Literaturgefluester

2018-07-08

Zweiundvierzigstes Bachmannlesen

Filed under: Literaturbetrieb,Literaturpreise — jancak @ 12:04
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Ich bin ja ein großer Fan des Bachmannpreises, verfolge ihn eigentlich seit seiner Gründung 1977, als in Nachfolge der Gruppe 47 von Marcel Reich Ranicki, Humbert Fink und ich glaube Ernst Willner ins Leben gerufen, obwohl es damals für eine Nichtfernseherin wahrscheinlich sehr schwer war, etwas mitzubekommen.

Nicht desto trotz hat Gert Jonke ihn gewonnen und ich habe oder hätte immer gerne dort gelesen, aber als realistisch schreibende Selbstdarstellerin wahrscheinlich keine Chance.

Das weiß ich jetzt, damals habe ich es nicht gewußt und habe auch, glaube ich, zweimal oder dreimal einen Text an die Juroren geschickt.

Seit man aber eine Verlagsempfehlung haben muß, tue ich das nicht mehr. Obwohl was würde passieren, wenn ich es trotzdem täte? Würde ich da eine Verwarnung kriegen?, habe ich mich damals, als das eingeführt wurde, bei den Orgnisatoren beschwert und seit es Internet gibt verfolge ich die Texte und das Lesen natürlich ganz besonders und war einmal, ein einziges Mal in meinem Leben, nämlich 1996, auf eigene Faust und eigene Kosten sozusagen live dort.

Jetzt würde ich wahrscheinlich auch eine Einladung brauchen, um am Eröffnungsabend teilzunehmen, aber die würde ich als „Literaturgeflüsterin“ wahrscheinlich bekommen und ich habe meistens auch Spekulationen angestellt, wer da eingeladen wird und die österreichischen Teilnehmer auch meistens gekannt. Die Deutschen, die Schweizer oder anderen Deutschhreibenden nicht so sehr und heuer sind die Teilnehmer erst sehr spät, nämlich am vierten Juni bekannt gegeben worden, dafür folgten die Videos, auf die ich immer wartete, gleich bald hernach und ich habe von den vierzehn Autoren, die von den sieben Juroren, von denen es heuer zwei neue gibt, nämlich Nora  Gominger, die Bachmannpreisträgerin von 2015 und Insa Wilke, sowie schon bewährt Hildegard Keller, Klaus Kastberger, Stefan Gmünder, Michael Widerstein und als sogenannter Vorsitzender Hubert Winkels, ausgesucht wurden, nur die einzige Österreicherin Raphaela Edelbauer und dann die in Wien lebende Ukrainerin Tanja Maljartschuk gekannt und von den deutschen Jakob Nolte, weil er mit seinem doch nicht Vampirroman „Schreckliche Gewalten“ im letzten jahr auf der DBp-Longlist gestanden ist und dann habe ich noch vom Namen Stephan Lohse und dessen Debutroman der „Ein fauler Gott“ ein Begriff und, daß  Bov Bjerg mit seinem Bestseller „Auerhaus“, der berühmtesten der heuer Eingeladenen ist, habe ich erst heute durch Wolfgang Tischers ersten Bachmannpodcast erfahren, der dafür die einzige Österreicherin vergessen hat. Die anderen Autoren werde ich wohl in den nächsten Tagen kennenlernen, denn ich werde mir  das Ganze, soviel, wie möglich geben, obwohl ich am Donnerstag, den ganzen Tag Stunden habe und am Samstag Omas Geburtstag zu feiern ist.

Zuerst ging es aber an die Eröffnung, die wieder nach bewährten Muster musikalisch begonnen wurde. Es spielte das „World Sounds Ensemble“ unter dem Jazzsaxophonisten Michael Erlan. Christian Ankowitsch moderierte und dann wurden zuerst wieder die Honoratoren vorgestellt und die Politiker und Preisstifter interwiet.

Die vierzehn Autoren waren hinten auf einer langen Bank aufgereiht, die Jury ist später feierlich einmarschiert und wurde platziert. Der Vorsitzende begann mit seiner Rede, wobei er erwähnte, daß Deutschland  in den letzten Tagen eine Krise erlebte und stellte die Frage, ob man sich Angesichts der bewegten Zeiten, wo an der Flüchtlingsfrage, eine Koalition  am Zerplatzen ist, vier Tage lang im schönen und schon viel regideren Österreich der schönen Literatur widmen kann, was er natürlich bejahte.

Ich denke zwar, daß das nicht so einfach ist, werde das aber ebenfalls tun und dann kam schon der Justitiar mit der Box und die Autoren durften anmarschieren und sich ihre Zettelchen mit der Lesereihenfolge ziehen. Raphaela Edelbauer wird am Donnerstag beginnen und dann folgte, mit Spannung erwartet, Ferdiun Zaimoglus Rede, der 2003 in Klagenfurt gelesen und gewonnen hat.

„Der Wert der schönen Worte“ hieß seine Rede, die sich sprachlich sehr kompliziert,  gegen die Rechten und die Patrioten wandte und für die Schwachen und die Menschlichkeit eintrat und großen Applaus bekam.

„Er rennt offene Türen ein, aber in Österreich sind die ja schon geschlossen!“, witzelte Wolfgang Tischler auf Twitter und dann ging es in Klagenfurt  ans Buffet in den schönen Garten, was wie ich später hörte, aber durch starken Regen nicht möglich war und am Donnerstag habe ich zwar in der Küche, die ganze Zeit den Livestream laufen lassen, aber zwischendurch meine Stunden gemacht, so daß ich nur zur Diskussion über Raphaela Edelbauers Text „Das Loch“, wo es um die Seegrotte in Hinterbrühl, einen Techniker und die Ermordung der Juden im dritten Reich ging, zurechtkam, der von Klaus Kastberger, der die Autorin und „Rauris-Preisträgerin“, auch eingeladen hat, verteidigt hat.

Mit  „Schnittmuster“ dem Text, der 1979 geborenen Schweizer Autorin Martina Clavadetscher, die von Hildegard Keller eingeladen wurde, in dem es um das Sterben einer alten Frau geht, ist es mir ähnlich gegangen und auch bei dem 1964 in Hamburg geborenen Stephan Lohse, dessen Text „Lumumbaland“  heißt, bin ich nur in die Diskussion gekommen, da war die Jury begeisteter, so daß sich da wahrscheinlich ein erster Favorit abzeichnen könnte.

Bei den zwei anderen Lesenden der 1990 in Rorschach geborenen und in Zürich lebenden Anna Stern, deren Text „Warten auf Ava“ heißt  und dem 1989 in Bayern geborenen Joshua Groß mit „Flexen in Miamai“ bin ich in meinen Pausen jeweils ein Stück in den Text hineingekommen und habe die Diskussion erst später nachgehört, wie ich auch die Texte, der schon erwähnten Autoren erst hören oder lesen mußte.

Dann sind wir, während die Prominenz in Klagenfurt zum Empfang nach Loretto pilgerte, nach Harland gefahren, so daß ich mir die Freitagstexte ganz und per livestream geben konnte und da hat es der in Zürich lebenden Zahnärztin Corinna T.  Sievers angefangen und die, deren Text „Der nächste Bitte“ heißt, eine  1965 geborene geschminkte Frau mit langen blonden Frauen und großer Brille, die, als ihre Vorbilder Michel Houllebecq, Martin Walser und Philip Roth angibt, scheint die besondere Variante des  heurigen Bachmannslesen zu sein, zuerst einmal ihr Beruf und dann ihre Fixierung auf die Sexualität, denn da steht dieZahnärztin mit ihren Instrumenten und wahrscheinlich Mundschutz vor ihrem Patienten, hat die Sprechstundenhilfe vorsorglich ins Wartezimmer hinausgeschickt und läßt  ihre erotischen Phantasien spielen „Weder die Länge des Penis…“ etcetera, während die Ärztin vor Lust ins Koma fällt und zu einem Psychiater geht sie natürlich auch. Und dann war ich gespannt, was die Jury zu diesem Text sagen wird, die dann sehr wissenschaftlich darüber diskutierte und interessant, die mangelnde Radikalität bemängelte, was Huberts Winkels bemerkte und Wolfgang Tischer hat unter dem Text, glaube ich, sehr gelitten, wie ich seinen Twitternotes entnehme.

Und wenn jemand meine Meinung wissen wollte, ich fand den Text lustig und interpretiere ihn auch, als eine Parodie auf  die männlichen Sexphantasien und hätte ein Mann diesen Text geschrieben, lieber Klaus Kastberger, hätte ich auch aufgeschrieeen.

Dann kam die 1984 geborene  Ally Klein, deren Debutroman „Carter“ erst erscheinen muß. Sie las mit stark empathischer Stimme einen Teil daraus, wo ein „Ich“ durch die Gegend rennt, dann ein Haus erreicht und  mit einer Person namens Carter konfrontiert wird. Die Jury war von der sprachlichen Gewalt begeistert und rätselte, wie der Text, der zu viele Adjektive hat, zu interpretieren ist? Ob das eine der Preisträgerinnen ist?

Dann kam Tanja Maljartschuk mit ihrem Text „Frösche im Meer“, eine sehr packende Geschichte von einem Mann ohne Pass, der in einem Park kehrt und eine demente alte Frau, die in einer Wohnung mit Frösche lebt, versorgt und dabei verhaften wird, während seine Mutter in der Ukraine ohne ihn begraben wird, den ich aber vorläufig  versäumte, weil ich mit der Anna und dem Ouzo mit dem Rad zum Bootshaus fuhr und dort den Alfred und die Oma traf und nach dem gebackenen Zander, erst wieder zurückkam, als ich Christian Ankowitsch abschließend über Bov Bjergs  Text „Serpentinen“ sagen hörte, daß er sehr stark wäre, der handelt von einem Mann, der mit einem Jungen einen Tag lang in seiner ehemaligen Heimat spazierenfährt, an seine Familie denkt, dabei das Handy in einer Dose versteckt und einen falschen Namen angibt.

Applaus tönte auf und dann kam der letzte Freitagleser, nämlich der 1973 in Hamburg geborenen Anselm Neft, der heute Geburtstag hat und der schon viel literarische Erfahrung hat. Sein Text heißt „Machs, wie Miltos“ undhandelte von einem Obdachlosen, der ebenfalls mit seiner Familie spricht, Hefte seiner Tochter verbrennt, weil die schon verstorben ist und den überfahren wordenen Hund, beerdigen muß.

Das wars für den Freitag und am Samstag habe ich noch vor der ersten Lesung, hoffentlich nicht wieder voreilig, wie vor ein paar Jahren, im Literaturcafe für Klaus Kastberger als den besten Juror abgestimmt, weil ich ja zu Mittag wieder ins Boothaus radeln werde, um mit der Oma ihren Geburtstag zu feiern.

Und in Klagenfurt hat der 1988 geborene Jakob Nolte, der von Hubert Winkels eingeladen wurde, mit seinem Text „Tagebuch einer jungen Frau, die am Fall beteiligt war“, begonnen, ein strebsam wirkender junger Mann in einem hochgeschlossenen hellblaugemusterten Hemd und runder Brille, der diesmal nicht von „Schrecklichen Gewalten“, sondern in einem Tagebuch von einem Mexiko-Aufenthalt und zwei Niederländerinnen las.

Die Lesung mußte wegen eines Kreislaufzusammenbruchs einer Zuschauerin kurz unterbrochen worden, was für einige Irritierung und Unsicherheiten sorgte. Es ist aber bald wieder weitergagen und bei der Diskussion waren sich die Juroren nicht einig, ob man ein Tagebuch so schreiben kann und warum man Kokain nimmt? Hildegard Keller war wieder sehr kritisch und unzufrieden und es wurde diskutiert, was ein“Unbedarftes Delirium“ ist und, ob der Autor seine Textfehler bewußt eingesetzt hat und das ein schlechter oder guter Text ist?

Dann kam ein noch surrealerer Text, den von Nolte habe ich gar nicht so verwirrend empfunden, des 1965 in Hamburg geborenen Stephan Groetzner, ein Romanauszug aus „DESTINATION AUSTRIA“, der von Gagausien, Haus der Landwirtschaft und Kultur, einem Grazer Kino und und ständig hinundherschwankte, der von Wolfgang Tischer, „als sprach schön gebauter reiner Nonsensetext“ beurteilt wurde und mir wahrscheinlich auch zu überdreht war, wenn er auch wahrscheinlich sehr politisch zu interpretieren ist.

Die letzten zwei Texte habe ich nach dem Mittagessen und der Geburtstagsfeier mit Annas Cremeschnitten und Omas alten Schulfreundinnen, Schwägerin und Schwager, Alfred und Andreas, wieder nachgehört und da gab es, wie ich Wolfgang Tischers Twitternotes entnahm, in der 1983 in Solingen geborenen türkischen Autorin Özlem Özgut Dündar, wieder eine Shortlistfavoritin, die  einen Romanauszug aus “ und ich brenne“ gelesen hat, in dem verschiedene „mütter“ eine Rolle spielen und es trotz der poetischen Form einen real politischen Hintergrund zu geben scheint, während der letzte Leser in der Runde, der 1992 in Braunschweig geborene Lennardt Loß, einen sehr überfrachteten Text hatte, in dem ein Mann sich zuerst in einem Flugzeug an einem Katalog, die Finger aufschneidet, dann stürzt das Flugzeug ab. Er sitzt mit einem schönen Mädchen, dem ein Zahn fehlt, er ist Zahntechniker, auf einem Flugzeugsitz im Pazifik und rast sein Leben durch. Es könnte aber auch, wie einer der Juroren bemerkte, auch nur seine Flugangst sein, die ihm dieses tuen läßt. Er hat jedenfalls eine Kugel im Bauch, deshalb ist er den Flug überhaupt erst angetreten, denn er war RAF-Terrorist und sein Ausbildner ein SS-Mann, der auch eine tötliche Tätowierung mit sich herumschleppte…

Vierzehn sehr unterschiedliche Texte also, die da in den letzten Tagen in Klagenfurt zu hören waren. Erstaunlich welch unterschiedliche Genres, da jetzt zugelassen werden und ab Samstag fünzehn Uhr bis Mittermacht konnte man wieder für seinen Favoriten abstimmen.

Weil ich das Ganze diesmal ein bißchen lockerer angegangen bin und mir auch nicht eine eigene Shortlist zusammenbastle, um dann am Sonntag enttäuscht zu sein, welche Namen auf der, der Jury stehen, die dann doch nur Platzhalter waren, verrate ich jetzt nur, daß mir die Texte von Tanja Maljartschuk und der, der erotikbesessenen Zahnärztin, den ich immer noch für eine Parodie auf die Männersexphantasien a la Martin Walser und Philip Roth halte, sehr gut gefallen haben und abgestimmt habe ich für die  „Frösche“, weil ich erotikbesessene Zahnärztinnen eigentlich doch nicht haben will.

Der Text über den Obdachlosen hat mir auch ganz gut gefallen, über die Politsatire von Stephan Groetzner müßte ich noch nachdenken und von Wolfgang Tischer, der ja wieder im Literaturcafe einen täglichen Podcast hatte und dort seine Einschätzungen gab, hörte ich, daß der Böv Bjerg für den Preisträger hält.

Am Sonntag kam wurde dann als Erstes die Shortlist verlautet:

  1. Raphaela Edelbauer
  2. Joshua Groß
  3. Ally Klein
  4. Anna Stern
  5. Tanja Malatschuk
  6. Bov Bjerg
  7. Özlem Özgül Dundar

Und dann habe ich diesmal recht gehabt,  Tanja Maljartschuk, dessen nächstes Buch, aus dem sie schon ein Stück damals im Literaturhaus geboren hat, wird demnächst bei  „Kiwi“ erscheinen wird, wurde die neue „Bachmannpreisträgerin“, gefolgt von Böv Bjerg mit seiner Vater Sohn Geschichte, die von Klaus Kastberger vorgeschlagen wurde.

Die dritte Preisträgerin wurde  Özlem Özgul Dündar, mit ihren vier Müttern, die ihren Text klein und ohne Punkt und Beistriche geschrieben hat.

Und die vierte Jurypreisträgerin wurde für mich überraschend, weil sie in der Diskussion gar nicht so gut weggekommen ist, die Schweizerin Anna Stern mit ihren Text „Warten auf Ava“ und was den Publikumspreis betrifft, ging die Folge, daß der an  Österreich geht, wie das glaube ich seit Cornelia Travnek so üblich ist, an Raphaela Edelbauer weiter, die aber diesmal in der Shortlist war und  bei der Jury über geblieben ist.

Dann zog Hubert Winkel den Vorhang zu und mokierte sich ein bißchen über Marlene Streeuwitz und Daniel Kehllmann, die im Vorfeld den Preis kritisiert haben und zu kapitalistisch hielten und ein paar Reden und Interviews gab es auch, bevor es im nächsten Jahr weitergehen wird und ich habe wieder einmal vier Tage interessante Literatur erlebt.

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2017-07-09

Wieder einmal Bachmannpreis

Es ist der Einundvierzigste, glaube ich oder korrekter ausgedrückt, die „Einundvierzigsten Tage der deutschsprachigen Literatur“, die da am Mittwoch in Klagenfurt eröffnet wurden.

Von Humbert Fink und Marcel Reich Ranicki wurden sie, glaube ich, 1977 in der Nachfolge der Gruppe 47 initiiert und ich hätte schon immer gerne dort gelesen, damals hätte ich meine „Einladung zum Tee“ gehabt, die ja der Monika J. und dem Gerhard K. nicht sehr gefallen haben und damals waren auch die iG Autoren sehr empört, daß da öffentlich über die Autoren gerichtet wurde und haben sich sehr über diese Idee des öffentlichen Preislesens entsetzt.

Das hat sich inzwischen sehr geändert, der „Bachmannpreis“ gilt als der schönste Betriebsausflug der Literatur, alle kommen hin,  vierzehn ausgesuchte Autoren dürfen lesen, Wolfgang Tischer berichtet in seinem LiIeraturcafe darüber und ich tue das seit 2009 auch, 1996 war ich einmal live am Ort.

Ein paar Mal, aber nicht sehr oft, habe ich meine Texte eingereicht, aber dann mußte man dazu ja eine Verlagsempfehlung haben und die habe ich  nicht und eingeladen würde ich, weil ich wahrscheinlich, als zu wenig literarisch gelte, wohl auch nicht werden und wenn, wahrscheinlich sehr kritisiert.

Trotzdem interessiert mich der Preis und ich sehe ihn mir seit einigen Jahren per livestream an, blogge darüber, was auch ziemlich unbemerkt bleibt und habe auch schon einige der preisgekrönten oder vorgestellten Bücher gelesen.

Vom vorigen Jahr zum Besipel das der Julia Wolf, des Tomer Gardi, der Isabell Lehn, denn ich bin ja sehr belesen, obwohl heuer im Mai und Juni so viel los war, daß ich eigentlich gar nicht dazugekommen bin, mich für den Preis zu interessieren.

Die Videosportraits der vierzehn Auserwählten habe ich mir natürlich nach und nach angehört und da kenne ich eigentlich nur die Österreicher, Karin Peschka, die „Alpha Preisträgerin“, ihre Bücher habe ich gelesen, Barbi Markovic hat auch den „Alpha“ gewonnen, ihr Buch liegt noch im Badezimmer, ich werde es aber am Wochenende nach Harland mitnehmen, Ferdinand Schmalz habe ich einmal im Musa gehört, John Wray in Göttweig, mit Verena Dürr habe ich im Amerlinghaus gelesen, das ist aber schon alles, also kann ich sehr gespannt bin und habe wie Wolfgang Tischer auch keine Preisfavoriten, weil heuer ist so viel los, daß ich mir die Lesungen und diskussionen eigentlich nur nebenbei anhören kann.

Denn wie 2014 ist die Veranstaltung zumindest am Donnerstag gleichzeitig mit der Sommerakademie und bei der Eröffnung war ich auch nicht zu Haus, sondern im Literaturhaus bei der Tanzperformance von Marion Steinfellner und Herbert J. Wimmer, dann hatte ich als ich zu Hause kam,  einiges zu bloggen, bin aber noch in den Lifestreame und zur Festrede von Franzobel, der ja den Preis 1995 gewonnen hat und damit berühmt geworden ist, zurechtgekommen.

Die hatte den schönen Titel „Seelenfutter oder das süße Glück der Hirngerichteten“ und war eigentlich sehr  kritisch, handelte von den inhaftierten Autoren in der Türkei an die, die Autoren denken sollen, während sie lesen oder sich beim Buffet tumeln, dann gab es noch ein Musikstück von Wolfgang Puschnig zu dem Susanna Riedel Texte vom ersten Bachmannpreisgewinner Gert Jonke las und die Reihenfolge der Lesenden wurde auch ausgelost.

Da beginnt morgen, was sie wahrscheinlich nicht freuen wird, Karin Peschka, gefolgt von Björn Treber und Jhn Wray, am Nachmittag folgen dann Noemi Schneider und Daniel Goetsch, die ich irgendwie nachhören werde, weil ja am Donnerstag noch einmal Sommerakademie ist, am Abend befginnen dann die „O Töne“, dann werden wir nach Harland fahren und da kann ich mir dann ab Freitag die Lesungen anhören und meinen Senf dazu abgeben.

Den ersten Lesetag also komplett versäumt und durch die „Bachmann-Seite“ erfahren, daß Karin Peschka gut angekommen ist.

Sie hat einen „Wienerischen-Text“ mit dem Namen „Wiener Kindl“, der ein bißchen an den „Watschenmann“ erinnern könnte gelesen, der aus dem Erzählband „Autolyse-Wien“ ist und aus dem wird sie ja auch bei den O-Tönen vortragen.

Was  Wolfgang Tischer an den „Kindle“ denken ließ, am der 1992 in Klagenfurt geborene Björn Treber mit einem Begräbnistext und der lese ich auf der Seite, die Videos konnte ich mir vorläufig nicht anhören, eher verissen.

Aber der Amerikaner mit der Kärntner Mutter john Wray, den ich ja schon bei „Literatur und Wein“ hörte und der einen Roman namens „Das Geheimnis der verlorenen Zeit“ geschrieben hat, der auch in Frankfurt vorgestellt wurde, scheint als Favorit zu gelten.

Dann kamen die mir bisher unbekannten Noemi Schneider, 1982 in München geboren mit einem Text mit einem geschützten Titel, nämlich „Fifty Shades of gray“ und der Schweizer Daniel Goetsch, der schon einmal gelesen hat und der wie ich lese, ebenfalls verrissen wurde.

Am Freitag wo ich mir dann die Videos anschauen will, beginnt dann der Dramatiker Ferdinand Schmatz, dessen Name angeblich ein Pseudonym ist um Ferdinand Schmatz zu ärgern und der ist, glaube ich, sehr experimentell, scheint aber sehr erfolgreich.

Der Text heißt „mein lieblingstier heißt winter“ und handelt von einem Tiefkühlkostzusteller der einem Dr. Schauer jahrelang Rehragout zustellt, der dieser im Keller im Tiefkühlschrank hortet, Krebs hat und Franz Schlicht erzählt, daß er Selbstmord durch Tiefgefrieren machen wird und von ihm fordert, daß er seine Leiche dann wieder auftauen helfen soll.

Das Ganze kleingeschrieben und episch vorgetragen und der Jury scheint es, wie man merken kann, sehr zu gefallen.

Mit Österreich ist es dann an diesem Vormittag mindestens eineinhalb Mal weitergegangen, wohnt da doch die 1980 in Belgrad geborenen und in Wien lebenden Barbi Markovic, die ich glaube seit der Buch-Wien, auf der sie mit Cornelia Travnicek bloggte, kenne und die ja auch mit ihren „Superheldinnen“, die ich gerade lese, den letzten „Alpha“ gewonnen hat.

Ihre Familiengeschichte „Die Mieter“, habe ich wohl wegen der anstrengenden letzten Tage komplett verschlafen und muß noch nachgeholt werden.

Bei der 1982 in Wien geborenen Verna Dürr, mit der ich ja auch beim „Amerlinghaus-Solidaritätsfest“ gelesen habe, bin ich dann wieder aufgewacht, als sie sehr sachlich von einen „Zollfreilager“ , „Casablanca“ und einem „Kunstkenner“ las.

Die Diskussion war dann auch entsprechend gespalten, ob man so schreiben kann oder nicht und das Zollfreilager am Ende vielleicht nicht eine Karikatur auf das Bachmannlesen ist.

Dann ging es in die Mittagspause, ein Film über die Schweizer  Schriftstellerin S. Corinna Bille, von der ich auch noch nichts gehört habe, wurde gezeigt und ein Interview mit Franzobel.

Die 1972 in Halle an der Saale geborene und in Berlin lebende Jackie Thomae schilderte in ihren Text „Cleanster“ relativ ungewöhnlich die Beziehung zwischen einer Frau und ihrem Putzmann und es wurde dann sehr lange über die politische Correct- oder Uncorrectness diskutiert.

Als letzter am Freitag kam dann der 1960 geborene Jörg-Uwe Albig und einem „In der Steppe“ heißenden Text und hier verliebt sich ein Mann in eine Kirche.

Den Freitagabend habe ich dann dazu  benützt mich ein bißchen durch die versäumten Texte zu lesen und zu hören, habe Barbi Markovic „Superheldinnen“ fertig gelesen und am Samstag ging es weiter mit dem 1966 in Frankfurt an der Main geborenen Eckhart Nickel, der eine Dissertation über Thomas Bernhard geschrieben hat, dessen Text „Hysteria“, wo ein Mann auf einem Biomarkt seltsame Himbeeren findet und dann in ein fantastischen Laboratorium der Firma „Sommerfrische“ gerät, ich äußerst spannend fand und mich wiedermal darüber wunderte, daß die Jury dann den Lesern aufs Genaueste erklärt, wo man erkennen kann, was man vielleicht alles vorher gar nicht verstanden hat.

Dann kam die 1988 geborene Schweizerin Gianna Mollinari, die in Biel studiert und wie ihr Video verrät Steine sammelt und ihr Text heißt „Loses Mappe“, der von einem Mann erzählt, der einen vom Himmel fallen sah und ihn nicht gerettet hat.

Der Text war noch nicht fertig gelesen,  die Diskussion hatte noch nicht stattgefunden, als mich die Anna mit dem Ouzo abholte, damit wir ins Bootshaus radeln konnten, weil wir dort den fünfundachtzigsten Geburtstag der Oma feierte und jetzt habe ich wieder zwei Texte nachzuholen, bevor ich meine Stimme für den Publikumspreis abgeben kann.

Bis acht kann ich das tun und dann auch noch für den besten Juror stimmen, habe heuer, da dieser Preis ein wenig an mir vorbeigegangen ist, ja früher war man noch enthusiastischer, inzwischen hat einen die „Klassenliteratur“ und das Bewußtsein, daß man sowieso wie sehr man sich auch bemüht, immer ganz unten stehen wird, ein wenig  eingeschüchtert, wahrscheinlich meine Schwierigkeiten.

Aber mal sehen, wie weit ich komme und erst einmal den Text der 1970 geborenen Maxi Obexer, „Europas längster Sommer“ lesen  in dem es, um die Einbürgerung beziehungsweise die Flüchtlingsfrage  geht.

Als Letztes kam dann der 1975 geborene Urs Mannhart, der wie aus seinem Video zu sehen ist, eine landwirtschaftliche Ausbildung macht und in seinem Text „Ein Bier im Banja“ eine Wolfsgeschichte brachte.

Und das wars dann, auffällig viele Texte, die sich mit der Flüchtlingsfrage beschäftigen, was ich sehr interessant und sehr schön finde und jetzt soll ich mich entscheiden.

Ein wenig habe ich mich ja in alle Texte eingelesen, mit dem von dem, der sich in die Kirche verliebt hat, habe ich am wenigstens anfangen können, der mit den Himbeeren hat mich beeindruckt, obwohl ich das mit der Paranoia nicht so ganz nachfolgen konnte und ein „Wiener Kindl“ ist für mich kein E-Bookreader und ich wehre mich auch wenig über die deutsche Arroganz, die von Karin Peschkas Lektor fordert, das Kindl in ein Kind zu verwandeln, damit man sich beim Lesen nicht ärgern muß. Aber zum Glück ist „Otto Müller“ ja ein österreichischer Verlag und hat wahrscheinlich nicht solche Schwierigkeiten.

Wie also abstimmen und soll ich das überhaupt tun? Es gibt ja auch einige Leser, die meinen, daß ich, weil ich ja nicht so perfekt rechtschreibe, mich nicht überall einmischen und tun, als ob ich etwas von Literatur verstehe, soll.

Vielleicht also gerade deshalb für Maxi Obexas „Europas letzter Sommer“ stimmen, die ja auch sehr kritisiert wurde, und wieder einmal, wie vor zwei Jahren für Klaus Kastberger, der immer wieder nonchalant Unterricht in die österreichische Literatur zu geben pflegt.

Wenn ich den Empfehlungen der Bachmannseite folge, werden ja morgen John Wray, Ferdinand Schmalz, Eckhart Nickel und vielleicht auch Karin Peschka und Verena Dürr etwas gewinnen.

Mal sehen, ich bin gespannt und eine „Bachmann-Hymne“ unter anderen von der vorjährigen Publikumspreisträgerin Stefanie Sargnagel gibt es auch.

Wolfgang Tischers Schätzung der Shortlist, die er gemeinsam mit Andrea Diener und Doris Brockmann gab, sind John Wray, Karin Peschka, Ferdinand Schmalz, Barbi Markovic oder Verena Dürr, Jacky Thomae, Eckhart Nickel und Gianna Mollinari Die Preise würden sie an Wray, Schmalz, Nickel und Peschka, trotz ihres Wienerischen Kindls vergeben. Beim Publikumspreis denken sie auch an Schmalz oder Wray. Mal sehen ob sich die Jury daran hält.

Und der beliebteste Juror, sehe ich gerade auf der „Literaturcafe-Seite“ ist wieder Klaus Kastberger geworden, obwohl er den Partezettel von  Björn Triebers Großvater getwittert hat.

Die Jury hat sich dann bei der Shortlist für Urs Allemann, Barbi Markovic, Gianna Molnari, Eckhart Nickel, Ferdinand Schmalz, Jacky Thomae, John Wray entschieden und wir haben uns wieder ein bißchen geirrt.

Beim Bachmnnpreis gab es dann eine Stichwahl zwischen Schmalz und Wray und Ferdinand Schmalz hat wie erwartet gewonnen.

Der neugestiftete „Preis des Deutschlandfunks“ ging dann nach an zwei Zwischenabstimmungen, wie ebenfalls erwartet, an John Wray.

Dann kam der „Kärntner-Kelag-Preis“ und der ging an Eckhart Nickel mit seinen gefälschten Himbeeren.

Der „3Sat-Preis“ erging an Gianna Molinar mit dem Mann, der vom Himmel fiel, was offenbar wirklich einmal geschehen ist und die hat sich einmal bei der Jurorin Hildegard Keller beworben, während die anderen Preisträger ausgewählt wurden und dann ging es an den „Publikumspreis“, den, wie vielleicht von mir und vom Alfred erwartet, Karin Peschka, die nicht auf der Shortlist war, für ihr „Wiener Kindl“ erhielt. Die Laudatio erhielt dazu Stefan Gmünder, der sie wahrscheinlich eingeladen hat.

Hubert Winkels hielt das Schlußwort und eine Pressekonferenz gab es wieder auch.

 

2016-07-03

Der vierzigste Bachmannpreis

Filed under: Literaturbetrieb,Veranstaltungen — jancak @ 11:45
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Das „Literaturgeflüster“ wird acht, das „Bachmannlesen“ vierzig Jahre alt, denn 1977 hatten Humbert Fink und Ernst Willner, die Idee, in Anlehnung an die „Gruppe 47“ ein solches in Klagenfurt zu veranstalten, gewannen MRR als Vorsitzenden und hatten erst einmal Schwierigkeiten, Autoren dafür zu finden, denn die schrien von öffentlicher Verheizung ihrer Texte, wehrten sich zuerst und lasen dann schließlich doch.

Vor ein paar Jahren sollte der Preis dann eingespart werden, da gab es einen großen Aufschrei und so feiern wir heute vierzig Jahre „Bachmannpreis“ und den neunzigsten Geburtstag der Dichterin und der Preis hat sich inzwischen sehr verändert, das kann man merken, wenn man sich beispielsweise das Video zum fünfundzwanzigsten Geburtstag ansieht.

Denn da saßen ja in den ersten Jahren Größen, die heute fast schon Legenden sind, in den Jurorensessel, Hans Weigel, Friedrich Torberg, Hilde Spiel war, glaube ich, auch dabei, Gertrud Fussenegger, Marcel Reich Ranicky und und und..

Es haben auch inzwischen verstorbene Größen, wie Gert Jonke, den Preis gewonnen, Sten Nadolny hat den seinen verteilt, Karin Struck hat sich geweigert ihre Texte vorlesen zu lassen, ein Büchner-Preisträger hat sich die Stirn aufgeschnitten, ein Autor hat mal seinen Text gegessen, einer vom „Baby ficken“ gelesen und dann wurde über Geschmacklosigkeit beziehungsweise „Freiheit der Kunst“ diskutiert.

Es waren also eigentlich immer recht berühmte Autoren bei den Eingeladenen und einige von ihnen, meistens, die aus Österreich habe ich gekannt, diesmal ist es anders, diesmal sind mir gerade vier der vierzehn ein Begriff und Stefanie Sargnagel, die als die berühmte Facebookautoringehandelt wird und vielleicht als Nachfolgerin der Ronja von Rönne anzusehen ist, fungiert als einzige Österreicherin, weil sich „Klagenfurt“ heuer offenbar international geben will und den in Köln geborenen und dort lebenden Selim Özdogan als Türken führt und den in Salzburg lebenden Exilpreisträger Marko Dinic als Serben, früher hätte man das A und das D wahrscheinlich dazugeschrieben und ich hätte mir gedacht, daß Autoren, die in diesen Ländern entweder geboren wurden oder dort leben, lesen können.

So verstehe ich die Teilnahme des in Israel geborenen und dort lebenden Tomer Gardi, der zwar Stadtschreiber in Graz war und bei „Droschl“ verlegt nicht ganz und bin gespannt, ob er in Deutsch oder Englisch lesen wird, denn sein Video ist stumm und auch die Altersreihe ist heuer interessant, wurde die älteste Autorin, die sowohl in Frankreich als auch in Deutschland lebt, doch 1944 geboren.

Vielleicht sollte ich noch erwähnnen, daß ich von den Autoren noch Sascha Macht kenne, weil ich ihn in Leipzig und, ich glaube, auch in Wien schon einmal lesen hörte und Bastian Schneider kenne ich von einer der Studentenlesungen, beziehungsweise hat er glaube ich in der „Jenny“ einen Text.

Spannend  spannend und weil ich am Mittwoch in der „Alten Schmiede“ war, habe ich die Eröffnung zum großen Teil versäumt und bin gerade zu Burkhard Spinnen, dem langjährigen Vorsitzenden Eröffnungsrede „Mythos, Schmerz, Erfolg und Amt“ zurechtgekommen, dem dann noch von der Bürgermeisterin eine Ehrenmedaille für seine Verdienste überreicht wurde.

Die Auslosung habe ich auch versäumt, Stefanie Sargnagel wird aber, gefolgt von Sascha Macht und Marco Dinic mit dem Lesen beginnen und das „Carinthia Saxophonquartett“ hat auch gespielt.

Und dann ging es am Donnerstag los mit dem Text der 1986 in Wien geborenen, die mit einem roten Kappel auftritt, ein lustiges Video hat und mit ihren Facebook-Geschichten berühmt geworden ist.

Ihr Text heißt „Penne vom Kika“ und beginnt mit den Worten „Ich glaube es wird ein guter Tag, denn ich habe das Gefühl, ich habe mein Leben im Griff“,  auf den ORF-Seiten wird sie  sehr hochgelobt und eingeladen wurde sie von der Jurorin Sandra Kegel und, ich glaube, ein zweiter hätte das auch getan.

Spannend, wie die Jury auf diesen nicht sehr abgehobenen Text, der meinen, behaupte ich einmal, nicht so unähnlich ist, reagiert und die Reaktionen reichten von Begeisterung bis zur  Feststellung der „Banalität“. Die „Klugheit und die Tiefsinnigkeit“ wurde aber beispielsweise, „Steffi, du bist urgut!“,, von Klaus Kastberger sehr verteidigt und Stefanie Sargnagel, die ungewöhnliche, grinste sich ein und mischte sich immer wieder in die Diskussion ein, die so intensiv wurde, daß Sascha Macht oder Montag wie sich der Moderator Christian Ankowitsch versprach, erst zehn Minuten später an die Reihe kam. Sein Text heißt „Das alte Lied von Senor Magma“, der wieder etwas „Bachmannpreis“ konformer oder „Schreibschul“ geschult war, der dann von der Jury auch ordentlich verrissen wurde.

Danach ging es weiter mit dem 1988 in Wien geborenen und jetzt in Salzburg lebenden Serben Marko Dinic.

„Als nach Milosevic das Wasser kam“, auch ein sehr realisischer Text über den Krieg, Belgrad und Milosevic, der den Jugoslawienkrieg aus der Sicht des jugendlichen Erzählers in trotzig starker derber Sprache erzählt.

In der Mittagspause ging es mit Marica Bodozic beziehungsweise im Film von Katja Gasser nach Kroatien, also nicht sehr weit weg vom Sujet und mir auch ein bißchen bekannt.

Dann kam ein Auisschnitt aus dem Film von Ruth Beckermann „Die Geträumten“, wo sich zwei Schauspieler vor ihren Mikros stehend den „Bachmann-Celan-Briefwechsel“ vorlesen.

Weiter gings  mit dem 1981 geborenen in Köln und Wien lebenden Sprachkunst-Studenten Bastian Schneider und seinen Text „MEZZANIN – Stücke“, wo es um  ein „Halbstücke“, „Schuhstück“, „Handschuhstück“, etcetera, also um kurze Textminaturen und, um kein „Theaterstück“ ging, wie das Video vermuten ließ, mit denen sich die Jury wieder schwer tat und von einem bundesdeutschen Schriftsteller sprach, der in Wien in einem „MEZZANIN“ sitzt und seine Stücke schreibt und damit, füge ich hinzu, die Jury verwirrte.

Dann folgte der  1971 in Köln geborene Selim Özdogan, von dem ich einmal ein „Haymon“ E-Book gelesen habe, in dessen Text „Ein geheimer Accord“, es um einen Hasen, Urheberrechtsverletzungen, sowie um eine manisch depressive Mutter, also nicht um die „türkische Migrantenliteratur“, auf die er, wie ich Selim Özdogan einmal sagen hörte, so gerne festgelegt wird und der es in seiner Vielschichtigkeit, der Jury auch nicht so leicht machte.

Und Stefanie Sargnagel , die im Anschluß mit Marko Dinic im Garten zu ihren Leseerfahrungen zu hören war, twitterte „Alle die was negatives über mich schreiben sind blöd!“, denn  auch das ist neu am heurigen Bachmannpreis, daß es einen eigenen Twitter und Facebook-Account gibt.

Von Stefanie Sargnagel habe ich mir im Anschluß noch einige Videos angehört. Sie war, wie ich noch in Kroatien, beziehungsweise im Anschluß daranin Harland , bei den „Tonspuren“ im ORF, war am „Opernball“ und bei einem FPÖ-Fest und wird nun bald in einem großen Verlag verlegen.

Wolfgang Tischer macht mit Doris Brockmann wieder seinen Podcast und analysiert den Bewerb und am Freitag ging es mit der 1980 geborenen in Berlin lebenden, Julia Wolf weiter, die auf ihrem Video Portrait Männern den Mund verklebt, ein Bezug auf ihren Text „Walter Nowak bleibt liegen“, der ein Romanauszug ist und von einem alten Mann im Schwimmbad und von einer Yvonne handelt, der von der Jury  gut gemacht, als auch als seltsam altmodisch und noch in fünfundzwanzig Jahren gültig, beurteilt wurde.

Dann kam der, von Meike Feßmann eingeladene, 1980 geborene Open Mike Gewinner Jan Snela. Sein Text heißt „Araber und Schakale“, der sowohl im fernen Arabien, als auch in der Wohnung des Erzählers spielt und von verschiedenen Visionen handelt,  der bei Hubert Winkels einiges Unbehagen erzeugte und von Meike Feßmann verzweifelt verteidigt wurde.

Dann folgte die 1979 geborene, in Leipzig lebende Isabelle  Lehn, in deren Video, in dem sie auf einer Bank in Lepzig sitzt, auch Sascha Macht vorkommt.

„Binde zwei Vögel zusammen“ heißt ihr Textauszug, in dem es auch, um eine radikalisierte Welt mit arabische Visionen, geht.

Dann kam der Schock, denn die Bundespräsidentenwahl, die ja von den Freiheitlichen angefochten wurde, muß wegen plötzlich aufgetauchten Schlampereien, die es  wohl auch bei jeder voriherigen Wahl gegeben hat, wiederholt werden.

In Klagenfurt ging es aber in die Pause, beziehungsweise mit Feridun Zaimoglu nach Istanbul und dann kam für mich ein Rätsel, denn ganz klar ist mir noch immer nicht, wieso der in Israel geborene und dort lebende Autor, Tomer Gardi, als deutschsprachiger Autor gilt, obwohl es in seinen Text, um die „Muttersprache“ geht,  der, bei dem offenbar doch nicht Deutsch Sprechenden, in einer Kunstsprache geschrieben wurde, so daß ich, wie Meike Feßmann, glaube, daß die Kriterien des Preises noch einmal diskutiert werden sollte, die nach Klaus Kastberger, nur ein Text in deutscher Sprache wären, der nicht einmal gut sein muß.

So sein Problem gab es  auch schon einmal mit dem Brasilianer Ze do  rock, dessen „fom winde ferfeelt“, ich inzwischen gefunden habe, aber der spricht, wie mir kommentiert wurde, ein ausgezeichnetes Deutsch und die Frage könnte man dann wieder diskutieren, daß man zwar nicht gut Deutsch können oder schreiben muß, um beim Bachmannpreis zu lesen, aber Selbstpublisher darf man nicht sein und von sechshundert oder so Berwerbern, werden dannn nach subjektiven Kriterien vierzehn Autoren willkürlich ausgewählt und wieso darf dann ich mit meinen Fall- und Beistrichfehlern nicht lesen?

Natürlich, weiß ich schon, es geht da, um etwas anderes, trotzdem denke ich, daß man daran festhalten sollte, daß es ein Preis für entweder  in Österreich, Deutschland oder Schweiz geborenen oder dort lebenden Autoren sein sollte.

Bei der nächsten Autorin, der 1944 in Frankreich geborenen, Sylvie Schenk, die sich nach Deutschland verheiratete und jetzt in beiden Ländern lebt, ist das Problem leichter zu lösen und da ist es wohl das Alter der Autorin, die bisher in kleineren Verlagen und jetzt bei „Hanser“ verlegen wird, das aus dem Rahmen fällt. Ist sie ja, glaube ich, die älteste Autorin, die je gelesen hat und passt daher auch wieder nicht zu den eher dreißig bis vierzigjährigen Autoren, die sonst gelesen habe. Der Text heißt „SCHNELL, DEIN LEBEN“ und dürfte eine autobiografische Lebensbeschreibung sein.

Am Samstag ging es nach dem Aufmarschieren der Jury mit der Lesung der 1981 geborenenen Ada Dorian, die von sich behauptete, einige Romane in den Schubladen zu haben. Aus dem „Betrunkene Bäume“ genannten, las sie ein Stück, „denn es ist eine große Versuchung von sich erzählen zu dürfen“, wie es im Filmvorspann hieß, obwohl es in dem Text, um einen alten Mann mit Rußlandbezug geht, der mit einem Wald in seinem Zimmer lebt und nach dem das entdeckt wurde, ins Altersheim soll. Irn Eine sehr originelle Art über das Älterwerden zu erzählen, die von den Twitterer, natürlich „nicht risikobereit“ genannt wurde, Hubert Winkels korrigierte die Erzählhaltungen,  Stefan Gmundner wußte, welchen Nebensatz man weglassen hätte könnenund Klaus Kastberger bemängelte, daß der Text zu gut, zu brav, etcetera ist und, daß der Name Katharina sehr oft verwendet wurde, ist auch mir aufgefallen, die das in ihren Anfangsschreiberinnenjahren ebenfalls so tat. Und natürlich der Text, dem der Julia Wolf sehr ähnlich, wie auch Klaus Kastberger richtig erkannte.

Danach kam die in Berlin lebende in London geborene Sharon Dodua Otoo, aber ich drehte den Laptop ab und setzte mich aufs Rad, um den Alfred, wie jeden Samstag, den wir in Harland verbringen, auf dem Markt zu verbringen.

Zurückgekommen vom „Sommergrillen“, kam das Gewitter und ich hörte mir einmal den Literaturcafe.de Podcast von Tag zwei der Lesung an, danach war das Video von Sharan Dodua Otoo „Herr grttup setzt sich hin“ eingestellt, wo es im Vorfeld um eine Leseanweiseung, im Haupttext auch um einen alten Herrn ging, der in flüßigen Deutsch von der dunkelhäutigen Autorin gelesen wurde.

„Gestern blieb Herr Nowak liegen und heute setzt sich Herr Grttup hin!“, twittern Cornelia Travnicek und Wolfgang Tischer.

„Als deutsches Ei nicht hart zu werden ist keine große Leistung“, geht es dann wieder auf das offensichtlich unbewußte Thema dieser Veranstaltung zurück und Wolfgan Tischer twittert schon, die Autorin könnte Julia Wolf den Preis wegnehmen.

Die Jury sieht das, glaube ich, anders und dann folgte die 1979 geborene in Hamburg lebende Astrid Sozio mit „Das verlassenste Land“, ein Text in dem es um Flüchtlinge und um „Negerinnen“ geht und von de Jury dann auch tüchtig verisssen wurde, weil man angeblich nicht so schreiben darf oder man der Autorin davon abraten hätte sollen.

Der einzig Schweizer der Runde, der 1959 geborene Schweizer Diete Zwicky war der letzte Lesende. Sein Text trägt den Titel „Los Alamos  ist winzig“ und handelt von einem krebskranken Erzählung dessen Frau,  am Wasseramt arbeitet. Langsam und bedächtig trug der Autor im Schweizer Dialekt von der kleinen amerikanischen Stadt, dem Friseur, dem Sauerkraut und den Zauberer Rudy, den es dort gibt, vor.

Meike Feßmann lobte den gelungenen Abschluß und nun könnte ich abstimmen.

Eigentlich wollte ich das für Marko  Dinic tun, weil Stefanie Sargnagel wahrscheinlich auch ohne mich bei der Jury und vielleicht auch beim Publikum gewinnt.

Aber Ada Dorian, die mit ihren  zu „perfekten Text“ bei der Jury wahrscheinlich durchgefallen ist, hat mir auch gefallen und der Text von Bastian Schneider hätte vielleicht ein wenig Unterstützung verdient.

Also wieder mehr Kanditaten für die ich stimmen könnte und so weiß ich jetzt gar nicht, ob ich es überhaupt tun soll, um nicht nachher unbefriedigt zu sein und zu denken, das war war der Falsche, habe mir aber am Markt schon einige Begründungen ausgedacht:

„Ich stimme für Stefanie Sargnagel, weil sie ein so schönes rotes Mützchen trägt“, oder „Ich stimme für Marko Dinic, weil mir realistische Texte gut gefallen“, „Ich stimme für Ada Dorian, weil der Russe einer ist, der Birken liebt“ oder „Ich stimme für Bastian Schneider, weil ich gerne in Mezzaninen sitze und auch Schuhstücke mag“, beziehungsweise „Ich stimme für Tomer Gardi, weil er „Broken German“ spricht“,  nein, das vielleicht weniger, denn ich bin ja eine Pedantin und denke, um in Klagenfurt zu gewinnen, sollte man schon in Österreich, Deutschland oder der Schweiz geboren sein, beziehungsweise dort leben und ein „Broken Deutsch“ mit der deutschen Krähe genügt vielleicht nicht.

Für eine Shortlist könnte ich aber plädieren und denke, daß da Stefanie Sargnagel, Marco Dinic, Julia Wolf, Tomer Gardi und vielleicht auch Selim Özdogan, Sharon Dodua Otoo, Dieter Zwicky und Isabelle Lehn darauf stehen werden.

Mal sehen, ob ich es treffe und wer der Hauptreisträger wird, für den sich dann alle interessieren, ein besonders herausragender Favorit hat sich, abgesehen von dem Hype um Stefanie Sargnagel, ja eigentlich nicht ergeben und im „Literaturcafe“ kann man wieder für den besten Kritiker stimmen.

Da habe ich mich vor zwei Jahren aus Unbehagen, daß man für die Autoren schon abstimmen konnte, bevor alle Texte veröffentlicht waren, gedrückt, im Vorjahr stimmte ich am Vortag für Klaus Kastberger, denn den kannte ich ja schon aus Wien und habe mich am Samstag dann über einige seiner sehr überheblichen Bemerkungen geärgert. Wolfgang Tischer tat das, glaube ich auch, so konnte man heuer für beide Bewerbe  erst am Ende abstimmen und ich bin auch da ein wenig ratlos.

Hubert Winkels und Klaus Kastberger sind wahrscheinlich die herausragendensten Stimmen, aber Klaus Kastberger ist immer noch oder nach seinem vorjährigen Sieg vielleicht noch mehr, so sehr von sich überzeugt, daß man es schon fast ein bißchen überheblich nennen könnte.

Ich muß auch nicht überall meinen Senf dazugeben, denn es reicht ja schon, daß ich  im September oder Oktober zum dritten Mal in die Handelsakademie in der Margaretenstraße pilgere und Alexander van der Bellen wähle und wenn, der dann vielleicht wieder ein paar Stimmen zu viel hat, ein viertes oder fünftes Mal….

Dann habe ich natürlich doch abgestimmt, für Marko Dinic und Hubert Winkels und seltsamerweise kann man meine Begründung ziemlich vollständig auf der Literatucafe-Seite finden:

„Doch ich habe den ganzen „Bachmannbewerb“ gesehen und schwanke zwischen Klaus Kastberger und Hubert Winkels hin und her….“

Gewonnen hat dann  Klaus Kastberger ohne meine Stimme.

Und vor der Preisverkündung  wurde dann bei 3-Sat „Tabula Rasa-Ingeborg Bachmann und das große Wettlesen in Klagenfurt“ gesendet, das ich schon einmal gesehen habe, wo man sich noch einmal das „Bachmannpreis-Spektakel“ erklären lassen konnte.

Und dann kam die Überraschung bei der Shortlistplatzierung, denn Stefanie Sargnagel, die vorgeblich gehypte, ist nicht dabei, natürlich wahrscheinlich, schreibt sie doch sehr alltäglich und wahrscheinlich doch nicht so literarisch und auch Tomer Gardi gehlt. Dafür hat sich Meike Feßmann bezüglich ihres „Karl-May-Parodie-Autors Jan Snela durchgesetzt und sonst habe ich es ziemlich getroffen:

Marco Dinic, Selim Özdogan, Julia Wolf,Isabelle Lehn Sharon Dodua Otoo und Dieter Zwicky. Den Bachmann-Preis hat dann die 1972 in London geborene Sharon Dodua Otoo mit „Herr Gröttrup setzt sich hin“ gewonnen. Der Schweizer Dieter Zwicky hat dann den „Kelag-Preis“ gewonnen.

„Wir sind nicht verdutzt, nein wir sind verzwickt!“, sagte der Juror Jurij Steiner. Julia Wolf bekam dann für „Herr Nowak bleibt liegen“, wie von mir erwartet den „3-Sat“ und der auch öfter genannte Marco Dinic blieb wieder übrig.

Bitte nicht Marco Dinic zum jährlichen Durchreicher machen, twitterte Cornelia Travnicek, aber es gibt ja noch den Publikumspreis und den hat dank der zwanzig- oder zweihunderttausend Facebook Followers Stefanie Sargnagel gewonnen, die ja schon ein Vido hat, wo sie den Hauptpreis für sich votierte und die Preisträgerin hob zur Verleihung die Hand zur Faust und pries das „goldene Patriachat“.

Hubert Winkels hielt die Schlußrede, in der auf die Wichtigkeit des Preises in Zeiten der sozialen Medien, wo jeder auf „Amazon“ rezensieren kann und eine Pressekonferenz gibt es seit dem letzten Jahr im Anschluß auch und, um mein Resumee zu ziehen, der vierzigste „Bachmannpreis“ war sehr interessant, sehr vielsprachig, sehr „risikoreich“ und gewonnen hat dann doch die „brave, große, echte, wahre Literatur“ und die Risikoautoren blieben über, mir hat es aber gut gefallen und ich bin mit der Auswahl auch einverstanden.

 

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