Literaturgefluester

2021-03-03

Verliebt (später nicht mehr)

Zu vier Jahre Tagebuchslam hat Diana Köhle, die ich von den Slam Bs im Literaturhaus kenne und die auch im MQ beim Buchquartier moderierte und da auch das Buch vorstellte, ein solches herausgegeben und ein paar Schreiberinnen ihre Beiträge vorlesen lassen und jetzt hat der „Holzbaumverlag“ ein Buch mit dem Besten aus sieben Jahren herausgegeben und mir diesmal auch das PDF zugeschickt.

Wahrscheinlich muß der „Holzbaum-Verlag“ krisenbedingt sparen und die Tagebucheinträge sindauch leichter per Computer als Cartoons zu lesen. Ich habe aber schon die „irrsten“ E-Bücher rezensiert und im Original ist das Buch in Quadratform vorhanden, bunt und fröhlich, das Cover mit blauen Blümchen und das, was mich an den Tagebuchslams am meisten stört, ich habe auch noch nie an einem Teil genommen und wüßte auch nicht wirklich wo sie stattfinden. Habe nur die Information darüber über die „Holzbaum-Bücher,“ ist, daß man sich da über das, was man vor zehn fünzehn oder was auch immer Jahren erlebte, öffentlich lustig macht. Über seinen Herzschmerz von damals lacht, outete in wen man damals verliebt war oder sich über seine blöde Mutter ärgerte. Das war die Pubertät. Jetzt ist esvorbei und ich kann mich darüber lustig machen.

Für mich ist das nichts und habe mir das beim Lesen wieder gedacht. Wieso habe ich mir das Buch bestellt? Das will ich eigentlich nicht rezensieren! Ist es mir beim Ersten ähnlich gegangen? Ich weiß es nicht. Habe mich jetzt durchgelesen und kann kurz und möglichst sachlich darüber berichten. Denn vielleicht sind die gesammelten Gefühlen ganzer Generationen, es beginnt in den Fünfzigerjahren und endet 2016, glaube ich, für die Wissenschaft doch sehr interessiant. Spannend, was man in den fünfzigerjahren über seine Gefühle schrieb und was man heute darüber schreibt, wo man eigentlich zu Facebook gehen muß, um in zu sein.

Interessant ist auch, daß natürlich mehr Mädchen Tagebücher schreiben, aber einige Jungen sind auch dabei. Diana Köhle, die eine Einleitung und ein Nachwort geschrieben hat, führt da genau Bilanz. Es waren 471 Teilnehmer,die zwischenApirl 2013 und Oktober 2020 bei den Slams ihre Einträge mit der Öffentlichkeit teilten, Diana Köhle hat die dann angeschrieben, um die Tagebücher gebeten und die besten Textstellen ausgesucht. Eigentlich wollte sie, schreibt sie, ja alles nehmen und sie dankt am Schluß den teilnehmern auch sehr höflich und wünscht allen eine Taschengeld Erhöhungum 1000 Schilling oder sollten es Euro sein?

Inzwischen, steht im Vorwort gab es 208 Slams in ganz Österreich und von den 471 Teilnehmern der letzten sieben jahren waren 396 Frauen und 75 männer, im April 2020 hat sie 174 Teilnehmer angeschrieben 83, 75 Frauen und 8 Männer haben ihr ihre Tagebücher zur Verfügung gestellt. Was mich jetzt ein wenig wunderte dachte ich doch beim Lesen, da sind erstaunlich viele Männernamen dabei aber nach,gezählt habe ich nicht. Die älteste Teilnehmerin Herta ist, glaube ich, 75 bzw. 77 und schreibt 1990 von einem Ausflug auf den Kahlenberg und einem anschließenden Opernbesuch „im Touristengewand.“

Die Jüngste fünf, hat den Text der Mama diktiert und das Layout, das muß ich lobend anführen, ist sehr schön und wurde von Vanessa Hradecky gemacht. Es beginnt mit einem Steckbrief und dann ist das Buch in Jahrzehnte gegliedert. Aso die Fünfziger, die Sechziger bis zu den Nullern. Da war ich bei einem Bild, das das Kapitel einleitet, erstaunt, gleich Greta Thunberg zu finden und dachte, die war 2000 ja noch gar nicht geboren. Aber es geht dann bis 2016 und im Steckbrief kann man sich über das Lieblingsessen, die Liebslingsnamen, die Filme, das aktuelle Geschehen,der jeweiligen Jahrzehnte informieren und dann, das ist sehr schön, ist das Buch mit der Hand geschrieben und darunter immer die Vornamen, das Alter und das Bundesland angegeben. Die ersten Kapitel sind sehr kurz. Nur wenige Einträge aus den Fünfziger, Sechziger, etcetera. Das Dickste sind natürlich die Nullerjahren und wenn auch die älteste Teilnehmerin, da habe ich beim ersten Buch, ja im Literaturhaus einmal mit einer Tochter gesprochen, die mich auf das Buch aufmerksam macht, 1990 siebenundsiebzig ist, sind die meisten Teenager. Ein paar Zwanzigjährige gibt es aber auch und spannend fand ich den Eintrag aus den Fünfzigerjahren, wo der vierundzwanzigjährige Anselm sein Baby fotografieren wollte und dabei mit den Blitzlichtern fast einen Hausbrand auslöste.

Ja, Diana Köhle hat die spannensten Stellen ausgesucht. So ist eine Schreiberin sehr traurig über den Tod der Prinzessin Diana, die am einunddreißigsten August 1997 in Paris verunfallte, vergleicht sie mit der Sisi und die Romantik wird auch bei de Nullerkids hoch geschrieben. Die wünschen sich in Reifröcke und wollen beim“Sissi-Faschingsfes“ mit ihrem Franzl tanzen. Nur leider gibt es die im Gymnasium nicht.

Sonst wird die liebe thematisiert, das Fremdgehen, das Verliebtsein in den Lehrer. Die Nuller machen sich über ihre Achselhaaren Sorgen und das Handy und der Computer werden sehr oft erwähnt. Das Unzufiredensein mit seinem Körper. Man kann sich aber operieren lassen und mit den Müttern ist man unzufrieden, wenn die ihren Söhnen, die optischen Sonnenbrillen zu den Landschultagen nach Bad ischl nachtbringen und dann noch auf die Ausflüge mitgehen. Ach Gott, wie peinlich! Es werden aber auch, wieder sehr originell, die Lieben zu Fliegen, „Ich habe einen Freund: eineFliege! Sie ist sehr nett aber leider schon tot. Uuuääääää!“-Denise, 8 jahre Tirol“ und zu Erdbeerkuchen „Das Stück Erdbeekuchen schmeckt e so traumhaft und roch so sehr nach Erdbeeren, ob es jemals ein Kuchen wieder schafft mein Herz zu erobern…- Marina 26 Jahre Schweiz“, thematisiert, die zwölfjährige Sandra aus NÖ versteckt eine Maus vor ihrer Mutter und der zweiundzwanzigjährige Lenz aus Wien hat am 21.7.1969 die „Mondlandung verschlafen“, wie am Buchrücken steht.

„Spannend, spannend!“, würde ich wieder sagen wenn man das Ganze etwas ernster nimmt und beim Lesen muß ich über die Gefühle der jungen Mädchen und der Burschen aus den Sechziger-Siebziger Achtziger, etcetera, ja nicht lachen, sondern kann mich sozusagen psychologisch, soziologisch in die Gefühle und in die Veränderungen, die da in den Jahrzehnten passierten, eindenken. Das ist interessant an dem Buch. In wissenschaftlichen Analysen kann ich das alles wahrscheinlich schon finden. Aber das pastellfarbige Büchlein mit den Steckbriefen und den bunten Kapitelbildern macht es sicher interessanter undso werde ich wahrscheinlich falls es das noch geben sollte, auch das Beste aus zehn fünfzehn oder zwanzig Jahren Tagebuchslam lesen.

2021-01-03

Das Jahr ohne Worte

Filed under: Bücher,Uncategorized — jancak @ 00:38
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Ich kann ja schwer nein sagen, wenn mir Bücher angeboten werden, weil ich ja eigentlich alles lesen will, so stehen manchmal Bücher auf meiner Liste, die nicht so literarisch sind, nicht auf den Buchpreislisten stehen, aber trotzdem sehr interessint sind und da ich ja auch Pyschologin und Pyschotherapeutin bin, interessieren mich Bücher über oder von Menschen in allen Lebenslagen ja auch sehr, so ist mir auch mit Syd Atlans „Das Jahr ohne Worte“ gegangen, da heißt, eigentlich wußte ich von dem Buch nicht so viel, weil ich meistens nicht die Beschreibungen studieren bevor ich es anfordere, ja lieber Uli, ich bin da etwas schnell und flüchtig, wurde aber, füge ich hinzu auch noch selten enttäuscht.

„Das Jahr ohne Worte“ ist schon äußerlich ein sehr buntens Buch, rot, orange, gelb, grün, die berühmte Ampel nach unten, könnte man so sagen und so war es dann wohl auch. Das Buch ist in Jahreszeiten, Frühling Sommer, Herbst, Winter gegliedert. Dann gibts noch eine fünfte Jahreszeit, sowie eine Vor- und eine Nachsaison und Syd Atlas ist eine in Brooklyn geborene Theaterwissenschaftlerin und Schauspielerin, die schon lange in Berlin lebt und als Rhetorikcoach arbeitet.

Die vier Jahreszeiten sind auch mit den jeweiligen Motti, die über den einzelnenKapiteln stehen, auf Karten geschrieben, die dem Buch beilagen, geschrieben. Auf eine fünfte hat Syd Atlas „Liebe Eva, ich freue mich , meine Geschichte mit dir zu teilen“, geschrieben und die hat es wohl in sich.

In der Vorbemerkung und im Frühling steht dann auch geschrieben, wie Syd Atlas, den Filmemacher Theo kennenlernte. Das war in einem Berliner Cafe. Sie hatte schon einen Sohn namens Henry, war von ihrem Mann, der ihr zu langweilig war, geschieden, aber immer noch befreundet, stand nach einer Fastenkur und hat sich frisch in den Theo verliebt, als sie ihm fragte, ob er ihr ein „Stück aus der Zeitung reißen könne?“, Deutsch ist ja nicht ihre Muttersprache. Die große Liebe begann, die aber schon im ersten Kapitel im Streit endet. Sohn Sam wird geboren und dann bricht die Kranlheit, AlS, die die auch Stephen Hawking hatte, die unheilbare, wie öfter steht, um dieses sperrige Wort zu erklären. Sie glaubt es ihm zuerst nicht, denn er ist ein Hypochonder, später wehrt sie sich wohl ihr Unbewußtes dagegen. Sie holen aber verschiedene Expertisen ein, reisen dazu sogar nach Israel Syd Altlas ist Jüdin, aber Theo fällt das Sprechen schon sehr schwer und wird immer weniger verstanden. So beschließen sie zu heiraten, das tun sie auch dreimal. In Kopenhagen wegen der Formalitäten, Syd war ja geschieden, hatte aber ihre erste Heiratsurkunde verloren, dann in Deutschland und in Amerika. Theo muß ins Krankenhaus, bekommt eine Magensonde, eine Tracheomotie. Pflegerinnen ziehen in die Wohnung, die Au Pairs sind schon da, denn Syd ist beruflich sehr erfolgreich und fliegt in der ganzen Welt herum. Die Kinder wehren sich gegen die Pflegerinnen, Syd gegen Sex mit Theo und brauch immer mehr Gin-Tonic, um das auszuhalten und fragt ihn auch einmal, ob er nicht in Würde sterben will. Das war ehrlich. Er ist aber beleidigt, schickt das an seine Familie. Sie findet die Sprachnachrichten. Theo kann längst nicht mehr sprechen und gehen, hat aber zwei Affairen. Mit einer lesbischen Kollegin und einer Pflegerin, will ausziehen. Es kommt zum Rosenkrieg, bis Syd das ehemalige Schlafzimmer ausräuchert und Theo vergeben kam, am Ende besuchen sie und ihre Söhne ihn zuerst in seiner Pflegewohnung, dann im Krankenhaus und nehmen Abschied von ihm.

Ein interessantes Buch, vielleicht für sensible, nicht betroffene Gemüter vor allem in Zeiten, wie diesen, nicht leicht zu lesen, aber für betroffene Angehörige sicherlich sehr hilfreich und so habe ich das neue Jahr, wo die Aussichten ohnehin sehr pessimistisch sind, mit einem interessanten Buch beginnen. Das über Hypochonder, von einem Pyschiater geschrieben, der und dessen Vater auch Schriftsteller sind, wird bald folgen.

2020-12-04

Was möglich ist

Jetzt geht es in die Schweiz, zwar noch nicht zu den heurigen Buchpreisbüchern, sondern zu einem das nicht auf der Liste gestanden ist, „Lenos“, den ich, glaube ich, durch den dBp kennenlernte, hat es mir zugeschickt, der zweite Roman des 1975 geborenen Werner Rohner de rin Biel studierte und von dem ich noch nichts gehört habe.

Roman ist wieder einmal übertrieben, denn es sind drei Frauengeschichten, die wohl durch die Klammer „Liebe“ zusammengehalten werden, da gibt es ja auch Erzählbände, die durch solche Klammern auch als Romane interpretiert werden können. Aber Romane verkaufen sich besser, glauben wohl die Verlage, obwohl diese Bezeichnung durch ihre inflationäre Verwendung wohl nicht mehr immer glaubhaft ist.

Die erste Frauengeschichte trägt den Titel „Edith“ und geht, um eine einundsechzigjährige Kellnerin, die nie Zürich verlassen hat, wohl auch nicht besonders gebildet ist, dann aber plötzlich mit einem Gast, Christoph, der immer kommt und Apfelstrudel bestellt und ihr dabei erzählt, wie er als Rettungsschwimmer einmal eine Frau beatmete, obwohl sie schon längst gestorben war, nach Marokko folgte, dort ein Haus kaufte und eine Penison aufmachte.

Nach einem Jahr bekommt die Freundin ihres Sohnes ein Kind und sie kehrt zurück, obwohl der kleine Miguel zu allen sehr distanziert war und Chris ihre oder sie seine große Liebe war, bricht sie den Kontakt ab und zieht schließlich in ein Altenheim.

Das Interessante an der Geschichte war für mich nicht ihr Inhalt, sondern die Schreibweise, nämlich der Perspektivenwechsel im Fließtext, ich wechsel da ja szenenweise ab. Aber da beginnt es zuerst mit Christoph, den großen Reisenden, der einen Winter in Zürich verbringt, dort zum Bademeister umgeschult wird, das erfährt man während er die Frau beatmet. Dann geht die Perspektive zu Edith und schließlich zu ihrem Sohn Martin über, zwischendurch wird da noch einige Male gewechselt.

Als ich das Buch bekommen, das Cover, den Klappentext und die Rezensionen dazu gesehen habe, habe ich mich gewundert, daß „Lenos“ ein so konventionelles Buch mit einem so konventionellen Thema und einer so konventionellen Sprachweise verlegt, aber man muß wohl hinter die Kulisse und in den Text hineinblicken, um herauszubekommen, was alles möglich oder unmöglich ist und dann ist in der zweiten „Vera“ genannten Geschichte auch viel „unmögliches“ oder bisher nicht gesagtes dabei und der Clou ist vielleicht auch, wofür Werner Rohner nichts kann, daß ich in der „Nika“ und in den „Dreizehn Kapitel“ auch so eine Geschichte habe, wo zwei Frauen zusammenleben, eine bekommt ein Kind und will partout nicht, daß sich der Vater darum kümmert und der besondere Clou ist, daß die Frau Vera heißt.

Die „Dreizehn Kapitel“ wurden 2013, glaube ich, geschrieben, die „Nika“ 2015 und bei Rohner ist Vera eine Bibliothekarin verheiratet mit einem Gregor, einen überkorrekten perfekten Historiker und im fünften Monat schwanger, als sie sich in Nathalie, die gerade weil geschieden und zwei Kinder, endlich ihre Studium abschließen will. Vera und sie haben sich, glaube ich, schon länger gekannt und auch die Schwester Marion, die auf die Kinder aufpasst, kannte Vera, glaube ich, schon und es hat, Bezug zu der ersten Geschichte, da kommt, obwohl die Geschichte zwei ja in Berlin spielt auch einmal das Cafe vor in dem Edith arbeitete und in der Pension in Marokko waren sie auch einmal, auch eine Totgeburt gegeben und eine postnatale Depression. Jetzt küßt Nathalie Vera, die schläft zwar und das ist etwas bizaarr, dabei ein, verliebt sich aber dennoch. Die beiden Frauen reisen nach New York spritzen den Kongreß und Vera schafft es dann nicht es ihrem Gregor zu sagen. Das Kind kommt zur Welt, wird ein Bub, statt des erwarteten Mädchens. Nathalie vergißt ihren Bh in Veras Zimmer. Marion droht auf die Kinder nicht mehr aufzupassen und Gregor ruft bei Nathalie an, um zu fragen, ob sie nicht die Patentante des kleinen Albert werden will? Dann sieht er ganz am Schluß an Nathalies Tränen, um was es da geht und was im letzten Jahr geschehen ist. Ein genialer Schlußsatz denke ich, über den ich erst ein paar Minuten nachdenken mußte.

Bei „Lena“ ist es ähnlich, Perspektivenwechsel, Bezüge zu den vorigen Geschichen, der Held ist eigentlich Michael, ein Schriftsteller, der schon mal als Bademeister arbeitet und einen Roman unter dem Pseudonym Andrea Dietsche geschrieben hat, erinnern wir uns, das ist die Frau die in der ersten Geschichte ertrank und er ist der beste Freund von Lena, frisch getrennt und noch sehr verstört von Sophie, eine Isabel gibt es auch und Lena ist mit Lorenz verheiratet, es gibt zwei Kinder. Da fährt sie nach Neapel zu einem Carlos und Lorenz kommt in der Nacht zu Michael, erzählt ihm das und bittet ihm ihr nachzufahren. Die weiß gar nicht genau warum sie Lorenz verlassen hat oder doch, um sich vorzustellen, wie sie das bei ihren Kinder täte. Dann kommt sie zurück, aber noch nicht zu Lorenz, sondern zu erst zu Michael, bis alles wieder seinen normalen Gang nehmen wird, oder auch nicht. Das wissen wir nicht, denn der „Roman“ ist damit aus.

Meistens sind es Erzählbände, die solche Klammern haben umd „Einfühlsam und unaufgeregt erzählt Werner Rohner von Sehnsucht und Begehren von Aufbruch und Verlust“, steht noch am Klappentext und ich füge hinzu, daß ich auf jeden Fall eine interessante Begegnung mit einem mir bisher unbekannten Schriftsteller machte, der seine Themen wirklich ungewönlich wählte und auch eine ungewöhnliche Erzählweise hat.

2019-03-29

Sie sagt, er sagt

Filed under: Bücher — jancak @ 00:25
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Jetzt kommt das letzte Buch aus der „Frauentag-Schwerpunktreihe“ und es ist eines, sehr passend über die „Liebe“, die  auch auf der Donnerstagsdemo am Valentinstag sehr gefeiert wurde.

„Gespräche über die Liebe“, die in Wien lebende Journalistin Yvonne  Widler, nennt es kein „Ratgeberbuch“ und Maxie Wander hat in der DDR vor Jahrzehnten mit „Guten Morgen du Schöne“, wohl etwas Ähnliches begonnen, Nadine Kegele es in „Lieben muß man unfrisiert“ fortgesetzt und Yvonne Widler hat sich auch mit Experten und Expertinnen, Beziehungscoaches, Therapeuten, Scheidungsanwälten und natürlich  Männern und Frauen über dieses Thema unterhalten und es in vier Expertenrunden  beschrieben, um herauszufinden, was das perfekte Rezept für ein länger anhaltendes Miteinander in Zeiten, wo jede zweite Ehe geschieden wird und man nicht sehr lange, weil die Ansprüche ja sehr sehr hoch geworden und man finanzieller auch unabhänger ist, um eine schlechte Ehe auszuhalten, zusammenbleiben muß, eigentlich ist.

Da gäbe es ja die schon bekannte Erkenntnisse, daß die Beziehungen halten, wo jeder unabhängig ist und seine eigene Interessen und Freundeskreis hat.

In Zeiten, wo ja schon unzählige Ratgeberbücher, die Regale und Bibliotheken füllen, muß das natürlich moderner und auch wieder in unverständlchen Englisch ausgedrückt werden, aber interessant ist natürlich, was die Paare dazu sagen und, wie sie ihr Leben und ihr Lieben miteinander beschreiben.

So erzählt ein Scheidungsanwalt warum er seinen Kindern raten würde, zu heiraten und ein sehr erfolgreicher, sehr selbstbewußter Beziehungscoach empfängt Yvonne Widler in seiner schmucken Villa am westlichen Strandrand und stellt ihr überraschende Fragen und zur Idee des Buches ist es in Madeira gekommen, wo in ihrem Hotels viele alten Paare Urlaub machten und sie ihr Umgehen miteinander beobachten konnte.

Im Kapitel „Von Höhen und Tiefen“ werden unter anderem sowohl ein lesbisches als auch ein schwules Paar interviewt. Dann teilt eine Paartherapeutin, die Viktor Frankl erwähnt, ihre Erfahrungen mit den Paarbeziehungen mit und erzählt am Schluß eine Anekdote, daß eine alte Frau, die fast ihr ganzes Leben mit einem Mann verheiratet war, nach dessen Tod, einen Achtzigjährigen kennenlernte, von dem sie dann sagte, daß er die „Große Liebe ihres Lebens war!“

Soetwas gibt es auch, obwohl ich mir das für mich nicht vorstellen kann und das nächste Kapitel ist auch dem „Gemeinsam alt werden“ gewidmet, wobei hier seltsamerweise, neben zwei älten Paaren, die schon das Pflegeheim berwohnen, auch jüngere Leute zu Wort kommen.

Dann geht es zu einer „Paarship-Psychologin“, die für ihre Bezahlplattform einen Test ausführt und darauf schaut, daß, die einander vorgestellt werdenden Paare zwar gut, aber nicht zu gut zusammenpassen, denn, „Wenn zwei Menschen in 100 Prozent ineinander verzahnt sind, gibt es nichts mehr zu verhandeln.“

Beispiele für Paare auf der Suche im Netz und per Kontaktanzeige, mit der ich über den „Falter“, ja vor fast vierzig Jahren auch den Alfred kennenlernte, gibt es auch und da wird von der „Dating-Oma“ berichtet, die sich mit ihren Herren zuerst mit langen blonden, später mit grauen Haaren immer in der Autobahnraststätte St. Pölten trifft und, daß die Damen und Herren im höheren Alter auch überspitzte Ansprüche haben, merkt man am achtundsiebzigjährigen Otto, der einmal zu einer Dame sagte: „Wir beide trinken den Kaffe noch aus und dann gehen wir. Ich finde das nämlich sehr unverschämt von Ihnen, dass Sie mit dem Rollator kommen.“

Das finde ich von dem lieben Otto eigentlich auch und das nicht nur, weil ich momenatan auch Krücken im Zimmer stehen habe, aber so sind die Menschen  und zum Schluß kommt noch einmal eine Expertin, nämlich die Evolutionsbiologin Elisabeth Oberzaucher, die  auch bei den „Science Busters“ tätig ist und  etwas über „Monogamie“, die Yvonne Widler, glaube ich, nicht für zwingend hält, „Polygynie“ und „Polyandrie“ erklärt.

Ein interessantes Buch, würde ich sagen, über die verschiedenen Formen der Paarbeziehungen, der Hoffnungen und Wünsche darum herum, zu lesen, obwohl auch hier jeder seine Erfahrungen selber machen muß und ich, wie schon erwähnt, inzwischen auch schon in einer recht stabilen Langzeitbeziehung lebe, also irgendwie wissen muß, wie das geht.

2017-12-03

Ach! Reden über die Liebe

Robert Huez

Robert Huez

Jürgen Meindl

Jürgen Meindl

Ach reden wir über die Liebe, ein sehr schöner, hoffnungsvoller und auch interessanter Satz. Das Literaturhaus Wien tut es jetzt fast eine Woche lang, denn seit zwei Jahren, glaube ich, dauert das Erich Fried Symposium so lange und diesmal ist die Liebe das Thema.

Aha, werden meine literarisch gebildeten Leser sagen, das ist ja ein berühmtes Fried-Gedicht und den letzten Absatz, „Es ist wie es ist, sagt die Liebe!“, zitiere ich ja immer besonders gerne, wenn wieder jemand kommt und mir erklärt, daß ich nicht schreiben kann.

Ich schreibe, wie ich kann und ich interessiere mich für Literatur und deshalb bin ich heute auch ins Literaturhaus gegangen, beziehungsweise mit Bus und Straßenbahn gefahren und auch eine Viertelstunde zu spät gekommen, weil ich eine sechs Uhr Stunde hatte und dann bin ich zwei Stunden ganz hinten gestanden und habe den Kopf geschüttelt, als eine Dame, die noch ein Stückchen hinter mir in der letzten Reihe saß, bedeutete, ich solle mich verziehen.

Es ist, wie es ist und ich blieb jetzt auch stehen, weil ich etwas sehen wollte. Es war sehr heiß, ich habe in der Jacke und dem Schal geschwitzt und jetzt tut mir  das Kreuz vom vielen Stehen weh.

„Es ist, wie es ist!“, sagt die Liebe und Erich Fried, der 1921 in Wien geboren und 1988 in Baden Baden, ich glaube, bei einer Veranstaltung, gestorben ist. Dazwischen hat er, weil er ja vor den Nazis fliehen mußte, in London gelebt und die Eröffnungsrednerin des heurigen Symposiums kommt, was sicher nur ein Zufall ist, aus england und weil man für eine Veranstaltung, die dann so voll ist, daß eine keinen Sitzplatz mehr findet, Werbung machen muß, war es heute im Mittagsjournal und als ich da den Namen Jeanette Winterson hörte, schnallte es bei mir, denn „Das Powerbook“ von dieser Autorin liegt ja seit einigen Monaten auf meinen Schlafzimmertischchen. Ich habe es einmal im Schrank gefunden und dann hervorgeholt, denn darin geht es ja über das Netz und ich habe in den letzten Monaten ja einen Internet oder Blogroman geschrieben und dachte, das nehme ich als Recherchelektüre. Dann kam der Sommer und damit das doppelte oder jetzt schon dreifache Buchpreislesen und weil mir jetzt schon fast alle Verlage ihre Vorschauen schicken und ich nicht nein sagen kann oder will, häuft sich mein Badezimmerstapel,  ich schob das Lesen auf und dachte, was auch stimmte, ich kann „Die unsichtbare Frau“ auch ohne dieses Buch schreiben, hatte jetzt aber ein Aha-Erlebnis.

Klaus Amann

Klaus Amann

Zum Signieren habe ich es  trotzdem nicht ins Literaturhaus mitgenommen, erstens bin ich keine Autogrammsammlerin und zweitens ist die Tasche, die ich von der Ruth geschenkt bekommen habe, so klein, daß es nicht hineingepasst hatte, denn da steckte ja ohnehin schon Jovana Reisingers „Still halten“, das vierte Bloggerdebutshortlistbuch, das ich gerade zu lesen angefangen habe.

Zum Weiterlesen bin ich im Literaturhaus aber nicht gekommen, denn ich kam ja zu spät und steckte dann im Stau und als ich das Literaturhaus erreichte, hielt Julia Danielcyk gerade ihre schöne Eröffnungsrede, dann kam der britische Botschafter und sagte, wir alle können seine Facebookfreunde werden, denn er kommuniziere gern mit Menschen.

Dann kam, glaube ich, noch Anne Zauner die Kuratorin und dann schon die 1959 in Manchaster geborene Autorin. Die ist ein Adoptivkind, wurde von streng religiösen Elternangenommen und dann verstoßen, als sie mit sechzehn eine lesbische Bezihung einging, sie ging dann nach Oxford um englische Literatur zu studieren und wurde dann mit ihrem Erstling „Orangen sind nicht die einzige Frucht“, die auch der Botschafter lobend erwähnte, bekannt.

Jetzt hielt sie einen Vortrag auf Englsich über die Liebe, erwähnte Romeo und Julia, Tristan und Isolde und auch Donald Trump dabei, die Lwute lachten und die, die sich zur Diskussion meldeten, luden sie  zum Kaffeetrinken ein, nur leider fliegt sie schon morgen, wenn das Programm so richtig losgeht, wieder zurück.

So konnte man wahrscheinlich mit ihr im Anschluß anstoßen oder sich die Bücher signieren lassen und ich, die ich am Nachhauseweg drei schon vergilbte Taschenbüchlein von der 2015 in Darmstadt verstorbenen Gabriele Wohmann fand, kann mir jetzt überlegen, wann ich „Das Powerbook“ lesen werde.

Am Mittwoch ging es dann im Filmcasino mit zwei Filmen, nämlich dem „Greenaway-Alphabet“ und „Goltzius  and the Pelican Company“ von Peter Greenaway, wo es ziemlich erotisch zuging, weiter.

Am Donnerstag war das Programm wieder im Literaturhaus mit dem Schwerpunkt Prosa und Essay und da bin ich zu dem Vortrag von Bianca Burger über die Sexualratgeber der Zwischenkriegszeit zu spät gekommen, habe aber, glaube ich, einen solchen von Paul Lazarsfeld  in meinem Praxiszimmer stehen.

Teresa Präauer

Teresa Präauer

Franz Schuh

Franz Schuh

Dann kam die Präsentation von Peter von Matts „Sieben Küsse“ und der streifte, weil der Verlag zu seinem achtzigsten Geburtstag, ein Buch von ihm haben wollte, in sieben Essays durch die Literaturwissenschaft, beziehungsweise beschäftigte er sich mit den Werken, wo es um das Küssen ging und da wurde die Mrs Dalloway ja auf ihrer Abendveranstaltung von einer Freundin geküßt und bei Tschechow gibt es auch eine Erzählung, wo ein Langeweiler plötzlich einen Kuß bekomme und darüber aufblüht.

Sehr interessant, obwohl es wahrscheinlich das Beste ist, die Bücher im Original zu lesen, aber zu Mrs Dalloway bin ich noch nicht gekommen, obwohl ich das Buch, glaube ich, mal gefunden habe und jetzt wenigstens weiß, worum es darin geht.

Dann kam Zsuzsa Bank mit ihrem neuen Buch „Schlafen werden wir später“, wo es um eine Mailfreundschaft zweier Freund waren innen geht und ich muß gestehen noch kein Buch von Zsuzsa Bank gelesen zu haben, obwohl ich, glaube ich, einmal bei einer „Literarischen Soiree“ war, wo über eines ihrer Bücher gesprochen wurde. Dagegen habe ich, wie wahrscheinlich die meisten von der Norwegerin Hanne Ostavik  noch nie etwas gehört, was wahrscheinlich kein Wunder ist, da sie jetzt erst übersetzt wurde, obwohl das Buch aus dem sie gelesen hat, schon vor zwanzig Jahren erschienen ist und am Schluß kam der 1954 in London geborene Hanif Kureshi, von ihm habe ich, glaube ich, auch schon was im Schrank gefunden und den Film „Mein wunderbarer Waschsalon“ habe ich 2000 im Rahmen der Widerstandsbewegungen gegen schwarz blau im Filmcasino gesehen.

Der hat jetzt ein Buch geschrieben, wo es um einen achtzigjährigen im Rollstuhl sitzenden Mann geht, der miterleben muß, wie ihn seine Frau mit seinem Freund, der ein Schwindler ist, betrügt.

Am Freitag ging es dann um Lyrics, das heißt zuerst einmal ging es den Literaturwettbewerb für Schüler „Zehn Zeilen  Zuneigung“, den das Festival ausgeschrieben hat. Gustav Ernst, Zita Bereuter, Thomas Ballhausen und Robert Huez waren in der Jury.

Siebzig Texte wurden eingereicht, die drei ausgewählten wurden vorgestellt und dabei hat mir der Text eines jungen Mannes mit blauen langen Haaren „Ich lerne mich zu lieben, damit ich dich lieben kann“, am besten gefallen und das werde ich, glaube ich, auch meinen Klienten so sagen.

Dann gings zu einer von Thomas Ballhausen moderierten Diskussion über Lyrik, bei der Silvia Geist, Tristan Marquart, Judith Nika Pfeifer und Clara Luzia teilgenommen haben.

Klara Luzia ist eine Singer Songwriterin, die im Anschluß ein Solokonzert gab und dazu sagte, daß sie Solokonzerte hassen würde. Dann wurde es hochkarätisch, es kamen nämlich drei je zehn Minuten Lesungen mit Friederike Mayröcker, Jan Wagner und Oswald Egger. Friederike Mayröcker hat 2001 den „Büchner-Preis“ bekommen, Jan Wagner heuer und 2015 den „Preis der Leipziger Buchmesse“ mit seinen Regenbogenvariationen“ und Oswald Egger von dem ich vor kurzem „Val di non“ gelesen habe, den „Trakl-Prei“s. Da war es im Literaturhaus auch sehr voll und dann wurde „Die unmögliche Liebe“ die Kunst des Mminnesangs in Neuübertragungen“ vorgestellt. Das ist ein Buch, das von Tristan Marquart und Jan Wagner herausgegeben wurde und sechzig Dichter und Dichterinnen wie Elke Erb, Ulrike Draesner, Gerhard Ruiss, Oswald Egger, Silvia Geist, etcetera, haben nachgedichtet.

Franz Schuh

Franz Schuh

Teresa Präauer

Teresa Präauer

Silvia Geist, Ulrike Draesner und Oswald Egger haben ihre Übersetzungen vorgestellt. Daniele Strigl hat moderiert. Dann wurden die Stühle für das anschließende Konzert von Sophia  Kennedy weggeräumt, ich habe mir einen Becher Wein gekauft, bei den „Fried Tagen“ muß man neuerdings dafür bezahlen, mich länger mit Helene Hofmann uterhalten, die mir auch mein neues Buch abkaufte, mich dann kurz auf die Sesselreihe im Foyer gesetzt, als sich dann aber die Leute vor mich stellten und ich nichts gesehen habe und es nur laut war, bin ich gegangen, um noch Zeit zum bloggen zu haben, denn das soll man ja, wie mein Kritiker Uli unermüdlich anmerkt, der auf seinen Blog einen längeren diesbezüglichen Artikel geschrieben hat, ja tun. Helene Hofmann hat mich übrigens gefragt, warum ich ihm immer antworte, wahrscheinlich weil ich mich im Argumentieren üben will, harmoniebedürftig bin und mit allen gut auskommen möchte, ist die Antwort, es ist aber schon bedrückend, immer wieder solche Kommentare zu bekommen.

Helene Hoffmann hat mir noch gesagt, daß sie am Samstag den „Graphic Novel-Tag“ nicht kommen würde und ich habe mich noch gewundert, daß es diese einen ganzen Nachmittag und Abend geben würde, denn ich bin keine Graphic Novel Spezialistin, obwohl ich schon einige gelesen habe und als ich dann am Samstag knapp vor zwei eintraf, war es wieder sehr voll, so daß ich gerade noch in der vorletzten Reihe einen Platz bekommen habe.  Zita Bereuther saß am Podium mit dem 1960 in Boston geborenen Scott Mc Cloud, der seine Novel „Der Bildhauer“ vorstellte und einen fulminanten Einblick in das Comicschreiben gab.

Dann ging es nach Frankreich oder zu den 1984 geborenen Bastien Vivens, der schon drei Novels geschrieben hat, eine heißt „Der Geschmack des Chlor“, da gibt es viel Bewegung und kaum Sprache, denn Bastien Vivens kommt vom Trickfilm her, bei der „Schwester“ und der „Liebe“ änderte sich das und als ich in der Pause in die untere Bibliothek, dort wo es den Büchertisch und die Getränke gibt, ging, wunderte ich mich über die Schlangen, die sich die Bücher signieren ließen und die beispielsweise, die des danach auftretenden Amerikaner Craig Thompson, eine amerikanischen Comic Größe, wie Anne Zauner einleitete, waren auch sehr teuer. Die Leute stellten sich aber, glaube ich, über eine Stunde an und die Autoren zeichneten auch etwas in das Buch hinein.

Erstaunlich für mich, die ich ja eher den Eindruck habe, Bücher wären unverkäuflich, bei Comics ist das offenbar anders und dann kam  noch eine Österreicherin, nämlich die 1967 in Wien geborene Ulli Lust, mir bisher genauso unbekannt, wie die anderen Autoren und die bestätigte etwas, was schon Craig Thompson erwähnte, daß Graphic Novels oder Comics sehr autobiografisch wären.

Sie hat zwei solche, sowie die „Flughunde“ von Marcel Beyer, nämlich „Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“, sowie  brandneu, die Fortsetzung davon „Wie ich versuchte ein guter Mensch zu sein“, wo es um eine Dreiecksbeziehung, nämlich ihre sexuelle Beziehung zu einem Nigerianer und die mehr intellektuelle zu ihrem Freund Georg oder so, ging.

Sehr erstaunlich für mich diese Erfahrung, gelten ja, wie auch diskutiert wurde, die autobiografischen Elelemente in der Literatur als etwas eher Verpöntes und, daß sich soviele Leute dafür interessieren, die Bücher kaufen und sich eine Stunde dafür anstellen, war für mich auch neu, obwohl bei der Friederike Mayröcker steht man wahrscheinlich auch etwas länger, aber da haben die Buchhändler, als sie den Bp bekam schon gestöhnt, daß sie sich nicht so gut verlaufen lassen würde.

Eine neue Erkenntnis und ein Eck der Literatur in dem ich nicht so zu Hause bin, dann ging es von den Comics weg und wurde wieder experimenteller, stellte doch Sebastian Fasthuber den Amerikaner Mark Z. Danieleswski und sein Monsterprojekt „The Familar“ vor, von dem es schon fünf Bände gibt, siebenundzwanzig sollen es noch werden und es geht darin, um eine Katze und um noch vieles andere. Eine Sondernummer der „Flugschrift“ hat der Autor auch gestaltet.

Das war es dann, der Parcour der verschiedenen Genres durch die Liebe und am Sonntag kam dann die berühmte Preisverleihung und da ist ja das Besondere, daß hier ein Juror allein entscheidet, weil man sonst ja meistens den Durchschnitt der Jurymitglieder also zu einer Kompromißentscheidung kommen muß und diesmal war Franz Schuh der Juror, dessen „Fortuna: Aus dem Magazin des Glücks“ auf der „Longlist des österreichischen Buchpreises“ stand und der hat  Teresa Präauer ausgewäht, die mir ja das erste Mal als Illustratorin von Wolf Haas „Die Gans im Gegenteil“ aufgefallen ist, dann hat sie schnell ein paar Romane herausgebracht und aus dem mit den Affen hat sie in Klagenfurt gelesen und wurde durch alle Runden durchgewinkt und ist ohne Preis nach Hause gegangen, bei den „O-Tönen“ im letzten Jahr habe ich sie daraus gehört. Aber zuerst kamen im Literaturhaus, in der obeneren Bibliothek, wo man jetzt aus Angst vor dem Bücherdiebstahl die Jacken abgeben mußte, eine Reihe von Begrüßungsreden.

Dann kam der Klagenfurter Literaturprofessor Klaus Amann, der mich auch einmal mit Mitjuroren für einen Preis nominiert hat, mit der Vorstellung des Laudators.

Da las er eine Rezension vor, wo bedauert wurde, daß der Autor über kein Werk verfüge, weil keinen Roman geschrieben und ich dachte „<Ö ha, was ist denn mit dem „Stadtrat“, ein Buch, von dem ich, wie meine Leser vielleicht wissen, bedauere, es noch nicht gelesen zu habe, aber das ist ja bei „Ritter“ erschienen und hat sich daher  nicht zu den Rezensten durchgesprochen.

Dann kam die Laudatio in der sich Franz Schuh auf „Jonny und Jean“ bezog, das offensichtlich auch bei den  O-Tönen vorgestellt wurde und Teresa Präauer bezog sich in ihrer Dankesrede auf den „Blick“ oder die „Posen der Jugend“, das ist offenbar ein Bild einer Künstlerin, wo zwei Jugendliche auf einem Sofa sitzen und vor sich hinschauen. Daraus hat sie einen Rundumschlag auf die prekären Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse gezogen und sich danach bei allen, also auch beim Publkium für den Preis bedankt.

2017-05-09

Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Jetzt kommt ein Buch, das ich unter anderen Schätzchen im „Wortschatz“ gefunden habe und eines das mir, was ja, wie meine Leser vielleicht bemerkten, gar nicht so oft vorkommt, erstaunlich gut gefallen hat.

Ein japanischer Roman, von der 1962, geborenenen Yoko Ogawa, von der ich noch nichts gelesen habe, die in den Blogs aber öfter vorkommt und die auch eines meiner Lieblingsthemen, nämlich der Umgang mit dem Gedächtnisverlust, dem Älterwerden und dem Sterben, behandelt.

Sie tut es auf eine sehr poetische Art und Weise: „Ein Buch über Freundschaft und Verlust – und über die Schönheit der Mathematik“, wie auf dem Buchrücken steht und die japanische Literatur, in der ich mich nicht so besonders auskenne, hat auch ihren eigenen, geheimnisvollen Reiz.

Ein Buch von Haruki Murakami, dem Großmeister habe ich gelesen, eines von seinem Namensvetter, eines von  Yasushi Inoue , sowie von Kazuo Ishiguro das sind schon fast meine gesamten Kenntnisse der japanischen Literatur und richtig bei der „Literatur im Herbst“, war es auch einmal das Thema.

Die Funde aus den Bücherschränken sind also ein großer Gewinn,sie füllen meine literarischen Lücken und die Geschichte ist schnell oder auch sehr langsam erzählt, den sie lebt, glaube ich, von den Ausparungen und den Andeutungen.

Eine namenlose Haushälterin ist die Ich-Erzählerin, sie wird von ihrer Agentur zu einem Mathematikprofessor geschickt, der vor einigen Jahren einen Autorunfall hatte und sich die Ereignisse jetzt nur mehr achtzig Minuten merken kann.

Er wohnt in einem Gartenpavillon im Hause seiner Schwägerin, die die Haushälterin, eine junge Frau mit einem zehnjährigen Sohn auch engagiert.

Dann verschwindet sie in ihrem Haus, das die Haushälterin nie betreten soll und der Professor ist ein schmaler Mann in einem schäbigen Anzug auf dem unzählige Zettelchen kleben, damit er sich in seinem Leben zurechtfindet.

Er löst mathematische Rätsel und schickt sie an Zeitschriften, womit er viele Preise gewinnt und er nimmt mit seiner Haushälterin den Kontakt auch über Zahlen auf, so fragt er sie nach ihrer Schuhgröße und erklärt ihr diesbezügliche Zusammenhänge und sie beginnt sich, die wohl keine gründliche Schulbildung hat, für die Mathematik zu interessieren.

Der Professor ist auch sehr kinderliebend, so fordert er sie auf, was in ihrer Agentur eigentlich streng verboten ist, nach der Schule, den Sohn herzuholen und mit ihm geheimsam Abend zu essen, weil das für ein Kind ja wichtig ist und nennt ihn „Root“, Wurzel, nach seiner Kopfform.

Eine wichtige Verbindung ist auch das Baseballspielen. Der Zehnjährige interessiert sich dafür und der Professor tut es auch, aber weil der ja schon Jahre kein Gedächtnis mehr hat, sind seine Lieblingsspieler nicht mehr aktuell und das stellt die beiden vor ein Problem, weil sie nicht wissen, wie sie das dem Professor beibringen sollen, weil sie ihn nicht verletzen wollen.

Es kommt eines Tages auch zu einem kleinen Unfall. Root schneidet sich beim Apfel schälen in den Finger, während die Mutter einkaufen war und, als sie zurückkommt, findet sie die beiden blutüberströmt und außer Fassung vor.

Der Professor trägt das Kind dann ins Krankenhaus und zu einem Baseballspiel wollen die beiden, den Professor auch mitnehmen. Das ist für den alten Herrn, der mit seinen Zettlchen auffällt, natürlich anstrengend und so verfälllt er nachher in ein hohes Fieber, so daß die junge Frau, obwohl auch das streng verboten ist, sich weigert, um neunzehn Uhr nach Hause zu gehen, sondern mit dem Kind die Nacht über bei ihm bleibt. Das führt zu einer Beschwerde, sie wird in ihre Agentur gerufen und muß die Stelle wechseln.

Für den Professor eigentlich kein Problem, hat er sie ja nach achtzig Minuten vergessen, für die unge Frau, die jetzt bei einem Stuerberaterehepaar arbeitet aber schon. Root wird wieder ein Schlüßelkind und sie wird eines Tages von der Agentur angerufen, sie soll sofort in das Haus des Professors kommen, weil ihr Sohn etwas Schreckliches angestellt hat.

Der hat den alten Mann nur besucht, die Schwägerin ist aber mißtrauisch, fragt die ehemalige Haushälerin, ob sie das nur des Geldes wegen getan hat und was sie damit bezweckt? Die antwortet „Aus Freundschaft!“ und der Professor legt plötzlich ein Zettelchen mit der „Eulerischen Formel“ auf den Tisch, als wolle er Streit vermeiden.

Damit wird scheinbar alles wieder gut, die Haushälterin wird wieder eingestellt, der Professor gewinnt den ersten Preis beim Preisausschreiben und Root wird, seltsamerweise, die Geschichte spielt in den Neunzigerjahren, am 11. 9. elf Jahre alt. So beretiten sie für ihn und den Professor ein großes Fest, suchen dafür lang eine Sammelkarte seines Lieblingsspielers, es gibt auch ein Problem mit den Kerzen und der Torte und am nächsten Tag ruft die Schwägerin an. Die Haushälterin braucht nicht mehr kommen, denn der Schwager, dessen Gedächtnisspanne noch kürzer gworden ist und jetzt nicht mehr über das Unfallsjahr 1975 hinausgeht, kommt in ein Altersheim.

Ja, richtig ein Geheimnis gab es auch noch, das die Haushälterin entdeckte, nämlich in einer Kassettte mit den Baseballspielerkarten, lag ein Manuskript und darauf stand „Für N. in ewiger Liebe. Du sollst mich nie vergesssen“ und N. ist, wie die Haushälterin weiß, die Schwägerin und, die sagt ihr dann noch, auf die Frage, ob sie ihn nicht auch im Altersheim betreuen soll: „Das ist nicht nötig. Ich werde bei ihm sein. An Sie wird sich mein Schwager nie mehr erinnern, mich hingegen wird er nie vergessen.“

Sie und Root besuchen ihn aber doch bis zu seinem Tod, das letzte Mal elf jahre später, als Root schon zweiundzwanzig ist und sein Lehramtsexamen bestanden hat, also in Zukunft auch Mathematiklehrer sein wird.

Ein sehr berührende, geheimnisvolle Geschichte, nicht so realistisch, wie meine Texte über den Tod, das Älterwerden und das Sterben, aber trotz aller Aussparungen und der vielen Kleindetail,  verständlich und nachvollziehbar, die mich sehr beeindruckt hat und ich nun auch gern die anderen Bücher der Autorin lesen möchte. Aber die müßte ich erst finden.

2016-02-12

Zwei für immer

Nach dem „Datingbuch“ der Engländerin Laura Henderson geht es  weiter mit der englischen Literatur, in dem es irgendwie auch um Dates und Beziehungen geht, ein Buch aus dem Hause „Aufbau“, beziehungsweise „rütten & loening“, das auf dem ersten Blick, wie ein ChickLit wirkt.

Ist es aber nicht, der Autor, Andy Jones, Geburtsdatum wird im Klappentext keines angegeben, der mit seiner Frau und seinen Töchtern in London lebt und in einer Werbeagentur arbeitet, schreibt dort, „daß es ein Buch für Männer werden hätte sollen und ein Liebesroman herausgekommen ist.“

Ich würde es „Memoir“ nennen, obwohl ich nicht weiß, wieviel davon autobiografisch ist, sind die Angaben, die man im Netz über Andy Jones findet, ja eher spärlich und es geht um eine Beziehung, beziehungsweise um eine Schwangerschaft.

So könnte man den Roman auch fast als Sachbuch darüber bezeichnen, es geht aber auch um mehr.

Da ist William, Fisher wird er in dem Buch genannt, Anfang dreißig und Regisseur von Werbefilmen über Klopapier und Käse und der verliebt sich in Ivy, schon Anfang vierzig, die am Set als Maskenbildnerin tätig ist.

So beginnt das Buch, daß die Beiden, die ersten zwei Wochen ihrer Beziehung im Bett beziehungsweise in einer ihrer Wohnungen verbringen, dann fahren sie zu Fishers Familie. Es gibt nur einen Vater und eine Schwester mit drei Kindern, zwei davon sind Zwillinge, die Mutter ist bei einem Autounfall gestorben, als sie Fisher und seinen Freund El, als Jugendlichen vom Kino abholen wollte.

Nachdem Fisher, Ivy, die viele Narben hat, weil sie als Kind durch einen Glastisch gefallen ist, der Familie vorstellte, kommt es zur ersten Krise, Ivy verschwindet, Fisher glaubt, sie will mit ihm Schluß machen, dann bestellt sie ihm in ein Cafe und verrät ihm, daß sie schwanger ist.

Schon schwanger und die Beiden kennen sich  noch kaum. Wie kann das gehen?

Es geht auch nicht ganz so gut, obwohl sie zusammen ziehen, denn wenn man sich nicht kennt, kommt es zu Mißverständnissen. Kauft sie doch keine Vollmilch, läßt die Klotür immer offen und er versucht ihr zweimal sein Lieblingsgericht zu kochen und beide Male landet es im Müll.

Er wird auch ihrer Familie vorgestellt und der Bruder Frank, der sich scheiden lassen will, was die Eltern nicht wissen dürfen, zieht in Ivys Wohnung ein und stört das Paar, denn das Zimmer in dem er schläft, soll das Kinderzimmer werden und nach dem ersten Ultraschall stellt sich auch noch heraus, es werden Zwillinge.

Es gibt aber noch andere Komplikationen, so hat Fisher einen Freund, der im Sterben liegt und dessen Lebenspartner schon eine andere Beziehung hat und es taucht auch eine Suzy aauf, für die Fisher einen anspruchsvolleren Film drehen soll.

Die Schwangerschaft geht weiter und, wie eine solche passiert, wird in dem Buch  genau beschrieben und einige der vierzig Kapitel, bestehen nur aus ein paar Gemüse- und Früchtenamen“.

„Pfirsich, Zitrone, Apfel, Avocado, Zwiebel,Süßkartoffel“, beispielsweise und „Süßkartoffel“ ist die Größe, die ein Baby in der achtzehnten Woche hat.

Zu Weihnachten gibt es eine Krise, die Beiden wachsen aber zusammen, gehen zur Geburtsvorbereitung, besorgen zwei Babybettchen, zwei Körbchen, etcetera und richten das Kinderzimmer ein, nachdem Frank doch ausgezogen ist.

Sie suchen auch nach Namen für die Kinder und dann hört das eine mit dem Bewegen auf.

Die Kinder werden geboren. Baby Dan ist eine „stille“ Geburt, trotzdem hält ihn Ivy ein paar Tage in der Hand, bis das namenlose Baby oder Baby D auf der Intensivstation liegt, dann geht es nach Hause und Baby D hat sechsunddreiißig Tage keinen Namen. In England ist das offenbar vierzig Tage möglich. Ob das bei uns auch so ist?

Es geht aber alles gut aus, Baby D bekommt den Namen seines toten Bruder, die Familie zieht in ein größeres Haus  und geheiratet wird wahrscheinlich auch.

Ein interessantes Buch, ein bißchen ungewöhnlich und gar nicht so einfach hineinzukommen, bis man merkt, daß man schon drin und von der Thematik gefangen ist.

Ich habe vor kurzen ein anderes Buch über Mutterschaft gelesen.

Dieses wurde von einem Mann geschrieben und es vereinigt wahrscheinlich vieles in einem. Sachbuch, Erlebnisbericht, Liebesroman, um Sterbehilfe geht es auch, etcetera.

Es wird geheiratet und gesoffen, geliebt und gestritten und das rote weiße Cover, das ich ein wenig kitschig finde, verrät auch, daß sich da zwei oder drei für ein Leben gefunden haben, das der Beziehungsaufbau nicht ganz einfach ist, aber trotz Katastrophen und Schicksalschläge gelingen kann.

 

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