Literaturgefluester

2020-05-19

Trojanische Pferde

Filed under: Bücher — jancak @ 21:50
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Jetzt kommt wieder ein historischer Krimi und wieder, diesmal ein elektronisches Leseexemplar mit der Sperrfrist vom heutigen Datum, ich bin also beim Lesen sehr aktuell, obwohl ich, ich gebe es zu mit dem dreizehnten Band der Bernie Gunther-Reihe, des vor zwei Jahren verstorbenen schottischen Autors Philip Kerr meine Schwierigkeiten hatte und eigentlich auch empfehlen kann, das Buch, das in der Originalausgabe 2018 erscheinen ist, nur zu lesen, wenn man auch die vorigen Bände kennt, hat man doch sonst Verständnisschwierigkeiten.

Das Buch beginnt in München 1957 und da ist der ehemalige Berliner Kriminalkomminar Bernhard Gunther Leichenwäscher und nennt sich Christof Ganz und auf den folgenden fünfhundert Seiten bekommt man  nach und nach mit, was in den vorigen zwölf Bänden geschehen sein könnte oder eigentlich nur, daß Bernie Gunther nie ein Nazi war, aber für die SS arbeiten mußte und deshalb wohl seinen Namen gewechselt hat.

Dann wird es gleich turbulent, denn es kommt ein Kriminalsekretär Schramma auf ihn zu und zwingt ihn mit ihm in eine Villa zu gehen, wo er einen ehemaligen Nazi ermordet, Gunther oder Ganz sperrt ihn in einen Weinkeller ein und wendet sich an einen Anwalt, den er auch von früher kennt und der findet auch Leichenwäscher ist kein schöner Beruf für ihn und vermittelt ihn als Schadensüberprüfer an eine Versicherung.

Da klärt er gleich einen Versicherungsbetrug auf, so daß er von den Chefs und da ist interessant, daß einer der höheren Chargen Alois Alzheimer heißt und mir, die es ja mit den sprechenden Namen hat, war nicht ganz klar, ist das jetzt eine Anspielung an die Amnesie vielleicht, die 1957 in Deutschland herrschte oder eine zufällige Namensgleicheit von der ich ja immer höre, daß man die nicht machen soll.

Auch sonst ist mir vieles nicht klar geworden, nur daß der 1956 geborene Autor, der Krimis und Fantasy geschrieben hat.

„Das Wittgensteinprogramm“ habe ich gelesen und ihn auch einmal in der Hauptbücherei gehört, offenbar ein Failbe für den zweiten Weltkrieg hatte und sich in diesem und in Deutschland offenbar auch gut auszukennen schien.

Es geht aber, wie schon der Name sagt und, wie man laut der Buchbeschreibung schon hundert Seiten wartet, nach Griechenland, um den Fall, um ein sinkendes Schiff aufzuklären.

Der Besitzer des Schiffes, ein Filmer, der mit Antiquitäten gehandelt hat, wird ermordet, mit einem Schuß zwischen den Augen. Bernie Gunther findet die Leiche und der griechische Polizist, erkennt auch gleich den ehemaligen Kommisar in ihm und zwingt ihm, weil er ihn offenbar sonst verhaften würde, den Fall aufzuklären.

Das erscheint mir sehr unglaubwürdig und wenn Alois Alzheimer auch ein Zufall ist, der ehemalige SS- Haupsturmführer  Alois Brunner ist es nicht, der ist laut „Wikipedia“ 2001 2009  oder 20190 in Syrien gestorben und hatte offenbar auch einen solchen Schuß bekommen, beziehunsbweise ein Auge verloren.

Aber in Philip Kerr Roman ist er  lebendig, denn er trifft den ehemaligen Kommissar mit falschen Namen in seinem Hotel und den soll er nun fangen und dann wird es noch ein paar hundert Seiten lang verwirrend, beziehungsweise spielen die Geschehnisse, der ersten hundert Seiten, die in Deutschland spileen und anscheinend mit dem Fall nichts zu tun hatten, hinein.

So taucht der Rechtsanwalt, der Gunther, den Job verschaffte, wieder auch. Er verliebt sich auch in eine schöne Griechin und es geht natürlich um die Aufarbeitung der Vergangenheit, aber wie schon geschrieben, wenn man die vorigen zwölf Bände nicht gelesen hat und daher nicht genau weiß, wie das jetzt mit  Bernie Gunthers Vergangenenheit war, tut man sich beim lesen etwas schwer.

Ich kann aber noch verraten, daß es noch einen vierzehnten Bernie Gunther-Band gibt, der 2019 in London erschienen ist, aber offenbar noch nicht auf Deutsch übersetzt wurde und richtig, es gibt noch etwas, was mir an dem Buch sehr mißfällt, nämlich das Frauenbild.

Dieser ehemalige Kommissar ist nämlich noch ein solcher der alten Schule, der sich die Frauen nimmt wie  sich ihm in den Weg stellen oder legen. So gibt es einige sehr frauenfeindliche Passagen in dem Buch, die man wohl 1957 in einen Krimi geschrieben hätte, 2018 oder 2020 sollte das aber, denke ich, wirklich nicht sein.

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