Literaturgefluester

2022-08-07

Verschwörung

Filed under: Bücher — jancak @ 23:22
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Jetzt kommt eine Überraschung, nämlich ein Krimi von Petrus Markaris, der sich mit der „Pandemie“ beschäftigt und offenbar im vorigen Jahr geschrieben wurde oder dort handelt.

Und ich habe den 1937 in Istanbul geborenen gut Deutsch sprechenden griechischen Autor, einmal, glaube ich, bei der „Literatur im Herbst“ im Odeon-Theater kennengelernt und das erste Mal bin ich mit ihm, bzw. seiner Literatur einmal in Leipzig in Berührung gekommen. Das war lange vor der Zeit, als ich akkreditiert war und Kontakt zum Verlag hatte. Da habe ich beim „Diogenes-Stand“ gesehen, wie dort Bücher ausgeteilt wurden, bin hingegangen und wollte auch eines haben.

„Das ist nur für Buchhändler!“, hat mir mir gesagt. Ich habe dann doch eines bekommen und meinen ersten Markaris-Krimi gelesen. Inzwischen, glaube ich, noch ein paar. Eines über die Krise „Finstere Zeiten“, habe ich schon gebloggt und wahrscheinlich noch ein paar andere gefunden und jetzt ein Buch über die Pandemie.

Hurrah, hurrah, da mich dieses Thema, wie meine Leser wissen, sehr interessiert und ich schon viel darüber gelesen und geschrieben habe und mich auch die Frage beschäftigt, darf man über dieses Thema schreiben oder gilt man für unliterarisch oder sogar für schwurblerisch, wenn man man das tut?

Diese Frage hat mich auch beim Lesen des Buches sehr beschäftigt, beziehungsweise, ob das jetzt ein Krimi ist, denn eigentlich geschieht am Anfang gar nichts Verbotenes dabei, zumindestens nach den Vor- Corona-Vorstellungen.

Denn es beginnt mit den Abendessen bei den Charitos beziehungsweise deren Tochter und dem kleinen Enkel Lambros, der um vom Virus nicht angesteckt zu werden, nicht mehr von seiner Kinderfrau aus dem Obdachlosenheim betreut werden darf. Der Vater ein Arzt, will das nicht. Deshalb übernimmt das Adriani, Kommissar Charitos Frau und was für österreichische Begriffe seltsam scheint, es wird viel geküßt dabei, obwohl Masken getragen, die Kleider gewechselt werden, es eine Ausgangsperrte gibt, die natürlich nicht für Polizisten gilt.

Und Fanis, der Schwiergersohn ist in seinen Spital sehr überlastet. So kommt es zum Streit mit seiner Frau Katerina, einer Rechtsanswältin und der zweijährige Enke wird dadurch traumatisiert.

Dann geschieht ein Selbstmord. Ein alter Linker hat sich umgebracht und in seinen Abschiedsbrief darauf hingewiesen, daß er die Menschen aufrütteln will, sich nicht alles gefallen zu lassen.

„Es lebe die Bewegung der Selbstmörder!“, endet der Brief und die Polizei bzw. die Minister drehen durch. Denn was ist wenn es zu Demonstrationen kommt? Es kommrt auch dazu und zwar stellen sich da die Geschäftsinhalber in ihre geschlossene Geschääfte und haben Plakate „Wir haben Hunger!“, in der Hand.

„Tut etwas!“, fordern die Minister die Polizei auf. Aber die kann nichts tun, denn allein in der Auslage stehen, ist nicht verboten.

Es folgen noch einige Selbstmorde und das wird dann auch in Facebook gepostet. Die Polizei beginnt zu beobachten. Es kommt noch zu einigen Demonstrationen, wo eigentlich nicht viel Ungesetzliches passiert. Aber dann meldet sich die „Kämpfer von 2021“ und halten Impftransporter mit ihren Motorrädern auf, schlagen die Fahrer zusammen und es wird auch ein Arzt ermordet, der sich sehr für die Herdenimmunität einsetzte.

Und das ist jetzt interessant, weil wir ja inzwischen wissen, daß es gar keine Herdenimmunität geben wird, weil man trotz Impfung auch angesteckt werden kann. Aber die Kämpfer regen sich über das Wort auf, wollen nicht zu einer Herde werden, ich dachte an die Sprache in Coronazeiten und da finde ich es schön, daß die Leiterin der Impfstraße im Austria Center jetzt nicht mehr von Impflingen und Patienten, sondern von Patienten spricht.

Und eigentlich wäre es ja gut, wenn die Impfung weitere Ansteckungen verhindert, was sie leider nicht kann.

Da wären wir also bei den Verschörungstheorien und da denke ich, die ich mich am Anfang fragte, was will Makaris mit dem Krimi sagen und ich, die ich mich ja anfangs sehr gewundert haben, wieso die Linken da nicht protesieren, sondern das offenbar die Rechten tun oder ihnen zugeschoben wird, habe das sehr gut gefunden, daß da die Menschen zum Handeln aufgerufen wurden.

Das mit der Herdenimmunität klingt aber etwas naiv und nicht richtig, ist aber wahrscheinlich der Trick von Petrus Makaris einen harmlosen Krimi aus diesem heiklen Thema zu machen und ich habe mich am Anfang auch gefragt, wie die Leser das Buch aufnehmen werden? Ob sie, noch dazu, da jetzt in Österreich ja auch ein Selbstmord einer Ärztin passe, „Schwurbler!“, schreien und den Autor so ausbuhen, wie Dietmar Füssel am „Tag der Freiheit des Wortes“ ausgebuht wurde?

Aber am Ende wird das Buch ein ganz normaler aufgeklärter Krimi. Petrus Makaris schildert auch viel Familienglück und alles findet ein harmonisches Ende.

Wie das Buch ankommen wird, will ich noch immer gerne wissen. Leider habe ich da bei „Amazon“ noch nichts gefunden, weil das Buch ja erst im Juli erschienen ist.

Das Buch wurde übrigens Andrea Camilleri gewidmet und wurde von Michaela Prinzinger übersetzt.

2022-05-06

Thronfall

Filed under: Bücher — jancak @ 00:06
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Jetzt kommt der dritte historische Krimi, den ich in letzter Zeit gelesen habe und alles geht schön zurück, von 1945 wo ein Präsident über die westdeutsche Grenze entführt wurde, ins Jahr 1920 wo die Sozialisten Berlin und Leipzig unsicher machten und dann zurück ins deutsche Kaiserreich und ins Jahr 1889.

Ich habe zuerst 1989 gelesen und an den Mauerfall gedacht, aber nein, es gibt noch den jungen Kaiser Wilhelm, der viel auf Reisen geht und den August Bebel, der ein Buch über die „Frau im Sozialismus“ geschrieben hat und noch sehr vieles anderes, denn „Thronfall“ ist schon der dritte historische Krimi, den Axel Simon geschrieben hat und daher braucht man wohl ein bißchen länger um sich bei den handelnden Personen auszukennen. Da gibt es einen Gabriel Landow, genannt Gabi, was auch ein bißchen verwirrend ist, der ist Privatermittler der Regierung, hat eine Detektei und einen Kompagnos namens Orsini, sowie eine Geliebte namens Elba Runge zu der ein eher wechselhaftes Verhältnis hat.

Am Anfang passieren gleich ein paar Morde, die von einer Frau ausgeführt werden, die asiatische Augen hat. Die Köpfe der Kaiserdenkmäler rollen dann als nächstes und Botschaften wie „Den Arbeiter holt der Typus, den Kaiser holt der Teufel.

Bis es aber soweit ist, wird noch die Detektei durchsucht, weil Orsini, der einarmige, den Arm wahrscheinlich in einem Krieg verloren, betätigt sich auch als Taschendieb und hat da ein Notizbuch mit einer Zahlenkombination gefunden, als er das zurückgeben will, wird der Überbringer erschossen und drei Revolutipnäre Marat, der eigentlich aus Hollabrunn stammt, Saint Just und Desmoulins, die mit Dynamitstangen hantieren und Kisten bei sich verstecken, gibt es auch, wie die Spielzeugfabrikantenwitwe Grün, die eine Freundi Ebas und ebenfalls Revoultionärin ist und von einem Heiratsschwindler verfolgt wird, der sich in sie verliebt, aber der wird in Auftrag Elbas von Orsini verfolgt und einen Affen namens Franz gibt es inzwischen auch, der von Oorsini während seiner Verfolgungsarbeit im Kinderwagen herumgeführt wird.

Ganz langsam kommen wir ins Geschehen oder fahren nach Norwegen, weil sich dort der Kaiser mit seinem Freund Graf Eulenburg auf eine Schiffsreise begeben hat, aber der hat ein junges Kaiserdouble an Bord geschmuggelt und der wird während eines Picknicks erschossen.

Da kommt Landow auch auf, die Fogorafie die sich gerade entwickelt hat und besucht mehrere Fotografen und, um die Spielzeuge, die in dieser Zeit en Vogue waren, da gibt es einen Superkreisel, geht es auch.

Am Schluß kommt noch der russische Zar auf Besuch und Landow kann ein Attentat auf ihn verhindern, dafür liegt er zwar bandagiert im Spital, kann aber aber wahrscheinlich weitere Fälle lösen, so daß wir auf einen Folgeband gespannt sein können und Axel Simon hat wirkich einen frischen ungewöhnichen Ton und so liest man sich durch das Buch, das eigentlich weniger ein Krimi ist, sondern sich an Hand absurder Situationen, wie beispielsweise, das mit dem Affen durch das vorvorige Jahrhundert und wenn vielleicht auch nicht alles so authentisch ist, daß es außer Dienstmädchen soviel berufstätige Frauen gegeben hat, wage ich zu bezweifeln, hat man trotzdem viel gelernt und so sind historische Krimis, die jetzt ja, wie die Schwammerln aus dem Boden spriessen, sicher sehr interessant.

2021-12-28

Das Nest

Filed under: Bücher — jancak @ 00:42
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Zwischen Weihnachten und Neujahr läßt es sich gemütlich Krimis lesen, auch wenn sie im April spielen, den Katrine Engbergs „Nest“ hatte ich, weil ich es mir wegen des Bloggertalks nach Harland mitgenommen und da habe ich gleich zwei Fragen. Erstens verstehe ich den Titel, da gibt es, glaube ich, ,auch andere Bücher mit diesem Namen nicht ganz, obwohl Vögel spielen eine gewisse Metaphernrolle und man kann es auch als Synoym für die tatsächliche oder mangelnde Geborgenheit in der Familie nehmen und die zweite Frage betrifft das Cover. Pillen, die ein bißchen, wie Autos aussehen, sind darauf abgebildet und das hat meiner Meinung nach noch viel weniger Bezug zum Inhalt. Der ist vielschichtig und die 1975 in Kopenhagen geborene und gut Deutsch sprechende Katrin Engberg scheint eine sehr sympathische Frau zu sein, wie ich beim Bloggertalk merkte und das Buch ist der vierte Teil der Kopenhagener-Serie mit Anette Werner und Jeppe Körner und bei „Amazon“ streiten sie sich darum, ob es was macht, wenn man die vorigen Teile nicht gelesen hat?

Ich habe mir etwas schwer damit getan, denn Katrine Engberg geht es sehr bedächtig an und so liest man sich zuerst durch die verschiedenen Handlungsstränge bis sie geschickt alles zusammenfügt und die Familienprobleme der Ermittler, das ist wahrscheinlich so eine skandinavische Spezialität, spielen auch eine Rolle.

Also, da wird erst einmal ein Junge entführt oder ist er verschwunden? Das weiß man nicht so genau. Er ist jedenfalls der Sohn einer Galeristen- oder Aktionshausfamilie und die ist etwas seltsam. Schlafen doch alle Kinder und, die sind bis siebzehn, mit den Eltern in einem großen Familienbett und die Familie schwurbelt auch etwas, daß sie schon einmal Schwierigkeiten hatte und erpresst wurde und ziehen Zusammenhänge.

Oscar er ist fünfzehn, ein begabter Zeichner und hinterläßt ein Zitat von Oscar Wilde, hätte eigentlich bei einer Freundin schlafen sollen und hat sich mit seinem Lehrer getroffen. Dann wird und das hat Katrine Engberg ja den Prolog gelesen, wird eine Leiche in einer modernen Müllverbrennungsanlage gefunden. Es ist aber nicht Oscar, sondern der Lehrer und seltsam, der Vater von der Freundin arbeitet in der Anlage, als Ingenieur und führt sich sehr seltsam auf.

Oscar wird gefunden und kommt in ein Spital und seine Mutter ist auch recht seltsam, weil sie gleich den Ermittler umarmt, dafür ist der Vater immer verschwunden und eine Schwester, Jenny Kalibian gibt es auch. Die war eine begabte Künstlerin, hat durch die Schwierigkeiten des Schwagers ihre Karriere beendet. Jetzt ist sie Aufseherin im Thorvaldsen-Museum, hat immer Geldnöte, unterrichtet aber Oscar im Zeichnen.

Jeppe hat noch eine Freundin die siebzigjährige Ester, die ein Buch über eine Anthropologin schreiben will und mit einem alten Herrn zusammenlebt, der ein wenig dement wirkt, Angst vor dem Sterben hat und dann noch an Krebs erkrankt.

Das ist die Vielschichtigkeit von Katrine Engberg. Anette verliebt sich auch noch in einen Tierpräparator, der ihr beim Ermitteln hilft, obwohl sie verheiratet ist und eine kleine Tochter hat und Jeppe lebt mit einer Kollegin, die alleinerziehnde Mutter ist und als er die elfjährige Tochter um zehn Uhr abends auf der Straße trifft und die dann nach Bier stinkt, bricht die Beziehung auseinander.

Ganz schön kompliziert und viel Themen werden angeschnitten. Denn es geht natürlich um Kindesmißbrauch und um einen Pädophilienring, die der Lehrer, jung und noch sehr gewissenhaft, aufklären wollte. Die Tante hat den Neffen nicht nur unterrichtet, sondern in geschminkten Posen fotografiert und die Fotos dann verkauft und die kleine Schwester rächt sich an der Tante und wenn man von der Krimihandlung absieht, bleibt wahrscheinlich über, wie kompliziert dieses Leben ist und dabraucht man gar nicht Sars Cov 19 dazu.

2021-11-19

Metropolis

Filed under: Bücher — jancak @ 00:37
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Über die 1920 Jahre gibt es sehr viele Bücher, die ich zum Teil schon im Vorjahr gelesen habe, vor kurzem eines über den Februar 1933 in Berlin, das sich speziell mit der Rolle der Dichter, wie Thomas Mann, Alexander Döblin, Heinrich Mann, etcetera beschäftigte und jetzt, Zufall, wie es sie gibt, ist mir ein Krimi des 2018 verstorbenes Philip Kerrs, den ich einmal in der Hauptbücherei gesehen und zwei Bücher von ihm gelesen habe, in dem er mit seiner Bernie Gunther Reihe bis ins Jahr 1928 zurückgeht und da teilweise Personen, wie in „Berlin 1933“ vorkommen und ich muß sagen, das ist das Buch von Philip Kerr, das mir bisher am besten gefallen hat, obwohl es auch da einige sehr ungewöhnliche Ermittlungsweisen und einiges nicht wirklich logisch ist, sowie, glaube ich, Handlungslücken gibt, aber es ist wahrscheinlich das Thema und das Berlin, in den Neunzehnzwanzigerjahren, was wieder sehr dicht und beeindruckend beschrieben wird, das mir sehr gefiel.

Den vorletzten Bernie Gunther Krimi habe ich ja gelesen. Der jetztige, den Philip Kerr kurz vor seinen Tod fertiggestellt haben dürfte, beschreibt den jungen Bernhard Gunter, der gerade in die Mordkommission kommt. Beim lesen habe ich mir gedacht, wenn es da schon eine ganze Reihe von Bernie Gunther Bücher gibt, muß der im letzten, den ich gelesen habe, schon eine ganze Reihe Ungesetzlichkeiten auf den Buckel haben und spannend auch, daß sich Kerr in seinem Romanen mit dem historischen Berlin beschäftigte und sich da gut auszukennen schien.

Also Berlin 1928. Der erste Weltkrieg ist zehn Jahre vorbei, auf den Straßen Berlin laufen die „Krüppel“ „in ihren verschliessenen Uniformen auf denen noch die Orden hängen und betteln, weil sie ihre Beine im Krieg verloren haben und die Frauen, die ihre Arbeit verloren haben, müssen sich prostituieren.

Auch sehr interessant, das Buch ist in drei Teilen, wie ein Tryptichon gegliedert und das gibt es von Otto Dix, der in dem Buch auch vorkommt, nach dem Prolog von Ian Rankin zu sehen, der erste Teil „Frauen“ zeigt einen solchen „Krüppel“, Teil zwei „Niedergang“, zeigt eine Jazzclubszene und Teil drei heißt „Erotik“.

Im Teil drei geht es um Prostituiertenmorde, da wurden vier oder fünf Frauen von einem „Winnetou“ genannten Mörder skalpiert und Bernie Gunther wird von der Sitte in die Mordkommission berufen, um bei der Aufklärung zu helfen. Der war auch im Krieg, ist daher kriegsgeschädigt und säuft sich seine Traumen weg. Eigentlich hätte ein Inspektor Reichenbach die Stelle bekommen sollen. Aber der ist nicht nur Jude, sondern geht auch recht gewalttätig bei seinen Ermittlungen um. Der Chef der Mordkommission ist ein Dr . Weiß, sein Stellvertreter heißt Ernst Gennat und beide sind historische Personen und man kann im Anhang über ihr weiteres Schicksal lesen.

Die Polizisten unterbezahlt halten die Gesetze auch nicht so ganz ein, sondern leeren am Tatort manchmal auch die Geldbörsen der Opfer aus oder dealen vielleicht ein bißchen.

Also ein starkes Sittenbild Berlins und das ist sehr dicht beschrieben. Dann kommt es zu einem Schnitt, denn „Winnetou“ verwandelt sich in einen „Dr. Gnadenschuss“. Bernie Gunther beginnt bald zu ahnen, daß das das vielleicht dieselbe Person sein könnte, denn die Frauenmorde hören auf, stattdessen werden plötzlich die Bettler umgebracht und Dr. Gnadenschuß, wie er sich nennt, hat Bekennerschreiben an Zeitungen wie beispielsweise das „Tageblatt“, die ja in „Berlin 1933“ auch vorkommt, wo er sich dazu bekennt Berlin von den „unnötigen Krüppel“ zu befreien und wieder schön sauber machen.

Dr. Weiss kommt auf die Idee, daß sich Bernie Gunther als Lockvogel mit einem „Krüppelknarren“ auf die Straße stellt, um den Mörder zu fassen. Er geht mit einer Saxophonspielerin, die in seiner Pension wohnt, auch ins „Sing-Sing“, das ist ein Lokal, das es auch gegeben hat, wo es einen elektrischen Stuhl gibt und Bernie Gunter wird auserwählt das Opfer zu spielen, das sich vor den Schaulustigen guiilitieren lassen muß. Da kommt Gunther mit dem Vater des letzten Frauenopfers in Kontakt. Der mischt sich in die Aufklärung ein und Gunther wird als Bettler verkleidet von einer Jugendbande angriffen und blöderweise hat er vorher die Pistole verloren, so daß er froh sein kann, daß plötzlich sein Kurt Reichenbach kommt, ihm hilft und ihm seine Pistole gibt.

Einen Mordfall kann Gunter auch noch beobachten, den soll Reichenbach aufklären. Aber der verschwindet und ist, stellt sich heraus, der Prostituierten- und Bettlermörder. Aber statt die Sache aufzuklären und ihn festzunehmen, hat der Vater ihn entführt und ermorden lassen, beziehungsweise vor ein Gericht bestellt und überredet Gunther, die Sache zu vertuschen. Denn wem hilft es, wenn die Witwe plötzlich die Gattin eines Mörder war?

Einen eigenen Mord oder Notwehr, als Dr. Weiss angegriffen wurde und die Kollegen holte wollte, hat er auch vertuscht. Dafür klärt er den schon erwähnten Mord auf, was ich sehr seltsam finde und mich stört.

Ansonsten ein sehr interessantes Buch, das mir aber manchmal etwas zu lang und auch unlogisch vorkam. So hatte Kurt Reichenbach in seinem Auto ein scharfes Messer, einen Hammer und eine Perücke liegen, die ihn an Mörder auswiesen. Das denke ich, wird die Witwe wohl gefunden haben, als sie sich um den Nachlaß kümmerte oder das Auto verkaufen wollte.

Und der Titel, bezieht sich auf Fritz Langs Film und mit dessen Frau, die Drehbuchautorin Thea von Harbou, die Nationalsozialistin war, trifft sich Bernie Gunter auch, um sie bei einem Drehbuch zu beraten.

Also interessant, wie es in Berlin in den Zwanziger und Dreißigerjahren aussah und wieder interessant, wieviele Bücher es darüber gibt.

2021-02-05

Diskrete Zeugen

„Rowohlt“ betziehungsweise „Wunderlich“ hat die Kriminalromane der1893 geborenen Dorothy L. Sayers neu herausgegeben und so habe ich in Zeiten in denen der hundertste Geburtstag einer anderen berühmten Krimiautorin, nämlich Patricia Highsmith, gefeiert wurde, mich in den zweiten Band der Lord Peter Wimsey-Reihe eingelesen und dabei interessante Erfahrungen gemacht.

Ich mag, wie meine Leser wissen, ja gerne Krimis, obwohl ich wegen der Gewalt, die darin ja vorkommen muß, nicht so gerne welche schreibe oder mich um die Morde herumschummle. Von Dorothy Sayers habe ich noch nichts gelesen und das Erstaunliche an dem Buch ist wohl auch die diskrete Ironie mit der sich die Autorin über die damaligen Gesellschaft lustig macht.

Denn das Buch ist, wie ja schon der Reihentitel verrät, im Hochadel angesiedelt und für heutigen Krimileser wird der Stil auch erstaunlich einfach und unraffiniert erscheinen, was kein Wunder ist, sind inzwischen ja eine Unzahl Krimis entstanden. Hier erstaunt, daß die Spannung oft von Zeitungsberichten oder Dialogstellen, was heute wohl nicht mehr so gehen wird, ersetzt wird. Spannend ist es aber trotzdem, wenn es vielleicht auch als ein wenig langmatig empfunden werden kann und die Handlung ist eigentlich auch ganz banal, liest sich aber, füge ich wieder hinzu, durchaus spannend.

Was ist also geschehen? Da man das auch bei „Wikipedia“ nachlesen kann, darf ich also spoilern. Es beginnt banal, in einem gemieteten Landhaus wird ein Toter aufgefunden und der herzog vonDenver, der als ein wenig dümmlich aber durchaus korrekt, wie englischen Adeligen eben sind, wird von seiner Schwester dabei ertappt, wie er sich über denToten beugt, der ist ihr Verlobter und wieder interessant, die Geschichte beginnt schon früher, nämlich im Hotel Meurice, in Paris, glaube ich, denn da ist der Bruder des Herzogs, eben jener Lord Peter, der Held der Krimireihe, der schon einen Fall aufgeklärt hat, auf der Rücksreise von Korsika, wo er einen dreimoatlichen Urlaub verbrachet, abgestiegen, duscht oder badet gerade, als ihm sein Diener, die Zeitung vorliest und auch erklärt, daß er schon das Flugzeug für die schnellereRückkehr gebucht hat.

Die Geschichte spielt in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren. Der erste Weltkrieg ist vorbei und erstaunlich ist das amicale Verhältnis zwischen Herr und diener, der manchmal etwas schneller als Lord Peter ist und einen Kriminalinspektor mit dem der Lord aufklärt, gibt es auch.

Aber zurück zum Fall, Peters <Bruder ist verhaftet worden und weigert sich auszusagen. Das heißt, er sagt aus, er hätte einen Brief bekommen, wo der Verlobte als Falschspieler entlarvt wurde, worauf er ihn, weil die Engländer ja viel moralischer als die Franzosen sind, mit denen der Verlobte aufgewachsen ist und auch in paris lebte, zur Rede stellt.

Die Schwester Lady Mary, die zuerst „Du hast ihn umgebracht!“, ausgerufen hat, wird oder stellt sich krank um nicht aussagen zu müssen. Der zurückgekommene Peter oder sein Diener entdecken einen Koffer und Blutspuren an ihren Kleidern und auch Spuren, die auf einen Motorradfahrer hinweisen. Lord Peter wankt dann durch das Moor zu einem Bauern, der ihn sehr brutal anfaßt. Seine Frau scheint ihn mit seinen Bruder zu verwechseln und bittet ihn zu verschwinden und wir bekommen heraus, daß Lady Mary gar nicht so dümmlich ist, wie sie scheint. Sie war im Krieg sogar Krankenschwester und hat mit einem Kommunisten im Sowetclub verkehrt und mit diesen stellt sich heraus, wollte sie abdampfen und der Herzog war, was ich ein wenig unglaubhaft finde, bei einem Tete at tete bei der Frau des Bauern und will ihre Ehre nicht preisgeben und der Verlobte, der eigentlich eine andere Geliebte hatte, aber kein Geld mehr, um sie weiter auszuhalten hat sich schließlich doch selbst umgebracht, was in den schon erwähnten Dialogpassagen der Gerichtsverhandlung ein wenig ungewöhnlich, aber doch sehr spannend aufgeklärt wird und so kann ich das Buch trotz der manchmal etwas unrealistischen Passagen, was wohl die diskrete Gesellschaftskritik sein soll, sehr empfehlen oder wenn ich nicht so eine lange Leseliste hätte, auch die zehn weiteren Bände lesen.

2020-12-06

Amnestie

Filed under: Bücher — jancak @ 00:27
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Bevor es an das Schweizer-Buchpreislesen geht, geht es noch schnell nach Austrialien beziehungsweise zu Aravind Adiga, der 1974 in Madras geboren wurde und zeitweise in Sydney lebte und mit dem „Weißen Tiger“ den „Booker Price“ gewann, was ihn in Europa oder den deutschen Sprachraum schlagartig berühmt machte. Das Buch habe ich auf Englisch irgendwann gefunden und noch nicht gelesen, wie ich es auch beim „Letzten Mann im Turm“ noch nicht tat, aber anmerken kann, das ich mir dieses Buch, um ein paar Euro beim Abverkauf in der Buchhandlung in der sich heute ein Dekorationsgeschäft befindet, kaufte.

C.H. Beck hat mir das neue Buch freundlicherweise zugeschickt, so daß ich jetzt endlich den heute in Mumbai lebenden literarisch kennenlernen konnte und muß schreiben, es war eine Überrachung und ein Gewinn, denn das Buch setzt sich in einer sehr leichten Krimiform und einer ungewöhnlichen Schreibweise mit dem Flüchtlingsproblem auseinander oder damit, wie es einen illegalen Tamilen in Australien geht, die für illegale Einwanderer Null-Toleranz haben, so daß ihm jeder jederzeit vernadern kann und der dann mit der Abschiebung oder einem Gefängnisaufenthlalt rechnen muß, was offenbar viel härter, als bei uns vor sich geht.

Die Handlung ist schnell erzählt und steht auch in etwa im Klappentext. Im Buch wird sie dann auf dreihundert Seiten in einer eher sprachexperimentellen Art ausgebreitet.

Da ist Danny, seit vier Jahren illegaler in Australien, als Student oder mit einem Studentenvisum ist er einmal in das Land gekommen, die Universität, wo er sich angemeldet hat, war eher nur an seinen Studienbeiträgen interessiert, so hat er das Studium geschmissen und verdingt sich fortan als Putzmann. Das heißt, er hat seinen eigenen Staubsauger und seine eigenen Putzutensilien und fährt damit von Haus zu Haus, wo er einen Auftrag hat. Er hat auch eine Freudnin, die Vietnamnesin Sonja, die ist Krankenschwester und wohnen tut er in einem Lager eines Geschäftes in dem er früher arbeitete.

So befindet er sich also in der Wohnung eines Rechtsanwaltes, um dort zu putzen, als er merkt, daß das Haus von der Polizei gestürmt wird. Eine seiner früheren Kindinnen, die in der Nähe ihre Wohnung hat, ist ermordet worden. Er verdächtigt deren Freund, den sogenannten Dr. Prakash, ruft ihn an und wird von ihm die restlichen Seiten des Buches verfolgt, bis man am Schluß erfährt, daß dieser durch Hinweise Dannys von der Polizei verhaftet und Danny als illegaler abgeschoben wurde.

Das Buch ist in fünf Kapitel geschrieben „Zu Hause“ heißt das erste, die restlichen vier, das „Erste bis das vierte Jahr als Illegaler und in diesen rast Danny mit Zeitangeban durch die Stadt. Wird immer wieder von diesen Dr. Prakash, der gar kein richtiger Dr. ist, angerufen, der ihm droht, ihn bei der Einwanderungsbehörde anzuzeigen, ihn auffordert zu ihm in seine Wohnung zu kommen und die zu putzen und ihm immer wieder erzählt, daß er am Abend nach Südafrika fliegen wird.

Dazwischen erfährt man viel von Dannys Leben. Er hat ein Jahr in einem Hotel in Dubai gearbeitet, kam dann als Student nach Australien und man erfährt auch von den Schwierigkeiten, die die Illegalen mit den sogenannten „Aussies“ haben und auch, daß die gar keine Illegalen beschäftigen dürfen, weil sie sich dadurch strafbar machen.

Der Stil ist vielleicht, vor vor allem für mich, da ich noch nichts anderes von Aravind Adiga gelesen habe, ein wenig ungewöhnlich und die Realistin fragt sich auch, warum hat er diesen Dr Prakash überhaupt angerufen und warum will ihn der unbedingt in seiner Wohnung haben?

Vielleicht um ihn auch umzubringen? Aber über den Fall, warum die Frau von ihrem Liebhaber ermordet wurde, erfährt man überhaupt sehr wenig, sondern es werden nur die Stunden beschrieben in denen Danny durch die Stadt rast. Da erfährt man viel über die Schwierigkeiten der Illegalen. Könnte aber durchaus sagen, da passiert ja nichts und das wissen wir jetzt schon!

Aber auf jeden Fall ein neues Spracherlebnis und jetzt nur hoffen einmal die Zeit zu finden, auch die beiden anderen Bücher zu lesen und spannend ist auf jedenfall über die Situation der Aslwerber in Australien zu erfahren und auch die Art wie man darüber schreiben kann, ist sehr interessant und ungewöhnlich.

2020-05-18

Betibu

Filed under: Bücher — jancak @ 00:44
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Corona-Zeit ist Krimizeit, habe ich, glaube ich, einmal geschrieben. Das ist sicher Zufall, obwohl ich bis jetzt ja hauptsächlich Neuerscheinungen gelesen habe und erst jetzt allmählich zu meiner Backlist, das heißt zur Nummer eins der 2020-Leseliste komme.

Martin Caparros „Väterland“ kann ich gleich vorgreifen, ist auch ein argentinischer Krimi,obwohl es ja angeblich dort keine diesbezügliche Autoren gibt.

Auf Platz eins der 2020-Liste, steht ein Fund aus dem Bücherschrank, beziehungsweise „Ihr Leseexemplar aus dem Unionsverlag – bitte nicht vor dem 27. Februar 2013 zu besprechen“, darauf, das ist lang vorbei und wer das Buch in welchen Schrank gelegt hat und, ob es gelesen wurde, weiß ich nicht.

Das sind so die kleinen Geheimnisse, die es auch in den digitalen Überwachungszeiten so gibt und ich kann jedenfalls flüstern, daß mir der Name, der 1960 in Buenos Aires geborenen  Claudia Pineiro nicht so ganz unbekannt ist, denn ich habe ja früher, als ich selber noch nicht soviele Leseexemplare bekommen habe, mich auf die, in den Schränken intensiver gestürzt, das heißt früher und regelmäßiger gelesen und da war auch  „Ganz die Deine“ dabei, das Buch habe ich 2013 gelesen und kann hier outen, daß ich mich an den Inhalt eigentlich nicht mehr so gut erinnern kann, wohl aber, daß ich von der Autorin noch  „Ein Kommunist in Unterhosen“ gefunden, aber noch nicht gelesen habe.

„Betifu“ habe ich wohl im Vorvorjahr gefunden und ganz zuoberbst auf meine Leseliste gepackt und ich kann wieder gestehen, daß ich gezögert habe, ob ich es jetzt  hinunterlesen oder nicht nach Prominenteren, beispielsweise dem „Pianisten“ oder „Vergoogelt“ von Julia. K. Stein weitermachen soll? Und kann gleich weiterschreiben, daß ich froh bin, das nicht getan zu haben, denn das Buch ist wohl im Gegensatz zu „Ganz die Deine“ ein Hit, beziehungsweise wieder eines, das sehr sehr langsam und bedächtig einen ganz anderen Krimi schreibt, man kann darüber diskutieren, ob es überhaupt einer ist und es steht auch irgendwo in dem Buch, daß es obwohl ein paar Morde passieren, eigentlich um das Dahinter geht.

Und die sind in Zeiten, wie diesen höchst beeidruckend, geht es da ja um eine dieser Privatsiedlungen, wo sich die Reichen hinter Mauern Luxushäuser bauen. Vorne stehen Wachleute und kontrollieren jeden der hineinwill  und schikanieren ihn mit sinnlosen Vorschriften. Erinnert das an etwas?

Hätte ich das Buch schon früher gelesen, wahrscheinlich nicht, jetzt aber schon, denn man muß sich inzwischen, wenn man in ein Restaurant oder in ein Cafehaus gehen will, auch anmelden, muß sich auch eine Maske aufsetzen und geht man in einen Baumarkt, wird man getrackt, etcetera.

Eine Maske braucht man nicht, wenn man nach „La Maravillosa“, möchte, damals noch nicht, füge ich hinzu, wurde das Buch ja wahrscheinlich 2012 geschrieben und spielt, wenn ich mich nicht irre, um 2010. Es gibt einen Hausangestellten und einen Besuchereingang. Vor dem steht Gladys Varela am Anfang des Buches und wartet auf das sich Kontrollieren lassen. Sie muß ihre Handynummer angeben und den Inhalt ihrer Handtasche, damit sie nichts hinausschmuggeln kann, dann darf sie zu ihrem Arbeitgeber Senor Chazarreta gehen und den findet sie erstochen auf einem Sessel und bekommt  einen Schreikrampf.

Das ist einer der Morde, die in dem Buch passieren, um das Dahinter deutlicher zu machen. Dann geht es nach Buenes Aires in eine Zeitungsredaktion und da wird es satirisch, denn da muß der ehemalige Polizeireporte Jaime Brena, der degradiert wurde, weil er in einem Interview sagte, daß er alle Zeitungen außer, die bei der er arbeitet,liest, degratiert und muß jetzt über Statistiken berichten, wie, die, ob mehr Frauen als Männer in der Rückenlage schlafen, etcetera.

Dann gibt es noch eine ehemals erfolgreiche Krimiautorin, die heißt Nurit Iscar, wurde aber vom Chef der Zeitung und auch von Brena „Betibu“ nach einer bekannten Comicfigur, getauft und hat aufgehört zu schreiben, nachdem sie einmal eine schlechte Rezension bekommen hat.

Jetzt ist sie  Ghostschreiberin, bekommt aber vom Chef der Zeitung, ihrem ehemaligen Liebhaber, der sich aber schon bald als Arschloch entpuppte, den Auftrag, in diese Siedlung zu fahren, um über den Tod, Mord oder Selbstmord ist die Frage, einen literarischen Bericht zu schreiben.

Den Journlistischen soll ein sogenannter, namenloser „Junge“ , der jetzt der Polizeireporter der Zeitung schreiben, der nimmt, weil er noch sehr viel lernen muß, Brena mit und wir erfahren dann, daß vor drei Jahren, die Frau des Toten auch schon in diesem Stuhl ermordet wurde und, daß ein Foto gestohlen wurde, auf diesen sind sechs Jungen abgebildet, die alle die selbe Schule besuchten und fast alle von ihnen sind inzwischen eines mehr oder weniger gewaltsamen Todes umgekommen.

Das ist im Wesentlichen die Krimihandlung und macht ungefähr ein Zehntel des Buches aus. Dazwischen wird viel über die Regeln in dieser Siedlung geschrieben, wo man parken darf und, wo nicht und welche Absurditäten, die Wachposten jeden Tag von Neuem ausführen müßen.

Erinnert das wieder an etwas? Wenn ich jetzt schreiben würde, unsere Regierung oder die aller Staaten, hätten dieses  Buch gelesen und es sich zum Vorbild für ihre Überwachungsmaßnahmen genommen, ist das mit Sicherheit Fake News, denn die Wirklichkeit inzwischen wahrscheinlich weiter fortgestritten, als es sich George Orwell oder Claudia Pineiro träumen ließen.

Es geht auch viel, um das Schreiben und um Literatur. Um den Unterschied zwischen dem journalisten und literarischen Schreiben und wahrscheinlich ist vieles auch wieder autobiografisch, weil Claudia Pineiro ja auch Journaistin war oder ist und am Schluß beschließt Nurit Iscar oder Betibu wieder Romae zu schreiben, der Junge verlßtä die Zeitung und gründet eine Internetnachrichtenplattform nur Jaime Brena bleibt, denn er kann ohne den Redaktionsgeruch, obwohl sich der inzwischen sehr verändert hat, nicht leben und ich habe ein interessantes Buch gelesen und kann jetzt nur wieder schreiben, daß ich auf den „Kommunisten in  Unterhosen“ schon sehr gespannt bin, aber keine Ahnung habe, wann er an die Reihe kommt?

2020-04-22

Kilometer 123

Filed under: Bücher — jancak @ 00:03
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Mit den Krimis geht es weiter, die sich in Zeiten von Corona ganz zufällig, bei mir in besonderer Menge angesammelt haben, mit einem kleinen Büchlein des 1925 geborenen und im Sommer 2019 verstorbenen itlaienischen Autors Andrea Camilleri, dem Liebling meiner Schwiegermutter, die sich in Zeiten, als sie noch gelesen hat, seine Bücher gerne schenken ließ und, ich glaube, fast alle von ihm besitzt.

Ich habe auch einige von ihm in den den Schränken gefunden, einige davon gelesen, aber mit seiner Art zu schreiben einige Schwierigkeiten gehabt, ich glaube, seinen Stil als eher altmodisch und umständlich empfunden.

In den letzten Jahren habe ich seine Erinnerungen und den „Brief an Mathilda“ gelesen und jetzt wieder einen Art Krimi, der in Italien2019 erschienen ist, wie es überhaupt offenbar noch einige nicht übersetzte Camilleri Bücher gibt, also vielleicht noch etwas folgen wird, über das ich berichten kann.

Das Buch ist, wie schon beschrieben sehr dünn, an die hundertfünzig Seiten und es überrascht durch seinen Stil, den man auf dem ersten Blick als sehr ungewöhnlich bezeichnen könnte, denn es besteht hautsächlich aus Telefonnotizen, Dialogen, Briefen und Zeitungsartikeln.

Ein Anfängerstil könnte man sagen,  vielleicht auch ein Alterwerk und diesen Umständen geschuldet. Ich glaube Camilleri war am Schluß schon blind und hat seine Werke diktiert. Es liest sich aber durchaus spannend und interessant, wenn man sich an den Stil erst gewöhnt hat und das typisch Italienische, das ich beispielsweise auch bei Michela Murgia oder Alberto Moravia sehr gut zu bemerken ist, ist auch hier wieder vorhanden, denn es geht eigentlich um eine banale Eifersuchts und Ehebetrugsgeschichte, die am Schluß eine  vielleicht zu erwartende Wendung nimmt.

Es beginnt mit den SMS einer Ester an ihren Giuilo. Sie will ihn erreichen, kann es aber nicht. Es stellt sich heraus, daß er einen  Unfall und zwar an dem titelgebenden Kilometer 123 auf der Autobahn nach Rom hatte, im Spital liegt, der Frau wird sein Handy und sein Geld ausgeliefert. Ein Krankenpfleger ermittelt und jener Giuilo ist ein Bauunternehmer, der mehrere Frauengeschichten, aber auch sonst viel Dreck am Stecken hat, so zeigt ihm seine Frau bei der Finanzpolizei an. Er versucht zu fliehen, wird an der Grenze zur Schweiz verhaftet und Ester, die über die Geschenisse an ihre Freundin Maria schreibt, macht sich, um ihn große Sorgen und auch darüber, daß ihr Ehemann Stefano nichts mitbekommt.

Marias Ehemann kommt auch ums Leben und schließlich verunglückt Ester auch genau an jenem Kilometer 123 und wir erfahren sehr viel darüber aus den Gesprächen oder Briefe eines Polizisten an seinen Vorgesetzten.

Die Briefe sind übrigens und das finde ich sehr interessant auf einer alten Schreibmaschine mit schlechten Farbband geschrieben und gedruckt, so daß das Lesen dieser Stellen etwas schwierig ist, obwohl das Ganze 2008 spielt, vielleicht Camilleris Schreibmaschine, die Polizei wird damals ja wahrscheinlich schon Computer benützt haben.

Der Kommissar hat einen Verdacht, der Vorgesetzte befiehlt ihm seine Briefe zu vernichten und am Schluß spoilere ich noch an, können sich dann die Übergebliebenen in die Arme fallen und sich über den gelungenen Coup freuen und ich habe gelernt, daß Andrea Camilleri vielleicht doch ganz interessant ist und, daß man einen Krimi auch ganz anders schreiben kann.

Und weil ichs ja mit den Namen habe, mit meiner ersten Kritikern darüber diskutierte, ob ich eine meiner Protgonistinnen Sophie Hunger nennen kann, mit Elfriede Haslehner schon darüber, ob eine meiner Geschichten „Thea Leitners verrückter Traum“, heißen darf, weil es  ja eine Journalistin gleichen Namens gibt und mir auch einige Leute sagten, daß meine Transgeschichte wegen Ulrich Plenzdorf oder sonst noch jemanden, nicht „Paul und Paula“ heißen darf. Den letzten Bloggerdebutpreis hat Nadine Schneider mit „Drei Kilometer“ gewonnen. Gut, da fehlen hundertzwanzig und, daß es einige Bücher mit gleichen oder ähnlichen Titel trotz des berühmten Tiitelschutzes gibt, fällt mir  auch immer wieder auf.

2020-01-28

Die Vorlage zum Film

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:46
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Bezüglich meiner heutigen Programmgestaltung bin ich in der Hauptbücherei gelandet, was gar nicht so leicht zu entscheiden war, hat mir der erste Abend des visuellen und Digitalen Festivals in der „AS“ gestern ja sehr gefallen und Fritz Widhalm hatte mich schon in die Grundsteingasse eingeladen, ich habe aber vorher zu Günter Vallaster gesagt, daß mir das vielleicht zu viel experimentelle Literatur wäre und, daß ich lieber in die „Tiempo Nuovo Buchhandlung“ zur Lesetheateraufführung von Vicki Baums „Liebe und Tod in Bali“ gehen würde, aber dahin eigentlich auch nicht wirklich, weil ich das Buch ja schon gelesen habe und ich selten zu Veranstaltungen gehe, wo ich das Buch schon kenne, es gab noch eine dritte Alternative, die zwar auch nicht ganz passte, stand da doch im Programm „Juergen Maurer liest aus  Frank Tallis „Liebermann-Büchern“ und wer bitte ist Frank Tallis und wer Juergen Maurer?

Da war ich ziemlich unbedarft und hätte würfeln können, habe mich dann aber doch für die Hauptbücherei entschieden, wo die Moderatorin, eine Journalistin, deren Namen im Programm nicht angeführt war, vermutete, daß alle Zuhörer schon die Fernsehserie gesehen hätte, die zu Weihnachten im ORF gelaufen wäre und der Herr von der Hauptbücherei sagte noch etwas, daß das ein Experimant sei, nämlich die Buchvorlage zum Film zu präsentieren.

Irgendwer fragte dann noch, ob wer die Tallis-Bücher schon gelesen habe oder kenne, da meldete sich keiner.

Aber ich habe mich vorher schon am Büchertisch umgeschaut, der von der Buchhandlung „Orlando“ gestaltet wurde und da lagen, glaube ich, sieben verschiede Krimis auf, die alle in Wien, um die vorige Jahrhundertwende spielen und Frank Tallis steht noch im Programm ist ein 1958 in London geborener und dort lebender klinischer Psychologe, laut „Wikipedia“ kein Psychiater, wie Juergen Mauer, der Schauspieler ist und in der Serie, den Kriminalinspektor spielte, behahuptete.

Ich habe die Buchhändlerin gefragt, ob sie die Bücher schon gelesen habe, „Nein!“, hat sie geantwortet, sie hätte keine Zeit dazu, Juergen Maurer sagte dafür später im Gespräch, daß er sehr gern und sehr viele Krimis lesen würde und das Buch aus dem er dann gelesen hat, heißt offenbar „Wiener Blut“ in der deutschen Übersetzung bei „btb“ erschienen, „Vienna Blood“, der Film, der in Wien gedreht wurde, aber einer der Darsteller ist ein Engländer. Die Sprache war auch Englisch und es geht in das Jahr 1905 oder 1906 und die Protagonisten sind offenbar nach Sherlock Holmes und Dr. Watson konzipiert, also Max Liebermann ,ein Schüler Freuds und Inspektor Oskar Rheinhardt und die Stellen, die Juergen Maurer gelesen hat, waren sehr spannend, da wird der Inspektor und sein Assistent zu einer toten Frau, ein Fräulein Löwenstein in einem blauen Kleid mit tiefen Devolette, gerufen, die wurde erschossen, hat einen Abschiedsbrief geschrieben, aber die Tür zu ihrem Zimmer war verschlossen,  eine Kugel in ihrem Herz gibt es auch nicht und keinen Revolver, dann geht der Inspektor zu seinem Freund, den er im Film, wie der Schauspieler erzählt erst im Fiaker kennenlernt und der zeigt vielleicht ein bißchen klischeehaft sein ganzes analytisches Talent, in dem er ihm auf Grund des vorherigen Gesprächs voraus sagte, daß eine Frau in einem blauen Kleid ermordet wurde.

Dann erfolgte ein Gespräch zwischen dem Unterschied zwischen Buch und Film und wie die Filme gedreht wurden und auf die Frage der Moderatorin, die mich auch interessiert hat, ob er Autor, den er in London bei der Premiere kennengelernt hat, einen Wien-Bezug hat?, antwortete er nur „Er ist Psychiater!“ und alle lachten, aber an dem, was ich hörte war das Wien sehr genau geschrieben und ein interessanter Abend, owbwohl ich ja keine ausgesprochene Krimileserin bin, habe aber wieder etwas Neues kennengelernt und das Wien der Psychoanaylse interessiert mich ja auch, mal sehen, ob ich von dem Autor noch etwas höre oder vielleicht gar eines seiner Bücher finden werde.

2020-01-05

Der Gesang der Fledermäuse

Während sich alle Welt mit Olga Tocarzcuks „Jakobsbücher“ beschäftigt, das Buch Nummer eins der Jänner ORF-Bestenliste, es wurde auch in der Leseauslese in der „Gesellschaft für Literatur“ im Dezember vorgestellt, beschäftige ich mich mit dem „Gesang der Fledermäuse“, das mir „Schöffling und Co“ nach der „Nobelpreis-Bekanntgabe“, als E-Book schickte, ein Buch das schon 2009 erschienen ist, von Doreen Daume übersetzt und 2017 auch verfilmt wurde und ich muß sagen, es ist ein sehr interessantes und sehr ungewöhnliches Buch. Ein philosophischer Krimi  über eine geheimnisvolle Tierschützerin könnte man vielleicht sagen. Eines mit einer sehr ungewöhnlichen Heldin einer schrulligen alten Frau als Ich-Erzählerin, die die verschiedensten Macken und Leiden hat und manchmal plätschert es auch sehr langatmig dahin und man kann keine Struktur erkennen, obwohl sich zum Schluß alles wendet und manches klar wird.

Ich habe von der 1962 geborenen Olga Tokarczuk, die auch Psychologin ist, noch nichts gelesen. Ihr Name ist mir aber seit 2000, als Polen Gastland in Frankfurt war, ein Begriff und ich kann die Lektüre des Buches, das in einer unwirtlichen Gegend an der polnisch-tschechischen Grenze spielt und einen sehr ungewöhnlichen Tonfall hat, wirklich  sehr empfehlen.

Es beginnt im Winter und da wird in dem Dorf, das im Winter nur von drei Personen bewohnt wird, der Ich-Erzählerin Janina, die eigentlich Brückenbauerin ist, später aber als Englischlehrerin arbeitete, einem Big Foot genannten Unglustl und Wilderer und einen  alten Mann, den sie Matog nennt, was ein bisschen an Kurkovs „Graue Bienen“ erinnert und es beginnt, daß Big Foot tot im Schnee gefunden wird.

Im Halse steckt ein Rehknöchelchen und am Tatort waren Rehe, was Janina oder Frau Duszejko zu der Theorie veranlaßt, die Tiere haben ihn aus Rache, umgebracht.

Diese Theorie untermauert sie mit astrononomischen Studien, sie legt Horoskope, um die Todesstunden zu berechnen, außerdem übersetzt sie mit einem ehemaligen Schüler Blake und hütet auch die Häuser im Dorf, die nur im Sommer bewohnt werden.

Sie hat noch weitere Seltsamkeiten, so sieht sie im Heizungskeller ihres Hauses  die tote Mutter und Großmutter, was ein bißchen an Sophie Reyers Shortlistbuch erinnern könnte und sie spricht auch ständig von „ihren „Mädchen“,  man bekommt erst gegen Ende des Buches heraus, daß das ihre zwei im Vorjahr verschwundenen Hunde sind und ist ansonsten trotz ihrer Schrullen erstaunlich modern, fährt ein Auto, hat ein Handy.

Im Laufe des Buches, das innerhalb eines Jahres spielt, kommen noch weitere Menschen zu Tode, ein Kommissar, ein Vorstand, ein Besitzer einer Fuchsform, später muß auch noch der Pfarrer, der ebenfalls ein militanter Jäger war, daran glauben.

Frau Janina, die ihren Namen nicht leiden kann, verbreitet das Gerüchte mit der Rache der Tiere, schreibt auch Briefe an die Polizei, die sie aber nicht ernst nimmt und für verrückt hält.

Es gibt noch weitere sonderbare Gestalten in dem Dorf, einen trinkenden Zahnarzt, einen arabischstämmigen Hautarzt, der die kranke Janina behandelt, eine Verkäuferin aus einem Second Handshop, einen Käfersammler und am Schluß stellt sich noch Janina als die Täterin heraus, die ihre verschwundenen Tiere rächte und man kann  raten, ob das jetzt ein Buch jetzt ein Krimi ist oder als Pamphlet für den Tier- und Umweltschutz interpretiert werden könnte. Ich habe auch schon gelesen, daß es sich für die Rechte der älteren Frauen einsetzt und  auf jeden Fall ein sehr ungewöhnliches Buch gelesen und eine sehr ungewöhnliche Schriftstellerin entdeckt, auf das und die ich durch den „Nobelpreis“, der mich sehr freut, obwohl ich auch Peter Handke gratuliere, aufmerksam wurde und politisch habe ich gehört, ist Olga Tokarczuk, was mir ebenfalls sehr sympathisch ist, auch.

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