Literaturgefluester

2020-09-26

Genossen

Jetzt kommt ein politisches Sachbuch das mir „Wagenbach“ schickte, der 1962 geborenen amerikanischen Politikwissenschaftlerin Jodi Dean, die sich mit dem Begriff des „Genossen“ der ja vom Genießen kommt, in allen Richtungen mit vielen Fußnoten und Erklärungen auseinandersetzt und das finde ich, die sich damit ja schon theoretisch als auch praktisch auseinandergesetzt hat, interessant, das einmal von der amerikanischen Seite, die da ja eine andere Geschichte und Sichtbild hat, zu betrachten, noch dazu, da ich mich mit der amerikanischen Politik nicht sehr auskenne.

Jodi Dean, die schon mehrere Bücher geschrieben hat, beginnt im Kapitel „Wie aus Unterstützern Genossen“ werden mit einem Beispiel, wie Barak Obama, 2016 Bernie Sanders „scherzhaft aufs Korn nahm“ in dem er ihn als „Genossen!“, bezeichnete, obwohl er ja einer anderen Partei angehörte.

Dann kommt es zu einer Abgrenzung des Begriffs Genossen, der, wie Dean vermutet in Europa als zu stalinistisch oder altmodisch abglehnt werden könnte, vom Kamerad und Kollegen abgrenzt und zitiert Beispiele, daß Leute von der Herzenswärme berichten, die sie spürten, wenn sie mit Genossen zusammenkamen. Man ist plötzlich in einer Reihe von Höherrangigen, die einen als Genossen bezeichnen, der Begriff kann aber auch Beispiel oben im negaiven Sinn verwendet werden.

Genosse ist man, um sich zu helfen und zu unterstützen und da sind wir schon bei dem amerikanischen System der Unterstützer, die es seit fünf Jahren auf den Unis gibt, wo sich Wohlhabende, um andere kümmern sollen und da gibt es schon ein Ratgeber, gibt wie sich der Unterstützer zu verhalten hat.

Dann gehts zur momentan ja sehr kritisierten Frage, ob ein Genosse weiß und männlich sein muß?

Dean beginnt mit der Genossin, da wären ja Rosa Luxemburg, Angela Davis und Clara Zetkin und eine Reihe mir unbekannter Namen Gegenbeispiele und bei den schwarzen Genossen wären wir schon bei der heute sehr oft diskutierten Frage, ob schwarz nicht mit Armut gleichzusetzen ist und ob Schwarze und Weiße wegen der zitierten sozialen Unterschiede wirklich Genossen sein können?

Bei den Genossinnen zitiert Dean noch das Beispiel einer, die in einem Kurs Hausarbeit als wichtigen Teil erwähnte und da von den Genossen unterbrochen wurde, weil das ja wirklich nicht wichtig ist, aber notwendig, füge ich hinzu und Dean komm zur „Negativität“, des Genossen und zitiert da den russischen Dichter Platonow, der ja, glaube ich, derzeit viel gelesen wird, der meinte, daß die Genossen schnell weg wären, sobald sie Brot und Eigentum besäßen, weshalb das zu unterbinden sei.

Im dritten Kapitel werden dann vier Thesen zum „Konzept des Genossen“ aufgestellt und an vielen Beispielen, wie zum Beispiel dem 1936 entstandenen Film „Ninotschka“ von Ernst Lubitsch mit Greta Garbo aber auch einer 1096 erscheinenen Erzählung von Naxims Gorki, den schon erwähnten Roman Platonow aber auch den Schriften von Marx, Trotzki Lenis, etcetera erläutert, daß

1.“Der Genosse durch Gleichheit, Gleichstellung und Solidarität ausgezeichnet wird

2. daß jeder kann aber nicht alle Genossen sein können

3. Daß das Individum ein anderer oder etwas anderer, als der Genosse ist und

4. wird die Beziehung des Genossen durch Treue zu oder an eine Wahrheit vermittelt werden“, was beispielsweise oft eine Partei sein wird.

Im letzten Kapitel „Mein Genosse bist nicht“ geht es um das Ende der Genossenschaft, die Dean als „Ausschluß, Austritt, Abwendung und Ende der Welt“, definiert.

Beim Kapitelteil „Ausschluß“, da habe ich ja viel von den Ausschlüßen, die die KPÖ in den Fünfziger- oder sechzigerjahren bezüglich des Thema Stalinismus betrieben habe, gehört.

Dean führt die Moskauer Prozeße an, da habe ich ja kürzlich den Ruge und früher den „Lärm der Zeit“gelesen und außerdem das Beispiel, wie Trotzki eine Bahnfahrt verwehrt wurde, er blickte zu seinen Genoßen, die sind aber stumm geblieben, angeführt.

„Austritt“ ist, wenn ich mich selber von der Partei abwende also kein Kommunist mehr sein will. Da schildert Dean das Beispiel eines C. L. R. James, der 1962 eine amerikanische Arbeiterzeitung verlassen hat.

„Abwendung“ ist wohl, wenn ich ideologisch die Partei verlasse und beim Kapitel „Ende der Welt“, wo ich mir zuerst „No na oder was ist das wohl?“, dachte, wird lang und breit aus Doris Lessings „Goldenen Notizbuch“, zitiert, das ich, glaube ich, einmal gelesen habe, weil es mir Judith Gruber- Rizzy zum Geburtstag schenkte, als Lessing den Nobelpreis bekam, mich aber nicht mehr so gut erinnern kann, es also wieder lesen müßte.

Was wahrscheinlich überhaupt die Quintessenz nach dem Lesen von Jodi Deans Theorie ist. Lesen und sich mit dem Thema weiter befassen. Der amerikanische Kommunismus ist mir ja, wie schongeschrieben, sehr fremd. Sonst wurde ich öfter an Stephan Teichgräbers Workshops erinnert. Der mich ja bei den Themen Utopie, Revolution– und Partisanenliteratur, sehr oft mit alten russischen Büchern, die sonst an mir vorbeigegangen wäre, in Beziehung brachte. So habe ich ja zwei Teile des „Leidensweg“ gelesen und beim Thema „Partisanen“, war ja auch einiges dabei, interessant, also eine amerikanische Wissenschaftlerin kennengelernt zu haben, die sich mit den „Genossen“ befaßt, aber wenn man sich mit den amerikanischen Beispielen aus zeitlichen Gründen nicht weiterbeschäftigen kann, wird es zumindestens bei mir nur bei den Überschriften bleiben.

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