Literaturgefluester

2017-12-25

Das Wetter hat viele Haare

Jetzt kommt der bei „Kremayr&Scheriau“ erschiene Erzählband, der 1975 geborenen Renate Silberer, die ich, glaube ich, aus der „Alten Schmiede“ und den „Lockstoffen“ kenne, der eigentlich keiner ist, handeln die elf Geschichten, die durch kurze „Momentaufnahmen“ verbunden sind, doch von den Geschwistern Annemarie und Konrad und sind, wie im Klappentext steht, oft“traumhafte Momene und Spuren der Erinnerung, die zu einem neuen Bildführen.“

Eine Hilda gibt es auch, die ist von irgendwo weither zu ihrer Cousine Ester in die Stadt gekommen, um mit ihrer Krankenschwesternausbildung Gld zu verdienen. Jetzt lebt sie in einem großen Haus mit ihrem Mann und möchte gerne mit „Deckweiß“ die grauen Stellen in ihrem Zimmer bemalen.

Sie gibt aber auch Annemarie Interviews für deren Dissertation, dazu treffen sich die beiden in einen Cafe und die „Münder“ und die „Zungen“ spielen in den Geschichten auch eine große Rolle.

Konrad besucht das Haus des Großvaters und blättert in alten Familienaufnahmen. Franziska die Urgroßmutter mußte ihren Sohn weggeben, hat ihn später aber wieder zurück auf den Hof geholt und Ester und Hilda gehen tanzen. Ester die sich von Manfred trennen will, betrinkt sich dabei und während sie ihren Rausch auschläft, kommt Manfred in die Küche und Esters Kleid das jetzt Hilda trägt, wird dabei zerrissen.

Birgit Birnbacher hat mit „Wir ohne Wal“ einen Roman geschrieben, der aus lauter Kurzgeschichten besteht, der durch die handelnden Personen verknüpft ist und der mich dadruch sehr verwirrte.

Hier scheint es anders zu sein, denn man kann, die im Buch ausgewisenen sehr poetischen surrealen Erzählungen durchaus zu einer Romanhandlung verknüpfen, wie man auch bei „Amazon“ nachlesen kann und sich wieder einmal die Frage stellen, was ein Roman eigentlich ist und wie weit Geschichten ineinander verwoben sein müßen, um zu einem solchen zu werden?

In „Flugzeuge“ treffen wir jedenfalls auf Hanni und Karli in deren Garten ein Flugzeug abstürzt, eine sehr poetische Geschichte und in der nächsten „Vor dem Verschwinden“ taucht eine schwangere Ich-Erzählunerin auf und kommt nach Hause. Später begreift man, daß es Annemarie ist, die eine Freundin namens Hanni hat, die zwei Geschichten weiter ihr erstes Kind Mareike gebärt. Dazwischen gibt es noch eine Konradgeschichte, wie der mit seinen zwei Töchtern ins Elternhaus zurückkommt, die Kinder wollen nicht essen, der Sohn liest seine alten Tagebücher und den Karli, der eigentlich ein Charly oder Karl sein möchte, treffen wir in der nächsten Geschichte wieder.

Zu Mareike kommt auch noch die kleine Leni und in der Wohnung gibt es Schlangen und das du, zu dem die Mutter Annemarie immer spricht ist Manfred und der hatte ja einmal etwas mit einer Ester und in der letzten Geschichte sind die beiden getrennt.Annemarie zieht mit den Kinder aus, verdingt sich durch Bügelarbeiten und die Eltern können sie leider nicht unterstützen.

Sehr poetisch, die romanhaften Geschichten der Renate Silberer, die aus dem Buch auch bei der „Buch-Wien“ gelesen hat, Preise und Stipendien gewonnen hat und ich wieder einmal sehr gespannt bin, was ich von der Autorin noch hören und lesen werde können.

Und zum Adventkalender geht es hier 5 7 9 19 20 24 25 29 30.

Ein paar Lücken in der Handlung gibt es also noch, in ein paar Jahren wird es hier wahrscheinlich alles im Dezember zu lesen geben und für ungeduldige habe ich noch ein paar Exemplare, die man bei mir bestellen kann.

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2017-11-27

Toni und Moni

Filed under: Bücher — jancak @ 17:16
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„Oder Anleitung zum Heimatroman“. Über das zweite Buch von Petra Piuk, die schon am Volksstimmefest gelesen hat und mit ihrem Debut „Lucy fliegt“ auch bei den „O Tönen“ gelesen hat, habe ich schon einiges gehört.

War ich doch beim „Literarischen Heimatabend“ im Weinhaus Sittl und auf der „Buch-Wien“ wurde es im Literaturcafe auch gestellt.

Da habe ich, glaube ich, gehört, daß die 1975 in Güssing geborene, die glaube ich, die „Leondinger Akademie“ absolvierte, während oder nach der Van der Bellen Wahl, ja die hat  zum darüber Schreiben animiert, auf die>Idee einen „Heimat- oder besser „Antiheimatroman“ zu schreiben ,gekommen ist, denn darauf können ja eine oder einen, die entsprechenden Videos oder Posting zum Thema „Heimat“, „Ausländer“ oder „Überfremdung“ leicht bringen.

Petra Piuk geht es programmatisch an und hat auch einige Ebene in ihren Roman eingebaut, um das „Anti“ besonders deutlich zu machen. So gibt es immer wieder Fußnoten, wo die Verlegerin Tanja Raich mit ihrer Autorin schimpft oder sie mahnt, schneller zu sein, Leserwünsche zu erfüllen, die Handlung umzuändern, weil ein guter Roman ja spannend sein muß.

Ich weiß oder glaube eigentlich nicht, daß man in der „Leondinger Akademie“ nach der „Heldenreise“ vorgeht. Vielleicht hat Petra Piuk auch nur ein Buch darüber gelesen, wie ein spannender Roman sein oder nicht sein soll?

Sie macht sich auf den Frußnoten, ganz klein auch darüber lustig und dann ist vielleicht auch verwirrend, wer schreibt eigentlich den Roman, ist das Petra Piuk, der Name kommt häufig vor oder ist es die „Frau Schriftstellerin“?

Da scheint es auch mir nicht immer so ganz klar zu unterscheidende Unterschiede zu geben. Aber wahrscheinlich ist die Frau Schriftstellerin, das Geschöpf der Autorin P. P. und beide mischen sich aber ein und bekämpfen sich auch gegeneinander oder werden von der Lektorin auch dazu aufgestachelt und dann, das wissen, die, die sich für die „Heldenreise“ interessieren oder Schreibratgeber lesen, sicher, ein guter Roman muß einen Antogonisten haben.

Die Harmoniebedürftige, die ich offenbar bin, hat bei ihren Büchern manchmal Schwierigkeiten damit.

Petra Piuk führt da die böse Cousine ein, die das schöne Dorf Schöngraben an der Rauscher, verlassen hat, um in die Stadt zu gehen. Das man das in einem „schönen Heimatroman“ nicht darf und, daß in einem schönen Heimatroman auch keine Fremden erwünscht sind, liest man auf den ersten Seiten.

Da kommt die Cousine zur Taufe des kleinen Toni, des Neujahrsbaby, zurück und will ihn nicht halten. Sie kommt aber noch einmal, als Romanschriftstellerin und deren nicht so schöner erster Roman, den sich die Dorfbewohner entsetzt nacherzählen, hat eine Handlung wie „Lucy fliegt“  und jetzt will die Cousine auch einen Heimatroman schreiben, also sehr verwirrend oder besonders ausgefuchst.

Das Buch ist auch nicht in der üblichen „schönen Heimatromanform“ geschrieben, sondern in programmatischen Kapiteln, die uns erklären, was ein schöner Heimatroman, eine schöne Tradition, eine ehrliche Gastfreundschaft ist oder wie man es in dem schönen Dorf, mit dem Alkohol, der Tierliebe, der Ehe, etcetera hält.

Das liest sich dann in etwa so:

„1. Schöngraben ist ein schönes Dorf.

2.In Schöngraben fühlt sich jeder Gast daheim.

3.In der Heimat gibt es: ein gutes Essen, ein gutes Trinken und gute Menschen. Aber keine Gutmenschen. Das darf man bitte nicht verwechseln.

4. Außerdem gibt es: eine gesunde Landluft, eine gesunde Jause und eine gesunde Watschen.

5.Außerdem gibt es: eine schöne Natur, eine schöne Tradition und eine schöne Heimatmusik.

6. Natürlich gibt es noch viel mehr Schönes in der Heimat. Die Dirndlkleider sind schön. Die Lederhosen sind schön. Die Leich ist schön“.

Man sieht schon, glaube ich, wie der Hase läuft. Ich-Erzähler ist der Toni, der Sohn vom Friedl und der Gabi. Am Schluß gibt es ein Personenregister und die geben so alle zwei Jahre, gemeinsam mit den Eltern in der Zeitung eine Geburtstagsanzeige auf, die sie dem Bubi dann zum Geburtstag schenken und überall aufhängen

Das liest sich dann, schön eingerahmt so:

Lieber Toni!

(Neujahrtsbaby von Schöngraben an der Rauscher)

Du wirst heuter vier, darauf trinken wir Bier und schenken dir

die Geburtstagsanzeige hier.

Alles Gute zum Geburtstag! Papa, Mama, Oma, Opa“

Das führt durch die Handlung des schönen Heimatromans und der muß ja, wie man lesen kann, ein glücklches Ende, also eine schöne Hochzeit haben. Die Braut  soll die Moni sein, wie schon der Name sagt, die Nachbarstochter, die will aber nicht, weil ein schöner Roman ja auch seine Konflikte und seine Antagonisten braucht, bis die Hochzeitsglocken läuten und Roy Black „Ganz in weiß“, ja richtig, Schlager spielen auch eine große Rolle, singt, so ganz, obwohl der Toni mit ihr  schon frühzeitg „Vater Mutter Kind“ und auch Hochzeit am Dachboden spielt.

Deenn sie will zuerst einen Michael, so daß der Toni ihre Katze töten muß, um sie auf den richtigen Weg zu bringen, dann will sie in die Stadt, eine Lehre als Fotografin zu machen, was sie aber nicht soll, denn die Stadt ist ja gefährtlich und da wird man gleich, wie man  auch in diversen Postings lesen kann, in der  U-Bahn vergewaltigt.

Da mischt sich dann die Cousine ein und, daß es auf dem Land nicht ganz so idyllisch ist, wie oben geschildert, läßt uns die Autorin auch noch wissen, denn da geht der Toni in den Stall, um den Bauern nach Kalbfleisch zu fragen und der hat seinen Penis schon darin und der Toni ist vielleicht vom Poldi Opa, so daß der Opa zuerst die Oma, die das verraten will und dann sich selber umbringt und so weiter und so fort.

Lauter Schwierigkeiten und so muß die Lektorin ihre Autorin öfter mahnen, doch bitte bald zu dem glücklichen Ende zu kommen, denn es gibt  schon Vorbebestellungen und Lesetermine und das kommt dann auch, die Hochzeitsglocken läuten, aber auch nicht für lang, denn jetzt mischt sich auch noch die Moni ein, entpuppt sich als die wahre Autorin und sprengt die ganze Idylle mit Schwung in die Luft.

Man sieht, es ist sehr viel los in diesem Heimatroman und er ist vielleicht auch nicht für allle Gemüter geeignet, denn die die sich Dirndln, Kuhglocken und ein Happyend erwarten, werden vielleicht enttäuscht sein und „So ein Schmarrn!“, der Frau Lektorin.

Ein klein bißchen hatte ich mit dem „Verarschen“ auch meine Schwierigkeiten, obwohl ich ja selber manchmal abgebrochen schreibe und denke, daß man sich in Zeiten, wie diesen, durchaus politisch äußern kann und darf. Robert Menasse, Doron Rabinovici, Mascha Dabic und auch ich selbst natürlich, tun das auch und jetzt bin ich auf das dritte Buch von Petra Piuk gespannt.

 

2017-03-23

Die Stierin

Von Andrea Stift, die ich 2008 kennenlernte und die dann einige Zeit meinen Blog begleitete und auch einige Zeit lang in der „Ohrenschmaus-Jury“ war, habe ich so ziemlich alles gelesen.

Aber jetzt schon länger nichts mehr von ihr gehört und als ich vor kurzem eines Abends von der „Alten Schmiede“, der „Gesellschaft“ oder von sonst irgenwo nach Hause ging, habe ich bei Anna Jeller ihr neues Buuch liegen gesehen. Zuerst habe ich geglaubt, es wäre bei „Kiwi“, es ist aber bei „Kremayr & Scheriau“ erschienen, die in ihrer literarischen Schiene nicht nur Debuts machen und ich kann es gleich verraten, es ist ein sehr dichtes Buch, wahrscheinlich das beste, das ich von der 1976 in der Südsteiermark Geborenen, gelesen habe, obwohl mir, das schreibe ich auch dazu, nicht alles daran gefällt.

Stammleser werden jetzt schon wissen, worauf ich anspiele, bin ich ja nicht nur gegen Sterbehilfe, sondern auch dafür, daß sich Frauen gegen die Gewalt, die die Männer auf sie ausübend, wehren sollen, aber nicht mit jeden Mittel und nicht um jeden Preis.

Mord gehört nicht dazu, da gibt es viel bessere Mittel.

„Nein!“, sagen gehört schon einmal dazu und dann gibt es noch Frauenhäuser, Pfeffersprays, Karategürtel, aber kein Pflanzengift und auch keinen Hammer.

Aber sonst ist es ein sehr vielschichtiges Buch, das in mehreren Ebenen gegliedert ist und bis in die Antike zurückgeht. So gibt es wie in einem der Frischmuth-Bücher, einen Chor, hier ist es vielleicht kein ganz griechischer, sondern einer von irischen Königinnen, die auch einmal Krähen genannt werden und da ist Maeve, eine rothaarige Frau um die Fünfzig, wie uns der Chor schon eingangs verrät.

Andrea Stift, die sich inzwischen offenbar verheiratet hat und sich jetzt Stift-Laube nennt, etwas, was vielleicht auch ganz gut zum Sujet passt, ist rothaarige, aber weil 1976 geboren, etwas jünger und Maeve ist die Besitzerin eines Käseladens.

Da steht sie  mit der Schürze hinter der Budel, schneidet mit scharfen Messern Käse ab, schenkt auch Wein aus und wenn nichts zu tun ist, schnitzt sie aus harten Käseresten Stiere und ein Heer von Krieginnen.

Nach und nach erfährt man ihre Geschichte und die ist auch sehr vielstimmig und diffizif und wird in verschiedenen Ebenen erzählt.

Der Klappentext erzählt von Alli ihrem Mann, den sie nachts besucht und dieser Alli tauchte eines Tages im Laden auf, bestellte eine bestimmte Sorte Käse und lud sie zum Essen ein. Beim zweiten Versuch stimmte sie zu und heiratete ihn  auch bald, er aber behandelte sie sehr schlecht und darin hatte Maeve,  die mit Achtzehn von ihren Eltern weg und in eine Stadt gegangen ist, ob es sich dabei um Graz handelt, wird nicht erwähnt, schon ihre Erfahrungen.

Denn da hat sie eine Weile in einer Pension gewohnt, bis sie der Käsehändler ansprach, sie  in seinem Geschäft arbeiten ließ und sie dann heiratete.

Danach mußte sie zu Hause bleiben, das Haus putzen, der namenlose Käsehändler war da sehr penibel, für ihn kochen und sich am Abend für ihn schön machen.

Als er gestorben ist, hat sie den Laden übernommen und, als sie noch Schülerin war und auf den Schulbus wartete, tauchte eines Tages ein behinderter Mann auf und begann an ihr herumzukrapschen. Sie konnte sich nicht wehren und, wie Andrea Stift hier die Dissoziation beschreibt, sie läßt sich von den Krähen wegtragen und sieht eine irische Königin, die mit ihrem Mann, um die Herrschaft beziehungsweise, um die Stiere streitet, ist wahrhaft meisterhaft. Großes Kompliment, so habe ich das noch nicht gelesen.

Jetzt ist sie aber erwachsen, Witwe, schnitzt in kundenlosen Momenten ihr weibliches Kriegerheer und da taucht eines Tages eine schwarzgekleidete Kundin auf, kauft Käse und erzählt ihr von Frauen, die ihre Gatten ermordet haben.

Am nächsten Tag kommt sie mit ihrer Schwester wieder und lädt Maeve zum Essen in ihre Wohnung ein, da gibt es  noch eine dritte Schwester.

Sie heißen Bod, Morrigen und Macha, das sind irische Namen und  haben ihre irische Vergangenheit und Lebensgeschichte, werden aber auch als Krähen beschrieben und sie helfen, wie ich schon erwähnte, mit für mich sehr unlauteren Mitteln, Maeve sich von der Unterdrückung zu befreien.

Wahre Emanzipation geht, glaube ich, anders und ich denke, die Frauen müssen den Männern nicht jede Gewalt nachmachen.

Sonst ist er aber ein starkes Stück, der kleine Roman, der am Buchrücken noch mit „Ein düsteres Kammerspiel, zwischen Freiheit, Mord und Selbstbestimmung“, beschrieben wird, der mich sehr beeindruckt hat.

2015-10-04

Wir zerschneiden die Schwerkraft

Die 1984 in Salzburg geborene Irmgard Fuchs, die ich von den „Studentenlesungen“ kenne, dann im „MUSA“, weil sie für ihren Erzählband ja Stadt-Wien Stipendiatin war und bei Christine Hubers „DichtFest“ hörte, war für mich eine Überraschung.

Denn die über Dreißigjährige, die auch einen sehr freundlichen sympathischen Eindruck macht, bringt es zusammen, einen ohne làrt pour l`art Sprachräusche und Flucht in das vorige Jahrhundert einen neuen frischen Ton in die Literatur zu bringen, erzählt von Einsamkeit, prekären Verhältnissen und löst mit einer neuen frischen Sprachen durchaus Beklemmung und Räsel aus.

So soll Literatur sein, denke ich und so würde ich es auch gern können, ein bißchen poetischer in meinem Realismus sein. Irmgard Fuchs macht es mir vor und ich habe ihren bei „Kremayr und Scheriau“ erschinenen Debutband „Wir zerschneiden die Schwerkraft“ gelesen

Neun Erzählungen, für die sie, wie sie bei der Präsentation in der „Gesellschaft der Literatur“ erzählte, eine Menge Titel hatte, dieser ist finde ich, ein durchaus passender, denn er drückt genau aus um was es da geht und was ich mir auch manchmal denke, das Elend des Menschen und wie es dem Durchschnittsmenschen geht, wenn er nicht zu den Celbrities gehört, aber durchaus einen bekömmlichen Lebenstandard hat.

Oder auch nicht, so ganz sicher ist das nicht und da gibt schon die erste Geschichte, die ich, glaube ich auch damals im „Musa“ hörte, einige Fragen auf. Denn da ist eine zulangsam für den Arbeitsmarkt. So schraubt sie Kugelschreiber zusammen und weil man ihren Freund an das andere Ende der Welt versetzte, ist sie sehr allein. Sie hat zwar eine Katze, aber sonst nicht viel Kontakt zur Umwelt, so zählt sie Ameisen und legt manchmal Kugelschreiber auf die Straße, um zu beobachten, wer sich darum bückt und sie kommt auch auf die Idee einen Brief mit einer Rakete in die Luft zu schicken, um denen von oben von der Welt unten zu erzählen.

Damit geht es gleich weiter, mit dem Leben einer Kartenabreißerin, die sich während sich das Publikum im Kozertsaal berauscht, Katstrophen ausdenkt.

„Was ist schlimmer Feuer oder Wasser?“

Das fragt sie ihren Ex.Mann, der paradoxerweise zu ihrem Geburtstagsfest kommt, dafür bäckt sie einen Kuchen und kauft auch Schlagobers, das ihr aber blöderweise vor der Kassa aus der Hand fällt.

Dann geht es in den Zirkus, dahin nimmt ein paar zwei „Attrappenkinder“ mit, denen sie dafür soviel Süßigkeiten bis sie speiben versprechen, denn man geht ja nicht ohne Kind dorthin. Der Mann will aber keine Kinder, weil in Zeiten, wie diesen….

Er ist auch sehr umweltbewußt, sammelt die Schnecken aus dem Schrebergärtchen ein und trägt sie in den Wald. An diesem Abend nach der Zirkusvorstellung tut es die Frau und kommt wahrscheinlich nicht mehr zurück.

Danach wacht eine auf, hat Zahnschmerzen, hat vom Rotkäppchen und dem bösen Wolf geträumt, geht am Sonntag durch die Stadt spazieren, lernt einen entlassenen Mörder kennen und in der Mülltone liegen die toten Goldfische.

That ist live,  im wirklichen Leben ist es wahrscheinlich noch trivialer, Irmgard Fuchs schmückt es als Sprachkunststudentin natürlich entsprechend aus, sie tut es aber auf eine Art un Weise, wie ich es noch nicht gelesen habe.

Surrealer wird es dann in den „Einhundersechzehn interstellaren Abbildungen“ und man könnte sich fragen, wird hier eine Psychose oder der ganz normale Wahnsinn des alltäglichen Lebens beschrieben?

Aber das trifft für alle Geschichten zu, Irmgard Fuchs hat nur den realen Ton in dem sie prekäres Leben schildert, das sie vielleicht selbst erlebte.

Wenn das Ich dann hungrig durch die Fastfoodtempeln einer Kleinstadt geht, nach dem sie von  Mc Donald Säcken der Sitznachbarn im Zug dorthin fuhr und dann noch verwechselt wird, ist vielleicht nur mehr die Irrealität zu spüren und ich frage mich auch, ob der Richard, der dann aus dem Entspannungsprobetraining, wie einige andere Prototagnosten der Erzählungen auch, nicht mehr zurückkehrt jetzt ein „Burn out“- oder ein „Bourn out  Verhinderungstraining“ machte?

Die akkurate Psychologin fragt sich das. Irmgard Fuchs wird hier wohl wieder listig mit der Ironie gespielt haben. Dann soll ein alter Mann in ein Altersheim, weil seine Frau schon längst tot am Küchentisch sitzt, so habe ich es mir jedenfalls gedeutet. Er putzt wie wild die Wohnung und verschwindet dann mit einem Koffer ins All.

Ja, ja das ist Surreale, mit dem ich doch so wenig anfangen kann oder ist es nur ein Abwehrmechanismus oder eine poetischere Beschreibung für den Tod?

Am Schluß kommen die „Bewerbungsschreiben“, die ich schon  in der „Gesellschaft“ hörte. Auch hier verschwindet schließlich die, die vorher in Zeiten wie diesen verzweifelt einen Job suchte, ins Nichts oder auf eine Insel und auf dem Klappentext steht „Die Figuren zweifeln an sich selbst, an der Wirklichkeit und an der Welt im Allgemeinen. Sie haben ihre Schwerkraft verloren, gewinnen dadurch allerdings eine Freiheit, die es ihnen erlaubt, anders zu sein.“

Das würde ich nun bezweifeln, beziehungsweise habe ich die Geschichten anders gelesen.

„Poetische und schräge Geschichten vom Zweifel an der Welt und an der eigenen Daseinsberechtigung“, bleiben es allemal.

Irmgard Fuchs, wie weiter im Klappentext steht „beeindruckt durch ihren genauen Blick und ihren eigenwilligen Ton, der poetisch, leicht, verträumt und ironisch zugleich ist.“

Lesen würde ich raten, weil die Releaseparty im „Siebenstern“ ja schon vorüber ist.

2015-10-03

Das Tortenprotokoll

„Ein Roman über das österreichische Rezept, sich die Vergangenheit und deren Schmerz mit Torten und Tascherln vom Leib“ zu halten“, steht am Buchrücken von Marianne Jungmaiers bei „Kremayr und Scheriau“ erschienenen Debutroman „Das Tortenprotokoll“, in dem die Ich-Erzählerin Friederike von ihren Eltern aus Berlin in das heimatliche Dorf geholt wird, weil die Großmutter gestorben ist.

Und die 1985 in Linz geborene Marianne Jungmaier, eine sich in einem Polstersessel räkelnde junge Frau mit rot geschminken Lippen, schwarzen Pulli, schwarzen Stiefelchen und Leggings im Leopardenmuster, die digitales Fernsehen, Filmwissenschaften und Journalismus studierte, seit 2011 freischaffende Autorin ist, lebt auch in Berlin und anderswo, wie am Klappentext zu ersehen ist.

Ich habe sie einmal bei einer Lesung in der „Alten Schmiede“ gehört, werde sie wahrscheinlich auch bei ihrer GAV-Antrittslesung am 23. Oktober hören und war vor einigen Tagen bei der Vorstellung des jungen Literaturprogramms, das es jetzt bei „Kremayr und Scheriau“ gibt.

Sie sei auf Marianne Jungmayr bei einer Lesung im Salzburger Literaturhaus aufmerksam geworden, erklärte dort, glaube ich, die Lektorin Ursula Eibel und das Buch ist, wie wahrscheinlich viele Debutromane in einer schönen, vielleicht ein wenig widersprüchigen Sprache geschrieben „Ich habe noch nie jemanden verloren, jedenfalls nicht absichtslos“ oder „Tobi, mit dem ich aufgewachsen war, der mir mehr Bruder war als meine Schwester“, wahrscheinlich hat sie auch an der „Leondinger Akademie“ studiert, auf jedenfalls wird Gustav Ernst am Schluß gedankt und beschrieben wird, wie wahrscheinlich auch in vielen Debutroman, die Kindheit und das Aufwachsen in der Provinz.

Trotzdem ist das Dorf, in dem Friederike, sie heißt so, wie ihre Großmutter, eigentlich keines aus den Achtziger und Neunzigerjahren, zumindest erinnert es mich stark an die, die ich aus den Fünfziger-und Sechzigerjahren kenne.

Da stehen die Marmeladegläster in den Kellern auf den Regalen und die Großmutter, die wieder einerseits als strenge Frau geschildert wird, die Fliegen tötete, andererseits aber der Sehnsuchtsort der kleinen Friederike war, denn bei ihren Eltern ist es noch gefühlloser zugegangen, denn die haben ihr in Friederikes Empfinden immer signalisiert, nicht erwünscht zu sein, stand den ganzen Tage in der Küche, buk Torten, kochte ein, versorgte die Hendln und das Gemüse und sie versorgte auch noch einen anderen Haushalt. Wohnte sie doch in einem Ausziehhäuschen, zwischen dem Haus von Friederikes Eltern und denen von Tobi und der war Friederikes Jugendfreund und Spielkamerad und  dessen Großvater Emil, seine Mutter war depressiv, der Vater sonst irgenwie unbrauchbar, die Großmutter versorgte. Der ist dann gestorben, als die Kinder sechs und sieben  waren und jetzt kommt Friederike heim, um am Begräbnis der Großmutter teilzunehmen, das ihre Eltern und ihre Schwester schon eifrig vorbereiten. Sich darum kümmern, wer eingeladen wird, was es zum Essen gibt. Sonst wird über Gefühle nicht geredet. So geht Friederike in das Haus der Großmutter und sucht nach dem „Tortenprotokoll“, das ist die Rezeptsammlung der Großmutter, in der sie alle Zutaten für die Apfel-und die Eierlikörtorten aufnotierte und in dem findet sie  einen Liebesbrief, in dem ein Mann in schönen Worten von seinen Gefühlen zu der Großmutter schreibt, von Gefühlen für die in der Familie nie Zeit war oder die immer über  das Essen von Torten, Mehlspeisen, Keksen ausgetragen wurden.

Vom Übergewicht ist in dem Buch eigentlich nie die Rede, immer nur von der Gefühls-und Lieblosigkeit und so beliben auch die Gefühle Friederikes zu Tobi, dem Jungenfreund irgendwie vage.

Nach dem Bebgräbnis verläßt sie jedenfalls den Ort mit Gegenständen aus ihrem Jungendzimmer, das sie in der Nacht ausräumte und dem Tortenprotokoll, das inzwischen von anderen Verwandten gesucht und nicht gefunden wurde, um nach Berlin zurück zu kehren, wo sie zwar keine Familie, aber offenbar eher eine Heimat hat und man weiß nicht recht, ob sie ihm böse ist, weil er von dem Geheimnis der Großmutter zu seinem Großvater wußte, es aber niemanden in der Familie verraten wollte und auch den Vater kann sie nicht verstehen, der nicht reagiert, als sie ihm einen der Liebesbriefe vorliest.

Denn das kann es doch nicht geben, eine Liebe zwischen einer alten Frau und einem alten Mann, die Großmutter sollte nach dem Krebstod des Großvaters gefälligst mit den drei Kindern allein zurückbleiben und deshalb hat sie sich in dieser Sprach- und Gefühllosigkeit wahrscheinlich auch für die Heimlichkeit entschieden und darauf verzichtet, mit Emil Reisen auf Reisen zu gehen und ist stattdessen jeden Tag in sein Haus hinübergegangen, um ihm und wahrscheinlich auch Tobi und seinen Eltern, die schönsten Torten, Strudeln, Kuchen zu backen.

Ja Liebe geht durch den Magen und Linz  ist nicht so weit von dem Ort entfernt, wo Thomas Bernhard seine  Schimpftiraden auf dieses böse Österreich und dessen Gefühlskälte schrieb.

Ein Roman in dessen Tradition wahrscheinlich, der mir in seiner österreichischen Art gefallen hat, obwohl es  nicht wirklich etwas Neues ist, was diese junge Frau erlebte. Man kann es wahrscheinlich in vielen Debutromanen lesen und, ob man die zwei Tortenrezepte, die in dem Buch enthalten sind, nachbacken kann, müßte  ich erst ausprobieren.

2015-10-01

Von der Longlistenlesung zur Release Party

Der „Börseverein des deutschen Buchhandels“ verstaltet immer sogenannte „Blindlesungen“, wo in einer meist deutschen Buchhandlung ein Longlistkanditat liest, man zahlt ich Deutschland, glaube ich, auch Eintritt dafür und erfährt erst vor Ort, wer und was gelesen wird.

In Österreich hat hingegen vorige Woche in der „Alten Schmiede“ Ilija Trojanow seinen  von der Zeit der bulgarischen Dikatur handelnden Roman „Macht und Widerstand“ vorgestellt, da bin ich nicht hingegangen, sondern stattdessen ins Literaturhaus zu Isabella Feimer, weil ich nicht gern zu Veranstaltungen gehe, wo ich die Bücher schon gelesen habe.

Aus Zeitgründen, nicht aus Sorge, daß ich nichts mehr Neues erfahren könnte und heute stellte Clemens J. Setz sein Opus Magnus „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“, moderiert von Angelika Reitzer vor und da machte ich eine Ausnahme, beziehungsweise habe ich heute in der Badewanne erst die ersten hundert Seiten gelesen und angefangen, auf dem „Betreuten Lesen-Blog“ meine ersten Kommentare abzugeben.

Am Montag habe ich Angelika Reitzer gefragt, ob sie glauben würde, daß viele Leute zu der Lesung kommen?

Ich glaubte, daß eigentlich schon, denn die Blogs haben ja alle sehr bedauert, daß das Buch nicht auf der Shortlist stand und war schon kurz nach halb sieben da, wo aber außer dem Lehrer aus Retz, der noch früher gekommen ist, nicht viele Leute anwesend waren.

Dann kamen aber nach und nach ein paar junge Leute, es kam auch Markus Köhle und Angelika Reitzer leitete die Veranstaltung damit ein, daß Clemens Setz bei der Buchpräsentation ihres Romanes „unter uns“ im Phil, Clemens Setz sie eingeleitet hat.

So ändern sich die Zeiten, damals war Clemens J. Setz wahrscheinlich noch bei „Residenz“, ist da ja der Erstling „Söhne und Planeten“ erschienen, den ich gelesen habe, als er mit den „Frequenzen“ schon mal auf der „Longlist“ und auch auf der „Shortlist“ stand. Dann wechselte er, wie das so üblich zu „Suhrkamp“, für den Erzählband „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“, das ich im Bücherschrank fand, hat er den „Preis der Leipziger Buchmesse erhalten“, dann erschien „Indigo“, das, glaube ich 2012 auf der Shortlist stand, ein Gedichtband und noch Nacherzählungen.

Der 1982 geborene Grazer der Mathematik studierte, scheint also ein Vielschreiber zu sein, ein  begnadetes Literaturtalent oder Wunderkind und „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ hat über tausend Seiten.

Zu der Frage, wie lange er zu diesem Monsterwerk gebraucht hat, bin ich nicht gekommen, auch zu der nicht, wieso der Stalker eigentlich im Rollstuhl sitzt?

Angelika Reitzer leitete aber ein und erzählte, daß das ein vielstimmiges Werk ist, das in vielen Geschichten,  Lügen und die Wahrheit erzählt.

Da habe ich die ersten hundert Seiten heute morgen in der Badewanne viel realistischer gelesen, die Geschichte von der einundzwanzigjährigen Behindertenbetreuerin Natalie, die einen Stalker und dessen Opfer in der WG in der sie arbeitet betreuen soll.

Sehr realistisch, denn ich würde in der prekär beschäftigten Natalie, drei Betreuer teilen sich zwei Arbeitsplätze, eine Borderlinerin sehen, sie ist auch noch Epileptikerin.

Angelika Reitzer sprach aber von den Wortschöpfungen, die Natalie den verschiedenen Farben zuordnet und Clemens J. Setz gab dann auch noch Einblicke in sein Autorenschaffen.

Gelesen hat er zwei Stellen, die schon auf den von mir gelesenen hundert Seiten zu finden waren und noch eine andere und erzählte viel von seinen Ideen und davon, wie er zu den sprudelnden Einfällen gekommen ist.

Denn die Natalie ist ja keine gewöhnliche Behindertenbetreuerin, sondern spielt mit ihren Freund, die verschiedensten Spielchen, merkt sich die Anzeigen der entlaufenden Tiere, die auf der Straße hängen und denkt sich Mäuse auf ihren Schultern aus, damit sie diese entlastet.

Das sei sagte Clemens J. Setz autobiografisch, wie er in seine Protagonistin wahrscheinlich viel von seiner Person hineingelegt hat, denn er sprühte von Ideen und Einfällen, erzählte Geschichen und Geschichtern und ich dachte es wäre ein realistischer Roman?

Weit gefehlt, die Neurosen der Natalie und der anderen Protagonisten, die ich wahrscheinlich noch gar nicht alle kenne, sind auch darunter und Angelika Reitzer fragte , ob Clemens J. Setz in dem Buch, dem Leser alle Gehiemnisse lüfte und fragte auch nach seinen Anteilen, denn er hat sich in dem Buch in einem kleinen sanftmütigen Hasen ein Denkmal gesetzt und würde er beim Schreiben schon alles wissen, dann wäre es nicht so spannend.

Das sollen sich einmal die, die streng nach der Schneeflockenmethode schreiben, hinter die Ohren schreiben und ich habe vielleicht ein paar Geheimnisse des tausend Seiten Buches gelüftet bekommen und kann mich in der nächsten Woche durch die weiteren neunhundert lesen und dann ging es vom Buchpreisbloggen wieder zu der jungen österreichischen Literatur, nämlich zu „Kremayr und Scheriau“ und seiner literarischen Schiene, die heute noch einmal beim „Thalia“  und dann im „7*“ mit einer Verlagsprogrammeröffnungsparty vorgestellt wurde.

Mit Sekt, Buffet, Musik und feierlichen Eröffnungsreden vom Verleger Martin Scheriau, der Eingangs sein Erfolgskonzept erwähnte und der Leiterin der Literaturschiene, Tanja Raich, die demnächst in der „Alten Schmiede“ eigene Texte lesen wird und dann gab es sehr viel Smalltalk.

De Autorinnen Marianne Jungmeier, Irmgard Fuchs und Lanina Illcheva, sowie der Autor Daniel Zipfel stellten sich vor. Gustav Ernst war anwesend und trug mir auf zu schreiben, daß es sich einen österreichischen Buchpreis geben soll, der auf der Buch Wien vorgestellt werden soll.

Natürlich, selbstverständlich, da bin ich gleich dabei, dem Hauptverband wird es aber, glaube ich, zu teuer sein und er wird auf den „Alpha“ verweisen, auf dessen Shortlist heuer ja auch Karin Peschka mit ihrem „Watschenmann“ steht und die war anwesend, wie auch Petra Piuk, deren Roman, glaube ich, im nächsten Jahr bei der neuen Literaturschiene erscheint und  ich habe heute damit begonnen, meine Geburtstagsleseparty vorzubereiten, beziehungsweise die Lesenden einzuladen.

Im Kulturcafe 7* werde ich übrigens demnächst auch zweimal lesen.

2015-09-21

Von der Rebellion zu den Literaturdebuts

Die Veranstaltungssaison hat angefangen und so habe ich die Literaturprogramme auf meinem Schrebtisch liegen und suche mir nach Möglichkeit Montag bis Donnerstag oder Freitag ein möglichst „Literaturgeflüster“ taugliches Programm heraus.

Das wäre für heute die „Alte Schmide“ gewesen mit einer „Stunde der literarischen Erleuchtung“ um sechs und nach einer langen Pause Robert Schindels Gedichte.

Aber der bekannte Sachbuchverlag „Kremayr und Scheriau“, wo ich, glaube ich, auch einmal blauäugig meine „Hierarchien“ hinschickte, hat eine neue Literaturschiene, Literaturdebuts von Autoren um die dreißig und die kündigte er nun großflächig an, nämlich mit einer Präsentation am Dienstag in der „Gesellschaft für Literatur“, das habe ich noch übersehen.

Dann hat Mareike vom „Bücherwurmloch“ deren Blog ich gerne lese, die auch eine Österreicherin ist,  bei Salzburg lebt und ihren Kindern das Lesen  beibringt, einige der Bücher präsentiert, danach hat die Hauptverbandsseite, die ich auch gerne lesen, eine Party am ersten Oktober im „Siebenstern“ angekündigt und ich habe die Debuts bestellt, nämlich den Roman „Torten schlachten“ von Marianne Jungmair, ein GAV-Mitglied, das ich einmal in der „Alten Schmiede“ hörte, IrmgardFuchs, eine Absolventin des Hochschulllehrgangs für Sprachkunst „Erzählungen“ die sie für ein Projektstipendium der Stadt Wien einreichte und daher auch im MUSA las und dann noch einen Band, den ich allerdings nicht bekommen habe.

Den Roman „Eine Handvoll Rosinen“ von Daniel Zipfel, der auch heute vorgestellt habe, habe ich dabei übersehen, denn bei der Party werden offenbar die drei anderen Werke präsentiert und dabei ist gerade der sehr interessant, handelt er doch von Traiskirchen, einem Schlepper und einem Fremdenpolizisten, aber ich bin ein bißchen schlampert und muß auch nicht alles lesen, kämpfe ich mich ja derzeit  durch den dicken Zaimoglu und wenn ich dann die Inger Maria Mahlke und die zwei Debuts gelesen habe, hätte ich ja noch eine Shortlist, nämlich sechs der Longlistbücher vor mir, von denen zwei sehr dick sind und eines schwer zu lesen sein soll.

Ich habe mich zu dieser Party angemeldet, da liest vorher der Setz in der „Alten Schmiede“ und da habe ich dann etwas für mein „Buchpreisbloggen“, weil ich ja noch immer nicht sicher bin, ob ich mich jetzt auch durch den Rest lesen werde, das hängt auch vom lieben Otto ab, wie schnell ich ihn treffen kann und für heute hatte ich umdisponiert, auf die „Alte Schmiede“ verzichtet und mich auf die „Gesellschaft für Literatur“ eingestellt.

Dann ist mir um fünf, als der letzte Klient gegangen war und ich mich eigentlich auf die „Ohrenschmaus-Texte“, die heute gekommen sind, einstellen wollte, eingefallen, daß es sich ausgeht, zur „Stunde der literarischen Erleuchtung“ zu schauen und dort zehn vor sieben wegzugehen, weil meistens fängt es in der „Gesellschaft für Literatur“ erst nach dem akademischen Viertel an und Alexander Nizberg, der ja sehr interessant und sehr zu empfehlen ist, präsentierte wieder eines seiner Langgedichte, nämlich Maximilian Woloschins, 1877-1932, „Die Pfade Kains – Tragödie der materiellen Kultur“, da geht es, wie Kurt Neumann in der Einleitung erläuterte, um die Rebellion gegen alles, gegen Gott, aber dann wird auch erzählt, das Gott die Rebellion darstellen würde und der russische Dichter, der von Alexander Nitzberg übersetzt und im „Pforte Verlag“ 2004 herausgegeben wurde, hat  zwanzig Jahre an seinem Werk geschrieben.

Alexander Nizberg rezitierte Teile aus den Kapiteln „Die Rebellion“, „Der Kosmos“, „Die Magie“, „Die Faust“, „Die Maschine“, „Die Aufrührer“, „Der Kerker“, „Der Krieg“ und dann noch eines,  da bin ich gegangen, um nicht zu spät in die Herrengasse zu kommen, das nachher noch eine lange Diskussion war, hat mir dann ein Stammbesucher in der Gesellschaft bei Wein und Knabbereien erzählt, der auch geswitscht ist.

In die „Gesellschaft für Literatur“ bin ich gerade in die Einleitungssätze von Ursula Ebel, die das  immer sehr gründlich macht, zurecht gekommen, die vier Bücher lagen auf und die „Gesellschaft“ hat sich während des Sommers optisch verwandelt, neue Emblems und Portraits von Mayröcker, Jonke, etc an den Wänden, ein grauer Vorhang und Tanja Raich, die Programmleiterin hat die neue Reihe vorgestellt, dann hat Irmgard Fuchs aus ihrem Erzählband „Wir zerschneiden die Schwerkraft“, neun Erzählung, eine die aus Bewerbungsbriefen besteht, gelesen, die mich sehr beeindruckt hat.

Eine junge Frau, sehr gut ausgebildet, bewirbt sich im ersten Brief um eine Stelle, im zweiten macht sie im Internet mehrere Eignungstest, die ihr alle, obwohl Akademikerin, den Beruf der Portierin oder Hundeführerin empfehlen, im dritten beklagt sie sich dann die Ablehnungen und im vierten verschwindet sie aus ihrer Wohnung und löst sich auf einer Insel auf.

Ja das Leben im Prekariat ist  hart und die 1984 in Salzburg geborene, Irmgard Fuchs schilderte das auch sehr beklemmend, das zweite Romandebut des 1983 in Freiburg geborenen Juristen  Daniel Zipfel, der in der Flüchtlingsberatung tätig ist, war das nicht viel weniger, schildert er ja Schleppergeschichten aus dem Jahr 2003, die sich so in etwa zugetragen haben und die durch die aktuelle Situation wieder eine beklemmende Realität bekommen haben.

Toll, daß die Dreißigjährigen wieder so realistisch schreiben, Irmgard Fuchs und Marianne Jungmaier werde ich ja demnächst lesen, vielleicht kommen auch die  beiden andern Bücher einmal zu mir  und ich habe auch wieder etwas gewonnen, nämlich bei „Buzzaldrins“ Verlagsslogangewinnspiel, das Buchpaket mit den zehn Büchern, von dem ich zwar schon die Alina Bronsky gelesen habe und das Buch, wenn ich es bekomme, in den Bücherschrank legen werde, aber auch das neue Buch der Nora Bosong, das des Matthias Nawrat, das vielgelobte der Ruth Cerha, da habe ich ja noch das erste auf meiner Leseliste, und und….

Ich freue mich schon auf das Lesen, werde die Bücher auf meiner Leseliste verteilen und jetzt habe ich auch noch das Buch der Nadine Kegele zu lesen, die auch bei der Veranstaltung war, vielleicht wird ihr nächstes Buch auch bei „Kremayr und Scheriau“ erscheinen, das der Gertraud Klemm wird es jedenfalls, wie Tanja Raich, die offenbar auch Autorin ist, erwähnte.

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