Literaturgefluester

2018-11-18

Der Tag endet mit dem Licht

Filed under: Bücher — jancak @ 00:30
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Jetzt kommt wieder ein Buch von der Herbstleseliste, eines das nicht auf der dBp oder der öst, wohl aber auf der Bloggerdebutliste, wo ja bald die Shortlist bekanntgegeben wird, steht und eines das mich sehr verwirrte und etwas ratlos zurückließ.

Wird das dünne hundertneunzig Seiten Büchlein des1986 in Bonn geborenen Denis Pfabe, der die „Bayrische Akademie der Sprachkunst“ besuchte, doch bei „Amazon“ hoch gelobt und auch Katja Lange- Müller hat „konzentriert, bildstark und kein Wort zu viel. Die enorme Spannung, die sich in diesem Roman von der ersten Seite an aufbaut, verdankt sich Denis Pfabes stilistischen Minimalismus“, auf den Buchrücken geschrieben.

Etwas was sich auch bei den „Amazon Rezensenten“ wiederfindet, daß sie die sowohl die Konzentration und die Spannung loben, aber mir war es wohl zuviel an Konzentration, so daß ich von der Spannung wahrscheinlich nicht viel mitbekommen hatte, hatte ich ja große Mühe, die ineinanderverschlungenen und meiner Meinung nach sich  auch widersprechenden Handlungsebenen zu verstehen.

Es geht, um eine Texilkünstlerin, die nur ein Auge und keinen Vater hat und die in den Achtzigerjahren, glaube ich, einem exentrischen Künstler, als Assistentin durch die USA folgte, weil der dort für ein Kunstprojekt Häuser zersegen und die Fenster nach Europa bringen lassen wollte.

Dazu brauchte er ein Team von ungehobelten Arbeitern mit denen die junge Frau, die vom Meister einen Packen Geld bekam, verhandeln sollte. Es gibt auch einen nicht anwesenden Galeristen und der Meister verschwindet immer wieder irgendwohin. Ansonsten schmeißt er mit dem Geld herum, verlangt von den Arbeiter unverständliche Dinge und die junge Frau bekommt von ihnen gesagt, daß sie ihnen, als Frau nichts anzuschaffen habe.

Ein legendärer Entführungsfall aus den Dreißigerjahren spielt auch eine Rolle und das konzentrierte Buch wird immer wieder durch Zeitungsnotizen oder Katalogeinträge, die auf das Werk des Meisters   hinweisen, unterbrochen.

Sein Lebenslauf wird auch erwähnt. Er, Adrian Ballon, wurde in den USA geboren, kam dann mit seinem Vater nach Deutschland. Jetzt kehrt er wieder in die USA und an den Ort Paradise zurück, wo er sich schließlich in seinem Ferrari erschießt, nicht ohne Frieda Beier vorher mitzuteilen, daß sein Vater eigentlich auch der ihre war und sein Vater ist auch am Tod seiner kleinen Schwester schuld.

Man sieht, da geht es weg von der Konzeptschuld. Es geht um Schuld und Sühne und hat vielleicht nicht mehr soviel mit Konzeptkunst zu tun. Es geht aber auch um Zerstörung, denn das ist  wohl auch das große Thema des Debutroman und am Ende führt die Texilkünstlerin das Werk des Meisters weiter und ich muß gestehen, daß ich das Buch nicht wirklich verstanden habe.

Wahrscheinlich hat es mir auch nur nicht gefallen, während in den Rezensionen, die ich gelesen habe, die dichte Zeichnung des Roadmovies, man könne sich das „staubige heiße Texas“ bildlich vorstellen, erwähnt wird und da fällt mir ein, daß ich vor kurzem ein anderes Roadmovie gelesen habe, wo es auch durch Amerika gegangen ist.

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2018-08-04

Flammenwerfer

Jetzt kommt wahrscheinlich das letzter Buch aus meiner Backjahresliste, bevor es an das große Buchpreis und Herbstneuerscheinungs– beziehungsweise Urlaubslesen geht und da habe ich aus der Reihe der Schmankerln die noch auf mich warten Rachel Kuschners „Flammenwerfer“ aus den noch auf mich wartenden Schmankerln gezogen, ein Buch, das 2013 im Original 2015 in deutscher Übersetzung bei „Rowohlt“ herausgekommen ist und ich es wahrscheinlich Ende 2015 oder Anfang 2016 oder  aus einem der Schränke gezogen habe.

„Unververkäufliches Leseexemplar“, ist auf dem Cover aufgedruckt.

„Wir bitten Sie Rezensionen nicht vor dem 27. Februar 2015 zu veröffentlichen“.

Nun da ist es schon an der Zeit dazu und das Buch, kann ich mich erinnern, ist damals durch alle Munde und Blogs gegangen und heute, wie ich fast vermuten würde, schon vergessen, weil sich ja alle Blogger durch die brandtheißen Neuerscheinungen lesen und die anderen ohnehin lieber Netflix hören und die Bücher auch nicht mehr kaufen.

Sie legen sie noch in die Schränke  und „Flammenwerfer“ auf das ich sehr neugierig war, hatte, glaube ich, sowohl gute, als auch schlechte Rezensionen. Die schlechten habe ich, wenn ich mich nicht irre in Ö1 gehört, die guten flammenden stehen am Buchrücken:

„Wow was für ein Buch! Alle,  wirklich alle sollen es lesen, es ist das beste, was zeitgenössische Literatur zu bieten hat, ein absolutes Meisterwerk“ und Jonathan Franzen, von dem ich heuer auch schon was gelesen habe, hat noch „Ich liebe Kushners Flammenwerfer“, dazugeschrieben.

Weiter oben kann man etwas vom Inhalt erfahren „Dieses Buch ist ein erzählerisches Naturereignis – ein Roman über eine schnelle junge Frau auf einem Motorrad, ihre Liebschaften im New Yorker Kunst-Untergrund der späten Siebziger und ihre politischen Verwicklungen im Italien der roten Brigade“.

Wow, welche Vorgabe, könnte man meinen und, sich fragen, warum habe ich eine Woche gebraucht mich durch die fünfundert Seiten zu lesen, fast könnte man sagen, gequält und manche Kapitel habe ich direkt überflogen und mich bei den vielen verschiedenen Namen auch nicht sehr ausgekannt. Bei „Amazon“ läßt sich auch nachlesen, daß manche der Rezenseten diese enthusiatstischen Vorgaben nicht ganz teilten.

„Das Buch ist gut geschrieben. Langweilig ist es trotzdem, da die Charaktäre kein Leben eingehaucht bekommen. Alles plätschert, psychologisch treffen beschrieben, ins Nirgendwo, so als hätte sich die Autorin beim Schreiben gelangweilt.“

Rachel Kushner, entnehme ich dem Buch, wurde in Oregon geboren, studierte Literatur und kreatives Schreiben an der Columbia Universität, arbeitete in diversen Kunst- und Literaturmagazinen und liebt schnelle Motorräder und Skirennen.“ Flammenwerfer“ ist ihr zweites Buch, mit ihm und dem ersten wurde sie für den National Book Award nominiert, was, wie noch weiter steht, noch nemanden vor ihr gelungen ist.

Hm, wieder sehr viel autobiografischen könnte man meinen und unken.

Es gibt dann auch ein Nachwort der Autorin, das erklärt, wie sie zu dem Schreiben des Buches gekommen ist. Der Beginn war ein Foto ihrer Sammlung, das auch das Cover ziert, ein Frauenkopf mit verklebten Mund, zwei kleine  Plasterstreifen in Kreuzform, am Cover steht auf einem noch „Roman“ darauf.

Damit ist sie wohl ausgezogen, die Siebzigerjahre in New York mit den Siebzigerjahren in Italien, den Tod Aldo Moros, den Entführungen durch die roten Brigaden, etcetera zu verknüpfen und dann ist das entstanden, was am Buchrücken noch so beschrieben wird „Als dieser Roman 2013 in new York erschien, löste er ein unbeschreibliches Echo unter Rezensenten und Autoren aus. Einmütig stellten sie fest, daß „Fallenwerfer“ über alle vorgefassten Meinungen, was heute einen guten Roman auszumachen habe, hinwegfegt und alle seine Leser mitreißt und begeistert“.

Man kann es dem oben geschriebenen wahrscheinlich schon entnehmen, daß ich diese Meinung auch nicht ganz teile und fast glauben, wirde da wird in den fünfunhunderfünfzig Seiten ziemlich unstrukturuert vor sich hin geschrieben, Geschichten und Ereignisse aneinandergereiht und nach dem, was ich mir in den letzten vierzig Jahren über das Bücherschreiben angeeignet habe, erstaunt mich fast, daß das so große  Beigeisterungswellen auslöste, denn ich würde sagen, da gehört viel mehr strukutriert, eine Handlung hineingebracht, nicht bloße Fakten, Material und Konzeptwissen aneinandergereiht.

Dann werde ich versuchenden roten Faden der Handlung zu finden, was mir, wie ich fürchte, nicht sehr gelingt, denn eigentlich habe ich den  ja nicht entdeckt.

Da ist also Reno, die junge Frau und Konzeptkünstlerinn mit den schnellen Motorrädern, die fährt am Anfang des Buches über die großen Salzseen, hat dabei auch einen Unfall, macht aber einen Rekord. Dann kommt sie nach New York, lernt dort ihre Freundin Giddle kennen, arbeitet bei einem Fotografenteam und Sandro Valero, Sohn einer italienischen Autoreifendynastie lernt sie auch kennen.

Mit ihm verbringt sie einen Sommer in Italien, im Haus oder Schloß seiner Mutter, die dort mit einem alten Dichter lebt, das Hauspersonal ignoriert sie, denn sie ist nicht vom feinen italienischen Adel, wo man nicht „Haus“ sondern“ Eigenheim“ zu sagen hat.

So feine Spitzen gibt es auch. Sandro betrügt sie schließlich mit seiner Cousine. Die roten Brigaden entführen seinen Bruder und bringen ihn um. Es wird auch von der Konzeptkunst erzählt, wo Frauen ihren Arsch oder ihre Titen in einen Kasten stellen und die Männer ihn berühren können und noch während man „Wow !“,denkt“das habe ich doch schon wo gehört!“, wird schon Valie Export erwähnt und kommt auch in dem Nachwort der Autorin vor, wo sie eben erzählt, daß sie die beiden Strömenungen der siebzigerjahre, Italen, New York  und  wahrscheinlich noch viel mehr verknüfen wollte.

Freud wird zitiert oder kritisiert, Sylvia Plath erwähnt und immer wieder Geschichten erzählt. Zum Beispiel von einem, der irgendwohin Kaninchen liefern sollte, aber nicht darauf achteten , daß sie ja zwischen durch Nahrlung, Luft und Wasser brauchten, so daß sie am Ende tot ankamen oder eine von einemMatrosen und auch immer wieder schöne Sätze, die beeindrucken.

Am Schluß gibt es Fotos und auch das Material wird zitiert, aus dem Rachel Kushner ihren Jahrhundertroman, der offenbar doch kein solcher ist, montiert hat und ich bin vielleicht wieder ein bißchen klüger geworden, was das Romanschreiben und die Industrie herum betrifft, weiß nicht, ob mein Leseexemplar gelesen oder so entsorgt wurde und natürlich ist es interessant von einer weiblichen Motorradfahrerin, der amerikanischen Konzueptkunst, dem Feminismus, den Kampf, um das rote Italien und noch viel es mehr zu lesen und war, wie schon erwähnt, erstaunt, daß ein für mich eigentlich eher unstrukturiertes Aneinanderreihen von Fakten und Erlebnissen, wenn auch nur für kurze Zeit ein so großes Medienecho auslösen konnte.

Interessant ist vielleicht noch zu erwähnen. Reno geht als einzige Frau alleine in ein Pornokino. Dort wird zwar kein Popcorn verkauft. Es rascheln aber alle trotzdem mit Papiertüten. Auf einmal geht das Licht aus, der Kartenverkäufer kommt mit einer Taschenlampe heirein und bitte alle ruhig den Saal zu verlassen, denn in New York gab es inzwischen einen großen Stromausfall, der zu Plünderungen und Katastrophen führte, was auch noch beschrieben wird.

Vielleicht sind es Wenungen, wie diese, die diesen Hype und das Mär, um den noch nie dagewesenen Schreibstil auslösten.

Nochmals interessant und wahrscheinlich ein Druckfehler, der Satz auf Seite 13 „Mein Onkel Bobby, der seinen Lesbenunterhalt mit dem Transport von Schrott verdiente…“, passt aber zu dem Buch und seinen Stil sehr gut.

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