Literaturgefluester

2016-07-23

Unverständlich schreiben

Filed under: Glosse — jancak @ 01:54
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Ich blogge hier ja meistens ziemlich unbemerkt dahin, bekomme durchschnttlich in der Woche einen Kommentar und meinen „Gefällt-mir-Stammliker“ habe ich jetzt auch verloren, so daß ich mich  manchmal ein bißchen einsam fühle, aber einige Kommentare,  neben den aufmunternden, die es auch gibt, wie, daß es, das ziemlich schlechteste von allen Schlechten ist, was ich hier verfaße, daß ich desinteressiert und uninteressant schreibe, viele Fehler mache, noch immer, daß mit scharfen ß schreibe und nicht zu verstehen bin, habe ich schon bekommen.

Nicht sehr oft, in den letzten acht Jahren, die ich blogge, gerade ein oder zwei Handvoll solcher Meldungen würde ich mal schätzen und zwei Damen, die mich ein bißchen provozieren oder aufziehen wollten, habe ich auch gehabt, was mich  immer etwas irritiert und ich nachträglich, wie ich bin, auch immer und immer wieder, vielleicht damit es nicht vergeßen wird, erwähne und nach Anerkennung jage ich auch,  bin ein wenig frustriert, daß ich sie nicht bekomme und ich die Handvoll regelmäßiger Kommentierer, die ich im ersten Jahr hatte, verloren habe. Derzeit kommentiert nur Manfred Lagler-Regall ziemlich regelmäßig und die liebe Ruth schickt mir  gelegentlich Kommetare.

Ansonsten herrscht hier das große Sommerloch, was  es in der Politik mit der wiederholt werden müssenden Präsidentenwahl, dem Türkeiputsch, den Anschlägen in Frankreich, eterera, derzeit nicht gibt.

In den letzten Tagen habe ich aber einen regen Mailwechsel mit einem Kritiker geführt, der mich wieder einmal darauf aufmerksam machte, daß ich „Schlechtes, unverständliches Zeug!“, schreibe und meinte, daß meine Erfolglosigkeit daher komme, daß ich nicht schreiben könne und ich daher nie und nimmer  einen Verlag finden werde und ich alle diesbezüglichen Hoffnungen und, die nach Preisen und Anerkennung, füge ich hinzu, getrost aufgeben kann!

„Kann es sein, daß Sie zwar schreiben wollen, es aber schlicht und einfach nicht können?“, hat er mich gefragt und ich habe pflichtgemäß geantwortet „Mag sein!“, da ich  solche Kritiken öfter bekomme. Andererseits schreibe ich dafür dann eigentlich wieder zu viel und auch zu lang.

Denn ich habe das Schreiben nicht,  wie die meisten in der Schule gelernt, sondern bin schon mit diesen Kenntnissen in die erste Klasse gekommen, weil, als meine Mutter ein Jahr früher, ich bin ein Novemberkind, mit mir zur Anmeldung ging, haben die mich dort wegen Sprachfehler nicht genommen, sondern wollten mich in eine Sonderschule für Sprachverzögerungen schicken.

„Mein Kind kommt in keine Sonderschule!“, hat  meine Mutter geantwortet und ist mit mir ein Jahr lang zu einem Logopäden gegangen, der mir offensichtlich nicht nur das fehlende „R“  und „S“ oder, was immer damals nicht stimmte, sondern auch das Lesen und das Schreiben beibrachte und, ich glaube, ich habe schon in der Volkschule in meiner Freizeit Aufsätze geschrieben, die ich dann mit Stolz meiner Lehrerin zeigte und in der Hauptschule ein Krippenspiel.

In der Straßergasse habe ich zwar die Frau Professor Friedl mit meiner fehlerhaften Rechtschreibung, denn die war mir damals sehr egal, geplagt, aber, daß ich später schreiben und Psychologie studieren will, habe ich schon zwei Jahre vor meiner Matura gewußt und das habe ich auch ausgeführt, nur leider nicht oder weil ich vielleicht zu fehlerhaft und unverständlich schreibe, den literarischen Erfolg, der mir, wie, meine Leser wissen, sehr wichtig ist, gehabt.

Daß ich „unverständliches Zeug“ schreibe, würde ich eigentlich nicht glauben, obwohl ich schon solche Rückmeldungen bekommen habe, ich bin eher, hätte ich gedacht, zu einfach, zu wenig abgehoben, zu realistisch, etcetera.

Nun gut, ich habe also 1973 mit dem literarischen Schreiben angefangen, die erste Erzählung vollendet, bin dann prompt in eine Krise geraten, denn untertags studieren und am Abend und in den Ferien ohne Rückmeldungen schreiben, Schreibschulen hat es damals nicht gegeben und Kontakt zur Szene hatte ich ebenfalls nicht, war nicht so einfach.

1976 oder 1977 habe ich dann  eine Geschichte „Die Einladung zum Tee“ verfaßt, mit der ich wieder zufrieden war und sie dem Gerhard K. und der Monika Jensen gezeigt, die beide gefühlte Stunden darauf herumdozierten, wie schlecht der Text nicht sei!

Die Monika hat mich  aber trotzdem in den „Arbeitskreis schreibender Frauen“ gebracht, wo ich in Kontakt mit Marie Therese Kerschbaumer, El Awadalla, Elfriede Haslehner, Hilde Langthaler, Christa Stippinger, Erika und Bärbl Danneberg etcetera kam, gebracht.

1986 habe ich um Aufnahme in  die GAV, dem größten österreichischen Autorenverein angesucht, 1987 haben sie mich genommen.

1980 habe ich, glaube ich, mit „Güler will kein Kopftuch mehr“, den Preis für ein nicht geschlechtspezifisches Kinderbuch gewonnen, das dann auch 1982 den „Kinderbuchpreis der Stadt Wien“ bekam und bei „Jugend und Volk“ verlegt wurde.

Den „Körner Preis habe ich bekommen und ich habe angefangen meine Texte herumzuschicken, sowie die Verlage, wie ich meinen würde, mehr oder weniger patschert, angeschrieben.

Zweiundvierzig, glaube ich, bei den „Hierarchien“, das war Ende der Achtziger-Anfang der Neunzigerjahre, dann habe ich schon damals beim Hofrat Unger, der damals dafür zuständig war, um einen Druckkostenzuschuß angesucht, um es selber zu machen, das aber auch Jack Unterweger von der „Edition Wortbrücke“ geschrieben, der es dann herausbrachte.

Weitergeschrieben, ein paar Texte in Literaturzeitschriften und Anthologien, Verlag keinen mehr gefunden, bis ich es  ab 2000 selber machte und jetzt schon an die vierzig selbstgemachte Bücher, die ich mir zu je fünfzig Stück beim „Digitaldruck.at“, früher in anderen Druckereien drucken lasse.

Etwas, was früher eher unmöglich war, dann kam aber das „Book on Demand“ und das Selfpublishverfahren und jetzt machen es sehr viele selber, wenn sie dann auch ihre Bücher eher bei „Amazon“ einstellen.

Der Stein des Anstoßes zu dem Mail, daß ich nicht schreiben kann, war auch mein Kommentar im „Literaturcafe“, bezüglich der Debatte, daß die Raubkopierer, den Selfpublishern sehr schaden würden, etwas, das ich nicht so kritisch, sondern eher lockerer sehe, weil ich mir eigentlich  nicht  vorstellen kann, daß die Selfpublischer wirklich so viel verdienen und ihre Bücher so oft gelesen werden, daß die Raubkopierer sie um vierstellige Eurobeträge brächten.

Das habe ich kommentiert, sehr schnell,  mit vielen Kommafehlern und sehr unverständlich offenbar, wie der Kritiker meinte, der in seinem Mail einige Blogartikel von mir, in denen ich, wie ich sehr gern tue, über mein erfolgloses Schreiben jammerte, verlinkte und mich darauf hinwies, wie man sie besser und verständlicher schreiben kann.

Er würde, hat er noch geschrieben, meine Kommentare gern im Literaturcafe lesen, weil ihm meine Fehler, das „Gruseln“ beibringen, so wie man als Kind verbotenerweise Horrorfilme sieht und die Hand dann vor Entsetzen vor die Augen legt, es aber dennoch nicht lassen kann!

Ein starker Tabak und  sicherlich sehr kränkend, denn ich will ja, wie die meisten Aufmerksamkeit und Erfolg, bemühe ich sosehr und dann höre ich immer wieder oder doch gelegentlich, daß ich nicht schreiben kann!

Ich werde offenbar damit leben müßen und bin auch schon dabei das zu tun!

Meine vierzig selbstgemachten Bücher sind ja solche Selbsthilfereaktionen und auch mein inzwischen schon über achtjähriges Bloggen, denn da schreibe ich  jeden Tag über die Bücher die ich lese, die Veranstaltungen, die ich besuche und ich gehe  wahrscheinlich auch schon über vierzig Jahre mehrmals in der Woche zu Literaturveranstaltungen und natürlich auch über mein Schreiben und noch vieles andere.

Da bin ich inzwischen auch sehr selbstbewußt und habe wahrscheinlich wirklich das Gefühl, ich kenne mich gut aus, was den anderen, wenn das dann noch mit ein paar Fehlern garniert wird, höchstwahrscheinlich auf die Nerven geht und zu Kommentaren, wie die oben zitierten führt!

Trotzdem frage ich mich immer noch, warum man eigentlich  fehlerlos schreiben muß, bevor man bloggen, kommentieren, veröffentlichen, etcetera, darf?

In Zeiten, wie diesen darf oder kann das jeder und kann  auch mit Rechtschreibfehlern seine Bücher publizieren (ein Lektorat ist natürlich zu empfehlen) oder bloggen und da kann man natürlich geteilter Meinung sein und ich bin das, ganz ehrlich, auch.

Denn auf der einen Seite bin ich immer noch der Meinung, wie damals, als ich in die Straßergasse ging und, die Frau Professor Friedl ins Schwitzen brachte, weil sie mir wegen meiner Rechtschreibfehler nur ein „Sehr gut minus“ geben konnte und ich mir dachte „Was hat sie nur, das ist doch in Ordnung?“

Auf der anderen Seite, habe ich dann doch einen Perfektionismus, der mich dazu bringt, daß ich, so wie gerade jetzt, bei den „Berührungen“ meine Texte Wochen und Montate lang korrigiere, damit sie endlich fehlerlos werden und ich  die gewünschte Anerkunng bekomme, was dann doch nicht klappt.

Und ich denke auch, man sollte sich bemühen, fehlerfrei und verständlich zu schreiben, verstehe  aber nicht wirklich, warum ich „daß“ jetzt mit zwei „ss“ schreiben soll, wenn ich es doch in der Schule so lernte? Und so tue ich es auch nicht.

Ich bin auch ein wenig schlampert und wahrscheinlich auch ein bißerl legastehen, wie ich immer schreibe, eine umtrainierte „Linke“ halt, wie man das damals vor fünfundfünfzig Jahren, als ich in die Schule kam, so machte und das mißfällt meinen Lesern und weil man ja im Internet offen und ehrlich sein darf, kommen dann Kommentare und Mails, wie oben und werfen mich zurück, beziehungsweise, denke ich, inzwischen, ich muß  lernen damit zu leben und habe auch mit meinem Kritiker, der sich sehr bemühte, mir zu zeigen, wie ich verständlicher schreibe und mir den Rat gab, viel zu lesen, eifrig kommentiert.

Aber ich lese ja sehr viel und da manchmal auch ebenfalls Unverständliches, was dann die Bücherblogger reizt und  das auch  regelmßig auf die deutsche Buchpreisliste kommt.

Es ist vielleicht auch ein bißchen verwirrend, daß die Romane, die bei den Literaturwissenschaftlern, den höchsten Wert haben, wie die von Proust, James Joyce, Arno Schmidt, zum Beispiel, als eher unverständlich gelten und von den wenigsten gelesen werden, obwohl man in den Literaturseminaren davon lernt und seine Diplom- oder Bachelorarbeiten, wie das jetzt heißt, darüber schreibt.

Ich vergleiche mich natürlich nicht mit Arno Schmidt und habe ihn, als ich ihn gelesen habe, auch nicht verstanden und mich dafür entschieden, mich jetzt kein Jahr damit zu beschäftigen, sondern,  das Buch nur zu überfliegen und das in meinen Blog auch so zu berichten und auch das Leseverhalten ändert sich.

Es können immer weniger Leute lesen. Die Schulen werden inzwischen von vierzig Prozent sekundären Analphabeten verlassen, so daß es inzwischen  „Leichter  Lesen-Bemühungen“ gibt.

Dazu kommen dann auch die Migranten und die Flüchtlinge, die unser Sprachverhalten verändern werden und das war heuer auch beim „Bachmannpreis“ besonders ersichtlich, daß da zwei Autoren gelesen haben, die nicht in das übliche „Literatururinstitutsniveau“, passten, nämlich die Facebookautorin Stefanie Sargnagel und der Israeli Tomer Gardi, der wenn ich es richtig vertanden habe, nur gebrochen Deutsch spricht.

So heißt jedenfalls der Roman, der bei „Droschl“ erscheint oder schon erschienen ist und der Text, den er las, war in dieser gebrochenen Sprache, die inzwischen viele Migranten zumindest am Anfang, haben werden und die werden dann, wenn sie beispielsweise kommentieren, das vielleicht auch fehlerhaft tun und ich bin ja eine, die sich wünscht, daß alle schreiben sollen, so gut, wie sie es können und sich  diesbezüglich Toleranz und Offenheit wünscht!

So verstehe ich eigentlich nicht, daß man keine Rechtschreibfehler haben darf oder dann nichts mehr veröffentlichen und kommentieren sollte, weil dann  sehr viel verloren geht und ich eigentlich schon glaube, daß der Weg das Ziel ist.

Wie es auch beim “ Ohrenschmaus“, dem Literaturpreis für „Menschen mit Lernschwierigkeiten“, so gang und gebe ist, daß da  keine Rechtschreibfehler zählen und der wird  heuer ganz prominent im Rahmen der „Buch Wien“ vergeben und nicht, wie bisher, Anfang Dezember am „Tag der Behinderung“ und da wünschten sich die Intitatoren schon vom Anfang an, daß die Autoren auch beim „Bachmannpreis“ lesen dürfen.

Sie werden es wahrscheinlich nicht können, weil die meisten Texte keine Länge von zwanzig Minuten haben und die meisten Autoren auch nicht selber lesen, was man da ja tun muß.

Es ist aber, habe ich,  heuer in Klagenfurt gehört, das einzige Kriterium dort auftreten zu können, ein Text in deutscher Sprache, der nicht einmal gut sein muß.

Das hat Klaus Kastberger, so verlautet, der Tomer Gardi  eingeladen hat und er hat es sicherlich nur getan, weil er der Meinung war, daß der Text gut ist.

Das wirft uns aber, denke ich, an die Ausgangslage zurück, daß sehr viele Leute schreiben wollen, es auch irgendwie können, aber nur vierzehn beim „Bachmannpreis“ lesen düfen und daher auch sehr ausgewählt werden. Die Literaturinstitute suchen aus, die Verlage tun es und „Die Lektoren würden stöhnen oder zu lesen aufhören, wenn sie meine Texte sehen!“, hat mein Kritiker gemeint.

Mag sein, ich habe ja außer bei den zwei Fachbüchern, keinen ẃirklichen Verlag gefunden, schreibe aber schon seit über vierzig Jahre, habe inzwischen über vierzig Bücher selber publiziert, die der Alfred lektoriert und die ich selber monatelang auf Fehler überprüfe, obwohl ich das eigentlich nicht will und inzwischen gibt es auch für die übergebliebenen anderen bei „Amazon“ die Möglichkeit zu publizieren, was wie ich  immer höre,  ein großer Erfolg sein soll.

Weil ich sehr viel und auch über den Tellerrand lese, habe ich auch solche Bücher gelesen und bin eigentlich beim Lesen nicht sehr anspruchsvoll, sondern eher tolerant und so verstehe ich auch das meiste, außer Arno Schmid und Richard Obermayr, könnte ich jetzt frech einwerfen, aber das ist eine andere Liga und so schreibe und blogge ich auch weiter.

Nerve, wie ich fürchte, meine Leser machmal mit meinen ewigen Jammern, daß ich es nicht und nicht in den Literaturbetrieb schaffe, die sich dann vielleicht damit rächen, daß sie „Was wollen Sie, gute Frau, könnte es nicht daran liegen, daß sie einfach schlecht und unverständlich schreiben?“, ausrufen.

„Vielleicht!“, muß ich dann wohl antworten.

Aber ich bemühe mich doch sehr, habe schon sehr viel geschrieben und gelesen und denke auch, daß man das, was man gern und viel tut, irgendwie kann!

Werde mich aber, ich verspreche es, bemühen, bei meinen Kommentaren aufzupassen und sorgfältiger zu sein.

Und meine Blogartikel korrigiere ich auch immer wieder, obwohl es natürlich vorkommt, daß ich Fehler übersehe und die sollten nicht sein, das stimmt schon. Aber der Weg ist das Ziel und vielleicht ist das, was eine, die so lang und so unermüdlich schreibt, doch nicht so uninteressant?

Und so werde ich wahrscheinlich weiter für mein „Recht zu schreiben“, kämpfen und würde mir auch Anerkennung, Geduld und Verständnis meiner Leser wünschen, aber das ist wohl in Zeiten, wie diesen, wo immer mehr Leute schreiben und immer weniger lesen, vielleicht wirklich ein bisserl naiv!

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