Literaturgefluester

2016-10-11

Vom Parlament in die Alte Schmiede

„Du gehst sicher zu einer Lesung?“,  hat meine ehemalige Schulkollegin Trude K. mich gefragt, als ich sie um halb vier auf der Kettenbrückengasse traf.

„Richtig, aber zuerst ins Parlament!“

„Ins Parlament, was machst du im Parlament?“, lautete die erstaunte Frage.

Aber wieder richtig, es kommt ja jetzt bald die zehnte  „Ohrenschmaus-Preisverleihung“ und weil die zur Feier des Jubiläums, nicht mehr Anfang Dezember zum Tag der Behinderung, sondern schon einen Monat früher auf der „Buch-Wien“ stattfindet, war heute um vier in den Räumen von Franz Josef Huainigg die Jurysitzung und ich habe mich mit Franzobel, Heinz Janisch und Felix Mitterer getroffen und wir haben mit vielleicht so rauchenden Köpfen, wie der Jury des ersten „österreichischen Buchpreises“, die ja bald die Shortlist bekanntgeben wird, unsere Entscheidungen getroffen.

Das heißt so sehr haben sie nicht geraucht und wir waren  auch bald einig, wer die drei Hauptpreise bekommen wird, welcher Text auf der Schokolade stehen wird, wer auf die Ehrenliste kommt und ein „Ohrenschmaus-Stipendium“ wird es zum Zehnjahresjubläum auch geben, sowie ein neues Buch, das am 11. 11. auf der „Buch-Wien“ vorgestellt wird, da gibt es auch eine Diskussion „Quo vadis Ohrenschmaus?“, auf der ORF-Bühne und das ist sehr interessant, denn der „Ohrenschmaus“ will sie ja der Öffentlichkeit vorstellen und seine Preisträger, beziehungsweise ihre Texte dieser präsentieren und das kann ich schon verraten, es sind wieder einige schöne dabei, die man dann, wenn man am 10. November um achtzehn Uhr ins Museumsquartier kommt, auch hören kann.

Nach eineinhalb Stunden waren wir mit der Diskussion fertig. Dann bin ich in die „Alte Schmiede“ gegangen, weil es dort wieder eine „Lesart“ mit Angelika Reitzer gab, die die neuen Bücher von Karin Peschka und Almut Tina Schmidt vorstellte und weil die Sitzung schon, um halb sechs zu Ende war, war ich schon nach halb sieben in der „Alte Schmiede“.

Da hatten die Assistenten gerade aufgesperrt und ich war lange mit ihnen, Angelika Reitzer und den Autorinnen allein und, als ich schon glaube, daß ich vielleicht das einzige Publikum bin, öffnete sich die Türe und Peter Henisch kam herein und nach und nach noch ein paar andere Autoren und Zuhörer und ich nützte die Gelegenheit mich bei Peter Henisch zu erkundigen, wie seine Lesung letzte Woche war und ihn zu fragen, ob er glaube, daß er auf die Shortlist kommt, denn die wird ja morgen vergeben und das finde ich sehr spannend, weil ich mir eigentlich vorstellen könnte, daß mindestens acht Namen darauf stehen, obwohl sie  auf fünf geschrumpft wird.

Karin Peschka, die überraschende „Alpha Gewinnerin“ vom letzten Jahr wird nicht darauf stehen, hatte aber ein „Stadt Wien-Stipendium“, so daß ich im „MUSA“ schon etwas aus ihrem neuen Roman „FanniPold“hörte, aber dennoch bei der Einleitung von Angelika Reitzer überrascht war, denn es geht nicht nur um eine frustrierte Ehefrau und Mutter in einem kleinen Dorf, die ihre drei Freundinnen mit denen sie sich einmal in der Woche in einer Pizzeria trifft, erzählt, daß sie Krebs hat, es geht auch um einen Leopold, beziehungsweise einen Poldi, mit dem sie sich auf einen Baumvereinigt, deshalb auch die Zusammenschreibung des Namens, was mich anfangs ein wenig verwirrte, um Ameisen, weil das fleißige Tiere sind, geht es auch und das alles ist ein wenig  geheimnisvoll und würde ich auch gerne lesen.

Aber leider ist das Buch noch nicht zu mir gekommen, was angesichts meiner überlangen Leseliste und meines deutschen und österreichischen LL-lesen auch nicht wirklichlich viel macht.

Das heißt das deutsche Lesen ist ja mit dem Peter Stamm wahrscheinlich vorbei, wenn nicht doch noch Buch neunzehn und zwanzig kommt, das österreichische wird dann bald beginnen und nach Karin Peschkas Lesung kam gleich die Diskussion, beziehungsweise die Fragen an beide Autorinnen, dann stellte Angelika Reitzer, die mir bisher unbekannte Almut Tina Schmidt vor, die 1971 in Göttingen geboren wurde, schon länger in Wien lebt und bei „Droschl“ verlegt.

Ihr, glaube ich, dritter Roman heißt „Zeitverschiebung“ und das ist auch sehr interessant, denn während es bei Karin Peschkas neuem Buch, um eine Lüge geht, geht es hier, um das notorische Zuspätkommen und um, das Prekariat, das die jungen Leute heute erleben, geht es auch.

Die Protagonistin soll oder will auf jeden Fall an ihrer Diplomarbeit über Jack Kerouac schreiben, wird aber nicht so schnell fertig, wie geplant, so nimmt sie einen Bandscheibenvorfall her, um Aufschub zu bekommen, läßt sich krankschreiben und fährt, statt weiterzuschreiben, zu der Hochzeit ihrer Freundin Melanie.

Da gab es dann, wie Angelika Reitzer im Anschluß bemerkte, die zweite Wirtshausszene zu hören, von der Autorin sehr flott und schnell vorgetragen, die erste hatte schon Karin Peschka, wo Fanni bei einer Familienfeier mit blutenden Finger auf einem Klo sitzt und einen Brandt auf dieser Toilette hat es vorher auch gegeben.

Interessant, interessant und bin gespannt, ob das Buch noch zu mir kommt, ebenso wäre ich auf das von Peter Henisch neugierig, aber als ich über die Buchhandlung „Kuppitsch“ und dem Bücherschrank, den es dort gibt vorbeigegangen bin, habe ich El Awadallas bei „Milena“ erschienene „U-Bahn Dialoge“- „Seawas, Grüssi, Salamaleikum“ gefunden und das ist sicher auch sehr interessant.

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2016-03-31

Lesart mit Episodenroman

Mit dem „Lesart Autorenprojekt“ ist es gleich weiter und vom Keller in den Schmiedenraum gegangen, denn heute stellte Angelika Reitzer ein neues und ein ein wenig älteres Buch vor. Auf beiden steht Roman geschrieben, es geht aber um Episoden. Angelika Reitzer nannte es, glaube ich, auch Ensemble und stellte die 1952 aus Vorarlberg geborene Eva Schmidt vor, die wie sie erklärte, seit den Neunzigerjahren keinen Roman mehr geschrieben hat.

Der Name Eva Schmidt erscheint mir bekannt, ich bringe sie mit dem alten „Residenz-Verlag“ in Verbindung, ihr neues Buch, wo Roman darauf steht und vieleicht keiner ist, ist auch bei „Jung und Jung“ erschienen.

„Ein langes Jahr“ heißt es und darum scheint es auch zu gehen.

Im Programm steht etwas von einem Jungen, der keinen Hund haben darf und einen alten Mann, der sich einen kauft und die beiden kommen zusammen.

Es scheint in dem Jahr und in dem Buch aber auch, um viel anderes zu gehen, das in einer kleinen Stadt mit einem Hochhaus und Reihenhäusern angesiedelt ist.

Eva Schmidt las ein paar Kapitel vor, die, wie sie sagte, vielleicht gar nicht so viel miteinander zu tun haben und wieder interessant im Vergleich zu gestern, wo es ja auch um den Jahreszyklus zu gehen schien, es gibt die Ich- und die Er- oder Sie- Perspektive und Episode reiht sich an Episode, während die Stadtbewohner am Balkon stehen und die darunter liegenden Reihenhäuser beobachten, wo ein Ehepaar Oswald wohnt und ein junger Strizzi scheint sich in Abwesendheit des Bewohners in eine Wohnung zu schleichen, Fernsehserien zu sehen und Bier zu trinken, das habe ich vor längerer Zeit schon bei Michael Köhlmeier gelesen und der kommt ja auch aus Vorarberg.

Es geht um einen Obdachlosen namens Wolfgang, den die Ich-Erzählerin manchmal mit Geld unterstützt und ihm Arbeit anbietet, die er aber nicht annimmt, um ein Kind das einen Unfall hat und die Erzählerin daran erinnert, das ihr Kind auch gestorben ist, obwohl sie eigentlich ihr ganzes Leben mit ihm lebte, um einen Jungen, der die ausgezogene Mutter besucht und in die Wohnung zurückbringt und dann kam Sandra Gugic mit ihren „Astronauten“ vor einem Jahr erschienen und ich habe die 1976 in Wien geborene Autorin serbischer Eltern, nicht nur in der „Gesellschaft“ daraus lesen gehört, sondern das Buch auch ganz oben am Harlander Lesestapel liegen und  habe die Autorin auch in den ersten oder zweiten Textvorstellungen mit Angelika Reitzer, die damals noch einen klingenden Namen hatten und die ich ein bißchen zu sammeln cersuchte, gehört.

Sandra Gugic, die ja einmal bei den „Exil-Preisen“ gewonnen hat, dann sowohl am „Institut für Sprachkunst“, als auch am Leipziger Literaturinstitut studierte, den Open Mike gewonnen hat und ich sie auch im MUSA hörte, lebt, jetzt in Wien und in Berlin und ihr Buch handelt von sechs jungen älteren oder jüngeren Menschen, ich glaube, in einem Sommer in einer Stadt wie Berlin, Darko, Zeno, Mara, Alen, Niko und Alex und diesmal fiel mir besonders die moderne Sprache der Autorin auf, die inzwsichen auch schon bald zu den Vierzigjährigen zählt.

Interessant, interessant und noch ein bißchen Literatur rundherum, so habe ich Armin Baumgartner, der ja einmal das Literaturprogramm im „Litte stage“ organiserte beim Hingehen vor der Kärtnerstraße getroffen, im „Morawa“ durch den ich wieder durchgegangen bin, wurde schon alles für die Lesung von Andrea Maria Dusls neuen Buch „So geht Wien“ vorbereitet und die Autorin zu ihrem Bücherstapel geführt und der Nobelpreisträger von 2002, Imre Kertesz, ist heute morgen sechsundachtzigjährig gestorben.

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