Vorwand für den ersten Weltkrieg zu haben.

Edward Timms führte da einige Beispiele an, die Karl Kraus alle in seinen „Letzten Tagen“ verarbeitet hat und kam dann zu den „Fake News“ der Gegenwart, nämlich, als 2004 der Golfkrieg begonnen wurde, mußten Massenvernichtungswafen erfunden werden, die es nie gegeben hat und, als es in England zur Abstimmung bezüglich des Brexits kam, hat sich der dortige Minister vor einem Bus gestellt, wo die Geldzahl angeschrieben stand, die dann dem Gesundheitswesen zur Verfügung stehen würde und Donald Trump hat auch einen vermeintlichen Anschlag in Stockholm für seinen Wahlkampf verwendet.

Dann kam es zur Diskussion und zur Frage, was der Unterschied zwischen dem Heute und dem Gestern wäre und ich, die ich ja davon nicht sehr viel verstehe, habe mir gedacht, eh klar, damals hat es noch keine sozialen Medien sondern, gerade Mal ein Telefon und den Telegrammdiesnt gegeben.

Heute kann jeder seine Meinung in das Netztstellen und „Fake News“, wie ich das ja auch im letzten halben Jahr persönlich an dem Beispiel, ob der „Hanser Verlag“, jetzt Sigrid Löffler mit seiner Broschüre beeinflußen wollte oder nicht, erlebte, verbreiten und die Meinung im Publikum war auch, daß nicht mehr als früher gelogen wird, sondern daß es nur schneller auffliegt.

Interessant und morgen geht es mit der Präsentation des Timme Buchs “ Karl Kraus – Die Krise der Nachkriegszeit und der Aufstieg  des Hakenkreuzes“, das mich vielleicht noch mehr interessiert in der Wien-Bibliothek weiter.

Es gibt allerdings auch ein Alternativprogramm, nämlich ein Fest zu „Zweihundert Jahre der Buchhandlung Leo“ am Lichtensteig, das schon am Nachmittag beginnt, sich aber bis in den Abend zieht und da will ich auch irgendwie vorbeischauen.

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