Literaturgefluester

2018-01-17

Vom Partisanenworkshop zur Wiener Filmdystopie

Der Mittwochnachmittag gehört ja schon seit fast einem Jahr der Literaturwissenschaft, sprich dem Centropeworkshop im vorigen Semester und in diesem der Partisanenliteratur.

Da habe ich ja in den Weihnachtsferien „Der Tod heißt Engelchen“ gelesen. Dann gehört auch noch Italo Calvino „Wo Spinnen ihre Nester bauen“ dazu. Das war vorige Woche dran, diese Woche habe ich in einer alten russischen Ausgabe von Alexander Fadejews „Die junge Garde“ mit sehr schönen Illustrationen geblättert. Der 1901 geborene sowetische Schriftsteller der Stalins Kulutrupolitik, wie ich in „Wikipedia“ las, sehr unterstützte und auch einige Schriftsteller verbannen ließ, hat sich 1956 umgebracht und ist wahrscheinlich inzwischen fast vergessen. Zumindestens habe ich noch nicht sehr viel von ihm gehört, bekomme da also am Mittwoch Nachmittag von Stephan Teichgräber, dem Slawistien, der die Bücher meist in Originalsprache liest, Nachhilfeunterricht. Dann haben wir uns auch noch vielleicht nicht ganz zum Thema passend mit Peter Esterhazys „Produktionsroman“ beschäftigt, der glaube ich, eine Parodie auf den sozialistischen Realismus darstellt und von Terezia Mora ins Deutsche übersetzt wurde.

Dann habe ich mein neues Buch, das gestern von der Druckerei gekommen ist, bezahlt. Vorher habe ich meine Beleg- und Werbeexemplare weggeschicht und ein Buch, wie ich das schon länger mache, in den „Wortschatz“ mit einer Widmung hineingelegt.

Ich hoffe, es findet seinen Leser. Dann hatte ich noch eine Stunde und hätte eigentlich ins Literaturhaus zur oberösterreichischen Literatur oder in die „Gesellschaft“ zu einer Kafka-Veranstaltung gehen wollen.

Dann ist aber eine Filmdystophie, für die der ORF sehr viel Werbung macht, so daß ich in den letzten Tagen in Ö1 öfter davon hörte, dazwischen gekommen und ich mag ja Romane wie der „Circle“, „1984“ oder „Schöne neue Welt“ und diesmal ist, glaube ich, auch noch ein bißchen die Verarschung der Psychologie oder der Leistungsgesellschaft dazugekommen.

Nämlich „Life Guidance“ von Ruth Mader, wo Martin Leidenfrost das Drehbuch geschrieben hat und der Lobbyist Alfons Mennsdorf-Pouilliy mit einem Gewehr auftritt.

„Life Guidance“ zeigt ein Wien nach der Gleichschaltung: eine Armee von <leistungsträgern steht dem mit Schlagermusik sedierten Volk gegenüber“ steht in der ORF-Beschreibung.

Die dürfen keine Gefühle zeigen, sehen alle gleich aus, bewegen sich wie Marionetten und wenn sie auffallen, werden sie einem „echten Rorschachtest“ mit einer „falschen“ Anweisung unterzogen, bekommen eine Anpassungsstörung diagnostiziert, wenn sie sagen, daß man „Freiheit und Transparenz nicht gegeneinander ausspielen soll“, sowie einen „Llife-guidance Berater“, während in den Schlafburgen, die sedierten  „Unterschicht-Zombies“ herumwanken.

Das spielt sich im „Karl Marx Hof“ ab, was vielleicht eine ironisierte Verbindung zum realen Sozialismus und der „Dokumentationsstelle für ost und mitteleuropäische Literatur“ sein könnte und die Leistungsträger residieren in der WU, während sich die Überwachungszentrale im ORF-Zentrum am Küngiglberg befindet, deshalb vielleicht die viele Ö1 Werbung.

Also ganz schön ironisch, aber auch ziemlich unlogisch und wiedersprüchig, obwohl ohne Zweifel auch sehr spannend und vielleicht gar nicht mehr soviel von unserer alltäglichen Wirklichkeit entfernt, nur sehr überhöht, aber das muß, habe ich inzwischen gelernt, Literatur ja sein und die Filme höchstwahrscheinlich auch.

In der Beschreibung steht noch etwas, daß die Reaktionen bei der Pressevorführung zwischen „Begeisterung zu fad, platt und schon hundertmal gesehen“ reichte.

Ich würde sagen, für mich lag es in der Mitte. Spannend wars, aber nicht logisch zu erkklären und das leere Wien mit den Leistungs- und  Unterschicht-Zombies“ auch irgendwie beklemmend.

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