Literaturgefluester

2018-10-25

Die jüdische Souffleuse

Weiter geht es mit den Herbstneuerscheinungen, die nicht auf den Buchpreislisten stehen und da ist jetzt Adriana Altaras Roman „Die jüdische Souffleuse“ an der Reihe.

Roman? Ist das zweihunder Seiten bei „Kiepenheuer & Witsch“ erschienene Büchlein, der 1960 in Zagreb geborneen Schauspielerin und Regisseurin, die mit „Titos Brille“ literarisch bekannt wurde, ein solcher?

Ich sage nein und versteife mich wieder auf eine Mischung zwischen Memoir und Personal Essay, obwohl wahrscheinlich nicht so ganz klar ist, was hier wahr ist und was daran erfunden wurde?

Es kommt jedenfalls eine Opernregisseurin als Ich-Erzählerin vor, die unschwer, als die Autorin zu erkennen ist und die inszeniert in einer deutschen Stadt gerade „Die Entführung aus dem Serail.“

Weil ja nicht von allen erwartet werden kann, daß sie die Oper kennen, wird der Inhalt genau erzählt und dann bekommt man und das fand ich sehr interessant, einen Einblick, wie man sich das Opernesemble eines mittelgroßen Theaters vorzustellen hat.

Das ist eine bunte Mischung aus Koreanern, Ukrainern, Bulgaren, Finnen, Deutschen, etcetera und in dieses Ensemble platzt die etwas sechzigjährige Souffleuse namens Susanne hinein, stellt sich vor und möchte der Regisseurin ihre Geschichte erzählen.

Das ist der Plot, denn die Autorin ist Jüdin, Susanne, respektive Sissele ist es auch und die wurde, glaube ich, 1952 in Israel geboren und ist mit einem Jahr, mit ihren Eltern, die beide den Holocaust erlebten, nach Deutschland in ein Lager für Displaced Persons gekommen. Die Mutter ist bald darauf gestorben, der Vater, der in Auschwitz, die Leichen aus den Gaskammern wegräumen mußte, hat die Kleine bald aus den Armen einer Tante und zwei Cousins entrissen und sie zu Nonnen oder katholischen Pflegeeltern gegeben, bevor er mit ihr nach Kanada auswanderte und das Kind erst recht Pflegefamilien überließ.

Jetzt ist Sissele also Sechzig geworden, arbeitet als Souffleuse und erkennt in Adriana Altaras, beziehungsweise ihren Filmen und Büchern, die Seele, die ihr bei der Familienfindung helfen könnte.

Da könnte man vielleicht sagen, daß das gar kein so außergewöhnliches traumatisches Schicksal ist, sondern eines, das auch kinder mit nicht jüdischen Würzeln erleben, die von ihren Eltern verlassen, in Pflegeheimen aufwuchsen und dort vielleicht auch noch mißbraucht wurden.

Aber hier kommt das jüdische Schicksal noch hinzu und Adriana Altaras, die schließlich, wenn vielleicht auch nur widerwillig mit Sissele doch die Dokumentationsarchive und Theresienstadt, sowie Mauthausen abklappert, beschäftigt sich vorher auch in einer leicht lockeren Art, die das Buch ausmacht mit der Frage von Schuld und Sühne und wie das mit dem Verzeihen ist?

Wenn man genau ist, ist es auch nicht soviel Außergewöhnliches, was Sissele in Mauthausen und in dem Dokumentationsarchiv über ihren Vater erfährt. Denn sie ist ja mit ihm nach Kanada ausgewandert und hat sich später von ihm getrennt, beziehungsweise hat er sie hinausgeschmissen, sie später aber die Pflegeheimkosten für ihn bezahlt, aber da gibt es noch die zwei Cousins und die Tante, von denen sie als Kind entrissen wurde.

Wo sind die? Die Frage scheint sich zunächst nicht zu klären, denn Sissele verschwindet nach der Lagertour, kündigt im Theater und Adriana Altaras macht andere Regiearbeiten, bevor sie wieder an das Ausgangstheater kommt, wo Elektra zu inszeniereni ist und da kommt sie auf die Idee, da man ja die Stücke nicht mehr so inzensieren darf, wie sie sind, sondern sie einen Zeitbezug haben muß, der Elektra und den anderen Personen, die Züge von Sissele und ihrem Schicksal zu verpassen.

Da habe ich einen Moment innegehalten und mich nach der Rolle von Richard Strauss gefragt, der ja im dritten Reich Präsident der Reichsmusikkammer war, aber wenn man da genauer nachforscht, kommt man über die Verstrickungen nicht hinaus und wahrscheinlich nicht zum vergeben.

Das wird also übergangen, dafür meldet sich ein in Isreal lebender Freund der Autorin, wie der Deus ex Machina oder der Theaterdonner und erzählt ihr die Geschichte von den beiden im Holocaustmuseum ausgestellten Blechringe, von denen einer Sisseles Vater gehörte, der sie allerdings für seine erste Liebe, also nicht für Sisseles Mutter aus einem Löffel schnitze,  der ist Sisseles Cousin und alles findet sich.

Sissele kommt  wieder aus der Versenkung zurück, trifft sich mit dem Cousin auf der Premierenfeier, die Geschichte ist gut ausgeangen und wir haben, wenn wir das noch nicht wußten oder, weil wir vielleicht jünger sind und unsere Groß- und Urgroßeltern nicht danach fragen können, wieder etwas über den Holocaust erfahren.

Wenn ich mir so die Entwicklungen in Deutschland ansehe, bin ich mir zwar nicht sicher, ob das die jungen Leute noch hören wollten und ich habe eigentlich auch nicht so viel Neues erfahren, weil ich mich ja schon sehr lange mit dem Thema beschäftige und daher schon einiges, beispielsweise die Bücher von Lily Brett und auch die „Sechs Koffer“, etcetera, gelesen habe.

Oder doch natürlich, von Adriana Altaras habe ich noch nichts gelesen, denn ich habe in der „Seedosen- Telefonzelle“, einmal „Titos Brille“ gefunden und auf meinen Stapel gelegt, aber keine Ahnung gehabt, daß es sich da, um ihre Familiegeschichte und um die Aufarbeitung eines Holocaust-Schicksals handelt.

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2018-10-12

Walter muss weg

Filed under: Bücher — jancak @ 00:23
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Die nächste Neuerscheinung abseits der Buchpreislisten ist ein Krimi und zwar „Walter muß weg“, der erste Fall der „Frau Huber ermittelt-Reihe“ des 1970 geborenen Thomas Raabs, der mit seiner „Metzger-Reihe“ bekannt geworden ist und jetzt offenbar etwas Neues beginnt und es ist, wie soll ich schreiben, ein sehr bizarrer Krimi, im Stil eines Wolf Haas oder Thomas Raab natürlich, in dem sehr viel passiert und weil es sehr abgehoben geschrieben ist, ist das Mitkommen gar nicht so einfach.

Die Heldin ist die alte Hannelore Huber die in einem Dorf namens Glaubenthal lebt, die typische Dorfidylle halt, mit Pfaffer, Gemeindearzt, der gleichzeitig der Bürgermeister ist, einem Dorf oder Kleinstadtbordell und die ist Witwe geworden von ihrem Mann Walter und freut sich darüber.

Endlich kann sie aufblühen, ihr Leben genießen. Mitnichten denn beim Begräbnis passieren schon die skurrillsten Sachen. Da taucht zum Beispiel eine andere Witwe auf und weint vor sich hin und ein Staatssekreätr schmeißt Rosen in das Grab. Dann kommt  noch der Sohn des Bürgermeisters, der kleine Kurti, der Sarg geht auf und oh Schreck, es liegt nicht der Walter, sondern der Totengräber selber drin.

Auf diese Idee muß man erst kommen. Es geht aber munter weiter. Denn der Walter ist in besagten Bordell in den Armen einer Svetlana, die auch verschwunden ist, gestorben. Aber auch das ist nicht so, wie man glaubt, denn die Puffmutter erkärt der ermittlenden Hannelore, ihr Mann hätte Krebs im letzten Stadium gehabt und die Witwe keine Ahnung davon, nun ja nun ja.

Es gibt einen pensionierten Dorfschuldirektor, der in einem Cafe in der nahegelegenden Kleinstadt in der Nähe des Bordells, den Damen dort kostenlosen Deutschunterricht gibt.

Nun ja, die politische Lage wird  nicht nur in der Person des Staatssekretärs vorsichtig thematisiert. Es gibt  noch einen Wolf, der eigentlich einHund ist und ein kleines Mädchen namens Amelie, deren Mutter im Rollstuhl stitzt und das einersetzt sehr altklug ist, andererseits einen Sprachfehler hat, so sagt es immer „Witzkí“. Svetlanas Leiche wird im Moor gefunden, ein roter Socken und eine Beinprothese und es ist gar nicht so leicht, das Ganze zu spoilern, weil man die Handlung immer erst nach und nach erfährt, so daß die Berurteilung derselben gar nicht so einfach ist.

Die Handlung ist also an den Haaren herbeigezogen und blanker Nonsens, könnte ma sagen. Wahrscheinlich nicht und Thomas Raab hat beim Schreiben wahrscheinlich großen Spaß gehabt. Vieles wird angerißen und thematisiert, worüber man nachdenken kann.

Ob es den üblichen Krimileser gefällt, bin ich mir nicht so sicher. Aber spannend ist das Lesen allemal, so kann man auf die Fortsetzung der Reihe gerspannt sein. Den Adrian Metzger habe ich übrigens nie gelesen, sondern Thomas Raab nur bei einigen Lesungen daraus gehört und da hat er immer gefragt, ob es jemanden gibt, der kein Handy hat?

„Ich!“, könnte ich noch immer antworten. Aber das wird in diesem buch wahrscheinlich nicht thematisiert.

2018-09-14

Tage mit Ora

Während ich mit dem Alfred und der Ruth um den Neusiedlersee geradelt bin, habe ich noch ein Sommerbuch gelesen und eines, in dem es auch um eine Reise geht.

Nämlich Michael Kumpfmüllers „Tage mit Ora“, das da vor kurzem erschienen, eigentlich auch auf der LL des dBp stehen hätte können, ist der 1961 in München geborene Michael Kumpfmüller doch 2016 mit der „Erziehung des Mannes“ darauf gestanden.

Ein bißchen hätte ich es erwartet und bin dann wieder froh darüber, daß es nicht mein sechstes Longlistenlesebuch geworden ist, geht es dabei doch wieder um die „Midlifekrise des Intellektuellen Mannes“ und das habe ich nicht so gern auf der Buchpreisliste. Eigentlich überhaupt nicht so sehr, beziehungsweise amüsiere ich mich ganz gern darüber oder frage mich, was das Neue daran ist, ein solches Buch zu lesen?

Als Reiselektüre war es etwas anders, obwohl der Neusiedlersee von LA und St. Diego weit entfernt ist, aber diese Städte habe ich einmal mit dem Alfred und der Anna, nämlich 1989, auch besucht und über Amerika habe ich ja auch vor kurzem bei Martin Amanshauser gelesen.

Warum geht es also? Der Klappentext spricht von einem Stadtneurotiker in Woody Allen-Manier, beziehungsweise einem gebeutelten Paar, das einem Song nach, vier amerikanische Orte besucht, obwohl sie sich noch kaum kennen und daraus wurde laut Klappentext ein „Roadtrip über dessen Ausgang am Ende nur der Leser entscheiden kann.“

Erzählt wird die Geschichte von einem über fünfzigjährigen Intellektuellen, der, glaube ich, über irgend etwas Sachbücher schreibt, Psychophamaka nimmt, eine Trennung hinter sich hat, eine Psychoanalyse macht und Ora, das ist eine vierzigjährige Schneiderin, auf einer Hochzeit kennengelernt hat.

Sie schreiben sich eine Weile, bis Ora zustimmt, mit ihm in die USA zu fliegen und dann besuchen sie in zwei Wochen vier Städte, nämlich Olympia, Winnteka, San Diego und Mesa und was sie dabei erleben ist, ganz amüsant.

Sie kommen sich dabei auch sexuell näher. Zuerst bewohnen sie getrennte Zimmer, dann schlafen sie im Doppelbett und der Mann, der Stadtneurotiker, wie ihn der Klappentext schildert, erzählt von seiner mißglückten Beziehung zu Lynn. Er glaube, sie hätten eine Gute. Dann kommt er von einem Besuch bei seiner Mutter zurück und sie hat die Wohnung ausgeräumt, auch seine Sachen mitgenommen und ist verschwunden. Davon erzählt er seiner Therapeutin und als er ihr von der geplanten Reise mit Ora erzählt, glaubt er ihr Entsetzen und ihre Eifersucht zu bemerken.

Nun das kann seine Phantasie und auch die literarische Auschmückung, die Woddy Allen-Manier des Stastneurotikers sein, da das in Wahrheit nicht vorkommen sollte.

Aber auch Ora nimmt Tabletten und ist vom Leben gebeutelt. Die Zwei finden sich aber, glaube ich, auf der Reise und so ungewöhnlich finde ich es auch nicht, daß zwei Menschen miteinander verreisen und sich dabei näher kommen.

Ein leichtes Sommerbuch also, das ich Anfang September auch auf einer Reise, beziehungsweise Radtour gelesen habe, das mich an meine Amerikaaufenthalte erinnerte. Ein Buch, wo wieder ein Intellektueller, die Wunden seines Lebens hinunterschreibt und das wahrscheinlich leicht und locker zu lesen ist und die Leser auf den Geschmack nach Amerika zu besuchen bringen kann, wenn sie sich nicht, wie ich an eine solche Reise erinnern.

Vermutlich hat Michael Kumpfmüller auch eine solche Reise gemacht und ein leichtes lockeres Sommerbuch angesichts der Trump-Wahl, die in dem Buch, glaube ich, gerade stattfindet, darüber geschrieben.

Wie gesagt, obwohl ich ja nicht immer von gestörten Männerpsychen lesen will, hat mir die Amerikareise gefallen, nur, daß Michael Kumpfmüller und damit, wie am Buchrücken steht „Eines der wunderbarsten schrägen Paare der deutschen Literatur geschenkt hat“, kann ich nicht so ganz nachempfinden, weil mir die Beiden nicht so außergewöhnlich und auch nicht so schräg vorgekommen sind.

2018-09-08

Sechs Koffer

Buch fünf der heurigen LL des dBp ist Maxim Billers „Sechs Koffer“ und der 1960 in Prag geborene, der seit 1970 in Deutschland lebt, ist wohl seit seinem Roman „Esra“, der irgendwie verboten wurde, bekannt und dann wurde er für die „Literarische Quartett -Nachfolge“ offenbar als MMR-Schimpfer engagiert, was er, wie manche meinen, sehr schwungvoll tat, ich aber auch unerträglich fand, weil ich keine so Schimpferin bin.

Den Erzählband „Wenn ich einmal reich und tot bin“, habe ich im Schrank gefunden, auf meine heurige Leseliste gesetzt, werde aber wohl nicht dazu kommen, die Neuerscheinungen haben Vorrang und das Buch, das, glaube ich, im September erscheinen sollte, wurde vom Verlag vorgezogen, weil es schon vorher im Quartett, wo er jetzt nicht mehr ist, besprochen wurde.

Vorher war, glaube ich, die LL-Verkündung und ab da habe ich schon sehr viel über es gelesen und gehört, noch bevor ich es im Briefkasten hatte.

In Zürich und in Bern lag es in den Buchhandlungen auf und die Booktuberinnen, die die LL besprachen, sagten einhellig, daß sie Biller nicht „leiden“ können, weil er zu negativ, beziehungsweise zu jüdisch sei.

Das Letztere ist wahrscheinlich so zu verstehen, daß die jungen Leute, die schon in der Schule davon gelernt haben, nicht immer über den Krieg lesen wollen und auch meinen, das wäre ein Kriterium auf die LL zu kommen, darüber zu schreiben.

Nun ist Maxim Biller sicherlich ein Selbstdarsteller. Das wurde auch im „Quartett“ so besprochen und das Buch ist, denke ich, eher eine Novelle oder eine Erzählung, als ein Roman mit seinen knapp zweihundert Seiten und es scheint, um die Familie Biller zu gehen, die von der UDSSR ja zuerst die die CSSR,  später nach Deutschland flüchtetet und der Großvater wurde 1960, in Maxim Billers Geburtsjahr in Moskau hingerichtet und einer von der Familie, die vier Söhne, die Schwägerin Natalia oder vielleicht auch die Mutter sollen dafür verantwortlich sein, weil ihn den Behörden denuniziiert.

Das ist die Auslagangslange und nun wird nicht, wie ich schon gelesen habe, in diesen sechs Perspektiven, die je einen Koffer haben, erzählt, sondern Biller erzählt und das geht ungefähr so, daß er weiß, was seine Mutter oder seine Schwester etcetera denken und was sie tun, wenn sie beispielsweise alleine im Bett liegen.

Ein omnipotenter auktorialer Erzähler also und das scheint auch  zu der Rolle, die Biller im Literaturbetrieb zu spielen scheint, zu passen.

Maxim erzählt also das Buch. Das heißt, er beginnt in den  Sechzigerjahren, als die Familie noch in Prag wohnte, der Vater „Schwejk“ übersetzte und dabei fluchte und klein Maxim den Vater fragte, ob Onkel Dima den Tate umgebracht hat?

Der, der Bruder des Vaters, wird gerade aus dem Gefängnis entlassen, worin er wegen versuchter Republikflucht für einige Jahre eingebuchtet war.

Dann gibt es noch Tante Natalia, Dimas Frau, aber auch die vorige Geliebte des Vaters, die ist Filmregisseurin und von ihr geht das Gerücht, sie hätte sich durch sämtliche Betten sämtlicher Regisseure und auch Funktionäre geschlafen.

Sie verfügt auch über Dimas Geheimakte, beziehungsweise findet die, der schon größere Maxim bei dem Onkel, als der, den Fünfzehnjährigen, da ist er schon geschieden, in seine Wohnung in Zürich eingeladen hat. In Zürich lebt auch Onkel Lev, der vierte Bruder, glaube ich, in Argentinien oder Brasilien und Lev weigert sich mit den Brüdern zu reden und so geht es in dem Büchlein dahin.

Ein jeder hätte ein Motiv gehabt, den Taten an den Staat zu verraten, der glaube ich, in einem Devisenschmuggel verwickelt war. Am Ende weiß man nicht wirklich was, aber Maxims Schwester Jelena, die in London wohnt, ist es schließlich, die ein Buch über diese Familiengeschichte geschrieben hat und  im letzten Kapitel nach Hamburg reist, wo die Familie inzwischen wohnt, um ein Interview zu geben.

Da wird sie auch gefragt, wer ist es gewesen, wer hat den Opa verraten? Und „Meine Schwester sagte lange nichts, die Moderatorin schluckte laut und unsicher, und schließlich sagte Jelena „Das geht niemanden etwas an. Das verstehen Sie doch, oder?“

„Nein, das verstehe ich eigentlich nicht“, sagte die Moderatorin höflich und plötzlich sehr streng, und dann erzählte ihr Jelena, wie es wirklich gewesen war.“

So endet das Buch und Spoilergegner, aufgepasst, ich habe nichts verraten, wer und wie es war, obwohl im literarischen Quartett von Sasha Mariana Salzmann, die im Vorjahr mit ihrem Debut, das mir nicht so gut gefallen hat, auf der Shortlist stand,  glaube ich, die Seitenzahl verraten wurde, wo man das nachlesen kann.

Denn das Buch ist an dieser Stelle aus und ich denke, dem guten Maxim ist hier ein wirklicher Streich der Selbstdarstellung, alles und auch gleichzeitig nichts auszuplaudern und sich dabei trefflich in den Mittelpunkt zu stellen, gelungen.

Auf dem ersten Blick ist man davon beeindruckt, auf dem zweiten fängt man vielleicht an sich zu fragen, was interessiert mich dieses Familiengeschichte und was wird hier wirklich erzählt?

Über den Krieg und den Holocaust, wie die jungen Blogger und You-Tuber befürchten, nicht viel, eher die Geschichte einer entwurzelten Familie, die ihre Geheimnisse nicht hergegeben will. Braucht sie auch nicht wirklich, denn ich habe nichts davon zu wissen, ob das jetzt Natalia, Dima oder jemand anders war und wieviel Maxim Biller bei seiner Familiengeschichte erfunden hat?

Die sechs Koffer im Titel sind wohl eine Anspielung auf die Heimatlosgkeit der Juden und, daß die sie immer bereithalten müßen, um auf der Flucht zu sein. Sasha Mariana Salzmann meinte, daß ihr die Koffermetapher in den jüdischen Geschichten auf die Nerven gehe und sie sie für abgedroschen hält.

Um Koffer geht es in dem Buch auch gar nicht, obwohl die Familie viel herumreist und von Moskau nach Prag von dort nach Hamburg, Zürich oder Montreal kommt und eigentlich würde man nur einen Koffer, nämlich den des allwissenden Übererzählers brauchen, aber der lebt, glaube ich, inzwischen in Berlin und geht immer in die „Kronenhalle“ zum Mittag-oder Abendessen, wenn er nach Zürich kommt.

2017-08-28

Swing time

Filed under: Bücher — jancak @ 12:00
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Jetzt kommt ein Nachtrag, nämlich Zadie Smiths „Swingtime“, der neue Roman, der 1975 in London geborenen Zadie Smith, mit dem sie auch für den „Man  Booker Prize“ nominiert ist und den mir „Kiwi“ cirka eine Woche vor der Longlistbekanntgabe mit drei anderen Büchern schickte.

Vorigen Dienstag habe ich das Buch zu lesen angefangen, es bis Freitag früh, bevor wir ins Gesäuse fuhren, aber nicht fertig gebracht und auf den Berg wollte ich das sechshundert Seiten Opus nicht mitschleppen, so habe ich es heute in der Badewanne beendet.

Meine erste Zadie Smith, von der ich auch „Von der Schönheit“ und „Zähne zeigen“ im Schrank gefunden, aber noch nicht gelesen habe und in diesem Zusammenhang ist es, glajube ich, interessant zu erwähntn, daß es bei „Amazon“, wo ich ja oft hinschaue, um mich über die Meinung der anderen Leser zu informieren, viele kritische Stimmen gibt, denen das Buch nicht so gefallen hat.

Schade finde ich, denn ich war eigentlich von dem Buch sehr eingenommen, obwohl es wahrscheinlich stimmt, daß es keine wirklich plotvolle Handlung hat, sondern auf den sechshundert Seiten in chronistischen Zeitensprüngen vom Leben und Afuwachsen als Schwarze mit gemischten Elternteilen in England und auch von Gott und der Welt erzählt.

Es geht um zwei Freundinnen, zwei gemischtfarbige Mädchen, die wahrscheinlich zeitgleich, wie Zadie Smidt in einem Sohzialbezirk in London geboren wurden. Tracy und die, glaube ich, namenlose Ich-Erzählerin. Es beginnt nicht gleich, aber bald, bei einer Balletstunde, die die Kirche für die Kinder des Viertels organisiert und dort treffen sich die beiden.

Tracy wächst mit ihrer Mutter in einem Sozialbau auf, der Vater ist verschwunden, beziehungsweise im Gefängnis. Tracy schwämrt aber von ihm und erzählt allen, er wäre Tänzer bei Michael Jackson und hätte daher keine Zeit zu seiner Familie zu kommen. Die Ich-Erzählerin hat dagegen Vater und Mutter, der Vater ist Postbote, dieMutter studiert Soziologie und will ihre Tochter vom schlechten Einfluß Tracys fernhalten.

Dei Ehe wird getrennt. Die Erzählerin beginnt nach der Schule zu studieren, zwar an keinem Elitecollege, aber doch immerhin. Tracy wird Tänhzerin und tanzt oder singt dann im Chor bei diversen Musicals, während die Erzählerin persönliche Assistentin bei einem berühmten farbigen Popstar wird.

In ihren Auftrag muß sie nach Afrika, um den Bau einer Schule, die Aimee für die Mädchen dort stiftet, zu überwachen und wird dort mit ihren afrikanischen Wurzeln konfrontiert, ihre Mutter, die inzwischen Politikerin ist und sich für alle Armen und Unterdrückten einsetzt, stammt von Jamaika her.

In abwechselnden Zeitsprüngen wird diese Geschichte erzählt und man erfährt viel vom Leben in Afrika in den Hütten, wo die nach Europa emigrierten, Fernsehapparate schickten, es aber keinen Stromanschluß dafür gibt, etcetera. Die Erzählerin hat Kontakt mit zwei Lehrern an der Schule, Hawa, eine junge Frau und  Lamin, den Aimee nach Amerika holt, der sich, weil er aber Kinder will, nicht von dem alternden Popstar aushalten oder ein Verhältnis mit ihr haben will.

Es gibt eine beeidruckende Szene, wo die Erzählerin den Unterrricht Hawa, die sich später tief verschleiert mit einem gläubigen Mann verheiraten wird, verfolgt und herausbekommt, daß die Kinder gar nicht so gut Englisch können, wie sie vorgeben und vorher in der eigenen Schulerfahrung wird an die Naivität der Mittelschichtlehrer erinnert, die von ihren Schülern, die nie auf Urlaub fuhren, verlangten, nach den Ferien verlangten, einen Aufsatz über ihr schönstes Ferienerlebnis zu schreiben oder sich nach ihrem Lieblingsbuch erkundigten.

Es gibt dann einen Skandal um ein Baby Sankofa, oder Sandra beziehungsweise Kofi, das Aimee begeistert adoptiert und die Eltern, weil man für Geld ja alles tut, gerne hergeben.

Die Erzählerin, die diesen Skandal aufzuklären versucht, wird vom Popstar, beziehungsweise seiner Managerin daraufhin entlassen und muß nach England in die Wohnung ihrer Mutter zurück, die sich inzwischen, weil krebskrank, in einem Hospitz befindet.

Vorher wurde sie aber mit Mails von Tracy, die jetzt mit drei Kindern in einer Sozialwohnung sitzt und das Tanzen, wegen mangelnder Babysitter, ihre Mutter ist gestorben, aufgeben mußte, bedrängt, die sich bei ihr über die Diskriminierung der Schwarzen in England beschwert. So wird ihr Sohn trotz hoher Itelligenz in der Schule von den Lehrern übergangen, etcetera.

Ein interessantes Buch, diese „Swingtime“, das uns in das Leben der afrikanier zwischen Heimatdort und dem Leben in London, Lew York etcerta sehr viel Neues sagen kann und das mir trotz des nicht so durchgeplanten Plots auch sehr gefallen hat, leben wir ja in der Zeit der Flüchtlingskrise, wo die Identitären und andere Gruppen  vehemt gegen die Zuwanderer kämpfen und wir vielleicht gar keine Ahnung haben, wie es in Afrika, den Slams oder auch an andderen Orten zugeht, bevor die jungen afrikanischen Männermit dem ersparten Geld ihrer Familie und den hohen Ansprüchen, die an sie gesetzt werden, die Flüchtlingsboote besteigen und die vorher vielleicht ein Video der IS gesehen haben, bei dem nur an dem Rhythmus interessiert waren und das andere gar nicht verstanden waren.

2017-08-23

Über das Schreiben

Filed under: Bücher — jancak @ 00:23
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Bevor es ans Buchpreislesen geht, Charles Bukowski „Über das Schreiben“, ein Buch, das schon im Frühjahr erscheinen sollte und man irrtümlich für einen Schreibratgeber halten könnte.

Vielleicht sind das die „Briefe an meine Weggefährten und Gönner“, des 1920 als Heinrich Karl Bukowski in Andernach am Rhein geborenen Autor, den man, wie am Buchrücken steht, Untergroundautor nennen kann auch.

Statt Untergroundautor könnte man wahrscheinlich auch Angehöriger der Beatgeneration sagen und irgendwie hatte ich den Namen im Gedächtnis, als ich das Buch, am Cover ist ein Whiskyglas“ zu  sehen bestellte.

Schaute ich in meinem Bibliothekskatalog nach, fand  den Gedichtband „Flinke Killer“ und kann so schnell nicht sagen, ob ich ihn gelesen habe.

Also ein  bißchen in kalte Wasser gesprungen.

„Kiwi“ ist nicht ganz schuldlos daran, gibt es zwar im Netz auf der Verlagsseite einen Lebenslauf, im Buch aber nicht. Das beginnt mit dem „Vorwort des Herausgebers“, Abbel Debritto, beziehungsweise eigentlich mit einer Zeichnung, denn das war Charles Bukowski wohl auch und der Herausgeber läßt gleich wissen, „daß es praktisch unmöglich ist, die Briefe in der reinen Textform wiederzugeben“ und da kommt man gleich auf etwas, das mich aufhorchen ließ, nämlich die Rechtschreibung.

Mir wird ja immer vorgeworfen, ich hätte soviel Fehler könne nicht rechtschreiben und kiefle dann daran, weil ich das ja eigentlich nicht will, aber muß oder sollte, denn wenn man einen Rechtschreibfehler hat ist man gleich unten durch.

Dem saufenden Undegroundpoeten war das offenbar egal und er hat geschrieben, wie er wollte oder konnte. Also eigentlich bewunderswert.

Es kommt dann später einiges, an dem ich mehr zu kiefeln hatte, zuerst aber ein Foto des Herausgebers, die Erkenntnis kein Lebenslauf, was sich dann nicht als nicht so schlimm herausstellen sollte, denn erstens gibts ja „Wikipedia“, zweites ist der in den Briefen selbst mehrmals enthalten und Bukowski scheint auch besonders gerne zu betonen, daß er 1920 in Deutschland geboren wurde, dann setzte er meistens sein momentanes Lebensalter hinzu.

Die Briefe beginnen 1947 und enden 1993. Im März 1994 ist der Autor in San Pedro gestorben und wenns schon keinen Lebenslauf gibt, gibt es wenigstens ein Personen und Sachregister, also ein Verzeichnis der Personen an die Bukowski seine vielen Briefe geschrieben hat.

Das ist aber leider nicht ganz vollständig und manchmal sind den Briefen, die Angaben, wer der Adressat war und warum Bukowski das geschrieben hat, auch vorangestellt.

Genau genommen ist das Buch also ein Lebenslauf und in den Briefen an die Weggefährten, erfährt man  auch einiges über das Schreiben, denn der Autor, der vielleich,t wie ich ein Schreibbesessener gewesen ist, schreibt sehr viel darüberund die meisten Adressaten sind Beatpoeten oder Herausgeber von Literaturzeitschriften, bei denen Bukowski publiziert oder jedenfalls hingeschickt zu haben scheint.

Der erste Brief stammt aus 1945 und ging an die Mitherausgeberin des Magazins „Story“, wo Bukowski erstmals publiziert hat:

„Ihr Ablehungsschreiben habe ich erhalten, zusammen mit dem formlosen KKommentaren Ihrer Lektoren. Klingt als wäre das was für mich. Bitte melden Sie sich, wenn sie einen weiteren Lektor benötigen. Ich finde nirgendwo Arbeit, daher dachte ich, ich probier es mal bei Ihnen“

Klingt interessant und originell und wenn man dann doch an den inzwischen gefundenen Lebenslauf geht, bekommt man heraus, daß der in Deutschland geborene Sohn eines Besatzungssoldaten, 1923 mit seinen Eltern in die USA ging.

Dort begann er sehr früh zu trinken, hatte 1954, das ist schon ein paar Briefe später, einen Magendurchbruch, wo er in einem Armenspital behandelt wurde, auf das er sich öfter in seinen Briefen bezog.

Er lebte von Glegenheitsjobs, was er auch öfter beschrieb und sein Schreiben begann in drei Phasen, zuerst kamen die Erzählungen, bis zu eben jenen Magendurchbruch, dann die Gedichte, die er an die verschiednenen Kleinverleger schickte, die die Texte mal nahmen und mal auch nicht.

Interessant ist auch, daß Bukowski nie mit Durchschlag schrieb und auch nie vermerkte, wem er was geschickt hat und was davon veröffentlicht wurde.

Noch viel später hatte er auch eine Kolumne, er hat auch lang in einem Postamt gearbeitet und darüber einen Roman geschrieben.

Als bekannter Schriftstellernamen, auf den er sich bezieht, taucht immer wieder Hemmingway auf und dann das, was ich bedenkelich finde, Lous Ferdinand Celine, den er als großes Vorbild nannte, der aber, glaube ich, auch ein großer Antisemit war.

Da gibt es eine Stelle in den Briefen in der er sich darauf bezieht und dann schreibt er seinen Freunden und Weggefährten auch viel übers Schreiben, beschwert sich einmal, daß man jetzt auch unbekannte Autoren oder Musiker näme und dafür Beethoven aus der Rangliste herausschmeißen würde, ja richtig, für Musik scheint sich das Rauhbein, daß sich auch sehr intensiv herumgevögelt haben dürfte und mehrmals geschieden oder verheiratet war und eine Tochter hatte, auch zu interessieren. Einmal beklagte er sich, daß ihm der Erfolg nicht so beschieden war, er wurde einmal auch bei einnem Stipendium abgelehnt und einmal beschwert er sich über eine Feministin, die sich über seine rauhe Sprache, beziehungseise seine Beschreibung einer Vergewaltigung beschwert.

Es gibt einen Brief an Henry Miller, den er im August 1963 geschrieben hat, dem waren  einige Zeichnungen beigelegt, die auch in dem Buch abgebildet sind.

Allmählich wird der berühmt, die größeren Verlage fragen an und er bekommt in Carl Weissner einen Übersetzer, der ihm im deutschen Sprachraum bekannt macht.

Bei dem beklagt er sich über seinen Verleger, John Martin, der ihm zuviel beschnitten und verändert hat.

„Irgendwie habe ich den Eindruck, er präsentiert mich ständig ein bisschen normaler und angepasster, als ich bin!“

Aber, wie er 1986 an Kurt Nimmo, keine Ahnung, wer das ist, da hier die biographische Angabe feht, schreibbt: „Ich will aber keinen Kleinkrieg mehr … mit Martin. Ich will nur meinen Wein trinken und an der Schreibmaschine sitzen.“

Er will auch keine kreativen Writingseminare, macht sich über die, auch wenn er eine Einladung, als Dozent bekommt gehörig lustig und auch über die Lyrik fällt er entsprechend her.

„Wenn die Jungs auf dem Schulhof Lyrik nicht mögen, sie sogar als Hobby für Weicheier verachten, dann haben sie nicht ganz unrecht.“

Und 1990 schreibt er: „Seminare, Seminare sind für Dummies. Ein Gedicht zu schreiben, ist nicht schwerer, als sich einen runterzuholen oder eine Flasche Bier zu trinken. Schauen Sie, hier kommt eins:

mutter sah den waschbärn, sagte mir meine Frau ach, sagte ich so viel zum stand der dinge an diesem abend.“

Später probiert er sich auch am Computer und schreibt 1992 an Jack Grapes, auch keine biografische Angabe,

„So siehts aus. In der Zwischenzeit tue ich mein bestes Mensch zu bleiben. Heißt. ich spreche mit meiner Frau, streichle die Katze, sitze auf dem Sofa und gucke Fernsehen, wenn das geht, oder lese auch nur die Zeitung von vorne bis hinten durch, gehe früh ins Bett. 72 zu sein, ist nur ein weiteres Abenteuer. Mit 92 blicke ich zurück und lache darüber. Nein, ich bin genug rumgekommen. Am Ende ist es doch immer derselbe Film. Nur dass die Gesamtsiutation nicht unbedingt schöner wird. Trotzdem, ich hätte nie gedacht, dass ich das noch erlebe, und wenn ich irgendwann gehe, bin ich bereit.“

Das ist fast ein Schlußwort. Trotzdemdem gibt es 1993 noch einen Brief an Joseph Parisi und ein Foto des „angry old man“, der aber ganz freundlich in die Kamera schaut.

„Kiwi“ hat noch ein paar weitere Bücher von Charles Bukowski verlegt, die man im Anhang finden kann. Das vom „postoffice“ heißt auf Deutsch „Der Mann mit der Ledertasche“.

2017-03-26

Evangelio

Filed under: Bücher — jancak @ 23:11
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Wir haben jetzt ein Luther-Jahr, denn Martin Luther hat ja 1517 seine Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen und das schlägt sich auch  in der Literatur nieder, wo es viele neue Bücher zu diesem Thema gibt, darunter  einen Luther Romandes 1964 in Anatolien geborenen Feridun Zaimoglu, der einmal den Bachmann-Preis gewonnen hat, Preisträger der „Literaturhäuser in Leipzig“ war und desen „Siebentürmeviertel“, ich vor einem Jahr gelesen habe, als es auf der Longlist stand.

Und ich bin ja eine, die sich bei der Auswahl ihrer Bücher nach den Namen der Autoren, weniger nach ihrem Inhalt richtet und so bin ich erst daraufgekommen, daß es dabei um Martin Luther geht, als ich es schon aufgeschlagen hatte. Dann habe ich vorübergehend zu lesen aufgehört und nach ein paar anderen Büchern, beispielsweise zu denen aus dem „Kremayr&Scheriau-Verlag“ gegriffen, denn ich wußte ja, daß ich bald nach Leipzig fahre und da nehme ich mir ja gerne etwas „Deutsches“ beziehungsweise etwas von einem Leipziger Autor mit, dachte an Clemens Meyer dabei, da ich aber noch einige Rezensionsexemplare auf meiner Leseliste hatte, habe ich umdisponiert, als ich die Wörter „Eisenach“ und  „Wartburg“ las,  mir „Evangelio“ mitgenommen und im Auto auf der Fahrt nach Leipzig weitergelesen.

Was vielleicht ein nicht ganz so guter Einfall war, denn ich bin ja keine Luther-Expertin und Feridun Zaimoglu ist, was ich eigentlich schon von den „Siebentürmebviertel“, das mir ja sehr gut gefallen hat, wußte, nicht sehr leicht zu lesen und diesmal hat sich der in Anatlolien geborene Autor auch noch in die Sprache des sechzehnten Jahrhunderts hineinversetzt und es mir damit nicht leicht gemacht.

Obwohl, um sehr viel Handlung geht es dabei ohnehin nicht, denn das, was in dem Buch passiert, steht eigentlich schon im Klappentext.

Von Mai 1521 bin März 1522 wurde Luther, über den ja ein Bann ausgesprochen war, auf der Wartburg festgehalten und hat dort die Bibel ins Deutsche übersetzt.

Feridun Zaimoglu hat sich dafür einen Erzähler namens  Burkhard, einen katholischen Landsknecht, der den Professor, beschützen oder bewachen sollte, ausgedacht und der hat eine sehr derbe,  mittelalterliche Sprache und erzählt sich auf diese Art und Weise durch das Buch.

Dazwischen gibt es auch immer Briefe Luthers an den“Hernn Georg Spalatin, kurfürstlichen Rat und Hofprediger“ oder „an den hochgelehrten Melanchton, meinen Bruder im Geiste“, beispielsweise, die das Ganze etwas genauer dokumentieren und immer mit den kirchlichen Datum, wie beispielsweise „Am Tage der Teilung der Apostel, da Herr Jesus ihnen Vollmacht über die unsaubernen Geister gab“, unterzeichnet sind.

Am Beginn des Buches steht ein Zitat von Martin Luther „Oft plagte mich der Satan durch seine Erscheinungen, ganz besonders auf jener Burg, in der ich einige Zeit lang gefangen wurde“, auf das sich das Buch auch bezieht und  am Schluß gibt es Feridun Zaimoglus Danksagung in der er die Orte aufzählt, die er zur Recherche aufgesucht hat, die Wartburg und das Lutherhaus in Eisenach beispielsweise und auch dazuschreibt, daß er mit einen Freund laut die mittelalterliche Sprache übend, durch die Gegend gezogen ist.

„Gelobt der der Herr in der Höh“, lautet der letzte Satz der Danksagung und das ist auch ein Zitat aus dem Buch, in dem Deutsch mit harten „T“ geschrieben wird und das wirklich von kräftigen Ausdrücken nur so wimmelt, so daß man sich wahrscheinlich ein  gutes Bild vom Leben im sechzehnten Jahrhundert machen kann, wo gesoffen, gehurt und mit dem Schwert in der Hand herumgezogen wurde, die Frauen als Hexen verbrannt und aus Kinderleichen Kerzen erzeugt wurden.

Das habe ich sehr spannend empfunden, über Marthin Luthers Leben hat mir die Ute in Leipzig einiges erzählt, die ja  Christenlehrerin ist. Man kann den Lebenslauf aber nachgooglen und in Leipzig auf der Messe wurden auch einige Bücher vorgestellt, wo man  das Leben Luthers und seine Auswirkungen auf die Geschichte und die Welt nachlesen kann.

„Auch wenn es der Klappentext vermuten läßt, ist es kein Historienroman“, habe ich bei „Amazon“ gelesen und war  durch das deftige Mittelalterbild, das mir Feridun Zaimoglu vermittelte, sehr beeidruckte, auch wenn ich mir den gelehrten Professor oder Ketzer, wie ihn der Landsknecht Burkhard mehrmals nennt, nicht so besonders gut vorstellen konnte, von der Bibelübersetzung, „Biblia“, wird sie in dem Buch genannt, nicht viel mitbekommen habe und auch etwas verwirrt darüber war, wieviel der Landsknecht mit seinem Schutzbefohlenen durch die Gegend gezogen ist, wo ich ja von der Gefangenhaltung in der Wartburg ausgegangen bin.

Aber spannend, einen so deftigen Einblick in die Luther-Zeit erhalten zu haben und, daß sich ein in Anatolien Geborener so intensiv in das deutsche Mittelalter hineinversetzt hat, finde ich ganz besonders interessant.

 

2017-03-13

Tiere für Fortgeschrittene

Weiter geht es mit den Neuerscheinungen und  mit den Tieren. Denn „Kiepenheur & Witsch“ hat dieses Frühjahr gleich zwei Bücher herausgegeben, die „Tiere“ im Titel haben.

„Tierchen unlimited“ und „Tiere für Fortgeschrittene“ und der Unterschied ist, daß es sich bei Eva Menasse, um eine Erzählsammlung handelt und man könnte jetzt noch kritisch anmerken, daß ich mich eigentlich weder für Tiere noch für Erzählbände so besonders interessiere.

Aber ich bin eine Namensammlerin und wähle meine Lektüre bevorzugt nach den Autorennamen aus und Eva Menasse, die Halbschwester vom Robert, 1970 in Wien geboren, seit 2003 in Berlin lebend, kenne ich wahrscheinlich spätestens durch ihren Roman „Vienna“ für den ich eine meine ersten „Thalia-Rensionen“ geschrieben habe, die auch erschienen ist.

„Mit den „Quasikristallen“ hat sie den „Alpha“ und auch andere Preise bekommen und wie im Klappentext steht eine Sammlung mit skurillen Tiergeschichten, die sie in Zeitungen fand.

Grund genug daraus Geschichten zu schreiben, die das moderne Großstadtleben mit seinen Höhen und Tiefen beziehungsweise Alltagskurlitäten, die das Leben und das Sterben umfassen.

Das Buch ist dem 2014 verstorbenen Filmemacher Michael Glawogger gewidmet und im Anhang gibt es eine Liste, wo die Tierzitate erschienen sind.

„Schmetterling, Biene, Krokodil“ heißt die erste Geschichte und der Notiz ist zu entnehmen, daß Bienen und Schmetterlinge ihre Nahrung an seltsamen Orten finden, so setzten sie sich beispielsweise auch auf Krokodile, um deren Tränen aufzusammeln und dann kommt die Geschichte von einer Tom genannten Frau, die mit ihrem Sohn und den zwei Kindern ihres Mannes Georg in einer Patchworkfamlie lebt.

Eine Woche sind die beiden Kinder, Karo und Jonas bei der Mutter, die andere beim Vater und bei ihr und das führt zu Überlebenskämpfen, denn, die Mutter ist so unzufrieden und beschuldigt Tom immer die Kinder schmutzig oder unvollständig angezogen zurückzubringen, so daß sie alle ihre Kleider zweimal kaufte und in den Kleidungsstücken auch Erkennungszeichen angebracht hat. Jetzt geht es aber eine Woche in eine „Touristenfabrik“ in die Türkei, das heißt in einen all inclusive Urlaub ans Meer.  Aber Tom ist nicht gut drauf, ist doch gerade ihr Jugendfreund Martin gestorben und dann spricht sie in dem Hotel noch ein alter Mann an, der sie für seine Schwester hält.

Interessant, die Assoziationskette könnte man meinen und vielleicht nicht viele Übereinstimmungen finden, aber Eva Menasses Erzähleisterschaft, die aus „pointierten Witz, Geheimnis und melancholischen Ernst“ besteht, wird im Klappentext ausdrücklich gelobt.

In „Raupen“ geht es um die „Tabakschwärmerraupen“, die sich ungewollt selbst ihr Grab schaufeln und das erscheint wahrscheinlich jenem alten „Despoten“ als Ausweg, dessen Frau an Demenz erkrankt ist und der sich jetzt gegen die Veränderungen, wie Wohnungsumbau, Annehmen von Dienstleistern beziehungsweise Pflegehelfern zur Wehr setzt,  die ihm seine Töchter aufschwatzen wollen,  in dem er sich, in den zur Pensionierung geschenkt bekommenen Direktorensessel setzt, sich Pornofilme auflegt und an seiner eigenen Todesanzeige schreibt.

Und die „Igel“, die in den von Mc Donald`s erzeugten „Mc Flurry Eisbechern“ verhungern, tauchen dann in Geschichte drei, wo es, um ein Luxusweibchen geht, das nichts gelernt hat und nichts kann, als Champagner zu trinken und sich von ihrem erfolgreichen Ehemann aushalten zu lassen, tatsächlich auf.

Sie rettet einen solchen armen Igel in einem Luxushotel, wo das Paar, beziehungsweise, die Frau Urlaub macht, der Gatte mußte dazwischen zu seinen Aufsichtsratsitzungen und angelte sich einen Liebhaber  und hat  dabei höchstwahrscheinlich ein liebesleeres Leben, wie das bei den nichtberufstätigen Luxusweibchen eben so ist.

Zu den „Schafen“, die ihre Wolle selbst abwerfen, ist Eva Menasse eine bizarre Geschichte von einer Kolonie eingefallen, in die während oder nach einer Krise, vielleicht ist die Welt zusammengebrochen, eine Reihe von ausgewählten Wissenschaften und Künstlern eingeladen werden, um eine unbestimmte Aufgabe zu lösen. Schafe gibt es dort nicht, nur Blattläuse und Mücke, eine Katze, die man nicht füttern und Zitronen die man von bestimmten Stellen nicht pflücken darf.

In Amerika wurde einmal ein betrunkener Autofahrer dabei erwischt, daß er ein totes „Possum“ wiederbeleben versuchte, das läßt Eva Menasse jetzt einen bekannten Regisseur bei einem Reh machen und da ihre Protagonisten ja bevorzugt der Mittelschicht, den Intellektuellen, sowie den Reichen und den Schönen angehören, haben diese dann auch Probleme, wenn sie so offen und „multikulti“ sind, daß  sie ihre Kinder in eine öffentliche Schule geben wollen.

Wie das mit dem „Hai“ im „Haus des Meeres“ zusammenhängt, habe ich nicht ganz verstanden oder ja, denn der gehört dort eigentlich nicht hinein.

Das Kletterverhalten von „Schlangen“ bringt Eva Menasse zu einer komplizierten Beziehungsgeschichte, beziehungsweise einen Neuanfang, in dem ein abgeschlagenes Bein eines Tisches eine große Rolle spielt und, daß „Enten“ gleichzeitig schlafen, als auch nach Feinden Ausschau halten können, habe ich schon irgendwo gehört.

Eva Menasse macht eine Urlaubsreise daraus, die von Panikattacken und Flugangst gequälte Jenna fährt mit ihrem Mann Ben und dem Sohn Sammy im Auto auf Urlaub nach Italien. Dabei machen ihre Kleinhirnhälten gleich mehrere Arbeitsprozesse durch. Geht sie dabei doch in die Holocaustvergangenheit ihrer Familie zurück, während sie sie sich mit ihrem Mann beim Fahren abwechselt, den kleinen Sohn beruhigt und ihm schließlich ein Kuscheltier in einer Tankstelle kauft.

Grandiose Meisterleistung diese Verbindung von tierischen Eigenschaften zu menschlichen Schicksalen und ihren Neurosen, Ängsten, könnte man so sagen.

Manches war  für mich leicht nachvollziehbar, anderes, wie schon erwähnt, eher schwierig bis unverständlich und am Cover prangen neuen Käfer und schillern von grün bis rot in allen Farb-und Formnuancen, obwohl von Käfern in den acht Geschichten eigentlich auch nicht die Rede war.

2017-03-11

Die Sache mit Norma

Das nächste Buch der Frühjahrsneuerscheinung ist Sofi Oksanen, die sich neuerdings zusammenzuschreiben scheint „Die Sache mit Norma“.

„Ein magischer Roman“, steht im Klappentext, was mich zuerst ein wenig irritierte, habe ich doch von der 1977 geborenen, estnisch-finnischen Autorin „Stalins Kühe“ gelesen und das war alles andere, als Fantasy oder märchenhaft und von den Schreibschulen, für die ich mich ja auch sehr interessiere, habe ich noch im Gedächtnis, daß man niemals, unter gar keinen Umständen, genauso wie nicht selber publizieren,  die Genres vermischen darf.

Man kann natürlich, wenn man es versteht, wie Sofi Oksanen meisterhaft beweist und so ist ein erstaunlich frischer Roman herausgekommen, der in einem neuen Ton von den vielleicht schon allbekannten Schrecken und Schurkereien erzählt und das Märchenhafte damit schließlich auch zu einem Thriller macht.

„Ein eigensinniger Roman mit einer klaren Botschaft!, steht weiter im Klappentext und es fängt ganz harmlos auf einen ländlichen Friedhof irgendwo in Finnland an.

Normas Mutter, die sich in Helsinki auf die U-Bahnschienen stürzte, wird beerdigt.  Die demente Großmutter, die Tante, der Pfarrer begeben sich zum Leichenschmaus und Norma macht sich auf den Weg nach Helsinki wo sie mit ihrer Mutter wohnte, zurüclkzufahren, als sie von einem Mann angesprochen wird, der sich als ein früherer Bekannter der Mutter vorstellt.

Norma flieht und will sich auf kein Gespräch einlassen und sie wird, wie das in Zeiten, wie diesen so üblich ist, bald entlassen.

Die Mutter, die früher bei der Post tätig war, wurde das auch, so daß sie zuletzt in einem Haarsalon arbeitete und der, stellt sich bald heraus, gehört einem Max Lambert, also jenen Mann und der ist kein früherer Bekannter, sondern der Ex-Mann von Normas Mutter Freundin Helena, die verrückt geworden, in einer Psychiatrie lebt.

Marion deren Tochter leitet den Haarsalon in der Normas Mutter Anita bis zu ihrem Tod, sie ist gerade von einem Bangkogaufenthalt zurückgekommen, leitete und Norma stellt sich bald heraus, die Sache mit Norma ist, daß ihre Haare, wie die vom Rapunzel wachsen und wachsen und das hat sie von einer geheimnisvollen Eva, der verstorbenen Urgroßmutter, die das offenbar doch nicht ganz ist, denn sie geistert immer noch in Normas Kopf herum und Norma kann noch mehr, sie kann an den Haaren riechen, ob Menschen krank sind, was sie gegessen habe, etcetera….

Die Haarsalons, die Lambert gehören, stellen Haarverlängerungen her und beziehen die Haare aus der Ukraine. Lambert hat auch Leihmütterfabriken, beziehungsweise plant er ein solches Imperium aufzubauen und Anita, stellt sich bald heraus, hat ihnen die Haare aus der Ukraine geliefert.

Die waren aber nicht von dort, sondern von Norma, was niemand wissen durfte. Also jagen die Lamberts dem Geheimnis nach und Anita ist nach Bangkog geflogen nicht um dort Urlaub zu machen, sondern um diesen Machenschaften auf die Spur zu kommen.

Nun ist sie tot, wie die Überwachungskameras zeigen, eindeutig selber auf die Schienen gesprungen und Norma, die vom Clan mit der Mutter Schulden konfrontiert wird und nun selber in dem Salon arbeitet, versucht die Sache aufzuklären.

Nicht ganz leicht zu lesen, diese Mischung eines Märchen mit der harten Wirklichkeit, die noch zu einem Thriller gesteigert wird, aber originell und nachdenken über die Welt, wo die armen Mädchen in den Entwicklungsländern zu Zwangsabtreibungen beziehungsweise Leihmütterschaften gezwungen werden, kann man auch, wenn dabei von übernatürlich wachsenden Haaren erzählt wird.

Vielleicht sogar um so besser, denn das ist neu und leicht und locker und so gesehen hat mich Sofi Oksanens magischer Roman überrascht und ich zähle ihn, wie wahrscheinlich auch Julian Barnes Künstlerroman über Dimitri Schostakowitsch zu den Higlights dieses Frühling.

Und, das kann ich vielleicht auch noch verraten, die Sache mit Norma geht scheinbar gut aus, Dimitri Schostakowitsch ist aber möglichetrweise daran zerbrochen, daß Stalin ihn leben ließ und ihn immer wieder neue Orden in die Hand drückte.

2017-02-20

Tierchen unlimited

„Hart, mitreißend und wahr: an einem Tag weggelesen, schallend gelacht“, schreibt Feridun Zaimoglu über das Debut des 1981 in Sarajewo geborenen Berufschullehrers Tiljan Silan, der wohl viel aus seiner Schule plaudert und in einem sehr harten, manchmal etwas slapstickartig übertriebenenen Ton das Hin- und Herpendeln zwischen Verletzung und Härte, Traum und  Wirklichkeit seiner traumatisierten Schüler oder derer, die jetzt mit Migrationshintergrund aus Syrien oder Afghanistan mit ihren unverarbeiteten Erlebnissen in einer Welt der Härte, Verständnislosigkeit, des Mulitkultikampfes und der Pegidademonstrationen aufwachsen.

„Die Geschichte eines Jungen im bosnischen Bürgerkrieg, seiner Flucht nach Deutschland und das Leben unter deutschen Neonazis“, erklärt uns der Buchrücken und es beginnt gleicherweise dramatisch und vielleicht gar nicht so komisch mit einer Flucht nackt auf dem Rennrad.

Der Ich-Erzähler wurde vom Bruder seiner Freundin Leonie aus dem Bett geprügelt, flieht so in das Krankenhaus nach Frankenthal, wo er seine Schulfreundin Sarah-, die inzwischen Polizistin geworden ist, interessant die Rollenumkehr in Silas Werk, die ich als ironisch interpretieren würde, die Mutter ist Physikerin, der Vater hat Bibliothekswissenschaften studiert und die Schulfreundinnen, deren Brüder Neonazis sind, werden alle Polizistinnen, der Ich-Erzähler studiert dagegen, wie sein Autor Germanistik und später Bibliothekswissenschaft, -widertrifft, die nimmt für ihn die Rache in die Hand, nennt ihn „Mausi“ oder braver Kerl, dabei war das Leben in den Neunzigerjahren in dem kriegsgeplagten Sarajewo, die Eltern sind mit dem Sohn 1994 nach Deutschland gegangen, gar nicht so brav, sondern hart und er stahl mit seinen Freunden am Markt, den alten Frauen Pornohefte, die er dann mit den Soldaten gegen Luchpaketen tauschte und, als er schon in Deutschland war, ging es-, die Flucht wird wahrscheinlich ebensowenig komisch, vielleicht ist das die Schilderung, wohl aber nicht die Realität, in einem überhitzen Bus geschildert, wo sich alle bis zur Unterwäsche ausziehen müssen, dabei entsetzlich stinken und sich, weil sie nicht hinauskönnen, auch anmachen müssen und er zuerst in eine Hauptschule kam, weil seine akademischen Eltern, das deutsche Bildungswesen nicht verstanden, aber die Mutter hat ihren Traum, als Hilfsdozentin auch nicht wahrmachen können und was macht ein studierter Bibliothekswissenschaftler in Deutschland, wenn er kein Wort dieser Sprache spricht,  -weiter mit dem harten und wahrscheinlich nicht so komischen Leben, das, die mit dem Migrationshintergrund und wahrscheinlich auch die ohne in den überfüllten Hauptschulen erleben.

Siljas Held erlebte seine Jugendlieben mit den Schwestern von Nazibrüdern, die ihm dann eben aus dem Bett prügelten, studiert später in Heidelberg und geht mit seiner Studienkollegin Grace, die aus Taiwan kommt, einbrechen.

Da stiehlt er auch einmal ein Auto, wird vom Verfassungsschutz beobachtet und eine Melanie kommt vor, die eigentlich Schriftstellerin werden will, aber auch Polizistin wird und, die er für die strenge Sarah beobachten soll und am Schluß endet das Ganze in einem Traum.

Dem Helden wird, das am Ende des Buches, das mir ein bißchen ungeordnet erzählt erschien, da ist die Zusammenfassung geordneter, aber Traumatisierungen verlaufen eben nicht gradlinig, sondern ungeordnet und in Flashbacks, klar, das mit „In einem Moment halben Bewusstseins verstand ich, dass ich schlief und träumte“ endet und ich habe wieder ein sehr interessantes Debut gelesen, von dem ich nun gespannt bin, was ich von dem Buch noch hören werde und, ob und auf welche Short- oder Longlist es kommen wird, das uns in sehr harten Worten, die mich eigentlich abschrecken hätten sollen, denn ich mag keine Aggressivität, von dem Leben und Aufwachsen im Krieg und dem Leben nachher in der neuen Heimat unter lauter wirklichen oder vermeintlichten Neonazis erzählt.

Dazu noch zwei Anmerkungen oder Kritikpunkte, erstens habe ich den Titel nicht ganz verstanden und zweites wies das Buch, das ich mit einer Schutzhülle, dreimal, also in drei Tagen gelesen habe, nach der Benützung deutliche Gebrauchsspuren und einen zerrissenen Buchrücken auf, was eigentlich nicht sein dürfte, da ein Buch mit einem so wichtigen Thema  länger haltbar und auch mehrmals gelesen werden können sollte.

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