Literaturgefluester

2018-02-11

Fotoshooting am Faschingswochenende

Hill Arches

Hill Arches

Mann auf dem Dach

Mann auf dem Dach

Ich bin ja mit der Ruth im vorigen Mai und Juni, als der Alfred in Amerika war und ich sozusagen Strohwitwe war, die verschiedenen Orte mit Kunst des öffentlichen Raumes abgeklappert und habe da mit ihr jeweils zwanzig Minuten lang einen Spontantext zu dem entsprechenden Kunstwerk geschrieben.

Denn da gibt es einen Folder und einen Verein, der sozusagen die öffentlichen Kunstwerke verwaltet und einen Plan aufgestellt hat, wo sie zu finden sind und ich war damals im Mai und Juni, wir sind gerade erst von unserer Radtour, unseren Geburtstagsgeschenk zu Ruths Siebziger vom Bodensee zurückgekommen und ich war in entsprechender Aufbruchsstimmung, denn das Bibliotheksgespenst im Rohtext fertig und was und wie fange ich jetzt mit meiner Idee von der einsam jeden Abend in einer Pizzeria sitzenden depressiven Frau an?

Da habe ich mir ja eine Rechercheauszeit verordnet, wo Ruths Pläne gerade richtig gekommen sind und Annika Bühnemann, die seit seinem Monat Muutter ist, hatte ja auch die Idee von der zehn Geschichtenchallenge im Monat Juni.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, höchstens das Spontanschreiben wäre der gemeisame Jänner und so habe ich im Mai und Juni sowohl die Texte nach Annikas Bühnemanns Schreibimpulsen, die inzwischen zu der Erzählung „Besser spät als nie“ geworden sind, geschrieben, als auch die fünfzehn spontanen Kurztexte, als ich mit der Ruth an fünf Nach- oder Vormittagen durch Wien gewandert oder gefahren bin und die entsprechenden Projekte beschrieben habe.

Das war, glaube ich, zuerst nur als Revanche der Ruth für den Radurlaub gedacht, dann hat sie aber der Ehrgezeiz gepackt, sie hat die Texte bei der GAV eingereiht und drei Veranstaltungen geplant, wo jeweils drei Objekte abgewandert und die Texte vorglesen wurden. Da  die Leute von dem Verein, obwohl sie auch Führungen anbieten, nicht zu erreichen waren, haben wir Robert Eglhofer, der ja auch Kunstgeschichte studierte dazu gewonnen, zuerst eine Einführung zu den Objekten zu halten, bevor die Lesungen beginnen.

die GAV hat die Veranstaltung auf eine pro Jahr reduziert, so daß es wahrscheinlich auch 2019 und 2020 einen solchen Spaziergang geben wird.

Der erste findet am 18 April statt, da werden wir vom Ballhausplatz, wo es das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz gibt, in die Servitengasse zu den „Schlüßel des Vergessens“  fahren, wo es Schlüßel mit den Namen sämtlicher jüdischer Bewohner in einer Vitrine gibt, die vor 1938 in der Servitengasse gewohnt haben und dann noch zum Thuryhof, dem Gemeindebau mit der  1939 entstandenen Plastik von Alfred Crepanz mit der sich  Maria Theresea Litschauer kritisch auseinandersetzte.

Brandmayrgasse

Brandmayrgasse

Thuryhof

Thuryhof

Die Ruth ist dann noch auf die  Idee gekommenm eine Diskussionsveranstaltung über Denkmäler im MUSA anzubieten, so sind wir im August ins Kulturamt zu Julia Danielczyk gegangen, die von der Idee an sich sehr begeistert war, wir hätten aber selber einreichen und uns um die Finanzierung kümmern müßen, so habe ich den Direktor des MUSA und Ruth Kurt Neumann von der „Alten Schmiede“ angeschrieben und der hat uns das Angebot gemacht, unsere Texte im „März-Hammer“, der Zeitschrift der „Alten Schmiede“, die auch dem „Augustin“ beigeelgt ist anzubieten.

Dazu brauchen wir aber Fotos und die haben wir dieses Wochenende gemacht. So haben wir uns Samstag um zwei mit der Ruth am Karlsplatz getroffen, wo wieder der Mann mit dem Pfedekopf mit seiner Ziehharmonika saß, der inzwischen zwar wahrcheinlich unter das Vermummungsverbot fallen wird, aber vielleicht hat er eine Ausnahmegenehmigung und Henry Moores „Hill Arches“ war natürlich der winterlichen Temperaturen wegen, es war auch sehr kalt, verdeckt. Der Alfred konnte aber, glaube ich, Fotos von der Umhülung machen. Dann ginf es in die U-Bahnstation zu  Peter Koglers Röhren und dann in die Rahlgasse zu dem „Mann auf dem Dach.

Danach war es nicht sehr weit zur Albertina und Alfred Hrdlickas „Mahnmal gegen Krieg und Faschismus“, wo wir ja im Mai unsere Spaziergänge begonnen haben. Das heißt, das stimmt nicht ganz, in der Rahlgasse bei Franz West „Gerngroßsäule“ waren wir noch vorher und von der Albertina sind wir auf den Ballhausplatz, zu dem schon erwähnten „Mahnmal der Opfer der NS- Militärjustiz gewandert und haben unsere Fototour am Samstag beim Rathaaus beim Wortruba Denkmal abgeschloßen.

Dann wollte wir  in den Rathauskeller, uns aufwärmen und etwas trinken, dort war aber erst wieder ab achtzehn Uhr Betrieb. So sind wir die Florianigasse entlang bis zum „Tunnel“ dem Studentenlokal, wo ich vor Jahrzenten einmal mit der Elfi  war, entlanggeschlendert und haben bei einem Glühwein unsere Sonntagsziele festgelegt, die zum größten Teil ein Gang durch das „Nazi-Wien“ waren, nämlich zuererst zu der „Idylle“ in der Brandmayrgasse. Dann ging es zu der zerstörten Synagoge in der Turnergasse, wo in dem kleinen Park vor dem Gemeindebau, der jetzt dort stehen, die Balken aufgebaut wurden, die auf die Zerstörung während des Novemberprogroms 1938 hinweisen.

Dann fuhren wir nochmals zu einem Gemeindebau, nämlich dem Thuryhof mit der völkischen Skulptur, die von Maria Theresia Litschauer transkribiert wurdeund in der Servitengasse vor der Kirche gab es das Gedenken an die Juden, die damals dort gewohnt haben und deportiert oder vertrieben wurden.

Dann fuhren wir in den Prater, wo wir zuerst in einem Lokal in die Hauptalle gegessen haben, um dann in die Moderne ab- und einzutauchen. Denn da gibt es ja die bemalten U-Bahnstelen bei der WU und bei der Station Aspern Nord die „Aspern-Affairs“ von Stephan Huber.

Das war es oder auch nicht, denn auf den Folder gibt es noch viel mehr Kunstwerke, die wir nicht beschrieben haben und eines, ein außertourliches, nämlich die Bilder in der U-Bahnstation Mariahilferstraße haben wir zwar beschrieben, sie sind aber irgendwie nicht in Kurt Neumanns „Hammer-Plänen“ enthalten.

Macht ja nichts, kann man alles nachholen, das eine und das andere. Wir haben ohnehin schon besprochen, was wir im Juni, wenn sich der Alfred wieder nach Amerika begeben wird, machen könnten.

Und um uns zu belohnen, sind wir dann noch eine Station weiter mit der U-Bahn in die Seestadt gefahren, wo ich ja auch schon im vorigen Juni war. Sind dort um den See und durch die Straßen marschiert und bei den dortigen offenen Bücherregalen, haben die Ruth und ich uns mit neuen Büchern eingedeckt, die dort in großer Menge auflagen.

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2017-06-14

Von der öffentlichen Kunst in und um die U-Bahn

Das letzte Mal öffentliches Kunst erschreiben mit der Ruth, fünfmal habe wirdas in den letzten Wochen nun schon gemacht und haben das Texterfassen vorläufig abgeschlossen.

Das Projekt ist bei der GAV eingereicht, wird bei der GV besprochen. Dann werden wir weitersehen und für mich war es sehr interessant, passte es doch vollkommen zu meiner WienErforschung und ich habeviel gesehen über die alte und die neue, die politische und die abstrakte Kunst im öffentlichen Raum.

Über fünfzehn Projekte haben wir geschrieben, auf dem Folder der im Museumsquartier und im Rathaus aufliegt, gibt es, glaube ich, fünfzig Objekte und dann natürlich noch viele andere und ein außertourliches haben wir auch heute, wo wir sehr fleißig waren, auch noch erforscht.

Begonnen haben wir am Karlsplatz, vor dem Teil, neben dem in den letzten Jahren ja immer das Filmfestival „Kino unter Sternen“ stattfand, daß es heuer, wie ich hörte, nicht mehr gibt. Aber da gibt es die „Hill Arches“ von Henry Moore, die der britische Künstler der Stadt Wien schenkte, als der Karlsplatz in den Neunzehnsiebziger Jahren neu gestaltet wurde.

Zwei ineinander verschlugene Figuren vor oder in dem Teich und davor ließen sich die Touristen, die es um zehn Uhr morgend schon gab, fotografieren und spielte einer, der sich aus welchen Gründen auch immer ein en Pferdekopf aufgesetzt hat, auf der Ziehharmonika.

Dann ging es zur U-Bahn hinunter und da hat Peter Kogler in der Station Karlsplatz seine Röhren angebracht, die er von der Station kommend, über die ganze obere Halle zog. Dicke und dünnere schwarze Röhren auf weißen Hintergrund, um damit die Grenzen der Architektur aufzuzeigen und die Touristengruppen, sowie die Politzisten ziehen daran vorüber und bekommen von dem 2011 gestalteten Kunstwerk vielleicht gar nicht soviel mit.

Dann ging es hoch hinaus mit dem Blick auf das Haus am Getreidemarekt 17, Ecke Mariahilferstraße, denn da steht auf dem Sims zwischen vierten Stock und neuerbauten Dachgeschoß ein Mann im schwarzen Anzug, Chaplin-Hut und Aktentasche und macht was?

Will er hinunterspringen und wenn ja werden es die Passanten überhaupt mitbekommen oder nur in dieU-Bahn Station hinuntergehen die es zwischen Mariahilferstraße und Museumsquartier gibt und da gibt es auch ein Kunstwerk zu bewundern, nämlich das, das nicht am Plan zu sehen ist, das aber die Wiener Linien offenbar gestalten ließen, um ihre Kunden auf das naheliegende Museumsquartier hinzuweisen und so haben sie einen Künstler beauftragt, der auf den beiden Bahnsteigen insgesamt achtzehn große Bleistiftzeichnungen anbrachte, die auf die Verletzlichkeit des Lebens hinweisen.

Beim Aufgang gibt es noch ein besonderes Relief und oben  drei  Figuren.

Interessant, interessant, auf einer sind wir gesessen und haben geschrieben undsind danach ins Museumsquartier gegangen, wo mich die Ruth, um den Abschluß des Projektes zu feiern zum Essen eingeladen hat.

Hühnespieße mit Cous Cous, beziehungsweise Blunzengröstl und dann gab es noch einen Scheiterhaufen mit Rhabarba und Erdbeeeis. Sehr fein.

Dann konnte ich noch ein wenig für die nächsten drei Tage einkaufen, wo ich mich vermehrt meinem anderen Schreibprojekt widmen will und bin danach ins den Centrope Workshop gegangen, den es  noch bis Ende Juni geben wird.

Da konnte ich Stephan Teichgräber schon das Klemperer-Buch zeigen, das ich heute bekommen habe und da haben wir uns vermehrt den Motiven bei Ilija Trojanow, Michal Horetzky und Irena Douskova gewidmet.

Ein sehr interessanter Tag also, der mit der öffentlichen Kunst begonnen hat und mit der literarischen Analyse weiterging, während ich den Abend in meinem Garten verbringe, den Rasen gieße und meine vier Spontantexte aufschreiben werde.

2017-06-05

Pfingstmontag im öffentlichen Raum

Heute haben wir wieder den öffentlichen Raum erschrieben, denn da gibt es auf dem Plan, den die KÖR herausgegeben hat, ja noch einiges zu erforschen, waren wir ja erst an fünf Plätzen und so habe ich mich zu Mittag mit der Ruth im „Wienerwald“ bei der Bellaria getroffen, weil ich da Gutscheine für verbilligte Schnitzel hatte und haben die heutige Route festgelegt.

„Die Gerngrosssäule“, die der Aktionskünstler Franz West, der 2012 gestorben ist, in der Rahlgasse bei der Stiege errichtete, haben wir schon vorige Montag beschreiben wollen, dann ist sich das aber, weil eine fünf Unhr Stunde, nicht ausgegangen.

Also nichts wie hin und dieses Kunstwerk, das ich dem Namen nach, dem Kaufhaus Gerngross, das es ja auf der Mariahilferstraße gibt, zuordnete, unterschied sich von einigen andere, die wir bisher besuchten, von seiner Ästhetik, denn eigentlich ware diese weißé Säule, obwohl sie aus Müllbehältern zusammengebastelt war, sehr schön und auch eher konventionell anzusehen.

Oben droben thronte ein quergestelltes Ei mit der verkehrten Aufschrift „Gerngross“, keine Ahnung was das bedeutet, dagegen stand im Plan vermerkt, daß es nicht dem Kaufhaus, sondern dem Ausstrellungsmacher, Architekten und Publizisten Hidulf Gerngross, von dem ich noch etwas gehört habe, gewidmet ist und das fand ich interessant und dann wollte, die Ruth noch etwas zum Faschismus machen und da gibt es ja in der Brandmayergasse, ganz in meiner Nähe, auf einem Gemeindebau ein Wandbild aus der NS-Zeit, das, wie ich in den Bezirkszeitungen lesen konnte, für einigen Aufruhr sorgte. Denn es hat im Gegensatz zum tausendjährigen Reich, die NS-Zeit überlebt und so prangte noch lange nach dem Krieg auf dem Haus, das Bild mit dem blonden bläuäugigen Mann, seiner ebensolchen Frau, die einen Säugling in ihren Armen hält, während sich drei Kinder, zwei blonde Mädchen und ein Hitlerjunge mit der NS-Fahne mit dem Hakenkreuz an ihrem Rocksaum klammern.

NS-Idylle des Familienlebens. Das Hakenkreuz hat man entfernt, die Idylle lange gelassen und dann gab es eine Diskussion.

Was macht man mit unerwünschter, weil nicht ideologiefreier Kunst? Entfernen, verbrennen, hinunterhauen, wie die unerwünschten Bücher 1933 in den deutschen Städten. Die Künstlerin Ulrike Lienbacher hat eine Glasscheibe darauf angebracht und mit verkehrter Schrift, das Wort „Idylle“ darauf geschrieben.

Ich hätte das Bild  so gelassen und unten eine Tafel angebracht: „Wir distanzieren uns von Nationalismus und Faschismus und gedenken der Opfer im dritten Reich!“

Aber so ist ein neues Kunstwer daraus entstanden, das wir zuerst gar nicht fanden, weil die Ruth gleich in den Gemeindebau hineinstrebte, es ist aber an der Ecke angebracht. Ein kleiner Bub hat es uns dann freundlich gezeigt.

Dann gab es noch etwas zu entdecken, , nämlich die Synagogge oder den Tempel, den es bis 1938 in der Turnergasse im fünzehnten Gemeindebezirk gegeben hat.

Das heißt, nein, entdecken kann man den nicht mehr, wurde er doch in der Reichskristallnacht zerstört und abgebrannt. Das Künstlerduo Iris Andraschek und Hubert Lobnig hat einen Erinnerungsort daraus gemacht, in dem es an dem Platz, wo er einstmals  stand, schwarze Betonbalken zwischen ieben Bäumen anbrachteund dazu noch ein paar Mosaike setzte, die Motive mit Früchten und Plfanzen aus der Torah zeigen.

So weit so gut und sicherlich interessant, der 2011 errichtete Erinnerungsort. Nur heute ist der Platz und das Mahnmal ziemlich heruntergekommen. Der Müllkübel in der Ecke neben der Tafel, wo es Bilder von der ehemaligen Synagoge zu sehengibt, überfüllt und stinkig, überall Papierln, Bier- und Getränkedosen, Müll und die Mosaike verblasst, die Balken ausgebleicht.

So etwas ist, glaube ich, eher eine Schande, als ein Mahnmal, aber sicher interessant, daß es das, im fünfzehnten Bezirk, wo kaum Touristen hinkommen, zu sehen ist.

Dann war es fünf vorbei und wir sehr durstig. So wollten wir am Gürtel etwas trinken, erwischten da, was wohl auch ein Zeichen der Zeit ist, ein arabisches Lokal, wo uns die jungen Männer nicht verstanden, vielleicht auch ihre Schwierigkeiten mit zwei Frauen hatten und uns zwar zwei Gläser Wasser, aber nicht die bestellten Fruchtsäfte brachten.

Und was auch den öffentlichen Raum betrifft, im „Wortschatz“ gab es heute tolle Bücher. So habe ich dort Haruki Murakamis „Pilgerfahrt des farblosen Herrn Tazakii“,Ayelet Gundar-Goshen „Eine Nacht Markowitz“, David Safiers „28lange Tage, sowie Amoz Oz „Judas“ dort gefunden, was ja eigentlich auch gut zum Thema passt.

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