Literaturgefluester

2019-03-29

Sie sagt, er sagt

Filed under: Bücher — jancak @ 00:25
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Jetzt kommt das letzte Buch aus der „Frauentag-Schwerpunktreihe“ und es ist eines, sehr passend über die „Liebe“, die  auch auf der Donnerstagsdemo am Valentinstag sehr gefeiert wurde.

„Gespräche über die Liebe“, die in Wien lebende Journalistin Yvonne  Widler, nennt es kein „Ratgeberbuch“ und Maxie Wander hat in der DDR vor Jahrzehnten mit „Guten Morgen du Schöne“, wohl etwas Ähnliches begonnen, Nadine Kegele es in „Lieben muß man unfrisiert“ fortgesetzt und Yvonne Widler hat sich auch mit Experten und Expertinnen, Beziehungscoaches, Therapeuten, Scheidungsanwälten und natürlich  Männern und Frauen über dieses Thema unterhalten und es in vier Expertenrunden  beschrieben, um herauszufinden, was das perfekte Rezept für ein länger anhaltendes Miteinander in Zeiten, wo jede zweite Ehe geschieden wird und man nicht sehr lange, weil die Ansprüche ja sehr sehr hoch geworden und man finanzieller auch unabhänger ist, um eine schlechte Ehe auszuhalten, zusammenbleiben muß, eigentlich ist.

Da gäbe es ja die schon bekannte Erkenntnisse, daß die Beziehungen halten, wo jeder unabhängig ist und seine eigene Interessen und Freundeskreis hat.

In Zeiten, wo ja schon unzählige Ratgeberbücher, die Regale und Bibliotheken füllen, muß das natürlich moderner und auch wieder in unverständlchen Englisch ausgedrückt werden, aber interessant ist natürlich, was die Paare dazu sagen und, wie sie ihr Leben und ihr Lieben miteinander beschreiben.

So erzählt ein Scheidungsanwalt warum er seinen Kindern raten würde, zu heiraten und ein sehr erfolgreicher, sehr selbstbewußter Beziehungscoach empfängt Yvonne Widler in seiner schmucken Villa am westlichen Strandrand und stellt ihr überraschende Fragen und zur Idee des Buches ist es in Madeira gekommen, wo in ihrem Hotels viele alten Paare Urlaub machten und sie ihr Umgehen miteinander beobachten konnte.

Im Kapitel „Von Höhen und Tiefen“ werden unter anderem sowohl ein lesbisches als auch ein schwules Paar interviewt. Dann teilt eine Paartherapeutin, die Viktor Frankl erwähnt, ihre Erfahrungen mit den Paarbeziehungen mit und erzählt am Schluß eine Anekdote, daß eine alte Frau, die fast ihr ganzes Leben mit einem Mann verheiratet war, nach dessen Tod, einen Achtzigjährigen kennenlernte, von dem sie dann sagte, daß er die „Große Liebe ihres Lebens war!“

Soetwas gibt es auch, obwohl ich mir das für mich nicht vorstellen kann und das nächste Kapitel ist auch dem „Gemeinsam alt werden“ gewidmet, wobei hier seltsamerweise, neben zwei älten Paaren, die schon das Pflegeheim berwohnen, auch jüngere Leute zu Wort kommen.

Dann geht es zu einer „Paarship-Psychologin“, die für ihre Bezahlplattform einen Test ausführt und darauf schaut, daß, die einander vorgestellt werdenden Paare zwar gut, aber nicht zu gut zusammenpassen, denn, „Wenn zwei Menschen in 100 Prozent ineinander verzahnt sind, gibt es nichts mehr zu verhandeln.“

Beispiele für Paare auf der Suche im Netz und per Kontaktanzeige, mit der ich über den „Falter“, ja vor fast vierzig Jahren auch den Alfred kennenlernte, gibt es auch und da wird von der „Dating-Oma“ berichtet, die sich mit ihren Herren zuerst mit langen blonden, später mit grauen Haaren immer in der Autobahnraststätte St. Pölten trifft und, daß die Damen und Herren im höheren Alter auch überspitzte Ansprüche haben, merkt man am achtundsiebzigjährigen Otto, der einmal zu einer Dame sagte: „Wir beide trinken den Kaffe noch aus und dann gehen wir. Ich finde das nämlich sehr unverschämt von Ihnen, dass Sie mit dem Rollator kommen.“

Das finde ich von dem lieben Otto eigentlich auch und das nicht nur, weil ich momenatan auch Krücken im Zimmer stehen habe, aber so sind die Menschen  und zum Schluß kommt noch einmal eine Expertin, nämlich die Evolutionsbiologin Elisabeth Oberzaucher, die  auch bei den „Science Busters“ tätig ist und  etwas über „Monogamie“, die Yvonne Widler, glaube ich, nicht für zwingend hält, „Polygynie“ und „Polyandrie“ erklärt.

Ein interessantes Buch, würde ich sagen, über die verschiedenen Formen der Paarbeziehungen, der Hoffnungen und Wünsche darum herum, zu lesen, obwohl auch hier jeder seine Erfahrungen selber machen muß und ich, wie schon erwähnt, inzwischen auch schon in einer recht stabilen Langzeitbeziehung lebe, also irgendwie wissen muß, wie das geht.

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2017-12-03

Ach! Reden über die Liebe

Robert Huez

Robert Huez

Jürgen Meindl

Jürgen Meindl

Ach reden wir über die Liebe, ein sehr schöner, hoffnungsvoller und auch interessanter Satz. Das Literaturhaus Wien tut es jetzt fast eine Woche lang, denn seit zwei Jahren, glaube ich, dauert das Erich Fried Symposium so lange und diesmal ist die Liebe das Thema.

Aha, werden meine literarisch gebildeten Leser sagen, das ist ja ein berühmtes Fried-Gedicht und den letzten Absatz, „Es ist wie es ist, sagt die Liebe!“, zitiere ich ja immer besonders gerne, wenn wieder jemand kommt und mir erklärt, daß ich nicht schreiben kann.

Ich schreibe, wie ich kann und ich interessiere mich für Literatur und deshalb bin ich heute auch ins Literaturhaus gegangen, beziehungsweise mit Bus und Straßenbahn gefahren und auch eine Viertelstunde zu spät gekommen, weil ich eine sechs Uhr Stunde hatte und dann bin ich zwei Stunden ganz hinten gestanden und habe den Kopf geschüttelt, als eine Dame, die noch ein Stückchen hinter mir in der letzten Reihe saß, bedeutete, ich solle mich verziehen.

Es ist, wie es ist und ich blieb jetzt auch stehen, weil ich etwas sehen wollte. Es war sehr heiß, ich habe in der Jacke und dem Schal geschwitzt und jetzt tut mir  das Kreuz vom vielen Stehen weh.

„Es ist, wie es ist!“, sagt die Liebe und Erich Fried, der 1921 in Wien geboren und 1988 in Baden Baden, ich glaube, bei einer Veranstaltung, gestorben ist. Dazwischen hat er, weil er ja vor den Nazis fliehen mußte, in London gelebt und die Eröffnungsrednerin des heurigen Symposiums kommt, was sicher nur ein Zufall ist, aus england und weil man für eine Veranstaltung, die dann so voll ist, daß eine keinen Sitzplatz mehr findet, Werbung machen muß, war es heute im Mittagsjournal und als ich da den Namen Jeanette Winterson hörte, schnallte es bei mir, denn „Das Powerbook“ von dieser Autorin liegt ja seit einigen Monaten auf meinen Schlafzimmertischchen. Ich habe es einmal im Schrank gefunden und dann hervorgeholt, denn darin geht es ja über das Netz und ich habe in den letzten Monaten ja einen Internet oder Blogroman geschrieben und dachte, das nehme ich als Recherchelektüre. Dann kam der Sommer und damit das doppelte oder jetzt schon dreifache Buchpreislesen und weil mir jetzt schon fast alle Verlage ihre Vorschauen schicken und ich nicht nein sagen kann oder will, häuft sich mein Badezimmerstapel,  ich schob das Lesen auf und dachte, was auch stimmte, ich kann „Die unsichtbare Frau“ auch ohne dieses Buch schreiben, hatte jetzt aber ein Aha-Erlebnis.

Klaus Amann

Klaus Amann

Zum Signieren habe ich es  trotzdem nicht ins Literaturhaus mitgenommen, erstens bin ich keine Autogrammsammlerin und zweitens ist die Tasche, die ich von der Ruth geschenkt bekommen habe, so klein, daß es nicht hineingepasst hatte, denn da steckte ja ohnehin schon Jovana Reisingers „Still halten“, das vierte Bloggerdebutshortlistbuch, das ich gerade zu lesen angefangen habe.

Zum Weiterlesen bin ich im Literaturhaus aber nicht gekommen, denn ich kam ja zu spät und steckte dann im Stau und als ich das Literaturhaus erreichte, hielt Julia Danielcyk gerade ihre schöne Eröffnungsrede, dann kam der britische Botschafter und sagte, wir alle können seine Facebookfreunde werden, denn er kommuniziere gern mit Menschen.

Dann kam, glaube ich, noch Anne Zauner die Kuratorin und dann schon die 1959 in Manchaster geborene Autorin. Die ist ein Adoptivkind, wurde von streng religiösen Elternangenommen und dann verstoßen, als sie mit sechzehn eine lesbische Bezihung einging, sie ging dann nach Oxford um englische Literatur zu studieren und wurde dann mit ihrem Erstling „Orangen sind nicht die einzige Frucht“, die auch der Botschafter lobend erwähnte, bekannt.

Jetzt hielt sie einen Vortrag auf Englsich über die Liebe, erwähnte Romeo und Julia, Tristan und Isolde und auch Donald Trump dabei, die Lwute lachten und die, die sich zur Diskussion meldeten, luden sie  zum Kaffeetrinken ein, nur leider fliegt sie schon morgen, wenn das Programm so richtig losgeht, wieder zurück.

So konnte man wahrscheinlich mit ihr im Anschluß anstoßen oder sich die Bücher signieren lassen und ich, die ich am Nachhauseweg drei schon vergilbte Taschenbüchlein von der 2015 in Darmstadt verstorbenen Gabriele Wohmann fand, kann mir jetzt überlegen, wann ich „Das Powerbook“ lesen werde.

Am Mittwoch ging es dann im Filmcasino mit zwei Filmen, nämlich dem „Greenaway-Alphabet“ und „Goltzius  and the Pelican Company“ von Peter Greenaway, wo es ziemlich erotisch zuging, weiter.

Am Donnerstag war das Programm wieder im Literaturhaus mit dem Schwerpunkt Prosa und Essay und da bin ich zu dem Vortrag von Bianca Burger über die Sexualratgeber der Zwischenkriegszeit zu spät gekommen, habe aber, glaube ich, einen solchen von Paul Lazarsfeld  in meinem Praxiszimmer stehen.

Teresa Präauer

Teresa Präauer

Franz Schuh

Franz Schuh

Dann kam die Präsentation von Peter von Matts „Sieben Küsse“ und der streifte, weil der Verlag zu seinem achtzigsten Geburtstag, ein Buch von ihm haben wollte, in sieben Essays durch die Literaturwissenschaft, beziehungsweise beschäftigte er sich mit den Werken, wo es um das Küssen ging und da wurde die Mrs Dalloway ja auf ihrer Abendveranstaltung von einer Freundin geküßt und bei Tschechow gibt es auch eine Erzählung, wo ein Langeweiler plötzlich einen Kuß bekomme und darüber aufblüht.

Sehr interessant, obwohl es wahrscheinlich das Beste ist, die Bücher im Original zu lesen, aber zu Mrs Dalloway bin ich noch nicht gekommen, obwohl ich das Buch, glaube ich, mal gefunden habe und jetzt wenigstens weiß, worum es darin geht.

Dann kam Zsuzsa Bank mit ihrem neuen Buch „Schlafen werden wir später“, wo es um eine Mailfreundschaft zweier Freund waren innen geht und ich muß gestehen noch kein Buch von Zsuzsa Bank gelesen zu haben, obwohl ich, glaube ich, einmal bei einer „Literarischen Soiree“ war, wo über eines ihrer Bücher gesprochen wurde. Dagegen habe ich, wie wahrscheinlich die meisten von der Norwegerin Hanne Ostavik  noch nie etwas gehört, was wahrscheinlich kein Wunder ist, da sie jetzt erst übersetzt wurde, obwohl das Buch aus dem sie gelesen hat, schon vor zwanzig Jahren erschienen ist und am Schluß kam der 1954 in London geborene Hanif Kureshi, von ihm habe ich, glaube ich, auch schon was im Schrank gefunden und den Film „Mein wunderbarer Waschsalon“ habe ich 2000 im Rahmen der Widerstandsbewegungen gegen schwarz blau im Filmcasino gesehen.

Der hat jetzt ein Buch geschrieben, wo es um einen achtzigjährigen im Rollstuhl sitzenden Mann geht, der miterleben muß, wie ihn seine Frau mit seinem Freund, der ein Schwindler ist, betrügt.

Am Freitag ging es dann um Lyrics, das heißt zuerst einmal ging es den Literaturwettbewerb für Schüler „Zehn Zeilen  Zuneigung“, den das Festival ausgeschrieben hat. Gustav Ernst, Zita Bereuter, Thomas Ballhausen und Robert Huez waren in der Jury.

Siebzig Texte wurden eingereicht, die drei ausgewählten wurden vorgestellt und dabei hat mir der Text eines jungen Mannes mit blauen langen Haaren „Ich lerne mich zu lieben, damit ich dich lieben kann“, am besten gefallen und das werde ich, glaube ich, auch meinen Klienten so sagen.

Dann gings zu einer von Thomas Ballhausen moderierten Diskussion über Lyrik, bei der Silvia Geist, Tristan Marquart, Judith Nika Pfeifer und Clara Luzia teilgenommen haben.

Klara Luzia ist eine Singer Songwriterin, die im Anschluß ein Solokonzert gab und dazu sagte, daß sie Solokonzerte hassen würde. Dann wurde es hochkarätisch, es kamen nämlich drei je zehn Minuten Lesungen mit Friederike Mayröcker, Jan Wagner und Oswald Egger. Friederike Mayröcker hat 2001 den „Büchner-Preis“ bekommen, Jan Wagner heuer und 2015 den „Preis der Leipziger Buchmesse“ mit seinen Regenbogenvariationen“ und Oswald Egger von dem ich vor kurzem „Val di non“ gelesen habe, den „Trakl-Prei“s. Da war es im Literaturhaus auch sehr voll und dann wurde „Die unmögliche Liebe“ die Kunst des Mminnesangs in Neuübertragungen“ vorgestellt. Das ist ein Buch, das von Tristan Marquart und Jan Wagner herausgegeben wurde und sechzig Dichter und Dichterinnen wie Elke Erb, Ulrike Draesner, Gerhard Ruiss, Oswald Egger, Silvia Geist, etcetera, haben nachgedichtet.

Franz Schuh

Franz Schuh

Teresa Präauer

Teresa Präauer

Silvia Geist, Ulrike Draesner und Oswald Egger haben ihre Übersetzungen vorgestellt. Daniele Strigl hat moderiert. Dann wurden die Stühle für das anschließende Konzert von Sophia  Kennedy weggeräumt, ich habe mir einen Becher Wein gekauft, bei den „Fried Tagen“ muß man neuerdings dafür bezahlen, mich länger mit Helene Hofmann uterhalten, die mir auch mein neues Buch abkaufte, mich dann kurz auf die Sesselreihe im Foyer gesetzt, als sich dann aber die Leute vor mich stellten und ich nichts gesehen habe und es nur laut war, bin ich gegangen, um noch Zeit zum bloggen zu haben, denn das soll man ja, wie mein Kritiker Uli unermüdlich anmerkt, der auf seinen Blog einen längeren diesbezüglichen Artikel geschrieben hat, ja tun. Helene Hofmann hat mich übrigens gefragt, warum ich ihm immer antworte, wahrscheinlich weil ich mich im Argumentieren üben will, harmoniebedürftig bin und mit allen gut auskommen möchte, ist die Antwort, es ist aber schon bedrückend, immer wieder solche Kommentare zu bekommen.

Helene Hoffmann hat mir noch gesagt, daß sie am Samstag den „Graphic Novel-Tag“ nicht kommen würde und ich habe mich noch gewundert, daß es diese einen ganzen Nachmittag und Abend geben würde, denn ich bin keine Graphic Novel Spezialistin, obwohl ich schon einige gelesen habe und als ich dann am Samstag knapp vor zwei eintraf, war es wieder sehr voll, so daß ich gerade noch in der vorletzten Reihe einen Platz bekommen habe.  Zita Bereuther saß am Podium mit dem 1960 in Boston geborenen Scott Mc Cloud, der seine Novel „Der Bildhauer“ vorstellte und einen fulminanten Einblick in das Comicschreiben gab.

Dann ging es nach Frankreich oder zu den 1984 geborenen Bastien Vivens, der schon drei Novels geschrieben hat, eine heißt „Der Geschmack des Chlor“, da gibt es viel Bewegung und kaum Sprache, denn Bastien Vivens kommt vom Trickfilm her, bei der „Schwester“ und der „Liebe“ änderte sich das und als ich in der Pause in die untere Bibliothek, dort wo es den Büchertisch und die Getränke gibt, ging, wunderte ich mich über die Schlangen, die sich die Bücher signieren ließen und die beispielsweise, die des danach auftretenden Amerikaner Craig Thompson, eine amerikanischen Comic Größe, wie Anne Zauner einleitete, waren auch sehr teuer. Die Leute stellten sich aber, glaube ich, über eine Stunde an und die Autoren zeichneten auch etwas in das Buch hinein.

Erstaunlich für mich, die ich ja eher den Eindruck habe, Bücher wären unverkäuflich, bei Comics ist das offenbar anders und dann kam  noch eine Österreicherin, nämlich die 1967 in Wien geborene Ulli Lust, mir bisher genauso unbekannt, wie die anderen Autoren und die bestätigte etwas, was schon Craig Thompson erwähnte, daß Graphic Novels oder Comics sehr autobiografisch wären.

Sie hat zwei solche, sowie die „Flughunde“ von Marcel Beyer, nämlich „Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“, sowie  brandneu, die Fortsetzung davon „Wie ich versuchte ein guter Mensch zu sein“, wo es um eine Dreiecksbeziehung, nämlich ihre sexuelle Beziehung zu einem Nigerianer und die mehr intellektuelle zu ihrem Freund Georg oder so, ging.

Sehr erstaunlich für mich diese Erfahrung, gelten ja, wie auch diskutiert wurde, die autobiografischen Elelemente in der Literatur als etwas eher Verpöntes und, daß sich soviele Leute dafür interessieren, die Bücher kaufen und sich eine Stunde dafür anstellen, war für mich auch neu, obwohl bei der Friederike Mayröcker steht man wahrscheinlich auch etwas länger, aber da haben die Buchhändler, als sie den Bp bekam schon gestöhnt, daß sie sich nicht so gut verlaufen lassen würde.

Eine neue Erkenntnis und ein Eck der Literatur in dem ich nicht so zu Hause bin, dann ging es von den Comics weg und wurde wieder experimenteller, stellte doch Sebastian Fasthuber den Amerikaner Mark Z. Danieleswski und sein Monsterprojekt „The Familar“ vor, von dem es schon fünf Bände gibt, siebenundzwanzig sollen es noch werden und es geht darin, um eine Katze und um noch vieles andere. Eine Sondernummer der „Flugschrift“ hat der Autor auch gestaltet.

Das war es dann, der Parcour der verschiedenen Genres durch die Liebe und am Sonntag kam dann die berühmte Preisverleihung und da ist ja das Besondere, daß hier ein Juror allein entscheidet, weil man sonst ja meistens den Durchschnitt der Jurymitglieder also zu einer Kompromißentscheidung kommen muß und diesmal war Franz Schuh der Juror, dessen „Fortuna: Aus dem Magazin des Glücks“ auf der „Longlist des österreichischen Buchpreises“ stand und der hat  Teresa Präauer ausgewäht, die mir ja das erste Mal als Illustratorin von Wolf Haas „Die Gans im Gegenteil“ aufgefallen ist, dann hat sie schnell ein paar Romane herausgebracht und aus dem mit den Affen hat sie in Klagenfurt gelesen und wurde durch alle Runden durchgewinkt und ist ohne Preis nach Hause gegangen, bei den „O-Tönen“ im letzten Jahr habe ich sie daraus gehört. Aber zuerst kamen im Literaturhaus, in der obeneren Bibliothek, wo man jetzt aus Angst vor dem Bücherdiebstahl die Jacken abgeben mußte, eine Reihe von Begrüßungsreden.

Dann kam der Klagenfurter Literaturprofessor Klaus Amann, der mich auch einmal mit Mitjuroren für einen Preis nominiert hat, mit der Vorstellung des Laudators.

Da las er eine Rezension vor, wo bedauert wurde, daß der Autor über kein Werk verfüge, weil keinen Roman geschrieben und ich dachte „<Ö ha, was ist denn mit dem „Stadtrat“, ein Buch, von dem ich, wie meine Leser vielleicht wissen, bedauere, es noch nicht gelesen zu habe, aber das ist ja bei „Ritter“ erschienen und hat sich daher  nicht zu den Rezensten durchgesprochen.

Dann kam die Laudatio in der sich Franz Schuh auf „Jonny und Jean“ bezog, das offensichtlich auch bei den  O-Tönen vorgestellt wurde und Teresa Präauer bezog sich in ihrer Dankesrede auf den „Blick“ oder die „Posen der Jugend“, das ist offenbar ein Bild einer Künstlerin, wo zwei Jugendliche auf einem Sofa sitzen und vor sich hinschauen. Daraus hat sie einen Rundumschlag auf die prekären Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse gezogen und sich danach bei allen, also auch beim Publkium für den Preis bedankt.

2017-05-09

Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Jetzt kommt ein Buch, das ich unter anderen Schätzchen im „Wortschatz“ gefunden habe und eines das mir, was ja, wie meine Leser vielleicht bemerkten, gar nicht so oft vorkommt, erstaunlich gut gefallen hat.

Ein japanischer Roman, von der 1962, geborenenen Yoko Ogawa, von der ich noch nichts gelesen habe, die in den Blogs aber öfter vorkommt und die auch eines meiner Lieblingsthemen, nämlich der Umgang mit dem Gedächtnisverlust, dem Älterwerden und dem Sterben, behandelt.

Sie tut es auf eine sehr poetische Art und Weise: „Ein Buch über Freundschaft und Verlust – und über die Schönheit der Mathematik“, wie auf dem Buchrücken steht und die japanische Literatur, in der ich mich nicht so besonders auskenne, hat auch ihren eigenen, geheimnisvollen Reiz.

Ein Buch von Haruki Murakami, dem Großmeister habe ich gelesen, eines von seinem Namensvetter, eines von  Yasushi Inoue , sowie von Kazuo Ishiguro das sind schon fast meine gesamten Kenntnisse der japanischen Literatur und richtig bei der „Literatur im Herbst“, war es auch einmal das Thema.

Die Funde aus den Bücherschränken sind also ein großer Gewinn,sie füllen meine literarischen Lücken und die Geschichte ist schnell oder auch sehr langsam erzählt, den sie lebt, glaube ich, von den Ausparungen und den Andeutungen.

Eine namenlose Haushälterin ist die Ich-Erzählerin, sie wird von ihrer Agentur zu einem Mathematikprofessor geschickt, der vor einigen Jahren einen Autorunfall hatte und sich die Ereignisse jetzt nur mehr achtzig Minuten merken kann.

Er wohnt in einem Gartenpavillon im Hause seiner Schwägerin, die die Haushälterin, eine junge Frau mit einem zehnjährigen Sohn auch engagiert.

Dann verschwindet sie in ihrem Haus, das die Haushälterin nie betreten soll und der Professor ist ein schmaler Mann in einem schäbigen Anzug auf dem unzählige Zettelchen kleben, damit er sich in seinem Leben zurechtfindet.

Er löst mathematische Rätsel und schickt sie an Zeitschriften, womit er viele Preise gewinnt und er nimmt mit seiner Haushälterin den Kontakt auch über Zahlen auf, so fragt er sie nach ihrer Schuhgröße und erklärt ihr diesbezügliche Zusammenhänge und sie beginnt sich, die wohl keine gründliche Schulbildung hat, für die Mathematik zu interessieren.

Der Professor ist auch sehr kinderliebend, so fordert er sie auf, was in ihrer Agentur eigentlich streng verboten ist, nach der Schule, den Sohn herzuholen und mit ihm geheimsam Abend zu essen, weil das für ein Kind ja wichtig ist und nennt ihn „Root“, Wurzel, nach seiner Kopfform.

Eine wichtige Verbindung ist auch das Baseballspielen. Der Zehnjährige interessiert sich dafür und der Professor tut es auch, aber weil der ja schon Jahre kein Gedächtnis mehr hat, sind seine Lieblingsspieler nicht mehr aktuell und das stellt die beiden vor ein Problem, weil sie nicht wissen, wie sie das dem Professor beibringen sollen, weil sie ihn nicht verletzen wollen.

Es kommt eines Tages auch zu einem kleinen Unfall. Root schneidet sich beim Apfel schälen in den Finger, während die Mutter einkaufen war und, als sie zurückkommt, findet sie die beiden blutüberströmt und außer Fassung vor.

Der Professor trägt das Kind dann ins Krankenhaus und zu einem Baseballspiel wollen die beiden, den Professor auch mitnehmen. Das ist für den alten Herrn, der mit seinen Zettlchen auffällt, natürlich anstrengend und so verfälllt er nachher in ein hohes Fieber, so daß die junge Frau, obwohl auch das streng verboten ist, sich weigert, um neunzehn Uhr nach Hause zu gehen, sondern mit dem Kind die Nacht über bei ihm bleibt. Das führt zu einer Beschwerde, sie wird in ihre Agentur gerufen und muß die Stelle wechseln.

Für den Professor eigentlich kein Problem, hat er sie ja nach achtzig Minuten vergessen, für die unge Frau, die jetzt bei einem Stuerberaterehepaar arbeitet aber schon. Root wird wieder ein Schlüßelkind und sie wird eines Tages von der Agentur angerufen, sie soll sofort in das Haus des Professors kommen, weil ihr Sohn etwas Schreckliches angestellt hat.

Der hat den alten Mann nur besucht, die Schwägerin ist aber mißtrauisch, fragt die ehemalige Haushälerin, ob sie das nur des Geldes wegen getan hat und was sie damit bezweckt? Die antwortet „Aus Freundschaft!“ und der Professor legt plötzlich ein Zettelchen mit der „Eulerischen Formel“ auf den Tisch, als wolle er Streit vermeiden.

Damit wird scheinbar alles wieder gut, die Haushälterin wird wieder eingestellt, der Professor gewinnt den ersten Preis beim Preisausschreiben und Root wird, seltsamerweise, die Geschichte spielt in den Neunzigerjahren, am 11. 9. elf Jahre alt. So beretiten sie für ihn und den Professor ein großes Fest, suchen dafür lang eine Sammelkarte seines Lieblingsspielers, es gibt auch ein Problem mit den Kerzen und der Torte und am nächsten Tag ruft die Schwägerin an. Die Haushälterin braucht nicht mehr kommen, denn der Schwager, dessen Gedächtnisspanne noch kürzer gworden ist und jetzt nicht mehr über das Unfallsjahr 1975 hinausgeht, kommt in ein Altersheim.

Ja, richtig ein Geheimnis gab es auch noch, das die Haushälterin entdeckte, nämlich in einer Kassettte mit den Baseballspielerkarten, lag ein Manuskript und darauf stand „Für N. in ewiger Liebe. Du sollst mich nie vergesssen“ und N. ist, wie die Haushälterin weiß, die Schwägerin und, die sagt ihr dann noch, auf die Frage, ob sie ihn nicht auch im Altersheim betreuen soll: „Das ist nicht nötig. Ich werde bei ihm sein. An Sie wird sich mein Schwager nie mehr erinnern, mich hingegen wird er nie vergessen.“

Sie und Root besuchen ihn aber doch bis zu seinem Tod, das letzte Mal elf jahre später, als Root schon zweiundzwanzig ist und sein Lehramtsexamen bestanden hat, also in Zukunft auch Mathematiklehrer sein wird.

Ein sehr berührende, geheimnisvolle Geschichte, nicht so realistisch, wie meine Texte über den Tod, das Älterwerden und das Sterben, aber trotz aller Aussparungen und der vielen Kleindetail,  verständlich und nachvollziehbar, die mich sehr beeindruckt hat und ich nun auch gern die anderen Bücher der Autorin lesen möchte. Aber die müßte ich erst finden.

2016-02-12

Zwei für immer

Nach dem „Datingbuch“ der Engländerin Laura Henderson geht es  weiter mit der englischen Literatur, in dem es irgendwie auch um Dates und Beziehungen geht, ein Buch aus dem Hause „Aufbau“, beziehungsweise „rütten & loening“, das auf dem ersten Blick, wie ein ChickLit wirkt.

Ist es aber nicht, der Autor, Andy Jones, Geburtsdatum wird im Klappentext keines angegeben, der mit seiner Frau und seinen Töchtern in London lebt und in einer Werbeagentur arbeitet, schreibt dort, „daß es ein Buch für Männer werden hätte sollen und ein Liebesroman herausgekommen ist.“

Ich würde es „Memoir“ nennen, obwohl ich nicht weiß, wieviel davon autobiografisch ist, sind die Angaben, die man im Netz über Andy Jones findet, ja eher spärlich und es geht um eine Beziehung, beziehungsweise um eine Schwangerschaft.

So könnte man den Roman auch fast als Sachbuch darüber bezeichnen, es geht aber auch um mehr.

Da ist William, Fisher wird er in dem Buch genannt, Anfang dreißig und Regisseur von Werbefilmen über Klopapier und Käse und der verliebt sich in Ivy, schon Anfang vierzig, die am Set als Maskenbildnerin tätig ist.

So beginnt das Buch, daß die Beiden, die ersten zwei Wochen ihrer Beziehung im Bett beziehungsweise in einer ihrer Wohnungen verbringen, dann fahren sie zu Fishers Familie. Es gibt nur einen Vater und eine Schwester mit drei Kindern, zwei davon sind Zwillinge, die Mutter ist bei einem Autounfall gestorben, als sie Fisher und seinen Freund El, als Jugendlichen vom Kino abholen wollte.

Nachdem Fisher, Ivy, die viele Narben hat, weil sie als Kind durch einen Glastisch gefallen ist, der Familie vorstellte, kommt es zur ersten Krise, Ivy verschwindet, Fisher glaubt, sie will mit ihm Schluß machen, dann bestellt sie ihm in ein Cafe und verrät ihm, daß sie schwanger ist.

Schon schwanger und die Beiden kennen sich  noch kaum. Wie kann das gehen?

Es geht auch nicht ganz so gut, obwohl sie zusammen ziehen, denn wenn man sich nicht kennt, kommt es zu Mißverständnissen. Kauft sie doch keine Vollmilch, läßt die Klotür immer offen und er versucht ihr zweimal sein Lieblingsgericht zu kochen und beide Male landet es im Müll.

Er wird auch ihrer Familie vorgestellt und der Bruder Frank, der sich scheiden lassen will, was die Eltern nicht wissen dürfen, zieht in Ivys Wohnung ein und stört das Paar, denn das Zimmer in dem er schläft, soll das Kinderzimmer werden und nach dem ersten Ultraschall stellt sich auch noch heraus, es werden Zwillinge.

Es gibt aber noch andere Komplikationen, so hat Fisher einen Freund, der im Sterben liegt und dessen Lebenspartner schon eine andere Beziehung hat und es taucht auch eine Suzy aauf, für die Fisher einen anspruchsvolleren Film drehen soll.

Die Schwangerschaft geht weiter und, wie eine solche passiert, wird in dem Buch  genau beschrieben und einige der vierzig Kapitel, bestehen nur aus ein paar Gemüse- und Früchtenamen“.

„Pfirsich, Zitrone, Apfel, Avocado, Zwiebel,Süßkartoffel“, beispielsweise und „Süßkartoffel“ ist die Größe, die ein Baby in der achtzehnten Woche hat.

Zu Weihnachten gibt es eine Krise, die Beiden wachsen aber zusammen, gehen zur Geburtsvorbereitung, besorgen zwei Babybettchen, zwei Körbchen, etcetera und richten das Kinderzimmer ein, nachdem Frank doch ausgezogen ist.

Sie suchen auch nach Namen für die Kinder und dann hört das eine mit dem Bewegen auf.

Die Kinder werden geboren. Baby Dan ist eine „stille“ Geburt, trotzdem hält ihn Ivy ein paar Tage in der Hand, bis das namenlose Baby oder Baby D auf der Intensivstation liegt, dann geht es nach Hause und Baby D hat sechsunddreiißig Tage keinen Namen. In England ist das offenbar vierzig Tage möglich. Ob das bei uns auch so ist?

Es geht aber alles gut aus, Baby D bekommt den Namen seines toten Bruder, die Familie zieht in ein größeres Haus  und geheiratet wird wahrscheinlich auch.

Ein interessantes Buch, ein bißchen ungewöhnlich und gar nicht so einfach hineinzukommen, bis man merkt, daß man schon drin und von der Thematik gefangen ist.

Ich habe vor kurzen ein anderes Buch über Mutterschaft gelesen.

Dieses wurde von einem Mann geschrieben und es vereinigt wahrscheinlich vieles in einem. Sachbuch, Erlebnisbericht, Liebesroman, um Sterbehilfe geht es auch, etcetera.

Es wird geheiratet und gesoffen, geliebt und gestritten und das rote weiße Cover, das ich ein wenig kitschig finde, verrät auch, daß sich da zwei oder drei für ein Leben gefunden haben, das der Beziehungsaufbau nicht ganz einfach ist, aber trotz Katastrophen und Schicksalschläge gelingen kann.

 

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