Literaturgefluester

2022-03-31

Aibohphobia

Filed under: Bücher — jancak @ 00:24
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Jetzt kommt ein Debut und eine Psychiatriesatire, die vom Autor Kurt Fleisch, das ist ein Psydonym von dem ich schon im Netz ein paar Kurz-Satiren gesehen habe, bezeichnet wird und da ist auch interessant, daß der selbständig in der IT-Branche Tätige, der Philosophie und Germanistik studiert hat, ein Video drehte, wo der allmächtige MMR mit dem Buch in der Hand „Um Gotteswillen warum bin ich verurteilt sowas zu lesen, das ist für mich eine Beleidigung!“ vor sich hinbrabbelt.

Das ist es nicht, sondern ein Briefroman, wo ein Psychiater, der sich seltsamerweise zumindest am Beginn als Herr H. und nicht als Herr Doktor bezeichnet an seinen Patienten, Herrn S. schreibt und da beginnt es sehr konservativ. Das heißt Psychiatrie des Neunzehntenjahrhunderts von Lobotomie wird gesprochen und von der Halperidol Verschreibungen. Dann läßt, der Herr H., den Herrn S., den er auch abwechselnd als seinen Freund bezeichnet, in die Psychiatrie sprich ins Irrenhaus einweisen. Er weist sich dann auch selber ein. Kann nicht schlafen, nimmt Überdosi an Tabletten und schickt seinem Patienten ein Dauerrezept, das im Buch auch abgebildet ist. Dann reist er nach Marialzell und geht dort in die Basilika, resumiert über Gott und die Welt und über Terroristen, als welchen ihm die heiligen drei Könige erscheinen, während sich der Patient in einen Keller einbunkert und von Herrn Hs. Diener versorgt wird. Der Dr. H. erfindet dann verschiedene Maschinen mit denen man die Geisteskrankeneiten erforschen kann.

Da ist jetzt der Sprung in die Zukunft, in die moderne Psychiatrie, die vielleicht durch KIs ersetzt wird. Dann kommt Herr H. nach Basel in die Psychiatrie, nennt sich plötzlich Herr S. und bittet, den verehrten Dr. H um Medikamentation und in der „Gesellschaft für Literatur“, wo das Buch am vorigen Freitag vorgestellt wurde, resumierte Kurt Fleisch, der sich der Philosophie zugehörig hält, darüber, ob die beiden Herren vielleicht ein und dieselbe Person sind?

Ich denke ja und habe die zuerst so altmodisch erscheinende Psychiatriesatire durchaus interessant gefunden, wenn auch nicht so besonderns neu. Das habe ich alles schon bei meinen Besuchen bei den psychiatrischen Mittagen im AKH gehört und auch darüber gelesen. Die Briefform ist interessant, die philosophische Betrachtung die über die Geisteskrankheiten und die Gewalt die durch sie ausgelöst werden kann, gestülpt wird und interessant sind auch die kommunistischen Anspielungen, da wird dem Dr. H. unterstellt, daß er sich für Stalin hält. Von Brecht, Trotzki und Hanns Eisler geschrieben und natürlich in Sils Maria, wo weiland Nietzscheweilte, ehrhumspaziert.

Ein interessantes Buch, bin gespannt auf welche Debutisten es kommt. Aber dafür gilt es vielleicht für zuwenig literarisch, denn Kurt Fleisch interessiert sich ja für Philosophie und betätigt sich inder IT-Branche und mit der Videokunst.,

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2022-03-19

Langeweile

Filed under: Bücher — jancak @ 00:23
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Kremayr&Scheriau, wo ich mich seit ein paar Jahren durch die Literaturschiene lese, hat eine neue Essayreihe und zwar werden da die Themen „Hoffnung“, „Offenheit“, „Angst,“ etcetera abgehandelt und die 1976 geborene Isabella Feimer von der ich schon einige Bücher gelesen Langeweile“ ausgesucht.

Langeweile was ist das? Die Psychologin würde das als eine negatives Gefühl und als Zeichen, das etwas nicht stimmt, bezeichnen, als Möglichkeit dann etwas zu verändern. Also nachzuschauen warum ist mir langweilig und wie kann ich das verändern? Isabella führt die Beispiel an, daß sie früher als Fließbandarbeiterin oder als Verläuferin arbeitete, Arbeiten die ihr langweilig waren, so daß sie am Abend dann gelesen und geschrieben hat. Da ist es wahrscheinlich etwas schwierig sich einen spannenderen Job zu suchen, aber das Lesen und das Schreiben oder ein anderes Hobby, als Kompensation ist sicher eine gute Idee.

Isabeller Feimer hat sich für den Essay durch sämtliche Philosphen gelesen und führt deren diesbezglichen Ztate an. Haidegger, Benjamin, Nietzsche, etcetera haben sich damit beschäftigt, dann kommt sie zu ihrer Freundin Eva, einer Wissenschaftlerin, die ihr einen Tag voller Langeweile verspricht. Auf den ersten Blick habe ich mich da gefragt, was soll das? Aber wenn man etwas hinter die Kulissen schaut, kommt man bald zur Depression oder zum Herrn von Lips aus dem „Zerrissenen“, der ist reich und dem ist fad , weil er alles hat und der gewiefte Nestroy hat ihn da in eine Krise gebracht, so daß er seine Langeweile überwinden konnte und das nächste ist die Achtsamkeit, die ja jetzt sehr modern ist, also alles langsam und mit voller Aufmerksamkeit zu betrachten. Eine Zwiebel zehn Minuten anschauen oder bewußt das Kochen beobachten.

Das ist für mich auch ein psychologische Phänomen und daher gut und wichtig alles langsamer zu machen und nicht von einem Termin zum nächsten zu hetzen und dann ein Burnout zu bekommen. Die Freundin schüttet also einen Sack Linsen und Reis vor Isabella Feimer auf und sagt ihr, sie soll sich jetzt zehn Stunden lang damit beschäftigten. Was passiert? Ich denke so lange es Sinn macht, soll man sich damit beschäftigen, wenn ich zum Beispiel ein Problem habe, was ich überdenken will, kann mir das Erbsen zählen dazu helfen, wenn mir dann aber langweilig wird, würde ich es Aufgeben und ich denke man soll mehr beachten wann und wo einem langweilig ist und sich dann fragen, wie kann ich diesen Zustand abstellen?

Dann kommt Isabella zur Pandemie und fragt sich, wie das dort mit der Langeweile war? Da denke ich, wenn ich immer sehr aktiv und hektisch war und plötzlich sitze ich zu Hause und weiß mich nicht zu beschäftigen, kann das ein Problem sein. Während die Mutter im Homeoffice, die noch Homeschooling für ihre drei Kinder machen mußte, damit wahrscheinlich kein Problem hatte.

Rilkes Panther“, der hinter seinen Stäben hin- und herläuft, ist wahrscheinlich langweil,ig schreibt Isabella Feimer, der ist wohl gestört, füge ich an und die Pandemie wird auch noch öfter besprochen.

Was mich an dem gut recherchierten Buch stört, sind die langen Passagen, die auf Englisch erfolgen und dann geht es zur Kunst.

Da wird das Motiv mit der „Frau am Fenster“ thematisiert. Isabella Feimer erwähnte, daß das aus dem Fenster schauen vor den Fernsehzeiten, als beliebte Freizeitbeschäftigung angegeben wurde.

Da frage ich mich auch, ob das ein Motiv der Langeweile ist, denn das Geschehen, um sich herum zu beobachten, kann interessant sein. Kommt wahrscheinlich darauf an, wo sich das Fenster befindet und regt auch zu Klatsch und Tratsch und vielleicht auch zum Intrigenspinnen an.

Der Tag der Langeweile, den die Freundin Eva Isabella Feimer verordnete, bestand außer dem Reis zählen auch im Ansehen des langweiligsten Films und Videos, beispielsweise, wie sich Schnecken fortbewegen. Das führt dann dazu, daß man Langeweile auch als lange Weile interpretieren kann und das ist dann etwas ganz anderes, führt zur Langsamkeit und Geduld, etwas was in Zeiten wie diesen, wo alles scnel lschnell sein muß, nicht besonders hoch angesehen ist.

Das Gegenteil von Burnout ist ja das Boreout und das, das habe ich schon festgestellt, ist oft ein Signal das etwas nicht stimmt und das man etwas verändern sollte.

So meint auch Isablla Feimer, daß aus der Langweile oft die größten Kunstwerke entstanden sind und in der Schlußbemerkung reflektiert sie darüber, was ihr die Beschäftigung mit diesem Thema gebracht hat und dankt ihrer Freundin Eva Waibl und den Künstlerinnen Claudia Bitter, Anna Rottensteiner sowei ihren Ehemann für die Unterstützung sie bei diesem Thema zu begleiten und ich merke an, daß mich das Lesen dieses Büchleins, das ich eigentlich für sehr abstrakt, fand zu Gedanken über die Langeweile inspiriert hat, die ich bisher eigentlich nicht für so interessant empfunden habe.

Also vielen Dank für diesen Essay und es ist wahrscheinlich gut, sich Gedanken über Themen wie „Sorge“ „Offenheit“ etcetera zu machen.

2020-11-29

Wenn rot kommt

Filed under: Bücher,Uncategorized — jancak @ 00:29
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Ehe ich zum Schweizer Buchpreis komme und den deutschen fertig lese, bei der öst Debutscheiene gibt es auch noch ein Buch zu lesen, bleibe ichbei der österreichischen Gegenwartsliteratur und der „kremayr& scheriau“ Literaturschiene und bin und bleibe berwirrt, denn nach Leander Fischers handlungsloses Sprachspiel geht es gleich mit Petra Piuks dritten Buch weiter und richtig, Roman steht diesmal nicht darauf, obwohl man es vielleicht auch so interpretieren könnte. Denn es gibt ja eine Handlungsschiene, eine Lsa sitzt in einem Hotel in Las Vegas, wartet auf ihren Tom der verschundetn ist und geht dabei durch sämtliche Drogenräusche, könnte man so sagen.

Es ist vielleicht aber auch ein Fotobuch.Wurde es ja mit der Fotografin Barbara Filips verfaßt, die die Fotos beziehungsweise Illustrtionen beigesteuert hat, die ungefähr den halben Raum einnehmen.

Die1975 geborene Petra Piuks, die durch Gustav Ernsts Sprachschule gegangen ist, habe ich, glaube ich, das este Mal bei dieser „k&s“- Verlagsparty vor fünf Jahren im „Siebenstern“ kennengelernt, dann ist ihr Debut „Lucy“ fliegt erschienen und da würde ich sagen, das ist das realistische und auch sehr psychologische, was mir ja naturgemäß sehr gefällt von ihr gibt. Dann kam „Toni und Moni“ der Antiheimatroman, da könnte die realistische Leserin schon einmal „Na ja!“, sagen und jetzt fast Sprach- oder Drogenrauschbuch schön in rot gehalten.

Am Beginn gibt es eine Spielanleitung und richtig, die Kapitel sind auch nicht in der üblichen Reihenfolge geschrieben oder gedruckt oder umgekehrt, wie bei Anna Weidenholzers Fischen, sie sind durcheinander und in der Spielanleitung steht auch, man kann das Buch von der ersten bis zur letzten Seite lesen oder in der Kapitelreihenfolge und am Schluß steht,gibts noch einmal eine Spielscheibe auf der „pla again “ steht, also nochmals lesen und dann herausfinden, wo ist jetzt der Unterschied?

Da ja noch dreißig Jahresbücher auf mich warten, habe ich das nicht getan und merke für etwaige Kritiker nur an, ich war schon so verwirrt und habe nichts verstanden und richtig in der Gebrauchsanweisung steht noch, man soll das Buch nicht unter Einfluß von pschodelischen Dogen lesen.

Nein, sage ich, das hat vielleicht schon die Autorin so getan oder den Eindruck gemacht sie hätte, da ja laut Daniel Kehlmann oder anderen, alle Autoren lügen. Man soll den Text schnell lesen, steht da auch noch. Das habe ich getan, obwohl ich mir mehrmals vorgenommen habe.

„Lies doch langsamer und bedächtiger, wirft man dir doch ohnehin schon vor, du hastest von Buch zu Buch, um deine Buchpreislisten zu schaffen!“

Ja und wenn schon die Handlung fehl,t dann wird auch hier,wenn auch auf andere Art, als bei Leander Fischer mit der Sprache gespielt, gibt es da ja sehr viele Passagen, die in Großschrift geschrieben sind. Manches ist auch rot gedruckt und vieles auf Englisch, die Werbesprüche der Las Vegasischen Spielcasinos und weil es da auch, um ein Angebot eines Schrimpscocktail um only neunundneunzig Cent geht. Merke ich an, daß ich einmal im Jahr 1989 mit dem Alfred und der damals fünfjährigen Anna auch einmal einen Tag oder Abend in Las Vegas war, dort die Coupons, die man dort bekam in einigen der Spielcasinos einlöste. Gespielt habe ich nicht, da bin ich nicht der Typ dafür und auch keine Drogen genommen. Mir aber ein Häferl dafür eingelöst, das immer noch irgendwo stehen muß und einen Gutschein für einen Schrimpscocktail diesmal ganz umsonst, gab es auch.

Das scheint eine Las Vegasische Spezialität zu sein, die sich über dreißig Jahre gehalten hat und um einen Clown, ehe ich es vergesse, geht es in dem Buch auf und dieser ist auch groß und grinsend auf dem roten Cover zu sehen.

2020-08-19

Friß oder stirb

Filed under: Bücher — jancak @ 00:02
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Jetzt kommt die zweite“ Kremayr & Scherirau-Herbstneuerscheinung“ und das zweite Buch über die Schrecken der Kindheit und die Störungen, die sich beim ganz normalen Erwachsenwerden entwickeln können.

Nämlich „Friß oder Stirb“ der Roman über eine Eßstörung der 1982 in Graz geborenen Barbara Rieger von der ich nicht nur ihren ersten Roman „Bis ans Ende Marie“, der auch bei den O-Tönen war, gelesen habe, sondern auch ihren Fotoband „Kinder der Poesie“, den über die Kaffeehausliteraten habe ich nur in der „Geellschaft der Literatur“ gehört.

Die beiden Bücher sind eigentlich recht ähnlich im Stil, die Barbara Rieger ist natürlich realistischer, aber die Kapitel sind auch oft abgehackt und unterschiedlich lang und die graphische Gestaltung der „Kremyar& Scheriau-bücher“ sind in der ganzen Reihe zu loben.

Ein Gebiß am Cover und dann immer Tonbandccassetten bei den einzelnen Kapiteln, die das Leben von Anna zwischen vierzehn und siebenunddreißig schildern. In drei Teilen geht das vor sich „Hinein“, „Rein raus, rein raus“ und dann zum Glück „Hinaus“ aus der Störungung.

Beginnen tut es mit der Siebenunddreißigjährigen, die wieder zu ihrer Therapeutin geht und die sagt „Gut sehen Sie aus!“ und die Lösung des Buches steht auch gleich darunter “ Anna hat angefangen abzunehmen, als sie aufgehört hat, abnehmen zu wollen“, wenn das nur so einfach wäre, diese Anna und mich würde jetzt natürlich interessieren was und wieviel davon autobiografisch ist, hat dreiundzwanzig Jahre dazu gebraucht und, wie es weitergeht, weiß man nicht, in diesen dreiundzwanzig Jahren hat sie aber angefangen alles in Tagesbücher aufzuschreiben und die läßt sie nun los.

Die Kapitel haben die Altersangaben zum Thema, beginnend mit vierzehn und dann hoch bis siebenunddreißig und eigentlich kann ich wieder schreiben, war es eine ganz normale Kindheit, mit der Mutter und Heinz dem Stiefvater, der Vater hat die Mutter verlassen. Die Mutter spricht nicht viel über ihn, gibt der Tochter aber die Adresse und da gibt es etwas Kontakt.

Die Vierzehnjährige hat Freundinnen, die Petra und die Melli. Es gibt einen Kurt, der in Drogen abgleitet, einen Paul. Später mit Siebzehn einen Amerikaaufenthalt bei einer Gastfamilie, das Gymnasium die Schwierigkeiten mit Mathe und Latein und eine Mutter, die immer wieder zum Essen auffordert und sich wundert, daß das Kind nichts ißt.

Das stopft dann bald alles in sich hinein und kotzt es später wieder aus, hat verschiedene Freunde, geht nach Wien zum Studieren, wohnt in verschiedenen WGs, die Mutter mahnt sie „Du bist so wankelhaft!“, gibt ihr dann die Adresse der Therapeutin, da kommt sie mit Zwanzig hin und mit Siebenunddreißig ist sie geheilt, beziehungsweise endet da das Buch, das sehr dicht, von der oder den Eßstörungen erzählt, als Metapher wird die Tiefkühltruhe oder die gefrorenen Gefühle erwählt, die mangelnde liebe und Anna fragt auch einmal ihre Mutter, wie es ihr gegangen ist, als ihr Vater sie damals verlassen hat.

Die Therapeutin mahnt, was ich auch bei meinen Klienten öfter tue, die Mutter so zu lassen und sich selbst zu ändern und man hat, glaube ich, wenn man das Buch gelesen hat, viel über Eßstörungen erfahren.

Es ist sehr dicht und packend, ob es wirklich ein Roman ist , einen wie ihn sich die Literaturwissenschaftler vorstellen, darüber könnte man streiten und beunruhigend ist das buch in Zeiten, wie diesen, wo die Heranwachsenden wahrscheinlich noch zusätzlich durch die Corona-Pandemie und das Abstand halten traumatisiert wird, allemal.

2020-08-17

Triceratops

Jetzt kommt eine Neuererscheinung, eines der beiden Bücher aus der Literaturdschiene des „Kremayr& Scheriau Verlags“, die jetzt ja ihr fünftes Jahresjubiläum feiern, da war ich bei einigen Veranstaltungen und habe viel, nicht alles, von den Neuerscheinungen, die auch einige Debuts enthielten, gelesen.

Zuerst „Triceratops“ das Debut des 1983 in Linz geborenen Stephan Roiss der mit Auszügen daraus schon Preise bei der „Floriana“ und wo anders gewonnen hat und es auch bei den O-Tönen vorstellen wird.

Am Anfang bin ich über den unverständlichen Titel gestolpert, was heißt denn das? Dann hat „Wikipedia“ mir verraten, daß das ein Dinosaurier ist und im Klappentext, der mich zugegeben nicht sehr angesprochen hat, ist etwas von einem kleinen Jungen der Monster malt und einer Mutter, die die Neuroleptikea in der Anstalt mit ungesüßten Fruchttee hinunterschluckt und einem Vater, der die Bibel liest.

Das müßte eine Psychologin eigentlich interessieren, aber vielleicht hat die auch Abwehrmechanismen und bei „Google “ habe ich bei der Beschreibung noch etwas von „Psychologie-Fiction“ gelesen. Was ist denn das? Ein neues Genre?

Interessant ist vielleicht auch, daß diesen Herbst und Sommer einige Debutanten sich die Monster erwählt haben, um damit die Traumatisierungen der Kindheit zu beschreiben. Lernt man das in Schreibschulseminaren?

Ulrike Almut Sanding hat das in „Monster wie mir“ getan und damit den Kindesmißbrauch und die darauffolgenden Dissoziationen beschrieben.

Stephan Roiss tut es, meine ich, subtiler, in dem er eigentlich eine wahrscheinlich doch eher ganz normale Kindheit und Pubertät mit all ihren Schwierigkeiten in einer schönen knappen Sprache beschreibt, die was ich besonders schön finde, nicht zu auffällig experimentell ist.

Interessant ist auch und das hat die Psychologien nicht so ganz verstanden, obwohl es wahrscheinlich etwas mit der Abspaltung zu tun hat, daß der Erzähler, der, glaube ich, namenlose Junge in der Wir-Form von sich spricht.

Das tun, glaube ich, in der Entwicklungspsychologie wird das gelehrt, die dreijährigen Kinder, aber diesen Jungen begleiten wir ja durch seine Pubertät. Er lebt in Aschbach oder Ottensheim. Dort ist sein Autor aufgewachsen und wir mit den Rad ein paar Mal vorbeigefahren, wenn wir nach Passau wollten, hat einen Vater, der die Bibel liest und immer „In Ordnung!“, sagt.

Eine Mutter, die sich bemüht ihren Kindern all die Liebe, die sie hat, zu geben, was ich auch sympathisch finde, weil ich ja schon mit mehreren Klienten arbeitete, die ihre Mütter als Monster empfanden, die ist es nicht, hat aber den erhängten Vater gefunden. Dann das erste Kind, die große Schwester geboren, während das „Wir“ ein Unfall war und die Mutter verschwindet in der Kindheit des Jungen auch mehrmals in der psychiatrischen Anstalt und da ist interessant, daß Stephan Roiss das so nennt, weil es ja heute nicht mehr so heißt.

Der Junge malt Drachen, läßt sich aus der Bibel auch diese Stellen vorlesen, hat eine esoterische Tante und die Aschbach-Großutter zu der er muß, wenn die Mutter in der Anstalt ist und die Schwester doch noch nicht so groß genug, um auf ihn aufzupassen.

Er kaut an den Fingernägeln, hat Narben, kratzt sich ununderbrochen und hat später, im zweiten Teil, als er schon ins Gymnsium geht oder gehen soll eine Glatze.

Aber vorher noch zur Aschbach-Großmutter die später stirbt, die hat auch ihre Geheimnisse mit dem Großvater, der aus dem Krieg zurückkommt und im zweiten Teil geht es um die Pubertät. Da hat die Schwester schon ihren Paul und ist ausgezogen. Die Mutter scheint gesünder und sorgt sich um ihren Sohn, der die Schule schmeißt, schlechte Note schreibt, so daß die Lehrer mahnen, du wirst wiederholen müßen.

Schließt sich den Punks an, beginnt Feuer zu legen, etcetera, während der fromme Bibel- Vater zu trinken anfängt. Paul verläßt die Schwester und die erwürgt ihr acht Monate altes Kind, weil sie ihm das Leben ersparen will und landet selber in der Anstalt, also doch nicht alles so normal, Stephan Roiss erzählt, es aber unaufgeregter, als andere Autoren deren Debuts mit ihren Lebenskrisen ich schon gelesen habe.

Es endet auch versöhnlich, das Wir, das im dritten kurzen Teil zum Jungen geworden ist, besucht die Schwester regelmäßig in der Anstalt, heute heißt das, glaube ich, psychiatrische Klinik, es geht aber dort noch so zu, wie ich den „Steinhof“, der ja heute auch anders heißt oder den es vielleicht gar nicht mehr gibt, erlebte, als ich Psychologie studierte, lernt dort die Patienten, vor allem den alten Konrad kennen, der, weil nur ein „halber Mann“ und Schwierigkeiten mit seiner Mutter hatte, die er umbrachte, in der Frauenabteilung untergebracht ist und er scheint dort, was heute wohl auch nicht mehr so ist, schon Jahrzehnte zu leben, füttert aber Vögel mit Brotresten.

Eine alte Frau, die immer den Ausgang sucht, um zum Fleischhacker zu gehen, gibt es auch und der Junge findet, wenn ich mich nicht irre und das Buch richtig interpretiere, in das Leben hinein.

Das nächste Buch aus dem Verlag schildert, glaube ich, eine Eßstörung und dieses hat mir, muß ich sagen, sehr gut gefallen und so bin ich gespannt, ob es auf welche Debutpreislisten kommt?

2020-03-20

Die Wahrheit der anderen

Jetzt kommt wieder ein aktuell gesellschaftspolitisches Buch, das heißt so aktuell ist es wahrscheinlich gar nicht, spielt es doch im Jahr 2011, glaube ich, als eine Gruppe pakistanischer Flüchtlinge die Minorittenkirche besetzt.

So etwas gab es, glaube ich, in etwa dieser Zeit in der Votivkirche und ein Journalist, der in Hamburg, die „Henri Nannen-Schule“ besuchte und dann in seinen preisgekrönten Berichten, die Fiction mit den Facts vertauschte, gab es vor viel kürzerer Zeit auch und da ist der 1983 in Freiburg am Breisgau geborene Jurist und Asylberater Daniel Zipfel, dessen Erstling „Eine Handvoll Rosinen“, ein ähnliches Thema behandelte und eines der ersten Bücher der „Kremayr & Scheriau-Literaturschiene“ war.

Durch einen Zufall oder eigentlich meine wohlbekannte Schlampigkeit ist es nicht zu mir gekommen, denn damals hat es zwei „Kremayr & Scheriau-Veranstaltungen“ gegeben, in denen die literarischen Neuerscheinungen präsentiert wurden, zweimal  je drei der vier Neuerscheinungen, einmal bei einem Fest im „Siebenstern“ und einmal in der „Gesellschaft der Literatur“  und als ich die Bücher anfragte, habe ich bei der Antwort, welche ich will, den Daniel Zipfel übersehen, was nicht so schlimm wäre, denn damals, 2015 am Höhepunkt der Flüchtlingskrise, war ich das erste Mal beim Literaturhaus-Flohmarkt und hatte das Buch schon in der Hand zwei euro hätte es, glaube ich, gekostet.

Ich dachte „Sei sparsam und geh stattdessen lieber zum offenen Bücherschrank!“ und legte es zurück, dumm, ich weiß, denn als ich es am nächsten Tag kaufen wollte, war es nicht mehr da.

So etwas ist mir schon mit Peter Zimmermanns „Odessabuch“ passiert, daraufhin habe ich meine „Reise an Odessa“ geschrieben und 2015 war ich gerade bei meinem „fünften Nanowrimo“ und den dritten Teil meiner Flüchtlingstrilogie oder dem Adventkalender, jetzt ist die „Wahrheit der anderen“, der neue Roman des jungen Juristen, viel einfacher zu mir gekommen.

Ich habe ihn gelesen und ich muß sagen, ich bin ein wenig verwirrt. Vielleicht macht mir auch die aktuelle gesellschaftspolitische Situation, das Corona-Virus und der offenbare Zusammenbruch der Wirtschaft infolge dessen, etwas zu schaffen, so daß ich mit den chronologischen Sprüngen nicht ganz mitgekommen bin. Obwohl es wahrscheinlich ganz einfach ist, denn da wird  eine eigentlich ganz einfache Geschichte in verschiedenen Perspektiven oder aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt.

Da sind also die die Flüchtlinge in der Minoritenkirche und da ist der Hamburger Journalist Uwe Tinnermann, der seine Chance sieht, eine junge Pakistanin fotografiert und dann seine Geschichte daraus machen will.

Die, Veena Shahida, die immer einen grünen Schleier trägt und  sehr elegant gekleidet ist, Tochter aus guten Haus, Wirtschaftssctudentin, stellte einen Asylantrag, weil sie von ihrem Vater nicht zwangsverheiratet werden wollte und wird nun von diesem Journalisten und ihrer Anwältin Birgit  Toth hin und hergerißen, weil jeder sein eigenes Süppchen kochen will.

Am Ende wird sie abgeschoben und die Geschichte wird von einem Konrad Brandt, dem Chef, Lehrer und Ziehvater Tinnermanns, der ihn von Hamburg nach Wien holte und es selbst einmal in London mit der Wahrheit, der Geschichten, nicht so genau nahm, erzählt.

„Ich habe das aufgeschrieben, damit nicht Tinnermann`s Artikel alles erzählen. Glauben Sie mir.“, lauten die letzten Sätze und am Buchrücken steht noch „Ein Roman über die Grauzonen der Asylpolitik und die verschiedenen  Gesichter der Wahrheit“.

Angesichts der aktuellen politischen Situation erscheint das gerade erschienen Buch, das vor kurzem, als es dort noch Veranstaltungen gab, gemeinsam mit den „Verlassenen Kindern“ von Lucia Leidenfrost vorgestellt wurde, fast anachronistisch, es ist aber trotzdem sehr interessant zu lesen und da man den Buchhandel, wegen seiner Sperrung und die Autoren wegen ihrer abgesagten Lesungen unterstützen soll, empfehle  ich es sehr.

2020-02-15

Wir verlassenen Kinder

Jetzt kommt  das zweite „Kremayr&Scheriau-Buch“ aus der Frühjahrsschiene, ein Debut der 1990 in OÖ geborenen Lucia Leidenfrost, das wieder keines ist, habe ich doch schon ihren vor zwei Jahren erschienenen Erzählband „Mir ist die Zunge so schwer“ gelesen und ich muß sagen, es ist ein sehr interessantes Buch, das ein  wichtiges und wohl auch verdrängtes Thema unserer Zeit auf sehr poetische Art und Weise, wenn auch mit einigen Widersprüchen und Kurven zu schildern weiß.

Soll es doch in Moldawien oder sonstwo ganze Dörfer geben, wo die Kinder mit vielleicht ein oder zwei Großmüttern verlassen leben, weil die Eltern im goldenen Westen die Ärsche der dortigen alten Leute putzen, weil das dort niemand mehr kann oder will.

Lucia Leidenfrost schildert das alles dezenter und auch namenloser, es wird kein Ländernamen genannt und die Kinder dort heißen zwar Mila und juri aber auch Anni und ein Erwachsener Valentin und mal gibt es Krieg im Nachbardorf, mal ziehen Blechvögel über den Himmel und nur ein einziges Mal wird eine Lidia erwähnt, die eben im goldenen Westen die Ärsche putzt und Briefe an ihre verlassenen Kinder schreibt.

Die bekommen zuerst noch Geld und Geschenke, Stützstrümpfe für eine Oma, die längst  gestorben ist und auch der Lehrer hat das Dorf schon verlassen. Es gibt zuerst noch einen Pfarrer der zu alle heiligen Zeiten kommt und einen Bürgermeister, der im Rathaus sitzt und die Kinder manchmal mit ihren Eltern telefonieren läßt.

Der ist der Vater von Mila und ihren zwei Schwestern, die jüngste ist ein Baby und die Mutter ist bei der Geburt gestorben, Mila versorgt nun die Schwestern, ist die Außenseiterin im Dorf, wird von den anderen Kindern, die ihre eigenen Regeln erstellen, gemobbt und gequält.

Sie stieht aber den Vater auch den Schlüßel zur Schule, will Lehrerin werden und weil  kein neuer Lehrer komt, selber die kleineren Kinder unterrichten.

Die Scheifen von denen ich oben geschrieben habe, bestehen darin, daß die Eltern beispielsweise schreiben, sie wären schon in der Nachbarstadt und würden bald kommen, als die Kinder aber dorthinziehen, um das Geld von der Bank zu holen, sind sie nicht da.

Später kommt auch kein Geld mehr und keine Geschenke und die paar Alten und auch der Bürgermeister verlassen das Dorf, um in einen Krieg zu ziehen. Der Bürgermeister kommt aber in den Nächten zurück und bringt Fleisch und Käse mit, das Mila ihm brät, während die anderen Kindern kein Wasser, keinen Strom und kein Essen mehr haben.

So werden zwei Beschlüße gefaßt, Mila putzt die schule und beschließt ab der nächsten Woche die Kleineren zu unterrichten, während die anderen Kinder sie in der Hoffnung, daß dann endlich Hilfe kommt, sie anzünden und gemeinsam velassen sie dann das Dort, um sich ihre eigene Welt zu bauen oder so etwas wie Geborgenheit woanders zu finden?

Einer der berührendsten Sätze im Buch lautet „Einmal werden wir mit der geladenen Pistole zu unseren Eltern fahren und sie zurückholen“ und der Automechaniker, von dem sie die Pistole haben, wundert sich in einem Brief über die Gewalttätigkeit der Kinder und schreibt „Man hätte die Kinder auch mitnehmen können.“

Ein berührendes Buch das nachdenken läßt, aber auch sehr poetisch ist, so daß ich mir schon überlegen, ob es auf die shortlist des Bloggerdebut oder auf eine der anderen Buchpreislisten kommt und das Lesen sehr empfehlen kann.

2019-12-19

Kinder der Poesie

Filed under: Bücher — jancak @ 00:51
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Nachdem das österreichische Buchpreislesen zu Ende ist, wegen dem vorher folgenden deutschen hat es ein wenig länger gebraucht, ein Poesiealbum der österreichischen Literatur, bevor es über den Umweg Norwegen ans Schweizer Buchpreislesen, beziehungsweise an die „Bloggerdebut-Shortlist“ geht.

Denn die 1982 in Graz geborene Barbara Rieger deren „Bis an Ende Marie“ ich gelesen und mich deshalb wegen der Spoilerfrage mit „Bookster“ zerstritten habe und die vorher schon ein Fotobuch über die „Kaffeehausliteratur“ herausgegeben hat, hat es jetzt mit dem Fotografen Alain Barbero noch einmal versucht und ein Buch herausgebracht in dem sich die österreichische Autorenschaft, die berühmte oder dafür gehaltene jedenfalls,  mit Fotos an ihre Kindheit erinnert, was ja ganz gut an das herannahende Weihnachtsfest passt, weil sich das Buch, glaube ich, ganz gut an literarisch Interessierte verschenken oder unter den Christbaum legen läßt.

Mit zwei Vorbemerkungen beginnt es, dann geht es schon hinein in das Jahr 1924 und zu Friederike Mayröcker, die ja am zwanzigsten Dezember ihren fünfundneunzigsten Geburtstag feiert und ich  erst kürzlich im Literaturhaus lesen und etwas früher in der Wien-Bibliothek beim Artmann-Smposium übers Telefon hören konnte.

Die hat ihre Kindheit in Deitzendorf verbracht und später den Krieg erlebt und dann eine Zeitlang als Englischlehrerin gearbeitet, bevor sie sich als Dichterin selbständig machen konnte.

Es gibt ein Foto mit dem Kinderköpfchen und der Hand der Großmutter und dann, die alte Frau am Sofa, die das Bild in Händen hält und einen entsprechenden Text dazu.

1937 hat Ödon von Horvath „Jugend ohne Gott“ geschrieben, der mir völlig unbekannte  Roger Martin de Gard hat den „Nobelpreis für Literatur“ bekommen, Kurt Schuschnigg war Bundeskanzler und in Amstetten wurde die kleine Jutta geboren, die wir jetzt als Julian Schutting kennen. Der Text heißt „Kinderzeitspuren“ und schon sind wir im Jahr 1941, da war ja Krieg und Barbara Frischmuth wurde in Altaussee geboren, ihr Vater ist 1943 gefallen, die Mutter mußte das Hotel alleine weiterführen und hat die Kinder den Kindermädchen überlassen, eine freie Kindheit für die kleine Barbara, die später in die „Klosterschule“ mußte und jetzt, glaube ich, ihre Kindheit literarisch aufgerabeitet hat.

1943 war noch immer Weltkrieg, Adolf Hitler an der Macht, kein Literaturnobelpreis verliehen und in Salzburg wurde Bodo Hell, der experimentelle Dichter, der ein sehr vertrautes Verhältnis zu Friederike Mayröcker hat und seine Sommer schon seit Jahren auf einer Alm verbringt, geboren.

1945 ging der Krieg zu Ende, die „Farm der Tiere“ wurde geschrieben, Else Lasker-Schüler starb in Jerusalem, Franz Werfel im amerikanischen Exil, Anne Frank in Bergen-Belsen, Josef Weinheber und Adolf Hitler haben sich umgebracht und Alfred Komarek wurde im Ausseerland geboren. Der hat eine Wohnhöhle in Wien, im Weinviertel, wo er den Gendarmen Polt ins Leben rief, wahrscheinlich einen Weinkeller und das Bild zeigt ihm im Wetterfleck mit einem seiner Großväter, der aus einem Stück Holz ein Schiff oder eine Rakete für ihm schnitzte.

1954 hat Ernest Hemingway den Nobelpreis für Literatur bekommen, der „Herr der Fliegen“ wurde geschrieben und ein paar Jahre später hat man den kleinen Robert Menasse vor eine Schreibmaschine gesetzt und sein Milchflascherl dabeben gestellt. Start in die literarische Karriere des deutschen Buchprästrägers von 2017, der die „Hauptstadt“ geschrieben hat und ein paar Jahre in Brüssel lebte.

So passiert er auf dem Erwachsenenbild vor dem „Apple“, Wein und eine leere Milchflasche stehen daneben.

Ein Jahr später wurde „Lolita“ geschrieben und „Bonjour Tristesse“, Omen für den 1955 in Zwettel geborenen Josef Haslinger, der als ich in die GAV kam, dort Generalsekretär war und seine Kindheit im Stift Zwettel verbrachte. Daß man dort nicht nur die Spinde geraderichte und von den Mönchen mit Tiernamen beschimpft, sondern zu Weihnachten oder auch sonst in die Zellen gebeten, mit Wein bewirtet und betapscht und mißbraucht wurden, hat er, glaube ich, in seinem jüngsten Buch beschrieben, das im Literaturhaus vor zwei Wochen just zu der Zeit präsentiert wurde, als ich auf dem Weg zur Poet-Night war.

1961 hat Ivo Andric den Nobelpreis für Literatur bekommen und im Sölden im Ötztal kam Norbert Gstrein auf die Welt, der hatte fünf Geschwister, drei Brüder und zwei Schwestern und den Onkel Jakob, über den er, glaube ich sein erstes Buich geschrieben hat. Mit dem, einem bärtigen Herrn im Schipullover, ist er porträtiert und in seinem jüngsten Buch mit dem er zum diesjährigen österreichischen Buchpreisträger wurde, geht es um Jackson in Wyoming USA und das wird in seinem Beitrag auch erwähnt.

Sabine Gruber wurde 1963 in Südtirol geboren und zitiert in ihrem Text, das was an dem Tag an dem das Kinderfoto, ein blondgelocktes kleines Mädchen, in einem weißen Kleid, das eigentlich lieber eine Lederhose getragen und mit Autos statt mit Puppen gespielt hätte, in der Zeitung stand und Dimitre Dinev 1968 in Bulgarien. 1981 ist er mit seinen Eltern zum ersten Mal nach Sofia gefahren, da posiert er dann mit seinem  Bruder vor dem großen Mausoleum. Später ist er nach Österreich geflüchtet und gleich mit seinem Debut „Engelszungen“, ich glaube, über den Umweg des „Exil-Preises“, gleich berühmt geworden.

1971 kamen sowohl Daniel Wisser als auch Kathrin Röggla zur Welt, der eine in Klagenfurt, die andere in Salzburg, der eine liebt es nicht aus seinem Priviatleben zu erzählen und hat daher aus seinem Text eine Geschichte gemacht. Die andere liebt es schnell, so fährt sie als Kind  Autodrom und sitzt als Erwachsene mit Mütze in einem Keller oder Garage auf einem Fahrrad und lacht uns etwas skeptisch an.

1975 habe ich studiert und Petra Piuk von der ich beide Bücher gelesen habe, ist in Burgenland auf die Welt gekommen. Sie posiert als Kleinkind zwischen einem großen Bären und einem Weihnachtsmann und als Erwachsene steht sie vor einer Bude in die Luft springend im Prater.

1980 sind sowohl Milena Michiko Flasar, als auch Barbi Markovic geboren, die eine in St. Pölten, als Tochter einer japanischen Mutter, die andere in Belgrad, den „Nobelpreis“ hat in diesem Jahr Czeslaw Milos und den „Büchner-Preis“ Christa Wolf bekommen.

Milena Michiko Flasar von der ich ihren „Herrn Kato“, die „Krawatte“ leider nicht, gelesen habe, ist als Kind mit einer japanischen Fibel abgebildet und schreibt in ihrem Text, wie wichtig ihr das Schreiben und Lesen war, während die „Alpha-Preisträgerin“, bei deren Preisverleihung ich dann schon anwesend war und die ja auch kürzlich erst den „Priessnitz-Preis“ bekommen hat, in ihrem Text mit den Belgrader Straßenhunden, beziehungsweise mit den Haustieren, die sie einmal hatte, beschäftigt.

1994 wurde nicht nur meine Tochter Anna, sondern auch das Nachwuchstalent Anna Weidenholzer in Linz geboren, die auf den Bildern jeweils mit einer schwarzen Katze posiert, für ihre Romane beziehungsweise den Erzählband, gerne Tiernamen wählt und sich oder ihr Verlag offenbar, zum Glück werden manche sagen, in einer Jahreszahl gewirrt hat.

1990, so jung ist sie noch, kommt Theodora Bauer, die mit einem Blumenkranz als Kind abgebildet ist und sich später an die Haube greift, auf die Welt und versucht sich an ihre Kindheit zu erinnern.

Von ihr habe ich „Chicago“ gelesen, während das „Fell der Tante Meri“ irgendwo in meinen Regalen steht und der Jüngste, des Bandes, siebzig Jahre nach Friederike Mayröcker geboren ist Elias Hirschl, der trotzdem schon Slammeister ist und drei Romane geschrieben hat, die alle witzige Namen tragen.

Jüngere Autoren fallen mir nicht ein, sind aber wahrscheinlich schon am Schreiben und ich kann das Buch, das sich, wie schon erwähnt,  als Weihnachtsgeschenk bestens eignet, für alle Literaturinteressierten unterm Christbaum sehr empfehlen.

 

2019-09-22

In den kommenden Nächten

Jetzt kommt eine kleine Pause beim Buchpreislesen, denn Irmgard Fuchs Debutroman „In den kommenden Nchten“, steht weder auf der deutschen noch der österreichischen Liste, er passt aber thematisch ganz gut zu der Frauenschiene der österreichischen Gegenwartsliteratur, die ich in der letzten Zeit gelesen habe und da die Autorin, von der ich schon einen Erzählband gelesen habe und die ich, glaube ich, seit der ersten Studentenlesung des“ Instituts für Sprachkunst“ im Literaturhaus kenne, 1984 geboren wurde, also Mitte Dreißig ist, geht es hier nicht, um eine Midlifekrise sondern in sehr märchenhafter poetischer Weise geschildert, wahrscheinlich, um eine Sinnkrise oder ein Burnout.

Auf jeden Fall wirkt das Buch schon rein optisch sehr ästhetisch. Das ist Erstens den meistens sehr schönen Covers der „Kremayr& Scheriau- Literaturschiene“ geschildert und dann sieht man, wenn man das Buch aufschlägt schon für einen Roman vielleicht sehr ungewöhnlich, lauter sehr kurze Kapitel, die oft mit Gedichten und Dialogen zwischengeschaltet sind und die Kapitel tragen Überschriften, wie „Sonntag vor nicht ganz dreißig Jahren“ oder „Mittwoch“, etcetera und gleiten so durch das Leben von Doro Grimm, Anfang Dreißig, die eigentlich ein schönes Leben hätte, einen Beruf, einen Freund, eine Wohnung, etcetera.

Trotzdem haut sie von einem Tag auf den anderen alles hin, das heißt sie macht, sie ist technische Zeichnerin, das Projekt ihres Chefs, ein Männerwohnheim, der es ihr überlassen hat, weil er sich bezeichneter Weise, in einem Burnout befindet, fertig, dann packt sie ihre Reisetaschen und formuliert Briefe an ihren Freund Elmar, die sie aber nicht fertig bringt, weil er zwischendurch von einer Migräne geplagt, erscheint und nach einer Tablette verlangt.

So will sie ohne Abschied mit den Taschen die Wohnung verlassen, was auch nicht klappt und, als sie sagen will, sie hätte von einer Frau, die auf Weltreise geht, eine Wohnung gemietet, glaubt er, sie würde auf Weltreise gehen und wird noch wütender.

Sie bleibt bei der Geschichte, zieht in die wohnung, wo die Vormieterin alles, sogar die schmutzigen Unterhosen und die Nudeln am Herd zurückgelassen  hat, was ein wenig  ungewöhnlich wird und formuliert  SMSs an elmar, die sie aber nicht absendet.

Sonst beobachtet sie ein Paar, das ihr gegenüber wohnt. Sie nennt sie Maro und Kuki und führt mit ihnen imaginierte Gespräche. Andere Kapitel gehen in ihre Kindheit zurück, sie ist bei ihrer sehr jungen Mutter und ihren Großeltern aufgewachsen. Die Märchen, die ihr die Mutter vorgelesen hat kommen vor und auch Vögel.

So gibt es in der gemieteten Wohnung eine Vogeltapete und sie kauft auch für die Vögel, die an ihr Fenster fliegen Hirse.

Sonst ist sie ziemlich ratos und weiß nicht, was sie sich zum Essen kaufen soll, hat das Elmar doch für sie bisher besorgt und von einer Hitzewelle wird die Stadt auch getroffen.

Im  vierten Teil ist dann hauptsächlich davon die Rede, Menschen sterben,  Regen wird im Radio angekündigt, kommt aber nie, der Strom fällt aus, etcetera, es macht auch den Eindruck als wäre Maro in der gegenüberliegenden Wohnung schon verstorben. Dann regt er sich wieder und es kommen Leute, um die Wohnung zu besichtigen. Sie geht auch hinüber und sieht dann in ihrer Wohnung einen Mann, der sich als Elmar entpuppt. Er, der sich bisher nicht bei ihr gemeldet hat, kommt doch zu ihr und macht sich, um sie Sorgen.

„Komm, wir fahren nach Hause, sagt Elmar zu dir und fasst dich an der Hand. doch da begreifst du: Du willst nicht. Du kannst nicht. Es hat ja noch nicht einmal angefangen.“

Dann kommt der letzte und fünfte Teil, der nur aus einem einzigen Satz, nämlich“Ich bin Doro Grimm“ und die Leserin bleibt etwas ratlos zurück und muß sich das Weitere denken. Die poetische Sprache aber bleibt im Kopf und auch die schönen Zeichnungen im Pflanzendesign, die die Teile voneinander abgrenzen.

Die Psychologin würde sagen, sie hat das Protokoll eines Burnouts gelesen, was Iris Grimm, der Zusammenhang mit dem Märchenbuch scheint gewollt, eigentlich will und, wie ihr Leben in dem Chaos einer in der Hitze zerfließenden Stadt, wo ihr Geld und die gemietete Wohnung gerade für sechs Monate reicht, ist auch nicht ganz klar.

Der Buchrückentext „Was, wenn der Alltag nicht mehr zu ertragen ist? Ein Roman über einen Ausbruch: Märchenhaft und von beklemmender Schönheit“, hilft auch nicht wirklich weiter.

Ebenso ist mir der Titel nicht ganz klar, obwohl die Nächte in den Kapitelüberschriften immer wieder vorkommen und auch der vierte Teil, der von der Hitzewelle, so heißt.

2019-08-17

Hippocampus

Filed under: Bücher — jancak @ 23:56
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Die 1971 in Wien geborene Gertraud Klemm könnte man wohl als eine postfeministische Autorin bezeichnen.

Ich habe sie, glaube ich, vor Jahren bei den „Textvorstellungen“ in der „AS“ kennengelernt, wo sie die Vorläuferform von „Muttergehäuse“ vorstellte. Das Buch ist, glaube ich, zuerst bei „Arovell“ erschienen, dann kamen ein paar Bücher bei „Droschl“ und die Lesung beim „Bachmannpreis“, die von den Juroren als sehr wohlwollend aufgenommen wurde, ich aber eher dachte, das hatten wir doch schon, der Feminismus der Siebzigerjahre, Karin Struck, Gert Brantenberg und so, das was wir auch im „Arbeitskreis schreibender Frauen“, besprachen, ist doch schon vorbei und läßt sich wohl so nicht wieder aufwärmen.

Mit „Aberland“ ist sie dann 2015 auf der LL des dBp gestanden. Dann kam „Muttergehäuse“ bei <kremayr und Scheriau“, 2017 „Erbsenzählen“ bei „Droschl“, das ich nicht gelesen habe und jetzt das neue Buch von dem ich mit guten Grund sehr gespannt bin, ob es auf Longlist, Shortlist des dBp oder gar den Preis bekommt.

Der gute Grund ist, das Buch handelt davon und vom Literaturbetrieb der 1960 und 1970 Jahre, ist eine Abrechnung desselben und das durchaus im Bernhardstil „In Angesicht des Todes ist das Gehorchen lächerlich geworden“, obwohl es ja ein Buch ist, das die Benachteiligung der Atorinnen gegenüber der Autoren aufzeigen will.

Da ist Helene Schulze, Jahrgang 1954 und die ist plötzlich gestorben. Es heißt, sie hätte sich zu Tode getrunken, ist an der Männerwelt und dem Literaturbetrieb zu Grunde gegangen, etcetera.

Elvira Katzenschlager ihre etwas jüngere Freunin soll ihren Nachlaß aufarbeiten und ist deshalb in das Haus nach Hintermoos gefahren, wo die Autorin gestorben ist. Die ist sehr jung mit ihrem ersten Buch namens „Rauhreif“ berühmt geworden und dann vom Literaturbetrieb vergessen worden, obwohl sie beim „Bachmannpreis“ gelesen hat, den Preis aber nicht bekommen hat, weil der kleine dicke Literaturkritiker herausfand, daß ein Satz von ihrem Text schon irgendwo erschienen ist.

Beim Ersteren habe ich an Brigitte Schwaiger, beim Zweiteren an Gabriele Petricek gedacht und bei Hintermoos an Friederike Mayröcker, die ja, glaube ich, mit ihrem Ernstl in einem Ort namens Rohrmoos öfter Urlaub machte. Helene hat dann geiratet, ist nach Kaiserbad, das ist, glaube ich, das Synonym für Baden, wo Gertraud Klemm, glaube ich, lebt oder lebte, gezogen, hat zwei Kinder geboren und sich ihnen und dem Ehemann gewidmet. Dann zog sie aber nach Hintermoos und hat noch einen Roman nämlich der „Drohenkönig“ geschrieben, von dem im Anhang steht, daß das inhaltliche Konzept an die „Töchter Egalias“ angelehnt ist und damit wurde sie für den deutschen Buchpreis nominiert.

Da hat die Kritikerin in mir gleich gedacht, das geht doch nicht, wenn sie schon gestorben ist, aber Brigitte Kronauer ist ja auch im Juli gestorben und bei den Facebooktips für die neue Longlist wird öfter ihr neuer Roman „Das Schöne, Schäbige, Schwankene“, genannt.

Es gibt aber noch ein paar Details, die nicht stimmen. Wird der Preis doch am Abend und nicht am Vormittag vergeben und auf der Shortlist stehen sechs und nicht fünf Autoren. Aber das sind wohl die Verfremdungseffekte, die ein guter Roman ja haben muß.

Helene Schulze wurde jedenfalls nominiert. Elvira Katzenschlager soll ihren Nachlaß ordnen und auch ein Interview geben, zu dem neben der Redakteurin auch ein junger Kameramann namens Adrian kommt.

Elvira Katzenschlager, die nicht mehr ganz gesund und wohl etwas schwierig ist, bricht das Interview ab, bereitet aber eine sogenannte Kunstinstallation vor, in dem sie Scheiße auf einen Hochstand schleppt, um die tote Helene, gegen das Unbill, das ihr die Männerwelt zugefügt hat, zu rächen. Ein Sturz, aber auch die Bandscheiben, lassen sie nach einem Assistenten suchen. So ruft sie Adrian an und heuert ihn für eintausendzweihundert Euro in der Woche an, ein solcher zu werden und der „Roadtrip des feministischen Aktionismus“, wie am Buchrücken steht, beginnt.

Zuerst wird die Scheiße noch irgendwohin geschmissen. Dann geht es nach Kaiserbad in den Kurpark, dort werden die Männerbüsten verkleidet und in Frauen verwandelt, denn Helene hat sich während ihres Hausfrauendaseins vergeblich für ein Frauenmuseum eingesetzt. Sie hat auch ein uneheliches Kind, das sie mit Fünfzehn eigentlich abtreiben wolle, eine bigotte Jungscharführerin hat sie daran gehindert. So ist ihr die nächste Kunstaktion gewidmet. Dann geht es nach Salzburg, wo eine Preisverleihung stattfinden soll, weil Helene aber den Preis nicht bekommen hat, werden der Kulturkritiker und die Jungautorin, die ihn bekommen soll, eingesperrt und Elvira hält auf der Bühne eine flammende Rede und so weiter und so fort, ich soll ja nicht so viel spoilern, höre ich gelegentlich.

Es geht also weiter mit den feministischen Racheaktionen. Elvira geht inzwischen das Geld aus, Helene kommt auf die Shortlist, bekommt den Preis dann nicht und Marlene Streeruwitz, die ja auch aus Baden stammt und dort wohl auch noch keine Denkmal hat, wird in dem Buch mehrmals erwähnt und hat auch schon über den Buchpreis und die dortige Nominierung geschrieben.

Es wird ihr am Schluß wird auch gedankt und ich denke, man könnte Gertraud Klemm durchaus als ihre Nachfolgerin betrachten und füge gleich hinzu, daß mir das Buch, die ich mich ja in meinem Schreiben auch öfter mit dem Literaturbetrieb befasse, gefallen hat und nun, wie schon erwähnt sehr neugierig bin, ob es auf die Longlist, Shortlist, etcetera, kommt, der österreichische Buchpreis wäre ja auch noch zu erwähnen und am nächsten Donnerstag das kann ich auch noch erwähnen, liest Gertraud Klemm daraus bei den O-Tönen.

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